Hinweis: Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.
 Mehr erfahren

Weinbau in Franken

Figur des Weinpatrons Urban am mittelalterlichen Sakramentshaus der Kirche St. Johannes in Kitzingen. (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege)

von Markus Frankl

Seit dem 8. Jahrhundert ist der Anbau von Wein in Franken mit seiner fruchtbaren Schichtstufenlandschaft urkundlich belegt. Während des Hochmittelalters begünstigten klimatische Bedingungen einen Anstieg der Rebflächen. Nach der Wüstungsperiode im 14. und 15. Jahrhundert erreichte der fränkische Weinbau mit schätzungsweise 40.000 Hektar Mitte des 16. Jahrhunderts seine größte Ausdehnung. Das fränkische Weinbaugebiet erstreckte sich von der Rhön bis zum Steigerwald und vom Odenwald bis nach Bamberg. Neben diversen anthropogenen Ursachen führte die bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts andauernde "Kleine Eiszeit" mit ihren früh einsetzenden Frösten und niedrigen Herbsttemperaturen zu einem starken Rückgang der Rebflächen. Nach dem Ende des Alten Reichs kam es bis 1945 zu einem zeitweiligen Niedergang des fränkischen Weinbaus, dem seit dem 19., verstärkt und erfolgreich vor allem seit Mitte des 20. Jahrhunderts entgegengewirkt wird. Schwerpunkt des fränkischen Weinbaus ist vor allem Unterfranken.

Erste Erwähnung des Weinbaus in Franken

Erste urkundliche Erwähnung von Weinbau in Franken: Urkunde Karls des Großen an das Kloster Fulda. (Staatsarchiv Würzburg, Hochstift Fulda Urkunden 777 Januar 7) Edition der Urkunde

Die ersten schriftlichen Zeugnisse für den Weinbau in Franken reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück und sind allesamt auf dem Gebiet des heutigen Regierungsbezirks Unterfranken bezeugt. Als älteste urkundlich belegte Weinstadt Frankens gilt Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen). Karl der Große (reg. 768-814, Kaiser ab 800) schenkte seinen dortigen Besitz am 7. Januar 777 mit den dazugehörigen Orten an das Kloster Fulda, wobei auch Weinberge in der Gegend um Hammelburg erwähnt werden. Zwei Jahre zuvor wird Weinbau zwar schon für das Kloster Holzkirchen (Lkr. Würzburg) urkundlich erwähnt, allerdings fehlt hier die Originalurkunde. Das Zeugnis ist lediglich abschriftlich im "Codex Eberhardi" des Klosters Fulda aus der Zeit um 1150-60 erhalten, ebenso die Schenkung eines Weinbergs bei Halsheim (Lkr. Main-Spessart) 770. In Würzburg lassen sich die Spuren des Weinbaus bis ins Jahr 779 zurückverfolgen. In den beiden "Würzburger Markbeschreibungen", zwei in einer Pergamenthandschrift der Universitätsbibliothek Würzburg überlieferten (UBW M.p.th.f.66, fol. 1r-v und fol. 208v) urkundenähnlichen Dokumenten, wird in der undatierten althochdeutschen "Zweiten Markbeschreibung" explizit von "Fredthantes uuingarton" gesprochen, der in dem zwischen Würzburg und Randersacker (Lkr. Würzburg) gelegenen "Alandsgrund" verortet werden kann. Die lateinische "Erste Markbeschreibung" hingegen ist auf den 14. Oktober 779 datiert und nennt ebenfalls zweimal die Person des Weingartenbesitzers "Fredthant".

Nach diesen frühen Belegen reißt die schriftliche Überlieferung zum fränkischen Weinbau zunächst ab und setzt erst im 11. und frühen 12. Jahrhunder wieder ein.

