Bibliothekswesen (Spätmittelalter)

Gemaltes Exlibris der Artistenfakultät der Universität Ingolstadt, Ende 15. Jahrhundert. (Universitätsbibliothek München)
Holzschnitt "Der Büchernarr" aus Sebastian Brants "Das Narrenschiff" von 1494. Das Werk gehörte vor der Reformation zu den populärsten Büchern im deutschsprachigen Raum; die Illustrationen stammen eventuell von Albrecht Dürer (1471-1528). (Bayerische Staatsbibliothek, Rar. 121, S. 7)
Exlibris des Willbald Pirckheimer mit der Devise "Sibi et amicis", Holzschnitt von Albrecht Dürer, um 1503. (Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Berlepsch Exlibris T. I, S. 12, Nr. 5)
Bibliothek des Konrad Peutinger (1465-1547): Katalog I, Fachkatalog: Beginn der Rubrik "In Philosophia". (Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4021b, fol. 50r)
Kettenbuch aus dem Kloster St. Emmeram. (aus: Bücherschätze in Regensburg. Frühe Drucke aus den Beständen der Staatlichen Bibliothek, Regensburg 1996, 20)
Bibliothekskatalog des Dominikanerklosters St. Blasius, Regensburg; enthalten in einem 1347 angelegten Gesamtkatalog der Regensburger Bibliotheken. (Bayerische Staatsbibliothek, Clm 14397, fol. 1v)

von Wolfgang Müller

Im Spätmittelalter ging wachsende Bildung auch außerhalb des Klerus mit einer zunehmenden Buchproduktion einher, die ihren Höhepunkt im 15. Jahrhundert erreichte. Angesichts dieser Entwicklung traten zu den bisherigen Dom- und Klosterbibliotheken die Bibliotheken weitere Institutionen, wie der Universitäten, der Städte (Ratsbibliotheken) sowie der städtischen Pfarreien, Kirchen und Spitäler. Weniger institutionalisiert und daher nicht dauerhaft waren Büchersammlungen von Fürsten, Adeligen, Gelehrten sowie Schulmeistern. Langfristig gelangten diese Sammlungen durch Schenkungen und Stiftungen an größere Institutionen. Typisch war vor allem für das 15. Jahrhundert die Aufbewahrung der Bücher in Pulten, an die Bücher angekettet waren. Die größten Bibliotheken im Raum des heutigen Bayern dürften höchstens 2.000 Bände umfasst haben. Verwaltet wurden Bibliotheken weitgehend nebenamtlich, Statuten für einzelne Einrichtungen sind seit dem 15. Jahrhundert überliefert. Bibliotheksverzeichnisse waren bis ins 14. Jahrhundert reine Inventare zur Bestandssicherung. Die wachsenden Bibliotheksbestände führten im 15. Jahrhundert zur Anlegung von Katalogen mit ausführlicheren Bestandsbeschreibungen und Signaturen.

Buchproduktion und Bibliothekstypen im Spätmittelalter

Das Spätmittelalter ist geprägt von Ausweitung und Differenzierung des Wissens, verstärkter Kommunikation durch Fernhandel, Universitätsstudium, Konzilien usw., Ausbreitung und Verselbständigung der Laienbildung sowie von wachsender Schriftlichkeit in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Dem entsprach ein gesteigerter Bücherbedarf und somit eine Expansion der Handschriftenproduktion. Erleichtert wurde diese durch den Übergang von Pergament als Beschreibstoff auf das billigere Papier, in Deutschland zuerst hergestellt 1390 in Nürnberg. Bildung, Berufswissen und Unterhaltung für Fürsten, Adelige, studierte Gelehrte und die Bürgerschaft der aufblühenden Städte ließen neben der lateinischen Klerikerliteratur nunmehr weltliche Autoren und Themen sowie Literatur in der Volkssprache (einschließlich Übersetzungen) an Bedeutung gewinnen. Der Schreibarbeit der Geistlichen entstand durch den neuen Laienstand der gewerbsmäßigen Schreiber, Buchmaler und Handschriftenhändler Konkurrenz.

Etwa 70 % aller erhaltenen mittelalterlichen Handschriften stammen aus dem 15. Jahrhundert. Am Ende des Mittelalters erzeugte schließlich die Erfindung des Blockbuches, des Holzschnittes sowie vor allem des Buchdrucks mit beweglichen Lettern eine bis dahin unvorstellbare Steigerung der Buchproduktion. Alles zusammen bewirkte nicht nur den Ausbau der überkommenen Dom- und Klosterbibliotheken, vermehrt um die der neuen Mendikantenorden, sondern führte nach und nach zu einer Vielfalt weiterer, nunmehr auch weltlicher Bibliothekstypen: Universitätsbibliotheken, Fürsten- und Adelsbibliotheken, Privatbibliotheken, erste städtische und Kirchenbibliotheken.

Klosterbibliotheken der alten Orden

Die erste große Zeit der Klosterbibliotheken, des klassischen Bibliothekstyps des hohen Mittelalters, endete mit dem 12. Jahrhundert. Danach erlebten die meisten Klöster der alten Orden, insbesondere außerhalb der neuen städtischen Zentren, eine wirtschaftliche und kulturelle Krise. Sie führte auch zu einem Verfall ihrer Schreibschulen (Skriptorien) und zur Vernachlässigung ihrer Bibliotheken. Eine bemerkenswerte Ausnahme war das Benediktinerkloster St. Emmeram in Regensburg: 1346 errichtete es ein zweigeschossiges Bibliotheksgebäude für 236 Bände auf 32 Pulten, eine der ersten Pultbibliotheken in Deutschland; 1347 verzeichnete man überdies die Handschriften sämtlicher Regensburger Männerklöster, ein frühes Beispiel eines regionalen Gesamtkatalogs (Ineichen-Eder, MBK IV,1 Nr. 30).

