Von 1945 bis 1949 bestehende Einrichtungen, in denen nationalsozialistische Funktionsträger zum Zwecke der Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft inhaftiert wurden. In Bayern waren bis 1947 über 90.000 Personen interniert, vor allem ehemalige SS-Angehörige. Im April 1946 übertrug die US-Besatzungsmacht die Verantwortung über die Internierungslager an die Bayerische Staatsregierung. Mit der Lockerung der Entnazifizierungspolitik 1947 nahm die Zahl der Internierten schnell ab. Bis 1949 wurden die Internierungslager schrittweise aufgehoben.
Entstehung
In der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs 1944/45 hatten die Westalliierten parallel zu ihrem Vorrücken auf dem europäischen Festland damit begonnen, Internierungslager für nationalsozialistische Funktionsträger einzurichten. In den westlichen Besatzungszonen Deutschlands waren zwischen 1945 und 1949 insgesamt fast 300.000 Frauen und Männer für mehrere Monate oder Jahre in einem dieser Lager inhaftiert worden. In Bayern trugen die Internierungslager unter US-Besatzung die offizielle Bezeichnung 'Civilian Internment Enclosures (CIE)'. Dort waren bis 1947 mindestens 95.250 Personen interniert worden. Die sowjetische Besatzungsmacht hatte in ihrer Zone mit den sog. Speziallagern eine eigene Variante der Internierungslager etabliert; mit einer Sterblichkeitsrate von knapp 35 % war sie signifikant höher als in ihren westlichen Pendants.
Begriffsbestimmung
In Internierungslagern sollten im Gegensatz zu Kriegsgefangenenlagern ausschließlich Zivilisten untergebracht werden. Dass sich in Internierungslagern dennoch mitunter ehemalige Wehrmachtssoldaten oder Angehörige der Waffen-SS befanden, ist darauf zurückzuführen, dass diese entweder zunächst formell aus der Kriegsgefangenschaft entlassen und unmittelbar im Anschluss interniert wurden, oder direkt als Zivilisten festgenommen worden waren.
Die Alliierten verfolgten mit der Internierung vier Ziele: 1. Schutz der alliierten Truppen und Einrichtungen, 2. die Entnazifizierung der deutschen Gesellschaft, 3. die Demokratisierung der Insassen und 4. die Festsetzung (politisch) verantwortlicher Personen für begangene Kriegsverbrechen.

Im Gegensatz zu Gefängnissen handelte es sich bei Internierungslagern um temporäre Einrichtungen, die nicht auf eine langfristige oder gar lebenslange Unterbringung ihrer Insassen ausgelegt waren. Während moderne westliche Gefängnisse eine Verwaltungsstruktur besitzen, für gewöhnlich von hohen Mauern umgeben sind und aus separaten Zellen zur Unterbringung Einzelner oder kleiner Gruppen bestehen, besaßen Internierungslager Baracken zur Unterbringung einer großen Anzahl an Personen auf begrenztem Raum. Darüber hinaus waren Internierungslager durch ihre Stacheldrahtzäune, Wachtürme, einen Appellplatz und ihren symmetrischen Aufbau charakterisiert. Sie waren eher militärisch organisiert und wurden im Inneren weitgehend von den Internierten selbst verwaltet.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Haft in einem Gefängnis folgt in der Regel auf ein rechtskräftiges Urteil. Bei der Internierung musste hingegen nicht zwangsläufig eine Verurteilung oder eine Anklage vorliegen. Dies war völkerrechtlich problematisch und war seit Beginn der Internierungen sowohl unter den Westalliierten als auch unter den Deutschen kontrovers diskutiert worden. Dennoch waren sich insbesondere Briten und US-Amerikaner einig, dass die Internierung zwar nicht mit einem klassischen rechtsstaatlichen oder demokratischen Verständnis vereinbar sei, aber unter den Vorzeichen einer militärischen Besatzung und dem damit verbundenen Okkupationsrecht möglich, wenn nicht gar notwendig sei, um neue Machtverhältnisse zu etablieren und langfristig zu sichern.
