Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Ritterorden

Wappen des Deutschordens-Hochmeisters Wolfgang Schutzbar gen. Milchling (gest. 1566). Das Hochmeisterkreuz (Lilienkreuz), als Herzschild der Reichsadler, bildet vier Felder, die das Deutschordenskreuz, zweimal das Wappen der Schutzbar und eine Prälatenmütze enthalten. (BSB Cod.Icon. 308, fol. 57)
Wappen des Johanniterordens. Die Bezeichnung "Rhodensis" nimmt auf den Sitz des Ordensgroßmeisters auf Rhodos (bis 1522) Bezug. (BSB Cod.Icon. 269, fol 1).
Auch Wittelsbacher waren Mitglieder des Ordens vom Goldenen Vlies. Das Blatt (ca. 1530) zeigt das Wappen der Wittelsbacher umgeben von einer Collane des Ordens. Konkret geht es um Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz (reg. 1544-1556), der 1515 Ordensmitglied wurde. (BSB Cod.Icon. 391 fol. 68 r)
Titelblatt aus dem Bruderschaftsbuch des Hubertusordens, angelegt um 1500. (BSB Cod.Icon. 318, VS)
Prinz Carl von Bayern (1795-1875) als Großprior des St. Georg-Ritterordens, zusammen mit einem Kandidaten und einem Ritter. (BSB Porträt- und Ansichtensammlung)
Ritter vom Hl. Grab bei der Beerdigung des Münchner Erzbischofs Joseph Kardinal Wendel (1901-1960). In der Mitte der ersten Reihe Alois Hundhammer (1900-1974). (BSB Fotoarchiv Fruhstorfer)

von Dieter J. Weiß

Ritterorden, deren Ideal der "monachus et miles" (Mönch und Ritter) war, entstanden erstmals im Hochmittelalter im Rahmen der Kreuzzüge im Heiligen Land, auf der Iberischen Halbinsel und im Baltikum (u. a. Templer, Johanniterorden, Deutscher Orden). Die Orden errichteten bald auch Stützpunkte in den Herkunftsländern der Kreuzfahrer und schufen sich so eine Basis für die Zeit, als ihr ursprüngliches Ziel, der Kampf gegen die Heiden, zunehmend zurücktrat und sie zu Versorgungseinrichtungen für den Adel wurden. Gleichwohl blieb das Ideal lebendig und inspirierte immer wieder dazu, Orden neu zu gründen. So entstanden im Spätmittelalter auf fürstliche Initiative hin höfische Ritterorden, die mit Dynastien verbunden waren und einen Kern des sich entwickelnden Hofadels bildeten (z. B. Orden vom Goldenen Vlies in Burgund, Schwanenorden der Hohenzollern). Auch im 18. und 19. Jahrhundert wurden Ritterorden gegründet oder wieder belebt, wie die bayerischen Hausritterorden St. Georg und St. Hubertus oder der Ritterorden vom Hl. Grab. Die alten Orden überstanden sowohl die Reformation als auch die Säkularisation. Während sie in der Frühen Neuzeit teilweise noch im Kampf gegen die Türken die alten Aufgaben wahrnahmen, entwickelten sie sich im 19. und 20. Jahrhundert zu Trägern sozialer Einrichtungen.

