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Freyberg, Adelsfamilie: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Historisches Lexikon Bayerns

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== Herkunft ==
== Herkunft ==


Das im Spätmittelalter zwischen Schwäbischer Alb und dem Raum Kelheim und von Oberschwaben über das Allgäu bis zum Chiemgau ansässige [[Adel (Spätmittelalter)|Rittergeschlecht]] der Freyberger wird zuerst in Oberschwaben fassbar. Namengebend waren der zur heutigen Gemeinde Gutenzell-Hürbel (Baden-Württemberg) gehörende Ort Freiberg bzw. die gleichnamige, nördlich davon gelegene und heute nur noch in geringen Resten sichtbare Burg. Diese Identifikation ergibt sich aus einer [[Kanzlei- und Urkundenwesen (Hoch- und Spätmittelalter)|Urkunde]] von 1276, in der ein Heinrich von "Vriberc" als Aussteller und "Vriberc" als Ausstellungsort der betreffenden Urkunde im Zusammenhang mit dem Ort "Hurweln" (Hürbel) genannt werden. Titel und Verwandtschaft der ersten bezeugten Namensträger von 1237 und 1250 deuten auf eine Herkunft aus dem Milieu der kleinen Edelfreien. Im späteren 13. Jahrhundert gingen die Freyberger dann im entstehenden Ritteradel auf.
Das im Spätmittelalter zwischen Schwäbischer Alb und dem Raum [[Ort:ODB_S00023758|Kelheim]]{{#set:OID=ODB_S00023758}} und von Oberschwaben über das Allgäu bis zum Chiemgau ansässige [[Adel (Spätmittelalter)|Rittergeschlecht]] der Freyberger wird zuerst in Oberschwaben fassbar. Namengebend waren der zur heutigen Gemeinde Gutenzell-Hürbel (Baden-Württemberg) gehörende Ort Freiberg bzw. die gleichnamige, nördlich davon gelegene und heute nur noch in geringen Resten sichtbare Burg. Diese Identifikation ergibt sich aus einer [[Kanzlei- und Urkundenwesen (Hoch- und Spätmittelalter)|Urkunde]] von 1276, in der ein Heinrich von "Vriberc" als Aussteller und "Vriberc" als Ausstellungsort der betreffenden Urkunde im Zusammenhang mit dem Ort "Hurweln" (Hürbel) genannt werden. Titel und Verwandtschaft der ersten bezeugten Namensträger von 1237 und 1250 deuten auf eine Herkunft aus dem Milieu der kleinen Edelfreien. Im späteren 13. Jahrhundert gingen die Freyberger dann im entstehenden Ritteradel auf.


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Im weiteren Verlauf behaupteten sich die Freyberger nicht nur in der Gegend ihres ersten Sitzes Freyberg-Hürbel mit dem Aufbau einer Herrschaft mit Burg und Markt zu Mietingen seit ca. 1300 und zu Achstetten seit Mitte des 14. Jahrhunderts (beide Baden-Württemberg). Vielmehr griffen sie bereits seit dem späten 13. Jahrhundert auch über die Donau nach Norden und die Iller nach Osten aus und erwarben schrittweise die Sitze Alt- und Neu-Steußlingen (Baden-Württemberg).
Im weiteren Verlauf behaupteten sich die Freyberger nicht nur in der Gegend ihres ersten Sitzes Freyberg-Hürbel mit dem Aufbau einer Herrschaft mit Burg und Markt zu Mietingen seit ca. 1300 und zu Achstetten seit Mitte des 14. Jahrhunderts (beide Baden-Württemberg). Vielmehr griffen sie bereits seit dem späten 13. Jahrhundert auch über die Donau nach Norden und die Iller nach Osten aus und erwarben schrittweise die Sitze Alt- und Neu-Steußlingen (Baden-Württemberg).


In einer Nord-Süd-Bewegung erwarben Mitte des 14. Jahrhunderts Friedrich und Heinrich von Freyberg zu Alt-Steußlingen im Raum Mindelheim die Herrschaft [[Ort:ODB_S00007386|Angelberg]]{{#set:OID=ODB_S00007386}} als [[Lehenswesen in Schwaben|Lehen]] des [[Kempten, Fürstabtei: Territorium und Verwaltung|Stifts Kempten]] (1343-1438 im Besitz der Freyberger). Friedrich zu Angelberg bewegte sich dann noch weiter Richtung Süden und nahm Ende des 14. Jahrhunderts die Herrschaft Eisenberg bei [[Ort:ODB_S00006325|Füssen]]{{#set:OID=ODB_S00006325}} von Herzog [[Person:136648320|Leopold IV.]]{{#set:OID=136648320}} von Österreich (reg. 1386-1411) zu Lehen. 1420 entstand hier infolge einer dynastischen Teilung in nächster Nachbarschaft zu [[Ort:ODB_S00006291|Eisenberg]]{{#set:OID=ODB_S00006291}} die Burg und Herrschaft Hohenfreyberg, die aber 1481 in andere Hände überging. Eine langfristige Abspaltung der Herrschaft Eisenberg war die Linie zu [[Ort:ODB_S00006380|Hopferau]]{{#set:OID=ODB_S00006380}} (seit 1467). Zudem bestand um 1400 bis 1491 eine Freybergische Herrschaft zu Waal.
In einer Nord-Süd-Bewegung erwarben Mitte des 14. Jahrhunderts Friedrich und Heinrich von Freyberg zu Alt-Steußlingen im Raum [[Ort:ODB_S00007258|Mindelheim]]{{#set:OID=ODB_S00007258}} die Herrschaft [[Ort:ODB_S00007386|Angelberg]]{{#set:OID=ODB_S00007386}} als [[Lehenswesen in Schwaben|Lehen]] des [[Kempten, Fürstabtei: Territorium und Verwaltung|Stifts Kempten]] (1343-1438 im Besitz der Freyberger). Friedrich zu Angelberg bewegte sich dann noch weiter Richtung Süden und nahm Ende des 14. Jahrhunderts die Herrschaft [[Ort:ODB_S00006291|Eisenberg]]{{#set:OID=ODB_S00006291}} bei [[Ort:ODB_S00006325|Füssen]]{{#set:OID=ODB_S00006325}} von Herzog [[Person:136648320|Leopold IV.]]{{#set:OID=136648320}} von Österreich (reg. 1386-1411) zu Lehen. 1420 entstand hier infolge einer dynastischen Teilung in nächster Nachbarschaft zu Eisenberg die Burg und Herrschaft Hohenfreyberg, die aber 1481 in andere Hände überging. Eine langfristige Abspaltung der Herrschaft Eisenberg war die Linie zu [[Ort:ODB_S00006380|Hopferau]]{{#set:OID=ODB_S00006380}} (seit 1467). Zudem bestand um 1400 bis 1491 eine Freybergische Herrschaft zu [[Ort:ODB_S00006894|Waal]]{{#set:OID=ODB_S00006894}}.


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Datei:Rekonstruktion Burg Eisenberg.jpg|Rekonstruktion Burg Eisenberg. Grafik im Besitz des Burgenvereins Eisenberg, 1994. (Zeichnung von [[Person:1249884829|Roger Mayrock]]{{#set:OID=1249884829}}, lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de CC BY-SA 3.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rekonstruktion-Eisenberg.jpg Wikimedia Commons])
Datei:Rekonstruktion Burg Eisenberg.jpg|Rekonstruktion der Burg Eisenberg. Grafik im Besitz des Burgenvereins Eisenberg, 1994. (Zeichnung von [[Person:1249884829|Roger Mayrock]]{{#set:OID=1249884829}}, lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.de CC BY-SA 3.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rekonstruktion-Eisenberg.jpg Wikimedia Commons])
Datei:Burgruine Hohenfreyberg.jpg|Burgruine Hohenfreyberg. (Foto von Living-wreck lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de CC BY-SA 4.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Burgruine_Hohenfreyberg_Luftaufnahme.jpg Wikimedia Commons])
Datei:Burgruine Hohenfreyberg.jpg|Burgruine Hohenfreyberg. (Foto von Living-wreck lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de CC BY-SA 4.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Burgruine_Hohenfreyberg_Luftaufnahme.jpg Wikimedia Commons])
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Der jüngere Konrad von Freyberg, erster Herr von Freyberg zu Aschau, war [[Herzoglicher Rat (Herzogtum Bayern)|Rat]] des [[Bayern-München, Herzogtum (1392-1505)|Herzogs von Oberbayern]], aber auch des Königs [[Person:118750410|Ruprecht von der Pfalz]]{{#set:OID=118750410}} (reg. 1400-1410), für den er in Italien tätig war. Er hatte noch die ererbten schwäbischen und die erheirateten bayerischen Besitztümer in seiner Hand vereinigt. Nach längeren Auseinandersetzungen teilten seine Söhne bzw. Enkel 1437 das schwäbische bzw. bayerische Erbe auf die Mietinger (Konrad und Ruland) bzw. auf die Aschauer (Burkhard und Ulrich v. Freyberg) Linie. Wenig später fanden auch Burkhard (gest. ca. 1460) und Ulrich (gest. nach 1444) einen Kompromiss zu Hohenaschau.
Der jüngere Konrad von Freyberg, erster Herr von Freyberg zu Aschau, war [[Herzoglicher Rat (Herzogtum Bayern)|Rat]] des [[Bayern-München, Herzogtum (1392-1505)|Herzogs von Oberbayern]], aber auch des Königs [[Person:118750410|Ruprecht von der Pfalz]]{{#set:OID=118750410}} (reg. 1400-1410), für den er in Italien tätig war. Er hatte noch die ererbten schwäbischen und die erheirateten bayerischen Besitztümer in seiner Hand vereinigt. Nach längeren Auseinandersetzungen teilten seine Söhne bzw. Enkel 1437 das schwäbische bzw. bayerische Erbe auf die Mietinger (Konrad und Ruland) bzw. auf die Aschauer (Burkhard und Ulrich v. Freyberg) Linie. Wenig später fanden auch Burkhard (gest. ca. 1460) und Ulrich (gest. nach 1444) einen Kompromiss zu Hohenaschau.


