FC Bayern München

Logo des FC Bayern München. (Archiv des FC Bayern München)

von Daniel Baumann

1900 ging aus dem "Männerturnverein München 1879" der Fußballverein "FC Bayern München" hervor. Als elitärer "Studentenclub" galt der FC Bayern in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg als liberal; aus dem Ausland verpflichtete Trainer führten den Verein zu seinen ersten sportlichen Erfolgen, so 1932 zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Die zahlreichen jüdischen Mitglieder und Funktionäre des FC Bayern mussten sich in der NS-Zeit zurückziehen, in der der Verein weithin erfolglos war. Erst in der Nachkriegszeit gelang es dem FC Bayern, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen. Seit den 1960er Jahren gewann der Verein wiederholt Pokale und Meisterschaften auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene und stieg zu einem der sportlich und wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballvereine weltweit auf.

Von der Gründung bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

Die Gründungsurkunde des FC Bayern aus dem Jahre 1900. (Archiv des FC Bayern München)
Kurt Landauer (1884-1961) in Genf, ca. 1943. Landauer war am 17. Mai 1939 in die Schweiz emigriert. Anfang Juni 1947 kehrte er nach München zurück. (Veröffentlichung mit Genehmigung von Uri Siegel)

Am 27. Februar 1900 traten unter der Führung von Franz John (1872-1952) elf Fußballer aus dem "Männerturnverein München von 1879" (MTV 1879) aus, nachdem der Verein den Beitritt der 1897 gegründeten Fußballabteilung zum Süddeutschen Fußball-Verband abgelehnt hatte. Im Gasthaus Gisela an der Fürstenstraße gründeten sie einen eigenen Fußballverein, den FC Bayern (FCB). Als Clubfarben wurden die Farben "Weiß-Blau" gewählt.

Die Gründung war wesentlich dem jüdischen Fußballenthusiasten und Funktionär Gustav Manning (1874-1953) zu verdanken. Manning, der als Medizinstudent in Freiburg (Baden-Württemberg) den dortigen Fußball-Club gegründet hatte, war auch an der Entstehung des Süddeutschen Fußball-Verbands beteiligt, als dessen Vertreter er nicht nur an der Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds in Leipzig (Sachsen) teilnahm, sondern auch den Austritt der Bayern aus dem MTV unterstützte. Unter den 17 Gründungsmitgliedern des FC Bayern waren zwei weitere Fußballer jüdischer Herkunft, Josef Pollack (1880-1958) und Benno Elkan (1877-1960), später ein bekannter Bildhauer. Jüdische Mitglieder sollten auch die weitere Entwicklung des Vereins bis 1933 entscheidend prägen. So holte der Club unter seinem jüdischen Präsidenten Kurt Landauer (1884-1961) und dem österreich-ungarischen Trainer Richard "Little Dombi" Kohn (1888-1963) 1932 seine erste Deutsche Meisterschaft. Auf Grund dieser prominenten Rolle jüdischer Vereinsmitglieder wurde der FCB während der NS-Herrschaft als "Judenclub" diskreditiert.

Zunächst stellte die Stadt München dem Verein die Schyrenwiese an der Wittelsbacherbrücke als Spielfeld zur Verfügung. Aber schon 1901 erhielt der FCB von seinem ersten Mäzen, dem Kochherd- und Ofenfabrikanten Friedrich Wamsler sen., ein umzäuntes Grundstück an der Clemensstraße in Schwabing, das seine Heimat wurde.

Das erste Spiel des neu gegründeten Vereins war vermutlich ein 5:2 im März 1900 gegen den "1. Münchner FC 1896" auf der Schyrenwiese. Unstrittig ist der Sieger des ersten Derbys zwischen dem FCB und dem späteren Stadtrivalen TSV München von 1860: Die Bayern entschieden das Spiel am 21. September 1902 mit 3:0 klar für sich.

Am 1. Januar 1906 fusionierte der Verein mit dem größten Münchner Sportverein, dem "Münchener Sport-Club" (MSC). Der finanzstarke MSC eröffnete den Bayern neue Möglichkeiten. Erstmals konnten prominente auswärtige Mannschaften eingeladen werden, um im sportlichen Wettkampf die eigenen fußballerischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Die Bayern konnten sich zwar im MSC ein hohes Maß an Eigenständigkeit bewahren, mussten aber ihre Spielkleidung dem Sport-Club anpassen. Die Spieler trugen nun weiße Hemden und rote Hosen und wurden daher die "Roten" oder "Rothosen" genannt. Die Clubfarben des FC Bayern sind seitdem Rot-Weiß. Spielstätte war zunächst ein Platz an der Karl-Theodor-Straße, ab September 1907 ein Platz an der äußeren Leopoldstraße.

Die Mitgliederstruktur des FC Bayern war zunächst von Studenten, Künstlern, Kaufleuten und Selbständigen geprägt. Das war unter anderem der Heimat Schwabing geschuldet, dem Münchner Intellektuellen- und Künstlerviertel. Auch der Verein selbst förderte den bürgerlich-elitären Charakter. So sahen die Vereinsstatuten bis 1908 vor, dass allein "Einjährig-Freiwillige" beitreten konnten, also Männer mit einem höheren Schulabschluss, der es ihnen erlaubte, den Militärdienst freiwillig nur ein Jahr in einem selbst gewählten Regiment abzuleisten. Der FC Bayern erwarb sich daher den Ruf eines elitären "Studentenclubs". Zugleich galt er als liberaler und offener Verein, der Fußballer gleich welcher Nationalität, Religion oder Weltanschauung aufnahm.