Die Entstehung

Die Kreuzzüge, die nach dem Aufruf Papst Urbans II. (reg. 1088-1099) im Jahr 1095 zur Befreiung des Heiligen Grabes in Jerusalem geführt wurden, gehören zu den innovativen Ereignissen der abendländischen Geschichte. In ihrem Zuge kam es mit der Entstehung der Ritterorden zu einer Umprägung des klassischen, von Askese und Kontemplation bestimmten Mönchsideals. Romanische Ritter scharten sich 1119 zur Regierungszeit König Balduins II. von Jerusalem (reg. 1118-1131) um Hugo von Payns (gest. 1137/38) zu gemeinsamem Leben nach Art der Regularkleriker. Gleichzeitig widmeten sie sich dem bewaffneten Schutz der Jerusalempilger. Den Namen Templer empfingen sie vom sog. Tempel Salomons ("templum Salomonis") in Jerusalem. Die Verbindung von geistlichem Leben nach den evangelischen Räten und Kampf sprengte die mittelalterliche Ständeordnung. Der hl. Bernhard von Clairvaux (gest. 1153) errang für sie mit seiner Rechtfertigungsschrift "De laude novae militiae" (1128) allgemeine Anerkennung und entwickelte das Ideal vom "monachus et miles" (Mönch und Ritter). Damit war das Fundament eines Ritterordens entstanden.

Als der Gemeinschaft, welche das Spital des Heiligen Johannes von Jerusalem betreute, herrschaftliche Rechte und militärische Aufgaben zugewachsen waren, bildete sich ab etwa 1113 mit den Johannitern ein weiterer Ritterorden. Auch der Dritte der großen Ritterorden entstand im caritativen Bereich. Aus einem Feldspital vor Akkon ging 1190 der Deutsche Orden hervor. 1199 verlieh ihm Papst Innozenz III. (reg. 1198-1216) die Johanniterregel für die Kleriker; für die Ritter und Brüder, die ihre Aufgabe im Kampf gegen die Feinde des Glaubens sahen, bestimmte er die Templerregel.

Neben Aufgaben im sozialen Bereich beteiligten sich die Mitglieder der Ritterorden bald an Kämpfen und bauten umfangreiche weltliche Herrschaften im Heiligen Land auf. Päpstliche Privilegien sicherten ihren Status als Orden. Noch zu Zeiten der Kreuzzüge übernahmen sie aber in Europa nicht nur Stützpunkte zur Rekrutierung von Geld und Mannschaften, sondern auch neue Aufgaben. Besonders heimgekehrte Kreuzfahrer stifteten reiche Besitzungen. Entscheidend dafür dürfte der Wunsch gewesen sein, von den umfangreichen geistlichen Privilegien der Ritterorden, Ablässen und der Erlaubnis der Sakramentenspendung bei allgemeinem Interdikt profitieren zu können.

Die Ritterorden im Abendland

Ritterorden hatten sich ebenfalls auf der Iberischen Halbinsel gebildet, wo sie sich bei der Rückdrängung der moslemischen Herrschaft (Reconquista) engagierten: Calatrava (1157/87), Évora (Avis) (1166/76), Santiago (1170), Alcántara (1176). In Portugal übernahm der 1319 päpstlich bestätigte Christusorden die Nachfolge der Templer, in Aragón der Orden von Montesa.

Mit dem Ende der christlichen Herrschaft im Heiligen Land (1291) verloren die Ritterorden einen wesentlichen Teil ihrer ursprünglichen Aufgabenstellung. Der Reichtum des Templerordens weckte die Begehrlichkeit König Philipps IV. von Frankreich (reg. 1285-1314) und führte zur Auflösung des Ordens durch Papst Clemens V. (reg. 1305-1314) am 3. April 1312.

Der Johanniterorden kämpfte von seinem neuen Sitz auf Rhodos (1309-1522) aus noch an der Türkenfront, doch gelang es ihm im ausgehenden Mittelalter zumindest im römisch-deutschen Reich nicht mehr, daraus ausreichende Unterstützung für seine Niederlassungen zu ziehen. Der Deutsche Orden hatte seinen Sitz 1208 nach Preußen verlegt, doch verlor er nach der Christianisierung der benachbarten Völker im 14. Jahrhundert seine Aufgabenstellung im Heidenkampf. In ihm gingen der Schwertbrüderorden (1202) und der Orden von Dobrin (1228) auf.