Auch Konrad (genannt Gaißschedel) zu Mietingen (gest. nach 1452) hatte angesichts mehrerer Rats- und Pflegerstellen seinen eigentlichen Tätigkeitsschwerpunkt inzwischen im Herzogtum Bayern. So verkaufte er sein schwäbisches Erbe 1442 an das Freybergische Hauskloster Heggbach (Baden-Württemberg) und erwarb stattdessen die Hofmark [[Ort:ODB_S00013418|Kammerberg]]{{#set:OID=ODB_S00013418}} im alten [[Ämterverfassung|Landgericht]] Kranzberg, wodurch bis 1517 neben Hohenaschau mit Kammerberg sowie zeitweise auch noch mit einem Ableger zu [[Ort:ODB_S00023856|Sandelzhausen]]{{#set:OID=ODB_S00023856}} eine weitere Freyberger Linie im Herzogtum Bayern bestand.
Auch Konrad (genannt Gaißschedel) zu Mietingen (gest. nach 1452) hatte angesichts mehrerer Rats- und Pflegerstellen seinen eigentlichen Tätigkeitsschwerpunkt inzwischen im Herzogtum Bayern. So verkaufte er sein schwäbisches Erbe 1442 an das Freybergische Hauskloster Heggbach (Baden-Württemberg) und erwarb stattdessen die Hofmark [[Ort:ODB_S00013418|Kammerberg]]{{#set:OID=ODB_S00013418}} im alten [[Ämterverfassung|Landgericht]] [[Ort:ODB_S00013587|Kranzberg]]{{#set:OID=ODB_S00013587}}, wodurch bis 1517 neben Hohenaschau mit Kammerberg sowie zeitweise auch noch mit einem Ableger zu [[Ort:ODB_S00023856|Sandelzhausen]]{{#set:OID=ODB_S00023856}} eine weitere Freyberger Linie im Herzogtum Bayern bestand.


Daneben waren noch verschiedene andere Freyberger (zu Waal, zu Achstetten) im 14. und 15. Jahrhundert zumindest kurzfristig ebenfalls im benachbarten oberbayerischen Landgericht [[Ort:ODB_S00014252|Landsberg am Lech]]{{#set:OID=ODB_S00014252}} begütert, was auf die Aufnahme von Beziehungen auch dieser Freyberger zu den bayerischen Herzögen hindeutet. So ging die später im Landgericht Landsberg gelegene, ursprünglich reichsunmittelbare Feste Lichtenberg zuletzt durch die Hand der Freyberger, bevor sie 1381 in den unmittelbaren Besitz der [[Wittelsbacher (Spätmittelalter)|Wittelsbacher]] kam.
Daneben waren noch verschiedene andere Freyberger (zu Waal, zu Achstetten) im 14. und 15. Jahrhundert zumindest kurzfristig ebenfalls im benachbarten oberbayerischen Landgericht [[Ort:ODB_S00014252|Landsberg am Lech]]{{#set:OID=ODB_S00014252}} begütert, was auf die Aufnahme von Beziehungen auch dieser Freyberger zu den bayerischen Herzögen hindeutet. So ging die später im Landgericht Landsberg gelegene, ursprünglich reichsunmittelbare Feste [[Ort:ODB_S00014293|Lichtenberg]]{{#set:OID=ODB_S00014293}} zuletzt durch die Hand der Freyberger, bevor sie 1381 in den unmittelbaren Besitz der [[Wittelsbacher (Spätmittelalter)|Wittelsbacher]] kam.


Hohenaschau war eine der wenigen Herrschaften im Herzogtum Bayern, deren adlige Herren das [[Hochgerichtsbarkeit in Altbayern|Blutgericht]] ausübten. Im 15. Jahrhundert geschah dies allerdings gemeinsam mit dem herzoglichen Richter des Amtes Wildenwart zu [[Ort:ODB_S00018642|Prien]]{{#set:OID=ODB_S00018642}} . Auch blieb der Umfang der Ausübung der Blutgerichtsbarkeit und weiterer damit zusammen hängender Rechte durch die Freyberger stets umstritten. Dem stand aber nicht entgegen, dass die Freyberger zu Hohenaschau bis um 1500 (Burkhard, dann Christoph, später die einträchtig agierenden Georg und Onophrius) regelmäßig herzogliche Pflegerstellen versahen. Christoph (gest. ca. 1505) nahm als Einzelkämpfer an einem Lanzenstechen zu Mühldorf 1460 teil und wurde 1481 von Herzog Georg zur Teilnahme in dessen Gefolgschaft an einem [[Turniere (Mittelalter/Frühe Neuzeit)|Turnier]] in Heidelberg aufgefordert.
Hohenaschau war eine der wenigen Herrschaften im Herzogtum Bayern, deren adlige Herren das [[Hochgerichtsbarkeit in Altbayern|Blutgericht]] ausübten. Im 15. Jahrhundert geschah dies allerdings gemeinsam mit dem herzoglichen Richter des Amtes [[Ort:ODB_S00018260|Wildenwart]]{{#set:OID=ODB_S00018260}} zu [[Ort:ODB_S00018642|Prien]]{{#set:OID=ODB_S00018642}}. Auch blieb der Umfang der Ausübung der Blutgerichtsbarkeit und weiterer damit zusammenhängender Rechte durch die Freyberger stets umstritten. Dem stand aber nicht entgegen, dass die Freyberger zu Hohenaschau bis um 1500 (Burkhard, dann Christoph, später die einträchtig agierenden Georg und Onophrius) regelmäßig herzogliche Pflegerstellen versahen. Christoph (gest. ca. 1505) nahm als Einzelkämpfer an einem Lanzenstechen zu [[Ort:ODB_S00015663|Mühldorf am Inn]]{{#set:OID=ODB_S00015663}} 1460 teil und wurde 1481 von Herzog Georg zur Teilnahme in dessen Gefolgschaft an einem [[Turniere (Mittelalter/Frühe Neuzeit)|Turnier]] in Heidelberg aufgefordert.


== Aktivitäten der schwäbischen Ritter von Freyberg im 15. Jahrhundert ==
== Aktivitäten der schwäbischen Ritter von Freyberg im 15. Jahrhundert ==
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Datei:Wappen Freyberg 1460.jpg|Stammwappen der Freyberger im Scheibler’schen Wappenbuch, das ab ca. 1450 angelegt wurde. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00007174?page=178%2C179 Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312 c, fol. 87v])
Datei:Freyberg a.jpg|Wappen der bayerischen Linien der Freiherren von Freyberg im Wappenbuch des churbayerischen Adels aus dem Jahr 1808. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00013312?page=38%2C39 Bayerische Staatsbibliothek, cgm 1510, 20])
Datei:Freyberg a.jpg|Wappen der bayerischen Linien der Freiherren von Freyberg im Wappenbuch des churbayerischen Adels aus dem Jahr 1808. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00013312?page=38%2C39 Bayerische Staatsbibliothek, cgm 1510, 20])
Datei:Wappen Freyberg 1460.jpg|Stammwappen der Freyberger im Scheibler’schen Wappenbuch, das ab ca. 1450 angelegt wurde. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00007174?page=178%2C179 Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312 c, fol. 87v])
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[[Datei:Schloss Niederraunau.jpg|thumb|Schloss Niederraunau. (Foto von [https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Flussar Flussar] lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de CC BY-SA 4.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Niederraunau_Schloss_O1.jpg?uselang=de Wikimedia Commons])]]
[[Datei:Schloss Niederraunau.jpg|thumb|Schloss Niederraunau. (Foto von [https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Flussar Flussar] lizenziert durch [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de CC BY-SA 4.0] via [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Niederraunau_Schloss_O1.jpg?uselang=de Wikimedia Commons])]]
Neben der Angelberger Linie etablierte sich Anfang des 16. Jahrhunderts auch ein Zweig der Linie Freyberg-Eisenberg-Hopferau an der oberen Donau. [[Person:119676443|Kaspar von Freyberg]]{{#set:PND=119676443}} zu Hopferau (gest. 1547), Sohn des oben genannten Sigmund, kam durch Heirat 1512 in den Besitz der Ortsherrschaft in Altheim bei Ehingen (Baden-Württemberg). Seine Enkel [[Person:119676435|Johann Walther]]{{#set:PND=119676435}} und Konrad Sigmund erwarben 1593 das nahegelegene Allmendingen, das seitdem der Hauptsitz dieser Linie war, die 1644 ebenfalls den Freiherrenstand erlangte. Ein weiterer Zweig der Hopferauer Linie saß in Wellendingen (Baden-Württemberg), das um 1608 an die Freyberg zu Altheim fiel.
 
