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Monarchismus

König Ludwig III. von Bayern; Fotoatelier Elvira, 1914. (Bayerische Staatsbibliothek)
Kronprinz Rupprecht von Bayern 1915, Fotografie von Franz Grainer (1871-1948). (Bayerische Staatsbibliothek)
Mahnmalfeier am 15. Juni 1924 an der Feldherrnhalle am Münchner Odeonsplatz, in der Mitte Kronprinz Rupprecht von Bayern, salutierend. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Dieter J. Weiß

Monarchismus ist die Überzeugung von der Monarchie als legitimer und bester Staatsform. Dabei bilden paradoxerweise erst Revolution und republikanische Staatsform die Voraussetzung für das Entstehen einer monarchistischen Bewegung. In Bayern erlebte sie ihren Höhepunkt während der Weimarer Republik.

Die Monarchie als Staatsform

Der Verfassungsbegriff der Monarchie, verstanden als Königsherrschaft, wurde in der Herrschaftstypenlehre des Aristoteles (384-322 v. Chr.) politisch-systematisch geprägt und in seiner mittelalterlichen Rezeption weiterentwickelt. Beim hl. Thomas von Aquin (1224/25-1274) stehen "Monarchie" und "regnum" synonym als positive Gegenbegriffe zur "tyrannis". Das Grundkriterium bildet die Herrschaftsausübung durch eine Person. Ihre Legitimität bezieht sie in verschiedenen Formen durch Erblichkeit, besonderes Königsheil und Gottesgnadentum, als deren sakramentales Zeichen nach alttestamentarischem Vorbild die Königssalbung dienen kann.

Seit der Französischen Revolution (1789) und den folgenden Umwälzungen des 19. Jahrhunderts geriet die Monarchie in die Diskussion: Konservative Anhänger betonten nun die Kontinuität für die Rechtmäßigkeit einer politischen Herrschaftsform. Für das Königreich Bayern war die Monarchie in der Verfassung von 1818 festgeschrieben. Nach ihrer maßgeblichen Interpretation durch Max von Seydel (1846-1901) beruhte die Legitimität der Herrschaft auf dem eigenen Recht des Monarchen, bildete also nur ein säkularisiertes Gottesgnadentum.

Revolution 1918 und Wittelsbacher Thronansprüche

Überzeugte Monarchisten wie die Autoren der Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland interpretierten die Revolution von 1918 als Abwendung von Gott und damit als Ergebnis der modernen Irrlehre von der Autonomie des Menschen.

Wenige Tage nach der Münchner Revolution leistete König Ludwig III. von Bayern (1845-1921) in der Anifer Erklärung vom 13. November 1918 keinen Thronverzicht, stellte aber "allen Beamten, Offizieren und Soldaten die Weiterarbeit unter den gegebenen Verhältnissen" frei und entband sie des ihm geleisteten Treueides. Auch sein ältester Sohn Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955) hielt an seinen Thronansprüchen fest, wofür er nach dem Tode König Ludwigs III. die Formel prägte: "Eingetreten in die Rechte meines Herrn Vaters". Die Entscheidung über die Staatsform stellte er einer aus freien und allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Nationalversammlung anheim. Anders als für das Deutsche Reich und für Preußen gab es in Bayern im Chef des Königlichen Hauses einen unbestrittenen Thronprätendenten.

Die Weimarer Republik

Monarchistische Gesinnungen, wie sie in Reden und Memoiren fassbar sind, waren im Adel, im Klerus, unter den Kriegsveteranen und in weiten Kreisen des Bürgertums und der Bauern verbreitet. Daraus erwuchs aber kein konkretes politisches Handeln. Eine Volksabstimmung über die Staatsform hat es in Bayern nie gegeben. Innerhalb der Bayerischen Volkspartei (BVP) standen sich ein vernunftrepublikanischer Flügel, zu dem besonders die Reichstagsabgeordneten zählten, und ein eher monarchistischer Flügel um den "Bauerndoktor" Georg Heim (1865-1938) gegenüber. Die organisierten Monarchisten (Bayerische Königspartei, Bayerischer Heimat- und Königsbund "In Treue fest") konnten nur einen Teil der Anhänger des monarchischen Gedankens fassen. Als zutiefst staatskonservative Bewegung standen sie vor dem Problem, die bestehende Verfassung und Staatsform ändern zu wollen. Der Monarchismus war in Bayern aufs engste mit dem Einsatz für den Föderalismus verknüpft. Verschiedene Ansätze zu "Königsputschen" blieben ohne Unterstützung durch den Thronprätendenten in der reinen Diskussionsphase.

Das "Königsprojekt"

Seit sich zum Jahresende 1932 die Gefahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten immer drohender abzeichnete, schien die Ausrufung der Monarchie als letztes Rettungsmittel für Bayern in greifbare Nähe gerückt. Die Leitung des Bayerischen Heimat- und Königsbundes mit publizistischer Unterstützung der Süddeutschen Monatshefte von Paul Nikolaus Cossmann (1869-1942) und der Redaktion der Münchner Neuesten Nachrichten um Erwein Freiherr von Aretin (1887-1952) bereitete die Proklamation König Rupprechts von Bayern vor, der BVP-Vorsitzende Staatsrat Fritz Schäffer (1888-1967) plante seine Einsetzung als Generalstaatskommissar. Auch die bayerische SPD um Erhard Auer (1874-1945) und Wilhelm Hoegner (1887-1980) signalisierte ihr Einverständnis. Schließlich scheiterte der Versuch, Kronprinz Rupprecht noch im Februar 1933 zum König von Bayern oder auch nur zum Generalstaatskommissar auszurufen, an der zögernden Haltung der Staatsregierung unter Ministerpräsident Heinrich Held (1868-1938) und der Ablehnung durch Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) und die Reichswehr.

