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Beziehungen zu Frankreich (nach 1945)

von Alexandra Scherrer

Nach 1945 pflegten Bayern und Frankreich vielfältige Beziehungen. Zwar wurde mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 die Pflege auswärtiger Beziehungen Bundesangelegenheit. Praktisch unterhielt Bayern jedoch auch auf staatlicher Ebene vielfältige Beziehungen zu Frankreich, v.a. über den Ministerpräsidenten und die Staatskanzlei. 1946 wurde wieder ein Französisches Generalkonsulat in München eingerichtet; eine weitere französische Vertretung bestand in den 1950er und erneut seit den 1980er Jahren außerdem in Nürnberg. Ab den 1950er Jahren, besonders mit dem Abschluss des Elysée-Vertrages 1963, verlagerte sich die Dominanz von der staatlichen Ebene weg hin zur kommunalen und zivilgesellschaftlichen. Nicht zuletzt infolge des Elysée-Vertrages schlossen zahlreiche bayerische Kommunen Städtepartnerschaften mit französischen Gemeinden. Deutsch-Französische Gesellschaften wurden gegründet, 1963 auch das Deutsch-Französische Jugendwerk. Auf wirtschaftlicher Ebene bestanden seit den 1950er Jahren Beziehungen zwischen bayerischen und französischen Unternehmen. Auf kultureller Ebene wurden die gegenseitigen Beziehungen über die französischen Kulturinstitute in Bayern und den Fremdsprachenunterricht an bayerischen Schulen und Universitäten gepflegt.

Rahmenbedingungen bayerisch-französischer Beziehungen seit 1945

Nach der Kapitulation des nationalsozialistisch beherrschten Deutschen Reichs im Mai 1945 waren zunächst sämtliche Hoheitsrechte auf deutschem Gebiet an die Alliierten übergegangen – sie waren somit auch für auswärtige Angelegenheiten zuständig. So oblag beispielsweise die Akkreditierung konsularischer Vertreter der jeweiligen Besatzungsmacht.

Im amerikanisch besetzten Bayern trat am 8. Dezember 1946 auf Initiative der US-Militärregierung eine Verfassung in Kraft, die unter anderem bestimmte: "[Der Ministerpräsident] vertritt Bayern nach außen." (Art. 47 Abs. 3). Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 regelte dann allerdings das Grundgesetz in Art. 32 Abs. 1: "Die Pflege der Beziehungen zu auswärtigen Staaten ist Sache des Bundes." Zwar sollte es noch bis zur Revision des Besatzungsstatutes vom 6. März 1951 dauern, ehe es der Bundesregierung wieder gestattet war, ein Außenministerium einzurichten, doch waren die außenpolitischen Kompetenzen ab 1949 geklärt. Lediglich in Ausnahmefällen, wie etwa im Kultusbereich, hatten die Länder gewisse Mitspracherechte. Betrachtet man die Ausgestaltung auswärtiger Beziehungen in der Praxis, wird man allerdings nicht nur auf Länderebene, sondern auch im kommunalen, zivilgesellschaftlichen oder privaten Bereich fündig. Blickt man auf die Rahmenbedingungen bayerisch-französischer Beziehungen, sollten noch zwei Besonderheiten erwähnt werden: die bis dahin zu Bayern gehörenden und nun französisch besetzten Gebiete Pfalz und Lindau.

Im Falle der Pfalz, die nun Teil des Landes Rheinland-Pfalz war, kam es wohl zu keinen Absprachen zwischen bayerischen und französischen Vertretern in München. Auch die französischen Generalkonsuln, die regelmäßig über die Bemühungen bayerischer Politiker, die Pfalz wieder in Bayern zu integrieren, berichteten, zeigten in ihren Schreiben einen sehr neutralen Standpunkt.

Staatsbesuch des bayerischen Ministerpräsidenten Hans Ehard (CSU, 1887-1980, Ministerpräsident 1946-1954 und 1960-1962) am 20. März 1948 in Lindau. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Nachlass Ehard 729)