Neben der Angelberger Linie etablierte sich Anfang des 16. Jahrhunderts auch ein Zweig der Linie Freyberg-Eisenberg-Hopferau an der oberen Donau. [[Person:119676443|Kaspar von Freyberg zu Hopferau]]{{#set:PND=119676443}} (gest. 1547), Sohn des oben genannten Sigmund, kam durch Heirat 1512 in den Besitz der Ortsherrschaft in Altheim bei Ehingen (Baden-Württemberg). Seine Enkel [[Person:119676435|Johann Walther]]{{#set:PND=119676435}} und Konrad Sigmund erwarben 1593 das nahegelegene Allmendingen, das seitdem der Hauptsitz dieser Linie war, die 1644 ebenfalls den Freiherrenstand erlangte. Ein weiterer Zweig der Hopferauer Linie saß in Wellendingen (Baden-Württemberg), das um 1608 an die Freyberg zu Altheim fiel.


[[Person:136301622|Eberhard von Freyberg zu Eisenberg]]{{#set:PND=136301622}} (gest. 1564) baute den Besitz seines Familienzweigs im Raum Burgau aus. Im Jahr 1525 erwarb er unter anderem [[Ort:ODB_S00005560|Haldenwang]]{{#set:OID=ODB_S00005560}}. Dazu kam 1557 die Herrschaft Niederraunau, wo Eberhard eine eigene Seitenlinie begründete. Diese beerbte Mitte des 17. Jahrhunderts die Stammlinie Freyberg-Eisenberg, blieb nach der Zerstörung von deren Burg im Jahr 1646 aber in Raunau ansässig. 1655 wurde den Brüdern [[Person:117731986|Johann Dietrich]]{{#set:OID=117731986}} (1605-1690) und [[Person:1153923017|Johann Christoph]]{{#set:PND=1153923017}} aus dieser Linie der Reichsfreiherrenstand bestätigt. Durch eine Erbteilung im Jahr 1690 spaltete sich der Stamm von Freiberg zu Eisenberg erneut in eine Speziallinie in Raunau und eine mit Sitzen in Haldenwang, Hürbel (das 1534 von den Stein zum Rechtenstein an die Freyberg-Eisenberg zurückgefallen war) und ab 1775 auch in [[Ort:ODB_S00005528|Unterknöringen]]{{#set:OID=ODB_S00005528}}.
[[Person:136301622|Eberhard von Freyberg zu Eisenberg]]{{#set:PND=136301622}} (gest. 1564) baute den Besitz seines Familienzweigs im Raum Burgau aus. Im Jahr 1525 erwarb er unter anderem [[Ort:ODB_S00005560|Haldenwang]]{{#set:OID=ODB_S00005560}}. Dazu kam 1557 die Herrschaft Niederraunau, wo Eberhard eine eigene Seitenlinie begründete. Diese beerbte Mitte des 17. Jahrhunderts die Stammlinie Freyberg-Eisenberg, blieb nach der Zerstörung von deren Burg im Jahr 1646 aber in Raunau ansässig. 1655 wurde den Brüdern [[Person:117731986|Johann Dietrich]]{{#set:OID=117731986}} (1605-1690) und [[Person:1153923017|Johann Christoph]]{{#set:PND=1153923017}} aus dieser Linie der Reichsfreiherrenstand bestätigt. Durch eine Erbteilung im Jahr 1690 spaltete sich der Stamm von Freiberg zu Eisenberg erneut in eine Speziallinie in Raunau und eine mit Sitzen in Haldenwang, Hürbel (das 1534 von den Stein zum Rechtenstein an die Freyberg-Eisenberg zurückgefallen war) und ab 1775 auch in [[Ort:ODB_S00005528|Unterknöringen]]{{#set:OID=ODB_S00005528}}.


[[Datei:Pankraz von Freyberg-Hohenaschau.jpg|thumb|Porträt des [[Person:119056682|Pankraz von Freyberg]]{{#set:PND=119056682}} zu Hohenaschau (1508-1565). Gemälde von [[Person:118783815|Hans Muelich]]{{#set:PND=118783815}} (1516-1573). (Gemeinfrei via [https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Hans-Mielich/Bildnis-des-Pankraz-von-Freyberg-zu-Hohenaschau----/2B28BBE54CAFC98060099E9518FD72B4/ Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 2477])]]
[[Datei:Pankraz von Freyberg-Hohenaschau.jpg|thumb|Porträt des Pankraz von Freyberg zu Hohenaschau (1508-1565). Gemälde von [[Person:118783815|Hans Muelich]]{{#set:PND=118783815}} (1516-1573). (Gemeinfrei via [https://www.kunsthalle-karlsruhe.de/kunstwerke/Hans-Mielich/Bildnis-des-Pankraz-von-Freyberg-zu-Hohenaschau----/2B28BBE54CAFC98060099E9518FD72B4/ Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 2477])]]


Die Hohenaschauer Linie neigte im 16. Jahrhundert dem Protestantismus zu. Zunächst schloss sich [[Person:1071548778|Helena von Freyberg]]{{#set:PND=1071548778}} (1491-1545) 1528 der radikalen Täuferbewegung an. Ihr Sohn Pankraz (1508-1565), Hofmarschall [[Person:118647571|Herzog Albrechts V. von Bayern]]{{#set:PND=118647571}} (reg. 1550-1579), war ein Anhänger [[Person:118575449|Martin Luthers]]{{#set:PND=118575449}} (1483-1546). Als Wortführer einer Adelspartei mit dem Ziel, die Reformation in Bayern einzuführen, wurde er 1564 wegen Hochverrats angeklagt und inhaftiert. Als dessen ältester Sohn [[Person:121299198|Wilhelm]]{{#set:PND=121299198}} 1603 ohne männliche Erben starb, fiel Hohenaschau an die [[Preysing, Herren/Grafen von|Preysing]]. Wilhelms Neffe Pankraz (d. J.; gest. 1627) stiftete aber eine Linie, die das Recht besaß, sich weiter nach Hohenaschau zu nennen und bis ins 18. Jahrhundert auf Schloss Spitzenberg bei [[Ort:ODB_S00018023|Mauerkirchen]]{{#set:OID=ODB_S00018023}} im Innviertel blühte.
Die Hohenaschauer Linie neigte im 16. Jahrhundert dem Protestantismus zu. Zunächst schloss sich [[Person:1071548778|Helena von Freyberg]]{{#set:PND=1071548778}} (1491-1545) 1528 der radikalen Täuferbewegung an. Ihr Sohn [[Person:119056682|Pankraz]]{{#set:PND=119056682}} (1508-1565), Hofmarschall [[Person:118647571|Herzog Albrechts V. von Bayern]]{{#set:PND=118647571}} (reg. 1550-1579), war ein Anhänger [[Person:118575449|Martin Luthers]]{{#set:PND=118575449}} (1483-1546). Als Wortführer einer Adelspartei mit dem Ziel, die Reformation in Bayern einzuführen, wurde er 1564 wegen Hochverrats angeklagt und inhaftiert. Als dessen ältester Sohn [[Person:121299198|Wilhelm]]{{#set:PND=121299198}} 1603 ohne männliche Erben starb, fiel Hohenaschau an die [[Preysing, Herren/Grafen von|Preysing]]. Wilhelms Neffe Pankraz (d. J.; gest. 1627) stiftete aber eine Linie, die das Recht besaß, sich weiter nach Hohenaschau zu nennen und bis ins 18. Jahrhundert auf Schloss Spitzenberg bei Mauerkirchen im Innviertel (Oberösterreich) blühte.


