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Wirtschaft (Weimarer Republik)

Blick auf das Walchenseekraftwerk um 1925. (aus: Jahrbuch der bayerischen Wirtschaft 1925, nach S. 272)
Luftaufnahme der Porzellanfabrik Rosenthal in Selb um 1925. (aus: Jahrbuch der bayerischen Wirtschaft 1925, nach S. 208)
Erwerbstätige und Berufszugehörige in Bayern, anderen deutschen Staaten und im Reich 1925. (aus: Aufbau und Verflechtung der Bayerischen Wirtschaft [Beiträge zur Statistik Bayerns 116], München 1928, S. 8)

von Helmut Braun

Die Entwicklung der bayerischen Wirtschaft während der Weimarer Republik war wie im übrigen Reich von drei Phasen geprägt: Auf die Krisenzeit von den Nachkriegswirren bis zur Überwindung der Hyperinflation 1923/24 folgte die Scheinblüte der "Goldenen Zwanziger Jahre", an die sich ab 1929 die Weltwirtschaftskrise anschloss. Spezifisch für Bayern war die fortbestehende Prägung durch die Land- und Forstwirtschaft und die nur punktuelle Industrialisierung. Bayern zählt daher zu den wirtschaftlich schwächeren Regionen des deutschen Reichs, obwohl es überdurchschnittlich viele Erwerbstätige aufwies. Langfristige Wirkung entfalteten die Gründung der Bayernwerk AG und der Rhein-Main-Donau AG; München entwickelte sich zu einem wichtigen Versicherungsplatz.

Überblick

Die wirtschaftliche Entwicklung während der Weimarer Republik kann in drei klar abgrenzbare Phasen eingeteilt werden:

  • Die erste Phase umfasst die Zeit des unmittelbaren Kriegsendes bis zum Höhepunkt der Hyperinflation 1923.
  • Die zweite Phase ist als die Periode der "Goldenen zwanziger Jahre" anzusehen, die mit der zweistufigen Währungsreform der Jahre 1923/24 begann und mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 endet.
  • Die dritte Phase hat die bis in die Frühzeit des NS-Regimes reichende Weltwirtschaftskrise zum Thema.

Diese Phaseneinteilung betrifft auch die bayerische Wirtschaft, obgleich Bayern zu dieser Zeit in der industriellen Entwicklung deutlich unter dem Reichsdurchschnitt lag und weiterhin Landwirtschaft, Kleingewerbe und Handwerk dominierten. Im Bankenbereich begannen die deutschen Großbanken nach Bayern zu expandieren. Gleichzeitig blühte in Bayern ein bald reichsweit bedeutendes Versicherungs- und Rückversicherungswesen auf.

Von den Wirren nach Kriegsende bis zur Hyperinflation

Die wirtschaftliche Ausgangslage bei der Demobilmachung nach Kriegsende war desolat: Die zurückkehrenden Soldaten suchten Arbeit, die Kriegswirtschaft musste schnell auf Friedensproduktion umgestellt werden und die alliierten Sieger beschlagnahmten mit Lokomotiven und Waggons sowie mit der Handelsflotte wirtschaftlich wichtige Teile der Infrastruktur. Nicht nur in den vom Reich abzugebenden Gebieten machte sich Elend breit.

Unmittelbare Folgen des Kriegsendes auf Bayern waren die Besetzung der Rheinpfalz durch Frankreich in Verbindung mit hohen Ablieferungen von Gütern an die Siegermächte. Dieses Vorgehen Frankreichs wurde dann im Versailler Vertrag legitimiert und die Saarpfalz mit ihren Kohlebergwerken von Bayern abgetrennt und an Frankreich gegeben. Von den Reparationslieferungen des Reichs an lebenden Tieren und Fleisch entfielen auf Bayern 11 %, was die bayerische Landwirtschaft, insbesondere bei der Versorgung mit Zugpferden, ausblutete.