Der fränkische Weinbau im Mittelalter

Initiale "I" mit der bislang ältesten bekannten Abbildung eines Bocksbeutels in einem Kopiar des Bürgerspitals von 1551 oder unmittelbar später. (StadtAW BSP/8, fol. 75v, Foto: Ingrid Rack)

Vermutlich hatten die Würzburger Bischöfe bereits früh Weinbergsbesitz inne. Der erste schriftliche Beleg datiert allerdings erst auf das Jahr 1128, als Bischof Embricho (reg. 1127–1146) einen Grundstückstausch von Würzburger Weingärten beurkundete. Auf dieses Jahr führt auch das Weingut "Staatlicher Hofkeller" in Würzburg seine Existenz zurück. Vereinzelte erzählende Quellen wie der Anonymus Haserensis berichten auch schon von Transporten fränkischen Weins im frühen 11. Jahrhundert, wie etwa von Würzburg nach Eichstätt. Für Kitzingen lassen sich ebenfalls Weintransporte im 11. Jahrhundert belegen, beispielsweise 1060 von der Kitzinger Äbtissin an den Bamberger Domscholaster und späteren Würzburger Bischof Meinhard (reg. 1085-88).

Wahrscheinlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts verfasste der aus der Würzburger Gegend stammende Gottfried von Franken (13. Jh.) das älteste Weinbuch Deutschlands, das den zweiten Teil seines "Pelzbuches" bildet. Hierin informiert er sowohl über den Bamberger als auch den Würzburger Wein; ferner werden Anleitungen zum Schwefeln, für die Nutzung des Weins als Heilmittel und Vorschläge zur Qualitätskontrolle des Weins unterbreitet.

1316 erfolgte in Würzburg die Stiftung des Bürgerspitals zum Heiligen Geist durch Johann von Steren (gest. 1329) zur Siechen- und Armenpflege. Schon in der Frühzeit des Spitals spielte der Ankauf von Weinbergen eine wichtige Rolle. Bereits um 1400 erstreckten sich dessen Weingärten auf einer Fläche von 46,5 Morgen Land.

In den Würzburger Vorstädten lebten zahlreiche hauptberuflich im Weinbau tätige Menschen. In der Zunfturkunde vom 15. November 1373 werden alleine zehn jeweils nach den Vorstädten benannte Genossenschaften der Weingärtner angeführt, während sich innerhalb der Altstadt keine solche Zunft nachweisen lässt. Da zu diesem Zeitpunkt in der Stadt 37 Zünfte existierten, handelt es sich dabei mit 27 % um einen bemerkenswert hohen Anteil von Zünften aus dem Weinsektor.

Als Grundnahrungsmittel war Wein im Mittelalter ein wichtiges Wirtschafts- und Handelsgut. Der Hauptexport des Frankenweins ging nach Mittel-, Nord- und Ostdeutschland. In südlicher und südöstlicher Richtung erstreckte sich der Handel bis Augsburg, Burghausen, Landshut, Regensburg und Salzburg. Die verkehrsgünstig gelegene Handelsmetropole Nürnberg entwickelte sich zum zentralen Umschlagplatz für den Frankenwein, ja den deutschen Weinhandel im Mittelalter, wo sowohl Exportsorten aus Deutschland als auch importierte Mittelmeerweine gehandelt wurden.

Über den Weinverbrauch in Franken geben besonders die aus der Nürnberger Oberschicht erhaltenen Rechnungs- und Haushaltsbücher ab etwa der Mitte des 15. Jahrhunderts Aufschluss. Im höchsten sozialen Milieu der Reichsstadt wurde üblicherweise vornehmlich Weißwein konsumiert. Der tägliche Weinverbrauch lag bei einem hypothetischen Schnitt von 1,3 Litern pro Kopf. Besonderer Wert wurde auf die Herkunft des Weines gelegt. Die Mittelgruppe unter den Trinkweinen für den täglichen Verzehr bildeten vor allem Rheingauer Weine und der Frankenwein, hier in erster Linie der Königsberger Wein (Lkr. Haßberge).

Am Beispiel Frankens lässt sich die wirtschaftspolitische Bedeutung des Weins verdeutlichen. Am 2. April 1468 erhielt der Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg (reg. 1466-1495) von Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493, Kaiser ab 1452) das zeitlich unbefristet geltende Guldenzollprivileg, nach dem ein Gulden für jedes durch das Hochstift Würzburg geführte Fuder Wein (= 8,81 Hektoliter) an den Bischof zu entrichten war. Trotz des Widerstands benachbarter Territorialherren, allen voran des zollerischen Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach (1414-1486), gelang es Bischof Rudolf, durch das Privileg das hoch verschuldete Hochstift finanziell zu sanieren.

