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Rechtsextremismus

Houston Stewart Chamberlain (1855-1927), der Schwiegersohn Richard Wagners, gehört zu einem der bekanntesten rechtsextremen Ideologen des Bayreuther Kreises. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv)
Der Münchner Verleger Julius Friedrich Lehmann (1863-1935) war eine zentrale Figur im Alldeutschen Verband. ( (aus: Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. 2. Band, Berlin 1931, S. 1089)
Der Hygieniker Max von Gruber (1853-1927) war Mitbegründer der Münchner Gesellschaft für Rassenhygiene und spätere Vorsitzender des bayerischen Landesverbandes der DVLP. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv)
In der antisemitischen Zeitschrift "Der Weltkampf. Monatsschrift fuer die Judenfrage aller Laender" verbreitete Alfred Rosenberg seine Theorien. Titelblatt der ersten Ausgabe 1924. (Bayerische Staatsbibliothek)
Mathilde Ludendorff gründete eine 1925 die religiöse Sekte "Deutschvolk" und war maßgeblich an der antisemitischen Ausrichtung des Tannenbergbundes beteiligt.(Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann, hoff-10452)

von Paul Hoser

Antidemokratische Bestrebungen des äußerst rechten politischen Spektrums, die ein aggressives völkisch-nationalistisches, autoritäres Gedankengut vertreten und Antisemitismus sowie Fremdenfeindlichkeit schüren. Vor 1918 waren rechtsextreme Bewegungen in Bayern unbedeutend. Hochkonjunktur hatten sie dagegen in der Zeit von der Niederschlagung der Räterepublik bis zum Scheitern des Hitlerputsches. Spätestens seit der Reichstagswahl 1930 waren die Nationalsozialisten, die nun den rechtsextremen Bereich dominierten, ein ernst zu nehmender Faktor der Politik. Nachdem sie an die Macht gelangt waren, wurde der Rechtsextremismus mit dem alleinigen Machtanspruch der Partei staatlich institutionalisiert. Die nach 1945 entstandenen Gruppen und Organisationen sind trotz aller Einigungsversuche zersplittert. Es gelang ihnen nicht, erneut und dauerhaft ein Massenpotential und damit politischen Einfluss zu gewinnen.

Zum Begriff

Trotz aller Schwächen und Unschärfen ist der Begriff bisher immer noch das Grundinstrument für entsprechende Studien und erlaubt einleuchtendere Definitionsmöglichkeiten als der herkömmliche Faschismusbegriff. Sieht man als wesentliche Bestandteile des deutschen Rechtsradikalismus das Bekenntnis zu Nationalismus, Imperialismus und Militarismus als positiven Identifikationselementen, so sind als Feindbilder Internationalismus und Pazifismus bereits vorgegeben. Die Vorstellung einer allen anderen überlegenen Nation impliziert die Feindschaft zu allem als nicht deutsch Empfundenen außer- und innerhalb dieser Nation. Hervorstechend ist dabei der Antisemitismus mit dem biologistischen Konstrukt einer für die germanische Rasse gefährlichen jüdischen, die wiederum als Verkörperung des Internationalismus angesehen wird. Heute richtet sich die Aggression im deutschen Raum insbesondere auch gegen Minderheiten, die aus Gründen der Arbeitsuche ins Land kamen, vorzugsweise aus der Türkei, oder gegen Asylanten aus afrikanischen oder asiatischen Ländern.

Die Stoßrichtung gegen den Internationalismus galt auch dem marxistischen, egalitären Sozialismus als dominierender Ideologie der Arbeiterbewegung. Doch schloss dies antikapitalistische Sichtweisen nicht aus. So war und ist nicht nur die Vorstellung von einer sozialistisch-jüdischen Internationale, sondern auch die von einer kapitalistisch-jüdischen verbreitet. Weitere Komponenten waren ein vulgärer Sozialdarwinismus, der in letzter Konsequenz auf die totale Vernichtung des als rassisch minderwertig angesehenen Gegners abzielte und revolutionäre Züge hatte, sowie die Ablehnung des als schwächlich gesehenen Parlamentarismus und der humanen Ideale von Freiheit und Gleichheit. Unter den angeführten Aspekten kann der Begriff des „Rechtsradikalismus“ anders als etwa der Faschismus-Begriff epochenübergreifend verwendet werden.

Ähnliche Vorstellungen gab es auch unter den Konservativen. Sie waren jedoch dem bestehenden Staat enger verbunden, zielten nicht auf eine radikale Umgestaltung von Staat und Gesellschaft und grenzten sich strikt von sozialistischen Vorstellungen ab. Sie lehnten zwar die Demokratie ab, favorisierten aber eher rückwärtsgewandte, autoritäre, elitäre Regierungsmodelle. Den totalitären Alleinherrschaftsanspruch einer Partei über den Staat akzeptierten sie nicht. Auch die permanente aktivistische Massenmobilisierung war ihnen im Grunde zuwider. Die Übergänge waren und sind jedoch oft fließend, so dass eine idealtypische Qualifizierung einzelner Organisationen als "rechtskonservativ" oder "rechtsradikal" problematisch ist. Auch das Attribut "völkisch", das noch in der Weimarer Republik die älteren Konkurrenten der Nationalsozialisten für sich verwendeten, ermöglicht keine scharfe Scheidung. Eine neue Studie (Andreas Morgenstern) differenziert die vielfach synonym gebrauchten Begriffe des Rechtsradikalismus und des Rechtsextremismus. Der eine lehne den demokratischen Verfassungsstaat grundsätzlich ab und wolle ihn zerstören, während ihn der andere in seinem Sinn umwandeln und deformieren wolle. Diese konstruierte Unterscheidung ist allerdings im Einzelfall sehr schwer durchzuhalten, überlagern sich doch beide Strömungen in allen rechten Parteien. Um überhaupt agieren zu können, bekennen sie sich zumindestens formal zur demokratischen Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Die in ihrem Umfeld agierenden gewaltbereiten Gruppen nehmen dagegen auch Illegalität in Kauf.