Der Verein entwickelte bis zum Ersten Weltkrieg vergleichsweise moderne Strukturen. Ein eigener Sportausschuss widmete sich den Verwaltungsaufgaben und entband die Spieler von Funktionärstätigkeiten. Die Bayern suchten ambitioniert Anschluss an den internationalen Fußball. Sie spielten nicht nur gegen ausländische Mannschaften und gingen auf Auslandsreisen, sondern setzten bald auch ausnahmslos auf Übungsleiter aus Großbritannien, dem Mutterland des Fußballs, wo das Spiel in taktischer und spielerischer Hinsicht am weitesten entwickelt war. Der erste in einer Reihe von Trainern aus Großbritannien war Thomas Taylor in der Saison 1907/08. Erster hauptamtlicher Übungsleiter wurde 1911 der Engländer Charles Griffiths (geb. 1882). Erste Erfolge waren die Ostkreismeisterschaft 1909/10 unter dem englischen Trainer Dr. George Hoer und die Verteidigung dieses Titels 1910/11.

In der Saison 1910/11 gelang unter dem englischen Trainer Dr. George Hoer die Verteidigung der Ostkreismeisterschaft. Mannschaftsfoto des Ostkreismeisters 1911. (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-ALB-030-70)

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war Kurt Landauer, der 1913 das Amt von Dr. Angelo Knorr (1882-1932) übernommen hatte, Präsident des Vereins. Knorr war wegen einer homosexuellen Affäre und deren bevorstehender strafrechtlicher Verfolgung zurückgetreten. Landauer und annähernd der gesamte Vorstand und Sportausschuss sowie zwei Drittel aller Mitglieder des Vereins wurden im Sommer 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Der Spielbetrieb kam daraufhin fast vollständig zum Erliegen, bis sich im November 1914 ein Kriegsausschuss konstituierte, der es dem Verein ermöglichte, in den folgenden Kriegsjahren an den Meisterschaften teilzunehmen. Bis Kriegsende waren 61 Vereinsmitglieder gefallen.

Fußballspiel der Fußballabteilung Bayern gegen den T.u.S.V. 1860 auf dem Bayernplatz an der Leopoldstraße am 28.11.1915. 1906 schloss sich der 1900 gegründete FC Bayern vorübergehend dem Münchner Sport-Club an und spielte als "Fußballabteilung (FA) Bayern". (Stadtarchiv München, FS-ALB-030-28)

Vom Neubeginn 1919 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Im Januar 1919 übernahm Landauer erneut das Präsidentenamt und übte es mit einer einjährigen Unterbrechung im Jahr 1921 bis 1933 aus. Im Frühjahr 1919 trennte sich der FC Bayern vom MSC, der während des Ersten Weltkriegs weitgehend zusammengebrochen war, und fusionierte mit dem "Turnverein Jahn", dem größten bayerischen Turnverein, zum Turn- und Sportverein (TuSpV) München. Nur vier Jahre später folgte die Trennung, nachdem die Fußballer den von den Turnern versprochenen Sportplatz nicht erhalten hatten. Der FCB war damit erstmals seit 1906 wieder unabhängig. Es fehlte aber weiterhin eine Spielstätte, die dem Besucherandrang bei wichtigen Spielen gerecht wurde. Ab der Saison 1925/26 nutzte der FCB das Stadion des Lokalrivalen TSV München von 1860 an der Grünwalder Straße. Die Vereinsgeschäftsstelle lag bis 1932 in der Dienerstraße 10.

Spiel der "Rothosen" gegen den MTK Budapest (am 27. Juli 1919) im MTV-Stadion an der Marbachstraße (Endstand 1:7); Peter Szabo am Ball. Foto von Gerhard Graeber. (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-ALB-030-14)


Präsidenten bis 1919
Name Lebensdaten Amtszeit
Franz John 1872-1952 1900-1903
Dr. Willem Hesselink 1878-1973 1903-1906
Dr. Angelo Knorr 1882-1950 1906-1907
Dr. Kurt Müller 1907-1908
Dr. Angelo Knorr 1882-1950 1908-1909
Otto Wagner 1909-1910
Dr. Angelo Knorr 1882-1950 1910-1913
Kurt Landauer 1884-1961 1913-1914
Fred Dunn 1914-1915
Hans Tusch 1915
Fritz Meier 1915
Hans Bermühler 1916
Fritz Meier 1916-1919
Trainer bis 1921
Name Lebensdaten Amtszeit Nationalität Titel
Dr. Willem Hesselink 1878-1973 1902-1905 Niederlande
Thomas Taylor 1906-1909
Dr. George Hoer 1909-1911 England Ostkreismeister 1909/10, 1910/11
Charles Griffiths geb. 1882 1911-1912 England
William James Townley 1866-1950 1913-1921 England

Unter Kurt Landauer entwickelte sich der Verein zu einer der ersten Adressen im deutschen Fußball. Er setzte konsequent auf Jugendförderung und auf das überlegene Fußballwissen internationaler Trainer, ab Beginn der 1920er Jahre vermehrt auf Vertreter des modernen "Donaufußballs" aus Ungarn und Österreich, wie Izidor "Dori" Kürschner (1885-1941), Leo Weisz (1900-1955), Kalman Konrad (1896-1980) und Richard Kohn (1888-1963). Höhepunkt dieser sportlichen Entwicklung war die Deutsche Meisterschaft in der Saison 1931/32 nach einem 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt im Endspiel am 12. Juni 1932 in Nürnberg. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten fand diese Entwicklung aber ein jähes Ende.

