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Bruderschaften

Ablassbrief der Rosenkranzbruderschaft, Augsburg 1508. (Bayerische Staatsbibliothek, Einbl. VII,51 [olim Einbl. VII,15 a])
Bischöfliche Errichtungsurkunde für die Corpus-Christi-Bruderschaft in Götting (Gde. Bruckmühl, Lkr. Rosenheim) von 1703. Die Urkunde bestätigt das Stiftungsvermögen der Bruderschaft, die religiösen Übungen sowie den Anschluss an die Münchner Erzbruderschaft. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, GU Aibling 766)
Bruderschaftsbrief der Schiffsleute-Bruderschaft von Neubeuern (Lkr. Rosenheim) aus dem Jahr 1757. Der Bruderschaftsbrief zeigt Maria, die ein Boot auf dem Inn schützt, im Hintergrund Burg und Markt Neubeuern. Ziele, Satzungen und Ablässe der Bruderschaft werden beschrieben. Jedes Mitglied der Bruderschaft erhielt einen derartigen Vordruck, in dem handschriftlich seine Aufnahme vermerkt war - hier 1766 ein Adam Danner aus Aying (?) (Lkr. München). (Bayerische Staatsbibliothek, Einbl. Einbl. VII,87 a)
Prozessionsstange der Neubeurer Schiffsleutebruderschaft. (Foto: Privat)
Bruderschaftsmadonna von Ried (Markt Dinkelscherben, Lkr. Augsburg) und Bruderschaftsstäbe mit Mäntelchen. (Foto: Walter Pötzl)
Bei Prozessionen führten die Bruderschaften tragbare Figuren mit. Die beim Augustiner-Chorherrenstift Weyarn errichtete Rosenkranzbruderschaft bestellte 1764 Tragefiguren (Verkündigung und Pietà) beim Münchner Bildhauer Ignaz Günther. (Foto: Arbeitskreis Geschichte Weyarn)
Sakupuliere des 19./20. Jahrhunderts aus Hegnenbach (Gde. Altenmünster, Lkr. Augsburg). Das (kleine) Skapulier wird über die Schultern hängend getragen, so dass die Wollstoff-Stücke auf der Brust bzw. dem Rücken zum Liegen kommen. Es deutet damit das große Skapulier der Ordenstrachten an. (Foto: Walter Pötzl)
Im 19. und 20. Jahrhundert traten an die Stelle der Bruderschaftsbriefe zum Teil umfangreiche Bruderschaftsbücher. Sie enthielten, wie dieses 1900 gedruckte Büchlein der Allerseelenbruderschaft der Münchner Angerkirche, ebenfalls Aufnahmeformulare - hier von 1917. (aus: Die Liebreiche Seelenbund-Bruderschaft ... in der Kirche St. Jakob am Anger in München, München [1900], S. 4/5)

von Walter Pötzl

Kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung verschiedenen Personenkreisen offenstehen. Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache. Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung.

Begriffsbestimmung

Bruderschaften sind von der Kirche rechtskräftig errichtete Körperschaften, die - allerdings unter kirchlicher Aufsicht - ihr Eigenleben führen. Bruderschaften können allen zugänglich sein (Laienbruderschaften), bei Zunftbruderschaften ursprünglich nur den Mitgliedern der Zunft, oder nur einem Stand (Priester). Gemeinsam ist allen Bruderschaften das Totengedächtnis und (vor allem für die Mitglieder vor Ort oder in der Region) die Begehung des Begräbnisses eines Mitglieds. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum).

Die einzelnen Bruderschaften unterschieden sich durch verschiedene Zielsetzungen und Aufgaben. Unter den Bruderschaften mit vorwiegend karitativen Aufgaben ragen im Mittelalter die Elendenbruderschaften hervor, die sich besonders auch der Pilger annahmen. Rein religiöse Bruderschaften pflegten die Verehrung einer Heilstatsache (wie die Corporis Christi Bruderschaften die Verehrung des eucharistischen Sakraments) oder eines Heiligen. Marianische Bruderschaften bezogen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder traten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf. Zwei unterschiedliche Patronate des hl. Sebastian veranlassten Bruderschaften unterschiedlicher Intention (Pest und Schützenwesen).

Manche Bruderschaften erhoben auch moralische Ansprüche, die sich aus dem Patronat des Heiligen ergaben (bei Leonhardsbruderschaften z. B. die Tiere als Geschöpfe Gottes zu betrachten, bei Nepomuksbruderschaften die Ehre des Nächsten zu achten).