Eine Wiederherstellung der Klosterdisziplin und damit eine Erneuerung des Buchwesens erreichten schließlich energische monastische Reformbewegungen: ab dem späten 14. Jahrhundert die Kastler und seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Melker Reform in österreichischen und süddeutschen Benediktinerklöstern, die Bursfelder Reform in Nord- und Westdeutschland und in Franken. Die Windesheimer Kongregation brachte ähnliche Reformen in den Bibliotheken der Augustiner-Chorherren hervor, so auch in Rebdorf (Stadt Eichstätt, Lkr. Eichstätt), das um 1500 bereits weit über 1.000 Bände mit einem guten Katalog besaß (Ruf, MBK III,2 Nr. 80). Ein Zentrum der Melker Reform in Bayern war Tegernsee (Lkr. Miesbach), das am Ende des Mittelalters eine der größten Bibliotheken in Deutschland besessen haben dürfte: Ihr Bestand vermehrte sich, teilweise schon durch Kauf von Drucken, von 1.103 Bänden im Jahr 1484 bis 1524 auf 1.869 Bände in einem neuerbauten Raum (Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 109 und S. 849). Das Benediktinerkloster St. Ulrich und Afra in Augsburg errichtete 1471 ein neues Bibliotheksgebäude und besaß um 1500 circa 1.000 Bände; 1472 bis etwa 1476 bestand dort sogar die älteste sicher bezeugte Klosterdruckerei. Die Kartause Buxheim (Lkr. Unterallgäu), besaß, obwohl erst 1402 gegründet, bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine bedeutende Bibliothek (Ruf, MBK III,1 Nr. 26).

Bibliotheken der Bettelorden

Im 13. Jahrhundert entstanden die Bettelorden, die als Seelsorger und Prediger und meist in den aufblühenden Städten wirkten: Franziskaner (gegründet 1209), Dominikaner (1212), Karmeliter (1226), Augustinereremiten (1256). Alle ließen sich bald auch im Raum des heutigen Bayern nieder. Regensburg wurde bereits seit der Mitte des 13. Jahrhunderts ein Zentrum der Bettelorden. Der älteste erhaltene Katalog einer deutschen Franziskanerbibliothek entstand dort 1347, gleichzeitig einer der Dominikaner (Ineichen-Eder, MBK IV,1 Nr. 44 und 45). In ihrem Nürnberger Konvent betrieben die Augustinereremiten 1479-1491 sogar eine eigene Druckerei. Die straff organisierten Bettelorden, in denen das neue wissenschaftliche Denken der Scholastik namhafte Vertreter fand, sahen in ihren einfachen, schmucklosen und fast nur theologischen Büchern zwar unerlässliche Hilfsmittel ihrer Arbeit; diese waren aber reine Gebrauchsgegenstände. Bücherkauf wurde dem Abschreiben vorgezogen, nicht mehr benötigte Bücher wurden ausgesondert. So haben ihre Bibliotheken eine mittlere Größenordnung selten überschritten.

Bibliotheken in Frauenklöstern

Nach dem bisherigen Urteil der Forschung galten die Bibliotheken der mittelalterlichen Frauenklöster in aller Regel als unbedeutend und sind - vermutlich deswegen - noch kaum untersucht. Weil die meisten ihrer Bibliotheken noch spurloser untergegangen sind als die der Männerorden, ist überdies der Kenntnisstand geringer. Dem will das 2008 bis 2012 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützte Projekt "Schriftlichkeit in süddeutschen Frauenklöstern (bis 1560)" abhelfen.

Der Bändezahl nach waren in der Tat die meisten spätmittelalterlichen Sammlungen in Frauenkonventen weitaus kleiner als in den entsprechenden Männerklöstern. Allerdings unterschieden sie sich in Sprache und Inhalt: überwiegend oder sogar fast ausschließlich wurde die deutsche Sprache gebraucht, ein stärkerer Anteil war bei mystisch-aszetischen Büchern und frommer Unterhaltungsliteratur gegeben. Im Zuge der monastischen Reformbestrebungen, welche die Frauenklöster durchaus einbezogen, verbreitete sich das Buch "Ämter der Schwestern des Predigerordens" von 1454 des Baseler Dominikaners Johannes Meyer (1422/23-1485) mit ausführlichen Richtlinien für die "Buchmeisterin", d. h. die Bibliothekarin. Die besten Zeugnisse über Entstehung, Erwerbung und Benützung von Handschriften stammen aus dem großen Dominikanerinnenkloster St. Katharina in Nürnberg: Mehrere spätmittelalterliche Kataloge sind überliefert (Ruf, MBK III,3 Nr. 115-119); die rund 600 Bände, zur Hälfte von den Nonnen selbst geschrieben, zur anderen Hälfte Schenkungen, enthalten ganz überwiegend mystisch-aszetische Literatur. Die Bibliothek gilt als die größte deutschsprachige Sammlung des Spätmittelalters. Etwa die Hälfte der Handschriften sind in der Stadtbibliothek Nürnberg erhalten geblieben (Schneider, Bibliothek, S. 70).