Antisemitische Parteigruppierungen und Interessenorganisationen vor 1914

In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg streckten rechtsextreme Organisationen ihre Fühler auch nach Bayern aus, das aber eher ein Nebenschauplatz blieb; allerdings reichten einzelne Elemente rechtsextremer Vorstellungen bis in breite Schichten hinein. Auch die zeitweise im Reichstag vertretenen antisemitischen Parteigruppierungen blieben in Bayern bedeutungslos, keiner der Abgeordneten stammte von dort. Hochburgen waren Berlin, Pommern, Nordhessen und Sachsen.

Die wichtigste rechtsradikale Organisation dieser Zeit war der imperialistische, antidemokratische, militaristische "Alldeutsche Verband" mit seinem rassistischen, sozialdarwinistischen Antisemitismus. In Bayern befanden sich nur 4 von rund 340 Ortsgruppen im Reich insgesamt, er hatte aber prominente Anhänger im nationalliberalen Lager. Eine zentrale Figur war der Münchner Verleger Julius Friedrich Lehmann (1863-1935).

In München entstand Ende 1891 als erste antisemitische politische Gruppierung Bayerns der "Deutsch-Soziale Verein". Er stand für mittelständische Kreise des Einzelhandels und des Handwerks und war streng monarchistisch, antidemokratisch, völkisch und antisemitisch mit einer antikapitalistischen Note. Jüdische Geschäftsleute und Warenhäuser sollten boykottiert werden. 1893 benannte er sich in "Antisemitische Volkspartei" um. Die besonders radikale, radauantisemitische Münchner Gruppe propagierte die Ritualmordlüge. Auch in Nürnberg gründeten Handwerker und Kleinhändler einen antisemitischen Verein unter dem Namen "Deutsch-sozialer Reform-Verein Nürnberg und Umgebung". 1894 hatte er angeblich 100 ordentliche und 1.056 fördernde Mitglieder, löste sich 1901 aber wieder auf.

Die mitgliederstärkste antisemitische Interessenorganisation dürfte der "Deutschnationale Handlungsgehilfenverband" gewesen sein, eine antisozialistische Gewerkschaft der kaufmännischen Angestellten mit Schwerpunkt in Hamburg. 1925 hatte er in Bayern 16.420 Mitglieder. Seit 1928 war der aus Fürth stammende spätere Gauleiter von Danzig-Westpreußen, Albert Forster (1902-1952), Funktionär dieser Organisation.

Eine antisemitische Stoßrichtung hatte auch die von Theodor Fritsch (1852-1933) in Dresden 1911 gegründete "Reichsdeutsche Mittelstandsvereinigung". Sie fand in Bayern vor allem unter den Protestanten im mittel- und oberfränkischen Raum Anhänger. Fritsch gründete 1912 neben dem Reichshammerbund den rasseantisemitischen "Germanenorden", der nach dem Vorbild der Freimaurerlogen zu einer geheimen Kommandozentrale für die gesamte völkische Bewegung ausgebaut werden sollte.

Rechtsextreme Ideologen in Bayern vor 1914

Von den in Bayern angesiedelten ideologischen Zentren ist der Bayreuther Kreis um die Familie Richard Wagners (1813-1883) und seinen Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain (1855-1927) am bekanntesten. 1899 erschien Chamberlains Werk "Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" im renommierten Münchner Bruckmann-Verlag. Nach der Grundthese des Buchs seien die Germanen der Motor des geschichtlichen Fortschritts, ihr Gegenpol der "jüdische Rassengeist". In der Folgezeit propagierte Chamberlain einen immer simpler werdenden, aggressiven Nationalismus. Von dem Bayreuther Kreis gingen Impulse für die völkische Jugend aus.

Seit 1907 lebte der Arzt Alfred Ploetz (1860-1940) in München, wo er mit dem Hygieniker Max von Gruber (1853-1927) die "Münchner Gesellschaft für Rassenhygiene" gründete, der auch Lehmann beitrat. Ploetz war ein Vertreter sozialdarwinistischer Vorstellungen und geriet erst seit dem Ersten Weltkrieg zunehmend unter den Einfluss völkischer Kreise.

Zum Kreis um den Dichter Stefan George (1868-1933) gehörten Alfred Schuler (1865-1923) mit seiner von antisemitischem Rassismus getränkten Blutmystik und Ludwig Klages (1872-1956), dessen 1904 erschienenes antisemitisches Pamphlet "Typische Ausdrucksstörungen und das Wesen der Hysterie" alle Klischees bediente. Beide wurden zwar teilweise in höheren Gesellschaftskreisen Münchens rezipiert, waren aber für eine Breitenwirkung zu exklusiv.

Von der Münchner Kunstszene war August Julius Langbehn (1851-1907) inspiriert, dessen 1890 in Leipzig anonym erschienenes Buch "Rembrandt als Erzieher" eine tief beseelte deutsche Kunst der in seinen Augen zersetzenden französischen gegenüberstellte. Das Buch mit seinen nationalistischen und antisemitischen Anklängen wurde zum Bestseller.

Entwicklung im Ersten Weltkrieg

Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs versuchte der Vorsitzende des Alldeutschen Verbands, Heinrich Claß (1868-1953), zu hemmungsloser Annexionspropaganda zu nutzen, hatte dabei aber keinen großen Erfolg, da die Zensur solche Tendenzen rigoros unterband. Als Organ dieser Kriegsziele brachte der Münchner Verleger Lehmann seit 1917 die Zeitschrift "Deutschlands Erneuerung" heraus. Die Feinde der gemäßigten Politik des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg (1856-1921) fanden sich in der Landeshauptstadt im "Volksausschuß für die rasche Niederkämpfung Englands" zusammen. Initiator und geheimer Motor war der Alldeutsche Verband, die zentrale Figur war Max von Gruber. Vertreten waren Politiker aus allen Parteien bis hin zur Sozialdemokratie.

Querverbindungen liefen zu dem Kreis um Paul Nikolaus Cossmann (1869-1942), dem Herausgeber der in München erscheinenden "Süddeutschen Monatshefte". Cossmann sympathisierte mit der im September 1917 gegründeten "Deutschen Vaterlandspartei", zu deren Vorstandmitgliedern Max von Gruber zählte. Zum Kreis der Vaterlandspartei gehörten adlige Mitglieder der Reichsrätekammer, Vertreter der Konservativen, der Liberalen, des Zentrums und der Industrie. Auch der Alldeutsche Verband war vertreten. Der neuen Partei haftete jedoch der Makel der preußischen Herkunft an, weshalb ihr in Bayern keine große Anhängerschaft beschieden war.