Quellen

Spezifische Quellen für die Bruderschaften sind in der schriftlichen Überlieferung Statuten, Aufnahmeformulare, Bruderschaftsbriefe und Mitgliederverzeichnisse. An dinglichen Quellen sind zu nennen: Kirchen, Kapellen und Altäre mit Kultfiguren, Prozessionsfiguren, Bruderschaftsstäbe, Kerzen, Fahnen und Labara (Motivbildfahnen), Kutten, Medaillen, Sacra (Skapuliere, schwarzlederne Gürtel, Sebastianspfeile).

Die Entwicklung im Mittelalter

Am Anfang stehen die Gebetsverbrüderungen des frühen Mittelalters. Nach einer Tradition aus der Mitte des 14. Jahrhunderts soll der hl. Wolfgang (Bischof von Regensburg 972-994) die acht Regensburger Bruderschaften, die einen Verband bildeten, an Klosterkirchen gegründet haben. In ihnen lebten offensichtlich die Gebetsverbrüderungen fort.

Der Unterschicht in den schnell wachsenden Städten und den Pilgern wandten sich seit dem 12. Jahrhundert die Elendenbruderschaften zu. Belege aus Bayern sind vor dem 15. Jahrhundert allerdings selten. Die bereits 1264 nachweisbare Spitalbruderschaft in Hof steht lange isoliert.

Aus Santiago de Compostela zurückkehrende Hofer Bürger gründeten 1487 eine Jakobsbruderschaft, die einige Betten für durchreisende Jakobsbrüder bereitstellte.

Zunft und Bruderschaft konnten eine enge Verbindung eingehen, dürfen aber nicht als identisch angesehen werden. Neben Handwerkerbruderschaften, denen die Meister angehörten, bestanden mancherorts auch Gesellenbruderschaften. Auch die Tagwerker, das Hofgesinde und die Schützen bildeten Bruderschaften. Die Priesterbruderschaften gewannen vor allem für den niederen Klerus Bedeutung. Im Laufe des 15. Jahrhunderts öffneten sich sowohl die Klerikerbruderschaften als auch die Handwerkerbruderschaften anderen Personen.

Das ohnedies in allen Bruderschaften gepflegte Gedenken des Todes intensivierten die im 14. Jahrhundert aufkommenden Allerseelenbruderschaften. Die eucharistische Frömmigkeit des späten Mittelalters fand ihren Ausdruck nicht nur in der Fronleichnamsprozession. Stiftungen von Engelsämtern und eucharistischen Prozessionen an den Donnerstagen des Jahres und zur Begleitung des Priesters beim Versehgang tauchten noch vor den ersten Corporis Christi Bruderschaften auf, wurden dann aber zu deren Anliegen. Zu den ältesten gehören die Bruderschaften in Dillingen an der Donau (1413), Hemau (Lkr. Regensburg) (1414) und Pfarrkirchen (Lkr. Rottal-Inn) (1418).

Gegen Ende des Mittelalters erweiterte sich das Spektrum der marianischen Bruderschaften durch die Rosenkranzbruderschaften. Kurz nach der Gründung der Kölner Rosenkranzbruderschaft im Jahre 1475 setzten auch die Bruderschaften in Bayern ein (Augsburg vor 1477, Bamberg vor 1479, Bayreuth 1480).

Einen einzigartigen Kultaufschwung erlebte im ausgehenden 15. Jahrhundert die Verehrung der hl. Anna. Die theologische Grundlage lieferte die besonders von den Franziskanern vertretene Lehre von der "Unbefleckten Empfängnis Marias", die im Fest am 8. Dezember ihren Niederschlag fand. Die liturgischen Texte des Annatages (Buch der Sprüche 31, 10-31; Mt. 13, 44-52) gaben wohl den Anlass, dass die Heilige besonders von den Kaufleuten und Gewerbetreibenden verehrt wurde. Anna-Bruderschaften entstanden in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts (Oberaudorf [Lkr. Rosenheim] und Marktl [Lkr. Altötting] 1481, Augsburg 1485) und zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

Bruderschaften waren zunächst eine Sache der Städte. Erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts drangen sie auch aufs Land vor.

