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Universität Würzburg (1402-1420/1582-1814)

Gründung der Universität Würzburg 1402 in der Bischofschronik von Lorenz Fries (1489/91-1550) ("Echter-Exemplar"). Links eine Szene aus dem Lehrbetrieb, rechts übergeben Vertreter der Stadt dem Bischof einen Revers über die bischöfliche Gründungsurkunde. (Universitätsbibliothek Würzburg, M.ch.f.760, fol. 325r)

von Peter Baumgart

Eine erste Universität in Würzburg gründete 1402 Bischof Johann von Egloffstein (reg. 1400-1411). Sie ging jedoch um 1420 wieder unter. Dauerhaften Bestand hatte dagegen die Gründung von Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617, reg. seit 1573), die 1582 eröffnet wurde. Die Echtersche Universität entstand im Zeichen von katholischer Reform und Gegenreform mit starkem jesuitischem Einfluss, der jedoch nicht so weit ging wie in den meisten anderen katholischen Universitäten. Die 1734 erlassene neue Studienordnung zeigte bereits deutlich den Einfluss der Aufklärung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Universität Würzburg zu einer der wichtigsten Reformuniversitäten des katholischen Deutschland. Seit 1795 wurde ein konservativ-restaurativer Kurs bestimmend, der nur durch die kurze erste bayerische Zeit (1802-1806) unterbrochen wurde.

Ephemere Erstgründung 1402

Der ambitionierte erste Versuch, nach dem Vorbild deutscher wie europäischer spätmittelalterlicher Universitäten ein Studium generale in Würzburg zu errichten, scheiterte rasch. Zwar konnte Fürstbischof Johann von Egloffstein (reg. 1400-1411) mit einem päpstlichen Privileg von 1402 in Würzburg eine Hohe Schule in geeigneten Bauten (Hof zum Katzenwicker, Großer Löwenhof) eröffnen und dafür qualifizierte Juristen und Theologen gewinnen. Jedoch erhielt diese erst 1410 einen Dotations- und Freiheitsbrief (mit Eigengerichtsbarkeit), der sich bald als unzureichend erwies, so dass schon seit 1412 Lehrkräfte abwanderten. Symptomatisch war auch die Ermordung des Kanonisten und damaligen Rektors Johann Zantfort Ende 1413 durch seinen Diener (ein persönlicher Racheakt). Der Lehrbetrieb endete aber spätestens um 1420. Ausschlaggebend dafür war wohl die mangelnde finanzielle Ausstattung durch das verschuldete Hochstift unter dem bildungspolitisch desinteressierten Nachfolger. Wegen der dürftigen Quellenlage bleibt die Überlieferung ungünstig.

Neugründung unter Fürstbischof Julius Echter

Wappen des Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn im Matrikelbuch der Universität Würzburg. (Universitätsbibliothek Würzburg, WMch.f.m.2/1).

Im Zeichen von katholischer Reform und "Gegenreformation" setzte der tatkräftige Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617, reg. seit 1573) die Neugründung gegen den Widerstand des eigenen Domkapitels wie der vom fränkischen Adel dominierten Landstände durch.

Statt an die erste Hochschule knüpfte er an das von Bischof Friedrich von Wirsberg (reg. 1558-1573) eingerichtete und 1567 feierlich eingeweihte Jesuitengymnasium ("Pädagogium") an. Die Gymnasialstiftung und die Gründung des Jesuitenkollegs (1568 bestätigt) leiteten eine Bildungsreform im Hochstift ein, das zweites Zentrum der katholischen Reform in Süddeutschland neben dem Herzogtum Bayern wurde. Echter als Landesherr mit "frühabsolutistischem" Anspruch bestimmte allein den universitätspolitischen Kurs. Er bediente sich zwar der Jesuiten, duldete aber nicht die von ihnen anderswo beanspruchte weitgehende Autonomie.

Verlauf der Gründung

Die Gründung als Universität vollzog sich in einer abgestuften Kette von rechtserheblichen Akten über einen Zeitraum von nahezu 20 Jahren: Ein kaiserliches Privileg vom 11. Mai 1575 und erst danach ein päpstliches vom 28. März 1576 sicherten der Universität den Status als Volluniversität mit allen Graduierungsrechten. In hergebrachten Kanzleiformeln sanktionierte das kaiserliche Privileg die Würzburger Einrichtung als "studium universale et gymnasium" mit begrenzter Autonomie der Gesamtkorporation wie der vier traditionellen Fakultäten und eingeschränkter Eigengerichtsbarkeit. Das päpstliche Privileg verpflichtete Lehrkörper wie künftige Promovenden zur Ablegung des seit 1568 geforderten Eides auf das Tridentinum ("professio fidei"). Es unterstrich dadurch den Charakter der Julius-Universität als "Academia Catholica".