Internierungsgründe
Bereits im April 1944 hatten die Alliierten im “Arrest Categories Handbook“ die Richtlinien für die Festnahme und Internierung von Zivilisten festgelegt. Das Handbuch definierte drei Hauptkategorien, anhand derer die Internierung erfolgte.
- War criminals: Hauptsächlich das Personal der Konzentrationslager (KZ), aber auch Personen, die verdächtigt wurden, abgeschossene bzw. notgelandete alliierte Piloten getötet zu haben. In der US-amerikanischen Besatzungszone wurde diese Gruppe auf dem Gelände des ehemaligen KZ Dachau zusammengefasst.
- Security threats: Sämtliche Personen, die als Sicherheitsrisiko oder Gegner erschienen.
- Automatic arrest: Personen, die im Rahmen des “automatic arrest“ festgenommen worden waren, nämlich: 1. Mitglieder der deutschen Geheimdienste, 2. Mitglieder der Sicherheitspolizei (Sipo), 3. Höhere Polizeibeamte, 4. Mitglieder der Ordnungspolizei (Orpo), 5. Mitglieder (para-)militärischer Organisationen (Waffen-SS, Allgemeine SS, SA, HJ, BDM, NSKK, NSFK, RAD), 6. Parteifunktionäre der NSDAP, 7. Staatsbeamte im höheren Dienst.
| SS | SD | Politische Leiter | SA | Gestapo | |
| 1946 | 55,7 | 1,2 | 32 | 2,3 | 2,6 |
| 1947 | 47 | 2 | 31 | 3,7 | 3,9 |
| 1948 | 51 | 2,3 | 36 | 4,2 | 5,7 |
Bei fast der Hälfte aller in Bayern Internierten handelte es sich um ehemalige SS-Mitglieder, gut ein Drittel bekleidete in der NS-Zeit ein Amt als Politische Leiter. Dahinter folgte die Gruppe der ehemaligen Gestapo- und SA-Angehörigen, die insgesamt einen Anteil zwischen zwei und knapp über 5 % ausmachten. Die Zahlenmäßig kleinste Gruppe bildeten mit einem Anteil von 1-2 % ehemalige SD-Angehörige.
Führende Nationalsozialisten wurden von den Amerikanern in der Regel in gesonderten Einrichtungen festgehalten, so dass sich in bayerischen Internierungslagern verhältnismäßig wenig 'Prominenz' befand, etwa der Reichsschatzmeister der NSDAP Franz Xaver Schwarz (1875-1947) und der ehemalige Vizekanzler Franz von Papen (1879-1969) in Regensburg, der Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium Albert Ganzenmüller (1905-1996) (Dezember 1945 geflohen) und Hitlers Leibphotograph Heinrich Hoffmann (1885-1957) in Moosburg, der Gauleiter der Steiermark Siegfried Uiberreither (1908-1947) und der von Tirol Franz Hofer (1902-1975) in Dachau (1947 bzw. 1948 geflohen) oder Brigitte Frank (1895-1959), Emmy Göring (1893-1973) und Ilse Heß (1900-1995) in Göggingen.
Lagerstandorte
Bei der Einrichtung der Internierungslager in Deutschland griffen die Alliierten auf bereits bestehende Lagergelände zurück. Dabei konnte es sich mitunter auch um vormalige Gelände der Konzentrationslager und deren Außenlager handeln. Von insgesamt 17 Internierungslagern in Bayern wurden lediglich sechs langfristiger betrieben: Nürnberg-Langwasser (CIE 409), Göggingen (CIE 317), Moosburg (CIE 6), Dachau (CIE 29), Garmisch-Partenkirchen (CIE 8), Regensburg (CIE 22), Hammelburg (CIE 9).