Die Krise im 16. Jahrhundert

In der Reformationszeit erlebte das Bruderschaftswesen ähnliche Einbrüche wie das Wallfahrtswesen. In den katholisch gebliebenen (bzw. wieder katholisch gewordenen) Pfarreien erloschen manche Bruderschaften, andere überstanden in bescheidenen Verhältnissen die Epoche, um dann in der Barockzeit neu aufzublühen. Zu Neugründungen kam es kaum. Das 16. Jahrhundert kennt so gut wie keine neue Rosenkranzbruderschaft. Zwischen 1527 (Augsburg) und 1609 (Wemding [Lkr. Donau-Ries]) lässt sich keine neue Dreifaltigkeitsbruderschaft ausmachen. Im Jahre 1484 wurde die Corpus-Christi-Bruderschaft in Wasserburg (Lkr. Rosenheim) errichtet, aber erst vor 1600 eine gleichnamige Gemeinschaft in Greding (Lkr. Roth). Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den anderen Bruderschaften.

Die Bruderschaften der Barockzeit

Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Jetzt erfasste das Bruderschaftswesen auch voll die Pfarrkirchen und die Wallfahrtskirchen auf dem Land. Im Bistum Eichstätt z. B. wurden in 67 Landpfarreien 75 Bruderschaften errichtet. Schwächer war das Bruderschaftswesen im Umfeld der Städte ausgebildet. In den großen Städten drängten sich mitunter fast so viele Bruderschaften wie in einem Landkapitel oder Dekanat (Augsburg: 24 Bruderschaften, Landkapitel Schwabmünchen 27 Bruderschaften in 24 Pfarreien). Nicht jede Bruderschaft, die errichtet wurde, hatte Bestand. Manche brachten es nur auf einige Hundert Mitglieder, andere gingen infolge örtlicher Konkurrenz wieder ein. In die Maria-Hilf-Bruderschaft in Passau ließen sich zwischen 1630 und 1705 etwa 30.000 Personen aufnehmen. Sie wurde noch von der Maria-Hilf-Bruderschaft in St. Peter in München übertroffen, die 1689 - sechs Jahre nach ihrer Gründung - über 150.000 Mitglieder zählte.

Besonders stark vermehrten sich die Corporis-Christi-Bruderschaften, denen die Bruderschaften des heiligsten Altarsakramentes und des heiligsten Fronleichnams verwandt waren. Sie veranstalteten in der Regel die immer prächtiger werdenden Fronleichnamsprozessionen. Dem Leiden Christi wandten sich die Fünf-Wunden-Bruderschaften und die Todesangst-Christi-Bruderschaften zu. Zu den christologischen Bruderschaften gehören auch die Namen-Jesu-Bruderschaften und die Herz-Jesu-Bruderschaften, die vor allem nach dem Tod der französischen Mystikerin Marguerite Marie Alacoque (1647-1690) entstanden. Auf die heilige Familie erweiterte sich das Spektrum in den Jesus-Maria-Joseph-Bruderschaften.

Ähnlich stark wie die Corporis-Christi-Bruderschaften wuchsen die Rosenkranzbruderschaften. Neben ihnen waren die verschiedenen Skapulierbruderschaften die häufigsten marianischen Bruderschaften. Die Verehrung insbesondere der sieben Schmerzen, mitunter auch der sieben Freuden Marias in Bruderschaften entsprach auch sonst beliebten Andachtsformen. Maria-Hilf-Bruderschaften entstanden insbesondere in Altbayern und in der Oberpfalz. Häufig waren auch die Bruderschaften "Maria vom guten Rat", die Kopien des Gnadenbildes in Genazzano (Italien) verehrten. Daneben gab es auch Titel, die nicht so häufig oder gar nur vereinzelt vorkamen, wie Maria Trost, Maria unbefleckte Empfängnis, Maria vom Siege (Ingolstadt 1613).

Die Intensität der Anna-Bruderschaften setzte sich in der Barockzeit fort. Josephsbruderschaften wandten sich entsprechend dem Trost-Bild der Barockzeit, das den sterbenden Joseph, an dessen Bett Christus steht, zeigt, insbesondere den Sterbenden zu.

