Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Gumppenberg, Adelsfamilie

Wappen der Herren von Gumppenberg in einer Kopie des Wappenbuchs von Konrad Grünenberg (1442-1494) vom Beginn des 17. Jahrhunderts. (Bayerische Staatsbibliothek, cgm 9210, fol. 297v)
Schloss Gumppenberg um 1560, Federzeichnung von Philipp Apian (1531-1589). (Bayerische Staatsbibliothek Cgm 5379 [3])
Schloss Gumppenberg 1701. 1704 wurde der erst 1680 errichtete Bau von englischen Truppen niedergebrannt. (Michael Wening, Historico-Topographica Descriptio. 1. Band: Das Renntambt München, München 1701, M 157, Bayerische Staatsbibliothek)

von Wilhelm Liebhart

Ministerialengeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert im Gefolge der wittelsbachischen Herzöge auf der Burg Gumppenberg bei Pöttmes (Lkr. Aichach-Friedberg) erscheint. Heinrich (I.) (gest. 1351) legte mit seiner Laufbahn in Diensten Ludwigs des Bayern (reg. 1314-1347, König ab 1314, Kaiser ab 1328) den Grundstein für das Wirken späterer Generationen als Staatsdiener und Militärs, Wissenschaftler, Schriftsteller sowie Geistliche. Von 1411 bis 1808 trug die Familie das erbliche Landmarschallamt von Oberbayern. In ihrem Besitz befanden sich neben der Herrschaft Pöttmes zeitweise auch die Herrschaft Breiteneck in der Oberpfalz (1433-1462, 1732-1792) und die Hofmark Unterschneitbach (Lkr. Aichach-Friedberg; 1447-1519). 1571 erhob Kaiser Maximilian II. die Familie in den erblichen Reichsfreiherrenstand.

Frühgeschichte

Im 12. Jahrhundert erscheint in den Quellen ein Ministerialengeschlecht der Markgrafen von Vohburg und Cham auf dem Nordgau (Oberpfalz), bei dem es sich um die Vorfahren der Gumppenberger handeln dürfte. Nach dem Aussterben der Markgrafen wurde es 1204 vom Wittelsbacher Herzog Ludwig I. (reg. 1183-1231), der die Markgrafschaft ans Herzogshaus zog, übernommen. Herzog Ludwig II. von Oberbayern (1253-1294) versetzte die Familie auf die am Rande des Donaumooses im nordwestlichen Oberbayern gelegene Burg Gumppenberg und damit an den Schnittpunkt der Straße von Augsburg nach Neuburg a. d. Donau mit der Straße von Schrobenhausen nach Rain (Lkr. Donau-Ries) bzw. Donauwörth.

Der erste urkundlich gesicherte Vertreter des Geschlechts ist Hildebrand, der sich 1276 noch nach Vohburg, 1279 aber bereits nach der Burg Gumppenberg bei Pöttmes (Lkr. Aichach-Friedberg) nannte. Mit seinem Sohn Heinrich (I.) (gest. 1351) begann der Aufstieg unter die Turnieradelsgeschlechter. 1310 erhielt er von den oberbayerischen Herzögen Rudolf I. (reg. 1294-1317) und Ludwig IV. (reg. 1294-1347, seit 1314 als römisch-deutscher König, seit 1328 als Kaiser) das Hochgericht über das im Herzogtum Bayern gelegene Dorf Pöttmes, einen Wochenmarkt und einen Wegzoll zum Unterhalt der Straßen verliehen. 1324 empfing er für seinen Markt Pöttmes von König Ludwig IV. Rechte, wie sie die Städte Neuburg an der Donau und Aichach besaßen. Zu diesem Zeitpunkt war Heinrich (I.) bereits seit drei Jahren Stellvertreter (vicedominus) des Herzogs bzw. Königs in Oberbayern. Dieses Amt übte er mit Unterbrechungen von 1321 bis 1337 aus. Herrschaftsgericht und Markt Pöttmes lagen 1392 bis 1447 im Teilherzogtum Ingolstadt und 1447 bis 1503/1504 im Teilherzogtum Landshut.