Dombibliotheken

Die Blüte der Dombibliotheken in Deutschland fiel in das 11. bis 13. Jahrhundert. Danach verloren sie zunehmend an Bedeutung: Dies war zum einen verursacht durch die neuen weltlichen Bibliothekstypen. Der ab dem 12. Jahrhundert entstehende Dualismus zwischen Domkapitel einerseits und Bischof andererseits bewirkte zudem, dass neben die Kathedralbibliothek des Domkapitels zunehmend eigene bischöfliche Privat-, später Hofbibliotheken traten. Schließlich, da die Mitglieder der Domkapitel immer häufiger studierten - am Ende des 15. Jahrhunderts sollen es fast hundert Prozent gewesen sein - erwarben sie für ihre Bedürfnisse eigene gelehrte Privatbibliotheken. Dennoch sind am Ende des Mittelalters mindestens für die Dombibliotheken in Augsburg, Bamberg, Freising, Salzburg und Würzburg neue Bibliotheksräume erbaut oder die bisherigen wenigstens als Pultbibliotheken zeitgemäß neu eingerichtet worden.

Universitätsbibliotheken

Die ersten deutschen Universitäten sind anderthalb Jahrhunderte später als in Italien und Frankreich entstanden: 1348 in Prag, 1365 in Wien. 1386 folgte die Gründung der Universität Heidelberg durch den Wittelsbacher Kurfürsten Ruprecht I. von der Pfalz (reg. 1353-1390). Für das Bibliothekswesen der deutschen Neugründungen war die Zersplitterung der Buchbestände charakteristisch: In der Regel entstanden zunächst Fakultäts- und/oder Kollegienbibliotheken. Mit der Zeit kristallisierte sich jedoch die Artistenfakultät als bevorzugtes Sammelbecken für Bücherstiftungen heraus und erreichte damit einen gewissen Grad an Universalität des Bestandes. Aus ihrer Bibliothek entwickelte sich daher meist nach Jahrzehnten eine Gesamt-Universitätsbibliothek. In Heidelberg wuchs die Artistenbibliothek neben und vor den Bibliotheken der drei höheren Fakultäten, so dass sie 1442 gemeinsam einen eigenen Bau beziehen konnten, dessen Untergeschoß die Bestände der Artisten, das obere Stockwerk die der Theologen, Juristen und Mediziner aufnahm.

In Würzburg gründete Bischof Johann I. von Egloffstein (reg. 1400-1411) als erster geistlicher Reichsfürst 1402 eine Universität. Wegen mangelnder finanzieller Ausstattung und widriger politischer Umstände hatte sie allerdings nur bis 1415 Bestand. Zeugnisse für die Existenz bibliothekarischer Einrichtungen sind nicht vorhanden.

Die erste bayerische Landesuniversität (die heutige Universität München) entstand verhältnismäßig spät. Ihre Gründung 1472 in Ingolstadt verdankt sie den Bestrebungen Herzog Ludwigs IX. des Reichen von Bayern-Landshut (reg. 1450-1479) und seines Kanzlers Martin Mayr (gest. 1480). Schon im Folgejahr beschloss die Artistenfakultät, für ihre Magister und Studenten eine Bibliothek aufzubauen. Sie wurde im Hauptgebäude der Universität, dem so genannten "Collegium vetus", in einem ausgemalten Raum untergebracht. Ein erster erhaltener Katalog von 1492 nennt 231 Bände, die grob systematisch geordnet auf sieben mit den Buchstaben A-G bezeichneten Pulten lagen (Ruf, MBK III,1 Nr. 79). Die Bücher sind außer durch handschriftliche Besitzvermerke mit einem handgemalten Exlibris mit dem Wappen der Artistenfakultät (Hl. Katharina mit bayerischem Rautenschild) gekennzeichnet, einem der frühesten Exlibris und offenbar das erste von einer Institution benutzte überhaupt (Buzas, Universitätsbibliothek, S. 129). Im Katalog von 1508 werden bereits 374 Bände auf 24 Pulten in zwei Räumen und in einem Schrank genannt. Im nächsten Jahrzehnt wuchs der Bestand allerdings schon auf das Doppelte an. Wie Kataloge und Rechnungsbücher beweisen, erfüllte die Bibliothek spätestens seit 1497 die Funktionen einer Universitätsbibliothek.

1495 stiftete Herzog Georg der Reiche (reg. 1479-1503), Sohn und Nachfolger Ludwigs IX., in Ingolstadt ein Heim für arme Studenten, das Collegium Georgianum, damals auch "Collegium novum" genannt. Dessen Bibliothek entwickelte sich nahezu ausschließlich aus Geschenken und Vermächtnissen, meistens mit Stipendienstiftungen verbunden.

Fürsten- und Adelsbibliotheken

Die wenigen Fürstenbibliotheken des Spätmittelalters in Deutschland waren meist noch nicht von längerer Dauer. Sie entstanden als Privatbibliothek des Herrschers und enthielten je nach seinem persönlichen Interesse religiöse, gelehrte, unterhaltende, oft auch bibliophile Werke (wie Stundenbücher), die zugleich der Repräsentation dienen sollten.

Ein Geschlecht von Bibliophilen unter den deutschen Landesfürsten waren seit Ludwig III. (reg. 1410-1436) die Wittelsbacher Kurfürsten von der Pfalz. Den wissenschaftlichen Teil seiner Sammlung überließ er der Universität Heidelberg; mit den übrigen, vor allem auch deutschsprachigen Werken begründet er die Heidelberger Hofbibliothek, die später so berühmte "Bibliotheca Palatina". Erwähnenswert ist seine Tochter Erzherzogin Mechthild von Österreich (1419-1482), Förderin der deutschen Literatur, die 1462 mindestens 94 Werke besaß (Lehmann, MBK I Nr. 61) und mit Jakob Püterich von Reichertshausen (ca. 1400-1469) in Tauschbeziehungen stand.

Der bayerische Ritter und herzogliche Rat Jakob Püterich von Reichertshausen sammelte alte Ritterepik; 1462 nannte er in seinem Schloss Reichertshausen (Lkr. Pfaffenhofen a.d.Ilm) 164 Bücher sein eigen (B. Bischoff in: Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 101).