Diese Probleme, sowie insbesondere auch in Bayern aufkommende politische Unruhe, versuchte die Reichsregierung mit dem Druck von Geld aufzufangen. Durch den "Ruhrkampf" und seine Finanzierung entstand schließlich die Hyperinflation, in der findige Spekulanten Sachwerte anhäuften und teilweise auf Kreditbasis aus aufgekauften Unternehmen Großkonzerne zusammenschmiedeten.

Neben diesen gesamtdeutschen Entwicklungen brachte die Errichtung der Weimarer Republik seit 1920 die Übertragung der bayerischen Eisenbahnen und der bayerischen Post an das nun mit starker Zentralgewalt ausgestattete Reich mit sich. Wie bei den anderen deutschen Staaten innerhalb des Reiches, sorgte die Neugestaltung der Reichsfinanzverfassung auch dafür, dass Bayern als Gliedstaat des Reiches nur mehr in geringem Umfang wenig ergiebige Steuern selbst erheben durfte. Insbesondere bei den ergiebigen direkten Steuern wurde Bayern damit abhängig von den Zuweisungen des Reichs.

Mit dem Zusammenschluss der Innwerke Töging und der Stickstoffwerke Trostberg zur Vereinigten Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft VIAG betätigte sich das Reich auch als industrieller Unternehmer in Bayern. Ebenfalls gemeinsam mit dem Reich wurde 1921 die Rhein-Main-Donau AG mit Sitz in München gegründet, um die Donau zur Großschifffahrtsstrasse und zur Energiegewinnung auszubauen. Der Stromgewinnung diente auch die Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerkes. Parallel dazu verstärkte der bayerische Staat seine eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten, zum Beispiel durch die Gründung der Bayernwerk AG 1921. 1920 verlegte die Bayerische Staatsbank ihren Hauptsitz von Nürnberg nach München, nachdem ihr aber die bayerische Finanz- und Eisenbahnverwaltung genommen worden war. Im Zuge der Angliederung Coburgs an Bayern 1920 wurde die dortige Creditkasse und die Herzoglich Sächsische Landesrentenbank 1922 der Bayerischen Staatsbank angegliedert.

Die mit der sich beschleunigenden Inflation verbundene Bildung von Großkonzernen wirkte sich auch in Bayern aus: Die Siemens-Schuckert-Werke gehörten 1922 kurze Zeit zum Stinnes-Konzern; der Ruhrkonzern Gutehoffnungshütte gliederte sich 1920/22, neben anderen bayerischen Unternehmen, die MAN ein; die saarländische Industriellenfamilie Röchling übernahm die Maximilianshütte, veräußerte sie 1929 aber dann an den Flick-Konzern weiter.

Die "Goldenen zwanziger Jahre"

Mit der zweistufigen Währungsreform der Jahre 1923/24 beruhigten sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse im Reich. Da der unabhängigen Reichsbank an einer dauerhaften Stabilisierung der neuen Währung gelegen war, herrschte in Deutschland ein, verglichen mit anderen Staaten, hohes Zinsniveau. Dies machte Deutschland als Anlageland für ausländische Gelder attraktiv, erleichterte dem Reich die Zahlung der Reparationen und sorgte für einen Konjunkturaufschwung, wenn auch "auf Pump".

Kurzzeitig brach jedoch dieser Aufschwung 1925/26 im Rahmen der "Rationalisierungskrise" scharf ein, aber bald sorgten die aus dem Ausland fließenden Kredite als "Dollar-Scheinblüte" wieder für eine Belebung der Wirtschaft, insbesondere bei den industriellen Ausrüstungsinvestitionen sowie im privaten und öffentlichen Bauwesen. Dabei wurde bei den Kreditausleihungen der Banken äußerst fahrlässig umgegangen: Die kurzfristig verlängerten Auslandsgelder wurden in Deutschland als langfristig laufende Kredite ausgereicht; ein kurzfristiger Rückruf musste dann in einer Finanzkatastrophe münden. Daneben war eine den Arbeitnehmern nahe stehende, auf Konsens ausgerichtete Tarifpolitik institutionalisiert. Im Jahr 1927 entstand mit der Arbeitslosenversicherung der Schlussstein der in den 1880er Jahren begonnenen deutschen Sozialversicherung.

