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Wolfstein, Adelsfamilie

Das Wappen der Wolfsteiner im Scheibler'schen Wappenbuch, um 1450/80. (Bayerische Staatsbibliothek, Cod.Icon. 312 c., fol. 162)
Ansicht Kloster Seligenporten, 1726. (in: Iohanne Davide Koelero, Historia Genealogica dominorvm et comitvm de Wolfstein…, Frankfurt 1726, 304)
Aktuelle Ansicht Klosterkirche Seligenporten. (Foto: Robert Giersch)
Burg Sulzbürg um das Jahr 1626. (Staatsarchiv Amberg, Plansammlung 3253)
Das Allianzwappen Wolfstein-Hohenlohe im Innenraum der Schlosskirche Sulzbürg. (Foto: privat)
Epitaph des Ulrich von Sulzbürg, ca. 1300, St. Jakob in Nürnberg. (Foto: Robert Giersch)
Epitaph des Konrad von Sulzbürg, ca. 1322, Kloster Seligenporten. (Foto: Robert Giersch)
Totenschild des Gottfried von Wolfstein (gest. 1322). (Bayer. Nationalmuseum, Außenstelle Festung Rosenberg, Inv.-Nr. 52/234)
Epitaph des Wilhelm von Wolfstein, ca. 1518, Stich einer Nachzeichnung von ca. 1725. (in: Johann David Köhler, Historica Genealogica Dominorum et Comitum de Wolfstein, Frankfurt a. Main 1726, 93)
Urkunde König Heinrich Raspes für Gottfried d.Ä. von Sulzbürg, 1247. (Bayer. HStA Kurbayern Urk. 22834)
Titel des Lupburger Salbuchs mit Eintrag für Burg Wolfstein von ca. 1305/10. (Bayer. Hauptstaatsarchiv, Gerichtsliteralien Oberpfalz Gericht Parsberg 2a)

von Robert Giersch

Adelsgeschlecht im Raum Neumarkt in der Oberpfalz, nachgewiesen seit dem 13. Jahrhundert, im 18. Jahrhundert ausgestorben. Das Geschlecht nannte sich zunächst nach der Burg Sulzbürg (Gde. Mühlhausen, Lkr. Neumarkt i.d.Opf.), seit Ende des 13. Jahrhunderts nach der Feste Wolfstein (Gde. Neumarkt i.d.Opf.). Nach einer Aufspaltung ließ die Nebenlinie die Burg Niedersulzbürg errichten. Als Reichsministeriale erreichten die Wolfsteiner vor allem im 14. Jahrhundert eine bedeutende Stellung. In der Reichsritterschaft waren sie dem Kanton Altmühl zugehörig. 1522 wurden sie zu Reichsfreiherren, 1673 zu Reichsgrafen erhoben. Nach dem erbenlosen Tod des letzten Wolfsteiners 1740 fielen die Besitzungen an das Kurfürstentum Bayern.

Anfänge unter Gottfried dem Älteren

Die Geschichte der Reichsgrafen von Wolfstein ist vom frühen 13. Jahrhundert bis zum Aussterben des Geschlechts im Jahr 1740 überliefert. In dieser Zeitspanne nahm es umfangreiche Herrschaftsrechte auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Neumarkt in der Oberpfalz wahr und prägte die landesgeschichtliche Entwicklung dieser Region nachhaltig. Für die Zeit vor 1200 formulierte bereits Karl Bosl (1908-1993) eine Hypothese, nach der die Wolfsteiner auf ein hochrangiges Ministerialengeschlecht zurückgehen, das sich im Laufe des 12. Jahrhunderts noch nach dem Dorf Wettenhofen bei Sulzbürg (Lkr. Neumarkt i.d.Opf.) nannte.