Rechtsextremismus während der Weimarer Republik

Mit Beginn der 1920er Jahre wurde Bayern das Land, in dem der Rechtsextremismus den größten Aufschwung erlebte. Die gescheiterte Räterepublik, die Inflationskrise, die relative Schwäche der Arbeiterbewegung in einem Agrarland und die Toleranz der herkömmlichen konservativen Ordnungsmächte erlaubten es rechtsradikalen Strömungen, sich zu entfalten, darunter als wirkungsmächtigster dem Nationalsozialismus.

Der Antisemitismus nahm bereits gegen Ende des Krieges bis in die Reihen der bürgerlichen Presse hinein zu; Juden wurden für die Lebensmittelknappheit verantwortlich gemacht. Im Februar 1919 entstand in Bamberg der "Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund" mit der Absicht, alle antisemitisch-völkischen Gruppierungen zu vereinen. Die Leitung lag bei General a. D. Konstantin Freiherr von Gebsattel (1854-1932). Programmatisch war der propagandistisch hemmungslose Bund auf das Ziel festgelegt, die Juden in Deutschland unter ein diskriminierendes Ausnahmerecht zu stellen.

Am 17. August 1918 wandelte Rudolf von Sebottendorff (eigentlich Glauer, 1875-1945) den "Germanenorden" in die "Thule-Gesellschaft" um. Er bekämpfte den Freistaat; die gegenrevolutionären Aktionen, an denen die Thule-Gesellschaft beteiligt war, scheiterten jedoch.

Unmittelbar nach der Beseitigung der Räterepublik in München bildete sich eine antisemitische "Deutschsozialistische Arbeitsgemeinschaft". Sie hatte auch in Nürnberg eine Hochburg. Bei den Reichstagswahlen im Juni 1920 kandidierte der gebürtige Schwabe Julius Streicher (1885-1946) an der Spitze der Reichsliste, jedoch ohne Erfolg. Streicher schloss sich im Oktober 1921 vorübergehend einer anderen völkisch-antisemitischen Gruppe an, der im März 1921 in Augsburg gegründeten "Deutschen Werkgemeinschaft" von Otto Dickel. Sie war für wirtschaftsfriedliche Kooperation mit den Unternehmern und verfocht einen Antisemitismus, der sich gegen die angebliche Herrschaft der Juden, aber nicht gegen das Judentum an sich wandte.

Deutsche Arbeiterpartei (DAP) - Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)

Der für die "Thulegesellschaft" engagierte Sportjournalist Karl Harrer (1890-1926) war auch für die von Anton Drexler (1884-1942) am 5. Januar 1919 gegründete "Deutsche Arbeiterpartei" aktiv, aus der im Februar 1920 Adolf Hitlers (1889-1945) "Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei" (NSDAP) entstand. Hitler wollte durch eine autoritär geführte Massenorganisation und durch Massenagitation an die Macht gelangen und verwarf die Geheimbündelei. Neu war auch die in Versammlungen der Gegner von seinen Anhängern entfaltete ungezügelte Gewaltbereitschaft. Die deutsch-sozialistischen Ortsgruppen in Bayern gingen 1920 größtenteils in der NSDAP auf. 1922 stieß auch Streicher zu ihr und wurde Vorsitzender der Nürnberger Ortsgruppe.

Konservative Einwohnerwehren und Wehrverbände

Neben den Vereinen und Parteigruppen völkischer Provenienz entstanden nach 1918 in Bayern militante paramilitärische Organisationen, in denen rechtsradikale Strömungen einen großen Spielraum hatten. Protektor der Einwohnerwehren war der Regierungspräsident von Oberbayern und spätere Ministerpräsident Gustav von Kahr (1862-1934). Als Organisatoren taten sich der Forstrat Georg Escherich (1870-1941) und Otto Pittinger (1878-1926) hervor, letzterer als Leiter des "Bundes Bayern und Reich". Er bot ein Beispiel für die in Bayern damals wahrnehmbare Verbindung disparater Elemente, nämlich völkischer Tendenzen einerseits und bajuwarisch-partikularistischer, monarchistischer und katholischer andererseits. Er gab dem Antisemitismus Raum, war entschieden antimarxistisch und schlug auch nationalistische Töne an.

Seit Ende 1922 waren die meisten national ausgerichteten Organisationen in der "Vereinigung der Vaterländischen Verbänden in Bayern" (VVVB) als Dachorganisation zusammengefasst. Die soldatischen und Traditionsverbände waren in der Mehrheit, die zweitstärkste Gruppe waren die Vereinigungen nationalistischer Couleur, die Wehrverbände kamen erst an dritter Stelle, waren aber wegen ihres großen Aktivismus und ihres Zugangs zu Waffen am einflussreichsten.

Rechtsradikale Wehrverbände

Auf die Bemühungen des Hauptmanns und Generalstabsoffiziers beim Infanterieführer der VII. bayerischen Division, Ernst Röhm (1887-1934), hin entstand im Februar 1923 die "Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Verbände". In ihr fanden sich jetzt unter anderem die aus den Einwohnerwehren in Franken hervorgegangene "Reichsflagge", die Nationalsozialisten, die SA und der aus dem Freikorps hervorgegangene "Bund Oberland" zusammen. Die SA ging aus der 1920 entstandenen "Turn-und Sportabteilung" hervor. Erster Ausbilder war Leutnant zur See a. D. Hans Ulrich Klintzsch (geb. 1898), einer der Offiziere der "Organisation Consul" (O.C.) des Kapitäns a.D. Hermann Ehrhardt (1881-1971), die für den Mord an Matthias Erzberger (Zentrum, 1875-1921) verantwortlich war. Auf dem "Deutschen Tag" in Nürnberg" am 1. und 2. September 1923 schlossen sich SA, Oberland und Reichsflagge zum "Deutschen Kampfbund" unter der Leitung Adolf Hitlers zusammen. Verstärkt wurde er durch den "Jungdeutschen Orden". Dieser war von der nationalistisch-völkischen Jugendbewegung beeinflusst und gegen die Arbeiterbewegung eingestellt. In Bayern lag seine Hochburg in Franken.