Internierungslager in Bayern 1945-1952
Andere Lagerstandorte (z.B. Altenstadt, Natternberg, Straubing, Plattling) wurden noch vor der Übergabe an die bayerischen Behörden 1946 wieder geschlossen, vor allem, weil der Betrieb einer größeren Anzahl von Lagern auf Dauer weder finanziell noch personell zu leisten gewesen wäre.
| Ort | Vormalige Einrichtung | Bestandszeit | Aufnahmefähigkeit 1947 | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| Dachau | Konzentrationslager | Juli 1945-31.8.1948 | 6.000 | Mitangeschlossen bis 30.7.1947: Kriegsgefangenlager |
| Garmisch-Partenkirchen | Kaserne, DP-Lager | Juli 1945-16.6.1947 | 1.000 | Mitangeschlossen: Krankenhaus der Internierungs- und Arbeitslager in Bayern (Einrichtung vor April 1947; 24.4.1947 Übernahme in deutsche Verwaltung; Auflösung 30.9.1948, Verlegung der Reste nach Nürnberg-Langwasser)
|
| Göggingen | Fremdarbeiterlager | Juli 1946-31.5.1948 | 1.420 (darunter 430 Frauen) | Mitangeschlossen: Frauenabteilung |
| Hammelburg | Truppenübungsplatz, Kriegsgefangenenlager | Juni 1945-30.6.1948 | 4.610 | |
| Moosburg | Kriegsgefangenenlager | 8.6.1945-1.4.1948 | 7.000 | |
| Nürnberg-Langwasser | Reichsparteitagsgelände, Kriegsgefangenlager | Juni 1945-31.3.1949 | 3.120 | |
| Regensburg | Exerzierplatz | April 1945-30.6.1948 | 7.800 |
Leben in den Lagern


Während die Unterbringung in den Internierungslagern vor allem im Winter in den ersten Jahren zumeist mangelhaft war, war die Ernährung zwar einseitig, lag aber seit Anfang 1946 über dem Durchschnitt der in Freiheit befindlichen Zivilbevölkerung.
Das Leben im Internierungslager war geprägt von sich stets wiederholenden Abläufen aus Appellen, Mahlzeiten und Arbeitsdiensten. Nicht allen Internierten wurde das Privileg einer Beschäftigung zuteil, da die Alliierten zunächst nur Arbeiten innerhalb der Lager gestatteten und zu diesem Zweck vergleichsweise wenig Personal unter den Internierten rekrutierten. Daher war das Lagerleben für den überwiegenden Teil seiner Insassen insbesondere im ersten Jahr nach Beginn der Maßnahmen vorrangig von Monotonie, Beschäftigungsmangel und der damit einhergehenden Langeweile geprägt.
Bis zum Herbst 1945 waren die Insassen nahezu vollständig isoliert und jede Form der Kontaktaufnahme mit der Außenwelt streng untersagt. In dieser Zeit nahmen Geistliche beider Konfessionen die wichtige Funktion von Kontaktpersonen ein. Ihnen war als einzigen Personen der Besuch der Lager in ihrer Funktion als Seelsorger gestattet.
Internierung und Arbeit
In der US-Besatzungszone sollten alle Internierten, die in die Belastungskategorie I (Hauptschuldige) eingruppiert worden waren, für mindestens zwei, aber nicht länger als zehn Jahre in ein Arbeitslager eingewiesen werden, ihr Eigentum war zu beschlagnahmen, ihre bürgerlichen Ehrenrechte zu entziehen sowie ihnen für mindestens zehn weitere Jahre die (Wieder-)Einstellung in eine Führungs- bzw. Leitungsposition zu verweigern. Die Arbeit der Insassen, sei es im Lager (z.B. beim Aus- und Aufbau der Infrastruktur, in der Küche oder im Krankenrevier) oder mehr noch ihre Hilfsarbeit im Rahmen von Außeneinsätzen bei der Trümmerbeseitigung in den umliegenden Gemeinden oder im Wiederaufbau der Infrastruktur, wurde als mehr oder weniger selbstverständlich zu erbringende Leistung im Rahmen einer “Wiedergutmachung“ gewertet. Der überwiegende Teil der Internierten war allerdings ohnehin bereit, freiwillig zu arbeiten.