1932 gewann der FC Bayern München zum ersten Mal die Deutsche Meisterschaft. (Foto: Archiv des FC Bayern München)
1932: Empfang des Deutschen Meisters FC Bayern in München, Fußballspieler mit Lorbeerkränzen. V.l.n.r.: Ludwig Goldbrunner, Josef Bergmaier, Josef Lechler. Foto von Heinz W. Valérien (1900-1939). (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-ERG-P-0155)

Es gibt Hinweise darauf, dass schon bald nach der Ernennung Adolf Hitlers (NSDAP, 1889-1945, Reichskanzler 1933-1945) zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 mit der Ausgrenzung jüdischer Mitglieder und Funktionäre im Verein begonnen wurde. Kurt Landauer legte am 22. März 1933 sein Amt als Präsident nieder. Ihm folgte unter anderem Otto Beer (1891-1941), der viele Jahre für die Jugendarbeit des Vereins verantwortlich gewesen war. Nicht einmal einen Monat später, am 9. April 1933, unterzeichnete der Verein zudem eine Erklärung des Süddeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes (SFLV), in der die Entfernung von Juden aus den Vereinen propagiert wurde. Knapp zwei Jahre später, am 27. März 1935, nahm der Verein in seine Satzung erstmals einen Paragraphen auf, wonach Personen "nichtarischer" Abstammung keine Mitglieder des Vereins sein konnten. Ein halbes Jahr später wurde dieser "Arierparagraph" noch verschärft, indem alle Ausnahmeregelungen aufgehoben wurden, die zum Beispiel "nichtarischen" Frontkämpfern den Verbleib im Verein ermöglicht hatten.

Daneben gibt es aber berechtigte Zweifel an einer raschen, widerstandslosen Übernahme des Vereins durch die Nationalsozialisten. So wurde der jüdische Trainer Richard Kohn noch im Sommer 1933 Vereinsmitglied. Er reiste zudem noch im Juni 1933 mit der Mannschaft nach Italien, ehe er im Anschluss in die Schweiz ging. Kurt Landauer sollte gemäß einer Ankündigung der Club-Nachrichten, der offiziellen Zeitung des Vereins, im Juni 1934 die Silberne Ehrennadel verliehen bekommen. Landauer und weitere jüdische Mitglieder waren zudem noch 1934 im sogenannten Ältestenrat vertreten, einem die Vereinsführung beratenden Gremium. Auch in den nächsten zwei Jahren scheint der Ausschluss aller "Nichtarier" vom Vereinsleben nicht vollständig gelungen zu sein. So beschwerte sich in der November-Ausgabe der Club-Nachrichten 1936 der sogenannte Dietwart, also der Beauftragte im Verein für die nationalsozialistische Umschulung, über den schädlichen Einfluss und die Anwesenheit von Angehörigen "menschenunwürdiger Stämme und Rassen" auf dem Vereins-Stammtisch.

Umstritten bleibt auch die Nähe und Distanz der Vereinspräsidenten zu den Spitzen der NSDAP und der gleichgeschalteten Stadtverwaltung. So war der Arzt Dr. Richard Amesmeier, der zwischen Juli 1935 und November 1937 den Vereinsvorsitz inne hatte, zwar seit 1933 Mitglied der NSDAP und der SA, trat aber 1939 wieder aus der SA aus. Zuletzt sind sogar Zweifel über die Regimetreue des letzten Vereinsführers während der NS-Zeit, Josef Sauter, aufgetaucht, der bisher als Präsident mit den engsten Verbindungen zu den Nationalsozialisten galt. So fungierte Sauter, der nie in die NSDAP eintrat, in mindestens einem Verfahren nach 1945 als Vorsitzender einer Spruchkammer für Entnazifizierungsprozesse in Günzburg.

Der FC Bayern war offenbar weder ein Hort des aktiven Widerstands gegen das NS-Regime, noch ein linientreuer, stramm nationalsozialistischer Vorzeigeverein. Vielmehr scheinen schon vor 1933 unterschiedliche Gruppierungen um die Vorherrschaft im Verein gerungen zu haben, darunter eine nationalsozialistische Fraktion, die zunächst in der 1925 gegründeten Skiabteilung des Vereins stark vertreten war. Erst allmählich, gegen Widerstände, gewann sie an Einfluss im Verein, als sie die Clubzeitung übernahm und die Dietwarte stellte, ohne den Verein aber bis 1945 gänzlich übernehmen und in ihrem Sinne zu einem NS-Verein umgestalten zu können.

Festzuhalten bleibt zudem, dass mit der nationalsozialistischen Machtergreifung auch der sportliche Niedergang des Vereins einsetzte. Der Club konnte im Dritten Reich zu keiner Zeit an seinen Erfolg von 1932 anknüpfen. Der Verein kämpfte zudem nach 1933 mit einem stetigen Schwund an Mitgliedern. So sank die Mitgliederzahl von 1389 im Jahr 1932 auf unter 900 im Jahr 1936.

Zu Kriegsende war die Geschäftsstelle des Vereins in der Weinstraße 14 zerstört; viele Mitglieder waren an der Front oder im Luftkrieg umgekommen. Die Vereinschronik von 1950 zählt 56 gefallene Mitglieder, darunter die bekannten Ligaspieler Franz Krumm (1909-1943) und Josef Bergmaier (1909-1943). Vermutlich waren es einige mehr.

Jüdische Vereinsmitglieder waren zudem den Verbrechen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Otto Beer sowie Siegfried Sundheimer wurden im November 1941 nach Litauen deportiert und dort ermordet. Ein ähnliches Schicksal erlitt Bertold Koppel, der mit seiner Familie nach Piaski (Polen) verschleppt und dort ermordet wurde. Franz und Leo Landauer, Brüder des ehemaligen Präsidenten Kurt Landauer, starben in Konzentrationslagern, Franz Landauer am 10. Juli 1943 im KZ Westerbork (Niederlande), Leo Landauer nach seiner Deportation am 13. Juni 1942 im KZ Majdanek (Polen). Der Apotheker Willy Buisson, vermutlich der einzige Nicht-Jude unter den NS-Opfern im Verein, wurde am 27. April 1940 als Widerstandskämpfer vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 6. September 1940 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Präsidenten 1919-1945
Name Lebensdaten Amtszeit
Kurt Landauer 1884-1961 1919-1921
Fred Dunn 1921-1922
Kurt Landauer 1884-1961 1922-1933
Siegfried Herrmann 1886-1971 1933-1934
Dr. Karl-Heinz Oettinger 1934-1935
Dr. Richard Amesmeier 1935-1937
Franz Nußhardt 1937-1938
Dr. Franz Kellner 1938-1943
Josef Sauter 1943-1945
Trainer 1921-1945
Name Lebensdaten Amtszeit Nationalität Titel
Izidor "Dori" Kürschner 1885-1941 1921-1922 Ungarn
Leo Weisz 1900-1955 1926-1928 Ungarn Süddeutscher Meister 1927/28
Kálmán Konrád 1896-1980 1928-1930 Ungarn
Richard "Little Dombi" Kohn 1888-1963 1930-1933 Österreich Deutscher Meister 1932
Hans Tauchert 1904-1958 1933-1934 Deutschland
Ludwig "Wiggerl" Hofmann 1900-1935 1934-1935 Deutschland
Dr. Richard Michalke 1936-1937
Heinrich "Heinz" Körner (geb. Heinrich Krczal) 1893-1961 1937-1938 Österreich
Ludwig "Lutte" Goldbrunner 1908-1981 1938-1943 Deutschland
Konrad "Conny" Heidkamp 1905-1994 1943-1945 Deutschland


