Städte in Franken (Mittelalter/Frühe Neuzeit)

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von Helmut Flachenecker und Anja Lochbrunner

Die territoriale Zersplitterung Frankens spiegelt sich in einer vielfältigen Städtelandschaft mit einer Dominanz geistlicher Stadtherren. Der Startpunkt der Entwicklung lag bei den drei Bischofssitzen Würzburg, Eichstätt und Bamberg. Im Laufe des Mittelalters traten neben den geistlichen Fürsten die Könige ebenso als Stadtherren in Erscheinung wie die verschiedenen Grafen und Herren Frankens. Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Schweinfurt, Weißenburg und Windsheim entwickelten sich zu Reichsstädten. Um 1500 war die Städtelandschaft weitestgehend ausgebaut. Dabei dominierten die Kleinstädte, die für die Territorialherren als Mittel der Herrschaftssicherung und als lokale Handelszentren fungierten. Neben wenigen Mittelstädten von überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung entwickelte sich nur Nürnberg als "Großstadt". Mit seiner Städtevielfalt war Franken in den gesamteuropäischen Urbanisierungsprozess involviert.

Grundzüge der Entwicklung

Bevölkerungsreiche Orte mit einer unterschiedlichen Anzahl von Zentralitätsfunktionen für eine engere oder weitere Umgebung gab es im Frühmittelalter nur an den Bischofssitzen und im später kurmainzischen Aschaffenburg. So waren Würzburg und Eichstätt im 8. und Bamberg im beginnenden 11. Jahrhundert jene Orte, in denen die Entwicklung präurbaner Siedlungskerne (etwa Klöster, Stifte, Höfe, Befestigungen) zu Städten im mittelalterlichen Sinne begann. Was die Zahl der Gründungen betrifft, sollte dieser Urbanisierungsprozess im 13./14. Jahrhundert seinen Höhepunkt finden. Die damalige Bevölkerungszunahme, einhergehend mit der sog. Binnenkolonisation bisher unerschlossener Waldgebiete, ermöglichte diesen Schub. In Franken führte dies dazu, dass es um 1500 über 150 Städte gab, die auch heute noch die Kulturlandschaft prägen.

Viele fränkische Städte sind an den zentralen Flüssen Main, Fränkische Saale, Regnitz, Pegnitz und Altmühl orientiert. Gerade der Main, der als einziger Fluss von Ost nach West fließt und damit Franken mit den großen Städten am Rhein und in Flandern verband, entwickelte sich zum Magnet für zahlreiche Stadtentwicklungen.

Die Gründung lag in Händen der Grundherren bzw. Vögte, die das zukünftige Areal der Stadt in Besitz hatten. Eine königliche Bestätigung wurde meist im Nachhinein eingeholt, eigentliche Stadtgründungsurkunden sind wenige bekannt. Viele von ihnen bestätigen in der Regel eine bereits vorhandene Entwicklung.

Stadtherren

Luftaufnahme der Bischofsstadt Bamberg im Jahr 2018. (© Ingo Baeuerlein, FrankenAIR.de)

Da die Territorienbildung neben Burgen und Klöstern auch Städte mit einschloss, finden sich letztere in allen größeren oder kleineren Herrschaften Frankens. Als Stadtherren traten neben den Bischöfen und den Äbten von Fulda zeitweise die staufischen Könige auf, gefolgt von den Grafen und Herren Frankens. Am Obermain agierten bis zu ihrem Aussterben 1248 die Andechs-Meranier, in weiten Bereichen des heutigen Mittel- und Oberfranken die Burggrafen von Nürnberg bzw. späteren Markgrafen von Ansbach und Kulmbach.

Die Bischöfe von Würzburg und Eichstätt hatten, wie andere geistliche Stadtherren, Auseinandersetzungen mit der Bürgerschaft ihrer Bischofsstädte zu bestehen. In Eichstätt emanzipierte sich im frühen 13. Jahrhundert die Bürgerschaft mit Hilfe des Bistumsvogtes gegenüber dem Bischof. Dieser konnte allerdings durch eine Einigung mit dem Vogt über die gemeinsame Steuererhebung 1245 und schließlich durch die Übernahme der Vogtei nach dem Aussterben der Hirschberger Vögte 1305 seine Position sichern. In Würzburg zogen sich die Konflikte um die städtische Autonomie von der Mitte des 13. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts hin, bevor Bischof Gerhard von Schwarzburg (reg. 1372-1400) durch seinen Sieg über das Aufgebot der Bürgerschaft in der Schlacht von Bergtheim im Jahr 1400 die bischöfliche Stadtherrschaft endgültig durchsetzen konnte. In Bamberg kam es zu lang andauernden Auseinandersetzungen zwischen der Bürgerstadt (1234 Bürger erwähnt) und den sie umgebenden domkapitelschen und stiftischen Immunitätsbezirken.

