Ansbach, Markgraftum: Politische Geschichte

Markgräfliches Wappen (145x135 mm, gebrannter Ton) nach 1465 von einem Stadttor in Gunzenhausen. 1757 von Antiquarius Johann Friedrich Christelli dem Hochfürstlichen Archiv übergeben. (Staatsarchiv Nürnberg)
Das Haus Brandenburg-Ansbach in der Genealogie der Hohenzollern. (aus: Günther Schuhmann, Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, Ansbach 1980, 164/165)
Markgraf Kasimir von Brandenburg (1481-1527) auf einem Gemälde von Hans Suess von Kulmbach (ca. 1480-1522) aus dem Jahre 1511. (Britannica ImageQuest)
Gedächtnistafel für Markgraf Kasimir (1481-1527) und seine Gemahlin Susanne (1502-1543) in der Klosterkirche Heilsbronn. (Fotografie: Eugen Berberich)
Hans von Leonrod (1439-1504) überreicht Markgraf Friedrich V. von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach (1460-1536), genannt Friedrich der Ältere, das von ihm verfasste, erst 1517 veröffentlichte, Werk "Hymmelwagen". (aus: Hans von Leonrod, Hymmelwagen auff dem, der wol lebt, fert in das Reich der Hymmel, Augsburg 1517, fol. 1v. ; Bayerische Staatsbibliothek Rar. 411)
Darstellung von Margraf Friedrich V., genannt d. Ä., (1460-1536) mit seinen Söhnen auf dem Hochaltar in der Heilsbronner Klosterkirche. (Fotografie: Eugen Berberich)
Darstellung von Markgräfin Sophia (geb. Sofia Jagiellonica 1464-1512) mit ihren Töchtern auf dem Hochaltar in der Heilsbronner Klosterkirche. (Fotografie: Eugen Berberich)
Markgraf Georg Friedrich d. Ä. (1539-1603) auf einem Gemälde in der Klosterkirche Heilsbronn. (Öl auf Holz von Andreas Riehl 1613, Fotografie: Eugen Berberich)
Die Markgräfliche Hofkanzlei in Ansbach wurde 1594 nach Plänen von Gideon Bacher (1565-1619) errichtet. Im 17. Jahrhundert diente das Gebäude auch als Tagungsort des Ansbacher Landtages. Zeichnung der Markgräflichen Kanzlei und der Türme der Stiftskirche St. Gumbertus, aus: Gebäudeaufnahmen zum Kataster der Staatsbauten in Ansbach, Ansbach 1808-1812, fol. 14v15r (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 207 md)
Markgraf Johann Friedrich (1654-1686). (Öl auf Leinwand um 1670/1680, Residenz Ansbach; Fotografie: Eugen Berberich)
Markgraf Georg Friedrich d. J. (1678-1703) auf einem Kupferstich von Andreas Matthias Wolffgang aus dem Jahre 1703, nach einem Gemälde von Johann Carl Zierl. (Staatsarchiv Nürnberg)
Markgraf Karl Alexander (1736-1806). (Öl auf Leinwand von Georg Anton Abraham Urlaub um 1770, Residenz Ansbach; Fotografie: Eugen Berberich)
Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822) auf einem Gemälde von Friedrich Georg Weitsch (1758-1828). (lizensiert durch PD-Art via Wikimedia Commons)
von Reinhard Seyboth


1397 aus dem Burggraftum Nürnberg hervorgegangenes Fürstentum mit Sitz in Ansbach. Knapp 400 Jahre wurde das Markgraftum Ansbach von den Zollern regiert und stand damit in teilweise sehr enger Verbindung zu anderen zollerischen Territorien, vor allem zum Markgraftum Kulmbach-Bayreuth. Im 15. Jahrhundert von den Ansbacher Fürsten gehegte Pläne zur Errichtung einer zollerschen Vormachtstellung in Franken ließen sich letztlich nicht verwirklichen. Dagegen wurde Ansbach, in dem seit 1528 die Reformation eingeführt wurde, in der frühen Neuzeit zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum in Franken. Nachdem der letzte Ansbacher Markgraf Karl Alexander (reg. 1757-1791) 1791 resignierte, ging das Markgraftum Ansbach nach einer kurzen preußischen Periode 1806 an das Königreich Bayern über.