Etwas anders sah es betreffend des Kreises Lindau aus. Schon bald nach Kriegsende stand fest, dass Lindau nach wie vor zu Bayern gehören sollte. Dies versicherte die französische Besatzungsmacht immer wieder, und auch die US-Stellen hatten prinzipiell nichts gegen eine spätere Wiedereingliederung Lindaus in den Freistaat einzuwenden. Dennoch beäugten die US-Behörden die bayerisch-französischen Verbindungen betreffend Lindau skeptisch, da sie ohnehin einen zu großen französischen Einfluss in Bayern und eine französische Unterstützung separatistischer bayerischer Kreise befürchteten. Eine Reise von Ministerpräsident Hans Ehard (CSU, 1887–1980, Ministerpräsident 1946-1954 und 1960-1962) nach Lindau 1948 führte beispielsweise zu deutlichem Unmut in Teilen der amerikanischen Militärregierung, obgleich man auf französischer Seite befand, dass diesem Treffen keinerlei politisches Gewicht beizumessen sei. Als die Besatzungszeit 1955 endete, kehrte der Kreis Lindau wieder zu Bayern zurück; der offizielle Staatsakt zur Wiedereingliederung fand am 27. März 1956 statt.

Staatliche Akteure in den bayerisch-französischen Beziehungen

Staatsbesuch des französischen Präsidenten Charles de Gaulle vom 8. bis 9. September 1962 in München. Ministerpräsident Hans Ehard (CSU, 1887-1980, Ministerpräsident 1946-1954 und 1960-1962) und Präsident Charles de Gaulle (1890-1970, französischer Präsident 1959-1969) fahren im offenen Wagen auf der Münchner Ludwigstraße vom Odeonsplatz in Richtung Siegestor. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv fruh-08445)

Jenseits des Sonderfalls Lindau traten auf staatlicher Ebene seitens Bayern in erster Linie der Ministerpräsident und die Staatskanzlei, vor allem ihre Protokollabteilung, als Akteure in den bayerisch-französischen Beziehungen hervor. Sie waren unter anderem zuständig für Empfänge, für die Betreuung des in Bayern ansässigen Konsularischen Korps oder auch für die Organisation von Staatsbesuchen wie denen der französischen Präsidenten Charles de Gaulle (1890–1970) in München 1962 und Valéry Giscard d’Estaing (geb. 1926) 1980 in Würzburg.

Das Palais Seyssel d'Aix in der Münchner Kaulbachstraße 13 war 1951 bis 1954 nicht nur Sitz des französischen Generalkonsulats, sondern auch bereits Sitz des Institut français de Munich. Seit 1954 ist das Institut français alleiniger Mieter. Zwischen 1945 und 1951 nutzten die amerikanischen Streitkräfte die Räumlichkeiten des Palais Seyssel d'Aix sowie der benachbarten Villa Kaulbach für den Soldatensender AFN Munich (American Forces Network). Photographie 1995. (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Foto: Joachim Sowieja)
Empfang beim französischen Generalkonsul im Zuge der Pariser Universitätswoche an der Ludwig-Maximilians-Universität in München vom 14.-18. Februar 1955. V. l. n. r.: Willi Ankermüller (Politiker, 1901-1986), Jean Sarrailh (Historiker, 1891-1964), Joseph Baumgartner (Politiker, 1904-1964). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv timp-014560)

Auf französischer Seite spielten die (konsularischen) Vertreter der Republik eine bedeutende Rolle. Diese repräsentierten ihr Land vor Ort und waren Ansprechpartner für bayerische Persönlichkeiten. Bereits 1945 traf man in München offizielle französische Vertreter an, die Mitglieder der bei den US-Behörden akkreditierten Verbindungsmission. Im Februar 1946 eröffnete dann schließlich wieder ein Französisches Generalkonsulat in München. Zwischen 1952 und 1957 bestand ferner eine französische Konsularkanzlei in Nürnberg; 1986 wurde in der fränkischen Stadt ein Honorarkonsulat eröffnet.

Die Konsulatsmitarbeiter waren unter anderem für standesamtliche Fragen der in Bayern lebenden Franzosen oder für das Ausstellen von Visa zuständig. Daneben erstatteten sie aber auch ihren Vorgesetzten in der Französischen Botschaft in Bonn und im Pariser Außenministerium regelmäßig über Ereignisse und Sachverhalte aus Bayern Bericht und pflegten den Kontakt zur bayerischen Politik und Gesellschaft.