Entnazifizierung und Reeducation
In den Internierungslagern nahmen die Alliierten bei der Unterbringung ihrer Insassen keine Differenzierung zwischen den einzelnen Gruppen vor, sodass etwa ehemalige SS- oder SA-Mitglieder, NS-Funktionäre, politische Leiter oder Mitarbeiter des SD zusammenlebten und die Gelegenheit hatten, die aus dem Nationalsozialismus bekannten Strukturen, Werte und Normen weiterhin zu konservieren.
Die Internierungslager waren nicht in erster Linie ein Instrument zur Entnazifizierung ihrer Insassen, sondern dienten der Entnazifizierung der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Die Entnazifizierung bestand daher für die Internierten zunächst in ihrer Aussonderung und Isolierung. Ihre individuelle Entnazifizierung erfolgte in der US-amerikanischen Besatzungszone erst vor den Spruchkammern.
Die Reeducation im Lager sollte durch eine Anleitung der Insassen zur Demokratie ihre anschließende Integration in die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft ermöglichen. In den Internierungslagern waren diese Umerziehungsbemühungen aber insgesamt schlecht geplant, in der praktischen Umsetzung mangelhaft (sofern überhaupt durchgeführt) und wurden erst spät begonnen. Grundsätzlich setzte sich die Reeducation der Briten und US-Amerikaner in den Internierungslagern aus fünf Elementen zusammen: dem theoretischen Unterricht mit Vorträgen zur Funktionsweise der Demokratie und anschließenden Diskussionen, der Etablierung von demokratischen Wahlverfahren in den Lagern, der Gestaltung und Herausgabe von Lagerzeitungen, Filmvorführungen sowie der Möglichkeit, ein vielfältiges kulturelles Programm zu gestalten. Zusätzlich erhielten die lagereigenen Bibliotheksbaracken neben Tageszeitungen und Zeitschriften auch Bücher zur politischen Bildung, z.B. 'Der SS-Staat' von Eugen Kogon (1903-1987).
Ausscheiden aus Internierungslagern
In der US-amerikanischen Besatzungszone gab es nach dem Inkrafttreten des Befreiungsgesetzes für die Internierten die Möglichkeit, für einen bestimmten Zeitraum von mehreren Tagen, oder in Ausnahmefällen Wochen, Hafturlaub zu erhalten. Außerdem war eine 'Entlassung auf Ehrenwort' (release on parole) möglich. Ebenfalls war mit dem Inkrafttreten des Befreiungsgesetzes die Durchführung der Entlassungsverfahren an die in den jeweiligen Ländern zuständigen Ministerien übergeben worden. Gleichzeitig schrieb es die Einrichtung von Spruchkammern in der gesamten Besatzungszone und in den Internierungslagern vor und setzte den Abschluss bzw. das Urteil dieser Verfahren wiederum obligatorisch für die Entlassung der Internierten voraus. Einige Internierte nutzten ihren Hafturlaub dazu unterzutauchen. Fluchtversuche waren selten, aber oft erfolgreich. Die Sterblichkeitsrate in den Internierungslagern lag bei unter 1 % und bewegte sich etwa auf dem Niveau der Zivilbevölkerung.
Übertragung der Internierungslager auf bayerische Behörden
Am 5. März 1946 verabschiedete der Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebietes das Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus, das die Alliierten als unerlässliche Vorbedingung für den Wiederaufbau Deutschlands ansahen. Das sog. Befreiungsgesetz regelte im Sinne der Entnazifizierung, alle Deutschen, die den Nationalsozialismus aktiv unterstützt hatten, von der Einflussnahme auf das öffentliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben auszuschließen und sie zur Wiedergutmachung zu verpflichten. Außerdem bestimmte das Befreiungsgesetz, die schrittweise Übertragung der Verantwortung für die Internierungslager auf deutsche Stellen. Sein Geltungsbereich erstreckte sich über die drei von den US-Amerikanern besetzten Gebieten Bayern, Groß-Hessen und Württemberg-Baden. Infolge des Gesetzes übergaben die US-amerikanischen Besatzer am 17. April 1946 auch einen Teil der Internierungslager in die Verantwortlichkeit deutscher Behörden. Zu diesem Zeitpunkt saßen noch rund 40.000 Personen in bayerischen Internierungslagern. Als erstes Lager in der US-Besatzungszone wurde Moosburg am 10. Oktober 1946 den bayerischen Behörden unterstellt; als letztes kam Dachau im August 1947 unter bayerische Kontrolle.