Wirtschaftlicher Verfall und weitgehender Rückzug aus dem Spitalwesen waren Johannitern und Deutschem Orden seit dem 14. Jahrhundert gemeinsam - ebenso wie das Bemühen, durch meist zaghafte Reformversuche dagegen anzugehen. Die Ritterorden entwickelten sich zum "Spital des Adels", wie der Blick auf die Mitgliederstruktur verdeutlicht: Die führenden Ordensmitglieder rekrutierten sich aus Adelsfamilien. Die Ritterorden boten ihnen eine Möglichkeit standesgemäßen Lebens im geistlichen Gewande. Es gab unterschiedliche Arten der Mitgliedschaft: Ritterbrüder, dienende Brüder, Priester und Schwestern. Für das 13. und 14. Jahrhundert scheint nur die Fähigkeit zu ritterlicher Lebensführung für die volle Mitgliedschaft erforderlich gewesen zu sein. Erst im Laufe des 15. Jahrhunderts verdichtete sich die ständische Abschließung. Das Spätmittelalter bedeutete für die verbliebenen Ritterorden eine Zeit der Besitzstandwahrung, des Zurücktretens des Spitalwesens und einer Betonung des Versorgungsgedankens für den Adel.

Deutscher Orden und Johanniter im heutigen Bayern

Die größte Dynamik in Franken, Schwaben und Bayern entfaltete der Deutsche Orden. Obwohl er erst nach den Templern und Johannitern Besitzungen im römisch-deutschen Reich erhalten hatte, überflügelte er diese bald. Auffällig ist dies in den Städten, wo Johanniter und Deutscher Orden über Niederlassungen verfügten, wie in Regensburg, Würzburg, Mergentheim und Rothenburg.

Deutscher Orden und Johanniter hatten ihre Besitzschwerpunkte in der alten terra imperii (Reichsland) am Main und seinen Zuflüssen, wo die Hochstifte und die Reichsministerialität Macht und Einfluss hatten behaupten können. Dagegen konnten die Ritterorden in den weltlichen Fürstentümern wie im Herzogtum Bayern kaum Fuß fassen.

Strukturelle Gründe für die höhere Attraktivität des Deutschen Ordens lassen sich nicht nachweisen. So verfügten die Johanniter durch Schenkung Alberts von Hohenlohe in Mergentheim seit 1208 über die Pfarrei und wurden trotzdem vom Deutschen Orden überflügelt. Auch in Rothenburg übertraf der Deutsche Orden als Inhaber der Pfarrei die über ein halbes Jahrhundert ältere Johanniterkommende an Bedeutung. Mit dem Eintritt mehrerer Angehöriger des Hauses Hohenlohe in den Deutschen Orden 1219 wandte sich die Unterstützung dieses Geschlechtes ganz dem Deutschen Orden zu. Sicher war es die Förderung, die dieser Orden durch Kaiser Friedrich II. (reg. 1212-1250) erfuhr, eventuell auch das deutsche Übergewicht (anders als bei den Templern und Johannitern), die ihn attraktiver als seine älteren Konkurrenten erscheinen ließ. Seine führenden Mitglieder blieben bis ins 15. Jahrhundert in steter Nähe zum Kaiser. Nur dem Deutschen Orden gelang es, in Franken die Reichsunmittelbarkeit durchzusetzen und im Spätmittelalter die Reichsfürstenwürde zu erwerben.

