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Templer

Mit der in Jerusalem ausgestellten Urkunde vom 27. April 1167 übergab der Templer-Großmeister Bertrand de Blanchefort den in Ottmarshart und im Leukental gelegenen Besitz des Ordens an Pfalzgraf Otto von Wittelsbach. (Staatsarchiv Amberg, Klosterurkunden Waldsassen 7/1)
Der letzte Beleg für die Templer in Bayern ist auf das Jahr 1315 zu datieren, also drei Jahre nach der offiziellen Auflösung des Ordens. (Staatsarchiv Nürnberg, Hochstift Eichstätt Urkunde 185)

von Dieter J. Weiß

Anfang des 12. Jahrhunderts im Heiligen Land entstandener Ritterorden. Die Templer sind im Raum des heutigen Bayern erstmals 1167 sicher belegt. Insgesamt lassen sich in Altbayern, Franken und Schwaben vier Templerkommenden sicher nachweisen. Am besten ist die Kommende Moritzbrunn (Lkr. Eichstätt) bezeugt. Weitere bestanden in Altmühlmünster (Lkr. Kelheim), Augsburg und Bamberg. 1312 hob der Papst auf Druck des französischen Königs den Templerorden auf. Besitznachfolger wurde vielfach der Johanniterorden. Im heutigen Bayern bestand die Kommende Moritzbrunn allerdings noch 1315.

Die Entstehung des Ordens

Im Zuge der Kreuzzüge kam es mit der Entstehung der Ritterorden zu einer Umprägung des klassischen, von Askese und Kontemplation bestimmten Mönchsideals. Romanische Ritter scharten sich 1119 zur Regierungszeit König Balduins II. von Jerusalem (reg. 1118-1131) um Hugo von Payns (gest. 1137/38), um gemeinsam nach Art der Regularkleriker zu leben. Gleichzeitig widmeten sie sich dem bewaffneten Schutz der Jerusalempilger. Den Namen Templer empfingen sie vom sogenannten Tempel Salomonis, an dessen Stelle in Jerusalem sie ihren Sitz zugewiesen erhielten. Die Verbindung von geistlichem Leben nach den evangelischen Räten und Kampf sprengte die mittelalterliche Ständeordnung. Der hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153) errang für sie mit seiner Rechtfertigungsschrift "De laude novae militiae" (1128) allgemeine Anerkennung und entwickelte das Ideal vom "monachus et miles" (Mönch und Ritter). Die Regel wurde auf der Synode von Troyes 1129 bestätigt.

Noch vor dem Verlust der christlichen Bastionen im Heiligen Land übernahmen die Templer nicht nur Stützpunkte zur Rekrutierung von Geld und Mannschaften, sondern auch neue Aufgaben in Europa. Von den über 15 für Bayern postulierten Templerniederlassungen halten wissenschaftlicher Überprüfung nur vier Kommenden und etliche abhängige Güter stand.

Die Templer in Altbayern

Großmeister Bertrand de Blanchefort (reg. 1156-1169) übergab am 27. April 1167 Pfalzgraf Friedrich (gest. 1198) als Vertreter seines Bruders Otto von Wittelsbach (gest. 1183), des späteren Herzogs, Güter in Ottmarshart im Norden Dachaus und im Leukental bei St. Johann in Tirol. Als Verkäufer für den Orden wirkte der Präzeptor von Lombardien, Bruder Bonifatius, der offenbar auch für den Besitz nördlich der Alpen zuständig war.

Eine eigenständige Kommende der Templer bestand in Moosbrunn, heute Moritzbrunn (Lkr. Eichstätt). Im Jahr 1251 wird der Prokurator des Templerordens in Moosbrunn Konrad erwähnt, der mit Abt Rudolf von St. Mang (Füssen) ein Lehengut in Dietlried (Lkr. Weilheim-Schongau) teilt. Im Jahr 1289 verkaufte dann der Präzeptor des Templerordens von Deutschland und Slawenland Wildgraf Friedrich einen Hof und eine halbe Hufe in Altenstadt bei Schongau, den Hof in Dietlried mit dem Patronatsrecht der dortigen Kirche und weitere Höfe am Lechrain, wozu die Brüder von Moosbrunn als Vorbesitzer ihre Einwilligung gaben, an das Prämonstratenserstift Steingaden.

Nach einer zweifelhaften chronikalischen Überlieferung gründeten die Brüder Burggraf Heinrich III. von Riedenburg (erw. 1135-1175) und Landgraf Otto II. von Stefling (erw. 1143-1175) im Jahre 1155 ein Templerhaus in Altmühlmünster (Lkr. Kelheim) in der Diözese Regensburg. Später befand sich das Haus im Besitz des Johanniterordens, dem damit die Besitznachfolge der Templer geglückt wäre.