== Reichsritterschaft, Fürstendienst und Stiftsadel ==
== Reichsritterschaft, Fürstendienst und Stiftsadel ==


In der Tradition ihres ritterschaftlichen Engagements hatten sich die Freyberg Mitte des 16. Jahrhunderts der Reichsritterschaft angeschlossen, wobei der Großteil ihrer Besitzungen – von Allmendingen bis Eisenberg – im Kanton Donau lag. Daneben standen weiter oft Familienmitglieder wie etwa [[Person:1243959096|Marquard von Freyberg]]{{#set:PND=1243959096}} zu Haldenwang (gest. nach 1604), [[Person:1128340607|Johann Hektor zu Eisenberg]]{{#set:PND=1128340607}} (gest. um 1629) und [[Person:119676443|Kaspar Ferdinand]]{{#set:PND=119676443}} (gest. 1648) zu Altheim oder Johann Dietrich zu Niederraunau als Räte im Dienst des Habsburger Kaiserhauses.
In der Tradition ihres ritterschaftlichen Engagements hatten sich die Freyberg Mitte des 16. Jahrhunderts der Reichsritterschaft angeschlossen, wobei der Großteil ihrer Besitzungen – von Allmendingen bis Eisenberg – im Kanton Donau lag. Daneben standen weiter oft Familienmitglieder wie etwa [[Person:1243959096|Marquard von Freyberg zu Haldenwang]]{{#set:PND=1243959096}} (gest. nach 1604), [[Person:1128340607|Johann Hektor zu Eisenberg]]{{#set:PND=1128340607}} (gest. um 1629) und [[Person:119676443|Kaspar Ferdinand zu Altheim]]{{#set:PND=119676443}} (gest. 1648) oder Johann Dietrich zu Niederraunau als Räte im Dienst des Habsburger Kaiserhauses.


Auch im Kurfürstentum Bayern bekleideten Vertreter mehrerer Linien immer wieder Hof- oder Verwaltungsämter. So wurde [[Person:122496345|Joseph Albrecht von Freyberg]]{{#set:PND=122496345}} zu Allmendingen (1651-1717), der auch Schloss Hellsberg (Gde. [[Ort:ODB_S00015827|Niedertaufkirchen]]{{#set:OID=ODB_S00015827}}, Lkr. Mühldorf a.Inn) besaß, kurbayerischer Hofrat, Wirklicher Geheimer Rat und Revisionsratsdirektor. [[Person:136022383|Christoph Adam Thaddäus von Freyberg]]{{#set:PND=136022383}} zu Spitzenberg (gest. 1745) war Obersthofmarschall Kurfürst [[Person:118560115|Karl Albrechts]]{{#set:PND=118560115}} (reg. 1726-1745, ab 1742 als Kaiser Karl VII.), sein Bruder Karl Adam (gest. 1736) Vizedom von Burghausen.
Auch im Kurfürstentum Bayern bekleideten Vertreter mehrerer Linien immer wieder Hof- oder Verwaltungsämter. So wurde [[Person:122496345|Joseph Albrecht von Freyberg zu Allmendingen]]{{#set:PND=122496345}} (1651-1717), der auch Schloss Hellsberg (Gde. [[Ort:ODB_S00015827|Niedertaufkirchen]]{{#set:OID=ODB_S00015827}}, Lkr. Mühldorf a.Inn) besaß, kurbayerischer Hofrat, Wirklicher Geheimer Rat und Revisionsratsdirektor. [[Person:136022383|Christoph Adam Thaddäus von Freyberg zu Spitzenberg]]{{#set:PND=136022383}} (gest. 1745) war Obersthofmarschall Kurfürst [[Person:118560115|Karl Albrechts]]{{#set:PND=118560115}} (reg. 1726-1745, ab 1742 als Kaiser Karl VII.), sein Bruder Karl Adam (gest. 1736) Vizedom von Burghausen.


[[Datei:Bischof Freyberg Augsburg.jpg|thumb|[[Person:102375526|Johann Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen]]{{#set:PND=102375526}} (1616-1690), seit 1665 Fürstbischof von [[Ort:ODB_S00008854|Augsburg]]{{#set:PND=ODB_S00008854}}. (Foto: Jan Koenen - Stadtverwaltung Dillingen)]]
[[Datei:Bischof Freyberg Augsburg.jpg|thumb|Johann Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen (1616-1690), seit 1665 Fürstbischof von Augsburg. (Foto: Jan Koenen - Stadtverwaltung Dillingen)]]


Von den wenigen genannten Protestanten abgesehen, blieben die Freyberg katholisch und zählten zu den angesehensten Familien des ostschwäbischen Stiftsadels. Sie waren zahlreich in den umliegenden Dom- und Stiftskapiteln vertreten und stiegen hier auch zu hohen Würden auf. [[Person:1018033238|Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen]]{{#set:PND=1018033238}} (ca. 1517-1584) wurde 1573 Fürstpropst von Ellingen, sein Neffe Johann Christoph (1616-1690) regierte ab 1665 als Fürstbischof in Augsburg. [[Person:116785020|Johann Anton von Freyberg-Hopferau]]{{#set:PND=116785020}} (1674-1757) war seit 1736 Fürstbischof von [[Ort:ODB_S00012031|Eichstätt]]{{#set:OID=ODB_S00012031}}.
Von den wenigen genannten Protestanten abgesehen, blieben die Freyberg katholisch und zählten zu den angesehensten Familien des ostschwäbischen Stiftsadels. Sie waren zahlreich in den umliegenden Dom- und Stiftskapiteln vertreten und stiegen hier auch zu hohen Würden auf. [[Person:1018033238|Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen]]{{#set:PND=1018033238}} (ca. 1517-1584) wurde 1573 Fürstpropst von Ellwangen (Baden-Württemberg), sein Neffe [[Person:102375526|Johann Christoph]]{{#set:PND=102375526}} (1616-1690) regierte ab 1665 als Fürstbischof in [[Ort:ODB_S00008854|Augsburg]]{{#set:PND=ODB_S00008854}}. [[Person:116785020|Johann Anton von Freyberg-Hopferau]]{{#set:PND=116785020}} (1674-1757) war seit 1736 Fürstbischof von [[Ort:ODB_S00012031|Eichstätt]]{{#set:OID=ODB_S00012031}}.


== Fideikommiss-Stiftung ==
== Fideikommiss-Stiftung ==
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== Die Freyberg im Königreich Bayern ==
== Die Freyberg im Königreich Bayern ==
[[Datei:Maximilian von Freyberg.jpg|thumb|Maximilian Prokop Freiherr von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf. Foto eines Gemäldes. ([https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/fylr/L/0afa23b6-1021-41ea-a9e1-36f815210909 Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-033536])]]
[[Datei:Maximilian von Freyberg.jpg|thumb|Maximilian Prokop Freiherr von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf. Foto eines Gemäldes. ([https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/fylr/L/0afa23b6-1021-41ea-a9e1-36f815210909 Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-033536])]]
Nach dem Ende des Alten Reiches kamen im Zuge der [[Mediatisierung]] Eisenberg, Hopferau, Raunau und Haldenwang unter bayerische Oberhoheit; Öpfingen, Allmendingen, Wellendingen und Hürbel fielen an Württemberg. Trotzdem wurden zwischen 1810 und 1815 alle Linien der Freiherren von Freyberg in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen.


Nikolaus Christoph Freiherr von Freyberg zu Wellendingen besaß seit dem kinderlosen Tod des fürstbischöflich-eichstättischen Oberstjäger- und Oberstforstmeisters Freiherr [[Person:136309860|Johann Anton von Freyberg]]{{#set:PND=136309860}} zu Hopferau (1740-1806) auch dessen bayerischen Sitz. Anton Johann Freiherr von Freyberg zu Öpfingen (1767-1847) war als ehemals fürstbischöflich-eichstättischer Pfleger in Ornbau in bayerische Dienste übernommen worden und hatte im Jahr 1809 die Herrschaft Öpfingen an die Fürsten von Thurn und Taxis verkauft. Ein Zweig der Linie Eisenberg-Allmendingen saß zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Hellsberg und vertauschte dieses 1812/13 mit den Grafen von Lösch gegen die ebenfalls bayerischen Hofmarken [[Ort:ODB_S00017194|Jetzendorf]]{{#set:OID=ODB_S00017194}} und [[Ort:ODB_S00011457|Hilgertshausen]]{{#set:ODB_S00011457}} .
Nach dem [[Ende des Alten Reiches]] kamen im Zuge der [[Mediatisierung]] Eisenberg, Hopferau, Raunau und Haldenwang unter bayerische Oberhoheit; Öpfingen, Allmendingen, Wellendingen und Hürbel fielen an Württemberg. Trotzdem wurden zwischen 1810 und 1815 alle Linien der Freiherren von Freyberg in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen.
 
