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Roter Frontkämpferbund, 1924-1929

Wahlpropaganda des Roten Frontkämpferbundes zur Reichstagswahl am 20. Mai 1928; die (rote) Faust als Klassensymbol war zugleich die obligatorische Grußform des Bundes. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plakatsammlung)
Bundesabzeichen des Roten Frontkämpferbundes, um 1924-1926. (aus: Armeemuseum der DDR [Hg.], Roter Frontkämpferbund, Dresden 1984, S. 11)
Rotes Treffen des Gaues Südbayern in Rosenheim im August 1928, Mitglieder der Ortsgruppe Augsburg. (aus Armeemuseum der DDR [Hg.], Roter Frontkämpferbund, Dresden 1984, S. 117)
Broschüre "Reih Dich Ein in die Rote Front", Juli 1928, hg. von der Bundesführung des RFB. (aus: Armeemuseum der DDR [Hg.], Roter Frontkämpferbund 1924-1929, Dresden 1984, S. 76.)

von Friedbert Mühldorfer

Der paramilitärische Wehrverband der KPD entstand im Mai 1924 unter der Leitung des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann (1886-1944). Erkennungszeichen waren die rote Armbinde, der Sowjet-Stern und die geballte Faust, die Kampfbereitschaft signalisieren sollte. 1928 organisierte der Bund reichsweit rund 100.000 Mitglieder, hatte in Bayern aber nur schwachen Zulauf. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen im Mai 1929 wurde er reichsweit verboten und ging 1930 in den Kampfbund gegen den Faschismus über.

Roter Frontkämpferbund auf Reichsebene

Wie in allen politischen Lagern der Weimarer Republik kam es auch in der Arbeiterbewegung zur Bildung von – teilweise bewaffneten – Parteitruppen. So hatte die KPD etwa in den frühen 1920er Jahren vorzugsweise in größeren Betrieben (später illegale) "Proletarische Hundertschaften" aufgebaut.

Das meist polizeilich geduldete öffentliche Auftreten völkisch-nationaler Wehrverbände wie "Stahlhelm" einerseits, die Gründung des republikanischen "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" durch die SPD am 22. Februar 1924 andererseits führten auch in der KPD zu dem Wunsch, einen eigenen Verband zu formieren, da auch nach Aufhebung des KPD-Verbots am 1. März 1924 die Proletarischen Hundertschaften weiter verboten blieben.

Blutige Auseinandersetzungen am 11. Mai 1924 in Halle zwischen Polizei und kommunistischen Demonstranten, die gegen einen "Deutschen Tag" nationaler Verbände protestierten, nahm die KPD zum Anlass, den "Roten Frontkämpferbund" (RFB) zu gründen; erste Ortsgruppen entstanden seit Juli 1924 in Sachsen und Thüringen.

Massenpropaganda als Aufgabe

Dieser Verband, dessen erster Leiter der spätere KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann (1886-1944, im KZ Buchenwald ermordet) war, sollte als Massenorganisation öffentlichkeitswirksam auftreten und im Sinn der "Einheitsfrontpolitik" vor allem auch sozialdemokratisch orientierte Arbeiter in Gewerkschaften und Sportorganisationen ansprechen und letztlich für die KPD gewinnen. In Abgrenzung zu den nationalen Verbänden wurde der Frontkämpferbund zunächst betont antimilitaristisch ausgerichtet; eine Bewaffnung war deshalb - auch aus Legalitätsgründen - nicht vorgesehen. Vielmehr sollte er über die "Ursachen der Kriegsgefahr" aufklären sowie einen "breiten Schutzwall gegen kommende Kriege" ("Rote Fahne" v. 10. August 1924) bilden.

Zunehmende Militarisierung

Um aber in Konkurrenz zum Stahlhelm, zur nationalsozialistischen SA und auch zum Reichsbanner bestehen zu können, wurde das Auftreten des RFB zunehmend "militarisiert": grüne Russenbluse, Mütze, Koppel, Breecheshose und Schaftstiefel. Anstelle der Begriffe "Leiter", "Vorsitzender" und "Bezirk" verwendete man nun "Führer" und "Gau". Seit 1928 wurde der Kampfcharakter des Bundes verstärkt, wozu nun auch Wehrsportübungen, vor allem im Rahmen der Unterabteilung "Rote Jungfront", durchgeführt wurden. Zum Markenzeichen des Bundes gehörten auch die erhobene Faust und die Grußformel "Rotfront" sowie die Begleitung durch Schalmeienkapellen bei Aufmärschen. Besonders die jährlich stattfindenden Bundestreffen an Pfingsten in Berlin mit Massenkundgebungen sowie später teilweise blutige Auseinandersetzungen mit der SA prägten wirksam das Erscheinungsbild des zunehmend kämpferischer auftretenden Bundes, der über 100.000 Mitglieder umfasste. Verbandszeitung war "Die Rote Front".