Die Spiritualität

Aussagen über die besondere Spiritualität der Ritterorden sind schwer zu treffen. Das Frömmigkeitsleben vollzog sich im Rahmen des in der Zeit Üblichen, war geprägt vom Bemühen um das Heil der eigenen Seele, wie es sich besonders in der Teilnahme am hl. Messopfer, in der Stiftung von Seelenmessen und im Erwerb von an das Bußsakrament gebundenen Ablässen manifestierte. Die Jungfrau und Gottesmutter Maria ist die Schutzpatronin des Deutschen Ordens, Ordenskirchen und Kapellen waren der Himmelskönigin geweiht. Zweite Ordenspatronin ist die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231), die sich bei der Pflege der Armen und Kranken in dem bei ihrem Marburger Witwensitz errichteten Spital aufgezehrt hatte. Wenige Jahre nach ihrem Tode übernahm der Deutsche Orden mit diesem Spital die Pflege ihrer Grabstätte und erreichte 1235 ihre Heiligsprechung. Ihre hochadelige Geburt qualifizierte sie zur Standesheiligen, ihr Wirken zum Vorbild für tätige Nächstenliebe. Außerdem begegnen in Franken Ritterheilige wie St. Georg und St. Pankratius als Patrone von Kirchen des Deutschen Ordens, die gemeinsam mit der Gottesmutter Maria und Elisabeth die in den Ordensregeln festgelegte Verbindung von ritterlichem und geistlichem Leben widerspiegeln.

Patron der Johanniter ist Johannes der Täufer, dem die meisten Ordenskirchen geweiht waren. Übernahm der Orden eine bestehende Kirche mit einem älteren Patrozinium wie in Würzburg die St. Oswalds-Kapelle, so wurde dieses bei einem Neubau durch St. Johannes verdrängt. In Altmühlmünster (Lkr. Kelheim) blieb St. Achatius zwar Patron der vom Orden übernommenen älteren Pfarrkirche, der Hauptaltar wurde aber dem hl. Johannes geweiht. Laien konnten sich in Form von Bruderschaften an die Orden anschließen.

Fürstliche Neugründungen im Spätmittelalter

Während die klassischen Ritterorden mit der Verschiebung ihrer ursprünglichen Aufgabenstellung einen Bedeutungsverlust erlitten, entstand neues adeliges Gesellschaftsleben nach ihrem Vorbild. Eine Übergangsform bildete das kurzlebige Kollegium von zwölf Rittern mit Ehefrauen unter einem Meister, das Kaiser Ludwig der Bayer (reg. 1314-1347) 1332 neben einem Konvent von 20 Benediktinermönchen an der von ihm gestifteten Abtei Ettal (Lkr. Garmisch-Partenkirchen) einrichtete.

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts riefen Fürsten eigene Orden ins Leben, um das Ansehen ihrer Dynastien zu erhöhen und den Adel ihrer Territorien an sich zu binden, aber auch aus Kreuzzugsbegeisterung. Dazu gehören der englische Hosenbandorden (1348) und der savoyische Annunziatenorden (1355). Wichtig wurde auch der 1431 durch Herzog Philipp den Guten von Burgund (reg. 1419-1467) gestiftete Orden vom Goldenen Vlies. Diese Orden hatten allerdings keine kämpferische Aufgabe mehr, sondern waren Ausdruck romantischer Rittersehnsucht, fürstlicher Reputation und zugleich ein Bildungsinstrument für den Adel. Die Ordensritter unterliegen weder dem Zölibat noch führen sie ein Gemeinschaftsleben.

Das bekannteste Beispiel aus Franken bildet der erst im 19. Jahrhundert so bezeichnete Schwanenorden, dessen Name vom Kleinod der Ordenskette herrührt. Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg (reg. 1440-1470) stiftete 1440 die "Gesellschaft Unserer Lieben Frau" in der Marienkirche auf dem Harlunger Berg (bei Brandenburg). Markgraf Albrecht Achilles (reg. 1437-1486, Kurfürst 1470) richtete 1459 eine oberdeutsche Zunge des Schwanenordens mit Sitz in der Georgs-Kapelle bei St. Gumbertus in Ansbach ein. Wie in anderen europäischen Staaten sollte sich der Ritterorden zum Kern des in Entstehung begriffenen Hofadels entwickeln.