Frankreichs Beziehungen zu bayerischen Kommunen

Karte der bayerisch-französischen Partnerkommunen aus dem Jahr 2000. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Planfilm 5750)

Jean-Pierre Brunet (1920-1990), der 1977 sein Amt als französischer Botschafter in Bonn antrat, zeigte sich bei seiner Ankunft in einem Schreiben an seine Vorgesetzten erstaunt nicht nur vom ausgeprägten Föderalismus in der Bundesrepublik, sondern auch vom bedeutenden Einfluss der Bürgermeister großer Städte. Gerade in den bayerisch-französischen Beziehungen übernahmen Städtepartnerschaften eine wichtige Funktion, und ein vergleichender Blick zeigt, wie stark sich hier die Verbindung zu Frankreich von anderen auswärtigen Beziehungen Bayerns abhob: Bis 1980 existierten fast 120 bayerisch-französische Städtepartnerschaften, während es 30 bayerisch-italienische, nicht einmal 20 bayerisch-britische und nur 11 bayerisch-US-amerikanische waren. Selbst Bayern und Österreich kamen zu diesem Zeitpunkt lediglich auf rund 50 Partnerschaften. Dabei vermittelte das Generalkonsulat in München bayerischen Kommunen bei Bedarf geeignete Städtepartner in Frankreich.

Das oberbayerische Lenggries unterhält seit 1981 mit den bretonischen Gemeinden Plélo, Châtelaudren, Plouvara, Bringolo und Saint-Jean-Kerdaniel partnerschaftliche Verbindungen. Zum Ausdruck dieser freundschaftlichen Verbindung wurde der 1982 errichteten Isarbrücke zwischen Fleck und Wegscheid der Name "Bretonenbrücke" gegeben. (Foto: Daniel Rittenauer)

Generell pflegten die Angehörigen des Generalkonsulates jedoch nur vereinzelt Kontakte zu kommunalen Vertretern; in der Regel fand die offizielle Kommunikation über den Weg der Staatskanzlei statt. Besuche französischer Generalkonsuln in Städten jenseits von München gab es nur wenige wie etwa den Besuch von André Saint-Mleux (1920-2012) in Passau 1967 oder die "tournée consulaire" von Charles Jehannot de Bartillat, der 1969/70 Würzburg, Nürnberg, Ansbach, Erlangen, Bayreuth, Augsburg, Regensburg, Landshut, Passau, Straubing, Ingolstadt, Neuburg an der Donau und Bamberg besuchte. Dennoch gewannen die Konsulatsangehörigen Eindrücke aus ganz Bayern, wenn sie entweder privat oder im Rahmen von mehrtägigen Ausflügen, welche die Staatskanzlei meist einmal jährlich organisierte, durch das Land reisten.

Zivilgesellschaftliches Engagement

Auf zivilgesellschaftlicher Ebene trifft man ab den 1960er Jahren – welche auch die Blütezeit der Städtepartnerschaften darstellten – auf die Deutsch-Französischen Gesellschaften, die sich in ganz Bayern gründeten: 1958 in Würzburg, 1960 in Bayreuth, 1964 in Augsburg oder 1965 in München. Ende der 1960er Jahre existierten daneben Gesellschaften in Erlangen, Freising, Nürnberg, Regensburg, Rehau (Lkr. Hof) und Weiden. Die Mitglieder dieser Gesellschaften trafen sich unter anderem zu Vorträgen über Themen aus der französischen Politik und Wirtschaft, zu Lesungen oder Filmvorführungen.

Konzert der Musikalischen Jugend des Kammermusikkreises München am 4. Februar 1954. V. l. n. r.: Eckart Rohlfs (Publizist, Musikmanager, geb. 1929), Sabine Krüger (Cembalistin), Ingrid Klein (Sängerin). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv timp-012865)

Die Jugendgruppe der Münchner Deutsch-Französischen Gesellschaft war organisatorisch sogar für eine ganz spezielle Initiative zuständig: den 1968 gegründeten Deutsch-Französischen Chor, den Bernard Lallement, Konsul am Französischen Generalkonsulat, ins Leben gerufen hatte und der eine Schnittstelle zwischen Staat, Zivilgesellschaft und Privatleben darstellte. Im Rahmen dieses Chores kam es dabei zu einem tatsächlich engen Miteinander, denn die Sängerinnen und Sänger waren sowohl Deutsche als auch Franzosen und der Chor fuhr regelmäßig nach Frankreich, um dort gemeinsam mit anderen Chören aufzutreten.

Wirtschaftsbeziehungen

Für Bayerns Wirtschaft stellte Frankreich eine bedeutende Größe dar. 1966 stand die Republik an zweiter Stelle der bayerischen Exporte, gleich hinter Italien. Die Zusammenarbeit bayerischer Unternehmen mit Frankreich konnten staatliche Stellen jedoch nur bedingt beeinflussen.