Eine Namensänderung dürfte um 1200 mit dem Neubau der mutmaßlich reichslehenbaren Burg Sulzbürg, später Obersulzbürg, erfolgt sein. Die Boslsche These stützt sich auf die Leitnamen Gottfried, Ulrich und Konrad, die sowohl die von 1121 bis 1182 in Urkunden genannten Wettenhofen als auch die Sulzbürger im 13. Jahrhundert führten. Der im frühen 12. Jahrhundert als Vogt des bedeutenden Regensburger Klosters St. Emmeram auftretende Ulrich von Wolfstein gehörte einem hochrangigen bayerischen Edelfreiengeschlecht an, das sich nach den nahe bei Landshut liegenden Burgen Schaumburg und Wolfstein nannte. Er stand weder zum Ministerialengeschlecht der Wettenhofen-Sulzbürg noch zur Burg Wolfstein bei Neumarkt in einer Beziehung.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zählte Gottfried der Ältere von Sulzbürg (gest. 1259) zweifellos zur Spitzenmannschaft der Reichsministerialität, die im Bereich der staufischen Reichsvogtei Nürnberg eingesetzt war. Bereits dieser erste urkundlich aufscheinende Sulzbürger führte das spätere Wappen der Wolfsteiner: zwei steigende goldene Leoparden im roten Schild. Besitz im Ostfränkischen um Schwabach und Heilsbronn (Lkr. Ansbach) sowie heraldische Merkmale lassen annehmen, dass die Familie mit den bedeutenden Geschlechtern von Gründlach, Berg und Bürglein verbunden war und somit bereits für das 12. Jahrhundert mit führenden Gefolgsleuten der Stauferkaiser, des Hochstifts Bamberg und der Rangaugrafen von Abenberg (Lkr. Roth).

Gottfried d. Ä. von Sulzbürg zählte zu den ersten Reichsdienstmannen, die den großen Edelfreiengeschlechtern nacheiferten und ihre besondere machtpolitische Position mit einer prestigeträchtigen Stiftung demonstrierten: Er und seine erste Ehefrau Adelheid von Hohenfels gründeten vor 1249 das Zisterzienserinnenkloster Seligenporten (Gde. Pyrbaum, Lkr. Neumarkt i.d.OPf.). 1259 fand Gottfried hier auch seine letzte Ruhestätte.

Mit der Zuspitzung des Machtkampfes zwischen den Staufern und der Papstpartei wechselte Gottfried um 1245 die Fronten und trat an die Spitze der stauferfeindlichen Kräfte in der Region. Der von der antistaufischen Partei zum Gegenkönig gewählte Landgraf von Thüringen, Heinrich Raspe (reg. 1241-1247 als Landgraf von Thüringen), versprach, den Sulzbürger mit zwei Burgen zu belehnen, die er in seinem Namen erobern würde. Ein bereits besiegeltes Verlöbnis zwischen dem Sohn des Sulzbürgers und der Tochter des strikt staufertreuen Walter Schenk von Klingenberg-Reicheneck wurde vom Papst 1254 gelöst, letzterer als "Verfolger der Kirche" gebrandmarkt. Möglicherweise ging in den machtpolitischen Wirren dieser Zeit auch die anzunehmende Lehensbindung der Burg Sulzbürg an das Reich verloren.

Linienbildung

Ein vor 1249 verstorbener Konrad von Sulzbürg, vermutlich ein Bruder Gottfrieds, begründete eine eigene Linie, der die Herrschaft Bürglein bei Heilsbronn zufiel und die in kurzer Distanz zur Stammburg die Burg Niedersulzbürg errichten ließ. Konrads gleichnamiger Sohn leistete sich jedoch 1256 eine Fehde mit dem Kloster Heilsbronn und musste die Zerstörung der Burg Bürglein hinnehmen. Er hinterließ bei seinem Tod 1267 zwei Töchter, die mit Söhnen des Reichsbutiglers Heinrich von Stein-Hilpoltstein vermählt wurden und die sein Erbe, auch Niedersulzbürg, übernahmen.

Die Söhne Gottfrieds d. Ä.

Auf Gottfried von Sulzbürg folgten drei urkundlich bezeugte Söhne. Der ältere Ulrich von Sulzbürg verbrachte seine letzten Lebensjahre als Pfründner im Spital des Deutschen Ordens zu Nürnberg. Dort starb er im November 1286 und wurde in der Ordenskirche St. Jakob begraben, wo bis heute sein Grabstein mit dem Familienwappen erhalten ist. Noch zu Lebzeiten übergab er die Stammburg Sulzbürg dem Ritterorden. Ein weiterer Konrad von Sulzbürg, Bruder des Ulrich, wird dagegen nur einmal erwähnt.