Die geistlichen Ritterorden in der Neuzeit

Die Reformation traf die geistlichen Ritterorden in mehrfacher Hinsicht. Gegen Säkularisationsbestrebungen protestantischer Landesfürsten und Reichsstädte bot besonders dem Deutschen Orden seine reichsrechtliche Stellung einen Rückhalt. Hier hielt das ritterliche Element am Fortbestand des Ordens als adelig-ständische Korporation fest und stützte sich dabei auf die Nähe zum Kaiser. Nach Übergangsformen verblieben innerhalb des Deutschen Ordens die evangelisch-lutherischen Balleien Sachsen und Thüringen sowie die trikonfessionelle (ab 1680/81) Ballei Hessen. Die calvinistische Ballei Utrecht löste sich 1637 aus dem Gesamtverband. Die Ballei Brandenburg des Johanniterordens ging ab 1538 zum Protestantismus über, blieb aber in lockerer Form Bestandteil des Gesamtordens. Trotzdem gingen bei den Ritterorden durch Säkularisationen zahlreiche Besitzungen verloren.

Der Priesterzweig des Deutschen Ordens starb während des 16. Jahrhunderts fast völlig aus; ähnlich verlief die Entwicklung bei den Johannitern. Für ausreichenden Priesternachwuchs im Deutschen Orden sorgte erst 1606/07 die Errichtung des Priesterseminars in Mergentheim durch Hochmeister Erzherzog Maximilian von Österreich (reg. 1590/95-1618). Für das ritterliche Ordenselement bot sich eine neue Aufgabe im Türkenkampf. Seit 1696 unterhielt der Deutsche Orden ein eigenes Regiment, dessen Offiziersstellen meist von Ordensangehörigen versehen wurden. Für den katholisch gebliebenen Johanniterorden bürgerte sich seit der Verlegung seines Hauptsitzes nach Malta 1530 die Bezeichnung Malteser ein. Der Orden engagierte sich von hier im Seekrieg gegen die Osmanen, wobei sich auch deutsche Ordensritter beteiligten. Kurfürst Karl Theodor von Bayern (reg. 1778-1799) gründete zur Versorgung seines natürlichen Sohnes Karl August Graf zu Bretzenheim (1768-1823) eine bayerische Zunge (Ordensprovinz) des Malteserordens, die 1808 säkularisiert wurde.

Trotz aller Verfallserscheinungen im ausgehenden Mittelalter und in der Reformationszeit erwiesen sich die Strukturen der Ritterorden als tragfähig genug, um als geistliche wie weltliche Korporationen auch in der Neuzeit bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches zu bestehen.

Königliche Hausritterorden in Bayern

Auf Bitten Kurfürst Karl Albrechts von Bayern (reg. 1726-1745, Kaiser 1742-1745) bestätigte Papst Benedikt XIII. (reg. 1724-1730) 1728 den Ritterorden vom Hl. Georg und verlieh ihm alle Privilegien des Deutschen Ordens. Die Stiftung erfolgte am 28. März 1729; die Ritter mussten sich in ihrem Gelöbnis zur Verteidigung der Unbefleckten Empfängnis Mariens verpflichten. König Ludwig II. (reg. 1864-1886) erneuerte die Statuten und betonte die karitative Aufgabenstellung. Der Orden dient neben seiner geistlichen Zielsetzung auch nach der Revolution von 1918 der Bindung des bayerischen Adels an das Königliche Haus, dessen Chef als Großmeister fungiert. Prinzen des Königlichen Hauses werden im Rang von Großprioren aufgenommen.

Mit dem Regierungsantritt Kurfürst Karl Theodors von der Pfalz (reg. 1777-1799) in München gelangte der Ritterorden vom Hl. Hubertus nach Bayern. Dieser 1444 von Herzog Gerhard von Jülich-Berg (reg. 1437-1475) gestiftete und verschiedentlich erneuerte Orden bildete nach einer Verordnung vom 18. Mai 1808 den höchsten des Königreiches Bayern. Der Hubertus-Orden wird bis heute durch den Chef des Königlichen Hauses an Angehörige des Hochadels verliehen.