Im ausgehenden Mittelalter war die Technik des Weinfälschens weit verbreitet. Als Fälschungsmittel dienten u. a. Kalk, Senf, Birnen- und Apfelmost oder Quecksilber. Zum Schutz der Weinbereitung und der Konsumenten entwickelten sich nicht nur lokale, sondern auch regionale Zusammenschlüsse, wie etwa 1482 in Kitzingen. Das dort erlassene Reinheitsgebot für den Wein sollte für das gesamte fränkische Weinanbaugebiet Verbindlichkeit besitzen, wurde jedoch nicht überall konsequent befolgt. Im Herbst 1487 erließ Kaiser Friedrich III. in Anlehnung an die Kitzinger Ordnung eine umfangreiche "Ordnung und Satzung über den Wein". 1498 folgte schließlich die Reichsweinordnung Maximilians I. (reg. 1486-1519, Kaiser ab 1508).

Seit dem 15. Jahrhundert entwickelte sich in Franken der Urbans-Tag zum besonderen Festtag der Winzer. Während Bischof Urban von Langres und Autin (gest. 375) als "eigentlicher" Winzerpatron angesehen werden muss, wurden die meisten Urbani-Feierlichkeiten in Franken am Gedenktag Papst Urbans I. (gest. 230) am 25. Mai abgehalten. So ist seit den 1540er Jahren in Nürnberg für den 25. Mai das Urbanireiten bezeugt, seit 1590 existiert in Bamberg eine Urbani-Bruderschaft. In zahlreichen fränkischen Kirchen und Orten finden sich St.-Urbans-Figuren, die entweder Papst oder Bischof (vor allem die nach 1980 gefertigten) Urban zeigen.

Der fränkische Weinbau in der Frühen Neuzeit

Erste Erwähnung des Silvaners (Österreicher Reben) in Franken auf einem Belegzettel vom 10. April 1659 einer Amtsrechnung des Amtes Castell. (Fürstlich Castell'sches Archiv (FCA) KA G II 3b, 63)
Gedenktafel für die erste Silvanerpflanzung in Würzburg durch Abt Alberich Degen 1665. (Bürgerspital Weingut Würzburg)

An der Schwelle vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit handelte es sich mit Franken mit einer Gesamtfläche von schätzungsweise 40.000 Hektar um das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet Europas. Reben wuchsen in über 600 fränkischen Ortschaften. Die Ausdehnung entspricht etwa 40 % der Weinbaufläche in Deutschland um das Jahr 2000.

Der Weinkonsum in Franken erreichte seinen Höhepunkt ebenfalls im 16. Jahrhundert. Bei niedrigem Alkoholgehalt wurde der Wein auch oftmals genutzt, um Wasser trinkbar zu machen. Beim Weinanbau wurde vor allem Wert auf Masse und weniger auf Qualität gelegt. Zwanzig oder mehr Rebsorten in einem Weinberg und unter damaligen Voraussetzungen und Möglichkeiten hohe Erträge von bis zu 60 Hektolitern pro Hektar waren keine Seltenheit.

1576/79 (Grundsteinlegung/Stiftungsbrief) gründete der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617) das nach ihm benannte Juliusspital. Bereits zu Gründungszeiten kam dem Weinbau eine große Bedeutung zu. Wichtige Weinberge, wie etwa Weingärten am Stein nördlich der Domstadt, gehörten zur Gründungsausstattung des Spitals. 1605 verfügte es alleine in der Gemarkung Würzburg über 143 gute und 42 beste Morgen Weingärten.