Die bereits während der Inflationszeit begonnene Übernahme bayerischer Großunternehmen durch außerbayerische Großkonzerne setzte sich während der "Goldenen zwanziger Jahre" fort. So ging die Ludwigshafener BASF, nachdem diese wiederum unter anderem die Farbwerke Hoechst und Bayer Leverkusen übernommen hatte, 1925 in der IG-Farben AG mit Sitz in Frankfurt auf.

Dennoch gab es in Bayern einige industriellen Sonderentwicklungen: Bayerische Mittelbetriebe etablierten sich im Bau von Nähmaschinen im pfälzischen Kaiserslautern, in der Schuhfertigung im pfälzischen Pirmasens, bei Motorrädern und im Radiobau in Nürnberg, bei feinkeramischen und optischen Produkten, im sich in dieser Zeit konzentrierenden und immer mehr industrialisierenden Brauwesen sowie bei Nürnberger Spielwarenherstellern. Diese Unternehmen behaupteten sich erfolgreich auf den nationalen und internationalen Märkten.

Kurz vor der Jahreswende 1924/25 wurde auch der Grundstein dafür gelegt, dass mit der Nordbayerische Verkehrsflug GmbH in Bayern ein eigenes, Städte in Sachsen, Thüringen und Preußen verbindendes Luftverkehrsflugunternehmen entstand und sich zu einer vom Reich politisch unerwünschten Konkurrenz zur 1926 gegründeten "Deutschen Luft Hansa" entwickelte. Da die Nordbayerische Verkehrsflug GmbH nur Flugzeuge des Bamberger Flugzeugbauers Willy Messerschmitt (1898-1978) einsetzte, konnte sich Messerschmitt schnell zu einem bekannten Flugzeugbauunternehmen weiterentwickeln.

Nach der bereits 1923 erfolgten Übernahme der Bayerischen Versicherungsbank durch die Münchner Rückversicherung und durch die Allianz wuchs die reichsweite Bedeutung Münchens als Versicherungsplatz. 1930 entfiel etwa die Hälfte aller reichsweiten Rückversicherungsumsätze auf München. Auf das Eindringen insbesondere Berliner Großbanken antworteten die bayerischen Großbanken mit einer Ausweitung ihrer Filialnetze und der Übernahme kleinerer Privatbanken und Bankgesellschaften.

Neben der Aufwertung örtlicher Schrannen zu landwirtschaftlichen Produktbörsen während der frühen 1920er Jahren war ein wichtiger Schritt für die bayerische Landwirtschaft die Gründung der Bayerischen Warenvermittlung landwirtschaftlicher Genossenschaften, der Baywa, im Jahr 1923. Jedoch geriet bereits 1927 die bayerische Landwirtschaft aufgrund von Sättigungstendenzen auf dem Weltmarkt in Schwierigkeiten, wenn auch in geringerem Maße als die großen Ostelbischen Landwirtschaftsgüter. Einerseits hatte dies zur Folge, dass die nach der Entschuldung der bayerischen Höfe durch die Hyperinflation begonnene technische Modernisierung aufgrund der Absatzprobleme wieder ins Stocken geriet. Andererseits ergab sich durch die Freisetzung von landwirtschaftlich Beschäftigten eine Rückkoppelung auf den sich nun erneut, aber langsam entwickelnden Industriesektor durch ein vermehrtes Angebot an Arbeitern.