Um 1430 ist die Bibliothek des Grafen Ludwig XI. von Oettingen (reg. 1425-1440) und später die seines Neffen Graf Wilhelm (reg. 1425-1467) in drei Katalogen fast ausschließlich deutschsprachiger Literatur nachweisbar (Ruf, MBK III,1 Nr. 50-52). Des Weiteren besaßen in Bayern im 15. Jahrhundert die Grafen von Ortenburg eine ebenfalls weitgehend deutschsprachige Sammlung (Ineichen-Eder, MBK IV,1 Nr. 4).

Privatbibliotheken

Persönlicher Handschriftenbesitz ist im Mittelalters wohl am frühesten unter dem Weltklerus (Säkularkanoniker, Pfarrer) zu finden. Vorwiegend Theologie und Recht in lateinischer Sprache umfassend, sind dessen Sammlungen vielfach als Vermächtnis in größeren Bibliotheken aufgegangen und seit dem 14. Jahrhundert zunehmend durch Testamente, Inventare nachgelassener Bücher, Nekrologeinträge usw. belegbar. Je mehr sich die Wissenschaft außerhalb der Stifte und Klöster an den Universitäten etablierte, waren Privatbibliotheken auch in Laienbesitz verbreitet, insbesondere bei Ärzten und Juristen. Schließlich wurde das Studium in Italien zum Vermittler humanistischen Gedankengutes nach Deutschland. So prägte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts auch hier der Typus der frühhumanistischen Gelehrtenbibliothek aus, häufig aus mitgebrachten Handschriften als Grundstock. Jedenfalls war die Bücherleidenschaft bereits 1494 in Deutschland eine so verbreitete Erscheinung geworden, dass Sebastian Brant (gest. 1521) in seinem satirischen "Narrenschiff" den Büchersammler unter die Narrentypen einreihen konnte. Privatbibliotheken sind in besonderem Maße Gebrauchsbibliotheken, die Bücher oft mit aufschlußreichen Lesespuren (Erwerbungsnotizen, Marginalien, handschriftliche Register und Zusätze) versehen. Häufig waren sie auch anderen gelehrten Benutzern zugänglich im Sinne des Wahlspruches "Sibi et amicis" des Exlibris Willibald Pirckheimers (1470-1530). Nachfolgend seien aus der großen Zahl einige Privatbibliotheken des bayerischen Raumes hervorgehoben.

Hugo von Trimberg (gest. 1313 oder kurz danach), weltlicher Schulmeister am Stift St. Gangolf in Bamberg und selbst Autor mehrerer lateinischer und deutscher Werke, rühmte sich in seinem Lehrgedicht "Der Renner", 200 Bücher zu besitzen. Der bischöfliche Protonotar und spätere Scholaster am Neumünster zu Würzburg, Michael de Leone (gest. 1355), sammelte lateinische wie deutsche Texte der verschiedensten Wissensgebiete. Bedeutsam ist er u. a. durch die Überlieferung der Minnelieder Walthers von der Vogelweide (gest. um 1230) und Reimars des Alten (2. Hälfte 12. Jahrhundert) wie des ältesten Kochbuchs in deutscher Sprache. Eine Universalbibliothek mit theologischem Schwerpunkt besaß der Stadtjurist, Pfarrer bei St. Lorenz in Nürnberg und Regensburger Dompropst Konrad Kunhofer (gest. 1452); durch eine Schenkung von 151 Bänden wurde er zum Mitbegründer der Nürnberger Stadtbibliothek (Ruf, MBK III,3 Nr. 142).

Aus dem Kreise frühhumanistischer bayerischer Gelehrter mit bedeutender Bibliothek, die sich ausnahmslos in Italien aufgehalten hatten, seien genannt der Eichstätter und Bamberger Domherr Albrecht von Eyb (1420-1475), der Münchner Stadtarzt Sigismund Gotzkircher (gest. 1475), Johannes Tröster (gest. 1485) aus Amberg, Kustos des Domkapitels in Regensburg, sowie der Augsburger Patrizier und Bürgermeister Sigismund Gossembrot (gest. nach 1488).

Bernhard von Kraiburg (gest. 1477), Kanzler des Erzbischofs von Salzburg und seit 1467 Bischof von Chiemsee, hinterließ seine ansehnliche Humanistenbibliothek wahrscheinlich dem Bistum Chiemsee. Rund hundert Bände, durch einen der frühesten Wappenbesitzstempel kenntlich, sind heute noch nachweisbar.

Urban Klugkheimer (gest. 1503) aus Moosburg wurde nach Studium in Wien 1472 an der soeben gegründeten Universität Ingolstadt Magister und erster Dekan der Artistenfakultät; seine Bibliothek von 123 Bänden hinterließ er der Theologischen Fakultät.

Johannes Kerer (gest. 1506), seit 1493 Augsburger Weihbischof, hatte in Freiburg studiert und als Professor gelehrt. Daher stiftete er ebenda 1497 eine Studentenburse, genannt Collegium Sapientiae; darin errichtete er auch einen Bibliotheksraum, stattete ihn mit eigenen Büchern aus und regelte in den Statuten genauestens ihre Bewahrung und Benutzung.

In Nürnberg, einem weiteren Zentrum des Humanismus, wirkten der Patrizier und Arzt Hermann Schedel (1410-1485) und sein berühmterer Neffe Hartmann Schedel (1440-1514), Mitverfasser des "Buchs der Chroniken", dessen Sammlung schließlich über 1.000 Handschriften und Drucke umfasst haben muss.