Zunächst waren die Internierungslager im Geschäftsbereich des Ministerpräsidenten angesiedelt. Die Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner (SPD, 1887-1980) und Hans Ehard (CSU, 1887–1980) mussten sich mit der Übernahme der Internierungslager befassen und sahen in ihnen in erster Linie einen moralischen Belastungsfaktor, zum einen aufgrund der nach wie vor fehlenden rechtsstaatlichen Grundlagen für die Maßnahmen, zum anderen wegen der zunehmenden öffentlichen Kritik. Außerdem stellten die Einrichtungen ein finanzielles wie organisatorisches Problem dar, das zusätzlich zum Wiederaufbau bewältigt werden musste. Allerdings waren sie sich auch ihrer Verantwortung vor der Weltöffentlichkeit bewusst, die kaum Verständnis für Massenentlassungen von ehemaligen NS-Funktionären aufgebracht hätte. Die bayerische Regierung etablierte im Juni 1946 ein Landesamt für Arbeitslager. Dies sollte die Verwaltung der Arbeits- und Internierungslager übernehmen. Letztlich vereinigte das Staatsministerium für Sonderaufgaben jedoch alle Kompetenzbereiche bei sich und gliederte das Amt dem Ministerium an.
Während das Sonderministerium unter Anton Pfeiffer (CSU, 1888-1957) einen eher milden Kurs in der Interniertenfrage verfolgte, der den Lagerinsassen verschiedene Freiheiten ermöglichte (z.B. Familienzusammenkünfte), setzte der seit Ende 1947 amtierende Alfred Loritz (WAV, 1902-1974) auf Härte und Restriktionen (Postsperren, Beseitigung der Interniertenselbstverwaltung). Im Frühjahr 1947 erfolgte in den Internierungslagern die Einrichtung eines Kontrolldienstes durch vornehmlich dem Minister verpflichtete Wachmannschaften, die allerdings nach scharfer Kritik der Militärregierung bald wieder aufgelöst werden mussten.
Spruchkammern
Infolge des Befreiungsgesetzes wurden Anfang 1947 eigene Spruchkammern in den Internierungslagern eingerichtet, die zunächst die Fälle der 'minderbelasteten' Insassen bearbeiten sollten, um für diese Gruppe eine möglichst rasche Entlassung zu erreichen. In den Internierungslagern wurden zur Vorbereitung der Verfahren sog. Rechtsauskunftsstellen etabliert, die die Insassen über die Prozesse und deren Abläufe aufklären sollten sowie autorisiert waren, etwaige Leumundszeugnisse bzw. andere Entlastungszeugnisse (sog. Persilscheine) aus anderen Lagern anzufordern.
Ende der Internierungslager

Mit dem Beschluss der US-Amerikaner, die Entnazifizierungspolitik im Kontext des Kalten Krieges offiziell am 12. März 1948 zu beenden, kam es in den Internierungslagern zu Entlassungswellen. Der Alliierte Kontrollrat empfahl schon im Frühjahr 1947, die Entnazifizierung zu beschleunigen und damit auch die sukzessive Aburteilung und Entlassung der Internierten voranzutreiben. In Bayern waren zu Jahresbeginn 1947 noch etwa 20.000 Personen interniert. Im September 1947 und Januar 1948 verabschiedete die US-Militärregierung zwei grundsätzliche Änderungen des Befreiungsgesetzes, die den Ermessensspielraum der deutschen Behörden deutlich erweiterten und die Einstufung in die Belastungskategorien und die Erteilung von Berufsverboten betrafen. Der automatische Arrest und seine Bestimmungen waren in diesem Zuge ebenfalls de facto abgeschafft worden. Im März und April 1948 wurden in Bayern insgesamt etwa 9.000 Internierte entlassen, während noch rund 2.600 Personen in Arbeits- und Internierungslagern verblieben. Bis auf das Internierungslager Nürnberg-Langwasser wurden alle übrigen Lager geschlossen. Die verbliebenen Internierten wurden dorthin verlegt. Bis zum Januar 1949 war die dortige Belegung auf 241 Häftlinge zusammengeschrumpft. Das Sonderministerium löste das Lager daher ebenfalls auf und verlegte seine Insassen in das Landgerichtsgefängnis Eichstätt. Nachdem sich die Anzahl der Häftlinge auch hier sukzessive durch Entlassungen verringerte, wurden die verbliebenen Internierten, die eine Arbeitslagerhaft zu verbüßen hatten, in das Gefängnis nach Landshut verlegt. Die letzten Internierten verließen das Gefängnis im April 1952.