Die Weltwirtschaftskrise

Als im Oktober 1929 mit dem Börsenkrach in den USA, nach eigentlich erkennbaren wirtschaftlichen Sättigungstendenzen, die Weltwirtschaftskrise ausbrach, schwappte sie auch aufgrund der kurzfristigen Anlage von US-Geldern schnell auf Deutschland über. Die neue Arbeitslosenversicherung war der anschwellenden Massenarbeitslosigkeit nicht gewachsen und die Kosten der Fürsorge belasteten die kommunalen Haushalte; immer mehr Unternehmen gingen insolvent und schlossen ihre Tore. Abwertungswettläufe zwischen den von der Krise gebeutelten Staaten verschlimmerten diese noch mehr und sorgten für eine drastische Schrumpfung des Welthandelsvolumens.

In Deutschland führte die waghalsige Vergabe langfristiger Kredite zu einem Zusammenbruch des Bankensystems. Über allem hatte aber das Reich noch die Reparationsverpflichtungen zu tragen, wodurch eine Abwertung der deutschen Währung zur Steigerung der Exporterlöse ebenso unmöglich war wie eine interne Verschuldung durch die Notenbank. Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum, 1885-1970), der aufgrund der immer stärkeren Polarisierung im Reichstag mit Notverordnungen regieren musste, konnte daher nur mit einer der Bevölkerung harte Opfer abverlangenden Spar- und Deflationspolitik versuchen, deutsche Waren konkurrenzfähig zu halten. Damit wollte er eine Streichung der Reparationen erreichen; er wollte zeigen, dass das Reich leisten wollte, aber nicht konnte.

Insgesamt wirkte sich die Weltwirtschaftskrise im immer insgesamt noch mehr ländlich-handwerklich strukturierten und weniger industrialisierten Bayern bezüglich der Massenarbeitslosigkeit letztlich nicht so verheerend aus wie in außerbayerischen Zentren wie Berlin oder im Ruhrgebiet. Dennoch zog die Weltwirtschaftskrise das noch stärker bäuerlich strukturierte Altbayern stark in Mitleidenschaft: Nachdem die Agrarkrise bereits 1927 begann, fielen die Agrarpreise bis 1932 auf 35 % unter das Niveau von 1913. Dies bedeutete für die meist als kleine und mittlere Familienbetriebe geführten altbayerischen Bauernhöfe drastische Einkommenseinbußen.

Mit voller Wucht traf die Weltwirtschaftskrise insbesondere die Branchen in Bayern, die bereits vor 1929 mit erheblichen Problemen zu kämpfen hatten: Beispiele sind die Textilindustrie, insbesondere in Hof, Bayreuth und Kulmbach, aber auch in Augsburg, sowie die teilweise stark im Export engagierte Glasherstellung im bayerischen Wald in darauf spezialisierten Städten wie in Zwiesel und Frauenau. Problematisch war auch die Lage der mit der Ph. Rosenthal AG bedeutenden Porzellanindustrie im oberfränkischen Selb; dieses Unternehmen verlagerte übrigens Mitte der 1920er Jahre den Konzernsitz nach Berlin.

Daten zur Strukturentwicklung der bayerischen Wirtschaft

Durch die Verbesserungen im Bereich der Stromversorgung, ergänzt durch Maßnahmen im Verkehrswesen, sowie durch die Ausweitung des Bank- und Versicherungswesens wurden während der Weimarer Zeit Bedingungen geschaffen, die einer weiteren Industrialisierung Bayerns trotz der Verwerfungen der Hyperinflation und dann der Weltwirtschaftskrise förderlich waren. 1925 betrug der bayerische Anteil an den 32 Millionen Erwerbstätigen Deutschlands etwa 12 % (3,96 Mio), obwohl in Bayern nur 10 % der Bevölkerung des Reichs wohnten. Von den bayerischen Erwerbstätigen waren 1925 etwa 44 % in der Land- und Forstwirtschaft tätig. Rechnet man hierbei die Erwerbstätigen in den 13 größten Städten heraus, betrug der Anteil im primären Sektor sogar 68 %.