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts haben die Würzburger und Bamberger Bischöfe viele weitere Städteprivilegien vergeben, in eingeschränkter Form auch die Eichstätter. Die Könige wurden dabei nur im Ausnahmefall mit einbezogen.

Von den weltlichen Machtträgern wären als Stadtherren zu nennen: die Grafen von Henneberg im Norden, die Herren von Hohenlohe im Südwesten, die Grafen von Wertheim und von Rieneck am Mainviereck, aber auch die Marschälle von Pappenheim an der Altmühl oder die Herren von Heideck im südlichen Mittelfranken. Sie alle besaßen zumindest am Ort ihrer Hauptburg eine städtische Siedlung, die Marktfunktionen (Jahr-, Wochenmärkte) hatte. Den Status einer eigenständigen Pfarrei haben sie meist erst in einem zähen Kampf mit dem ursprünglichen, ländlichen Pfarrort erwerben können. Aufgrund der Steuerabgaben waren Städte für ihre Herren hochwillkommene monetäre Einnahmequellen, die in Notzeiten auch verpfändet werden konnten. Viele Städte wechselten in solchen Fällen ihre Stadtherren, aber auch nach dem Aussterben der Familien und bei Besitzveränderungen im Zuge von Umschichtungen der Machtverhältnisse (Herren von Dürn, Schlüsselberger, Grafen von Castell). Es konnten zeitweise mehrere Stadtherren nebeneinander existieren.

Reichsstädte

Luftaufnahme der Altstadt der ehemaligen Reichsstadt Nürnberg im Jahr 2015. (© Ingo Baeuerlein, FrankenAIR.de)
Das Territorium der Reichsstadt Nürnberg. (Karte von Mikmaq lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts konnten sich einige königliche Städte zu Reichsstädten entwickeln, meist dann, wenn der Einfluss der Staufer nachließ. Verglichen mit den übrigen Städtegründungen in Franken blieb ihre Anzahl gering. An deren Spitze, als einzige ‚Großstadt’ Frankens, stand Nürnberg (Großes Handelsprivileg Friedrichs II. [1194-1250, reg. 1211/12-1250, seit 1220 als Kaiser] von 1219), gefolgt von Rothenburg o. d. Tauber (Lkr. Ansbach) und Schweinfurt. Die kleineren Reichsstädte Weißenburg und Windsheim konnten letztlich unter dem Schirm Nürnbergs ihren Status wahren. Ein größeres Landgebiet lässt sich im Mittelalter nur bei Rothenburg, zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch für Nürnberg nachweisen. Nürnberg wurde daraufhin selbst Stadtherr für Altdorf bei Nürnberg (Lkr. Nürnberger Land), Betzenstein (Lkr. Bayreuth), Gräfenberg (Lkr. Forchheim), Hersbruck, Lauf a. d. Pegnitz, Velden (alle Lkr. Nürnberger Land), vorübergehend auch in Heideck und Hilpoltstein (beide Lkr. Roth). Feuchtwangen (Lkr. Ansbach) verlor 1376 seinen königlichen Status durch Verpfändung an die Zollern. Besonders Würzburg und Nürnberg, weniger Bamberg und kaum Eichstätt konnten von königlichen Hoftagen profitieren.

Infolge der zunehmenden Konflikte zwischen Städten und Fürsten schlossen sich die fränkischen Reichsstädte im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts zur gegenseitigen politischen und wirtschaftlichen Unterstützung wiederholt in wechselnden Konstellationen miteinander wie auch mit anderen Städten und Reichsständen zu Städtebünden oder Landfriedenseinungen zusammen, die Vorläufer der Reichskreise darstellten. Später setzte sich die enge politische Zusammenarbeit der fränkischen Reichsstädte unter der Führung Nürnbergs auf den Reichs- und Allgemeinen Städtetagen und vor allem auf der Ebene des Fränkischen Reichskreises fort.