Frühphase unter Kurfürst Friedrich I.

Burggraf Friedrich V. (reg. 1357-1397) aus der Dynastie der Zollern bestimmte in seiner Disposition von 1385 seine beiden Söhne Friedrich VI. (reg. als Burggraf von Nürnberg 1397–1420, ab 1415/17 als Markgraf/Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg) und Johann III. (reg. als Burggraf von Nürnberg 1397–1420) als Erben der beiden Landesteile des Burggraftums Nürnberg. Diese wurden im Spätmittelalter stets als "Land unterhalb des Gebirgs" (später Markgraftum/Fürstentum Ansbach) bzw. "Land oberhalb des Gebirgs" (später Markgraftum/Fürstentum Kulmbach) bezeichnet. Nach der Abdankung Friedrichs V. 1397 übernahm Burggraf Friedrich VI. das untergebirgische Fürstentum mit der Hauptresidenz Ansbach, beim Tod Burggraf Johanns III. auch noch den obergebirgischen Teil. Beide Fürstentümer wurden allerdings künftig auch dann getrennt verwaltet, wenn sie einem gemeinsamen Landesherrn unterstanden. Friedrich I. vermochte das Fürstentum Ansbach wegen der hohen Aufwendungen für die Mark Brandenburg sowie seines langjährigen Engagements für König/Kaiser Sigismund (reg. 1411-1437, Kaiser ab 1419) und die Reichspolitik im Wesentlichen nur noch durch den Erwerb Crailsheims (Baden-Württemberg) 1399 zu erweitern. Zu den negativen Resultaten seiner Regierung zählen neben einer hohen Verschuldung auch die erfolglose Fehde gegen die Reichsstadt Rothenburg 1407/08, der 1420/21 in einen zerstörerischen Krieg mündende Konflikt mit Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (reg. 1413-1443) sowie der 1427 notwendig gewordene Verkauf der Burggrafenburg an die Reichsstadt Nürnberg. In seiner väterlichen Disposition von 1437 teilte der Kurfürst seinen fränkischen und brandenburgischen Territorialbesitz zur Vermeidung von Erbstreitigkeiten so gerecht wie möglich unter seine vier Söhne auf.