In Industrie und Handwerk waren 1925 insgesamt 34 % der bayerischen Erwerbstätigen beschäftigt, reichsweit hingegen 46 %. Da in den bedeutenden bayerischen Industriestädten Augsburg, Fürth, Würzburg, Nürnberg, Hof Bayreuth und Erlangen der Anteil dieser Beschäftigten zwischen 67 und 70 % lag, wird klar, dass die Industrialisierung noch auf wenige Städte konzentriert war. Der Rest der Beschäftigten war 1925 in den Bereichen Dienstleistungen, Handel und Verkehr tätig.

Bis 1933 änderte sich auch die Struktur der bayerischen Wirtschaft, unter anderem wegen einer zunächst positiven, aber spätestens seit 1930 eindeutig negativen wirtschaftlichen Entwicklung. Sowohl strukturell als auch konjunkturell bedingt wurden in der Forst- und Landwirtschaft, insbesondere im Agrarbereich, von etwa 1,8 Millionen Beschäftigten 1925 bis 1933 etwa 500.000 Beschäftigte abgebaut. Davon waren fast 290.000 landwirtschaftliche Beschäftigte betroffen, die aber in bedeutendem Umfang bereits kurz vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise entlassen wurden. Im Bereich von Handwerk und Industrie sank von 1925 bis 1933 die Beschäftigung in Bayern um 19 %, reichsweit hingegen um 30 %. Jedoch sank die Beschäftigung in den wichtigsten bayerischen Industriestädten Augsburg, Nürnberg, Fürth und Würzburg, aber auch im gering industrialisierten München, zum Teil deutlich stärker als im Landesdurchschnitt, wohingegen Städte wie Schweinfurt, Erlangen, Bayreuth, und Aschaffenburg ihren Anteil an industriell Beschäftigten gegenüber 1925 halten, in Grenzen sogar ausdehnen konnten. Die Beschäftigtenentwicklung in der Industrie hing also stark von der Auswirkung der Wirtschaftkrise auf einzelne Gewerbezweige bzw. Branchen ab.

Zur Einordnung der bayerischen Wirtschaft innerhalb des Reiches ist festzustellen, dass der starke Sektor der Land- und Forstwirtschaft mit seinem vergleichsweise niedrigen Einkommensniveau das gesamte Volkseinkommen in Bayern drückte, insbesondere im Vergleich mit höher industrialisierten Gliedstaaten: Ausgehend von den Werten des Jahres 1913 lag es in Bayern während der 1920er Jahre mit etwa 87 % unter dem Reichsdurchschnitt, im ausgeprägt industrialisierten Sachsen mit 120 % über dem Reichsdurchschnitt.

Ein interessantes Indiz für die Bedeutung der industriellen Produktion in Bayern im Vergleich zu anderen, mehr industrialisierten Gliedstaaten des Reiches ist die Entwicklung der (offiziell geschätzten) Arbeitslosenquoten während der Weltwirtschaftskrise: 1930, im ersten Krisenjahr, war die bayerische Arbeitslosenquote mit fast 10 % höher als die Arbeitslosenquote im Reich mit 6-8 %. 1931 lag sowohl die Arbeitslosenquote in Bayern als auch im Reich bei 12 %. Im heftigsten Krisenjahr 1932 lag die bayerische Arbeitslosenquote bei 13,5 %, im Reich aber schon bei 15 %, im stark industrialisierten Sachsen sogar bei 21 %. Offenbar wurden in Bayern während der Krisenjahre wieder sehr gering bezahlte ländliche Arbeitsplätze besetzt; der Anteil der in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten erhöhte sich von 1930 bis 1933 um 2 %.