Durch die Umbrüche des Spätmittelalters kam es in den meisten fränkischen Reichsstädten (Nürnberg 1348/49 bzw. 1370, Weißenburg 1377, Schweinfurt 1446-1450, Rothenburg 1451) zu Aufständen, in deren Verlauf die vom Rat ausgeschlossenen Bürger mehr Mitbestimmung forderten und zumindest langfristig Änderungen der Stadtverfassung erreichten. Derartige soziale Unruhen sind auch in Bischofs- und Landstädten zu finden.

Land- und Territorialstädte

Luftaufnahme der ehemals hochstiftisch-würzburgischen, aber lange verpfändeten Stadt Kitzingen im Jahr 2015. (© Ingo Baeuerlein, FrankenAIR.de)

Städte mit nur geringer Ausstrahlung und bescheidener Infrastruktur dominieren die Städtelandschaft Frankens. Sie wurden in der Regel von den Bischöfen bzw. regionalen Adelsfamilien nicht auf der grünen Wiese gegründet, sondern entwickelten sich aus bereits vorhandenen präurbanen Siedlungskernen (Burg, Kloster, Stift), die als grundherrliche Sammelmärkte in ihre landwirtschaftlich geprägte Umgebung ausstrahlten, aber auch als militärische bzw. kirchliche Mittelpunkte mit begrenzter Ausstrahlung agieren konnten. Im Raum des heutigen Unterfranken ist das Bemühen der Stadtherren (neben den Bischöfen auch die Grafen von Wertheim, Rieneck, ansatzweise auch bei Castell), ihre Stadt am Main anzulegen, augenfällig.

Die militärische Sicherung des eigenen Territoriums stellte die Landesherren vor vielfältige Aufgaben. Die Anlage von Burgen und die Bezahlung der Burgmannschaften erwies sich auf Dauer als zu unwirtschaftlich und überdies als zu gefährlich, da viele Dienstmannen ihrerseits selbst versuchten, ihrem Herrn die Burg zu entfremden und eine eigene Herrschaft aufzubauen. Zukunftsweisender erwies sich stattdessen die Anlage von Städten an Burgen, deren Bewohner die Anlage der Mauern und die Verteidigung derselben übernahmen (Rothenfels [Lkr. Main-Spessart], Freudenberg [Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis] u. a. m.). Mit dieser Transformation sollte der militärische Aspekt nicht der alleinig bedeutsame bleiben. Städte konnten – trotz ihrer bevölkerungsmäßigen Kleinheit – als Mittel der Herrschaftssicherung in besitzrechtlich umstrittenen Regionen eingesetzt werden.

Der bischöflich-würzburgische Archivar Lorenz Fries (1490-1550) schätzte die Bedeutung der Städte sehr hoch ein. In seiner ‚Hohen Registratur’ hat er zahlreiche Einträge zu den einzelnen Hochstiftsstädten verfasst. Im besonderen Interesse standen bei Fries immer die rechtlichen Bindungen der Städte zu den Bischöfen. So werden etwa besonders viele Hinweise auf die Stadt Lauda (Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis) gegeben, weil diese häufig verpfändet war und der Bischof seine Stadtherrschaft gegen Ansprüche der Herren von Hohenlohe bzw. der Pfalzgrafen bei Rhein beständig durchsetzen musste. Dies gilt auch für das seit 1443 lange verpfändete Kitzingen (bis 1629). Die Pfändungsgeschichte wird im gesamten 15. Jahrhundert, von Bischof zu Bischof, penibel verfolgt, auch die mehrmaligen Vereinbarungen zwischen Würzburg und Ansbach über die Aufteilung der Kitzinger Stadtsteuer. Ebenso werden die von jedem neuen Bischof geforderten Huldigungen der Bürgerschaft aufgezeichnet: 1495 vor Lorenz von Bibra (1459-1519, reg. seit 1495), 1519 vor Konrad von Thüngen (1466-1540, reg. seit 1519), 1541 vor Konrad von Bibra (1490-1544, reg. seit 1540), 1546 vor Melchior Zobel (ca. 1505-1558, reg. seit 1544). Für Lorenz Fries waren die Städte Herrschaftsmittelpunkte im Hochstift. Sie hatten eine funktionale Aufgabe für die bischöfliche Landesherrschaft. Fries betonte das wirtschaftliche und politische Interesse der Bischöfe an diesen Orten – als Mittel für die Geldleihe mit Hilfe von Verpfändungen oder als Objekte in der Auseinandersetzung und Ausschaltung konkurrierender Machtansprüche anderer Fürsten, Grafen und Herren. Kommunale Freiräume wurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als antiquiert und überholt angesehen.