Nach schweren Zusammenstößen mit der Berliner Polizei anlässlich einer verbotenen Demonstration zum 1. Mai 1929, bei der über 30 Demonstranten und Zuschauer erschossen wurden, erfolgte das seit längerem vorbereitete reichsweite Verbot des Frontkämpferbundes am 6. Mai 1929. Die Organisation wurde illegal weitergeführt; als legale Nachfolgeorganisation entstand der Kampfbund gegen den Faschismus.

Entwicklung in Bayern seit 1919

Insbesondere seit den Tagen der Räterepublik in Bayern bemühten sich SPD und KPD um den Aufbau von Arbeiterwehren. Zusammenstöße mit rechtsgerichteten Gruppen gab es immer wieder. So kam es beispielsweise im Gefolge des Kapp-Putsches in Nürnberg am 17. März 1920 zu schweren Auseinandersetzungen mit über 20 Toten zwischen Nürnberger Arbeitern und Reichswehrtruppen, die von Freiwilligenverbänden Erlanger Studenten verstärkt wurden. Auch der Protest gegen den "Deutschen Tag" in Nürnberg, einer Propagandaveranstaltung nationaler und völkischer Organisationen mit 100.000 Teilnehmern am 1./2. September 1923, verlief blutig.

Auf Seiten der KPD übernahmen zunächst meist Arbeitersportgruppen den Schutz von Veranstaltungen. 1924 wurde für diese Aufgabe zeitweise ein "Kommunistischer Wahldienst" (trotz Verbots der Partei konnte die KPD an den Wahlen teilnehmen) eingesetzt, bevor dieser als "paramilitärische Organisation" verboten wurde. Im Nürnberger Raum traten gelegentlich auch Mitglieder des Kommunistischen Jugendverbandes einheitlich bekleidet mit Windjacke und blauer Skimütze auf, um Zusammengehörigkeit zu demonstrieren und das damals von den Behörden praktizierte Uniformverbot zu umgehen.

Roter Frontkämpferbund in Bayern

Eine erste Gründungsversammlung des "Roten Frontkämpferbundes" in Nürnberg im Juli 1925 wurde von der Polizeidirektion Nürnberg-Fürth verboten. Ebenso erfolglos waren Gründungsversuche eines "Roten Jungsturms" oder eines "Roten Frauen- und Mädchenbundes" in München. Damit war der Frontkämpferbund bis 1928 in Bayern nicht präsent.

In verschiedenen Ortsgruppen existierte unter halblegalen Bedingungen ein eigener Wach- und Saalschutz der KPD, meist jedoch übernahmen Mitglieder des Jugendverbandes oder von Sportvereinen diese Funktion. Bei Demonstrationen oder Aufmärschen zum 1. Mai beteiligten sich auch Formationen von Mitgliedern in RFB-ähnlicher Kleidung, in größeren Orten begleitet von Musikgruppen. Während nordbayerische KPD-Organisationen teilweise propagandistische Unterstützung aus Sachsen und Thüringen erhielten, war Südbayern recht isoliert.

Erst nach Aufhebung des Verbots der Ortsgruppe Dortmund durch das Reichsgericht am 2. April 1928 konnten wenigstens formal auch in Bayern RFB-Gruppen gegründet werden, allerdings drohte ständig das Verbot von Veranstaltungen, zumal Bayern seit der Entscheidung des Reichsgerichts auf ein reichsweites Verbot des RFB drängte.

Am 13. April 1928, also vier Jahre nach der Entstehung auf Reichsebene, gründete Jakob Boulanger (1897-1968; KPD-Funktionär in Nordbayern, 1932 Mitglied des Bayerischen Landtages, insgesamt zwölf Jahre Haft in Zuchthaus und Konzentrationslagern) einen RFB-Gau Nordbayern mit nachfolgenden Ortsgruppen in Nürnberg, Würzburg, Aschaffenburg, Sulzbach, Bamberg, Hof und Bayreuth. Im Sommer 1928 waren hier 14 Ortsgruppen mit 800 Mitgliedern, davon 350 in Nürnberg, registriert. Im Süden entstanden in der Folgezeit größere Gruppen des RFB in München, Augsburg, Ingolstadt, Penzberg und Rosenheim, wo im August 1928 ein "Rotes Treffen" des Gaues Südbayern stattfand. Vorwiegend in größeren Orten wurden auch Trommel- und Schalmeiengruppen aufgebaut, die bei Demonstrationszügen mitmarschierten.