Mitte des 17. Jahrhunderts litt der Weinbau in Mainfranken unter den Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges (1618-48). Die Weinberge waren mitunter verfallen oder verwüstet, die Rebstöcke wurden als Brennholz genutzt. Bei der Rekultivierung wurden neue Rebsorten verwendet, u. a. der aus dem österreichischen Donauraum importierte Silvaner, der 1659 erstmals in Franken erwähnt wurde. Durch den Silvaner sollten die zuvor im strengen Winter 1657/58 eingegangenen Rebstöcke des zur damaligen Zeit üblichen "Gemischten Satzes" ersetzt werden. Sortenrein wurde die Silvaner-Rebe erst im 19. Jahrhundert angebaut. Zur ersten Pflanzung der als typisch fränkisch geltenden Rebsorte in Würzburg kam es durch den Ebracher Abt Alberich Degen (reg. 1658–86) im Jahr 1665. Vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Silvaner an zahlreichen erfolgreichen Kreuzungen beteiligt, wie etwa der Scheurebe, dem Rieslaner, dem Morio-Muskat, dem Bacchus, der Albalonga und dem roten Regent.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts führten Maifröste und einige Missernten zum Ruin vor allem kleinerer Weinbauern. Schuld daran war unter anderem die Bepflanzung der zuvor vergrößerten  Weinberge mit teilweise ungeeigneten Rebsorten. Vor allem in Weingärten in der Ebene bestand das Problem des schlechten Abfließens von Regenwasser. Des Weiteren behinderten überalterte Rebstöcke, wie etwa 180 Jahre alte Rebstöcke in der Würzburger Inneren Leiste an der Südflanke der Feste Marienberg, den Leseertrag.

Der fränkische Weinbau von 1800 bis in die Gegenwart

Blick in die östliche Abteilung des Staatlichen Hofkellers Würzburg. Abb. aus: Das Bayerland, Jahrgang 35 vom Oktober 1924, 349. (Bayerische Staatsbibliothek, 4 Z 40.173-35)
Die großen Beamtenweinfässer im Staatlichen Hofkeller Würzburg. Abb. aus: Das Bayerland, Jahrgang 35 vom Oktober 1924, 349. (Bayerische Staatsbibliothek, 4 Z 40.173-35)
Weinlese im Würzburger Neuberg des Bürgerspital-Weingutes um 1927. (aus: Lang, Fritz: Die bayerische Landwirtschaft in: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München 1927, S. 163)
Fränkische Weinanbaugebiete in Mainviereck, Maindreieck und Steigerwald 2015. (Fränk. Weinbauverband e. V.)

Um 1800 darf für Franken von einer Rebfläche von etwa 10.000 bis 12.000 Hektar ausgegangen werden. Spätestens seit dieser Zeit setzte vor allem im Hauptweinanbaugebiet Mainfranken ein immenser Rückgang der Rebfläche ein. Von 1854 bis 1951 ist nochmals von einem Rückgang des Rebareals von etwa 75 % auszugehen (10.697 auf 2.461 Hektar). Die geringsten Verluste sind in den Hauptgegenden des Main-Weinbaus in Würzburg und Umgebung zu verzeichnen.

Als Gründe für den Rückgang nach 1800 sind die Auflösung der Weinbau treibenden Klöster, die zunehmenden französischen Weinimporte, die schlechte Vermarktungslage qualitativ minderer Weine wie auch die einschneidenden Veränderung des Trinkverhaltens durch das Vordringen des Bieres und des Bohnenkaffees zu nennen. Ebenfalls sind die durch die Industrialisierung gebotenen neuen beruflichen Tätigkeitsfelder anzuführen, zugunsten derer oftmals der schwierige und zeitaufwendige Weinbau aufgegeben wurde. Rebkrankheiten wie Echter und Falscher Mehltau führten zu einem weiteren Verlust von Rebflächen; 1902 wurde zudem die Reblaus in Franken eingeschleppt.