In Bamberg verharrten die Hochstiftsstädte in der Position von regionalen Handelszentren, wo neben dem tagtäglichen Bedarf bevorzugt Getreide und Vieh gehandelt wurden. In einigen Orten konnte sich ein überregionales Spezialhandwerk etablieren, so in Burgkunstadt (Lkr. Lichtenfels) und Kronach die Korbmacherei, in Kronach überdies die Eisenhämmer, in Kupferberg (Lkr. Kulmbach) im 13./14. Jahrhundert der Kupferabbau, ferner in Teuschnitz (Lkr. Kronach) und in Zeil am Main (Lkr. Haßberge) die Gewinnung von Schilfsandstein. Ein größeres Tuchmacherhandwerk bildete sich in Herzogenaurach (Lkr. Erlangen-Höchstadt) und Höchstadt} aus, dessen Absatz primär auf das große Handelszentrum Nürnberg ausgerichtet war. Hier wie auch in den Märkten im schwäbischen Dreieck Memmingen - Augsburg - Ulm zeigt sich, dass wirtschaftliche Beziehungen für Kleinstädte eine weit höhere Bedeutung haben und sich herrschaftliche Grenzen damit nivellieren konnten. Bergbau (Blei) und Handel prägten auch die wirtschaftliche Attraktivität der bambergischen Städte in Kärnten. St. Leonhard im Lavanttal verdankt seine Stadtentstehung im frühen 14. Jahrhundert dem Bergbau.

Im Hochstift Eichstätt dominierte wirtschaftlich die Bischofsstadt. Der Absatzmarkt für die in der Stadt an der Altmühl produzierten Tuche erstreckte sich auf den gesamten Südosten des Reiches. Eichstätter Tuchhändler sind auf den Messen in Nördlingen (Lkr. Donau-Ries) und Linz (Österreich), vereinzelt in Frankfurt a. Main (Hessen) und Wien (Österreich) nachweisbar. Die übrigen Hochstiftsstädte hatten an dieser Exportindustrie praktisch keinen Anteil; ihre Wirtschaftskompetenz blieb auf die engere Region begrenzt.

Im 14. Jahrhundert kam es unter den Königen Ludwig IV. der Bayer (1282-1347, reg. 1314-1347, ab 1328 als Kaiser) und Karl IV. (1316-1378, reg. 1346-1378, ab 1355 als Kaiser) im Zuge ihrer ‚Landbrückenpolitik’ zur Wetterau bzw. nach Böhmen zu einer hohen Zahl von königlichen Städteprivilegierungen, die meist bestehende Orte mit Zustimmung ihrer Herren noch einmal rechtlich sanktionierten. Augenfällig ist, dass die Privilegierungen nicht in jedem Falle durchsetzbar waren und sich – trotz eines entsprechenden Privilegs – die Orte nicht in jedem Falle zu einer Stadt entwickeln konnten (Gailnau [Gde. Wettringen, Lkr. Ansbach], Haldenburgstetten, Hasloch [Lkr. Main-Spessart], Hornberg, Mussen [Gde. Münchberg, Lkr. Hof], (Markt-)Bergel [Lkr. Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim], Neubrunn [Lkr. Würzburg], Thüngen [Lkr. Main-Spessart]). Häufig lag dies am Widerstand der benachbarten Territorien. Trotz des Erwerbs mehrerer Privilegien durch die Seinsheim-Schwarzenberger konnte sich beispielsweise Astheim (Gde. Volkach, Lkr. Kitzingen) mit dem dortigen Kartäuserkloster nicht zu einer Stadt entwickeln. Hier war das benachbarte würzburgische Volkach eine zu starke Konkurrenz.

Zu Städtewüstungen kam es kaum: ein Fall wäre das pfalzgräfliche Wallhausen, das den Konkurrenzkampf gegen das mainzische Miltenberg bereits Mitte des 13. Jahrhunderts verlor. In einem anderen Fall entschied Windsheim eine solche Auseinandersetzung gegen Lenkersheim (Lkr. Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim), welches auf den Status eines Dorfes zurücksank, für sich. Alzenau (Lkr. Aschaffenburg) schließlich wurde erst 1951 zur Stadt erhoben, obwohl der Mainzer Erzbischof bereits 1401 vom römischen König das Recht erhielt, das damalige Willanzheim zur Stadt auszubauen.