Graphische Darstellung der Arbeitslosigkeit im Jahre 1932 gegenüber 1931. (aus: Bayerische Staatszeitung und Bayerischer Staatsanzeiger, 21. Jahrgang Nr. 1, München Sonntag/Montag 1./2. Januar 1933, 13. Bayerische Staatsbibliothek, 2. Eph. pol. 113 a-1933,1)

Folgen der Krise und Forschungsdesiderata

Eine bisher wenig untersuchte Folge der Weltwirtschaftskrise waren die zunehmenden Staatsinterventionen als wirtschaftliches Krisenmanagement: Durch die Förderung von Kartellen in wichtigen Industrien, durch als rettende Stützungsmaßnahmen verstandene Beteiligungen im Bankensektor und durch Vorschriften wie die Devisenbewirtschaftung in der Währungs- und Außenhandelspolitik kamen zentrale Sektoren der Volkswirtschaft unter staatliche Kontrolle. Nach der "Machtergreifung" konnten sich die Nationalsozialisten in ein "gemachtes Nest" aus legal bestehenden, staatlichen Befugnissen und staatlichen Beteiligungen an Unternehmen setzen und die Wirtschaft weiter im Sinne des "Führerprinzips" durchdringen.

Dokumente

Literatur

  • Fritz Blaich, Der Schwarze Freitag. Inflation und Wirtschaftskrise, München 3. Auflage 1994.
  • Fritz Blaich, Die Wirtschaftskrise 1925/26 und die Reichsregierung. Von der Erwerbslosenfürsorge zur Konjunkturpolitik, Kallmünz 1977.
  • Fritz Blaich, Staatsverständnis und politische Haltung der deutschen Unternehmer 1918-1930, in: Karl Dieter Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen (Hg.), Die Weimarer Republik 1918-1933. Politik. Wirtschaft. Gesellschaft (Studien zur Geschichte und Politik 251), Bonn 1987.
  • Paul Erker, Keine Sehnsucht nach der Ruhr. Grundzüge der Industrialisierung in Bayern 1900-1970, in: Geschichte und Gesellschaft 17 (1991), 480-511.
  • Alfons Frey, Die industrielle Entwicklung Bayerns von 1925 bis 1975. Eine vergleichende Untersuchung über die Rolle städtischer Agglomerationen im Industrialisierungsprozess (Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 76), Berlin 2003.
  • Rainer Gömmel, Gewerbe, Handel und Verkehr, in: Max Spindler (Begr.)/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Vierter Band: Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Zweiter Teilband: Die innere und kulturelle Entwicklung, München 2. Auflage 2007, 216-299, hier 253-260.
  • Dieter Hertz-Eichenrode, Wirtschaftskrise und Arbeitsbeschaffung. Konjunkturpolitik 1925/26 und die Grundlagen der Krisenpolitik Brünings, Frankfurt 1982.
  • Hans Mommsen/Dietmar Petzina/Bernd Weisbrod (Hg.), Industrielles System und politische Entwicklung in der Weimarer Republik, Düsseldorf 1974.
  • Robert Obermaier, Weichenstellungen. Umstrukturierungen in Bereichen der deutschen Wirtschaft gegen Ende der Weimarer Republik als Wegbereitung für die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 14), Weiden/Regensburg 2002.
  • Dietmar Petzina, Die deutsche Wirtschaft in der Zwischenkriegszeit, Wiesbaden 1977.
  • Gabriela Sperl, Wirtschaft und Staat in Bayern 1914-1924 (Schriften der Historischen Kommission zu Berlin 6), Berlin 1996.

Quellen

  • Friedrich Zahn, Bayern in der deutschen Volkswirtschaft, in: Das Land Bayern. Seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung für das Reich, München/Augsburg 1927, 12-17. (Zustandsbeschreibung Mitte der 1920er Jahre durch den Präsidenten des Statistischen Landesamtes)

Weiterführende Recherche

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wirtschaftliche Entwicklung

Empfohlene Zitierweise

Helmut Braun, Wirtschaft (Weimarer Republik), publiziert am 05.02.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wirtschaft (Weimarer Republik)> (23.05.2019)