Noch bevor die finanzielle Ausstattung gesichert war, setzte Echter zur Überraschung des Domkapitels die feierliche Einweihung auf den 2. Januar 1582 an. Während der glanzvollen viertägigen Feierlichkeiten konstituierte sich die Julia als akademische Korporation mit den üblichen Ämtern und Echter als erstem Rektor, der seinerseits für die tatsächlichen Amtsgeschäfte einen Nichtjesuiten als Prorektor einsetzte. 1584 kam es dann zu einer Verständigung mit dem Würzburger Kapitel, dessen Mitglieder hinfort das Amt des Universitätskanzlers bei den Promotionen und bisweilen das Rektorenamt bekleideten.

Im Sommer 1582 ließ der Fürstbischof nach langem Streit um den Standort mit dem Neubau des Universitätskomplexes nach Plänen des Kurmainzer Baumeisters Georg Robin (gest. 1592) beginnen. In neunjähriger Bauzeit entstand so mit hohen Kosten (über 130.000 Gulden) eine großzügige, um einen Innenhof gruppierte Vierflügelanlage, zu der neben dem bereits 1584 eröffneten Kilianskolleg (Priesterseminar), den Hörsälen, Wohnungen für die Studenten (Alumnen) und der Aula die 1591 eingeweihte Universitätskirche ("Neubaukirche") gehörte, die auch kunstgeschichtlich eigene Akzente setzte ("Echterrenaissance").

Frühzeit und Aufstieg der Universitätskorporation

Die Universität Würzburg 1603. Kupferstich von Johann Leypolt. (Universitätsbibliothek Würzburg, 35/E 7.308)

1587 erließ Echter, der zuvor das Hochstift und seine Beamtenschaft mit Hilfe der Jesuiten systematisch und rigoros rekatholisiert hatte, Universitätsstatuten. Das Statutenwerk nebst Fakultätsstatuten galt für die folgenden beiden Jahrhunderte als "Grundgesetz" der Alma Julia. Es enthielt jedoch keine Anleitung zu Studium und Lehre, sondern beschränkte sich auf die Organisation, Mitgliedschaft und Ämterführung der akademischen Korporation, deren Mitglieder sie als "Universitätsverwandte" gegenüber der Stadt und ihren Bürgern privilegierte. Wie in den meisten Universitätsstädten gestaltete sich das Verhältnis zwischen den beiden Körperschaften, zumal zwischen Studenten und Bürgern, nicht spannungsfrei.

Als Wirtschaftsfaktor blieb die Julia für die Residenzstadt durchgängig bedeutsam, wenngleich ihre Frequenz nur approximativ zu ermitteln ist (fehlende Exmatrikel etc.) und daher leicht überschätzt wird: Die Zahlen bewegten sich mit einem Jahresdurchschnitt von 130 bis maximal 210 Immatrikulationen (1606) und einer Nullfrequenz nach dem Schwedeneinfall 1631, aber einer langsamen Erholung ab 1650 auf wieder über 200 Einschreibungen eher im unteren Mittelfeld der deutschen Landesuniversitäten. Auf die vier Fakultäten verteilten sich die Studenten sehr unterschiedlich: Die große Mehrzahl gehörte der von den Jesuiten beherrschten Philosophischen Fakultät ("Artistenfakultät") an, die den überlieferten Kanon der propädeutischen Studien auf spätscholastisch-humanistischer Grundlage (Humaniora) vermittelte. Zahlenmäßig an zweiter Stelle folgten die Theologen. Ihr Vorrang in der Hochschule blieb vorerst unbestritten. Erst 1587 begann der Ausbau der Juristischen Fakultät; ihr Lehrkörper stieg bis auf fünf Professuren an, um die zunehmend wichtige Ausbildung der Beamtenschaft für das Hochstift zu sichern. Hingegen blieb die Medizin, für die statutengemäß drei Professuren vorgesehen waren, lange verwaist; erst 1593 wurden Lehrstühle dort besetzt. Der Lehrkörper der Artisten- und Theologischen Fakultät, wo vier Professuren vorgesehen waren, rekrutierte sich teilweise auch aus Nichtjesuiten. Bekannte Namen waren kaum darunter; die Inhaber der Lehrstühle wechselten sehr häufig.