Mit Willibald Pirckheimer in Nürnberg, der auf ererbtem Buchbesitz aus drei Generationen aufbauen konnte (Ruf, MBK III,3 Nr. 144), und dem Augsburger Stadtschreiber Konrad Peutinger (1465-1547), der mit rund 6.000 Titeln in 2.200 Bänden vermutlich die größte humanistische Privatbibliothek Deutschlands zusammengetragen hat (Künast/Zäh, I S. 4), ist die Grenze der Neuzeit erreicht.

Rats- und Stadtbibliotheken

Vereinzelt bildete sich seit dem 14. Jahrhundert erster städtischer Buchbesitz heraus, zunächst als Amtsbibliothek für den vor allem juristischen Bedarf der Stadtverwaltung, gegebenenfalls auch mit medizinischer Literatur für den Stadtphysikus. Die älteste derartige Ratsbibliothek Deutschlands ist bereits 1370 in Nürnberg urkundlich bezeugt. Regensburg errichtete 1396 ebenfalls eine juristische Ratsbibliothek, 1456 erhielt sie einen eigenen, mit Pulten versehenen Raum (Ausleihregister 1456-1476: Ineichen-Eder, MBK IV,1 Nr. 50); bis heute sind noch zahlreiche mittelalterliche Handschriften dieser Provenienz nachweisbar. Für die Reichsstadt Schweinfurt ist seit 1492 eine Rats- und Kanzleibibliothek belegt.

Mit der Vergrößerung der städtischen Bildungsschicht erfolgten ab dem 15. Jahrhundert vermehrt private Bücherschenkungen und -vermächtnisse "zum gemeinen Nutzen". Dies führte nicht nur zu einer Vergrößerung der bisher juristisch geprägten Sammlungen, sondern auch zu einem breiteren Fächerspektrum und einer besseren Zugänglichkeit. Dieser Wandel zur Stadtbibliothek wurde in Nürnberg 1443 durch die oben erwähnte Schenkung des Konrad Kunhofer eingeleitet. Ihr sind in den folgenden Jahrzehnten weitere Schenkungen gelehrter Humanisten gefolgt, so dass 1488 bereits 371 Bände auf 33 Pulten verzeichnet sind. In größerem Umfang wurden Stadtbibliotheken dann erst aus reformatorischem Geist heraus gegründet, in Bayern beginnend mit Nördlingen 1529, Augsburg 1537 und Lindau 1538.

Pfarr-, Spitals- und Kirchenbibliotheken

Zahlreiche Pfarrbibliotheken sind im Spätmittelalter im Raum des heutigen Bayern belegt. Naturgemäß waren sie meist kleineren Umfangs und hatten überwiegend liturgischen und homiletischen Inhalt, so ab 1374 bei St. Peter in München (Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 96 und 97), 1437 bei St. Mang in Kempten (Ruf, MBK III,1 Nr. 39), 1444 bei St. Sebald in Nürnberg (Ruf, MBK III,3 Nr. 122-124), 1446 in Donauwörth (Ruf, MBK III, 1 Nr. 30), um die Mitte des Jahrhunderts in Sulzbach (Oberpfalz), 1462 in Ebern (Unterfranken), 1464 in Bayreuth, 1470 in Schwabach sowie in Hollfeld in Franken (Ruf, MBK III,3 Nr. 107), in Rothenburg (Lkr. Ansbach) 1475 und in Kaufbeuren 1497.

Auch für städtische Spitäler ist früh Bücherbesitz belegt: bereits 1339 in Rothenburg (Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 121), 1345 für das Heilig Geist-Spital in Nürnberg (Ruf, MBK III,3 Nr. 127-133) und 1484 im Spital St. Gertrud in Bamberg (Ruf, MBK III,3 Nr. 106).

Bei der Entstehung von Kirchenbibliotheken spielten häufig Schenkungen eine entscheidende Rolle, sei es seitens des Geistlichen selbst oder gelehrter Laien, beispielsweise in Kempten, Nürnberg, Schwabach, Kaufbeuren. Allerdings ist zuweilen nicht eindeutig, ob eine Stiftung zur allgemeinen Nutzung tatsächlich der Kirche (bzw. entsprechend dem Spital) zugedacht war oder aber der städtischen Gemeinde, und die Bücher dort nur als dem zweckmäßigsten Ort aufgestellt waren; Mischformen waren nicht selten. Naturgemäß bot die Pfarrkirche die günstigsten Bedingungen für Aufbewahrung, sachgemäße Verwaltung und öffentliche Zugänglichkeit. Bei Bedarf ist für die Bibliothek bei Erweiterungsarbeiten ein eigener, in der Regel gewölbter Raum errichtet worden, etwa über der Sakristei oder einer Kapelle, in Wunsiedel 1515 über dem noch heute erhaltenen Beinhaus. Die Kirchenbibliothek bei St. Sebald in Nürnberg hat sich, bereits unter humanistischem Einfluss, zur bedeutendsten Kirchenbibliothek des Spätmittelalters im Raum des heutigen Bayerns entwickelt; um 1490 verzeichnete sie fast 500 Titel auf 24 Pulten in mehreren Räumen (Ruf, MBK III,3 Nr. 125).