Nikolaus Christoph Freiherr von Freyberg zu Wellendingen besaß seit dem kinderlosen Tod des fürstbischöflich-eichstättischen Oberstjäger- und Oberstforstmeisters Freiherr [[Person:136309860|Johann Anton von Freyberg zu Hopferau]]{{#set:PND=136309860}} (1740-1806) auch dessen bayerischen Sitz. Anton Johann Freiherr von Freyberg zu Öpfingen (1767-1847) war als ehemals fürstbischöflich-eichstättischer Pfleger in [[Ort:ODB_S00000773|Ornbau]]{{#set:OID=ODB_S00000773}} in bayerische Dienste übernommen worden und hatte im Jahr 1809 die Herrschaft Öpfingen an die Fürsten von Thurn und Taxis verkauft. Ein Zweig der Linie Eisenberg-Allmendingen saß zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Hellsberg und vertauschte dieses 1812/13 mit den Grafen von Lösch gegen die ebenfalls bayerischen Hofmarken [[Ort:ODB_S00017194|Jetzendorf]]{{#set:OID=ODB_S00017194}} und [[Ort:ODB_S00011457|Hilgertshausen]]{{#set:ODB_S00011457}} .


Besonders letztere Linie tat sich in der Folgezeit im bayerischen Hof- und Staatsdienst hervor. [[Person:118693271|Max Prokop von Freyberg-Eisenberg]]{{#set:PND=118693271}} zu Jetzendorf (1789-1851), Stiefsohn des Oberststallmeisters [[Person:1031392068|Karl Freiherr von Kessling]]{{#set:PND=1031392068}} (1763-1843), heiratete Caroline Gräfin von Montgelas (1804-1860), eine Tochter des einflussreichen Ministers, und wurde 1825 Vorstand des Allgemeinen Reichsarchivs, 1838 Staatsrat und 1843 Präsident der Akademie der Wissenschaften in München. Sein Bruder [[Person:116793325|Wilhelm]]{{#set:PND=116793325}} (1793-1860) bekam das Amt des Vizeoberststallmeisters.
Besonders letztere Linie tat sich in der Folgezeit im bayerischen Hof- und Staatsdienst hervor. [[Person:118693271|Max Prokop von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf]]{{#set:PND=118693271}} (1789-1851), Stiefsohn des Oberststallmeisters [[Person:1031392068|Karl Freiherr von Kessling]]{{#set:PND=1031392068}} (1763-1843), heiratete Caroline Gräfin von Montgelas (1804-1860), eine Tochter des einflussreichen Ministers, und wurde 1825 Vorstand des Allgemeinen Reichsarchivs, 1838 Staatsrat und 1843 Präsident der Akademie der Wissenschaften in München. Sein Bruder [[Person:116793325|Wilhelm]]{{#set:PND=116793325}} (1793-1860) bekam das Amt des Vizeoberststallmeisters.


Mehrere bayerische Linien der Freyberg mussten im 19. Jahrhundert aufgrund finanzieller Probleme ihre Stammsitze aufgeben. Franz Joseph Freiherr von Freyberg zu Haldenwang (gest. 1826) verkaufte 1816 Hürbel. [[Person:1127771469|Thaddäus von Freyberg]]{{#set:PND=1127771469}} (gest. 1842) veräußerte 1825 Wellendingen und seine Töchter 1838 auch Hopferau. Thaddäus‘ Sohn Gustav Adolf (1804-1886), mit dem dieser Familienzweig im Mannesstamm erlosch, war Eisenbahn-Beamter in Augsburg. Dort lebte auch Joseph Friedrich von Freyberg zu Raunau (1790-1864), nachdem er 1850 sein Schloss verkauft hatte, als Kreisinspektor der Landwehr von Schwaben und Neuburg. Joseph Friedrichs Sohn Joseph August (1850-1920) wohnte mit seiner Familie in Eschach bei Füssen, das seine Frau mit in die Ehe brachte.
Mehrere bayerische Linien der Freyberg mussten im 19. Jahrhundert aufgrund finanzieller Probleme ihre Stammsitze aufgeben. Franz Joseph Freiherr von Freyberg zu Haldenwang (gest. 1826) verkaufte 1816 Hürbel. [[Person:1127771469|Thaddäus von Freyberg]]{{#set:PND=1127771469}} (gest. 1842) veräußerte 1825 Wellendingen und seine Töchter 1838 auch Hopferau. Thaddäus‘ Sohn Gustav Adolf (1804-1886), mit dem dieser Familienzweig im Mannesstamm erlosch, war Eisenbahn-Beamter in Augsburg. Dort lebte auch Joseph Friedrich von Freyberg zu Raunau (1790-1864), nachdem er 1850 sein Schloss verkauft hatte, als Kreisinspektor der Landwehr von Schwaben und Neuburg. Joseph Friedrichs Sohn Joseph August (1850-1920) wohnte mit seiner Familie in [[Ort:ODB_S00006335|Eschach]]{{#set:OID=ODB_S00006335}} bei Füssen, das seine Frau mit in die Ehe brachte.


== Linien der Freyberg seit dem 20. Jahrhundert ==
== Linien der Freyberg seit dem 20. Jahrhundert ==
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== Archive und Forschung ==
== Archive und Forschung ==


Eine übergreifende Untersuchung zur Geschichte des Adelsgeschlechts fehlt bisher. Es ist zwar eine handschriftlich angelegte und in Kopie verbreitete Genealogie überliefert, die [[Person:102417806|Maximilian Joseph Freiherr von Freyberg-Eisenberg]]{{#set:PND=102417806}} zu Jetzendorf (1825-1889) 1884 auf der Grundlage der Archivrecherchen seines Vaters verfasste. Deren Angaben sind allerdings nicht überprüfbar und für das Mittelalter, nicht zuletzt hinsichtlich der behaupteten Teilung des Geschlechts in sechs Stammlinien im 12. Jahrhundert, fehlerhaft.
Eine übergreifende Untersuchung zur Geschichte des Adelsgeschlechts fehlt bisher. Es ist zwar eine handschriftlich angelegte und in Kopie verbreitete Genealogie überliefert, die [[Person:102417806|Maximilian Joseph Freiherr von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf]]{{#set:PND=102417806}} (1825-1889) 1884 auf der Grundlage der Archivrecherchen seines Vaters verfasste. Deren Angaben sind allerdings nicht überprüfbar und für das Mittelalter, nicht zuletzt hinsichtlich der behaupteten Teilung des Geschlechts in sechs Stammlinien im 12. Jahrhundert, fehlerhaft.


