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Demobilmachung, 1918/1919 (militärisch)

Einzug des 7. Bayerischen Feldartillerieregiments in der Münchner Ludwigstraße, 22. Dezember 1918; im Hintergrund das Siegestor. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Einzug des 2. Bayerischen Infanterieregimentes in der Münchner Ludwigstraße, 8. Dezember 1918; im Hintergrund das Siegestor. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Kai Uwe Tapken

Rückführung der rund 900.000 Soldaten Bayerns in den Friedenszustand nach der Unterzeichung des Waffenstillstandes am 11. November 1918. Bayerische Regimenter waren in Russland, der Ukraine oder in Ungarn ebenso stationiert wie in Syrien und Palästina, die Masse jedoch an der Westfront. Die unmittelbare Demobilmachung der bayerischen Soldaten dauerte von Dezember 1918 bis Februar 1919, je nach Entfernung des Einsatzortes.

Die bayerischen Truppen am Ende des Ersten Weltkrieges

Der Waffenstillstand am 11. November 1918 überraschte die bayerischen Regimenter an allen Fronten Europas. Bayerische Kavallerie und bayerische Landwehr waren zur Sicherung des Waffenstillstandes mit Russland von Galizien über die Ukraine bis zur Krim stationiert. Das Alpenkorps, bestehend aus großen Teilen des ehemals ruhmreichen bayerischen Infanterie-Leib-Regiments, hatte gerade nach heftigen Gefechten mit serbischen Truppen Anfang November den Durchbruch nach Norden zur ungarischen Grenze geschafft. Bayerische Infanterie und Gebirgsjäger versuchten in den Alpen verzweifelt, die Lücken zu stopfen, die das Ausscheiden Österreich-Ungarns aus dem Krieg in die ehemalige gemeinsame Front gerissen hatte. In Ostafrika kämpften Bayern unter General Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964), ebenso in Mazedonien und unter türkischem Oberbefehl in Syrien und an der Palästinafront. Die Masse der bayerischen Armee stemmte sich, seit 1915/16 auf die gesamte Westfront verteilt und im Verbund mit anderen deutschen Truppen kämpfend, verzweifelt gegen das Übergewicht der Franzosen, Engländer und Amerikaner, die im Frühjahr 1918 an der Westfront eingetroffen waren. Insgesamt standen im Herbst 1918 knapp 900.000 bayerische Soldaten an den verschiedensten Fronten.

Bedingungen der Entente

Der am 11. November im Wald von Compiègne unterzeichnete Waffenstillstand sah eine Aufgabe der besetzten Gebiete Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs sowie des Reichslandes Elsaß-Lothringen in drei festgesetzten Etappen innerhalb von 14 Tagen vor. In einem nächsten Schritt sollten das linksrheinische Gebiet sowie die Brückenköpfe Mainz, Koblenz und Köln in weiteren 17 Tagen geräumt werden. Bis dahin musste das deutsche Heer auch 5.000 Geschütze, 25.000 Maschinengewehre, 3.000 Minenwerfer und 1.400 Flugzeuge an die Alliierten ausgeliefert haben.

Aufgrund dieser Bestimmungen lösten sich ab dem 12. November die deutschen Divisionen aus ihren Stellungen an der Westfront und begannen mit dem Rückmarsch hinter die deutsche Westgrenze. Dort setzte der planmäßige Abtransport in die Demobilmachungsorte ein, in den meisten Fällen die Heimatgarnisonen der Regimenter. Viele Divisionen, besonders die, welche von der neutralen Zone aus nur bis zu 200 km zurückzulegen hatten, sollten marschieren, der Rest per Bahn transportiert werden. Es wurden so an die 150 Divisionen von der Westfront per Bahn in die Heimat transportiert, etwa 37 Divisionen marschierten zurück. Diese Rücktransporte waren bis 17. Januar 1919 beendet.

Die innere Einstellung der Soldaten am Ende des Krieges

Die Truppen der Etappe waren in den letzten Wochen des Krieges der Kontrolle des Großen Hauptquartiers allmählich entglitten. Besonders die Ersatztruppenteile bildeten einen wichtigen Nährboden für die Revolution. Die Masse der Soldaten blieb allerdings bis zum letzten Kriegstag diszipliniert, was sich auch beim Rückmarsch in die Heimat zeigte.

Allgemeine Demobilmachung am 10. Januar 1919

Die neue Reichsregierung hatte Ende Dezember 1918 als den Tag der allgemeinen Demobilmachung den 10. Januar 1919 bestimmt. Alle Formationen, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits in ihren zugewiesenen Garnisonen befanden, sollten an diesem Tage aufgelöst werden, alle anderen am jeweils darauf folgenden Tag nach Eintreffen in der Heimatgarnison. Die Rückkehr der einzelnen Einheiten vollzog sich zwischen Dezember 1918 und Februar 1919, entsprechend dem letzten Einsatzort des Regiments und der Entfernung, die es in die Heimatgarnison zurücklegen musste. Besonders die im Osten eingesetzten Regimenter brauchten für ihren Rückmarsch wesentlich länger. Die große Distanz und Kämpfe mit revolutionären russischen Verbänden waren dafür die Hauptursache. Im Februar 1919 waren alle Regimenter des bayerischen Heeres in ihre ehemaligen Heimatgarnisonen zurückgekehrt. Es waren dies die Städte München, Freising, Landshut, Nürnberg, Sulzbach, Ansbach, Regensburg, Passau, Augsburg, Kempten, Lindau a. Bodensee, Dillingen, Neu-Ulm, Landsberg/Lech, Würzburg, Bamberg, Aschaffenburg, Ingolstadt, Eichstätt, Amberg, Fürth, Erlangen und Bayreuth. Viele Soldaten schlossen sich nach der Demobilisierung Freikorpsverbänden an, andere versuchten, im Zivilleben wieder Fuß zu fassen, oder bewarben sich bei der "neuen" Reichswehr, da die selbständige bayerische Armee 1919/20 aufgelöst wurde.

Literatur

  • Rainer Braun, Bayern und seine Armee. Eine Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs aus den Beständen des Kriegsarchivs (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns 21, herausgegeben von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns), München 1987.
  • Kurt Königsberger, Die wirtschaftliche Demobilmachung in Bayern während der Zeit vom November 1918 bis Mai 1919, in: Zeitschrift des Bayerischen Statistischen Landesamtes 52 (1920), 193-226.
  • Hermann v. Kuhl, Das Ende des kaiserlichen Heeres, in: Ernst v. Eisenhart Rothe (Hg.), Ehrendenkmal der Deutschen Armee und Marine 1871-1918, Berlin/München 1928, 426ff.
  • Ludwig Maercker, Vom Kaiserheer zur Reichswehr. Geschichte des freiwilligen Landesjägerkorps, Leipzig 1922.
  • Benjamin Ziemann, Front und Heimat. Ländliche Kriegserfahrungen im südlichen Bayern 1914-1923 (Veröffentlichungen des Instituts zur Erforschung der europäischen Arbeiterbewegung A 8), Essen 1997, 371ff.

Quellen

  • Heinz Hürten, Zwischen Revolution und Kapp-Putsch. Militär und Innenpolitik 1918-1920. Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Zweite Reihe: Militär und Politik, herausgegeben von Matthias Erich und Hans Meier-Welcker. Band 2, Düsseldorf 1977.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Staatskommissar für die Demobilmachung

Empfohlene Zitierweise

Kai Uwe Tapken, Demobilmachung, 1918/1919 (militärisch), publiziert am 04.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Demobilmachung, 1918/1919 (militärisch)> (21.08.2018)