Schulbibliotheken

Soweit Stifte und Klöster Schulen unterhielten, bestand in der Regel neben der eigentlichen Kloster- bzw. Stiftsbibliothek eine eigene Schulbibliothek. Derartige Sonderbestände sind durch das ganze Mittelalter des öfteren hinreichend belegt. Das älteste Schulbücherverzeichnis in Bayern stammt aus dem Freisinger Domstift des späten 10. Jahrhunderts (Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 75). Pfarrer, die auch Schulunterricht hielten, konnten sich auf die Pfarr- bzw. Kirchenbibliothek stützen. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde, vor allem in den Städten, zunehmend Schulunterricht auch von Nichtklerikern gehalten. Es entstanden Rats- bzw. Stadtschulen. So existieren in Nürnberg im 15. Jahrhundert bereits vier Lateinschulen. Daneben entwickelten sich bis um 1500 fast in jeder Stadt, zögernd nur auf dem flachen Lande, so genannte "deutsche Schreibschulen", in denen Schulmeister außer Rechnen das Lesen und Schreiben in Deutsch lehrten. So erlaubte der Rothenburger Rat 1403 dem Stadtschreiber, eine deutsche Schule zu errichten. Der Unterricht setzte an sich ein Mindestmaß an Literatur voraus, städtische Schulordnungen schrieben sogar bestimmte Texte vor und der Buchdruck hat das Angebot an Schulbüchern bald verbreitert. Dennoch ist vor der Reformation über einschlägige Bibliotheken kaum etwas bekannt. Wahrscheinlich besaßen nur die einzelnen Lehrer selbst einen geringen Büchervorrat.

Bau und Einrichtung der spätmittelalterlichen Bibliotheken

Anfangs reichten im Mittelalter verschließbare Kästen, Truhen oder Schränke (armarium) aus, um die Handschriften aufzubewahren. Kleinere Bibliotheken (wie Privat-, Kirchen- und Ratsbibliotheken) umfassten auch im Spätmittelalter in der Regel kaum mehr als 100 bis 200 Bände und fanden noch Unterschlupf in Sakristeien, im Chor oder anderen kirchlichen sowie weltlichen Nebenräumen. Bei größerer Bücherzahl allerdings wurden zunehmend eigene Räume notwendig. Ausgehend von Kollegien- und Fakultätsbibliotheken entwickelte sich in Europa der Typus der spätmittelalterlichen Pultbibliothek: ein Raum, in der Regel im Obergeschoss, häufig gewölbt und zuweilen ausgemalt, diente nunmehr zugleich als Aufbewahrungsort sowie als Lesesaal. In ihm standen, meist quer zur Fensterfront, die ein- oder meist beidseitig geneigten und mit Buchstaben oder Nummern gekennzeichneten Pulte. Auf ihnen wurden die Bücher liegend aufbewahrt. Um unrechtmäßiges Entfernen oder Störung der Ordnung zu vermeiden, befestigte man oftmals eine Kette am Einbanddeckel des Buches und an einer Laufstange des Pultes (so genannte Kettenbibliothek). Das Pultsystem setzte sich nach und nach auch in anderen Bibliotheksgattungen durch und wurde der vorherrschende Bibliothekstyp des 15. Jahrhunderts und der Renaissance.

In Deutschland hat sich keine einzige Pultbibliothek erhalten. Sie sind durch Quellen aber hinreichend nachweisbar - im heutigen Bayern beispielsweise für die Bibliothek der Artistenfakultät in Ingolstadt, für die Dombibliotheken Augsburg, Bamberg, Freising, Salzburg und Würzburg, unter den Klosterbibliotheken am frühesten für St. Emmeram in Regensburg, für die Stadtbibliotheken Nürnberg und Regensburg, für die Kirchenbibliotheken in Schwabach und St. Sebald in Nürnberg. Einzelne ehemalige Kettenbücher sind in reicher Fülle noch vorhanden und an den Überresten der früheren Befestigung zu erkennen. In den Statuten des Augsburger Weihbischofs Kerer von 1497 sind für das von ihm gestiftete Freiburger Kolleg drei Abbildungen der dortigen Pultbibliothek überliefert.

Auch die größten bayerischen Bibliotheken umfassten am Ende des Mittelalters kaum 2.000 Bände, wobei allerdings durch Sammelbände eine deutlich höhere Anzahl an Werken erreicht sein konnte. Vor allem im kirchlichen Bereich muss damit gerechnet werden, dass Teile des Bestandes außerhalb des eigentlichen Bibliotheksraumes gelagert wurden, beispielsweise im Dom- bzw. Klosterschatz, im Skriptorium und der Dom- bzw. Klosterschule, im Refektorium, in der Abtswohnung und aus liturgischen Gründen, wie 1485 im Würzburger Dom belegt, beim Küster, in oder vor der Sakristei, im Chor usw. (Glauche/Knaus, MKK IV,2 Nr. 133).

Bibliotheksverwaltung

Neben einschlägigen Bestimmungen zum Bibliothekswesen in den verschiedenen Ordensregeln sind seit dem Spätmittelalter auch Bibliotheksstatuten einzelner Bibliotheken überliefert, so für die Dombibliothek Eichstätt von 1477, für die Artistenfakultät der Universität Ingolstadt 1481/82 sowie im Katalog von 1492, schließlich in den Kollegstatuten des Augsburger Weihbischofs Kerer von 1497. Hinzu kommen Rechnungsbücher, Schenkungsurkunden, Testamente, Ausleihverzeichnisse, annalistische Notizen und weitere Einzelquellen, die einen Einblick in Entstehung, Aufbewahrung und Sicherung, Verwaltung und Benutzung geben können.

Auch im Spätmittelalter wurden die Bibliotheken weitgehend nur nebenamtlich betreut: Universitätsbibliotheken durch Dozenten und Studenten, Stifts- und Klostersammlungen von einem Kanoniker bzw. Mönch (häufig dem Kantor oder Scholaster bzw. Schulmeister), Rats- bzw. Stadtbibliotheken von einer städtischen Amtsperson (z. B. dem Stadtschreiber), Fürsten- und Adelsbibliotheken von einem Mitglied des Hofstaates, Kirchenbibliotheken durch den Pfarrer. Neben der hauseigenen Herstellung von Büchern im Skriptorium durch Abschreiben spielten Schenkungen und Vermächtnisse, denen viele Kollegien-, Stadt-, Kirchen- und Spitalsbibliotheken überhaupt erst ihre Gründung verdanken, eine wesentliche Rolle. Seltener, außer bei den Mendikanten, war vor der Ausbreitung des Buchdrucks der Ankauf von Büchern.