Jüdische Bevölkerungsgruppen

Der ab 1147 angelegte mittelalterliche jüdische Friedhof in Würzburg in einem Ausschnitt der Stadtansicht aus der Cosmographia universalis von Sebastian Münster (1488-1552) um 1550. Der Friedhof wird hier bezeichnet als "Iudæorum cœmiteriũ. Iuden kirchoff". (Gemeinfrei via Wikimedia Commons)

In den größeren Städten Frankens lassen sich jüdische Bevölkerungsgruppen nachweisen (Würzburg, Rothenburg, Nürnberg Bamberg u. a.), die mehrmaligen Pogromen und Vertreibungen ausgesetzt waren. Gerade bei jenem von 1298 (Rintfleisch-Verfolgung) werden jüdische Gruppen auch in kleineren Städten sichtbar: u. a. Aub (Lkr. Würzburg), Burgkunstadt, Gemünden (Lkr. Main-Spessart), Gerolzhofen (Lkr. Schweinfurt), Gunzenhausen (Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen), Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen), Haßfurt (Lkr. Haßberge), Kissingen. Ebenso finden sich, vorwiegend im 14. Jahrhundert, Hinweise auf Synagogen ("Judenschulen"), Judengassen und Friedhöfe (Amorbach [Lkr. Miltenberg], Miltenberg, Münnerstadt [Lkr. Bad Kissingen], Nürnberg, Rothenburg o. d. Tauber, Wertheim [Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis], Würzburg u. a.).

Nach der Vertreibung der jüdischen Gruppen aus den Städten im Spätmittelalter entwickelte sich in der Frühen Neuzeit ein ausgeprägtes Landjudentum bes. im Raum des heutigen Unterfranken. Wiederansiedlungen von jüdischen Gemeinden waren ab der Mitte des 18. Jahrhunderts möglich, etwa in Bayreuth.

Fränkische Städtelandschaften

Gegend um Bayreuth, Weidenberg, Göppmannsbühl (Gde. Speichersdorf, alle Lkr. Bayreuth), Kemnath (Lkr. Tirschenreuth) und Neustadt a. Kulm (Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab). Handgezeichnete Karte, 1531. (Staatsarchiv Bamberg, C 3, Nr. 1858)
Alter Markt der Reichsstadt Nürnberg im 16. Jahrhundert. Aquarell von August Godemann (1870-1930), 1905. (Deutsches Museum, 52894)

Weit über die Hälfte der Städte Frankens verblieb in geistlicher Hand: Neben den drei fränkischen Bischöfen und dem Mainzer Erzbischof am Mainviereck waren es vor allem der Deutsche Orden (Mergentheim [Bad Mergentheim, Baden-Württemberg, Main-Tauber-Kreis], Ellingen [Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen]) und die Domkapitel von Bamberg (Staffelstein [Bad Staffelstein, Lkr. Lichtenfels]) sowie Würzburg (Ochsenfurt [Lkr. Würzburg]) bzw. der Abt von Fulda (Brückenau, Hammelburg [beide Lkr. Bad Kissingen]), deren Städte politische und kulturelle Landschaften prägten. Neben den Domsitzen sorgten Klöster (etwa Amorbach, Stadtschwarzach [Gde. Schwarzach a. Main, Lkr. Kitzingen]) und Stifte (etwa Ansbach, Herrieden [Lkr. Ansbach]) für die Ausprägung zentralörtlicher Funktionen. Lediglich fünf Reichsstädte finden sich in diesem Raum: Rothenburg, Schweinfurt, Weißenburg, Windsheim und als größte Stadt überhaupt Nürnberg. Die Markgrafen von Ansbach und Kulmbach führten unangefochten die Städtegründungen von Seiten der weltlichen Adeligen an.