Archivalische Quellen zur Geschichte der Ritter von Freyberg sind entsprechend dem Aktionsraum des Geschlechts vor allem im [[Staatliche Archive in Bayern|Staatsarchiv]] München (Bestand Herrschaft Hohenaschau), im Staatsarchiv Augsburg (u.a. Bestand Fürststift Kempten) sowie im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (z.B. Bestand B 456: Kloster Heggbach; B 139e: Herrschaft Steußlingen) aufzusuchen. Forschungen über die Verbindungen zu den Habsburgern müssen in den österreichischen Archiven in Innsbruck und Wien ansetzen. Privatarchive befinden sich in Allmendingen, Haldenwang und Jetzendorf.
Archivalische Quellen zur Geschichte der Ritter von Freyberg sind entsprechend dem Aktionsraum des Geschlechts vor allem im [[Staatliche Archive in Bayern|Staatsarchiv]] München (Bestand Herrschaft Hohenaschau), im Staatsarchiv Augsburg (u.a. Bestand Fürststift Kempten) sowie im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (z.B. Bestand B 456: Kloster Heggbach; B 139e: Herrschaft Steußlingen) aufzusuchen. Forschungen über die Verbindungen zu den Habsburgern müssen in den österreichischen Archiven in Innsbruck und Wien ansetzen. Privatarchive befinden sich in Allmendingen, Haldenwang und Jetzendorf.
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* Walter Ansbacher, Das Bistum Augsburg in barockem Aufbruch. Kirchliche Erneuerung unter Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg (1665-1690), Augsburg 2001, bes. 38-49.
* Walter Ansbacher, Das Bistum Augsburg in barockem Aufbruch. Kirchliche Erneuerung unter Fürstbischof Johann Christoph von Freyberg (1665-1690), Augsburg 2001, bes. 38-49.
*[https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb118427 Franz-Ludwig Baumann, Geschichte des Allgäus. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts, Bd. 2: Das spätere Mittelalter: 1268 - 1517, Kempten 1884, bes. 580-583.]
*[https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb118427 Franz-Ludwig Baumann, Geschichte des Allgäus. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts, Bd. 2: Das spätere Mittelalter: 1268 - 1517, Kempten 1884, bes. 580-583.]
* [https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/braunau/Freiherren-von-Freyberg-waren-Spitzenbeamte;art14857,849957 Herbert Brandstetter, Freiherren von Freyberg waren Spitzenbeamte, in: Oberösterreichische Nachrichten, 29. März 2012.]
* Reinhard Heydenreuter, Maximilian Prokop Freiherr von Freyberg-Eisenberg (1789-1851). Ein Archivarsleben zwischen Poesie und Wissenschaft, in: Archivalische Zeitschrift 80 (1997), 156-180.
* Reinhard Heydenreuter, Maximilian Prokop Freiherr von Freyberg-Eisenberg (1789-1851). Ein Archivarsleben zwischen Poesie und Wissenschaft, in: Archivalische Zeitschrift 80 (1997), 156-180.
* Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hg.), Der Landkreis Biberach (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), 2 Bände, Sigmaringen 1987/1990.
* Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hg.), Der Landkreis Biberach (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg), 2 Bände, Sigmaringen 1987/1990.
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* Ludwig Miller, Geschichtliches vom ehemaligen Markte Nieder-Raunau (Krumbach) (Sonderheft zu den „Deutschen Gauen“ 70), Kaufbeuren 1908.
* Ludwig Miller, Geschichtliches vom ehemaligen Markte Nieder-Raunau (Krumbach) (Sonderheft zu den „Deutschen Gauen“ 70), Kaufbeuren 1908.
* Heinz Noflatscher, Räte und Herrscher. Politische Eliten an den Habsburgerhöfen der österreichischen Länder 1480-1530, Mainz 1999, bes. 36f.
* Heinz Noflatscher, Räte und Herrscher. Politische Eliten an den Habsburgerhöfen der österreichischen Länder 1480-1530, Mainz 1999, bes. 36f.
* Karl Primbs, Schloß Hohenaschau und seine Herren. Ein Beitrag zur Geschichte Oberbayerns vor dem Gebirg, in: Oberbayerisches Archiv 45 (1888/89), 1-96.
* [https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb11559595?page=6%2C7 Karl Primbs, Schloß Hohenaschau und seine Herren. Ein Beitrag zur Geschichte Oberbayerns vor dem Gebirg, in: Oberbayerisches Archiv 45 (1888/89), 1-96.]
* Hans-Uwe Rump, Füssen (Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben I, 9), München 1977, bes. 313-337.
* [https://geschichte.digitale-sammlungen.de/hab/kapitel/bsb00008067_chapter_1 Hans-Uwe Rump, Füssen (Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben I, 9), München 1977, bes. 313-337.]
* Peter Steuer, Einleitung, in: Ders. (Hg.), Archiv der Freiherren von Freyberg Schloss Allmendingen. Urkundenregesten 1367–1910 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 37), Stuttgart 2010.
* Peter Steuer, Einleitung, in: Ders. (Hg.), Archiv der Freiherren von Freyberg Schloss Allmendingen. Urkundenregesten 1367–1910 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 37), Stuttgart 2010.
* Franz Michael Weber, Kaspar Schwenckfeld und seine Anhänger in den freybergischen Herrschaften Justingen und Öpfingen. Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte im Alb-Donau-Raum, Stuttgart 1962.
* Franz Michael Weber, Kaspar Schwenckfeld und seine Anhänger in den freybergischen Herrschaften Justingen und Öpfingen. Ein Beitrag zur Reformationsgeschichte im Alb-Donau-Raum, Stuttgart 1962.


== Quellen ==
== Quellen ==
* Max Freiherr von Freyberg-Eisenberg, Genealogische Geschichte des Geschlechtes der Freiherrn von Freyberg, nach urkundlichen Quellen zusammengestellt, erw. u. verb. Ausg. 1884. Hg. v. Franz Rothenbacher, Mannheim 2011.
* [https://www.schelklingen.de/fileadmin/Dateien/Website/Dateien/Stadtarchiv/Genealogische_Geschichte_von_Freyberg_1884_gesamt.pdf Max Freiherr von Freyberg-Eisenberg, Genealogische Geschichte des Geschlechtes der Freiherrn von Freyberg, nach urkundlichen Quellen zusammengestellt, erw. u. verb. Ausg. 1884. Hg. v. Franz Rothenbacher, Mannheim 2011.]
* Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels 16 (1986), 229-244; 28 (2010), 311-326; 32 (2018), 325-337.
* Genealogisches Handbuch des in Bayern immatrikulierten Adels 16 (1986), 229-244; 28 (2010), 311-326; 32 (2018), 325-337 bzw. 866.
* Peter Steuer (Hg.), Archiv der Freiherren von Freyberg Schloss Allmendingen. Urkundenregesten 1367–1910 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 37), Stuttgart 2010.
* Peter Steuer (Hg.), Archiv der Freiherren von Freyberg Schloss Allmendingen. Urkundenregesten 1367–1910 (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 37), Stuttgart 2010.
== Externe Links ==
* [http://www.wubonline.de/ Landesarchiv Baden-Württemberg: Württembergisches Urkundenbuch (680-1300). Abfragebegriff: Freyberg]
* [http://www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/25/Verzeichnis_Adelsarchive2007.pdf  Landesarchiv Baden-Württemberg: Adelsarchive ]


== Weiterführende Recherche ==
== Weiterführende Recherche ==
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== Empfohlene Zitierweise ==
== Empfohlene Zitierweise ==
Joachim Schneider/Anja Lochbrunner, Freyberg, Adelsfamilie, publiziert am 07.01.2026, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <span class="url"><nowiki><https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freyberg,_Adelsfamilie></nowiki></span>  ({{CURRENTDAY}}.{{CURRENTMONTH}}.{{CURRENTYEAR}})
Joachim Schneider/Anja Lochbrunner, Freyberg, Adelsfamilie, publiziert am 07.01.2026, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freyberg,_Adelsfamilie>  ({{CURRENTDAY}}.{{CURRENTMONTH}}.{{CURRENTYEAR}})


[[Kategorie:Bayerische Geschichte| ]] [[Kategorie:10. bis 13. Jh.]]  [[Kategorie:13. bis Anfang 16. Jh.]]  [[Kategorie:Anfang 16. bis Ende 18. Jh.]]  [[Kategorie:Ende 18. bis frühes 20. Jh.]]  [[Kategorie:1918 bis 1933]]  [[Kategorie:1933 bis 1945]] [[Kategorie:1945 bis Gegenwart]] [[Kategorie:Adel]]  [[Kategorie:Oberbayern]] [[Kategorie:Schwaben]] [[Kategorie:Weltliche Territorien]]  
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Aktuelle Version vom 8. Januar 2026, 17:21 Uhr

von Joachim Schneider und Anja Lochbrunner

Aus Oberschwaben stammendes Rittergeschlecht, das erstmalig 1237 namentlich erscheint. Im 14. Jahrhundert kamen die Freyberger, die sich bereits seit dem 13. Jahrhundert zu verzweigen begonnen hatten, nach Altbayern. Sogleich in Diensten der bayerischen Herzöge stehend, konnten sie durch Heiratspolitik unter anderem die Herrschaft Hohenaschau im Chiemgau erwerben. Sie breiteten sich aber auch ins Allgäu aus und zeigten eine für das Spätmittelalter außergewöhnliche regionale Mobilität. Seit dem 15. Jahrhundert engagierten sie sich in der Ritterschaft ebenso wie im Kaiser- und Fürstendienst und wurden bis 1655 mit allen Linien in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Außerdem gehörten die bis auf wenige Ausnahmen katholischen Freyberg bis zum Ende des Alten Reiches zum angesehensten ostschwäbischen Stiftsadel. Im 19. Jahrhundert wurden die schwäbischen Linien der Freyberg in Öpfingen, Allmendingen und Wellendingen ebenso wie die bayerischen in Raunau, Hürbel-Haldenwang und Jetzendorf in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen. Mitte des 20. Jahrhunderts verblieb als einzige die Allmendinger Linie, die durch Adoptionen auch Jetzendorf und Haldenwang übernahm und bis ins 21. Jahrhundert vielköpfig blüht.

Herkunft

Das im Spätmittelalter zwischen Schwäbischer Alb und dem Raum Kelheim und von Oberschwaben über das Allgäu bis zum Chiemgau ansässige Rittergeschlecht der Freyberger wird zuerst in Oberschwaben fassbar. Namengebend waren der zur heutigen Gemeinde Gutenzell-Hürbel (Baden-Württemberg) gehörende Ort Freiberg bzw. die gleichnamige, nördlich davon gelegene und heute nur noch in geringen Resten sichtbare Burg. Diese Identifikation ergibt sich aus einer Urkunde von 1276, in der ein Heinrich von "Vriberc" als Aussteller und "Vriberc" als Ausstellungsort der betreffenden Urkunde im Zusammenhang mit dem Ort "Hurweln" (Hürbel) genannt werden. Titel und Verwandtschaft der ersten bezeugten Namensträger von 1237 und 1250 deuten auf eine Herkunft aus dem Milieu der kleinen Edelfreien. Im späteren 13. Jahrhundert gingen die Freyberger dann im entstehenden Ritteradel auf.