BMW belieferte während der Besatzungszeit in großem Umfang die französischen Besatzungsbehörden in Baden-Baden mit Motorrädern. Auch nach dem Ende der Besatzung bestanden die Kontakte fort; vor allem die französische Polizei setzte auf BMW-Motorräder. Zudem gab es Kooperationen mit französischen Firmen: Ende der 1960er Jahre war BMW beispielsweise gemeinsam mit FIAT, Renault, MAN und GLAS an einer deutsch-italienisch-französischen Kooperation auf Initiative der Verteidigungsministerien beteiligt, deren Ziel die Entwicklung eines Militärfahrzeuges war.

Siemens wiederum trat nicht nur als bedeutendes in Bayern ansässiges Unternehmen im Rahmen der Wirtschaftsbeziehungen auf. Vielmehr waren Repräsentanten der Firma oft geladene Gäste bei Veranstaltungen, die Vertreter der bayerischen Gesellschaft und des Französischen Generalkonsulates zusammenbrachten. Zudem unterstützte Siemens die Deutsch-Französische Gesellschaft München, indem sich Vertreter des Unternehmens im Kuratorium der Gesellschaft engagierten.

Auch die 1955 gegründete Deutsch-Französische Handelskammer trug ihren Teil zu den bayerisch-französischen Wirtschaftsbeziehungen bei: Einerseits wurden die bayerischen IHKs Mitglieder der Handelskammer, andererseits kamen in diesem Rahmen auch Verbindungen einzelner Städte zustande – im Falle Bayerns waren dies Augsburg und Nancy sowie Nürnberg und Tours.

Sprachunterricht an Bayerns Schulen und Universitäten

Nach Kriegsende 1945 entwickelten sich rasch vielfältige bayerisch-französische Kulturbeziehungen in den unterschiedlichsten Bereichen. Vom Austausch von Ausstellungen über gegenseitige Besuche künstlerisch tätiger Gruppierungen bis hin zur Etablierung von französischen Bibliotheken in Bayern gab es zahlreiche, oft auch private Initiativen, deren Ziel die Verbesserung und die Festigung der deutsch-französischen Verbindungen war.

Für den französischen Staat schien dabei in diesem Zusammenhang ein Thema am bedeutendsten zu sein: die Förderung der französischen Sprache. Im Generalkonsulat beobachtete man genau, wie viele Bayern Französisch beherrschten und wie der Sprachunterricht in den Schulen und Universitäten sich gestaltete. Die Generalkonsuln versuchten dabei immer wieder, den Sprachunterricht zu fördern, auch wenn sie die Dominanz der englischen Sprache als (erste) Fremdsprache an den Schulen durchaus anerkannten. Zudem schickte die französische Regierung Lektoren nach Bayern, die an Schulen und Universitäten Sprachkurse gaben. Um die Bildung der eigenen Jugend zu sichern, wurde 1953 in München, 1979 dann außerdem in Nürnberg eine französische Schule gegründet. Auch die Münchner Deutsch-Französische Gesellschaft sorgte sich um den Sprachunterricht und rief einen eigenen Kreis ins Leben, der sich der Förderung der französischen Sprache an den Schulen widmete.

Die französischen Kulturinstitute in Bayern

Eröffnung der Bibliothek des Institut français in der Kaulbachstraße 13 in München am 7. Juli 1953. V. l. n. r.: André François-Poncet, (1887-1978, Hoher Kommissar 1949-1955), Alois Hundhammer (CSU, 1900-1974, Landtagspräsident 1951-1954), Michael Schmaus (Theologe, 1897-1993). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv timp-012274)

Sprachkurse, eine Bibliothek, Vorträge oder Filmvorführungen waren vor allem aber Teil des Programms der französischen Kulturinstitute. 1950 eröffnete in München ein Institut français, 1963 in Erlangen ein Centre Culturel. Das 1952 gegründete Centre d’Etudes Françaises in Nürnberg musste 1955 aus Kostengründen wieder schließen. In München und Erlangen jedoch verfügte man mit dem Institut bzw. dem Centre über zwei Institutionen, welche einer breiten gebildeten Bevölkerung die französische Kultur und Sprache näherbrachten. Darüber hinaus veranstaltete das Münchner Institut français seit 1968 gemeinsam mit der Bayerischen Staatskanzlei jedes Jahr ein deutsch-französisches Seminar in Fischbachau, bei welchem sich um die 100 höhere bayerische Beamte in Vorträgen oder bei Diskussionsrunden mit Frankreich befassten.