1329 war er auch am Hausvertrag von Pavia zwischen Ludwig und den Söhnen seines verstorbenen Bruders Rudolf entscheidend als Vermittler beteiligt. Er wird deshalb ausdrücklich im Vertrag genannt. 1321/1322 erwarb Heinrich die Stammgüter der Rehlinger am Lechrain mit der Burg Scherneck (Gde. Rehling, Lkr. Aichach-Friedberg). Einer seiner Söhne, Heinrich (II.) (gest. 1349), begründete die gumppenbergische Nebenlinie Scherneck-Schmiechen, die bis 1489 bestand. In der frühen Familiengrablege zu Niederschönenfeld (Lkr. Donau-Ries) fand Heinrich (I.) seine letzte Ruhe.

Gumppenberg und Wittelsbach

Bis zum 16. Jahrhundert standen Heinrichs Erben in der Tradition ihres Vorfahren. Sie nahmen an Fehden und Kriegen der Wittelsbacher teil und halfen bei Friedensschlüssen und Landesteilungen mit. Auch selbst teilten sie immer wieder den Stammsitz und begründeten Nebenlinien; deshalb waren Geldmangel und Schulden ständige Begleiter.

Die Familie wurde 1411 von Herzog Stephan III. (reg. 1375-1413) mit dem erblichen Amt des Landmarschalls von Oberbayern belehnt, das erst 1808 erlosch. Eng entwickelte sich seit 1392 die Bindung zur Ingolstädter Herzogslinie, bis das Teilherzogtum 1447 an Niederbayern-Landshut fiel. Heinrich (IV.) von Gumppenberg (gest. 1459) reiste mit Herzog Ludwig VII. von Ingolstadt (reg. 1413-1447) nach Frankreich. Dort lebte Ludwigs Schwester Elisabeth (1370-1435) als Königin. Dabei war auch der Schernecker Vetter Hans (II., gest. 1429). Heinrich (IV.) kaufte 1433 die reichsunmittelbare Herrschaft Breiteneck mit dem Markt Breitenbrunn (Lkr. Neumarkt in der Oberpfalz). Sie ging schon 1462 durch Verkauf verloren, kam aber von 1732 bis 1792 erneut an die Familie. 1447 erwarb Heinrich (IV.) die Hofmark Unterschneitbach (Lkr. Aichach-Friedberg) bei Aichach, die 1519 nach Streitigkeiten mit Erbinnen wieder den Besitzer wechselte.

Am 16. Januar 1571 erhob Kaiser Maximilian II. (reg. 1564-1576) in Prag Georg (V.) (1518-1580) und seine Erben in den Reichsfreiherrenstand. Georg vereinigte für lange Zeit als letzter alle Anteile des Stammsitzes Gumppenberg-Pöttmes in seiner Person. Von ihm stammen alle heute noch blühenden Zweige ab: Vier Söhne begründeten 1580 die Linien Gumppenberg-Pöttmes, bis 1679 Freinhausen-Adelshausen (Lkr. Paffenhofen a. d. Ilm), bis 1620 Euernbach-Göbelsbach-Tegernbach (Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm) und bis 1626 wie schon im Mittelalter Scherneck. Mit diesen vier Linien legte er den Grundstein für die spätere Teilung von Gumppenberg-Pöttmes in Viertelherrschaften, da alle vier den Stammsitz (Seniorat) gemeinsam besitzen wollten, was aber zu vielen Auseinandersetzungen führte. Seit 1644 bestand 150 Jahre lang neben der ¾-Herrschaft (oder "3. Teil") Pöttmes die Teilherrschaft ¼- (oder "4. Teil") Pöttmes. Drei Viertel aller Lehen und Einkünfte mit zwei Schlössern verblieben bei der Familie, das vierte Viertel dagegen wechselte mehrfach den Besitzer und kam zeitweilig aus Familienbesitz, zuletzt 1797 an die verwandten Grafen von Berchem.