Ausgreifen über die Donau und die Iller und ins Allgäu im 14. und 15. Jahrhundert

Im weiteren Verlauf behaupteten sich die Freyberger nicht nur in der Gegend ihres ersten Sitzes Freyberg-Hürbel mit dem Aufbau einer Herrschaft mit Burg und Markt zu Mietingen seit ca. 1300 und zu Achstetten seit Mitte des 14. Jahrhunderts (beide Baden-Württemberg). Vielmehr griffen sie bereits seit dem späten 13. Jahrhundert auch über die Donau nach Norden und die Iller nach Osten aus und erwarben schrittweise die Sitze Alt- und Neu-Steußlingen (Baden-Württemberg).

In einer Nord-Süd-Bewegung erwarben Mitte des 14. Jahrhunderts Friedrich und Heinrich von Freyberg zu Alt-Steußlingen im Raum Mindelheim die Herrschaft Angelberg als Lehen des Stifts Kempten (1343-1438 im Besitz der Freyberger). Friedrich zu Angelberg bewegte sich dann noch weiter Richtung Süden und nahm Ende des 14. Jahrhunderts die Herrschaft Eisenberg bei Füssen von Herzog Leopold IV. von Österreich (reg. 1386-1411) zu Lehen. 1420 entstand hier infolge einer dynastischen Teilung in nächster Nachbarschaft zu Eisenberg die Burg und Herrschaft Hohenfreyberg, die aber 1481 in andere Hände überging. Eine langfristige Abspaltung der Herrschaft Eisenberg war die Linie zu Hopferau (seit 1467). Zudem bestand um 1400 bis 1491 eine Freybergische Herrschaft zu Waal.

Ausgreifen nach Altbayern: Hohenaschau und Kammerberg

Entschlossen schlug um die Mitte des 14. Jahrhunderts der zunächst noch zu Mietingen ansässige Konrad von Freyberg (gest. 1373) den Weg in Richtung Bayern ein. So war er zwischen 1354 und 1362 Vitztum in Oberbayern. Für seinen Sohn Konrad (gest. ca. 1420/25) arrangierte er die Eheschließung mit Lucia Mautner, Erbtochter der bayerischen Herrschaft Hohenaschau im Chiemgau und Enkelin Friedrich Mautners (gest. ca. 1374), der als Hofmeister unter Herzog Stephan II. (reg. 1347-1375) ebenfalls einer der wichtigsten Adligen im Herzogtum war.

Der jüngere Konrad von Freyberg, erster Herr von Freyberg zu Aschau, war Rat des Herzogs von Oberbayern, aber auch des Königs Ruprecht von der Pfalz (reg. 1400-1410), für den er in Italien tätig war. Er hatte noch die ererbten schwäbischen und die erheirateten bayerischen Besitztümer in seiner Hand vereinigt. Nach längeren Auseinandersetzungen teilten seine Söhne bzw. Enkel 1437 das schwäbische bzw. bayerische Erbe auf die Mietinger (Konrad und Ruland) bzw. auf die Aschauer (Burkhard und Ulrich v. Freyberg) Linie. Wenig später fanden auch Burkhard (gest. ca. 1460) und Ulrich (gest. nach 1444) einen Kompromiss zu Hohenaschau.

Auch Konrad (genannt Gaißschedel) zu Mietingen (gest. nach 1452) hatte angesichts mehrerer Rats- und Pflegerstellen seinen eigentlichen Tätigkeitsschwerpunkt inzwischen im Herzogtum Bayern. So verkaufte er sein schwäbisches Erbe 1442 an das Freybergische Hauskloster Heggbach (Baden-Württemberg) und erwarb stattdessen die Hofmark Kammerberg im alten Landgericht Kranzberg, wodurch bis 1517 neben Hohenaschau mit Kammerberg sowie zeitweise auch noch mit einem Ableger zu Sandelzhausen eine weitere Freyberger Linie im Herzogtum Bayern bestand.

Daneben waren noch verschiedene andere Freyberger (zu Waal, zu Achstetten) im 14. und 15. Jahrhundert zumindest kurzfristig ebenfalls im benachbarten oberbayerischen Landgericht Landsberg am Lech begütert, was auf die Aufnahme von Beziehungen auch dieser Freyberger zu den bayerischen Herzögen hindeutet. So ging die später im Landgericht Landsberg gelegene, ursprünglich reichsunmittelbare Feste Lichtenberg zuletzt durch die Hand der Freyberger, bevor sie 1381 in den unmittelbaren Besitz der Wittelsbacher kam.

Hohenaschau war eine der wenigen Herrschaften im Herzogtum Bayern, deren adlige Herren das Blutgericht ausübten. Im 15. Jahrhundert geschah dies allerdings gemeinsam mit dem herzoglichen Richter des Amtes Wildenwart zu Prien. Auch blieb der Umfang der Ausübung der Blutgerichtsbarkeit und weiterer damit zusammenhängender Rechte durch die Freyberger stets umstritten. Dem stand aber nicht entgegen, dass die Freyberger zu Hohenaschau bis um 1500 (Burkhard, dann Christoph, später die einträchtig agierenden Georg und Onophrius) regelmäßig herzogliche Pflegerstellen versahen. Christoph (gest. ca. 1505) nahm als Einzelkämpfer an einem Lanzenstechen zu Mühldorf am Inn 1460 teil und wurde 1481 von Herzog Georg zur Teilnahme in dessen Gefolgschaft an einem Turnier in Heidelberg aufgefordert.

Aktivitäten der schwäbischen Ritter von Freyberg im 15. Jahrhundert

Sieht man von den weiter östlich gelegenen, vereinzelten altbayerischen Herrschaften ab, war der habsburgisch dominierte Raum Oberschwaben-Donau-Allgäu im 15. Jahrhundert die Ausgangsbasis der Freyberger für noch weiter gespannte Aktivitäten, die ihre Repräsentanten bis nach Tirol, auf den Bischofssitz von Konstanz und nach Württemberg führten.

In der ritterschaftlichen Organisation des schwäbischen St.-Jörgen-Schilds traten die Freyberger schon bei dessen Gründung von 1407 mit mehreren Mitgliedern hervor. Die Beziehungen zum Hochstift Augsburg waren eng (Verleihung von Domherrenpfründen) und konfliktreich (Auseinandersetzungen um Herrschaftsrechte). In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bekleideten mehrere Freyberger aus verschiedenen oberschwäbischen bzw. Allgäuer Linien des Geschlechts wichtige Ämter am Tiroler Hof der Habsburger, später auch vermehrt bei Kaiser Maximilian (reg. 1486-1519, Kaiser seit 1508). Ludwig von Freyberg (1442-1480) war mit Unterstützung Erzherzogs Sigmunds von Österreich (1427-1496, reg. als Erzherzog seit 1477) päpstlich providierter Bischof von Konstanz (reg. 1472-1479), konnte sich aber bis zu seinem Tod vor Ort nicht durchsetzen. Georg von Freyberg (gest. 1506), ursprünglich zu Neu-Steußlingen gesessen, war Rat Kaiser Maximilians und Bundeshauptmann des Schwäbischen Bundes im Viertel an der Donau. Seine neue Herrschaft Niederraunau in der Markgrafschaft Burgau baute er mit kaiserlichen Privilegien aus. Dagegen stand Sigmund von Freyberg (gest. 1504) aus der Allgäuer Linie Eisenberg-Hopferau vorwiegend in württembergischen Diensten und war dort in den 1480er Jahren unter anderem Haushofmeister und Vogt zu Schorndorf (Baden-Württemberg). Bei der großen Serie der Turniere des süddeutschen Ritteradels 1479-1487 trat er mehrfach als so genannter "Teiler" für die schwäbische Ritterschaft auf, war also für die Prüfung der sozialen Qualifikation vor der Turnierzulassung der schwäbischen Bewerber zuständig, was für sein großes Ansehen im schwäbischen Adel spricht.

Regionale Mobilität und Bildung dynastischer Teilverbände des Gesamtgeschlechts

Die Freyberger zeigten für ein spätmittelalterliches Rittergeschlecht eine außergewöhnliche regionale Mobilität. Fürstliche Dienste wie auch das Konnubium waren gleichermaßen weit gespannt. An- und Verkäufe folgten offenbar gewissen familiären Traditionen und einer überwiegenden Fokussierung auf Oberschwaben einerseits, andererseits den sich zum Erwerbungszeitpunkt bietenden Gelegenheiten. In der Differenzierung des Wappens und der traditionsstiftenden Grablegen wird eine Integration dynastischer Teilverbände innerhalb des kopfstarken Gesamtgeschlechts sichtbar.