Eine einheitliche Nachnutzung der geschlossenen Lagergelände existierte nicht und war abhängig vom Standort. Die Gelände wurden dem Freistaat Bayern übergeben, der schließlich über die Weiternutzung entschied. Ein Großteil wurde danach zumindest temporär zur Unterbringung von Geflüchteten und Vertriebenen genutzt. So wurden beispielsweise auf dem Gelände des Internierungslagers in Moosburg nach dessen Schließung im März 1948 Wohnungen für Vertriebene und Geflüchtete aus Osteuropa gebaut, woraus sich letztlich der Moosburger Stadtteil Neustadt entwickelte.
Rezeption
Lutz Niethammer (1939-2025) hat mit seinen wegweisenden Arbeiten zur Entnazifizierung in Bayern nicht nur erstmalig die Planung, Durchführung und Bilanz der US-amerikanischen 'Säuberungspolitik' untersucht, sondern damit auch einen wichtigen Grundstein für die Erforschung der Internierungslager gelegt. Trotzdem sind sie ein Randthema der Forschung geblieben. Die Insassen der Lager, ihre Werdegänge und Narrative sind dabei noch weniger erforscht.
Ebenfalls haben die alliierten Internierungslager nur einen begrenzten Platz im politisch-kulturellen Gedächtnis der jungen Bundesrepublik gefunden. Sie sind vor allem deshalb nicht Teil einer Erinnerungskultur geworden, weil ihre Insassen nicht zu Märtyrern einer rechtsextremistischen Propaganda stilisiert werden sollten.
Quellen
Die Quellenlage zu den Internierungslagern in Bayern muss insgesamt als sehr divers beschrieben werden. Archivalische Quellen finden sich im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und diversen Staatsarchiven. Die administrativen Akten der US-Amerikaner befinden sich in den National Archives in Washington D. C. Ferner waren die Internierungslager relativ häufig Gegenstand in autobiografischen Ego-Dokumenten, die zudem oft im Eigenverlag publiziert worden sind.
Literatur
Allgemeine Studien
- Andrew H. Beattie, Allied Internment Camps in Occupied Germany. Extrajudicial Detention in the Name of Denazification, 1945-1950, Cambridge 2020.
- Kristen J. Dolan, Isolation Nazism. Civilian Internment in American Occupied Germany, 1944-1950, Diss masch. Chapel Hill 2013.
- Klaus-Dietmar Henke, Die amerikanische Besetzung Deutschlands (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 27), 2. Aufl. München 1996.
- Christa Horn, Die Internierungs- und Arbeitslager in Bayern 1945-1952 (Erlanger historische Studien 16), Frankfurt am Main/Berlin/Bern u.a. 1992.
- Kathrin Meyer, Entnazifizierung von Frauen. Die Internierungslager der US-Zone 1945-1952, Berlin 2004.
- Kathrin Meyer, Die Internierung von NS-Funktionären in der US-Zone Deutschlands. In: Dachauer Hefte. Nr. 19. Zwischen Befreiung und Verdrängung. 2003, 25-47.