Das früheste Wappen zeigt ein rotes Schild mit weißem Schrägbalken und drei grünen Seerosenblättern. Die Seerosenblätter variierten durch die Jahrhunderte.

Das neue Wappen hatte seit 1571 statt zwei vier rote Felder. Zu den bisherigen Seerosenblättern in den Feldern 1 und 4 kamen jetzt in den Feldern 2 und 3 jeweils drei Lindenblätter in einer weißen geschlungenen Straße hinzu. Den Reichsfreiherrenstatus behielt die Familie bis zum Ende des Alten Reiches 1806. Seitdem gehörte sie zur Freiherrenklasse des Adels im Königreich Bayern. Um weitere Aufteilungen zu verhindern, bestand seit 1708 ein nach dem Rechte der Erstgeburt vererbliches Fideikommiss. Es wurde 1843 erneuert. Verbunden war damit die erbliche Würde eines Reichsrats der Krone Bayern mit Sitz und Stimme in der Kammer der Reichsräte. Eine Modifizierung fand 1875 dahingehend statt, dass mangels männlicher Erben auch die weiblichen erben sollten.

Verwandtschaftsbeziehungen

Die zahlreichen Kinder aller Linien verbanden die Familie vorwiegend, aber nicht ausschließlich mit dem altbayerischen Adel. Heiratsverbindungen bestanden im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit mit folgenden Familien:

Im 19. Jahrhundert erfolgten Eheschließungen mit den Grafenfamilien Basselet von La Rosée, Holnstein, Lerchenfeld-Aham, Lodron-Laterano, Reisach, Salm-Reifferscheidt-Dyck, Spreti, Tannenberg, Taufkirchen, Thurn und Taxis und Taxis Bordogna, aber auch mit den freiherrlichen Familien von Aretin, Freyberg, Perfall, Ruffini, Törring-Seefeld, Weißenstein und Werneck.

Töchter und Söhne wurden Nonnen, Mönche, Stiftsdamen und Domherren. Sie waren Äbtissinnen zu Geisenfeld (Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm), Seligenthal (Stadt Landshut) und Niederschönenfeld bzw. Domherren zu Augsburg, Basel, Eichstätt, Freising und Regensburg. Eine besondere Beziehung ging Adolph von Gumppenberg-Pöttmes (1804-1877) ein. Er heiratete 1834 Karoline Freiin von Bayrstorff (1816-1889), die älteste Tochter aus der morganatischen Ehe des königlichen Prinzen Carl von Bayern (1795-1875), Sohn König Max I. Josephs (reg. 1799-1825, als König ab 1806). Adolph konnte sich durch die Ehe finanziell sanieren.

Bedeutende Vertreter

Die Gumppenberger brachten nicht nur zahlreiche Staatsdiener und Soldaten, sondern auch Wissenschaftler, Schriftsteller und Geistliche hervor. Zeitzeuge und Chronist des Sacco di Roma (1527) war der Domherr und päpstliche Diplomat Ambrosius (geb. um 1501-1574). Bedeutende Erblandmarschälle waren im 16. Jahrhundert Walter (gest. 1536), der auch als Stadtrichter von München nachgewiesen ist, und Stephan (1545-1604), zuletzt Obersthofmarschall des jungen Herzogs Maximilian I. (reg. 1597-1651). Leopold (eigentlich Johann Erasmus) Freiherr von Gumppenberg (1590-1631) war Gründungsguardian des Kapuzinerkonvents in Würzburg. Die Schweden ermordeten ihn am 18. Oktober 1631 bei der Erstürmung der Feste Marienberg. Der "Blutzeuge" wird im Kapuzinerorden als selig verehrt. Als Volksprediger wirkte der Jesuit Wilhelm (1609-1675). Von ihm stammt der vielbenützte Atlas Marianus (1657), der 1.200 Marienwallfahrtsorte beschreibt. Anton (1787-1855), ein Jugendfreund des Kronprinzen und nachmaligen Königs Ludwig I. (reg. 1825-1848), diente von 1839 bis 1847 als Kriegsminister. Auf dem in der Neuen Pinakothek zu sehenden Ölbild "Kronprinz Ludwig in der Spanischen Weinschenke zu Rom 1824" ist er mitabgebildet. König Ludwig I. ließ Friederike (1823-1916), geborene und verheiratete von Gumppenberg, seit 1842 Hofdame der Kronprinzessin Marie (1825-1889), in seine Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg aufnehmen. 1857 heiratete sie ihren Vetter Ludwig von Gumppenberg (geb. 1848) aus der Linie Pöttmes-Oberbrennberg-Deining, Sohn des Kriegsministers Anton von Gumppenberg.