Im 19. Jahrhundert - vereinzelt auch früher - setzte ein Umdenkprozess im Weinbau hinsichtlich des Verhältnisses von Quantität und Qualität ein. Es erfolgte eine Abkehr vom bis dahin üblichen "Gemischten Satz" und es wurde mehr auf sortenreinen Anbau in einem Weinberg geachtet. Weinberge wurden gerodet und mit anspruchsvollen, qualitativ hochwertigen Rebsorten wie Riesling, Traminer oder Spätburgunder bestockt. Um dem Mangel des fränkischen Qualitätsweinbaus entgegenzuwirken, wurde am 29. Mai 1836 in Würzburg der "Weinbau-Verein" ins Leben gerufen (1933 aufgelöst, 1947 als "Fränkischer Weinbauverband e. V." wiedergegründet). 1874 kam es schließlich zur Einrichtung der ersten fränkischen Weinbauschule, die allerdings nur kurz Bestand hatte. 1902 wurde in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) die "Königliche Wein-, Obst- und Gartenbauschule" gegründet, die - 1974 umbenannt in "Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau" - etwa 300 Beschäftigte zählt und über ca. 20 Hektar Rebfläche mit Versuchsanbau in Himmelstadt (Lkr. Main-Spessart), Thüngersheim (Lkr. Würzburg), Veitshöchheim und Würzburg verfügt.

Nach dem absoluten Tiefpunkt des fränkischen Weinbaus unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gelang etwa ab Mitte der 1950er Jahre wieder der Aufschwung. Dafür sind mehrere Gründe auszumachen: Neben dem bereits zuvor einsetzenden Qualitätsweinbau sind vor allem die Weinbergsflurbereinigungen, Rebneuzüchtungen, der Einsatz moderner Produktionsmittel, die staatliche Beratung für Weinbau und Kellerwirtschaft sowie die Gründung der Winzergenossenschaften anzuführen.

Detail aus der sogenannten Steinernen Stiftungsurkunde des Würzburger Juliusspitals mit Darstellung einer bocksbeutelähnlichen Flasche von 1576/78. (Foto: Markus Frankl)

Die größte Winzergenossenschaft Frankens und zugleich viertgrößte Winzergenossenschaft Deutschlands ist die am 3. Februar 1959 als "Zentralkellerei fränkischer Winzergenossenschaften Würzburg eGmbH" gegründete, heutige "Winzergemeinschaft Franken eG" mit Sitz im Kitzinger Ortsteil Repperndorf. Dieser gehörten 2015 etwas mehr als 2.400 Winzer an, die eine Rebfläche von etwa 1.400 Hektar in Main- und Tauberfranken bewirtschaften.

2015 betrug die Rebfläche in Franken 6.231 Hektar; sie blieb damit in den vorangegangenen 15 Jahren nahezu konstant (2000: 6.253 Hektar). Auf die drei fränkischen Regierungsbezirke entfällt dabei folgende Verteilung: Unterfranken 5.875 Hektar, Mittelfranken 374 Hektar und Oberfranken 9 Hektar (Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Stand: 31. Juli 2015). Das Zentrum des fränkischen Weinbaus liegt an den Hängen des Mains in und um Würzburg. Der Würzburger Stein ist mit ca. 85 Hektar Rebfläche die größte zusammenhängende Weinlage Deutschlands. In der Domstadt sind mit Bürgerspital (Platz 13, 103 Hektar), Juliusspital (Platz 2, 177 Hektar, zugleich größtes Silvanerweingut Deutschlands) und Staatlichem Hofkeller (Platz 6, 120 Hektar) drei der 15 größten Weingüter Deutschlands ansässig. Geographisch gliedert sich der Weinanbau in Franken in Mainviereck (begrenzt durch die Städte Aschaffenburg, Lohr [Lkr. Main-Spessart], Wertheim [Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg] und Miltenberg), Maindreieck (begrenzt durch die Städte Gemünden [Lkr. Main-Spessart], Schweinfurt und Marktbreit [Lkr. Kitzingen]) und den Steigerwald (vor allem Iphofen, Castell, Rödelsee und Abtswind [alle Lkr. Kitzingen]). Daneben wird in Franken noch im Saaletal (Hammelburg, Ramsthal und Wirmsthal [alle Lkr. Bad Kissingen]), im Taubertal (Rothenburg o.d.Tauber und Tauberzell [beide Lkr. Ansbach] sowie zwischen Röttingen [Lkr. Würzburg] und Schäftersheim [Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg]), in den Haßbergen (vor allem nahe Prappach, Zeil am Main, Ebelsbach sowie Zell am Ebersberg [alle Lkr. Haßberge]) und seit 2009 auch wieder in Bamberg (Stiftsgarten Kloster Michaelsberg) Weinbau betrieben. Hauptnährboden sind Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Der Anteil der Weißweinsorten lag 2015 bei 81,1 %, die Rotweinsorten lagen bei 18,9 %. Beim Weißwein dominieren Müller-Thurgau und Silvaner, beim Rotwein, der vorwiegend am bayerischen Untermain in Bürgstadt, Großheubach und Klingenberg am Main (alle Lkr. Miltenberg) angebaut wird, die fast ausschließlich in Franken verbreitete Domina-Rebe und der Spätburgunder.