Der dritte Bruder, Gottfried der Jüngere (gest. wohl 1322), ist zweifellos für die weitere Geschichte des Geschlechts von größerer Bedeutung. Er zählte im späten 13. Jahrhundert zu den ersten Gefolgsleuten des Grafen Gebhard VII. von Hirschberg (gest. 1305), der die Vogtei des Hochstifts Eichstätt wahrnahm und sich als mächtigster Widersacher der Bayernherzöge gegen das Hegemoniestreben der Wittelsbacher stemmte. 1293 erscheint Gottfried ausdrücklich als Kampfgenosse des Grafen im Krieg gegen Herzog Ludwig II. von Bayern (reg. 1253-1294).

Zu dieser Zeit nannte sich Gottfried nicht mehr nach Sulzbürg, sondern nach Wolfstein bei Neumarkt. Vor 1283 hatte ihn der bayerische Edelfreie Konrad von Lupburg mit dieser Burg belehnt. Die Feste war laut Ausweis baugeschichtlicher Befunde nach der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden, wahrscheinlich zur Sicherung von Rechten, die die Lupburger von den Landgrafen von Leuchtenberg erheiratet hatten. Mit dem Namen Wolfstein erschien sie als Tochterburg des Stammsitzes Lupburg (Lkr. Neumarkt i.d.Opf.) (offensichtlich damals höfisch-ritterlich interpretiert als Burg des Lupus) nördlich von Regensburg.

Vermutlich war bereits Konrad von Lupburg in Auseinandersetzungen mit den Bayernherzögen gestanden, denen die Lupburger Burg in unmittelbarer Nähe ihrer von den Staufern ererbten Stadt Neumarkt und des ehemaligen Reichsgutkomplexes Berngau (Lkr. Neumarkt i.d.Opf.) sicher ein Dorn im Auge war. Die Streitigkeiten wurden nach Konrads Tod 1299/1300 prompt mit dem gleichnamigen Bruder und Erben, dem Regensburger Bischof Konrad von Lupburg (reg. 1296-1313), fortgesetzt. Mit der Belehnung des einflussreichen, im Hirschberger Lager stehenden Sulzbürgers hatte der edelfreie Lupburger zwar den unmittelbaren Besitz verloren, jedoch erfolgreich die Herrschaft Wolfstein vor dem Zugriff der Herzöge gesichert.

Der Lupburger Lehnsmann, Gottfried von Sulzbürg-Wolfstein, wandte sich erst nach dem Tod des letzten Grafen von Hirschberg 1305 dem Herzog Ludwig IV. (Ludwig der Bayer, reg. 1294-1347 als Herzog von Bayern, 1314-1347 als römisch-dt. König, ab 1328 als Kaiser) zu, der 1314 zum deutschen König gewählt wurde. Zu dieser Zeit wird er die Burg Wolfstein bereits aus der Regensburger Lehnsbindung freigekauft haben. Dieser erste Wolfsteiner verstarb vermutlich am 15. Mai 1322 und wurde in der vom Vater (gest. 1259) gestifteten Familiengrablege, in der Klosterkirche Seligenporten, bestattet.

Blütezeit unter Albrecht I.

Nach Gottfrieds Tod stieg sein Sohn Albrecht I. zum Oberhaupt des Geschlechts auf. Ihm gelang es mit viel Geschick, Einfluss und Herrschaftsrechte der Wolfsteiner weiter auszubauen. Seine Vermählung mit einer Rindsmaul, einem einst mächtigen fränkischen Reichsministerialengeschlecht entstammend, brachte ihm die Herrschaft Pyrbaum (Lkr. Neumarkt i.d.OPf.) ein. In zweiter Ehe vermählte sich Albrecht später mit Agnes Weigel, Tochter eines sehr reichen Nürnberger Patriziers. Das Spital zu Allersberg (Lkr. Roth), 1339 von ihm und seinem Bruder Leopold ins Leben gerufen, zählte nach Seligenporten zu den bedeutendsten Stiftungen der Familie.