Vom Neuanfang 1945 bis in die Gegenwart

Trotz zurückhaltender Spielgenehmigungen der Alliierten nahm der Verein schon bald nach Kriegsende den Spielbetrieb wieder auf. Zunächst nutzte er den Platz der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank in der Grünwalder Straße. 1948 übertrug das städtische Amt für Leibesübungen dem Verein einen Teil der Spielplätze an der Säbener Straße. Am 19. August 1947 wurde der aus dem Schweizer Exil zurückgekehrte Kurt Landauer erneut zum Präsidenten gewählt. Mit Landauer an der Spitze, der politisch unbelastet war und zudem über gute Verbindungen zum Münchner Oberbürgermeister Karl Scharnagl (CSU, 1881-1963, Oberbürgermeister 1925-1933, 1945-1948) verfügte, hatte der Verein bei seinem Neustart mit weniger Widerständen zu kämpfen als der politisch diskreditierte Rivale TSV München von 1860.

Am 4. November 1945 startete die neu gegründete Oberliga Süd, zu deren Gründungsmitgliedern der FCB gehörte. 1955 stieg der Verein in die 2. Liga ab, doch schon in der darauffolgenden Saison gelang der Wiederaufstieg. Größter Erfolg war der erstmalige Gewinn des Deutschen Vereinspokals 1957.

Obwohl der Fußball der Identitätskern blieb, erweiterte der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg sein sportliches Angebot. 1945 wurde eine Abteilung für Handball, 1946 eine für Basketball und eine für Tischtennis gegründet. Während die 1922 gegründete Rugby-Abteilung nach dem Krieg ihren Spielbetrieb nicht wieder aufnehmen konnte, wurde die 1945 aufgelöste Skiabteilung 1949 wieder gegründet. 1955 wurde sie aber endgültig aufgelöst. Von noch kürzerer Lebensdauer war die Eishockeyabteilung, die zwischen 1966 und 1969 bestand.

Nachdem der Verein in der Saison 1958/59 vor der Zahlungsunfähigkeit stand, gelang ihm unter seinem Präsidenten Roland Endler (1913-2003) in den folgenden Jahren die finanzielle Konsolidierung. Der 1962 zum Präsidenten gewählte Wilhelm Neudecker (1913-1993, Präsident 1962-1979) setzte die Modernisierung fort. Er schuf eine professionelle Führungsstruktur, indem er unter anderem den ehrenamtlichen Spielausschussvorsitzenden durch einen dotierten Technischen Direktor ersetzte. Dieser hauptamtliche Manager war für das operative Geschäft, insbesondere für die Personalpolitik des Vereins verantwortlich.

Empfang des Pokalsiegers FC Bayern auf dem Marienplatz in München am 6. Juni 1966; im Vordergrund Franz Beckenbauer (geb. 1945). Foto von Rudi Dix (1924-1995). (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NL-RD-0914N19)
Der Fußball-Bundesligist FC Bayern München feiert am 7. Juni 1969 den Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Saison 1968/1969. Die Bayern-Spieler feiern nach dem Spiel gegen Hannover 96 mit der Schale in der Hand. (Foto: dpa Picture-Alliance GmbH)


Trotz hohen Zuschauerzuspruchs und guter Ergebnisse in der Oberliga Süd zu Beginn der 1960er Jahre gehörte der FCB nicht zu den 16 Gründungsmitgliedern der 1963 startenden Bundesliga. Dem Deutschen Fußballbund (DFB) war daran gelegen, dass alle Regionen der Bundesrepublik in der neuen Liga vertreten waren. Mit dem TSV 1860 als süddeutschem Meister war schon ein Verein aus München nominiert.

Bereits in der Saison 1964/65 gelang den Bayern, die konsequent auf die Förderung junger regionaler Talente wie Franz "Der Kaiser" Beckenbauer (geb. 1945) oder Gerd "Der Bomber der Nation" Müller (geb. 1945) setzten, der Aufstieg in die Bundesliga.

Die junge Mannschaft konnte bald erste Erfolge feiern. 1966 gewann sie den DFB-Pokal, den sie 1967 verteidigte. 1967 war der Verein auch erstmals international erfolgreich mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. 1969 gewann er die zweite Deutsche Meisterschaft nach 1932. Der gleichzeitige Gewinn des DFB-Pokals bedeutete das erste "Double" der Vereinsgeschichte. Unter dem Trainer Udo Lattek (1935-2015) begann für die Bayern die bislang erfolgreichste Ära mit dem erstmaligen Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1974. In den beiden darauffolgenden Jahren konnten sie unter Trainer Dettmar Cramer (1925-2015) diesen Erfolg wiederholen. 1976 gelang ihnen auch erstmals der Gewinn des Weltpokals.