Widerstand und Verfolgung

Obwohl sich einige Nationalsozialisten vor 1933 als Monarchisten bezeichnet hatten, diente dies nur dem Stimmenfang. Noch in der ersten Jahreshälfte 1933 wurde der organisierte Monarchismus aufgelöst. 1935 und 1939 unterdrückte die Gestapo Widerstandsgruppen aus dem Kreis der Monarchisten. Der Kopf dieses Widerstandes, Adolf Freiherr von Harnier (1903-1945), starb bei Kriegsende am selben Tag an den Haftfolgen, als ihn die Amerikaner aus dem Zuchthaus Straubing befreiten. Den Münchner Joseph Zott (1901-1945) richteten die Nationalsozialisten noch 1945 wegen seines Engagements hin. Kronprinz Rupprecht wirkte als Symbolfigur Bayerns und der Monarchie weiter. Während er selbst den Zweiten Weltkrieg im Exil in Italien überstand, wurden seine unmittelbaren Familienangehörigen 1944 verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt.

Monarchistische Hoffnungen nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zusammenbruch des Unrechtsregimes glaubten viele Monarchisten, gestärkt durch das moralische Kapital ihres Widerstands, die Ausrufung des Königreichs durchsetzen zu können. Monarchisten der ehemaligen BVP nahmen zeitweise einflussreiche Positionen ein, so Fritz Schäffer als erster Ministerpräsident nach dem Krieg. Eine noch 1945 gegründete Bayerische Heimat- und Königspartei wurde von der amerikanischen Militärregierung 1946 verboten. Im Anschluss konzentrierten sich die Kräfte der Monarchisten, insbesondere im CSU-Flügel um Alois Hundhammer (1900-1974), auf das Ziel, einen bayerischen Staatspräsidenten in der neuen bayerischen Verfassung zu verankern. Nachdem dies im parteiinternen Machtkampf gescheitert war, zerstreuten sich die Monarchisten in verschiedene konkurrierende Gruppierungen. Im September 1954 bekannten sich immer noch 70 von 193 Landtagsabgeordneten aus CSU und Bayernpartei auf eine Anfrage der neugegründeten Königspartei als Monarchisten. Der 1952 wiederbegründete Bayerische Heimat- und Königsbund verfolgte zunächst ebenfalls monarchistische Ziele. Vor dem Hintergrund zunehmend zentralistischer Tendenzen in der Bundesrepublik Deutschland benannte er sich am 9. Juli 1967 auf einen Aufruf Herzog Albrechts von Bayern (1905-1996) hin in "Bayernbund e.V." um. Er stellte die Frage der Staatsform zurück, um sich uneingeschränkt der Verteidigung des Staatscharakters Bayerns zu widmen.

Literatur

  • Karl Otmar von Aretin, Die bayerische Regierung und die Politik der bayerischen Monarchisten in der Krise der Weimarer Republik 1930-1933, in: Festschrift für Hermann Heimpel zum 70. Geburtstag 1 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 36/1), Göttingen 1971, 205-237.
  • Hans Boldt u. a., Monarchie, in: Otto Brunner u. a. (Hg.), Geschichtliche Grundbegriffe. 4. Band, Stuttgart 1978, 133-214.
  • Konrad Maria Färber, Bayern wieder ein Königreich? Die monarchistische Bewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Neuanfang in Bayern 1945 bis 1949. Politik und Gesellschaft in der Nachkriegszeit, hg. v. Wolfgang Benz, München 1988, 163-182.
  • Robert S. Garnett, Lion, eagle, and swastika. Bavarian monarchism in Weimar Germany, 1918-1933, Ann Arbor 1989.
  • Ludwig Franz Gengler, Die deutschen Monarchisten 1919 bis 1925. Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Rechten von der Novemberrevolution 1918 bis zur ersten Uebernahme der Reichspräsidentenschaft durch Generalfeldmarschall von Hindenburg 1925, Diss. phil. Erlangen 1932, Kulmbach 1932.
  • Josef Held, Bayern und die Monarchie, Regensburg 1956.
  • Andreas Kraus, „Monarchistische Umtriebe“ in Bayern 1925. Ein Beitrag zum Selbstverständnis der Bayerischen Volkspartei, in: Karl Dietrich Bracher (Hg.), Staat und Parteien. Festschrift für Rudolf Morsey zum 65. Geburtstag, Berlin 1992, 635-655.
  • Hans-Christof Kraus, Die Historisch-politischen Blätter für das katholische Deutschland, in: Das katholische Intellektuellenmilieu in Deutschland, seine Presse und seine Netzwerke (1871-1963), hg. v. Michel Grunewald/Uwe Puschner, Bern 2006, 85-109.
  • Joachim Selzam, Monarchistische Strömungen in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1989, Erlangen-Nürnberg 1994.
  • Dieter J. Weiß, „In Treue fest“. Die Geschichte des Bayerischen Heimat- und Königsbundes und des Bayernbundes 1921 bis 1996, in: Gott mit dir du Land der Bayern, hg. v. Adolf Dinglreiter/Dieter J. Weiß, Regensburg 1996, 9-54.
  • Dieter J. Weiß, Kronprinz Rupprecht von Bayern (1869-1955). Eine politische Biografie, Regensburg 2007.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Dieter J. Weiß, Monarchismus, publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Monarchismus> (11.12.2018)