Das Spektrum der Bruderschaften, in deren Mittelpunkt die Verehrung eines Heiligen stand, fällt breit aus. Oft sind es Kirchen- oder Standespatrone (z. B. Leonhard, Wendelin oder Isidor bei den Bauern), denen die Verehrung galt. Unter der Bedrohung der Pest entstanden zahlreiche Sebastiansbruderschaften. Von der Kultgeschichte her zählten die Heiligen Joseph, Antonius von Padua (1195-1231) und Johannes Nepomuk (ca. 1350-1393), der seit 1721 (Seligsprechung) eine außergewöhnliche Kultintensität entwickelte, zu den neuen Heiligen der Barockzeit. Der Zeit selbst entstammte der heilige Franz Xaver (1506-1552), der entsprechend der häufigen Darstellung des Heiligen als Sterbender auch als Sterbepatron angerufen wurde. Dem Sterben widmeten sich besonders die Gut-Tod-Bruderschaften, in denen weitere Sterbepatrone wie die Heiligen Michael (1591-1625), Benedikt und Barbara verehrt wurden. Den Verstorbenen wandten sich besonders die Arme-Seelen-Bruderschaften zu, die zwar schon im späten Mittelalter vorkamen, sich in der Barockzeit aber deutlich häuften. Infolge seines Martyriums wurde von ihnen besonders der hl. Laurentius verehrt.

Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Dazu zählten die Feier von Titularfest und Jahrtag, der Gottesdienstbesuch an bestimmten Tagen - oft nach Beichte und Kommunion -, die Verrichtung bestimmter Andachten, die Teilnahme an Gebetsstunden und Versammlungen sowie tägliche Gebetsleistungen. Die Teilnahme an Leichenbegängnissen von Mitgliedern galt als selbstverständlich. Das Totengedächtnis wurde entsprechend den Wurzeln des Bruderschaftswesens in den frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen zur zentralen Aktion aller Bruderschaften.

Manche Satzungen erhoben auch moralische Ansprüche. So wurden die Mitglieder der Herz-Jesu-Bruderschaften aufgefordert, Hass und Feindschaft gegen die Mitmenschen aus ihren Herzen zu verbannen. Die Mitglieder der Johannes-Nepomuk-Bruderschaften sollten sich bemühen, die Ehre und den guten Ruf der Mitmenschen zu achten. Die Arme-Seelen-Bruderschaft in Eggenthal (Lkr. Ostallgäu) mahnte die Hausväter, ihre Untergebenen von unkeuschen Reden und vom Gotteslästern abzuhalten. Die Mitglieder der Bruderschaft des Gegeißelten Heiland auf der Wies sollten sich aller Leichtfertigkeiten enthalten und den Nächsten von leichtfertigen Tänzen, gefährlichen Zusammenkünften, üppigen Schauspielen, Gesängen, Gesprächen, verführerischen Liebesgeschichten und anderen unehrlichen Büchern abhalten. Die Leonhardsbruderschaft in Gabelbachergreut (Lkr. Augsburg) forderte nicht nur den respektvollen Umgang mit den Tieren, sondern auch, armen Leuten (und dem Pfarrer) mit dem Fuhrwerk auszuhelfen. Die Mitglieder der Bruderschaft der unbefleckten Empfängnis Mariä in Leitershofen (Lkr. Augsburg) wurden aufgerufen, Arme zu beherbergen.

In der Öffentlichkeit waren die Bruderschaften nicht nur in ihren eigenen Festen präsent. Sie prägten die allgemeinen Prozessionen, insbesondere die Fronleichnamsprozession. In Zusmarshausen (Lkr. Augsburg) lagen Karfreitagsprozession und Passionsspiel in den Händen der Corporis-Christi-Bruderschaft.

Der Niedergang des Bruderschaftswesens

Die barocke Pracht der Bruderschaften war wie die Volksfrömmigkeit überhaupt der Kritik der Aufklärung ausgesetzt. Mit dem Konkordat von 1817/21 setzte aber auch die kirchliche Erneuerung ein, die eine Vertiefung und Verinnerlichung des Glaubens anstrebte. Der Augsburger Bischof Ignaz Albert von Riegg (reg. 1824-1836) befasste sich intensiver mit den Bruderschaften und gab 1828 richtungweisende Verordnungen heraus. Grundsätzlich sah er in den Bruderschaften ein Erziehungs- und Bildungsmittel für das Volk; der Klerus sollte aber abschaffen, was nicht der Erbauung diente. In jeder Pfarrei sollte es künftig nur eine Bruderschaft geben, deren Geschicke ein Bruderschaftsrat bestimmen sollte. Dessen weiblichen Mitgliedern oblag die sittliche Erziehung der Töchter und Dienstmägde. Die Diözesanbeschreibungen des 19. Jahrhunderts zeigen den kontinuierlichen Fortbestand der Bruderschaften. Es wurden vereinzelt sogar neue Bruderschaften gegründet, doch die Intensität des Bruderschaftslebens schwand.