Ende der 1970er Jahre wurde der autoritäre Führungsstil Neudeckers zunehmend als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Nach einer Spielerrevolte gegen die von ihm forcierte Verpflichtung von Max Merkel (1918-2006) als Trainer trat er 1979 als Präsident zurück. Zuvor hatte er den erst 27-jährigen Ulrich "Uli" Hoeneß (geb. 1952) als Nachfolger des seit 1966 amtierenden Robert Schwan (1921-2002) zum Manager ernannt. Daneben erfolgte auch ein Umbruch innerhalb der Mannschaft. Verdiente Spieler verließen den FCB, wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller, die zu Vereinen in die Northern American Soccer League (NASL) wechselten, oder beendeten ihre aktive Karriere, wie Josef "Sepp" Maier (geb. 1944).

1980 konnte der Verein erstmals seit 1974 wieder die deutsche Meisterschaft gewinnen. Es folgte eine Phase nationaler Dominanz. Bis 1990 wurde der FCB sechsmal Deutscher Meister und dreimal DFB-Pokalsieger. Erfolge auf internationaler Bühne aber blieben aus.

Die 1990er Jahre zeichneten sich durch viele Trainerwechsel, eine hohe Spielerfluktuation und eine fehlende strategische Personalplanung aus. Es waren daher vergleichsweise erfolglose Jahre: 1994 und 1997 Deutscher Meister, 1998 DFB-Pokalsieger und 1996 UEFA-Cup-Sieger. Bezeichnend für diese Periode waren die in der Öffentlichkeit ausgetragenen Konflikte der Spieler, Trainer und Repräsentanten des Vereins, die ihm den Beinamen "FC Hollywood" einbrachten. Große mediale Aufmerksamkeit erfuhr etwa die von Lothar Matthäus (geb. 1961) über die Bild-Zeitung ausgetragene Auseinandersetzung mit Jürgen Klinsmann (geb. 1964) oder die berühmte Wutrede von Trainer Giovanni Trapattoni (geb. 1939) 1998 ("Was erlauben Strunz"; "schwach wie eine Flasche leer"; "Ich habe fertig").

Mit der Verpflichtung von Ottmar Hitzfeld (geb. 1949) als Trainer begann 1998 erneut eine Serie nationaler Erfolge: Unter ihm und seinen Nachfolgern Felix Magath (geb. 1953), Louis van Gaal (geb. 1951), Jupp Heynckes (geb. 1954) und Josep "Pep" Guardiola (geb. 1971) holte der FCB zwischen 1999 und 2016 zwölfmal die Deutsche Meisterschaft und wurde neunmal DFB-Pokalsieger. Auch internationale Erfolge stellten sich wieder ein: Nach dem dramatischen Scheitern im Finale 1999 gegen Manchester United gewann der FCB 2001 die Champions-League. 2013 erlebte der Verein unter Trainer Jupp Heynckes einen sportlichen Höhepunkt mit dem erstmaligen Gewinn des sogenannten "Triples" aus Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und der Champions League.

Präsidenten seit 1945
Name Lebensdaten Amtszeit
Franz Xaver Heilmannseder 1945
Josef Bayer 1945
Siegfried Herrmann 1886-1971 1945-1947
Kurt Landauer 1947-1951
Julius Scheuring 1951-1953
Adolf Fischer

Karli Wild

Hugo Theisinger

1953-1955
Alfred Reitlinger 1955-1958
Roland Endler 1913-2003 1958-1962
Wilhelm Neudecker 1913-1993 1962-1979
Willi O. Hoffmann geb. 1930 1979-1985
Prof. Dr. Fritz Scherer geb. 1940 1985-1994
Franz "Der Kaiser" Beckenbauer geb. 1945 1994-2009
Ulrich "Uli" Hoeneß geb. 1952 2009-2014
Karl Hopfner geb. 1952 2014-2016
Ulrich "Uli" Hoeneß geb. 1952 seit 2016
Trainer seit 1945
Name Lebensdaten Amtszeit Nationalität Titel
Alfréd "Spezi" Schaffer 1893-1945 1945 Ungarn
Richard Högg 1946
Josef Pöttinger 1903-1970 1946-1947
Franz Dietl 1947-1948
Alwin "Alv" Riemke 1910-2009 1948-1950 Deutschland
David Davison 1950
Konrad Heidkamp;