Nach dem Tod Kaiser Ludwigs des Bayern 1347 konnte Albrecht den Konflikt zwischen den Bayernherzögen und dem böhmischen König Karl IV. von Luxemburg (reg. 1346-1378) offenbar geschickt zum Wohle seines Geschlechts nutzen. Als sich der Böhme als neuer deutscher König Karl IV. durchsetzte, wurde Albrecht von beiden Parteien begünstigt. Um 1350 ernannte ihn Herzog Ludwig V. ("der Brandenburger", reg. 1323-1351 als Markgraf von Brandenburg, 1347-1361 als Herzog von Oberbayern) zu einem herzoglich-bayerischen Hauptmann "im Gebürg" und erlaubte ihm den Bau von Burgen in der Grafschaft Hirschberg (Lkr. Eichstätt). König Karl dagegen gewährte Albrecht 1349 das Recht, eine Stadt unterhalb der Burg Wolfstein zu gründen. Klugerweise verzichtete der Wolfsteiner jedoch auf eine Verwirklichung dieser königlichen Gnade, die ihm sicher eine harte Fehde mit den Wittelsbachern eingebracht hätte.

Von größerer Bedeutung für die weitere Entwicklung war der Rückkauf der alten Stammburg Sulzbürg durch Albrecht und seinen Neffen, den Brüdern Albrecht II. und Gottfried IV., vor dem August 1350 und die Verleihung der Reichsunmittelbarkeit für diese Herrschaft 1353 durch Karl IV.

Als Albrecht I. von Wolfstein 1354 und 1359 Teilungsverträge mit seinen Neffen schloss, hatte der Wolfsteiner Besitz, im Wesentlichen vier Herrschaftskomplexe umfassend, seinen Zenit erreicht. Der von Albrecht erheiratete Markt Pyrbaum und der Stammsitz Sulzbürg blieben bis zum Aussterben des Geschlechtes 1740 Wolfsteiner Reichsherrschaften. Allersberg und Wolfstein konnten jedoch nicht gehalten werden.

Verlust von Allersberg und Wolfstein

Das Dorf Allersberg war als Eichstätter Lehen bereits im frühen 13. Jahrhundert in Sulzbürger Hand gewesen. Möglicherweise existierte bereits damals eine kleine Burganlage. Albrecht I. und Leopold von Wolfstein erwirkten 1323 von König Ludwig dem Bayern die Markt- und Geleitsrechte. Auch durften sie den Ort jetzt mit Mauern, Türmen und Graben befestigen.

Der Marktflecken ging den Wolfsteinern jedoch durch eine Intrige verloren: Albrechts hochverschuldeter Nachfahre Georg von Wolfstein musste Allersberg 1455 an Herzog Ludwig den Reichen von Bayern-Landshut (reg. 1450-1479) verpfänden. Georgs Lehnsherr, der Eichstätter Bischof, fühlte sich Jahre später angeblich durch die Verpfändung übergangen, klagte erfolgreich auf Einzug des Lehens und schanzte die Herrschaft 1474 endgültig dem Landshuter Herzog zu.

Albrecht I. überließ die namensgebende Herrschaft Wolfstein Albrecht II. und Gottfried IV., die schließlich 1364 die Burg unter sich aufteilten. Durch Umbauten entstanden innerhalb der Burgmauern zwei baulich getrennte Wohnsitze. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts glich die Feste Wolfstein einer Ganerbenburg; mehrere Familienmitglieder hielten unterschiedlich große Besitzanteile. Eine große Schuldenlast und auch Familienstreitigkeiten führten 1460 dazu, dass Hans II. von Wolfstein das Eigentum eigenmächtig aufgab, Burg und Herrschaft dem böhmischen König Georg Podiebrad (reg. 1458-1471) zum Mannlehen auftrug. Die Rechte der übrigen Wolfsteiner wurden missachtet. Dies führte nach dem Tod Hans II. 1462 dazu, dass die Krone Böhmen das Lehen einzog und einen böhmischen Edelmann belehnte. Wenig später wurde die Burg an den Pfalzgrafen Otto II. von Neumarkt-Mosbach (reg. 1461-1499) verkauft.

Nur eine relativ kurze Episode in der Wolfsteiner Geschichte spielte die kleine Burg und Herrschaft Hauseck (Gde. Etzelwang, Lkr. Amberg-Sulzbach) bei Sulzbach. 1380 erwarb sie der Sohn Albrechts I., Stephan, aus der Hand der Herren von Henfenfeld. Bereits vor 1489 wurde sie, in einer erzreichen Gegend gelegen, einem Montanunternehmer verkauft.