Die Wende nach dem Hitlerputsch

Dem als Generalstaatskommissar mit Sondervollmachten eingesetzten Kahr, der sich immer mehr in die Abhängigkeit der Wehrverbände begeben hatte, gelang es im Herbst 1923 nicht, das Aggressionspotential des Kampfbundes in den Griff zu bekommen. Die Folge war der Hitlerputsch, mit dessen Scheitern die Phase der bis zum Mord ausgearteten, tolerierten Gewalt endete, ebenso die antisemitisch motivierten Gewalttaten oder Willkürakte der Bürokratie. Zwischen 1921 und 1923 waren mehrfach jüdische Bürger überfallen und misshandelt worden (z. B. in München, Memmingen, Nürnberg). Auch Kahr hatte den Boden demokratischen Handelns verlassen, als er, um den Nationalsozialisten entgegenzukommen, willkürlich eine Reihe von Ostjuden ausweisen ließ.

Die Völkischen um Ludendorff

Schon Ende Januar 1924 entstand, von Hitler autorisiert, als Nachfolgeorganisation der verbotenen NSDAP eine bald in sich zerstrittene "Großdeutsche Volksgemeinschaft" (GVG). Angesichts der im April anstehenden Landtagswahlen konstituierte sich als Ersatz für die nationalsozialistische Partei der "Völkische Block" (VBl). Integrationsfigur war der ehemalige Generalquartiermeister der Obersten Heeresleitung, Erich Ludendorff (1865-1937). Bei den Landtagswahlen errangen die Rechtsradikalen 17,1 % der Stimmen. Besonders hoch waren ihre Ergebnisse in den protestantischen Gebieten Ober- und Mittelfrankens, aber auch in Oberbayern war ihr Erfolg überdurchschnittlich.

Nach der Entlassung Hitlers aus der Festungshaft Ende 1924 geriet Ludendorff zunehmend ins politische Abseits. Mit der Gründung des "Tannenbergbundes" im September 1925 glaubte er, durch die Zusammenfassung von Jugend- und Wehrverbänden doch noch eine Massenbasis mobilisieren zu können. Er war militaristisch, nationalistisch, antimarxistisch, antikatholisch und antisemitisch orientiert und gab sich auch antikapitalistisch. Seine spezielle Eigenheit war die Propaganda gegen Juden, Jesuiten und Freimaurer. Sie ging insbesondere auf Ludendorffs zweite Frau Mathilde von Kemnitz (1877-1966) zurück, die 1925 die religiöse Sekte "Deutschvolk" gründete. Zu politischem Einfluss gelangte die Gruppierung nicht.

Rechtsextreme Verlage und Ideologen in Bayern nach 1918

Der Münchner Verleger Lehmann druckte die Schriften des nationalsozialistischen Rasseideologen Richard Walther Darré (1895-1953). Völkische und nationalsozialistische Publikationen brachten auch die Verlage Oldenbourg und Callwey heraus. Rudolf John Gorsleben (1883-1930), ehemaliger Gauleiter des "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes", ließ im Verlag "Deutsche Freiheit", der seit 1926 in Dinkelsbühl ansässig war, die Zeitschrift "Arische Freiheit" erscheinen. Um sie versammelten sich Anhänger esoterisch-okkulter Rassenlehren. Der in München gegründete "Deutsche Volksverlag Dr. Ernst Boepple" verlegte Werke führender Persönlichkeiten der Völkischen, einzelner völkisch-religiöser Gruppen und der Nationalsozialisten. Dort erschien zunächst Alfred Rosenbergs (1893-1946) Zeitschrift "Der Weltkampf", die dann der von Dietrich Eckart (1868-1923) gegründete Münchner "Hoheneichen-Verlag" übernahm. Er brachte auch das Hauptwerk des Parteiphilosophen, den antikatholischen, antisemitischen "Mythus des 20. Jahrhunderts" heraus. Das meistverkaufte Buch des NSDAP-Parteiverlags "Franz Eher Nachf. GmbH" war Hitlers "Mein Kampf".

Rechtskonservative Publikationen mit Ausstrahlung ins rechtsextreme Lager

Wichtige Teilelemente rechtsradikaler Ideologie enthielten das in einem Berliner Verlag herausgegebene Buch des gebürtigen Ludwigshafener Schriftstellers Edgar Julius Jung (1894-1934), "Die Herrschaft der Minderwertigen", und die Schriften des in München ansässigen Geschichtsphilosophen Oswald Spengler (1880-1936).

Der 1925 von dem Herausgeber der "Süddeutschen Monatshefte", Paul Nikolaus Cossmann, provozierte "Dolchstoß-Prozeß" vor dem Amtsgericht München gab zwar Gegnern und Befürworten die Möglichkeit, sich zu inszenieren, war aber insbesondere Wasser auf die Mühlen der radikalen Rechten. In den Süddeutschen Monatsheften hatte Cossmann, der jüdischer Abstammung war und zum Katholizismus konvertierte, bereits im Februar 1919 die antisemitischen Thesen Gottfried Feders (1883-1941) zur "Brechung der Zinsknechtschaft" veröffentlicht, der dann zu den Nationalsozialisten stieß.

Rechtsextremismus und Herrschaft des Nationalsozialismus

Erst unter den Ausnahmebedingungen der Reichstagswahlen vom 5. März 1933 wurden die Nationalsozialisten auch in Bayern die stärkste Partei, die den alleinigen Machtanspruch erhob und den Rechtsextremismus staatlich institutionalisierte. Auch in die katholisch-ländlichen Gebiete war ihr der Einbruch gelungen. Konkurrierende Strömungen im rechten Lager wurden gleichgeschaltet oder, wo dies nicht möglich schien, verboten und radikal unterdrückt (z. B. Stahlhelm, Brigade Ehrhardt, Tannenbergbund oder die bündischen Jugendorganisationen).