Herbert "Bertl" Moll

1916-2002

1951

Deutschland

Dr. Max Schäfer 1907-1990 1951-1953 Deutschland
Georg "Buale" Bayerer 1915-1998 1953-1954 Deutschland
Georg "Schorsch" Knöpfle 1904-1987 1954 Deutschland
Jakob "Jakl" Streitle 1916-1982 1955 Deutschland
Willibald Hahn 1910-1999 1956-1957 Österreich DFB-Pokal 1956/57
Herbert "Bertl" Moll 1916-2002 1957-1958 Deutschland
Adolf Patek 1900-1982 1958-1961 Österreich
Helmut Schneider 1913-1984 1961-1963 Deutschland
Herbert Erhardt 1963
Zlatko "Tschik" Čajkovski 1923-1998 1963-1968 Jugoslawien DFB-Pokal 1965/66
Branko Zebec 1929-1988 1968-1970 Jugoslawien DFB-Pokal 1968/69; Deutscher Meister 1968/69
Udo Lattek 1935-2015 1970-1975 Deutschland Europapokal der Landesmeister 1973/74; Deutscher Meister 1971/72, 1972/73, 1973/74, 1984/85, 1985/86, 1986/87; DFB-Pokal 1970/71, 1983/84, 1985/86
Dettmar Cramer 1925-2015 1975-1977 Deutschland Europapokal der Landesmeister 1974/75, 1975/76; Weltpokalsieger 1976
Gyula Lórant (geb. Gyula Lipovics) 1923-1981 1977-1979 Ungarn
Pál Csernai 1932-2013 1979-1983 Ungarn Deutscher Meister 1979/80, 1980/81; DFP-Pokal 1981/82
Reinhard Saftig geb. 1952 1983 Deutschland
Udo Lattek 1935-2015 1983-1987 Deutschland Deutscher Meister 1984/85, 1985/86, 1986/87; DFB-Pokal 1983/84, 1985/86
Jupp Heynckes geb. 1945 1987-1991 Deutschland Deutscher Meister 1988/89, 1989/90
Søren Lerby geb. 1958 1991-1992 Dänemark
Erich Ribbeck geb. 1937 1992-1993 Deutschland
Franz "Der Kaiser" Beckenbauer geb. 1945 1993-1994 Deutschland Deutscher Meister 1993/94
Giovanni Trapattoni geb. 1939 1994-1995 Italien
Otto Rehhagel geb. 1938 1995-1996 Deutschland
Franz "Der Kaiser" Beckenbauer geb. 1945 1996 Deutschland UEFA-Pokal 1995/96
Giovanni Trapattoni geb. 1939 1996-1998 Italien Deutscher Meister 1996/97; DFB-Pokal 1997/98
Ottmar Hitzfeld geb. 1949 1998-2004 Deutschland Weltpokal 2001; Champions League 2001; Deutscher Meister 1998/99, 1999/2000, 2000/01, 2002/03; DFB-Pokal 1999/2000, 2002/03
Felix Magath geb. 1953 2004-2007 Deutschland Deutscher Meister 2004/05, 2005/06; DFB-Pokal 2004/05, 2005/06
Ottmar Hitzfeld geb. 1949 2007-2008 Deutschland Deutscher Meister 2007/08; DFB-Pokal 2007/08
Jürgen Klinsmann geb. 1964 2008-2009 Deutschland
Jupp Heynckes geb. 1945 2009 Deutschland
Louis van Gaal geb. 1951 2009-2011 Niederlande Deutscher Meister 2009/10; DFB-Pokal 2009/10
Andries Jonker geb. 1962 2011 Niederlande
Jupp Heynckes geb. 1945 2011-2013 Deutschland Champions League 2012/13; Deutscher Meister 2012/13; DFB-Pokal 2012/13
Josep "Pep" Guardiola geb. 1971 2013-2016 Spanien FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2012/13; UEFA Super Cup 2013; Deutscher Meister 2013/14, 2014/15, 2015/16; DFB-Pokal 2013/14, 2015/16
Carlo Ancelotti geb. 1959 seit 2016 Italien Deutscher Meister 2016/17


Sportliche Erfolge

Deutscher Fußballmeister

1931/32; 1968/69; 1971/72; 1972/73; 1973/74; 1979/80; 1980/81; 1984/85; 1985/86; 1986/87; 1988/89; 1989/90; 1993/94; 1996/97; 1998/99; 1999/2000; 2000/01; 2002/03; 2004/05; 2005/06; 2007/08; 2009/2010; 2012/13; 2013/14; 2014/15; 2015/16; 2016/17

DFB-Pokal

1957; 1966; 1967; 1969; 1971; 1982; 1984; 1986; 1998; 2000; 2003; 2005; 2006; 2008; 2010; 2013; 2014; 2016

Deutscher Supercup

1987; 1990; 2010; 2012; 2016

Ligapokal

1997; 1998; 1999; 2000; 2004; 2007

Champions-League / Europapokal der Landesmeister

1974; 1975; 1976; 2001; 2013

UEFA-Cup

1996

Europapokal der Pokalsieger

1967

Weltpokal

1976; 2001

FIFA Klub-Weltmeisterschaft

2013

UEFA Super Cup

2013

Identität und Image seit 1945

Zu Beginn der Bundesliga in den frühen 1960er Jahren war der TSV München von 1860 der etablierte Großverein in München, der 1964 den DFB-Pokal und 1966 die Deutsche Meisterschaft gewann, während der FCB der aufstrebende Underdog war, dessen junge Mannschaft mit Offensivfußball begeisterte. Erst mit den großen internationalen Erfolgen in den 1970er und der nationalen Dominanz in den 1980er Jahren wurde der FC Bayern zum größten und bedeutendsten Klub der Bundesliga, der von Fans in ganz Deutschland und der Welt bewundert und verehrt wird. Heute ist der FCB mit 284.041 Mitgliedern (Stand 2016) der größte Sportverein der Welt.

Mitgliederzahlen seit 2000
Saison Vereinsmitglieder Fanclubs Fanclubmitglieder
2000/01 91.288 1.909 115.343
2001/02 95.195 1.980 121.348
2002/03 96.440 2.055 132.308
2003/04 97.810 2.123 136.563
2004/05 104.720 2.189 146.009
2005/06 121.119 2.290 156.673
2006/07 135.752 2.329 164.580
2007/08 147.072 2.437 176.976
2008/09 151.227 2.535 181.688
2009/10 162.181 2.764 190.745
2010/11 171.345 2.952 204.235
2011/12 187.865 3.202 231.197
2012/13 195.689 3.576 262.077
2013/14 233.427 3.749 283.558
2014/15 251.315 3.968 306.770
2015/16 270.329 4.157 325.415

Einher ging diese Entwicklung mit der Ausprägung eines außerordentlichen Selbstbewusstseins als ewige Nummer eins im Fußball, zumindest in Deutschland. Werbewirksam auf den Punkt bringt der Verein dieses Selbstverständnis mit dem Slogan "Mia san Mia".

Dieses ausgeprägte und von den Repräsentanten des Vereins immer wieder offensiv zur Schau gestellte Selbstbewusstsein provozierte natürlich Widerspruch. So viel Verehrung und Zuneigung der Verein von vielen Fußballfans erfährt, so viel Abneigung schlägt ihm andererseits von einzelnen gegnerischen Fangruppierungen entgegen. So steht der FCB eben auch für die Arroganz des Erfolgs, der mit seiner Macht und seinem Geld die Wettbewerbsfähigkeit anderer Bundesligavereine untergräbt.