16./17. Jahrhundert: Reformation und Standeserhebungen

Die Herren von Wolfstein konnten im 15. und 16. Jahrhundert erfolgreich den reichsunmittelbaren Status ihrer Herrschaft Sulzbürg-Pyrbaum sowie ihren reichspolitischen Einfluss wahren.

Albrecht V. von Wolfstein wirkte am Ende des Mittelalters als Truchsess in Diensten Kaiser Maximilians I. (reg. 1486-1519, Kaiser seit 1508). 1522 wurden er und die Söhne seines verstorbenen Bruders Wilhelm II. von König Karl V. (reg. 1519-1556, Kaiser seit 1530) zu erblichen Reichsfreiherren erhoben. Wolfsteiner engagierten sich im Spätmittelalter eifrig in Turniergesellschaften und Ritterbünden und blieben stets den Zielen der sich im 16. Jahrhundert konsolidierenden Reichsritterschaft verpflichtet. Mit der Bildung der reichsritterschaftlichen Kantone gehörten sie dem Kanton Altmühl des Ritterkreises Franken an.

Adam von Wolfstein war der lutherischen Lehre zugetan und einflussreicher Rat des Markgrafen Georg von Brandenburg-Ansbach-Kulmbach (reg. in Brandenburg-Ansbach 1543-1603, in Brandenburg-Kulmbach 1557-1603), der sein Fürstentum der Reformation zuführte. In den Wolfsteiner Pfarreien blieb dagegen bis zu Adams Tod 1547 alles beim Alten, vermutlich weil er einen kirchenpolitischen Streit um Präsentationsrechte mit der protestantischen Reichsstadt Nürnberg ausfocht und seine Beziehungen zum kaiserlichen Hof nicht gefährden wollte. Unter der Regentschaft seines Bruders Hans von Wolfstein (reg. 1547-1558), der dem Hochstift Eichstätt nahestand, vertrat die Reichsherrschaft sogar eindeutig die katholische Sache. Erst der dritte Bruder, Bernhard von Wolfstein, leitete noch kurz vor seinem Ableben 1561 die Reformation in der Pfarrei Sulzbürg ein. Sie wurde von seinem Neffen Hans Andreas (1541-1585) im Laufe von gut 20 Jahren mit Hilfe des 1574 berufenen Superintendenten Thomas Stibar zur Vollendung gebracht.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges fanden zahlreiche Glaubensflüchtlinge vor allem aus Oberösterreich in der Herrschaft Sulzbürg eine neue Heimat. Auch die jüdische Gemeinde dort erlangte im 17. Jahrhundert einige Bedeutung; um 1700 soll sie bereits zwölf Familien gezählt haben. Jedoch lässt sich der Aufenthalt von Juden in der Wolfsteiner Herrschaft bereits im späten 15. Jahrhundert belegen.

Die Wolfsteiner duldeten auch im 17. Jahrhundert römisch-katholische Konfessionsangehörige in ihren Herrschaften und räumten 1696 dem Eichstätter Bischof das Recht ein, unter bestimmten Bedingungen katholische Geistliche in ihrem Herrschaftsgebiet seelsorgerisch tätig werden zu lassen.

Unter dem 1644 geborenen Albrecht Friedrich (1644-1693) erfuhren die Reichsfreiherren ihre letzte Standeserhebung. Kaiser Leopold I. (reg. 1658-1705) verlieh ihm 1673 die Würde eines Reichsgrafen.

Das Ende im 18. Jahrhundert

Albrecht Friedrichs Tochter Sophia Christina vermählte sich 1687 zu Obersulzbürg mit Christian Heinrich von Brandenburg-Kulmbach (1661-1708) aus dem Hause Hohenzollern. Aus dieser Verbindung ging Albrecht Friedrichs Enkelin Sophia Magdalena hervor, die 1721 den späteren dänischen König Christian VI. (reg. 1730-1746) heiratete. Nachfahren des einstigen Reichsministerialengeschlechtes waren nun Eheverbindungen mit dem Hochadel eingegangen.