Über die Ausrichtung des Studiums und den akademischen Unterricht informieren am ehesten Lektionskataloge, die jedoch erst seit Anfang des 17. Jahrhunderts überliefert sind. Sie weisen für die Artistenfakultät unter Bezug auf das in der "Ratio atque Institutio Studiorum" von 1599 abschließend fixierte Lehrprogramm der Jesuiten auf die Humaniora mit ihren propädeutischen Fächern als Schwerpunkt hin. In der Artistenfakultät bestimmten die philologischen Fächer zusammen mit dem Neuaristotelismus den Lehrbetrieb. Gemeinsam mit der konfessionell geprägten spätscholastischen Theologie (Kontrovers- und Jesuitentheologie) und dem zunehmend bedeutsamen römischen Recht, das für den Ausbau des frühmodernen Staates unverzichtbar wurde, prägten sie das "wissenschaftliche" Profil der Academia Julia. Gemäß seinem Versprechen von 1589 hatte Echter die Universität finanziell wie personell so konsolidiert, dass sie auch die bevorstehenden Krisenzeiten trotz temporärer Rückschläge überdauern konnte. Er bildete einen Stiftungsfonds, den er durch die Erhebung von Beisteuern der landsässigen Stifte, Klöster und des Klerus im Hochstift, ferner durch auswärtige Anleihen, fürstliche Kammereinkünfte sowie durch Übertragung von Klostergut an die Hochschule finanzierte.

Die Academia Julia im Dreißigjährigen Krieg und in der Barockzeit

Frontispitz mit allegorischer Darstellung der Universität Würzburg, die zu deren 100. Gründungsjubiläum erschienen ist. (Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 2 Bio 96 -IV,151)
Fassade der Neubaukirche, die von 1696 bis 1703 von Antonio Petrini wieder aufgebaut wurde. (Foto von Christian Wolf lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Von den weniger bedeutenden Nachfolgern Echters empfing die Hochschule kaum signifikante Impulse. Unter Johann Gottfried von Aschhausen (reg. 1617-1622), der zunächst als Rektor fungierte, wurde aus seiner Büchersammlung der Grundstock zu einer Universitätsbibliothek gelegt. Sein streng gegenreformatorischer Nachfolger Philipp Adolf von Ehrenberg (reg. 1623-1631), dessen zahlreichen Hexenprozessen auch Universitätsangehörige als "Hexer" zum Opfer fielen, wurde vom Domkapitel wegen seiner nachlässigen Universitätspolitik kritisiert. Es herrschte dort offenbar Stagnation und intellektueller Stillstand. Zu Beginn der Regierung des Franz von Hatzfeld (reg. 1631-1642) fiel das bisher vom Krieg verschonte Würzburg unerwartet in schwedische Hand. Während der Fürstbischof ins Kölner Exil ging, musste die Universität nach der Flucht der etwa 80 Jesuiten und dem Abzug der meisten Studenten praktisch geschlossen werden. Pläne der kurzzeitigen Weimarer Administration, sie in eine protestantische Fürstenschule sächsischen Typs umzuwandeln, ließen sich nicht realisieren.

Der Rückkehr des Fürstbischofs nach dem kaiserlichen Sieg bei Nördlingen (6. September 1634) folgte alsbald die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs. Dies bezeugen ab 1. Oktober 1636 die Matrikeleinträge. Jedoch blieb vor allem wegen der prekären Finanzlage der Aufschwung aus. Der Echtersche Universitätsfonds war erschöpft.

Der Wiederaufstieg der Academia begann erst unter Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (reg. 1642-1673). Er ließ zwar die starke Stellung der Jesuiten ziemlich unangetastet, übertrug jedoch die Leitung des Geistlichen Seminars mit der Priesterausbildung zunächst den Bartholomiten (Bartholomäern). Damit begann ein langsamer Klimawechsel weg von dem bisherigen engen Konfessionalismus, ohne dass davon im universitären Alltag schon viel zu spüren war.

Die unbenutzbar gewordene Universitätskirche wurde 1696 bis 1703 nach Plänen Antonio Petrinis (gest. 1701) wieder aufgebaut, der Botanische Garten systematisch neu gestaltet sowie ein eigenständiges Anatomisches Theater errichtet (1726/27).