Das Auftreten des RFB in Bayern war aber nicht vergleichbar mit den Massendemonstrationen in KPD-Hochburgen wie Berlin, Leipzig oder im Ruhrgebiet, wo Hundertschaften in geschlossener Formation und uniformiert zusammen mit großen Schalmeienkapellen und Trommelgruppen aufmarschierten.

Neben den generell schwierigen Bedingungen für die Arbeiterbewegung in Bayern hemmten auch die ständigen Verbote bzw. Verbotsdrohungen für einzelne Veranstaltungen in Bayern die angestrebte Entwicklung zu einer in Betrieben verankerten Massenorganisation. Die Zahl der Mitglieder dürfte unter 1.000 gelegen haben. Die angestrebte "Aktionseinheit" mit sozialdemokratischen Kollegen führte zwar an der Basis, in Betrieben und Wohngebieten, immer wieder zur gemeinsamen Abwehr von nationalsozialistischen Überfällen in Arbeitervierteln. Da aber letztlich – in Folge der politischen Linie der KPD - die Reichsbanner-Mitglieder von deren "reformistischer" und "sozialfaschistischer" Führung losgelöst werden sollten, gleichzeitig das Reichsbanner die Kommunisten ebenfalls bekämpfte, kam es zu keinen größeren gemeinsamen Aktionen.

Dennoch spielte der RFB während der kurzen Zeit seiner legalen Existenz in Bayern eine gewisse Rolle im Parteileben der bayerischen Kommunisten: Er schützte Veranstaltungen, organisierte Aktionen gegen das Auftreten der Nationalsozialisten oder nahm an "Landsonntagen" teil, an denen KPD-Gruppen aus den Städten mit Fahrrad, Motorrad oder auch mit LKW aufs Dorf zogen, eine Kundgebung abhielten und Flugblätter an die Landbevölkerung ausgaben.

Verbot 1929 und illegales Weiterwirken

Dem Verbot des Frontkämpferbundes auf Reichsebene folgte Bayern sofort mit einer Bekanntmachung des Innenministeriums vom 6. Mai 1929, worauf die Gruppen – an Verbote gewohnt - allerdings vorbereitet waren. Meist konnten Unterlagen und Ausrüstung vor der Polizei gesichert werden. So fand in Nürnberg die Polizei in den leergeräumten Schränken des RFB lediglich das Bild eines Rotfrontkämpfers, der die Zunge herausstreckte. Der Bund wurde wie auf Reichsebene auch in Bayern illegal weitergeführt, zunächst mit dem Ziel, die Wiederzulassung zu erreichen. An einem zentralen "Kampftag" gegen das Verbot zogen in Nürnberg am 27. November 1929 uniformierte RFB-Gruppen mit Schildern und Gesang durch die Straßen; nur hier konnte für eine begrenzte Zeit eine feste Struktur aufrechterhalten werden.

Als legale Nachfolgeorganisation wurde 1930 der Kampfbund gegen den Faschismus gegründet. Das Vorhaben, aus den illegalen Gruppen straff organisierte, militärische Formationen für den erwarteten Bürgerkrieg gegen SA und völkische Verbände zu bilden, erwies sich als aussichtslos. Lediglich in der KPD-Hochburg Penzberg bestand noch im Frühjahr 1933 eine etwa 30 Mann umfassende Organisation, die sich Waffen - unter anderem aus Verstecken des "Stahlhelm" und früherer Einwohnerwehren - besorgt hatte; die meisten Mitglieder wurden im April 1933 verhaftet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beteiligte sich eine Reihe ehemaliger bayerischer Rotfrontkämpfer am Widerstand gegen das NS-Regime. Einige kämpften auch im Rahmen der Internationalen Brigaden an der Seite der spanischen Republik gegen die Putschisten um General Francisko Franco (1892-1975), z. B. der Penzberger RFB-Führer Josef Raab (1899-1971) und der ehemalige Leiter des illegalen RFB-Gaus Nordbayern, Richard Staimer (1907-1982).

Literatur

  • Armeemuseum der DDR (Hg.), Roter Frontkämpferbund 1924-1929. Katalog, Dresden 1984.
  • Kurt Finker, Geschichte des Roten Frontkämpferbundes, Frankfurt am Main 1981.
  • Kurt G. P. Schuster, Der Rote Frontkämpferbund 1924-1929. Beiträge zur Geschichte und Organisationsstruktur eines politischen Kampfbundes (Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien 55), Düsseldorf 1975.
  • Klaus Tenfelde, Bayerische Provinz. Radikalisierung und Widerstand in Penzberg/Oberbayern 1900 bis 1945, in: Martin Broszat u. a. (Hg.), Bayern in der NS-Zeit. 4. Band, München 1981, 1-382.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Friedbert Mühldorfer, Roter Frontkämpferbund, 1924-1929, publiziert am 04.06.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Roter Frontkämpferbund, 1924-1929> (22.08.2018)