Dieses Image des FC Bayern als Verein der (arroganten) Sieger und Etablierten wurde durch seine enge Bindung zur CSU verstärkt. Seit der Ära Wilhelm Neudeckers bestehen auch persönliche Kontakte des Vereins zu Spitzen der Partei. Am deutlichsten wird diese schon traditionelle Nähe etwa durch die Mitgliedschaft des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU, geb. 1941, Ministerpräsident 1993-2007) im Aufsichtsrat der FC Bayern AG.

Während lange Zeit nur die aktuellen sportlichen Erfolge das Selbstverständnis des FC Bayern prägten, hat der Verein seit der Mitte der 2000er Jahre auch seine Geschichte, darunter seine jüdische Vergangenheit, wiederentdeckt. Der Impuls, sich mit der eigenen Historie auch vor 1945 auseinanderzusetzen, ging aber nicht vom Verein und seinen Offiziellen selbst aus. Der Anstoß kam von außen, von Wissenschaftlern und Journalisten, aber auch von den Fans des FC Bayern. So war es insbesondere die Ultra-Gruppierung "Schickeria", die den jüdischen Präsidenten Kurt Landauer wieder in das Bewusstsein des Vereins zurückholte, indem sie u. a. seit 2006 ein antirassistisches Kurt-Landauer-Turnier ausrichtet und im Februar 2014 zusammen mit der Fanvereinigung "Club Nr. 12" in einem Bundesligaspiel mit einer großen Choreographie seiner gedachte. Seit 2012 präsentiert der Verein seine Geschichte und sportlichen Erfolge nun in einem eigenen Museum in der Allianz-Arena, der FC Bayern Erlebniswelt, und erinnert dort durch Veranstaltungen und (Wechsel-)Ausstellungen an seine Historie und an mit dem Verein verbundene Persönlichkeiten.

Wirtschaftliche Dominanz

Die Grundlage für die wirtschaftliche Dominanz des Vereins wurde mit den sportlichen Erfolgen in den 1970er Jahren gelegt. Der FCB stieg in der Folge zum populärsten Verein Deutschlands auf, der ab 1972 mit dem Olympiastadion eines der größten Fußballstadien der Bundesliga nutzen konnte. Hohe Zuschauereinnahmen legten damit das Fundament für den wirtschaftlichen Erfolg. Hinzu kamen äußerst lukrative Werbedeals, etwa 1989 mit der "Adam Opel AG", die den finanziellen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verstetigten.

Daneben war Uli Hoeneß einer der ersten Manager in der Bundesliga, der das wirtschaftliche Potential für den Fußball erkannte, das durch die neue Konkurrenz auf dem Fernsehmarkt nach dem Einstieg der Privatsender entstand. Bei der Verteilung der in den 1990er Jahren explodierenden Fernsehgelder aus den Übertragungsrechten unter den Vereinen stellte der FCB aber zunehmend das Solidaritätsprinzip in Frage, indem er mit Verweis auf die eigene Zugkraft für die Bundesliga und mit Blick auf andere europäische Ligen einen größeren Anteil der Einnahmen verlangte. Obwohl die Bayern ihre Einnahmen aus Fernsehgeldern steigern konnten, bleiben sie doch im Vergleich zu den Erträgen der Großvereine aus der englischen Premier League bescheiden.

Auch von Kritikern des Vereins wird die seit Ende der 1980er Jahre solide und sehr erfolgreiche Wirtschafts- und Finanzpolitik des FCB gelobt, die insbesondere mit dem langjährigen Manager und Präsidenten des Vereins, Uli Hoeneß, in Verbindung gebracht wird. Während einige Vereine in Deutschland, insbesondere aber aus der italienischen und englischen Liga hohe Schulden aufnahmen oder an einen Investor verkauft wurden, um durch teure Spielertransfers Erfolge zu kaufen, weist der FCB eine sehr geringe Nettoverschuldung aus. Die wirtschaftlich gesunde Lage erlaubte es dem Verein auch immer wieder, finanziell angeschlagene Konkurrenten zu unterstützen, wie etwa "Borussia Dortmund", dem man 2004 mit einem Darlehen von zwei Mio. Euro aushalf.

Doch auch der FCB kann sich den wirtschaftlichen Entwicklungen im Weltfußball nicht gänzlich entziehen, insbesondere den dramatisch steigenden Ablösesummen und Gehältern für die Topstars der Branche. Auch wenn der Verein bisher nicht bereit war, die Spitzenpreise für Superstars wie Cristiano Ronaldo (geb. 1985) oder Gareth Bale (geb. 1989) zu zahlen, muss er dennoch für Spielerverpflichtungen weit mehr Geld ausgeben als noch in den 1990er Jahren. Um international konkurrenzfähig zu bleiben und weitere Einnahmen zu erschließen, erfolgte daher 2002 die Ausgliederung der Fußballprofiabteilung in die "FC Bayern München AG". In der Folge stiegen die Konzerne Adidas, Audi und Allianz als Anteilseigner ein. Während der Verein damit neues Geld akquirierte, können die Wirtschaftspartner mit dem Image des FC Bayern als erfolgreichster deutscher Verein werben.

Die neuen Finanzmittel erlaubten dem Verein auch den Bau eines eigenen Stadions. 2005 konnte die vom Schweizer Architektenbüro Herzog & de Meuron entworfene und rund 340 Mio. Euro teure Allianz-Arena in München-Fröttmaning bezogen werden. Betreiber des Stadions ist die "Allianz Arena München Stadion GmbH", die ursprünglich je zur Hälfte dem FC Bayern und dem TSV München von 1860 gehörte. 2006 übernahm der FCB aber die Stadionanteile vom TSV 1860 für etwa 11 Mio. Euro und wurde damit alleiniger Inhaber der Stadiongesellschaft. Die Verbindlichkeiten für den Stadionbau konnten bereits 2014 vollständig getilgt werden.