Hanns Theodor (1866-1928) war Schriftsteller, Theaterkritiker und Mitbegründer des Münchner Kabaretts "Die elf Scharfrichter". Sein bekanntestes Werk stellt das parodistische Gedichtwerk "Das teutsche Dichterroß, in allen Gangarten vorgeritten" dar. Vater Karl (1833-1893), ein höherer Postbeamter, hatte Schmetterlinge (Spanner) erforscht und in baierischer Mundart gedichtet. Levin (1907-1989) war von 1958 bis 1974 Präsident der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Die genannten Vertreter gehörten sowohl der Hauptlinie Gumppenberg-Pöttmes als auch den noch bestehenden Zweigen Gumppenberg-Oberbrennberg bzw. Gumppenberg-Peuerbach an.

Quellen- und Archivsituation

Sowohl im Schlossarchiv Pöttmes als auch im Marktarchiv Pöttmes setzt die Masse der Archivalien erst im 16. Jahrhundert ein. Edgar Krausen (gest. 1988) hat die beiden Archivbestände 1946/1947 in Repertorien erschlossen. Das Schlossarchiv zählt über 7.700 Archivaliennummern (Akten, Amtsbücher, Rechnungen) und 368 Originalurkunden von 1307 bis 1912. Das Marktarchiv umfasst 1.875 Nummern, wobei der Schwerpunkt im 20. Jahrhundert liegt, und fünf Originalurkunden von 1487, 1528, 1529, 1673 und 1769.

Literatur

  • Levin von Gumppenberg, Geschichte der Freiherren von Gumppenberg 1881-1981. Ein Nachtrag zur Familiengeschichte von 1856/1881. Für die Familie als Manuskript in Druck gegeben, o. O. 1981.
  • Ludwig Albert von Gumppenberg, Geschichte der Familie von Gumppenberg. Für die Familie als Manuscript in Druck gegeben. Nach dem Tod des Verfassers ergänzt und herausgegeben von Hubert Freiherr von Gumppenberg, München 1881.
  • Wilhelm Liebhart, Die Familie der Freiherren von Gumppenberg, in: Wilhelm Liebhart (Hg.), Pöttmes: Herrschaft, Markt und Gemeinde. 1. Band, Pöttmes 2007, 419-445.

Quellen

  • Archiv der Freiherren v. Gumppenberg zu Pöttmes. Bearbeitet von Staatsarchivrat Dr. Edgar Krausen (Inventare nichtstaatlicher Archive Bayerns. I: Regierungsbezirk Oberbayern. 1. Landkreis Aichach), München 1950.
  • Archiv der Marktgemeinde Pöttmes. Bearbeitet von Staatsarchivrat Dr. Edgar Krausen (Inventare nichtstaatlicher Archive Bayerns. I. Regierungsbezirk Oberbayern. Landkreis Aichach), München 1949.
  • Urkunden-Regesten der Archive der Freiherrn v. Gumppenberg zu Pöttmes und Peuerbach. Bearbeitet von Edgar Krausen. 1. Teil: 1307-1600, in: Oberbayerisches Archiv 76 (1950), 81-180, und 2. Teil: 1603-1912, in: Oberbayerisches Archiv 77 (1952), 141-202.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Wilhelm Liebhart, Gumppenberg, Adelsfamilie, publiziert am 11.06.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Gumppenberg, Adelsfamilie> (10.12.2018)