Periode der Frühaufklärung

Johann Caspar Barthel (1697-1771), ab 1727 Professor für Kirchenrecht , ab 1754 Kanzler der Universität Würzburg. (Österreichische Nationalbibliothek Wien, PORT_00143045_01)

Ein Neuanfang kündigte sich unter der kurzen Ägide des zweiten Schönbornbischofs Johann Philipp Franz (reg. 1719-1724) an. Er förderte die "naturkundlichen" und medizinischen Fächer und veranlasste die Einrichtung einer Professur für Geschichte und Kirchengeschichte.

Die bereits angebahnte Hinwendung zur Frühaufklärung erfolgte dann unter Friedrich Karl von Schönborn (reg. 1729-1746). Eine neue, umfassende Studienordnung, erstmals in deutscher Sprache, wurde 1734 erlassen. Sie umspannte die gesamte Pyramide des Bildungssystems von den "unteren Schulen" über die Gymnasien zur Universität. Ihren pragmatischen Charakter im Sinne der Aufklärung zeigten die Einzelbestimmungen für die Fächer von der Medizin bis zu den neu eingeführten Kameralwissenschaften und dem Reichsstaatsrecht, wie generell die Rechtswissenschaft nach dem Vorbild der "modernen" Universität Halle der Theologie jetzt den Vorrang streitig machte. Die Schönbornsche Ordnung durchbrach mit ihren Neuerungen den bisher gültigen Kanon des jesuitischen Unterrichts. Allerdings waren inzwischen auch die Jesuiten flexibler geworden, so dass sie sich trotz Kritik noch behaupten konnten. Das Lehrangebot berücksichtigte auch moderne Fremdsprachen und die "ritterlichen Übungen" der Erziehung an den adligen Ritterakademien. Eigens berufene Kuratoren sollten die Durchsetzung überwachen.

Aber noch konnte die Julia nicht als eigentliche Reformhochschule im süddeutsch-katholischen Raum gelten: Die Zensur bestand fort; der Religionseid blieb für die Promovenden verpflichtend. Demgegenüber bildete der 1727 in der Juristenfakultät eingerichtete kirchenrechtliche Lehrstuhl für den rom- und jesuitenkritischen Kanonisten Johann Caspar Barthel (1697-1771) einen Nukleus der Aufklärung, zumal er bis 1748 das Priesterseminar leitete. Er machte es mit seinen Nachfolgern zu einem aufgeklärten "Musterseminar", dessen Absolventen zu den Reformern der nächsten Jahrzehnte gehörten.

Die Würzburger Universität als Zentrum der katholischen Aufklärung

Michael Ignaz Schmidt. (aus: Michael Ignaz Schmidt, Geschichte der Deutschen. Sechster Theil, Ulm 1785)
Carl Caspar von Siebold (1736-1807). (aus: Carl Caspar von Siebold's Leben und Verdienste, München 1807)

Der volle Durchbruch der Aufklärung erfolgte unter den beiden Fürstbischöfen Adam Friedrich von Seinsheim (reg. 1755-1779) und Franz Ludwig von Erthal (reg. 1779-1795). Sie reformierten das Schul- und Universitätssystem ihrer Hochstifte Würzburg und Bamberg im Geiste einer gemäßigten "wahren und zweckmäßigen Aufklärung" (Erthal).

Die einschneidende Zäsur kam 1773 mit der Aufhebung des Jesuitenordens. Aber Seinsheim hatte bereits vorher mit der Neuordnung des Bildungssystems begonnen. Der Bildungspolitiker und Jesuitenkritiker Michael Ignaz Schmidt (1736-1794), der selbst einen neuen Lehrstuhl für "Reichsgeschichte" bei den Theologen übernahm, entwarf einen umfassenden, allerdings nur teilweise realisierten Studienreformplan. Der Fächerkanon sollte erheblich zugunsten der historischen und praktischen Disziplinen (Kirchengeschichte, Bibelwissenschaft, praktische Theologie statt Dogmatik und Kontroverstheologie etc.) verändert werden. Seinsheim ging bei der Aufhebung der Gesellschaft Jesu vorsichtig und nicht sehr konsequent vor. Er scheute vor radikalen Eingriffen zurück; eine Reihe von Exjesuiten behielt ihre Professur.