Die Templer in Schwaben und Franken

Weitere Templerkommenden sind für die Bischofsstädte Augsburg und Bamberg bezeugt. In Augsburg besaßen die Templer an der Heilig-Grab-Straße Kloster und Kirche, die nach einer Chronik des 15. Jahrhunderts an die benachbarten Dominikaner fielen. Im Nekrolog des Bamberger Franziskanerklosters aus dem 14. Jahrhundert findet sich zum Jahr 1311 der Eintrag der Aufhebung des Templerordens, von dessen Mitgliedern es heißt "qui ante nos in isto loco fuerunt" (die vor uns an diesem Ort waren). Außerdem werden in der Reiserechnung des Bischofs Nikolaus Boccasini von Ostia und Velletri (reg. 1300-1303; Papst Benedikt XI. 1303/04) zum Jahr 1303 Templer im Hochstift Bamberg erwähnt. Wahrscheinlich übertrug der Bamberger Bischof Wulfing von Stubenberg (reg. 1304-1318) den Templerbesitz nach der Aufhebung des Ordens an die Franziskaner.

Im Hochstift Würzburg hat der Templerorden nur 1221 mit der Nennung zweier Zeugen - "Siboto de Wollechingen, Bertoldus de Mergentheim, templarii" - in einer Urkunde Bischof Ottos I. von Lobdeburg (reg. 1207-1223) für Kloster Bronnbach und mit einem Eintrag in ein Würzburger Formularbuch Spuren hinterlassen.

Das Ende des Templerordens

Der massive Druck des französischen Königs Philipp IV. des Schönen (reg. 1285-1314) auf den in Avignon residierenden Papst Clemens V. (reg. 1305-1314) bewirkte, dass dieser am 3. April 1312 vor dem Konzil von Vienne die Aufhebung des Templerordens verkündete. Darauf wurden dessen Güter dem Johanniterorden überwiesen, der sie jedoch nur zum Teil erhielt.

Diese Auflösung verlief im römisch-deutschen Reich in wesentlich moderateren Formen als in den romanischen Ländern. Beispielhaft zeigt dies der Fall der Templerschwester Adelheid von Wellnheim, zuvor Gemahlin des dem Orden beigetretenen Rüdiger von Wellnheim. Sie wollte mit Zustimmung des Komturs Johannes von Moosbrunn aus gesundheitlichen Gründen den Orden verlassen. Darauf erhielt sie nach Ausweis einer zwischen 1308 und 1315 zu datierenden Urkunde ihren Besitz zurück. Falls der Orden nach ihrem Tode nicht mehr in der Lage wäre, die Güter zu verwalten, sollten sie an das Bistum Eichstätt fallen, möglicherweise als Zuflucht für die Templer von Moosbrunn. Noch drei Jahre nach der Aufhebung des Ordens wurde 1315 ein Hof in Pietenfeld (Lkr. Eichstätt) unter dem Vorbehalt weiterverkauft, dass er nach dem Tode der Käufer an die Templer von Moosbrunn zurückfallen sollte. Die Kommende fiel dann an den Johanniterorden, der 1322 den Besitzkomplex in mehreren Schritten an das Hochstift Eichstätt veräußerte.

Das dramatische und ungewöhnliche Ende des Templerordens war seit dem 18. Jahrhundert der Nährboden für zahlreiche Legenden und Verschwörungstheorien, die jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren.

Literatur

  • Marie Luise Bulst-Thiele, Sacrae domus militiae Templi Hierosolymitani magistri (Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens 1118/19-1314), Göttingen 1974.
  • Christoph Dette, Zur Rezeptionsgeschichte der Templer seit dem 18. Jahrhundert, in: Zenon Hubert Nowak/Roman Czaja (Hg.), Vergangenheit und Gegenwart der Ritterorden. Die Rezeption der Idee und die Wirklichkeit (Ordines militares 11), Torún 2001, 211-228.
  • Josef Fleckenstein, Die Rechtfertigung der geistlichen Ritterorden nach der Schrift "De laude novae militiae" Bernhards von Clairvaux, in: Josef Fleckenstein/Manfred Hellmann (Hg.), Die geistlichen Ritterorden Europas (Vorträge und Forschungen 26), Sigmaringen 1980, 9-22.
  • Hermann Grauert, Eine Tempelherrenurkunde von 1167, in: Archivalische Zeitschrift 3 (1878), 294-309.
  • Marion Melville, Les Débuts de l’Ordre du Temple, in: Josef Fleckenstein/Manfred Hellmann (Hg.), Die geistlichen Ritterorden Europas (Vorträge und Forschungen 26), Sigmaringen 1980, 23-30.
  • Karl Heinz Mistele, Zur Geschichte des Templerordens in Süddeutschland, in: Mitteilungen für die Archivpflege in Bayern, Sonderheft 5, 1967, 18-24.
  • Joachim Rother, Zur Templerfrage in Bamberg: Eine kritische Nachverfolgung der Bemerkungen und Hinweise über die Templer in den Bamberger Quellen und der Forschungsliteratur, in: Historischer Verein Bamberg Bericht 147 (2011), 129-158.
  • Michael Schüpferling, Der Tempelherren-Orden in Deutschland (zugleich Diss. phil. Freiburg/Schweiz), Bamberg 1915.
  • Dieter J. Weiß, Die Ritterorden, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 1. Band, 2. Teil: Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit, Sankt Ottilien 1998, 599-619.

Weiterführende Recherche

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Tempelherren, Tempelritter

Empfohlene Zitierweise

Dieter J. Weiß, Templer, publiziert am 22.02.2010; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Templer> (15.11.2018)