Der Bocksbeutel - der Siegeszug einer besonderen Glasflasche

Farbaufnahme eines Bocksbeutels aus dem Jahr 1904 mit der seit Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisbaren Weinlagenbezeichnung "Schalksberg", die heute dem Würzburger Stein zugerechnet wird. (Stadtarchiv Würzburg)

Die Vorläufer des Bocksbeutels lassen sich bereits bis ins zweite vorchristliche Jahrtausend zurückverfolgen. Im Laufe der Zeit modifiziert, setzte der Siegeszug der bocksbeutelähnlichen Flaschen in Franken mit der Naturglasproduktion im 15. Jahrhundert ein. Als erste Zeugnisse von Bocksbeuteln im Zusammenhang mit Frankenwein gelten Darstellungen aus den beiden Würzburger Spitälern aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der Folge lässt sich der fränkische Bocksbeutel mehrfach z. B. in Rechnungen von Glashütten im Spessart belegen. 1726 beschloss der Würzburger Rat, dass die herausragenden Stein-Weine nur noch in mit Stadtsiegel versehenen, gläsernen Bocksbeuteln mit einem Hohlmaß von 1,22 Litern abzufüllen seien. Dies war eine Schutzmaßnahme, da zuvor der Ruf des Frankenweins durch die Deklarierung minderwertiger Weine als solcher Schaden genommen hatte.

Im "Bocksbeutelstreit" wurde 1983 vom Europäischen Gerichtshof entschieden, dass für die für Franken typische Flaschenform kein Markenschutz besteht. Damit fiel der Passus in der deutschen Weinverordnung, wonach im Bocksbeutel lediglich Qualitätsweine aus Franken abgefüllt werden durften. Traditionell wurde der Bocksbeutel außer in Franken auch in Portugal und in Baden verwendet. Im Jahr 1989 wurde der Bocksbeutel nach langem Streit für Qualitäts- und Prädikatsweine aus Franken (und einiger anderer abgegrenzter Weinbauregionen in der Europäischen Gemeinschaft) urheberrechtlich geschützt.

Am 8. Dezember 2015 wurde in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim der neue, figurbetontere Bocksbeutel vorgestellt, dessen Design für die Modernität des Frankenweins stehen soll.

Die Bocksbeutelstraße führt von Würzburg aus auf insgesamt fünf unterschiedlich langen Routen (55-160 Kilometer) durch das Maindreieck, das Mainviereck und den Steigerwald.