- Lutz Niethammer, Alliierte Internierungslager in Deutschland nach 1945. Vergleich und offene Fragen, in: Christian Jansen/Ders./Bernd Weisbrod (Hg.), Von der Aufgabe der Freiheit. Politische Verantwortung und bürgerliche Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Hans Mommsen zum 5.11.1995, 469-492.
- Kerstin Schulte, "Volksgemeinschaft" hinter Stacheldraht. Die Internierungslager in der britischen und US-amerikanischen Besatzungszone und ihre Bedeutung für die deutsche Nachkriegsgesellschaft, 1945-1958 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 144), München 2024.
- Gregor Streim, Die "andere" Lager-Literatur. Literarische Darstellungen alliierter Internierungslager aus den 1950er Jahren, in: Mittelweg 36 14 (2005), 77-91.
- Michael Wildt, Funktionswandel der nationalsozialistischen Lager, in: Mittelweg 36 4 (2011), 76-86.
Lokale Studien
- Gabriele Hammermann, "Das Internierungslager Dachau 1945-1948." In: Dachauer Hefte 19 (2003), 48-70.
- Albrecht Klose, Das Internierungs- und Arbeitslager Regensburg 1945-1948, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 144 (2004), 7-83.
- Franz Pawelka, Das Internierungslager Dachau, in: Hans-Günter Richardi (Hg.), Vom Lager zum Stadtteil (Dachauer Dokumente 7), Dachau, 2006, 17-26.
- Edith Raim, Kriegsende und Neuanfang: Augsburg in der Besatzungszeit 1945-1949, in: Philipp Gassert u.a. (Hg.), Augsburg und Amerika. Aneigungen und globale Verflechtungen in einer Stadt (Documenta Augustana 24), Augsburg 2013, 185-207.
- Dominik Reither, Unter Verdacht. Im Internierungslager Nr. 6 Moosburg, Norderstedt 2022.
- Alfred Saam, Das Internierungslager Hammelburg nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld 34 (2012), 406-412.
- Angelika Steinmaus-Pollak, „Der Lagerspiegel“. Zeitung der Insassen des Internierungs- und Arbeitslagers Regensburg, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 144 (2004), 85-142.
- Peter Zeitler, Lageralltag in amerikanischen Internierungscamps (1945-1948). Dargestellt am Beispiel eines oberfränkischen SA-Führers, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 76 (1996), 371-392.
Quellen
- Franz Achatz, In den Internierungslagern von Natternberg und Plattling. Aus den Tagebuchaufzeichnungen von Franz Achatz sen., in: Deggendorfer Geschichtsblätter 21 (2000), 333-355.
- Friedrich Alfred Beck, Tagebuch eines Mannes, der Hungerturm hieß, München 1952. [Internierungslager Moosburg]
- Bericht des Ältestenrates über den Besuch des Landtagspräsidiums im Lager Moosburg, in: Verhandlungen des Bayerischen Landtags vom 25. April 1947.
- Hans Diester, Meine Erlebnisse im amerikanischen Internierungslager Moosburg, 1945-1946 [Bundesarchiv Koblenz, ZSG 158/2]
- Der Lagerspiegel. Zeitung der Insassen des Internierten- und Arbeitslagers Regensburg. - 1947-1948.
- Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945-1954, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, bearbeitet von Karl-Ulrich Gelberg, 2. Band: Das Kabinett Hoegner I, 28. September 1945 bis 21. Dezember 1946, München 1997.
- Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945-1954, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, bearbeitet von Oliver Braun, 3. Band: Das Kabinett Ehard I, 21. Dezember 1946 bis 20. September 1947, München 2000.
- Ernst von Salomon, Der Fragebogen, 17. Aufl. Reinbek bei Hamburg 2003. [Internierungslager Nürnberg]
- Karl Vogel, M-AA 509. Elf Monate Kommandant eines Internierungslagers, Memmingen 1951. [Internierungslager Garmisch-Partenkirchen]
Weiterführende Recherche
Externe Links
Empfohlene Zitierweise
Kerstin Schulte, Internierungslager, publiziert am 21.04.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Internierungslager> (4.05.2026)