Vormachtstreben und Ordnungspolitik zur Zeit Kurfürst Albrechts

Nach dem Tod Kurfürst Friedrichs I. 1440 hielten sich die Nachkommen an die Teilungsvorgabe. Markgraf Albrecht Achilles (reg. 1440-1486) übernahm dabei das Markgraftum Ansbach. Während seiner langen Regierungszeit unternahm er immer wieder Versuche, seinen fränkischen Besitz, zu dem nach dem Herrschaftsverzicht seines Bruders Johann Alchimista (reg. 1440-1457) auch das Markgraftum Kulmbach gehörte, zu erweitern. So griff er unter anderem den Gedanken seines vertrauten Rates Ludwig von Eyb des Älteren (1417-1502) auf, im mainfränkischen Raum, also in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hochstift Würzburg, ein drittes markgräfliches Territorium zu schaffen; allerdings konnte er nur die brauneckischen Lehen, bestehend aus der Stadt Creglingen (Baden-Württemberg), Burg Brauneck (nördlich von Creglingen), Erlach (Lkr. Würzburg) sowie den sechs Maindörfern (Sickershausen, Marktsteft, Obernbreit, Gnodstadt, Martinsheim, Oberickelsheim), erwerben und ins Markgraftum Ansbach integrieren. Bereits 1443 hatte er Kitzingen pfandweise vom Hochstift Würzburg erworben. Als Folge der aggressiven Politik Markgraf Albrechts entbrannten in der ersten Hälfte seiner Regierungszeit zwei massive militärische Konflikte. Zum großen Teil wurden diese auf dem Boden des Markgraftums Ansbach ausgefochten. Der Städtekrieg mit Nürnberg und anderen Reichsstädten 1449/50 erwuchs aus der latenten Spannung zwischen adeliger und bürgerlicher Lebenswelt und verursachte im Gebiet der beiden Hauptkontrahenten lange nachwirkende Zerstörungen. Der Fürstenkrieg mit Herzog Ludwig dem Reichen von Bayern-Landshut (reg. 1450-1479), Bischof Johann von Würzburg (reg. 1455-1466) und anderen Mächten 1458-1463 war vor allem ein Resultat von Markgraf Albrechts Bestrebungen, gegenüber seinen Territorialnachbarn eine Vormachtstellung zu erringen, indem er für sein Kaiserliches Landgericht Burggraftums Nürnberg eine weit reichende übergeordnete Rechtsprechungskompetenz in Anspruch nahm. Nach dem Scheitern dieses Versuchs konzentrierte er sich mehr auf die äußere Absicherung und innere Ordnung der beiden Markgraftümer sowie auf den Abbau der von seinem Vater ererbten Schuldenlast. Als wichtiger Helfer bei diesen Aufgaben fungierte der fränkische Niederadel, der in der markgräflichen Hof- und Landesverwaltung auf zahlreichen Positionen loyal diente. Albrecht förderte ganz gezielt das gute Verhältnis zu den Adeligen, u. a. durch die Gründung des fränkischen Zweiges des Schwanenordens, der damit zu einem förmlichen Symbol der engen Verbindung mit dem Landesherrn wurde. Nach Übernahme der Mark Brandenburg und des Kurfürstentitels 1470 musste Albrecht zwar künftig die Kräfte zwischen seinen zwei weit auseinander liegenden Herrschaftsbereichen aufteilen; gleichzeitig vergrößerte sich jedoch auch sein reichspolitischer Einfluss erheblich. In der Dispositio Achillea von 1483 bestimmte er seinen ältesten Sohn Markgraf Johann (reg. 1486-1499) zum künftigen Erben des Kurfürstentums Brandenburg, die Söhne Friedrich und Sigmund zu Inhabern der fränkischen Markgraftümer.

Krise und Fürstenabsetzung

Nach Kurfürst Albrechts Tod 1486 übernahm Markgraf Friedrich der Ältere (reg. 1486-1515) den Ansbacher Landesteil, beim Tod seines Bruders Markgraf Sigmund (reg. 1486-1495) auch das Markgraftum Kulmbach. Anfänglich versuchte er zwar, mit Hilfe des wiederbelebten Kaiserlichen Landgerichts Burggraftums Nürnberg nochmals an die Vormachtansprüche seines Vaters in Franken anzuknüpfen, scheiterte damit jedoch frühzeitig. Auch die alten Spannungen mit der Reichsstadt Nürnberg verschärften sich unter Friedrich dem Älteren wieder deutlich und eskalierten 1502 zu einer bewaffneten Auseinandersetzung. Mit anderen angrenzenden Mächten, insbesondere dem Hochstift Würzburg, gab es ebenfalls zahllose Differenzen über strittige Hoheitsrechte. Die erneut stark anwachsende Verschuldung, u. a. verursacht durch allzu viele Dienstleistungen für König/Kaiser Maximilian I. (reg. 1486-1519, Kaiser ab 1508), zahlreiche vom Markgrafen gedeckte Übergriffe friedbrecherischer Adeliger und andere interne Missstände führten allmählich zu einem krisenhaften Zustand. Friedrich der Ältere blockierte jedoch über Jahre hinweg sämtliche Reforminitiativen, weshalb er schließlich 1515 durch einige seiner selbst zur Herrschaft strebenden Söhne unter dem Vorwand geistiger Zerrüttung abgesetzt wurde. Die Landstände der Markgraftümer legitimierten die Entmachtung und konnten sich seither endlich als wichtige politische Kraft Geltung verschaffen. Zuvor war es Markgraf Albrecht vor allem durch seine kluge Finanzpolitik gelungen, die Durchsetzung landständischer Mitwirkungsrechte zu verhindern.