Ritterorden in der Gegenwart

Der im Kaiserreich Österreich fortbestehende Deutsche Orden wurde unter der Bezeichnung Deutscher Ritterorden 1839 grundlegend reformiert. Ein Priesterzweig wurde eingerichtet und ein Schwesterninstitut geschaffen. Der letzte habsburgische Hochmeister Erzherzog Eugen von Österreich (reg. 1894-1923, gest. 1955) resignierte 1923 zugunsten eines priesterlichen Nachfolgers, der ab 1929 einem Priesterorden vorstand. Heute blüht der Deutsche Orden in einem Priester- und Schwesternzweig; für dem Orden verbundene Laien besteht das Familiareninstitut (in Bayern existieren die Komtureien "An der Donau" und Franken). Das Priorat der Deutschen Brüderprovinz des Deutschen Ordens hat seit 1998 seinen Sitz in Weyarn (Lkr. Miesbach). Der Orden betreut Krankenhäuser und Heime. Der katholische Malteserorden wie der evangelische Johanniterorden unterhalten eigene Hilfsdienste. Das Adelsprinzip gilt weiterhin für den Orden vom Goldenen Vlies (Österreichischer Zweig), die Königlichen Hausritterorden und den Malteserorden, wobei teilweise gestufte Mitgliedschaften existieren.

Einer anderen Tradition ist der Ritterorden vom Heiligen Grab zuzuordnen. Nach dem Zusammenbruch des christlichen Königreichs Jerusalem erbaten adelige Pilger - belegt seit 1332/36 - den Ritterschlag beim Heiligen Grab. Seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts wurde seine Erteilung ein Vorrecht der Franziskaner auf dem Berg Sion. Erst 1868 organisierte Papst Pius IX. (reg. 1846-1878) alle Ritter vom Hl. Grab als päpstlichen Ritterorden (also einem in direkter Beziehung zum Heiligen Stuhl stehenden Orden), der sich besonders der Unterstützung der Christen im Heiligen Land widmet.

Literatur

  • Georg Baumgartner/Lorenz Seelig, Der Bayerische Hausritterorden vom Heiligen Georg 1729-1979, München 1979.
  • Pierre Cockshaw/Christiane Van den Bergen-Pantens (Hg.), L’ordre de la Toison d’or, de Philippe le Bon à Philippe le Beau (1430-1505). Idéal ou reflet d’une société?, Brüssel 1996.
  • Kaspar Elm, Umbilicus Mundi. Beiträge zur Geschichte Jerusalems, der Kreuzzüge, des Kapitels vom Hlg. Grab in Jerusalem und der Ritterorden (Instrumenta Canonissarum Regularium Sancti Sepulcri 7), Brügge 1998.
  • Josef Fleckenstein/Manfred Hellmann (Hg.), Die geistlichen Ritterorden Europas (Vorträge und Forschungen 26), Sigmaringen 1980.
  • Holger Kruse/Werner Paravicini/Andreas Ranft (Hg.), Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmittelalterlichen Deutschland. Ein systematisches Verzeichnis (Kieler Werkstücke D: Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters 1), Frankfurt am Main u. a. 1991.
  • Friedrich Leist, Der Königlich Bayerische Hausritterorden vom Heiligen Hubertus, Bamberg 1892.
  • Zenon Hubert Nowak (Hg.), Die Spiritualität der Ritterorden im Mittelalter (Universitas Nicolai Copernici. Ordines militares Colloquia Torunensia Historica 7), Thorn 1993.
  • Hans Prutz, Die Geistlichen Ritterorden. Ihre Stellung zur kirchlichen, politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Mittelalters, Berlin 1908 (Nachdruck Berlin 1977).
  • Rudolf Graf von Stillfried/Siegfried Haenle, Das Buch vom Schwanenorden, Berlin 1881.
  • Dieter J. Weiß, Die Ritterorden, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 1. Band, 2. Teil: Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit, Sankt Ottilien 1998, 599-619.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Dieter J. Weiß, Ritterorden, publiziert am 20.09.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Ritterorden> (23.10.2018)