Viele Bruderschaften bestanden noch lange (z. T. bis heute) auf dem Papier fort. Nur wenige führen noch heute ein aktives Bruderschaftsleben. Dazu gehören u. a. die Sebastiansbruderschaften (dort, wo die Sebastiani-Oktav gepflegt wird, wie in Großaitingen [Lkr. Augsburg]).

Die Bruderschaften hatten Konkurrenz bekommen. Die Marianische Kongregation trat aus dem schulisch-akademischen Bereich heraus und etablierte sich auch auf dem Land. Mitunter lebten in ihr marianische Bruderschaften fort. Die Dritten Orden (für Weltleute) fanden Verbreitung. Sozial-karitative Aufgaben übernahmen auch die verschiedenen Vereine, von denen sich der Ludwig-Missionsverein und der Kindheit-Jesu-Verein den Missionsgebieten zuwandten.

Literatur

  • Egid Börner, Dritter Orden und Bruderschaften der Franziskaner in Kurbayern (Franziskanische Forschungen 33), Werl/Westfalen 1988.
  • Robert Ebner, Charakteristika des fränkischen Bruderschaftswesens im Barock, in: Dieter J. Weiß (Hg.), Barock in Franken (Bayreuther historische Kolloquien 17), Dettelbach 2004, 255-269.
  • Robert Ebner, Todesangst-Christi-Bruderschaften oder Bruderschaften vom guten Tod in Franken. Eine Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Bruderschaft in Nürnberg, in: Bayerische Blätter für Volkskunde N. F. 7 = 32 (2006), 1/2, 45-66.
  • Gerhard Hölzle, Der guete Tod. Vom Sterben und Tod in Bruderschaften der Diözese Augsburg und Altbaierns (Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte. Sonderreihe 4), Augsburg 1999.
  • Peter Johannek (Hg.), Einungen und Bruderschaften in der spätmittelalterlichen Stadt (Städteforschung A 32), Köln 1993.
  • Rupert Klieber, Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient. Ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburgs (1600-1950), Frankfurt am Main 1999.
  • Anton Lichtenstern, 550 Jahre Bauernbruderschaft Landsberg am Lech. 1452-2002, Landsberg 2002.
  • Georg May, Die Bruderschaften im Recht der Kirche, in: Paul Mai/Karl Hausberger (Hg.), Die Priesterbruderschaft St. Salvator zu Straubing (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg. Beiheft 11), Regensburg 2001, 1- 23
  • Walter Pötzl, Der Landkreis Augsburg. 5. Band. Kirchengeschichte und Volksfrömmigkeit, Augsburg 1994, 224-245, 348-352.
  • Walter Pötzl, Volksfrömmigkeit, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 1. Band: Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit. 2. Teil: Das kirchliche Leben, Sankt Ottilien 1998, 995-1078.
  • Walter Pötzl, Volksfrömmigkeit, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 3. Band: Vom Reichsdeputationshauptschluß bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, Sankt Ottilien 1993, 809-844.
  • Walter Pötzl, Volksfrömmigkeit, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 2. Band: Von der Glaubensspaltung zur Säkularisation, Sankt Ottilien 1993, 871-961.
  • Ludwig Remling, Bruderschaften in Franken. Kirchen- und sozialgeschichtliche Untersuchungen zum spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bruderschaftswesen im alten Bistum Würzburg (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg 35), Würzburg 1985.
  • Werner Scharrer, "Catholisch ist gut sterben": Kirchliche Laienbruderschaften im Bistum Bamberg, in: Luitgar Göller (Hg.), 1000 Jahre Bistum Bamberg 1007-2007. Unterm Sternenmantel. Katalog der Jubiläumsausstellung, Petersberg 2007, 311-323.

Quellen

  • Josef Krettner/Thomas Finkenstädt (Bearb.), Erster Katalog von Bruderschaften in Bayern (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte 6), München 1980.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Walter Pötzl, Bruderschaften, publiziert am 21.02.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bruderschaften> (21.09.2018)