Gewöhnlich wurden die Bücher nach Sachgruppen grob geordnet aufgestellt: üblich war zunächst die Bibel bzw. deren Teile und deren Auslegungen, Kirchenväter, mittelalterliche Theologen, gegebenenfalls Kanonistik und Kirchengeschichte; danach profane Autoren, also je nach Bedarf antike Klassiker, Artes liberales, weltliches Recht, Medizin, Naturkunde usw. Neuzugänge wurden zuweilen nur hinten angefügt.

Die im ganzen Mittelalter übliche Eigentumskennzeichnung war ein handschriftlicher Vermerk am Anfang und/oder am Ende des Buches, beispielsweise "Iste liber est facultatis artium studii Ingolstatensis" der Ingolstädter Artistenfakultät. Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts begann, ausgehend von Süddeutschland, das Einkleben von Exlibris, zunächst noch handgemalte Bucheignerzettel (so in der Artistenfakultät in Ingolstadt), sehr bald aber im Holzschnittverfahren gedruckte. Zur gleichen Zeit tauchten erste Besitzstempel auf, so der des oben erwähnten Chiemseer Bischofs Bernhard von Kraiburg (gest. 1477).

Die überwiegende Benutzungsform, nicht nur für Kettenbücher, war die Präsenzbenutzung im Bibliotheksraum. Mönchen und Nonnen wurden Bücher in ihre Zellen gegeben; Mendikantenkonvente gewährten längerfristige Ausleihen an die Mitglieder. Ansonsten erfolgten seltene Ausleihen außer Haus offenbar in der Regel nur gegen Quittung und Stellung eines Pfandes, beispielsweise eines äquivalenten Buches.

Inventare und Kataloge

Bis ins 14. Jahrhundert hinein hatten die überlieferten Verzeichnisse mit ihren allzu knappen Angaben eher den Charakter bloßer Inventare zur Bestandssicherung, häufig angelegt bei Amtsantritt eines neuen Bibliothekars. Erst mit wachsenden Beständen, die das Gedächtnis des Bibliothekars überforderten, erfolgte der Übergang zum Katalog. Er enthielt ausführlichere Beschreibungen der Bände und eine Signatur als Hinweis auf den Standort des Buches, d. h. das entsprechende Pult. Im 15. Jahrhundert war dies fast überall erreicht. Zusätzlich konnten Tafel- oder Plakatkataloge existieren, einseitig auf große Pergamentblätter geschrieben, auf Holzbretter geklebt und an den Pulten oder an der Wand befestigt, so um 1400 im Kloster Aldersbach (Lkr. Passau) (B. Bischoff in: Glauche/Knaus, MBK IV,2 Nr. 140), 1474 in St. Ulrich und Afra in Augsburg (Ruf, MBK III,3, Taf. 1) und bald danach in der Artistenfakultät der Universität Ingolstadt.

In der Regel folgten Inventare wie später Kataloge der systematischen Aufstellung der Bände. Sie waren also Standortkataloge. Gegen Ende des Mittelalters konnten zur besseren Erschließung alphabetische Indizes nach Autoren bzw. Titeln und Sachbegriffen dazukommen. Mustergültig hat dies für die Pfarrkirche St. Sebald in Nürnberg der Gelehrte Sigismund Meisterlin (gest. um 1490) kurz vor seinem Tode durchgeführt (Ruf, MBK III,3 Nr. 125). Im gesamten deutschsprachigen Gebiet ist nur ein mittelalterlicher Gesamtkatalog, der den Bestand mehrerer Bibliotheken nachweist, bekannt: 1347 veranlasste Abt Albert von Schmidmüln (reg. 1324-1358) des Benediktinerklosters St. Emmeram eine Abschrift der Kataloge aller größeren Männerklöster in und um Regensburg in einem Bande (Ineichen-Eder, MBK IV,1 Nr. 30).

Kataloge sind die wichtigsten, nicht selten sogar die einzigen Zeugnisse ansonsten untergegangener mittelalterlicher Bibliotheken und ihrer verlorenen oder zumindest zerstreuten Bestände. Daher ist es besonders wertvoll, dass die im deutschen Sprachbereich erhaltenen Texte in den Reihen "Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz" und "Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs" ediert werden (vgl. unten Quellen). Da sie für Bayern und Österreich bereits vollständig vorliegen, sind sie entscheidend für unsere Kenntnis der hiesigen mittelalterlichen Bibliotheken.