Zwischen Glaube und Politik: die Einführung der Reformation

Der neue Fürst Markgraf Kasimir (reg. 1515-1527) vermochte allerdings die vorhandenen Probleme, insbesondere die Finanzmisere, kaum in den Griff zu bekommen. Auch er stellte sich wie seine Vorgänger bereitwillig in den Dienst der katholischen Kaiser Maximilian I. und Karl V. (reg. 1519-1556, Kaiser ab 1520). Als Folge dieser Loyalität und wegen seiner indifferenten religiösen Haltung konnte die reformatorische Bewegung in den Markgraftümern zunächst nicht entscheidend Fuß fassen. Erst Kasimirs 1528 zur Regierung gelangter, von der Lehre Luthers zutiefst überzeugter Bruder Markgraf Georg der Fromme (reg. 1528-1543), einer der führenden evangelischen Reichsfürsten seiner Zeit, etablierte - teilweise in Kooperation mit der Reichsstadt Nürnberg - die Reformation rasch und vollständig in den Markgraftümern. Diese gehörten damit zu den frühesten evangelischen Fürstentümern im Reich. Der im Schmalkaldischen Bund zusammengeschlossenen protestantischen Opposition gegen Kaiser Karl V. schloss Georg sich hingegen aufgrund politischer Erwägungen nicht an. Die schlesischen Fürstentümer Jägerndorf, Oppeln und Ratibor, die er während seines über zwanzigjährigen Aufenthalts am ungarischen Königshof erworben hatte, behielt er auch nach seinem Regierungsantritt in Franken, obwohl ihre Verwaltung von dort aus mit Problemen verbunden war. Markgraf Georg zeigte sich aufgeschlossen gegenüber neuen Strömungen in der Musik, der bildenden Kunst, der Malerei und der Architektur. Georgs letzte Lebensjahre waren überschattet vom zermürbenden Zwist mit seinem ungebärdigen Neffen Markgraf Albrecht Alcibiades (reg. 1541-1554), der 1541 eine Teilung der markgräflichen Lande durchsetzte, das Fürstentum Kulmbach übernahm und Franken in den verheerenden Markgrafenkrieg stürzte.

Konsolidierung und Modernisierung

In den 13 Jahren von Markgraf Georgs Tod 1543 bis zur Mündigkeit seines Sohnes Markgraf Georg Friedrich des Älteren (reg. 1556-1603) wurde das Markgraftum Ansbach von einem Regentschaftsrat mit Friedrich von Knobelsdorff (gest. 1623) an der Spitze geführt. Unter dem neuen Landesherrn folgte dann eine lange Phase der Stabilisierung und Modernisierung. Dabei bewährte sich Georg Friedrich, ein überzeugter Lutheraner, als energischer Kirchenorganisator (Schaffung des Ansbacher Konsistoriums, Abschluss der Säkularisationen), Förderer von Bildung (Gründung der Heilsbronner Fürstenschule) und Wissenschaft (Stiftung der Ansbacher Konsistorialbibliothek), Verwaltungsreformer (Schaffung von Ressorts in der Hofverwaltung), Sanierer der Staatsfinanzen und Bauherr (u. a. Errichtung des Neuen Schlosses in Neustadt a. d. Aisch). Seine Friedensliebe und der Verzicht auf größere Konflikte mit den fränkischen Nachbarn wirkten sich ebenfalls positiv auf die Entwicklung des Landes aus. Allerdings konnte er nicht alle Kräfte auf die beiden Markgraftümer konzentrieren, da er sich auch um seine schlesischen Besitzungen sowie ab 1578 zusätzlich um das aus der Hand seines psychisch erkrankten Vetters Herzog Albrecht Friedrich (reg. 1568-1577) übernommene Herzogtum Preußen kümmern musste. Während seines dortigen siebenjährigen Aufenthalts führte ein Regentschaftsrat die Amtsgeschäfte in Ansbach. Die Jahrzehnte lang mit Erfolg betriebene Wiederannäherung an die kurbrandenburgische Linie der Hohenzollern erleichterte Georg Friedrich dem Älteren gegen Ende seines Lebens sehr den Entschluss, den Berliner Familienzweig im Geraer Hausvertrag von 1598 zum Erben seiner sämtlichen Besitzungen einzusetzen.