Rechtsextremismus unter der amerikanischen Besatzung 1945-1949

1945 war die Niederlage viel gravierender als 1918. Sowohl die Politik der Besatzungsmächte als auch der Schock, den die breite Bevölkerungsmehrheit durch Kriegsalltag und Zusammenbruch erlitten hatte, machten es rechtsextremen Gruppen unmöglich, nahtlos an den Nationalsozialismus anzuknüpfen. Doch bedeutete der Zusammenbruch nicht das plötzliche Verschwinden aller von den Nationalsozialisten herangezüchteten und propagandistisch gefestigten Mentalitäten und Vorurteile. Es gelang jedoch keiner der neu entstehenden Gruppen, dies systematisch auszunutzen.

Unter der Herrschaft der amerikanischen Militärregierung war es rechtsradikalen Gruppierungen nach 1945 in Bayern nicht möglich, legal aufzutreten. Doch zeigten Sprengstoffanschläge auf Gerichtsgebäude in Nürnberg im Januar und Februar 1947, dass solche Gruppen noch latent vorhanden waren. In den Internierungslagern für ehemalige nationalsozialistische Funktionäre wurden teilweise regelrechte Propagandareden im nationalsozialistischen Sinn gehalten. Auch der Antisemitismus war noch virulent, wie z. B. ein Leserbrief unter dem fiktiven Namen "Adolf Bleibtreu" an die "Süddeutsche Zeitung" vom 2. August 1949 zeigte.

Bayern als Ursprungsort rechtsextremer Parteien nach 1945

Die Initiative für verschiedene neue rechtsextreme Parteien ging nach dem Zweiten Weltkrieg von Bayern aus ("Deutscher Block", "Deutsche Union", "Republikaner", "Deutsche Volksunion"). All diese Parteien sahen sich jedoch nicht als bayerische Parteien, sondern zielten von vornherein darauf ab, im gesamten Gebiet der Bundesrepublik aktiv zu werden. Von besonderer Bedeutung für diese Parteien in Bayern waren die Vertriebenen, insbesondere die Sudetendeutschen als deren größte Gruppe. Als ehemalige Minderheiten waren sie nationalistisch prädisponiert und durch das Erlebnis der Vertreibung und die Probleme der Integration dem Rechtsradikalismus gegenüber teilweise aufgeschlossen. In der alteingesessenen Bevölkerung waren immer noch die protestantischen Gebiete Mittel- und Oberfrankens besonders empfänglich.

"Deutscher Block"

Im November 1947 verließ eine nationalistische Gruppe um den Abgeordneten Karl Meißner (1920-1996) die "Wirtschaftliche Aufbau-Vereinigung" (WAV) unter Alfred Loritz (1902-1979) und gründete den rechtsextremen "Deutschen Block", der seinen Schwerpunkt in Oberfranken hatte, aber bald wieder zerfiel. Er wandte sich gegen die angebliche Gefahr der "nationalen Entfremdung" durch die Besatzungsmächte und lehnte die Parteilistenwahl als "ungermanisch" ab. Bei einem Neuanlauf 1950 erzielte der "Deutsche Block", der sich am „alten“ Nationalismus (Stöß) und Nationalsozialismus orientierte, Erfolge in einigen kleineren Städten Oberfrankens. Im Mai 1953 gründete sich auf Initiative der 1950 in Niedersachsen gebildeten "Deutschen Reichspartei" ein "Reichsblock", dem sich die fränkische Führung des "Deutschen Blocks" und der überwiegende Teil der dortigen Mitglieder anschlossen. Meißner selbst aber wollte die Unabhängigkeit nicht aufgeben; ihm blieben in Oberfranken nur noch drei Kreisverbände. In der Folgezeit kam dem "Deutschen Block" im rechten Lager nur noch eine Randexistenz zu.

„"Deutsche Union“"

Im Herbst 1949 gründete August Haußleiter (1905-1989), der die Westintegrationspolitik Konrad Adenauers (CDU, 1876-1967) ablehnte, die überparteiliche "Deutschen Union", an der auch Vertriebenen-Notgemeinschaften beteiligt waren. Die Initiative ging von Bayern aus, doch beabsichtigte Haußleiter eine bundesweite Ausdehnung. Aus der "Deutschen Union" entstand 1949 die "Deutsche Gemeinschaft" (DG) als Partei. Im Bündnis mit dem "Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten" (BHE) gelang ihr 1950 der Sprung in den bayerischen Landtag. Zu dem im Mai 1953 gegründeten "Reichsblock" stieß auch ein Teil der "Deutschen Gemeinschaft". Sie trat für die Aussöhnung mit ehemaligen Nationalsozialisten ein und wandte sich sowohl gegen den Kapitalismus als auch gegen die Arbeiterbewegung und bediente sich dabei einer nationalsozialistisch gefärbten Sprache gegen "Fremdherrschaft" und "Spekulantentum". Mit schwindender Bedeutung entfernte sie sich immer mehr vom alten Nationalismus und nahm sogar pazifistische Elemente in ihr außenpolitisches Programm auf.

"Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD)