Die Städtevielfalt Frankens ist ein Indikator für die territoriale Zersplitterung, jedoch erreichten viele der Kommunen keine großen zentralen Funktionen. Ihr Umland blieb flächen- und bevölkerungsmäßig gering. Viele Orte, die im Herzogtum Bayern als Märkte bezeichnet werden, sind in Franken Städte, eine eindeutige Grenzziehung zwischen beiden Ortsbezeichnungen ist kaum möglich. Von daher ist die oben genannte Gesamtzahl der fränkischen Städte stets diskussionsbedürftig. Je später eine Stadt gegründet wurde, desto geringer waren die Entwicklungschancen. Sie dienten meist der lokalen Herrschaftsausübung in politisch umstrittenen Regionen. In Franken war eine Städtelandschaft mit vorwiegend kleinen Städten entstanden; sie haben damit einen bescheideneren Beitrag zum europaweit zu beobachtenden demographischen Urbanisierungsprozess geleistet. Durch die dennoch erreichte hohe Raumdichte ging von ihnen ein Urbanisierungsprozess aus, der städtische Lebensweisen – wenn auch von überwiegend kleinstädtischem Niveau aus – in die Breite vermittelte. Dazu gehörten Bildungseinrichtungen wie Schulen als Wachstumsphänomene einer Stadt (ca. 70% der nachweisbaren Schulen in Städten), aber auch der Einfluss von neuen Moden (Kleidung, Feste) oder die Beschäftigung mit Geschichte (Chronistik). Rathäuser, Kirchen und Stadttore und Mauern bildeten die hauptsächlichsten Repräsentativbauten, mit denen die Städte regionale Räume beherrschten. Mit ihren Stadtgerichten und Stadtfrieden unterschieden sie sich vom Umland. Schließlich muss die Verbreitung der neuen Tageseinteilung durch Uhren im Zusammenhang mit der Städtedichte gesehen werden. Universitäten entwickelten sich – jedoch zunächst kurzfristig – in Würzburg (1402, wiedererrichtet 1582), nach der Reformation in Altdorf (1622) und Bamberg (1649). Lediglich die Waldgebiete des Spessarts, des Steigerwalds und Teile der Rhön blieben städtefrei. Die Reformation war auch in Franken weitgehend städtisch geprägt. Dies führte u.a. zu einer konfessionell differenzierten Schullandschaft.

Die Partizipation der städtischen Bewohner an der mehr oder weniger ausgeprägten kommunalen Selbstverwaltung blieb begrenzt. Lediglich Vollbürger mit entsprechenden Vermögen konnten in den Kreis der Ratsfamilien aufsteigen, die dann im Inneren Rat die städtische Politik – in Absprache mit dem Stadtherrn – weitgehend bestimmten. Die städtische Bevölkerung war sozial äußerst heterogen: neben den Bürgern gab es Beisassen, Arme, Nichtsesshafte, Kleriker und ggf. eine jüdische Gemeinde. Dem Rat stand, besonders in Krisenzeiten erkennbar, die ‚Gemeinde‘ gegenüber, deren Interessen mit denjenigen des Rates nicht immer kompatibel waren. Das Stadtgebiet war in Viertel eingeteilt, teilweise hatten die Vorstädte eigene kommunale Strukturen. Die Viertelsmeister organisierten die einzelnen Quartiere (Feuerbekämpfung, Wachdienst u. a. m.), sie konnten aber, wie etwa im Bauernkrieg 1525, den oppositionellen Meinungen der meist sozial niederstehenden Bewohner Gehör verschaffen. Die Viertelseinteilung scheint unabhängig von der Stadtgröße zu finden zu sein (sowohl im kleinen (Wolframs-)Eschenbach [Lkr. Ansbach] oder in Seßlach [Lkr. Coburg], aber auch in Würzburg oder Eichstätt).

Nicht zuletzt bildeten Städte aufgrund ihrer Marktfunktion und ihrer Handelsbeziehungen untereinander auch Zentren von Wirtschaftslandschaften in Franken und darüber hinaus. In den vielen kleinen Land- und Territorialstädten war die Gewerbestruktur auf die Versorgung des Umlandes mit Nahrungsmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs ausgerichtet und sie blieben (wie auch die kleineren fränkischen Reichsstädte) in hohem Maße von der Land- und Forstwirtschaft geprägt mit einer großen Zahl von Ackerbürgern, die sich von ihrem eigenen Landbesitz oder der Viehhaltung selbst versorgten.