Patriarchalischer Absolutismus unter den kurbrandenburgischen Hohenzollern

Nach dem Tod Markgraf Georg Friedrichs des Älteren 1603 übernahm Markgraf Joachim Ernst (reg. 1603-1625), Sohn des brandenburgischen Kurfürsten Johann Georg (reg. 1571-1598), nach Losentscheid das Fürstentum Ansbach. Als General der protestantischen Union war er in den Anfangsjahren des Dreißigjährigen Krieges intensiv an bewaffneten Auseinandersetzungen beteiligt. Während des Krieges litt das Fürstentum Ansbach stark unter den Verwüstungen, doch nach vierzehnjähriger Vormundschaftsregierung konnte der vom Gedanken des landesväterlichen Absolutismus geleitete Markgraf Albrecht V. (reg. 1639-1667) die entstandenen Schäden teilweise beheben. Während der relativ kurzen Regierungszeit des schöngeistigen Markgrafen Johann Friedrich (reg. 1672-1686) kam es zu ersten Ansätzen einer merkantilistischen Wirtschaftspolitik; zudem wurden aus Frankreich emigrierte Hugenotten besonders in Ansbach und Schwabach angesiedelt, die neue Gewerbe und die Produktionsform der Manufaktur ins Land brachten.

Das Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung

Unter den Markgrafen Georg Friedrich dem Jüngeren (reg. 1694-1703) und Wilhelm Friedrich (reg. 1703-1723) hielt der am französischen Vorbild orientierte, durch übersteigertes Repräsentationsbedürfnis und Verschwendungssucht gekennzeichnete absolutistische Herrschaftsstil auch im Fürstentum Ansbach Einzug. Die Folgen waren eine stetig wachsende Staatsverschuldung und die Aufnahme immer neuer Kredite. Georg Friedrich der Jüngere beteiligte sich am Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) als Kommandeur der fränkischen Kreistruppen. Nach dem Tod des Markgrafen in der Schlacht bei Schmidmühlen übernahm zunächst seine Witwe die Regentschaft, da der Halbbruder des Verstorbenen, Wilhelm Friedrich, noch unmündig war. Unter dem Einfluss von dessen kultur- und kunstbegeisterten Gemahlin Christiane Charlotte (1694-1729) wurden in Ansbach eine Fayencefabrik errichtet, das markgräfliche Schloss im Stil des französischen Barocks umgebaut und die Schlossbibliothek gegründet.

Unter Karl Wilhelm Friedrich (reg. 1729-1757) erlebte das Fürstentum Ansbach eine Blütezeit, geriet allerdings wegen der übersteigerten Bautätigkeit des Landesherrn sowie seiner kostspieligen Leidenschaft für die Falknerei auch an den Rand des Bankrotts. Der u. a. wegen seiner außerehelichen Affären als "Wilder Markgraf" bekannt gewordene Fürst straffte die Staatsverwaltung, förderte Wirtschaft und Gewerbe und initiierte in der Stadt Ansbach und am dortigen Schloss eine rege Bautätigkeit. Durch einige Zugewinne, insbesondere die 1741 erworbene Grafschaft Sayn-Altenkirchen im Westerwald, konnte er sein Herrschaftsgebiet deutlich erweitern. Außenpolitisch wahrte der mit Prinzessin Friederike Luise (1714-1784), Tochter des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. (reg. 1713-1740), vermählte Markgraf trotz Umwerbung durch die Großmächte strikte Neutralität. Erst gegen Ende seines Lebens wandte er sich dem Kaiser und Österreich zu.