Der Nachfolger Erthal trieb die Schul- und Universitätsreformen energischer voran. Er kooperierte dabei zeitweilig mit Karl Theodor von Dalberg (1744-1817), der als Mainzer Statthalter in Erfurt in Würzburg als Domscholaster amtierte, von 1784 bis 1788 auch als Rektor. Auf Dalbergs Betreiben wurde die zentrale Dogmatikprofessur mit dem Jesuitengegner und Bildungsreformer Franz Oberthür (1745-1831) besetzt. Der asketische Erthal engagierte sich stärker für das niedere Schulwesen als für die Universität und verschloss sich lange den von Dalberg angeregten Verbesserungen der eigenen Hochschule. Die Rivalität mit der Mainzer Reformuniversität veranlasste ihn aber zu größeren eigenen Reformanstrengungen.

Dem Zusammenwirken Erthals und Dalbergs verdankte die Hochschule den Ausbau der "nützlichen" und "modernen" naturwissenschaftlich-medizinischen Disziplinen. Jetzt expandierte die Medizinische Fakultät und ihre Krankeneinrichtungen (Neubau des Südflügels des Juliusspitals ab 1787). Vor allem der 1769 berufene Carl Caspar Siebold (1736-1807) stellte das Studium auf eine klinisch-induktive Grundlage. Sein Ansehen steigerte die Studentenzahlen bis 1790 auf 96 Mediziner. Die Fakultät hatte 1782 acht Professoren, darunter drei Söhne Siebolds ("Academia Sieboldiana"). Rektor Dalberg betrieb eine gezielte Berufungspolitik und beteiligte sich an der Neuorganisation der Studiengänge (1785 halbjährige Semester, Verwendung der deutschen Sprache). In der Theologischen und Philosophischen Fakultät kam die Aufklärung stärker zur Geltung als bei den Juristen, wo Reichsstaatsrecht, Reichskirchenrecht sowie Naturrecht dominierten. Mit dem Benediktiner Matern Reuß (1751-1798) wurde jetzt ein Anhänger der kritischen Philosophie Imanuel Kants (1724-1804) ebenso berufen wie der radikale Aufklärer Franz Berg (1753-1821) als Kirchenhistoriker ("fränkischer Voltaire").

In der Theologischen Fakultät hatte sich seit 1773 als Grundtendenz eine gemäßigte katholische Aufklärung durchgesetzt. Sie geriet jedoch unter der Regierung des letzten Fürstbischofs Georg Karl von Fechenbach (reg. 1795-1802) wieder ins Wanken, nachdem mit dem Ex-Jesuiten Georg Martin Bergold (1759-1834) ein Gegenaufklärer anstelle Oberthürs die Dogmatikprofessur erhielt und mit dem Weihbischof Gregor Zirkel (1762-1817) ein Exponent der kirchlichen Restauration den aufgeklärten Rationalismus bereits im Geiste der Romantik bekämpfte. Diese Wende zeichnete sich schon vor der Säkularisation ab, in der auch das Fürstbistum Würzburg unterging.

Die Universität unter kurbayerischer und großherzoglich-toskanischer Herrschaft (1802-1814)

Nachschrift zur Vorlesung Friedrich Wilhelms von Schelling über "Organismus. Idealphilosophie", die er im Sommersemester 1804 in Würzburg gehalten hat. Beistifteintragungen retuschiert. (Bayerische Staatsbibliothek, Hss Cgm 8543)

Nach dem Übergang Würzburgs an Bayern 1802 verlor die Universität ihren konfessionellen Charakter und wurde zum Exerzierfeld von Reformabsichten unter Kurfürst Max IV. Joseph (reg. 1799-1825, König seit 1806). Ohne Mitwirkung der Universitätskorporation erging unter dem 11. November 1803 ein neues Organisationsstatut für die zweite "höhere Lehr-Anstalt" in Bayern neben Landshut. Es brach radikal mit der überlieferten korporativen Selbstverwaltung nach Fakultäten und der Katholizität der Hochschule. Die bisherigen Fakultäten wurden durch Klassen der "allgemeinen" und "besonderen" Wissenschaften ersetzt; die Theologie als erste Sektion den letzteren zugeordnet und paritätisch mit katholischen (5) und protestantischen (4) Professoren besetzt. "Alle unnötigen Eide" wurden abgeschafft. Der Kurfürst betrachtete sich als "zweiten Stifter". Aus der Academia Julia wurde die Julia-Maximilianea.