Französische Staatsangehörige wohnhaft in Bayern von 1948 bis 1971. (Quelle: Statistisches Jahrbuch für Bayern 1952-1972)

Rückblick und Ausblick auf die bayerisch-französischen Beziehungen

Während in den späten 1940er und 1950er Jahren hauptsächlich staatliche Vertreter die bayerisch-französischen Beziehungen nach dem Ende des Krieges wieder in Gang brachten und ein Austausch vor allem zwischen Bayerischer Staatskanzlei und Französischem Generalkonsulat stattfand, traten ab den späten 1950er Jahren und besonders nach dem Abschluss des Elysée-Vertrages 1963 verstärkt kommunale und zivilgesellschaftliche Akteure auf. Nun gründeten sich die Deutsch-Französischen Gesellschaften, Städtepartnerschaften wurden in großem Umfang abgeschlossen und das Deutsch-Französische Jugendwerk – ein Kind des Elysée-Vertrages – brachte deutsche und französische Jugendliche zusammen.

Ende des 20. Jahrhunderts hingegen flaute dieses zivilgesellschaftliche Engagement wieder ab: Seit den 1990er Jahren wurden kaum mehr Städtepartnerschaften abgeschlossen; der Zulauf der Deutsch-Französischen Gesellschaften schwand; das Alter derer, die sich für einen bayerisch-französischen Austausch engagierten, stieg.

Nach wie vor stellen beide Länder wichtige Partner füreinander dar. 2011 lag Frankreich zumindest noch auf Platz 5 der Staaten, in die Bayern am meisten exportierte, und bayerische Ministerpräsidenten wie Edmund Stoiber (CSU, geb. 1941, Ministerpräsident 1993-2007) oder Horst Seehofer (CSU, geb. 1949, Ministerpräsident 2008-2018) besuchten den französischen Präsidenten in Paris. Darüber hinaus gibt es auch neue Initiativen: Seit 2012 finden in Frankreich die sog. Entretiens de Malbrouk statt, bei denen französische wie auch deutsche Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung über Deutschland betreffende Themen sprechen.

Deutlich wird hier aber auch etwas anderes: Obwohl schon 1946 auf französischer Seite von ganz besonderen bayerisch-französischen Beziehungen gesprochen wurde und diese Besonderheit in Form einer gemeinsamen geschichtlichen Tradition auch in den folgenden Jahrzehnten auf staatlicher Ebene immer wieder betont wurde, handelte es sich in der Praxis doch vor allem um eines – deutsch-französische Verbindungen im alltäglichen Leben.


Französische Generalkonsuln in München
Name Lebensdaten Amtszeit Bemerkungen
Louis Jousset 1946–1947
Louis Joseph de Keller 1899-1968 1947-1950 1925-1927 Attaché in Nürnberg, 1927-1933 Archivsekretär in München
Robert Fabre 1950–1953 Geschäftsführer
Achille Clarac 1903-1999 1953–1954
Robert Fabre 1954-1955 Geschäftsführer
Robert de Nerciat geb. 1901 1955-1960
Pierre Saffroy geb. 1901 1960-1965
André Léon Saint-Mleux 1965–1968
Charles Jehannot de Bartillat 1968–1975
Gérard Le Saige de La Villèsbrunne geb. 1916 1975–1977
Lionel de Warren 1920-2010 1978–1982
Dr. Daniel Contenay geb. 1937 1982-1986
Jean-Claude Moreau 1986-1991
Francis Bellanger geb. 1941 1991-1994
André Cira 1994-1996
Christian Rouyer geb. 1950 1996-2000
Antoine Grassin geb. 1955 2000-2003
Jean-Claude Schlumberger geb. 1950 2003-2006 1981-1984 Konsul in München
Graham Paul geb. 1958 2006-2008
Stéphane Visconti geb. 1962 2008-2011
Emmanuel Cohet 2011-2014
Jean-Claude Brunet geb. 1966 seit 2014
Franz. Konsulat/Honorarkonsulat in Nürnberg
Name Lebensdaten Amtszeit
Dr. Georg Bayer 1931-2002 1986-2001
Philippe Auguin geb. 1961 2002-2007
Michel Roger Gustave Gosselin 2008-2013
Dr. Matthias Everding geb. 1962 seit 2013