Der letzte Ansbacher Markgraf Karl Alexander (reg. 1757-1791), der ab 1769 auch im Fürstentum Bayreuth regierte, orientierte sich politisch an seinem Onkel König Friedrich II. von Preußen (reg. 1740-1786), war zudem ebenfalls ganz vom Geist des aufgeklärten Absolutismus geprägt. Durch sparsame Hofhaltung und Verwaltung vermochte er die hohen Landesschulden zu tilgen, nicht zuletzt durch umstrittene Soldatenverkäufe nach Amerika auf der Grundlage eines 1777 abgeschlossenen Subsidienvertrags mit Großbritannien. Darüber hinaus galt seine Unterstützung kulturellen Einrichtungen, besonders der Universität in Erlangen und den Schulen, der Förderung der Manufakturen und der Landwirtschaft sowie der Fürsorge für soziale Belange seiner Untertanen. Durch sein 1789 der Reichsstadt Nürnberg unterbreitetes Verständigungsangebot wurden die Jahrhunderte langen nachbarschaftlichen Zwistigkeiten endlich beendet. Im Januar 1791 schloss Karl Alexander als Folge des Einflusses seiner Geliebten Lady Elisabeth Craven (1750-1828) und wohl auch aus Angst vor einem Übergreifen der Französischen Revolution auf sein Land ein geheimes Abkommen mit Preußen, in dem er gegen eine hohe Leibrente auf die Regierung verzichtete und sich anschließend nach England ins Privatleben zurückzog.

Die preußische Ära und die Reformen des Freiherrn von Hardenberg

Im Januar 1792 übernahm der bereits seit einiger Zeit im Land weilende preußische Minister Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822), ausgestattet mit quasi vizeköniglichen Befugnissen, die fränkischen Markgraftümer im Auftrag des Königs von Preußen. Die von ihm eingeleitete rigorose Okkupation fremdherrschaftlicher Gebietseinsprengsel ("Revindikationen") im Fürstentum Ansbach sowie weit reichende Reformen in den Bereichen Verwaltung, Finanzen, Land- und Forstwirtschaft zielten darauf ab, aus dem zerrissenen Territorium ein geschlossenes Herrschaftsgebiet zu formen und die staatlichen Verhältnisse nach preußischem Vorbild zu gestalten. Obwohl die Zahl der Untertanen durch die gewaltsamen Arrondierungen deutlich vergrößert werden konnte und das Reformprogramm durchaus einige Effizienz bewies, blieb vieles davon letztlich doch unvollendet.

Übergang an Bayern

In den letzten Jahren seiner Existenz geriet das Markgraftum Ansbach mit in den Strudel der europäischen Großmachtpolitik. Nach dem Sieg Kaiser Napoleons (reg. 1804-1814) im dritten Koalitionskrieg musste auf seinen Druck hin Preußen im Schönbrunner Vertrag vom 16. Dezember 1805 das Ansbacher Gebiet an Bayern abtreten. Mit der förmlichen Übernahme durch den neuen Besitzer im Mai 1806 und dem Aufgehen im Königreich Bayern endete die Existenz des Fürstentums Ansbach als eigenständiges reichsfürstliches Territorium.

Forschungsstand und Quellenlage

Eine fundierte und vor allem vorzüglich illustrierte Gesamtdarstellung der Geschichte des Fürstentums Ansbach, die sowohl personen- als auch sachbezogene Aspekte berücksichtigt, stellt die Bilddokumentation von Günther Schuhmann (geb. 1920) dar. Auch die einschlägigen, auf relativ neuer Forschungsgrundlage basierenden Abschnitte des Handbuchs der Bayerischen Geschichte skizzieren zuverlässig den Gang der Ereignisse und die wichtigsten internen Entwicklungslinien im Markgraftum. Spezialuntersuchungen hingegen sind zeitlich recht ungleichmäßig verteilt, zudem überwiegend biographisch ausgerichtet. Dabei fanden die Markgrafen des 15. und 16. Jahrhunderts deutlich mehr Beachtung, wobei neben ihren individuellen Herrscherleistungen zunehmend auch strukturelle Gesichtspunkte, das Verhältnis zu den übrigen fränkischen Territorialmächten sowie religiös-konfessionelle Fragestellungen berücksichtigt werden. Vergleichsweise gut untersucht sind zudem das spätere 18. Jahrhundert, also die Regierungszeit Markgraf Karl Alexanders sowie die preußische Zeit unter Hardenberg. In jüngster Zeit spielt das Ansbacher Territorium auch in territorienübergreifenden Arbeiten wie etwa der kommunikationsgeschichtlichen Studie von Nicola Humphreys zum Fränkischen Reichskreis eine wichtige Rolle.