Literatur

  • Klaus Arnold, "dem selben vaß sol der boden außgeslagen vnd der wein darinne gelegen verschuttet werden...". Das Kitzinger Reinheitsgebot für den Wein aus dem Jahr 1482, in: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen (2009), 99–111.
  • Karl-Heinz Artmann, Bamberg und der Wein. Geschichte über Nordbayerns größten Weinhandel, gegr. 1832, Hischaid 2009.
  • Hans Breider, Der fränkische Weinbau in der Landschaft. Vortrag auf der Veranstaltung der Gesellschaft für Geschichte des Weines am 11. April 1964 in Würzburg (Schriften zur Weingeschichte 11), Wiesbaden 1964.
  • Deutscher Weinatlas. Das Standardwerk: alle Anbaugebiete, Bereiche und Lagen auf Basis von Luftbildern, hg. vom Deutschen Weininstitut, Mainz 2008.
  • Helmut Flachenecker, Weinkonsum und Weinhandel in Franken, in: Wolfgang Wüst (Hg.), Regionale Konsumgeschichte. Vom Mittelalter bis zur Moderne. Referate der Tagung vom 26. bis 28. Februar 2014 im Bildungszentrum Kloster Banz (Franconia 7), Stegaurach 2015, 3-20.
  • Helmut Försch, Jüdischer Weinhandel in Würzburg. Eine Begegnung mit der Vergangenheit, Würzburg 2014.
  • Markus Frankl, Würzburg und der Wein im späten Mittelalter, in: Markus Frankl/Martina Hartmann in Verbindung mit Dorothea Klein (Hg.), Herbipolis. Studien zu Stadt und Hochstift Würzburg in Spätmittelalter und Früher Neuzeit (Publikationen aus dem Kolleg "Mittelalter und Frühe Neuzeit" 1), Würzburg 2015, 273-309.
  • Herbert Haas, Mittelalterlicher Weinbau in der "villa Randersacker" und dem südlichen Maindreieck. Historische Streiflichter aus dem Herzen Weinfrankens, Würzburg 2. Auflage 2009.
  • Helmut Hahn, Die deutschen Weinbaugebiete (Bonner geographische Abhandlungen 18), Bonn 1956.
  • Marina Heller, Handel und Konsum von Wein und Weinsorten in und aus Franken im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Der Wein- und Bierkeller der Plassenburg im Vergleich, in: Wolfgang Wüst (Hg.), Regionale Konsumgeschichte. Vom Mittelalter bis zur Moderne. Referate der Tagung vom 26. bis 28. Februar 2014 im Bildungszentrum Kloster Banz (Franconia 7), Stegaurach 2015, 139-158.
  • Heinrich Höllerl/Alfred Schmitt, Das neue Buch vom Frankenwein, Würzburg 2. Auflage 2000.
  • Sabine Krämer-Neubert, Expertendialekt - Zum Fachwortschatz der Winzer in Unterfranken (Schriften zur Weingeschichte 162), Wiesbaden 2008, 41-51.
  • Werner Lutz, Die Geschichte des Weinbaues in Würzburg im Mittelalter und in der Neuzeit bis 1800 (Mainfränkische Hefte 43), Würzburg 1965.
  • Hermann Mengler u. a., Das Buch vom jungen alten Silvaner, Würzburg 2009.
  • Otto Metzger, Zum Weinbau im mittleren Taubertal. Vortrag anlässlich der Herbsttagung im Oktober 1997 in Bad Mergentheim (Schriften zur Weingeschichte 127), Wiesbaden 1998.
  • Andreas Preuss, Die wirtschaftliche und soziale Bedeutung des Weinbaus für Bamberg vom 12. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter besonderer Berücksichtigung des Weinbaus des Klosters Michelsberg, Magisterarbeit masch. Bamberg 1984.
  • Winfried Schenk, 1200 Jahre Weinbau in Mainfranken. Eine Zusammenschau aus geographischer Sicht, in: ders./Konrad Schliephake (Hg.), Mensch und Umwelt in Franken. Festschrift für Alfred Herold (Würzburger geographische Arbeiten 89), Würzburg 1994, 179–201.
  • Ludwig Schnurrer, Weinbau und Weinkonsum im Spital der Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber im späten Mittelalter [erweiterte Fassung eines Vortrags, gehalten am 23. April 2005 in der Reichsstadthalle zu Rothenburg ob der Tauber anlässlich der Jahrestagung der Gesellschaft für Geschichte des Weines e. V.] (Schriften zur Weingeschichte 150), Wiesbaden 2005.
  • Christhard Schrenk (Hg.), Weinwirtschaft im Mittelalter. Zur Verbreitung, Regionalisierung und wirtschaftlichen Nutzung einer Sonderkultur aus der Römerzeit. Vorträge des gleichnamigen Symposiums vom 21. bis 24. März 1996 in Heilbronn (Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Heilbronn 9), Heilbronn 1997.
  • Hans Reinhard Seeliger, Wein und Weinbau der Abtei Ebrach im Steigerwald und die Frage der Herkunft des Silvaners in Franken (Schriften zur Weingeschichte 185), Wiesbaden 2014.
  • Rolf Sprandel, Von Malvasia bis Kötzschenbroda. Die Weinsorten auf den spätmittelalterlichen Märkten Deutschlands (Vierteljahresschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte 149), Stuttgart 1998.
  • Wilhelm Störmer/Andreas Otto Weber, Weinbau und Weinhandel in Städten und Märkten des Mainvierecks, in: Helmut Bräuer/Elke Schlenkrich (Hg.), Die Stadt als Kommunikationsraum. Beiträge zur Stadtgeschichte vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Festschrift für Karl Czok zum 75. Geburtstag, Leipzig 2001, 737-762.
  • Konrad Tyrakowski, Mittelalterliche Weinkultur im Mittleren Altmühltal/Südl. Frankenalb. Aspekte einer historischen Stadtkultur und historischen Kulturlandschaft um das Rebland, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt 105 (2013), 7-97.
  • Rudolf Ullrich, Urkunde König Karls des Großen über die Schenkung seines Besitzes zu Hammelburg mit den dazugehörigen Orten Eschenbach, Diebach und Erthal an das Kloster Fulda im Jahre 777, in: Würzburger Diözesangeschichtsblätter 59 (1997), 7-15.
  • Andreas Otto Weber/Jesko Graf zu Dohna (Hg.), Die Geschichte des fränkischen Weinbaus. Von den Anfängen bis 1800 (Jahrbuch für fränkische Landesforschung. Beiheft 4), München 2012.
  • Dieter Weber, Der Wein im Herbst des Mittelalters. Ein kultur- und realiengeschichtlicher Bilderbogen. Mit einem Geleitwort von Otto Meyer, Würzburg 1994.
  • Dieter Weber (Hg.), Otto Meyer. Weinkultur in Franken. Der Wein in Geschichte, Alltag und Religiosität, Würzburg 2000.
  • Bernd Weisensee, Winzers Freud - Winzers Leid. Der fränkische Weinbau und seine Ernten in 1200 Weinjahren. Witterung - Menge - Güte, Würzburg 1982.
  • Wolfgang Wiemer/Silvia Mändle-Weikhart, Der Weinbau der Abtei Ebrach, in: Wolfgang Wiemer (Hg.), Festschrift Ebrach. 200 Jahre nach der Säkularisation 1803, Ebrach 2004, 227-246.