Durch Berufung von angesehenen auswärtigen Gelehrten sollte sie in Konkurrenz zu den norddeutschen Hochschulen treten. In rascher Folge bestellte Kurator Friedrich Graf von Thürheim (1763-1832) zu großzügigen Bedingungen Repräsentanten der idealistischen Philosophie, darunter den jungen Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) aus Jena, außerdem der humanistischen Philologien sowie der evangelischen Theologie und Pädagogik (Friedrich Immanuel Niethammer, 1766-1848), während zwölf amtierende Professoren in den Ruhestand versetzt wurden. Dies bewirkte kurzfristig einen beträchtlichen Anstieg der Immatrikulationen. Mit dem abermaligen Herrschaftswechsel infolge des Preßburger Friedens (26. Dezember 1805) brach die Frequenz rasch wieder ein.

Die Regierung des Kurfürstentums/Großherzogtums Würzburg unter Erzherzog Ferdinand III. von Toskana (reg. 1806-1814, gest. 1824) schwenkte sehr rasch auf einen restaurativen Kurs in der Bildungspolitik ein. Die kirchliche Kontrolle über die Priesterausbildung sowie die katholisch-theologische Fakultät wurden wiederhergestellt; der Exodus der neuen Professoren setzte schon wegen der Zahlungsschwierigkeiten des überforderten Universitätsfonds rasch ein. Erst nach dreijähriger Wartezeit erhielt die Hochschule mit der Organisationsakte vom 7. September 1809 eine erneuerte Verfassung, die sie als genuin "katholische Universität" mit vier Fakultäten restituierte und die landesherrliche Kontrolle noch intensivierte. Gegen Ende der "Toskanazeit" herrschte in Würzburg universitätspolitisch Stagnation. Auch die Rückführung Frankens seit 1814 in das Königreich Bayern unter Maximilian I. brachte noch keine rasche Tendenzwende.

Literatur

  • Peter Baumgart, Bildungswesen und Geistesleben (ca. 1525-1814), in: Ulrich Wagner (Hg.), Geschichte der Stadt Würzburg. 2. Band: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814, Stuttgart 2004, 351-381.
  • Peter Baumgart, Die Universität Würzburg während der ersten bayerischen und der großherzoglich-toskanischen Herrschaft (1802-1814), in: Wolfgang Altgeld/Matthias Stickler (Hg.), "Italien am Main". Großherzog Ferdinand III. von Toskana als Kurfürst und Großherzog von Würzburg (Historische Studien der Universität Würzburg 7), Würzburg 2007, 93-103.
  • Peter Baumgart (Hg.), Michael Ignaz Schmidt (1736-1794) in seiner Zeit (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg 9), Neustadt an der Aisch 1996. (Mit Beiträgen zur Universitätsgeschichte und Historiographie)
  • Peter Baumgart (Hg.), Vierhundert Jahre Universität Würzburg. Eine Festschrift (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg 6), Neustadt an der Aisch 1982. (Sammelband mit Beiträgen zur Geschichte der Universität, zu den einzelnen Fakultäten und Disziplinen mit Schwerpunkt vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert)
  • Horst Brunner/Hans-Günther Schmidt, (Hg.), Vom Großen Löwenhof zur Universität. Würzburg und die deutsche Literatur im Spätmittelalter, Wiesbaden 2002.
  • Ernst-Günther Krenig/Peter Kolb, Das Gedenken an die Erstgründung der Universität Würzburg 1402, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 54 (2002), 254-263.
  • Franz Machilek, Zur Geschichte der älteren Universität Würzburg, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 34 (1972), 157-168.
  • Dieter Salch, Symbole und Insignien der Würzburger Universität (Mainfränkische Studien 82 = Beiträge zur Würzburger Universitätsgeschichte 2), Baunach 2012.
  • Peter A. Süß, Grundzüge der Würzburger Universitätsgeschichte 1402-2002 (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Universität Würzburg 10), Neustadt an der Aisch 2007.
  • Klaus Wittstadt, Die Erstgründung der Universität Würzburg (1402). Eine spätmittelalterliche Bildungsinitiative mit Zukunft, in: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 21 (2002), 25-36.

Quellen

  • Friedrich Karl von Schönborn, Studienordnung für die Universität Würzburg. Mit einem Nachwort von Otto Meyer, Nachdruck der 1. Auflage 1743, Würzburg 1980.
  • Michael Ignaz Schmidt, Entwurf der Würzburger Schulen-Einrichtung 1773/74: Exemplar in der UB Würzburg.
  • Wichtige Quellenstücke abgedruckt bei: Wegele, 2. Band: Urkundenbuch.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Peter Baumgart, Universität Würzburg (1402-1420/1582-1814), publiziert am 13.06.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Universität_Würzburg_(1402-1420/1582-1814)> (13.12.2018)