Auf Albrecht Friedrich Graf von Wolfstein folgte sein Sohn Christian Albrecht (1672-1740). Er trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Halle und einer Kavaliersreise nach Belgien und Italien 1697 die Herrschaft an. Im Jahr darauf vermählte er sich mit Auguste Friederike Gräfin von Hohenlohe-Öhringen (1677-1752). Das Ehepaar musste jedoch den Tod der drei Söhne im Kindesalter erleben und hinterließ keine männlichen Erben. Als Christian Albrecht schließlich am 27. April 1740 starb, war das alte Geschlecht der Wolfsteiner im Mannesstamm erloschen. Die reichsunmittelbare Herrschaft Sulzbürg-Pyrbaum wurde vom Kaiser eingezogen und dem bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (reg. 1726-1745, 1742-1745 als Kaiser Karl VII.) verliehen. Daraufhin kam das evangelische "Landl", wie die einstige Herrschaft der Wolfsteiner bis heute genannt wird, doch noch unter die Regentschaft der Wittelsbacher. Immerhin hatte bereits Kaiser Ferdinand I. (reg. 1531-1564) 1562 - wohl in Anbetracht der protestantischen Gesinnung der Wolfsteiner - dem bayerischen Herzog eine Anwartschaft auf das Reichslehen zugesichert.

1740 umfasste die Reichsherrschaft zwei Hochgerichtsbezirke, den einen um Sulzbürg und mit dem Hauptort Mühlhausen im Sulztal, den anderen um Pyrbaum, nordwestlich von Neumarkt und an den Nürnberger Reichswald stoßend, sowie zahlreiche grundherrschaftliche Rechte in benachbarten Territorien.

Da mit dem Lehensbesitz auch einige freieigene Güter vermengt waren, so auch das Schloss Obersulzbürg, entbrannte ein fast drei Jahrzehnte lang geführter Rechtsstreit Kurbayerns mit den Erben Christian Albrechts, den Fürsten von Hohenlohe und den Reichsgrafen von Giech. Er wurde letztlich mit einer Entschädigungszahlung beendet.

Es fehlte nicht an Mühen seitens der kurfürstlichen Administration, die Rekatholisierung des Landls voranzubringen. Die Bevölkerung hielt jedoch trotz mancher Repressalie am evangelisch-lutherischen Ritus fest, und so etablierte sich die Herrschaft Sulzbürg-Pyrbaum zum ersten protestantischen Gebiet Kurbayerns. Nach dem Tod des Kurfürsten Max Joseph III. (reg. 1745-1777) Ende 1777 wurde die Herrschaft als Reichslehen vom Kaiser eingezogen und vorübergehend einem Kommissar unterstellt. 1779 erwarben die Grafen Fugger von Zinnenberg die Grafschaft Wolfstein, wobei die Gerichtsbarkeit jedoch der kurfürstlichen Regierung in Amberg übertragen wurde. Kurfürst Max Joseph IV. (reg. 1799-1825, seit 1806 als König Max Joseph I.), beendete die gesonderte Administration (Kabinettsherrschaft) und unterstellte die nun einem oberpfälzischen Amt gleichzusetzende Herrschaft 1799 der Landesdirektion in Amberg.

Quellen/Archivsituation

Die Geschichte der Wolfsteiner ruht auf einer breit gestreuten Überlieferung. Als ausgesprochener Glücksfall stellt sich die Historia Genealogica Wolfsteiniana dar, die Johann David Köler (1684-1755), Professor an der reichsstädtisch-nürnbergischen Universität Altdorf, 1726 veröffentlichte. Der Gelehrte forschte seinerzeit noch im Wolfsteinschen Familienarchiv, bot neben den umfassenden Stammtafeln eine kritische Stellungnahme zu älteren Genealogien, lieferte Urkundenabschriften und führte zahlreiche Denkmäler des Geschlechts auf. Zumindest für das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit schuf Köler eine solide Familiengeschichte. Das Wolfsteinsche Archiv ging nach dem Erlöschen des Geschlechts verloren, zumindest ein Teil der urkundlichen Überlieferung dürfte jedoch von Kurbayern gesichert worden sein: Finden sich doch im Bestand Oberpfalz Urkunden im Bayerischen Hauptstaatsarchiv noch Dokumente, die aus dem Nachlass der Wolfsteiner stammen müssen. Bereichert wird die Archivlage durch den Urkundennachlass des Klosters Seligenporten und der Landgrafen von Leuchtenberg, bedeutenden Lehnsherren der Wolfsteiner. Aufgrund der vielfachen Verflechtung des Geschlechts mit der Entwicklung der Nachbarterritorien bieten auch die erhaltenen Archive der wittelsbachischen Fürstentümer, der Hochstifte Eichstätt und Bamberg, verschiedener Klöster und auch der Reichsstadt Nürnberg einen reichen Quellenschatz.