Die rechtsextreme "Deutsche Reichspartei" war im Januar 1950 in Niedersachsen entstanden. Ihr Ziel war es, die Sammelpartei der Rechten zu werden. Aus ihren Reihen wurde 1964 die Gründung der "Nationaldemokratischen Partei Deutschlands" (NPD) initiiert. Sie verstand sich als Sammelbecken für Nationalisten, Nationalkonservative, alte und neue Nationalsozialisten, aber auch für katholische Konservative. Von einer festgeschriebenen, in sich konsistenten Ideologie konnte nicht die Rede sein. Völkische und rassistische Sichtweisen standen neben europa-nationalistischen und neutralistischen Vorstellungen. Ihr Spektrum umfasste Nationalismus, Agrarromantik, Rassismus, kaum verhüllten Antisemitismus, antiliberales, antidemokratisches und antikapitalistisches Denken und die Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Der zweite Parteitag wurde 1965 in München abgehalten. In Bayern war die Organisation der Partei am weitesten fortgeschritten. Im März 1966 trat ihr Karl Feitenhansl (1922-2004) mit seiner 1949 in München gegründeten „Vaterländischen Union“ bei, einer Sammlungsbewegung von Anhängern des Nationalsozialismus, die aber wenig erfolgreich und zu dieser Zeit noch auf Kreis- und Gemeindeebene in Mittelfranken tätig war. Mitte November 1966 hatte die NPD nach eigenen Angaben in Bayern 4.852 Mitglieder. Etwa ein Drittel waren Flüchtlinge und Heimatvertriebene. 1966 gelang ihr mit einem Stimmenanteil von 7,4 % der Einzug in den bayerischen Landtag. Ihre Hochburgen lagen in Ober- und Mittelfranken, doch schnitt sie dort nicht nur in rein evangelischen Gebieten, sondern auch in den an diese angrenzenden mit katholischer Minderheit gut ab. Danach aber folgte ein rapider Abstieg. Nur in Mittelfranken erreichte die Partei nach intensiver Aktivität bei den Landtagswahlen 1970 noch einmal 5 %, im ganzen Land aber nur 2,9 %. Auch in den Kommunalparlamenten spielte sie kaum mehr eine Rolle. 1971 griff der damalige bayerische Landesvorsitzende Siegfried Pöhlmann (1923-2000) den Parteivorsitzenden Adolf von Thadden (1921-1996) wegen dessen zu legalistischem Kurs an, auf den er die sinkende Popularität der Partei zurückführte, und machte ihm erfolglos den Vorsitz streitig. 1972 spaltete er sich mit der "Aktion Neue Rechte" ab, die bedeutungslos blieb. Seit 1996 ist Udo Voigt (geb. 1952) Vorsitzender. 2003 stellte das Bundesverfassungsgericht ein Verbotsverfahren ein, nachdem sich herausgestellt hatte, dass hochrangige Funktionäre der Partei als Informanten für den Verfassungsschutz arbeiteten. Neuen Auftrieb bekam die in Bayern bedeutungslos gewordene Partei in den neuen Bundesländern, wo sie 2004 in Sachsen und 2006 in Mecklenburg-Vorpommern in den Landtag einzog.

"Deutsche Volksunion" (DVU)

Die "Deutsche Volksunion" wurde 1971 als Verein auf Initiative des rechtsextremen, aus der Oberpfalz stammenden Verlegers Dr. Gerhard Frey (1933-2013) in München gegründet. Er ist gleichzeitig Vorsitzender und Geldgeber. Die DVU bekennt sich formal zur Demokratie, doch sollen die Grund- und Menschenrechte nur für Deutsche gelten. Die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Ermordung der Juden werden bagatellisiert. Beliebt ist die Suggestion einer jüdischen Weltverschwörung. Die Partei hält jährlich eine Großkundgebung in der Passauer Dreiländerhalle (früher Nibelungenhalle). In Bayern kandidierte die DVU nur bei den Bundestagswahlen 1998 und blieb dort völlig erfolglos. Im kommunalpolitischen Bereich ist sie nicht aktiv. Seit neuestem versucht sie, in Bayern wieder Zuwachs zu bekommen. Von den geschätzten rund 5.000-5.300 Parteimitgliedern sind 850 in Bayern gemeldet. Die neue Strategie der Partei besteht darin, sich vor allem lokaler Themen anzunehmen und sich als Anwalt des kleinen Mannes zu gerieren. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liegt in Mittelfranken.

"Die Republikaner"

Die Partei "Die Republikaner" entstand Ende 1983 in München auf Initiative des ehemaligen Abteilungsleiters beim Bayerischen Fernsehen, Franz Schönhuber (1923-2005). Sie war zunächst als Sammelbecken für Konservative gedacht. Erster Vorsitzender wurde der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Franz Handlos (1939-2013). Da Schönhuber die Partei auch für rechtsextremistische Kreise öffnen wollte, trat Handlos schließlich wieder aus. Der Einfluss rechtsradikal gesinnter Personen nahm danach zu, 1985 wurde Schönhuber Bundesvorsitzender. Die Partei war eine Mischform aus altem und neuem Nationalismus sowie aus rechtskonservativen und rechtsradikalen Elementen. Das Parteiprogramm war ausländerfeindlich und nationalistisch, bekannte sich aber zum kapitalistischen Wirtschaftssystem. 1986 gewann die Partei bei den Landtagswahlen auf Anhieb 3 %. Schwerpunkte waren Oberbayern, das östliche Niederbayern und Mittelfranken. 1994 wollte Schönhuber mit Freys DVU koalieren, was aber der Bundesvorstand nicht mittrug. Er verzichtete schließlich auf den Vorsitz und trat 1995 aus.

Anders als die Rechtsparteien der 1950er und 1960er Jahre beschränkten sich die Republikaner nicht auf die alten Hochburgen und Bevölkerungsgruppen. Ihren Zulauf erhielten sie in Bayern vor allem von unzufriedenen Wählern der "Christlich Sozialen Union" (CSU), die sich einigermaßen gleichmäßig auf ganz Bayern verteilten. Die Partei hat Landesverbände in ganz Deutschland, das Gros ihrer Anhänger befindet sich aber in Baden-Württemberg. Anders als DVU und NPD blieben die Republikaner ohne ihren medienerfahrenen Vorsitzenden in den östlichen Bundesländern erfolglos.

"Wehrsportgruppe Hoffmann"

Als Ordnungsdienst bei Versammlungen der Republikaner und ihrer Konkurrenz, der DVU, trat des Öfteren die 1973 von Karl-Heinz Hoffmann (geb. 1937) in Mittelfranken gegründete paramilitärische "Wehrsportgruppe Hoffmann" auf. Sie hatte etwa 250 Mitglieder. Ausbildungsstätte war zunächst Schloss Almoshof bei Nürnberg, später dann Schloss Ermreuth bei Erlangen, wo einst die Gauführerschule der Nationalsozialisten ihren Sitz hatte. Der Schwerpunkt der Gruppe lag in Bayern, obwohl sie bundesweit Stützpunkte sowie zahlreiche Auslandskontakte hatte. Sie wurde am 30. Januar 1980 verboten. Enge Verbindungen bestanden zur "Volkssozialistischen Bewegung" Friedhelm Busses (1929-2008). Ein Mitglied der Wehrsportgruppe, Gundolf Köhler (1959-1980), verübte 1980 ein Bombenattentat auf dem Münchner Oktoberfest, bei dem 13 Menschen und der Attentäter starben.