Quellen

  • Klaus Arnold, Weinbau, Weinhandel und Weingesetzgebung in der Stadt Kitzingen im Mittelalter, in: Andreas Otto Weber/Jesko Graf zu Dohna (Hg.), Die Geschichte des fränkischen Weinbaus. Von den Anfängen bis 1800 (Franconia. Beiheft 4), München 2012, 113- 137, hier Textanhang 1: Das Kitzinger Reinheitsgebot für den Wein von 1482, September 28, 127-131.
  • Klaus Arnold/Ute Feuerbach (Hg.), Das Volkacher Salbuch. 2. Band: Faksimile, Volkach 2009. (zahlreiche Abbildungen beruflicher Tätigkeiten aus dem Weinsektor aus dem Jahr 1504)
  • Konrad Goehl, Gottfried von Franken. Das älteste Weinbuch Deutschlands (DWV-Schriften zur Medizingeschichte 8), Baden-Baden 2009.
  • Hermann Hoffmann (Hg.), Würzburger Polizeisätze. Gebote und Ordnungen des Mittelalters 1125-1495 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte X/5), Würzburg 1955.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel


Empfohlene Zitierweise

Markus Frankl, Weinbau in Franken, publiziert am 13.05.2016; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Weinbau_in_Franken> (18.11.2019)




Haben Sie Anmerkungen zu diesem Artikel? Schreiben Sie an die Redaktion

© Historisches Lexikon Bayerns 2005 -2019. Die Rechte an den Texten und Bildern dieses digitalen Angebots liegen, soweit nicht anders angegeben, bei der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Rechte an den anderweitig gekennzeichneten Texten und Bildern liegen bei den genannten Institutionen oder Personen. Weitere Informationen, u. a. zur Zitierweise, Weiterverlinkung oder Verwendung von Inhalten finden Sie unter www.historisches-lexikon-bayerns.de.