Zum überregionalen Wirtschaftszentrum entwickelte sich seit dem Hochmittelalter etwa die Stadt Bamberg als Exporteur von Holz und Agrarprodukten nach Nürnberg, Würzburg und bis an den Rhein. Allen voran Würzburg, aber auch andere Städte vor allem in Mainfranken (Volkach, Kitzingen) wurden zu Zentren von Weinbau und Weinhandel. Die Städte im Fichtelgebirge und im Frankenwald (Wunsiedel, Arzberg [Lkr. Wunsiedel], Naila, Lichtenberg [beide Lkr. Hof], Kupferberg, Stadtsteinach [Lkr. Kulmbach]) führten die Erträge ihres Eisen-, Kupfer- und Zinnbergbaus auch in die Oberpfalz und nach Böhmen aus. Ferner war Goldkronach (Lkr. Bayreuth) für den Gold- und Silberbergbau bekannt, der freilich ab der Mitte des 15. Jahrhunderts schon wieder an Bedeutung verlor. Seit dem 14. Jahrhundert waren zahlreiche fränkische Städte vom Textilgewerbe geprägt. In Nürnberg bildete es neben der Metallverarbeitung eine Grundlage für den Aufstieg der Stadt zum Groß- und Fernhandelsplatz von internationaler Bedeutung und wie Eichstätt waren etwa auch Rothenburg und Weißenburg sowie Kulmbach, Bayreuth und insbesondere das ebenfalls markgräfliche Hof in den überregionalen Woll- und Tuchhandel eingebunden.

Entwicklung in der Frühen Neuzeit

In der Frühen Neuzeit kommt es dann, das zeigen die Zahlen Wolfram Ungers (1938-2018) recht deutlich, zu einem Konzentrationsprozess der Stadtherrschaften auf die dominierenden Fürsten Frankens. Städtegründungen waren nur noch selten. Zum einen war der Bedarf nach neuen Städten nicht mehr gegeben, zum anderen entsprach kommunale Autonomie nicht mehr den Herrschafts- und Staatsvorstellungen der Frühen Neuzeit. Zwischen 1500 und 1800 sind lediglich sechs Neugründungen zu finden: Ostheim v. d. Rhön (Lkr. Rhön-Grabfeld) (1596) und Kaltennordheim (Wartburgkreis, Thüringen) (1668) durch die Wettiner, Hofheim i. Ufr. (Lkr. Haßberge) (1576) durch den Würzburger Bischof sowie das nürnbergische Betzenstein (1533) und die beiden markgräflichen Neugründungen Christian-Erlang (Erlangen) (1701) und St. Georgen bei Bayreuth (1705: Neue Stadt zu St. Georgen). Die beiden letzteren folgten einer strengen rechteckigen Grundrissform, wie sie nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika zu beobachten ist. Christian Erlang wurde für die Neuansiedlung der vertriebenen Hugenotten angelegt.

Der entscheidende Beitrag der Städte in der Territorienausbildung wird in einer zunehmenden herrschaftlichen Instrumentalisierung gesehen. Deswegen waren diese Städte in der Regel Zentren der Ämter, einzelne sogar des spätmittelalterlichen Territoriums bzw. frühmodernen Staates insgesamt. In einigen Territorien waren Städte auch an der Landesregierung beteiligt. Seit 1331 gab es im Mainzer Oberstift den "Neunstädtebund", der dort Landstandschaft und Steuerbewilligungsrecht erlangt hatte. Außerdem hatten sich im 14. und 15. Jahrhundert in den Hochstiften Würzburg und Bamberg, Anfang des 16. Jahrhunderts auch in Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth Landstände entwickelt, in denen die Städte vertreten waren. Im Laufe der Frühen Neuzeit verloren die Landstände allerdings fast überall an Bedeutung.

Die Stadt als Repräsentations- und Statussymbol für eine Herrschaft verlor auch im 18. Jahrhundert nicht ihre Rolle. Meist hatten die fränkischen Landstädte Mühe, den urbanen Charakter überhaupt aufrecht zu erhalten (etwa Baunach [Lkr. Bamberg], Hofheim, Teuschnitz, Nordhalben [Lkr. Kronach]). Der Verlust kommunaler Rechte nach der Niederlage im Bauernkrieg 1525 konnte manche Stadt, wie etwa Ludwigsstadt (Lkr. Kronach), in die Gefahr des ‚Abstiegs’ zum Markt bringen. Und die Niederlage des Gemeinen Mannes 1525 zeigte auch im Falle Haßfurts, um ein weiteres Beispiel zu nennen, schwerwiegende Folgen. Insgesamt gesehen wurden die Städte in der Frühen Neuzeit verstärkt dem obrigkeitlichen Reglement unterworfen, wodurch sie zwangsläufig kommunale Sonderrechte verloren. Die Sonderrolle der Städte wurde in den frühneuzeitlichen Staaten nivelliert.

Literatur

Vorbemerkung: In der Literatur kann nicht die gesamte Spezialliteratur zu den einzelnen Städten aufgenommen werden, sondern in der Regel nur komparatistisch angelegte Studien.