Literatur

  • Mathias Auclair/Gerhard Hetzer (Hg.), France-Bayern. Bayern und Frankreich - Wege und Begegnungen. 1000 Jahre bayerisch-französische Beziehungen, anläßlich der Ausstellung Bayern - Frankreich: Wege und Begegnungen. Tausend Jahre Bayerisch-Französische Beziehungen in München im Bayerischen Hauptstaatsarchiv vom 21. Februar bis 17. April 2006 und in Paris, Hôtel de Soubise, vom 10. Mai bis 7. August 2006 (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns 47), Waakirchen 2006.
  • Bavaria und Marianne. Bayern und Frankreich gestern und heute, hg. von der Charivari Verlagsgesellschaft mbH (Charivari Sonderheft. Bayerische Zeitschrift für Kunst, Kultur und Lebensart), München 1997.
  • Bayern und Frankreich. Schlaglichter auf ein Jahrtausend wechselvoller Beziehungen. Eine Ausstellung des Bayerischen Hauptstaatsarchivs in Zusammenarbeit mit der Montgelas-Gesellschaft zur Förderung der Bayerisch-Französischen Zusammenarbeit, hg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2., erg. Auflage 2002.
  • Eckart Conze u. a., Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, München 2. Auflage 2010.
  • Corine Defrance/Ulrich Pfeil, Der Elysée-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen. Eine Einleitung, in: Dies. (Hg.), Der Elysée-Vertrag und die deutsch-französischen Beziehungen 1945 – 1963 – 2003, München 2005, 9-46.
  • Jürgen Klöckler, Abendland, Alpenland, Alemannien. Frankreich und die Neugliederungsdiskussion in Südwestdeutschland 1945–1947, München 1998.
  • Isabella Kratzer/Ferdinand Kramer, Der Staatsbesuch von Charles de Gaulle in München (1962), in: Revue d'Allemagne et des pays de langue allemande. Société d'Etudes Allemandes 38 (2006), 403-417.
  • Ulrich Lappenküper, Die deutsch-französischen Beziehungen 1949–1963. Von der "Erbfeindschaft" zur "Entente élémentaire". 2 Bände, München 2001.
  • Stefan Martens, Frankreich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in: Ernst Hinrichs (Hg.), Kleine Geschichte Frankreichs, Stuttgart aktual. u. erg. Ausg. 2006, 417–483.
  • Hélène Miard-Delacroix, Im Zeichen der europäischen Einigung. 1963 bis in die Gegenwart, Darmstadt 2011.
  • Hélène Miard-Delacroix/Rainer Hudemann (Hg.), Wandel und Integration. Deutsch-französische Annäherung der fünfziger Jahre, München 2005.
  • Horst Möller/Klaus Hildebrand (Hg.), Die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich. Dokumente 1949–1963. 4 Bände, München 1997–1999.
  • Matthieu Osmont, Les ambassadeurs de France à Bonn (1955–1999). Thèse pour le doctorat d’histoire, sous la direction du professeur M. Vaïsse, soutenue à l’Institut d’Etudes Politiques de Paris le 12.12.2012.
  • Alexandra Scherrer, Das Französische Generalkonsulat in München 1945–1980. Organisation – Netzwerke – Berichterstattung (Miscellanea Bavarica Monacensia 187), München 2018.
  • Heiner Stauder, Ein zweites "Fürstentum Liechtenstein" am See. Die Sondersituation des Landkreises Lindau 1945–1955/56, in: Paul Hoser (Hg.), Kriegsende und Neubeginn. Die Besatzungszeit im schwäbisch-alemannischen Raum, Konstanz 2003, 127–156.
  • Maurice Vaïsse/Christian Wenkel, La diplomatie française face à l'unification allemande, Paris 2011.

Quellen

  • Archives de l’Occupation en Allemagne et Autriche de Colmar (inzwischen in la Courneuve), Ambassade de France à Bonn, Offices consulaires.
  • Archives de l’Occupation en Allemagne et Autriche de Colmar (inzwischen in la Courneuve), Ambassade de France à Bonn, Pays allemands.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Staatskanzlei.
  • Centre des Archives diplomatiques de Nantes, Munich, Consulat Général.
  • Centre des Archives diplomatiques de Nantes, Nuremberg, Consulat puis Chancellerie détachée.
  • Centre des Archives diplomatiques de Nantes, Bonn, Ambassade (1997 + 1999).
  • Centre des Archives diplomatiques de la Courneuve, EU Europe, Allemagne.
  • Stadtarchiv München, Bürgermeister und Rat.

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Alexandra Scherrer, Beziehungen zu Frankreich (nach 1945), publiziert am 19.2.2018; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Beziehungen_zu_Frankreich_(nach_1945)> (22.06.2018)