Die Quellensituation ist nur bedingt befriedigend. Zwar beinhaltet der in erster Linie einschlägige Bestand "Fürstentum Ansbach" im Staatsarchiv Nürnberg eine sehr umfangreiche, bis ins 13. Jahrhundert zurückreichende archivalische Überlieferung, doch ist davon nur ein Bruchteil editorisch erschlossen. Einige neuere Ausgaben bieten Texte zu speziellen Themen aus dem späteren 15. Jahrhundert (Matthias Thumser) und der Reformationszeit (Emil Sehling). Die in reicher Auswahl publizierten markgräflichen Policeyordnungen spiegeln einen zentralen Aufgabenbereich absolutistischer Fürstenherrschaft wider. An sonstigen bedeutsamen Quellen zur frühneuzeitlichen Ansbacher Geschichte liegt nur noch Hardenbergs Rechenschaftsbericht über die Erfolge seiner fränkischen Reformpolitik gedruckt vor (Martin Gernot Meier).

Die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach

Name Lebensdaten Regierungszeit
Friedrich I. ca. 1371-1440 1398-1440
Albrecht Achilles 1414-1486 1440-1486
Friedrich der Ältere 1460-1536 1486-1515
Georg der Fromme 1484-1543 1515-1543
Georg Friedrich I. d. Ä. 1539-1603 1543-1603
Joachim Ernst 1583-1625 1603-1625
Friedrich III. 1616-1634 1625-1634
Albrecht II. 1620-1667 1634-1667
Johann Friedrich 1654-1686 1672-1686
Christian Albrecht 1675-1692
Georg Friedrich II. d. J. 1678-1703 1694-1703
Wilhelm Friedrich 1686-1723 1703-1723
Karl Wilhelm Friedrich 1712-1757 1729-1757
Christian Friedrich Karl Alexander 1736-1806 1757-1791

Literatur

Quellen

  • Constantin Höfler (Hg.), Das kaiserliche Buch des Markgrafen Albrecht Achilles, Vorkurfürstliche Periode 1440-1470, Bayreuth 1850.
  • Christian Meyer, Hardenberg und seine Verwaltung der Fürstenthümer Ansbach und Bayreuth, Breslau 1892. [25-159 der Rechenschaftsbericht Hardenbergs von 1797 über die Ergebnisse seiner Reformtätigkeit in den Markgraftümern]
  • Julius von Minutoli (Hg.), Das Kaiserliche Buch des Markgrafen Albrecht Achilles. Kurfürstliche Periode von 1470-1486, Berlin 1850.
  • Felix Priebatsch (Hg.), Politische Correspondenz des Kurfürsten Albrecht Achilles, 3 Bände (Publicationen aus den K. Preußischen Staatsarchiven 59, 67, 71), Leipzig 1894-98, ND Osnabrück 1965.
  • Emil Sehling (Hg.), Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. 11. Band: Bayern, 1. Teil: Franken, Tübingen 1961. [59-477 die Kirchenordnungen der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach-Kulmbach 1523-1592, von 1528-1533 in Zusammenarbeit mit der Reichsstadt Nürnberg]
  • Rudolf Graf Stillfried/Traugott Maercker (Hg.), Monumenta Zollerana. Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Zollern, 8 Bände und Register, Berlin 1852-1890.
  • Matthias Thumser (Hg.), Ludwig von Eyb der Ältere (1417-1502): Schriften. Denkwürdigkeiten, Gültbuch, Briefe an Kurfürst Albrecht Achilles 1473/74, Mein Buch (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, I/6), Neustadt an der Aisch 2002.
  • Wolfgang Wüst (Hg.), Policeyordnungen in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach (Die "gute" Policey im Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches. Ein Quellenwerk 5), Erlangen 2011.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Reinhard Seyboth, Ansbach, Markgraftum: Politische Geschichte, publiziert am 12.12.2016, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ansbach,_Markgraftum:_Politische_Geschichte> (23.06.2017)