  • Helmut Flachenecker, Der Bischof und sein Bischofssitz: Würzburg - Bamberg - Eichstätt im Früh- und Hochmittelalter, in: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 91 (1996), 148-181.
  • Helmut Flachenecker, Landschafts- und Reichsbindung von Städten in Franken, in: Johannes Merz/Robert Schuh (Hg.), Franken im Mittelalter. Francia orientalis, Franconia, Land zu Franken: Raum und Geschichte (Hefte zur Bayerischen Landesgeschichte 3), München 2004, 167-187.
  • Helmut Flachenecker, Städtelandschaft Franken, in: Wolfgang Wüst/Klaus Wolf unter Mitarbeit von Christoph Gunkel (Hg), Die süddeutsche Städtelandschaft - Ein interregionaler Vergleich, Berlin/Bern u.a. 2021, S. [noch unbekannt!]
  • Helmut Flachenecker, Städtelandschaften in Franken, in: Helmut Flachenecker, Hans Heiss (Hg.), Sammelwerk Franken und Südtirol - Zwei Kulturlandschaften im Vergleich. Akten der internationalen Tagung vom 1. bis 3. März an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 34, Mainfränkische Studien 81), Bozen 2013, 133-147.
  • Helmut Flachenecker, Von Viertelmeistern und anderen städtischen Ämtern. Zu Editionsgrundlagen von Stadtbüchern im Hoch- und Spätmittelalter, in: Helmut Flachenecker/Krzysztof Kopiński/Janusz Tandecki (Hg.): Editionswissenschaftliches Kolloquium 2019. Urkundenbücher, Chroniken, Amtsbücher. Alte und neue Editionsmethoden (Publikationen des Deutsch-Polnischen Gesprächskreises für Quellenedition. Publikacje Niemiecko-Polskiej Grupy Dyskusyjnej do Spraw Edycji Źródeł; Bd. 10), Toruń 2019, S. 163-177.
  • Helmut Flachenecker/Rolf Kießling (Hg.), Schullandschaften in Altbayern, Franken und Schwaben. Untersuchungen zur Ausbreitung und Typologie des Bildungswesens in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Reihe B Beihefte 26), München 2005.
  • Helmut Flachenecker/Rolf Kießling (Hg.), Städtelandschaften in Altbayern, Franken und Schwaben. Studien zum Phänomen der Kleinstädte während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit (Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. Reihe B Beihefte 15), München 1999.
  • Helmut Flachenecker/Rolf Kießling (Hg.), Urbanisierung und Urbanität. Der Beitrag der kirchlichen Institutionen zur Stadtentwicklung in Bayern (Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte Beiheft 36), München 2008.
  • Helmut Flachenecker/Rolf Kießling (Hg.), Wirtschaftslandschaften in Bayern. Studien zur Entstehung und Entwicklung ökonomischer Raumstrukturen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert (Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte. Reihe B Beihefte 39), München 2010.
  • Andreas Jakob, Erlangen im 18. Jahrhundert, München 2012.
  • Rainer A. Müller, Reichsstädte in Franken, 2 Bde, München 1987.
  • Markus Naser, Digitale Karten zur Geschichte der Städte in Franken (Mainfränkische Studien 79), Baunach 2010.
  • Stefan Pfaffenberger, Aspekte der Stadtentwicklung Bambergs im frühen und hohen Mittelalter aus archäologischer Sicht (Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands 32; Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 36), Büchenbach 2020.
  • Bernhard Rupprecht, "Gedächtnuß der von Uns angefangenen Neuen Stadt zu St. Georgen am See". Die Planstadt des Markgrafen Georg Wilhelm, in: Helmut Neuhaus (Hg.), Aufbruch aus dem Ancien régime. Beiträge zur Geschichte des 18. Jahrhunderts, Köln u.a. 1993, 135-156.

Quellen

  • Matthaeus Merian, Topographia Franconiae: Das ist Beschreibung und eygentliche Contrafactur der vornembsten Stätte und Plätze des Franckenlandes. Nachdr. der [Ausg. Frankfurt 1648], erg. mit Graphiken aus Privatbesitz, Heimatmuseen und Archiven, Sennfeld u.a.1999.

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Empfohlene Zitierweise

Helmut Flachenecker/Anja Lochbrunner, Städte in Franken (Mittelalter/Frühe Neuzeit), publiziert am 19.04.2021, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Städte_in_Franken_(Mittelalter/Frühe_Neuzeit)> (21.09.2021)





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