Literatur

  • Brun Appel, Die Grabmäler derer von Wolfstein zu Sülzburg und Pyrbaum, in: Das Landlmuseum. Kleine Reihe der Arbeitsgemeinschaft Heimatmuseum Sulzbürg 10 (1980), 1-20.
  • Johann Böhm, Die ehemalige Wolfsteinische Reichsgrafschaft Sulzbürg-Pyrbaum, in: Bayerland 8 (1897), 280-282, 292-294, 304-306, 315-318, 328-332, 340f.
  • Josef Hackl, "Steine erzählen vom Mittelalter". Archäologie und Geschichte der Burg Wolfstein. Katalog zur Sonderausstellung im Stadtmuseum Neumarkt vom 12. April bis 3. September 2000, Neumarkt 2000.
  • Hanns von Hessberg, Über einige Wolfstein-Ehen des 14. Jahrhunderts, in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 8 (1956), 107-122.
  • Franz Hirscheider, Allersberg. Eine Marktgründung der Herren von Wolfstein, in: Heimatkundliche Streifzüge. Schriftenreihe des Landkreises Roth 3 (1984), 30-34.
  • Reinhard Hermann Seitz, Wolfsteiner Markt- und Stadtgründungen. Allersberg, Wolfstein, Sulzburg, Pyrbaum, in: Oberpfälzer Heimat 19 (1975), 23-40.

Quellen

  • Franz Xaver Buchner (Bearb.), Die Regesten des Klosters Seligenporten 1242-1342, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Neumarkt in der Oberpfalz und Umgebung 3 (1906), 48-66.
  • Erich Frhr. von Guttenberg, Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 6/2), Würzburg/München 1963.
  • Franz Heidingsfelder (Bearb.), Die Regesten der Bischöfe von Eichstätt bis zum Ende der Regierung des Bischofs Marquard von Hagel 1324 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 6), Erlangen 1938.
  • Theo Herzog (Bearb.), Landshuter Urkundenbuch (Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen 13), Neustadt a.d.Aisch 1963.
  • A. Koch/J. Wille (Bearb.), Regesten der Pfalzgrafen bei Rhein 1214-1518, Innsbruck 1894.
  • Günther Schuhmann/Gerhard Hirschmann (Bearb.), Urkundenregesten des Zisterzienserklosters Heilsbronn 1132-1321 (Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte 3), Würzburg 1957.
  • Andrea Schwarz (Bearb.), Die Traditionen des Klosters Prüfening (Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte. Neue Folge 39/1), München 1991.
  • Stadtarchiv Nürnberg (Bearb.), Nürnberger Urkundenbuch, Nürnberg 1959.
  • Karl Weller (Bearb.), Hohenlohisches Urkundenbuch. 1. Band (1153-1310), Stuttgart 1889.
  • Josef Widmann (Bearb.), Die Traditionen des Hochstifts Regensburg und des Klosters St. Emmeram (Quellen und Erörterungen zur bayerischen Geschichte. Neue Folge 8), München 1943.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Urkundenbestände Kurbaiern, Oberpfalz Urkunden, Gerichtsliteralien Obere und Junge Pfalz, Pfalz Neuburg Urkundenüberlieferung, Kopialbücher.
  • Staatsarchiv Amberg: Kloster Seligenporten Urkunden, Pflegamt Sulzbürg, Amt Neumarkt, Oberpf. Registraturbücher, Landgrafschaft Leuchtenberg Gerichts- und Lehenakten.
  • Staatsarchiv Nürnberg: Hochstift Eichstätt Urkunden, Eichstätter Archivalien, Spitalarchiv Allersberg.

Weiterführende Recherche

Sülzburg, Herrschaft, Pyrbaum, Herrschaft

Empfohlene Zitierweise

Robert Giersch, Wolfstein, Adelsfamilie, publiziert am 18.12.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wolfstein,_Adelsfamilie> (20.11.2018)