"Volkssozialistische Bewegung" und "Freiheitliche Arbeiterpartei"

Aus dem Umfeld der Nationaldemokraten stammt Friedhelm Busse, dessen eigene "Partei der Arbeit/Deutsche Sozialisten" ab 1975 unter dem Namen "Volkssozialistische Bewegung" auftrat. Seit 1980 in München ansässig, wurde er im folgenden Jahr wegen Sprengstoffbesitzes und der Mitwisserschaft an einem Banküberfall festgenommen. 1988 wurde er Vorsitzender der "Freiheitlichen Arbeiterpartei" und 2002 erneut zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In der Haftanstalt Bernau a. Chiemsee lernte er Norman Bordin (geb. 1975) kennen, der im Januar 2001 in einem Münchner Lokal den Überfall auf einen Griechen organisiert hatte, und bestimmte ihn zu seinem Nachfolger. Während Bordins Haftzeit übernahm Martin Wiese (geb. 1976) eine Führungsrolle im "Kampfbund Süd" (auch "Aktionsbüro Süddeutschland"). Ihm gehörten rund 50 Neonazis und Skinheads an. Wiese plante ein Sprengstoffattentat bei der Grundsteinlegung des jüdischen Zentrums in München. Er wurde deshalb mit fünf anderen Mitgliedern seiner Gruppe festgenommen und im Mai 2005 zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Seit 1995 bildeten sich immer mehr "Freie Kameradschaften" heraus, d. h. lose, vielfache vernetzte Zusammenschlüsse von Rechtsradikalen ohne feste Organisationsstruktur, die das Internet zur Kommunikation nutzten. Das Projekt "Nationaler Widerstand Bayern" soll den Aufbau und die Vernetzung solcher Freien Kameradschaften in ganz Bayern fördern. Bordin und Wiese, die beide nicht aus Bayern stammen, sind darin einbezogen. Bordin ist auch Mitglied des Landesvorstands der Nationaldemokraten und Landesvorsitzender der "Jungen Nationaldemokraten" in Bayern.

Organisationen in der Nachfolge Michael Kühnens

Der 1991 verstorbene Michael Kühnen (1955-1991), Anführer der radikalen Neonazi-Szene, hatte in München die "Antizionistische Aktion" gegründet. Eine Nachfolgeorganisation Kühnens ist das "Deutsche Jugendbildungswerk". In seinem Rahmen arbeitet die Propagandazentrale "Althans Vertriebswege und Öffentlichkeitsarbeit", die seit 1991 ihre Geschäftsstelle in München hat. Sie betreibt Propaganda zur Verharmlosung und Verherrlichung des Nationalsozialismus.

Eine weitere Nachfolgeorganisation war der "Nationale Block", der nur 35-40 Mitglieder hatte. Im Februar 1993 nahm die Polizei vier seiner Angehörigen fest, die auf einem Gelände der Bundeswehr Übungen durchführten. Als er im Juni 1993 verboten wurde, hatte er Kreisverbände in Kronach, Landau a. d. Isar, München, Passau und Straubing. Organisatorische Bedeutung besaß er bei der Vorbereitung der jährlichen "Rudolf-Heß-Gedenkmärsche" in Wunsiedel.

Burschenschaft "Danubia"

Am äußersten rechten Rand der Deutschen Burschenschaft steht die Münchner Burschenschaft Danubia, die sich der Koordination rechtsextremer Aktivitäten an den Hochschulen widmet und Veranstaltungen mit Personen aus dem rechtsextremen und dem konservativen Spektrum durchführt. Der Vorsitzende des Altherrenverbands, Hans-Ulrich Kopp (geb. 1962), ist Mitglied des Bundesvorstands des zur Sudetendeutschen Landsmannschaft gehörenden Witikobunds, der ebenfalls für rechtsextreme Tendenzen offen ist.

Neuentstehung rechter und rechtsextremer Verlage

Als Zentrum rechtsextremer Verlage hatte München eine lange Tradition. Einige rechtsextreme Vorkriegsorganisationen lebten nach 1945 neu auf. Ein sektenhaftes Dasein führt der mit einem Verlag verbundene, ab 1951 wiedererstandene "Bund für Gotterkenntnis Ludendorff e. V." mit Sitz in Tutzing am Starnberger See. Otto Spatz (1900-1989), Inhaber des J.F. Lehmanns Verlags, versuchte inhaltlich an die Linie seines Schwiegervaters anzuknüpfen. Gert Sudholt (geb. 1943) ist Eigentümer der in Berg am Starnberger See ansässigen "Verlagsgemeinschaft Berg". Zu dieser gehören bzw. gehörten der "Druffel-Verlag" sowie der "Vowinckel-" und der 1992 aufgelöste "Türmer-Verlag". Der Druffel-Verlag veröffentlichte Erinnerungen nationalsozialistischer Politiker, der 1992 aufgelöste Türmer-Verlag glorifizierende Werke über das "Dritte Reich" und Publikationen wie die Zeitschrift "Nation und Europa".

Gerhard Frey erwarb 1958 50 % der Anteile der von ehemaligen Mitgliedern der Waffen-SS gegründeten "Deutschen Soldaten-Zeitung". 1960 kaufte er den Rest, 1986 auch noch die "Deutsche Wochenzeitung". 1999 wurden beide zur "National-Zeitung - Deutsche Wochenzeitung" zusammengelegt. Sie ist die einzige erfolgreiche rechtsextreme Zeitung in Deutschland mit einer Auflage von etwa 60.000. Als rechtsextremer Kleinverleger ist Rolf-Josef Eibicht (geb. 1951) mit seinem "Kyffhäuser-Verlag" zu nennen. Ein Großverleger, der unter anderem Bücher rechter Autoren in nennenswertem Umfang herausbringt, ist der dem Witiko-Bund verbundene Dr. Herbert Fleissner (geb. 1928).

