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Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK), 1931-1945

Eröffnung der Reichsautobahn München-Bratzhof am 4. November 1938 mit NSKK-Angehörigen. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Gedenkfeier am 8./9. November 1938, NSKK-Marschkolonne im Tal in München. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
Kriegsalltag im Deutschen Reich: Ausbildung an Sturmbooten durch das NSKK, Dezember 1942. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)
NSKK-Angehörige bei einer Siegesfeier auf dem Reichsparteitag der NSDAP, 8.-14. September 1936 in Nürnberg. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann)

von Dorothee Hochstetter

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps entstand am 20. April 1931 aus dem Nationalsozialistischen Automobilkorps (NSAK) und wurde 1934 zur dritten NSDAP-"Kampfgliederung" neben der SA und der SS erhoben. Es fungierte bis zu seiner Auflösung 1945 als Sammelbecken für alle politisch anpassungswilligen, motorbegeisterten und im Kraftfahrwesen beruflich oder sportlich engagierten Personen und hatte mehr als 500.000 Mitglieder.

Organisatorische Entwicklung

Das 1930 ins Leben gerufene Nationalsozialistische Automobilkorps (NSAK) wurde am 20. April 1931 in Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK) umbenannt. Im Zuge der Reorganisation der SA nach dem "Röhm-Putsch" löste Adolf Hitler (1889-1945) am 23. August 1934 die Motor-SA und das NSKK aus dem Verband und der Befehlsgewalt der SA heraus. Beide Formationen wurden zu einer selbständigen Parteigliederung vereinigt und Hitler direkt unterstellt. Den Oberbefehl erhielt der oberfränkische SA-Obergruppenführer, Adolf Hühnlein (1881-1942), der im Dezember 1934 zum Korpsführer ernannt wurde.

Das NSKK baute in den Folgejahren ein aufwändiges Ämterwesen auf, gab eigene Presseerzeugnisse heraus und erhielt eine schwarz-braune Uniformierung. Die Zentrale der Korpsführung befand sich bis 1933 in München, dann wurde eine zweite Dienststelle mit den Ämtern Verkehr, Presse und Sport in Berlin gegründet. Das Korps war in ständigem Aufbau begriffen; 1941 zählte es über 500.000 Mitglieder. Die Mitgliedschaft in der NSDAP, ein Führerschein oder ein eigenes Kraftfahrzeug stellten keine zwingende Voraussetzung für die Aufnahme dar. Prominente Mitglieder aus Bayern waren Herzog Carl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha (1884-1954) und der spätere Bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß (1915-1988).

Geographisch gliederte sich das NSKK 1938 reichsweit in fünf Motorobergruppen (Nord, Ost, Mitte, Süd und West) und drei selbständige Motorgruppen. Die Motorobergruppe Süd mit Dienstsitz in München stand unter der Leitung des NSKK-Obergruppenführers Friedrich Ritter von Städtler (1885-1944). Sie unterteilte sich in die Motorgruppen Ostmark, Hochland und Alpenland. Die Motorgruppen wiederum gliederten sich in Motorstandarten, -staffeln, -stürme, -trupps und -scharen.

Aufgaben

Bereits vor 1933 hatte die nationalsozialistische Bewegung Kraftfahrzeuge für Propagandazwecke, zur Beförderung von Rednern und für Überfallkommandos genutzt. Zu den Aufgaben des NS-Kraftfahrkorps zählten nach der Machtübernahme die Beförderung von Staatsgästen und NS-Funktionsträgern sowie die Organisation von politischen und motorsportlichen Großveranstaltungen. Dies war Teil der inszenierten Machtdemonstration der Partei.

Das NSKK entfaltete nicht nur als politisches Exekutivorgan der NSDAP seine Wirkung, sondern war eine multifunktionale Organisation, die in vielen Gesellschaftsbereichen Macht ausübte. Es übernahm unter anderem die Verkehrserziehung, die Organisation und Führung im automobilen Vereinswesen und im Motorsport. NSKK-Mitglieder beteiligten sich in vielen Städten, darunter Regensburg, Bayreuth, Bamberg, aktiv an den judenfeindlichen Ausschreitungen vom 9./10. November 1938 ("Reichskristallnacht"). Das NSKK diente ferner als wichtige Schulungsstätte für die motortechnische Massenausbildung: NSKK-Männer waren für die kraftfahrtechnische Betreuung der Motor-HJ verantwortlich und schulten auf 26 Motorsportschulen (in Bayern: Bayreuth, Kochel am See, Regensburg) bis zum Kriegsbeginn rund 180.000 zukünftige Rekruten. Die Motor-HJ war mit 120.000 Mitgliedern im Jahre 1939 die größte technische Sonderformation der Hitlerjugend. Motorsport und motorisierte Fortbewegung symbolisierten den Traum von Freiheit und Abenteuer in den 1930er Jahren. Viele Jungen bewunderten die "Helden der Rennbahn" Brauchitsch, Caracciola und Rosemeyer. Dadurch gelang es dem NSKK mühelos, die Faszination der Jugend für die moderne Technik mit vormilitärischer Ausbildung und den politisch-ideologischen Zielen des Regimes zu verknüpfen.

Die Rolle des NSKK im Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg widmete sich das NSKK der logistischen Unterstützung der Kriegswirtschaft und der Schulung von Führerscheinbewerbern im "Reich". NSKK-Mitglieder erfüllten in Diensten der Organisation Todt, des Heeres und der Luftwaffe in vielen Ländern Europas Nachschub- und Transportaufgaben. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion setzte der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei, Heinrich Himmler (1900-1945), neun NSKK-Kompanien nach Russland und in die Ukraine in Marsch. Mehrfach dokumentiert ist die Beteiligung der NSKK-Verkehrskompanien an Massakern gegen Juden und mutmaßliche Partisanen.

Literatur

  • Dorothee Hochstetter, Motorisierung und "Volksgemeinschaft". Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) 1931-1945 (Studien zur Zeitgeschichte 68), München 2005.
  • Mathias Rösch, Die Münchner NSDAP 1925-1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik, München 2002.
  • Franz W. Seidler, Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps und die Organisation Todt im Zweiten Weltkrieg. Die Entwicklung des NSKK bis 1939, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 32 (1984), 625-636.

Weiterführende Recherche

Nationalsozialistisches Automobilkorps

Empfohlene Zitierweise

Dorothee Hochstetter, Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK), 1931-1945, publiziert am 31.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps (NSKK), 1931-1945> (15.11.2018)