Schließlich wird auch die internationale Vermarktung des Vereins immer wichtiger, insbesondere die Eroberung des amerikanischen und asiatischen Marktes, auf dem bisher vor allem Vereine der englischen Premier League vertreten sind. In der Hoffnung auf hohe Gewinne durch den Verkauf von Übertragungs- und Vermarktungsrechten, aus Merchandising und Sponsoring eröffnete der FCB 2014 ein Büro in New York (USA). 2016 folgte die Einrichtung einer Vertretung in Schanghai (China), die im März 2017 offiziell eröffnet wurde.

Das abbezahlte neue Stadion und die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft haben den Status des FC Bayern als Branchenkrösus zementiert: Die AG wies 2016 einen Umsatz von 626,8 Mio. Euro und einen Konzerngewinn nach Steuern von 33 Mio. Euro aus. Im internationalen Vergleich findet sich der Verein mit diesen Zahlen auf Rang zwei hinter dem FC Barcelona (Spanien) wieder.

Weitere Sportabteilungen

Im FC Bayern München e.V. existierten 2016 folgende Abteilungen:

  • Fußball - Jugendabteilung / Junioren Team (seit 1902),
  • Fußball - Senioren (seit 1911)
  • Fußball - Frauen (seit 1970)
  • Fußball - Schiedsrichter (seit 1919)
  • Basketball
  • Handball
  • Tischtennis
  • Schach (seit 1908)
  • Sportkegeln (seit 1983)

Sehr erfolgreich war die Schach-Abteilung, die zwischen 1983 und 1995 neunmal Deutscher Mannschaftsmeister wurde und 1992 den Sieg im Europacup feierte. Die 1974 gegründete Turnabteilung, deren erfolgreichste Zeit die 1980er Jahre mit vier Deutschen Meisterschaften waren, wurde 2014 aufgelöst. 2011 kehrten die Basketballer des FCB in die 1. Bundesliga zurück und feierten 2014 die erste Deutsche Meisterschaft nach 59 Jahren. Im selben Jahr wurde der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb des FC Bayern Basketball aus dem Verein ausgegliedert und in die Gesellschaftsform einer GmbH überführt.

Literatur

  • Elisabeth Angermair, Die Anfänge des Fußballspiels in München, in: Stadtarchiv München (Hg.), Fußball in München. Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena, München 2006, 10-37.
  • Julius Bohus, Geschichte des Sports in Bayern (Hefte zur bayerischen Geschichte und Kultur 20), Augsburg 1998.
  • Heiner Gillmeister, The Tale of Little Franz and Big Franz: The Foundation of Bayern Munich FC, in: Soccer and Society 2 (2000), 80-106.
  • Markwart Herzog, Die drei "Arierparagrafen" des FC Bayern München. Opportunismus und Antisemitismus in den Satzungen des bayerischen Traditionsvereins, in: Ders. (Hg.), Die "Gleichschaltung" des Fußballsports im nationalsozialistischen Deutschland, Stuttgart 2016, 75-113.
  • Thomas Hüetlin, Gute Freunde. Die wahre Geschichte des FC Bayern München, München aktualisierte Taschenbucherstausgabe 2007.
  • Dirk Kämper, Kurt Landauer. Der Mann, der den FC Bayern erfand, Zürich 2014.
  • Matthias Kropp, Bayern München 1900-1993 (Agon-Sportverlag - statistics 9), Kassel 1993.
  • Anton Löffelmeier, Der Fall Angelo Knorr - wie die Verfolgung Homosexueller vor 100 Jahren einen Vorsitzenden des FC Bayern München um Amt und Ansehen brachte, in: Oberbayerisches Archiv 138, München 2014, 159-177.
  • Anton Löffelmeier, Fußballvereine, Geld und Politik. Die Geschichte des Münchner Fußballs von 1919 bis 1945, in: Stadtarchiv München (Hg.), Fußball in München. Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena, München 2006, 38-77.
  • Robert Schöffel, Fußball in München. Eine Stadt zwischen Rot und Blau, Regensburg 2014.
  • Dietrich Schulze-Marmeling, Der FC Bayern und seine Juden. Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fußballkultur, Göttingen 2011.
  • Dietrich Schulze-Marmeling, Die Bayern. Die Geschichte des Rekordmeisters, Göttingen 4. Auflage 2009.
  • Ingo Schwab, Die Münchner Vereine in den Zeiten der Fußball-Bundesliga (1963-2004), in: Stadtarchiv München (Hg.), Fußball in München. Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena, München 2006, 130-171.
  • Ingo Schwab, München in der Zeit der Oberliga Süd (1945-1963), in: Stadtarchiv München (Hg.), Fußball in München. Von der Theresienwiese zur Allianz-Arena, München 2006, 78-99.

Quellen

  • 1900-1950. Chronik über 50 Jahre Fußball-Club Bayern München e.V. Zur Jubiläumswoche vom 4. bis 11. Juni 1950, München 1950.
  • Clubnachrichten / Bayern Magazin.
  • Jahresberichte zum Ende der Spielsaison 1948/49, München o. J. [1949].
  • Staatsarchiv Augsburg, Spruchkammer Akten Günzburg.
  • Stadtarchiv München, Amt für Leibesübungen.
  • Stadtarchiv München, Direktorium.
  • Stadtarchiv München, Einwohnermeldekartei.
  • Stadtarchiv München, Fotosammlung - Ereignisfotografie.
  • Stadtarchiv München, Fotosammlung - Fotoalben.
  • Stadtarchiv München, Fotosammlung - Rudi-Dix-Archiv.
  • Stadtarchiv München, Ratssitzungsprotokolle.

Externe Links

Weiterführende Recherche

Verwandte Artikel

Münchner Bayern, die Bayern, die Roten, FC Hollywood, FCB, Rothosen

Empfohlene Zitierweise

Daniel Baumann, FC Bayern München, publiziert am 08.05.2017; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/FC_Bayern_München> (28.07.2017)