Rechte Rockmusik und Rechtsextremismus im Internet

Durch Rockmusik, die rechtsextremen Texten unterliegt und vielfach mit der Skinhead-Szene verflochten ist, wird insbesondere ein jugendliches Publikum angesprochen. Im bayerischen Raum lassen sich über 20 Gruppen nachweisen; eine nennenswerte Skinhead-Szene existiert im Allgäu. 1993 gründete der Informatik-Student Thomas Hetzer das "Thule-Netz", das bis Ende 1996 in allen Teilen Deutschlands vertreten war und Nachrichten aus rechtsradikalen Mailboxen aus dem Ausland sammelte. Sprachprobleme verhinderten allerdings einen gegenseitigen Austausch. Im April 1996 waren etwa 100 Abonnenten (User) registriert. Die Zahl verdoppelte sich im folgenden Jahr, doch wurde die Mailbox dieses Netzes 1999 eingestellt. Zahlreiche rechte Organisationen haben inzwischen eine eigene website im Internet.

Ausblick

Die rechtsextremen Parteigruppierungen der Bundesrepublik litten auch an den ständigen Kämpfen in ihren eigenen Reihen. Eine charismatische Persönlichkeit, die dies auf Dauer hätte überwinden können und die gleichzeitig als Propagandist und Identifikationsfigur hätte wirken können, fand sich nicht, anders als in Österreich, wo dem rechtspopulistischen Jörg Haider (1950-2008) diese Rolle zeitweise zufiel. Zwischen der "Freiheitlichen Partei Österreichs" (FPÖ) und rechtsradikalen Gruppen in Bayern bestehen zahlreiche Verbindungen, ebenso zu dem unter Haider 2005 abgespalteten "Bündnis Zukunft Österreich" (BZÖ).

Im Gegensatz zur Zeit vor 1933, als die Nationalsozialisten teilweise bei den herrschenden Eliten der Weimarer Republik Sympathien genossen, war seit Kriegsende in keinem Land eine der demokratischen Parteien bereit, rechtsextreme Parteien in eine Koalition einzubeziehen, auch nicht in Bayern, wo die CSU ohnehin mit absoluter Mehrheit regiert. Überdies ist der Zugang der Rechtsextremen zu den für die Selbstdarstellung der Parteien lebenswichtigen Medien, insbesondere dem Fernsehen, äußerst begrenzt. Es gelang bislang keiner dieser Parteien, in den Bundestag einzuziehen. Das mittelständische Potential, aus dem sich der Nationalsozialismus vorwiegend auch in Bayern speiste, ist zudem viel begrenzter als in der Weimarer Zeit, wo ein großer Teil des Mittelstandes in seiner Existenz bedroht war.

Eine neue Lage entstand für die rechtsextremen Parteien mit dem Ende der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). In der alten Bundesrepublik – und das gilt auch für Bayern - konzentrierte und konzentriert sich der Rechtsextremismus auf die genannten Parteien und auf kleinere neonazistische Gruppen mit einem Stamm von meist älteren Jahrgängen, in Ostdeutschland dagegen überwiegend auf unorganisierte oder in losen Gruppen agierende jüngere Personen mit hohem Gewaltpotential. Die Gewalt richtet sich nicht nur gegen Ausländer, sondern auch gegen sozial Schwache und gegen Anhänger der Linken.

In Bayern ist die rechte Jugendszene zwar auch vorhanden, aber vergleichsweise bedeutungslos, wenn auch spektakuläre Einzelfälle bekannt wurden; gleiches gilt für die gewaltbereiten Gruppen. In der Statistik der rechtsextremistischen Gewalttaten lag Bayern zwischen 1997 und 2002 unter dem Bundesdurchschnitt, während etwa Brandenburg und Thüringen weit darüber lagen. 2002 verzeichnete man in Thüringen sechsmal, in Brandenburg siebenmal so viele rechtsradikale Gewalttaten wie in Bayern. Die Unzufriedenheit im ärmeren, proletarischeren Osten, das Desinteresse der demokratischen Parteien an einer energischen Bekämpfung des Rechtsextremismus und die antikapitalistische Agitation ermöglichten NPD und der DVU dort einen neuen Aufschwung. Während in Bayern bei den Bundestagswahlen von 1998 die drei Rechtsparteien zusammen 3,3 % der Stimmen erhielten, 2002 nur 0,9 %, 2005 Republikaner und NPD zusammen 2,3 %, waren es auf Bundesebene jeweils 3,3 %, 1 % und 1,2 %. In den neuen Bundesländern betrug der jeweilige Anteil dagegen 5,2 %, 2 % und 4 %. Eine neueste (2006), auf Umfragen gestützte, jedoch umstrittene Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass in Bayern im Vergleich zum westdeutschen Durchschnitt ein überdurchschnittliches Potential rechtsextremer Einstellungen vorliege (Befürwortung der Diktatur 10,6 %, Chauvinismus 34,2 %, Ausländerfeindlichkeit 42,4 %, Antisemitismus 16,4 %, Sozialdarwinismus 6,4 % und Verharmlosung des Nationalsozialismus 8,1 %). Vergleichbare Ergebnisse hatte in den östlichen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern.

Die Morde der Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)

Seit dem 6. Mai 2013 werden am Oberlandesgericht München die Morde des sog. Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) verhandelt. Zwischen 2000 und 2006 ermordeten die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos (1973–2011), Uwe Böhnhardt (1977–2011) und Beate Zschäpe (geb. 1975, geb. Beate Apel) bundesweit neun türkisch- und griechischstämmige Personen sowie die Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter (1984–2007). In Bayern ermordete die Gruppe nach bisherigen Erkenntnissen (2013) in München: Habil Kılıç (gest. 2001), Theodoros Boulgarides (gest. 2005); in Nürnberg: Enver Şimşek (1961–2000), Abdurrahim Özüdoğru (gest. 2001), İsmail Yaşar (gest. 2005). Die Mordserie wurde auch von einem Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag aufgearbeitet.

Literatur

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Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Völkische Bewegung, Rechtsradikalismus, Neonazismus

Empfohlene Zitierweise

Paul Hoser, Rechtsextremismus, publiziert am 12.02.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Rechtsextremismus> (18.11.2018)