Literatur

  • Bernhard Bischoff, Studien zur Geschichte des Klosters St. Emmeram im Spätmittelalter (1324-1525), in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 65 (1953/54), 152-194 (Nachdruck in: Bernhard Bischoff, Mittelalterliche Studien. Band 2. Stuttgart 1967, 115-155).
  • Ladislaus Buzas/Fridolin Dressler, Bibliographie zur Geschichte der Bibliotheken in Bayern, München 1986.
  • Ladislaus Buzas, Deutsche Bibliotheksgeschichte des Mittelalters (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 1), Wiesbaden 1975.
  • Ladislaus Buzas, Geschichte der Universitätsbibliothek München, Wiesbaden 1972.
  • Carl Christ/Anton Kern, Das Mittelalter, in: Georg Leyh (Hg.), Handbuch der Bibliothekswissenschaft. Band 3,1: Geschichte der Bibliotheken, Wiesbaden 2. Aufl. 1955, 243-498.
  • Fridolin Dressler, Bibliotheken, in: Walter Brandmüller (Hg.), Handbuch der bayerischen Kirchengeschichte. 1. Band: Von den Anfängen bis zur Schwelle der Neuzeit. II. Das kirchliche Leben, St. Ottilien 1998, 853-879.
  • Eberhard Dünninger, Die Klosterbibliotheken der Oberpfalz im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Hans-Jürgen Becker (Hg.), Der Pfälzer Löwe in Bayern. Zur Geschichte der Oberpfalz in der kurpfälzischen Epoche, Regensburg 1997, 25-36.
  • Eberhard Dünninger (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. 10.-13. Band: Bayern, Hildesheim/Zürich/New York 1996-1997.
  • Rudolf Endres, Schulen, Universität und Bibliothek, in: Peter Kolb/Ernst-Günther Krenig (Hg.), Unterfränkische Geschichte. Band 2: Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn des konfessionellen Zeitalters, Würzburg 1992, 531-546.
  • Frank Fuerbeth, Bischofsstädte als Orte der Literaturproduktion und -rezeption; am Beispiel von Würzburg (Michael de Leone) und Konstanz (Heinrich Wittenwiler), in: Das Mittelalter 7 (2002), 125-146.
  • Johannes Heldwein, Die Klöster Bayerns am Ausgange des Mittelalters, München 1913, insbes. 101-157.
  • Wilhelm John, Das Bücherverzeichnis der Ingolstädter Artistenfakultät von 1508, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 59 (1942), 381-412 (mit Edition).
  • Paul Kaegbein, Deutsche Ratsbüchereien bis zur Reformation (Zentralblatt für Bibliothekswesen, Beih. 77), Leipzig 1950.
  • Peter Keyser, Michael de Leone (gest. 1355) und seine literarische Sammlung (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte IX, 21), Würzburg 1966.
  • Hans-Jörg Künast/Helmut Zäh, Die Bibliothek Konrad Peutingers. Edition der historischen Kataloge und Rekonstruktion der Bestände. 1. Band: Die autographen Kataloge Peutingers. Der nichtjuristische Bibliotheksteil. Band 2: Die autographen Kataloge Peutingers. Der juristische Bibliotheksteil (Studia Augustana 11 und 14), Tübingen 2003-2005.
  • Edgar Lehmann, Die Bibliotheksräume der deutschen Klöster im Mittelalter (Schriften zur Kunstgeschichte 2), Berlin 1957.
  • Paul Lehmann, Dr. Johannes Tröster, ein humanistisch gesinnter Wohltäter bayerischer Büchersammlungen, in: Historisches Jahrbuch 60 (1941), 649-663. (Nachdruck in: Paul Lehmann, Erforschung des Mittelalters. Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze. Bd. 4, Stuttgart 1961, 336-352).
  • Paul Lehmann, Haushaltsaufzeichnungen und Handschriften eines Münchner Arztes aus dem 15. Jahrhundert, in: Paul Lehmann, Erforschung des Mittelalters. Ausgewählte Abhandlungen und Aufsätze. Band 3, Stuttgart 1960, 247-287 (Sigismund Gotzkircher).
  • Lexikon des gesamten Buchwesens. Band 1 ff., Stuttgart 2., völlig neu bearb. Aufl. 1987 ff.
  • Ernst Mehl/Kurt Hannemann, Deutsche Bibliotheksgeschichte, in: Wolfgang Stammler (Hg.), Deutsche Philologie im Aufriss. 1. Band, Berlin 2. Aufl. 1957 (Nachdruck 1966), 453-562.
  • Virgil Redlich, Tegernsee und die deutsche Geistesgeschichte im 15. Jahrhundert (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 9), München 1931, insbes. 72-90.
  • Wolfgang Schmitz, Deutsche Bibliotheksgeschichte (Germanistische Lehrbuchsammlung 52), Bern/Frankfurt am Main/New York 1984.
  • Karin Schneider, Die Bibliothek des Katharinenklosters in Nürnberg und die städtische Gesellschaft, in: Bernd Moeller/ Hans Patze/ Karl Stackmann (Hg.), Studien zum städtischen Bildungswesen des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften, Philologisch-historische Klasse, 3. Folge 137), Göttingen 1983, 70-82.

Quellen

  • Günter Glauche/Hermann Knaus, Mittelalterliche Bibliothekskataloge (MBK). Band IV, Teil 2: Bistum Freising. Bistum Augsburg, München 1979.
  • Christine Elisabeth Ineichen-Eder, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands (MBK). Band IV, Teil 1: Bistümer Passau und Regensburg, München 1977.
  • Johannes Kerer, Statuta Collegii Sapientiae. Satzungen des Collegium Sapientiae zu Freiburg im Breisgau 1497. Faksimile-Ausg., mit einer Einführung hg. von Josef Hermann Beckmann. Lateinischer Text besorgt und ins Deutsche übers. von Robert Feger, Lindau/Konstanz 1957.
  • Sigrid Krämer, Handschriftenerbe des deutschen Mittelalters (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz, Erg.-Band 1), 3 Bände, München 1989-1990.
  • Gerlinde Möser-Mersky/Melanie Mihaliuk, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Österreichs (MBKÖ). Band IV: Salzburg, Graz/Wien/Köln 1966.
  • Paul Ruf, Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz (MBK). Band III, Teile 1-4: Bistümer Augsburg, Eichstätt, Bamberg, München 1932-1962.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Wolfgang Müller, Bibliothekswesen (Spätmittelalter), publiziert am 10.12.2014; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bibliothekswesen (Spätmittelalter)> (22.09.2017)