Das gemeinsame Stammwappen der Freyberger war ein von silber und blau geteilter Schild. Bei den Freybergern im Herzogtum Bayern zeigt das Wappen im unteren Schildteil drei goldene Sterne, während im Wappen der Angehörigen der übrigen Linien drei goldene Dotter erschienen.

Eine andere Differenzierung innerhalb des Gesamtgeschlechts wird in den Grablegen erkennbar: Zeugnisse des 15. Jahrhunderts bis hin zur Einrichtung einer eigenen Familienkapelle im Jahre 1481 zeigen das besondere Zusammengehörigkeitsbewusstsein der damaligen Linien zu Achstetten, Alt- und Neu-Steußlingen und Mietingen-Kammerberg, die sich weiterhin mit dem gemeinsamen Hauskloster Heggbach, der Grablege und den dortigen Messstiftungen der Familie identifizierten, wobei Konrad zu Mietingen-Kammerberg bzw. seinem Sohn Wilhelm als den damals Ältesten der Familie für das Messbenefizium das Präsentationsrecht zustand. Vertreter der Linie zu Hohenaschau, für die inzwischen eine eigene Grablege in der Pfarrkirche Aschau bestand, treten hier hingegen nicht mehr aktiv auf. Auch die Allgäuer Linie zu Eisenberg, die bereits seit Mitte des 14. Jahrhunderts eigene Wege ging, hatte um die Wende zum 15. Jahrhundert mit dem Kloster Stams in Tirol eine separate Grablege gewählt, die auf ihre Beziehungen zu den Habsburgern hindeutet.

Linien der Freyberg in der Frühen Neuzeit

Im frühen 16. Jahrhundert erwarb das Haupt der Angelberger Linie, Ludwig (Lutz) von Freyberg (1468-1545) im Umfeld der älteren Sitze Alt- und Neusteußlingen die Herrschaften Öpfingen (1503/25) und Justingen (1530; Baden-Württemberg), nach denen er und seine Nachkommen sich künftig benannten. Lutz und sein Sohn Georg Ludwig d. Ä. (1507-1562) beherbergten dort seit 1539 zeitweise den spiritualistischen Reformator Kaspar Schwenckfeld (1490-1561), dessen Lehre im folgenden Jahrhundert auch in ihren Herrschaften verbreitet war. Georg Ludwig d. Ä. erhielt 1541 für Justingen einen Sitz im Grafenkollegium des Reichs- und des schwäbischen Kreistags. Dessen Enkel, Georg Ludwig d. J. (gest. 1631) und Johann Pleickhard (gest. 1612), wurden 1586 als erste ihres Geschlechts in den Reichsfreiherrenstand erhoben.

Schloss Niederraunau. (Foto von Flussar lizenziert durch CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Neben der Angelberger Linie etablierte sich Anfang des 16. Jahrhunderts auch ein Zweig der Linie Freyberg-Eisenberg-Hopferau an der oberen Donau. Kaspar von Freyberg zu Hopferau (gest. 1547), Sohn des oben genannten Sigmund, kam durch Heirat 1512 in den Besitz der Ortsherrschaft in Altheim bei Ehingen (Baden-Württemberg). Seine Enkel Johann Walther und Konrad Sigmund erwarben 1593 das nahegelegene Allmendingen, das seitdem der Hauptsitz dieser Linie war, die 1644 ebenfalls den Freiherrenstand erlangte. Ein weiterer Zweig der Hopferauer Linie saß in Wellendingen (Baden-Württemberg), das um 1608 an die Freyberg zu Altheim fiel.

Eberhard von Freyberg zu Eisenberg (gest. 1564) baute den Besitz seines Familienzweigs im Raum Burgau aus. Im Jahr 1525 erwarb er unter anderem Haldenwang. Dazu kam 1557 die Herrschaft Niederraunau, wo Eberhard eine eigene Seitenlinie begründete. Diese beerbte Mitte des 17. Jahrhunderts die Stammlinie Freyberg-Eisenberg, blieb nach der Zerstörung von deren Burg im Jahr 1646 aber in Raunau ansässig. 1655 wurde den Brüdern Johann Dietrich (1605-1690) und Johann Christoph aus dieser Linie der Reichsfreiherrenstand bestätigt. Durch eine Erbteilung im Jahr 1690 spaltete sich der Stamm von Freiberg zu Eisenberg erneut in eine Speziallinie in Raunau und eine mit Sitzen in Haldenwang, Hürbel (das 1534 von den Stein zum Rechtenstein an die Freyberg-Eisenberg zurückgefallen war) und ab 1775 auch in Unterknöringen.

Porträt des Pankraz von Freyberg zu Hohenaschau (1508-1565). Gemälde von Hans Muelich (1516-1573). (Gemeinfrei via Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Inv.-Nr. 2477)

Die Hohenaschauer Linie neigte im 16. Jahrhundert dem Protestantismus zu. Zunächst schloss sich Helena von Freyberg (1491-1545) 1528 der radikalen Täuferbewegung an. Ihr Sohn Pankraz (1508-1565), Hofmarschall Herzog Albrechts V. von Bayern (reg. 1550-1579), war ein Anhänger Martin Luthers (1483-1546). Als Wortführer einer Adelspartei mit dem Ziel, die Reformation in Bayern einzuführen, wurde er 1564 wegen Hochverrats angeklagt und inhaftiert. Als dessen ältester Sohn Wilhelm 1603 ohne männliche Erben starb, fiel Hohenaschau an die Preysing. Wilhelms Neffe Pankraz (d. J.; gest. 1627) stiftete aber eine Linie, die das Recht besaß, sich weiter nach Hohenaschau zu nennen und bis ins 18. Jahrhundert auf Schloss Spitzenberg bei Mauerkirchen im Innviertel (Oberösterreich) blühte.

Reichsritterschaft, Fürstendienst und Stiftsadel

In der Tradition ihres ritterschaftlichen Engagements hatten sich die Freyberg Mitte des 16. Jahrhunderts der Reichsritterschaft angeschlossen, wobei der Großteil ihrer Besitzungen – von Allmendingen bis Eisenberg – im Kanton Donau lag. Daneben standen weiter oft Familienmitglieder wie etwa Marquard von Freyberg zu Haldenwang (gest. nach 1604), Johann Hektor zu Eisenberg (gest. um 1629) und Kaspar Ferdinand zu Altheim (gest. 1648) oder Johann Dietrich zu Niederraunau als Räte im Dienst des Habsburger Kaiserhauses.

Auch im Kurfürstentum Bayern bekleideten Vertreter mehrerer Linien immer wieder Hof- oder Verwaltungsämter. So wurde Joseph Albrecht von Freyberg zu Allmendingen (1651-1717), der auch Schloss Hellsberg (Gde. Niedertaufkirchen, Lkr. Mühldorf a.Inn) besaß, kurbayerischer Hofrat, Wirklicher Geheimer Rat und Revisionsratsdirektor. Christoph Adam Thaddäus von Freyberg zu Spitzenberg (gest. 1745) war Obersthofmarschall Kurfürst Karl Albrechts (reg. 1726-1745, ab 1742 als Kaiser Karl VII.), sein Bruder Karl Adam (gest. 1736) Vizedom von Burghausen.

Johann Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen (1616-1690), seit 1665 Fürstbischof von Augsburg. (Foto: Jan Koenen - Stadtverwaltung Dillingen)

Von den wenigen genannten Protestanten abgesehen, blieben die Freyberg katholisch und zählten zu den angesehensten Familien des ostschwäbischen Stiftsadels. Sie waren zahlreich in den umliegenden Dom- und Stiftskapiteln vertreten und stiegen hier auch zu hohen Würden auf. Christoph von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen (ca. 1517-1584) wurde 1573 Fürstpropst von Ellwangen (Baden-Württemberg), sein Neffe Johann Christoph (1616-1690) regierte ab 1665 als Fürstbischof in Augsburg. Johann Anton von Freyberg-Hopferau (1674-1757) war seit 1736 Fürstbischof von Eichstätt.

Fideikommiss-Stiftung

Fürstbischof Johann Christoph von Augsburg war um den Erhalt von Status und Wohlstand seines Geschlechts besorgt. Er verlieh deshalb nicht nur seinem Neffen Joseph Albrecht die dortige Erbkämmererwürde, sondern stiftete zwischen 1670 und 1673 ein Fideikommiss, in das neben der Allmendinger auch die anderen Linien des Stammes Freyberg-Eisenberg Güter einbrachten. Altheim, Allmendingen, Wellendingen, Hopferau, Eisenberg, Hürbel, Niederraunau sowie Justingen, das Johann Christoph von Johann Pleickart von Freyberg erworben hatte, sollten nur in männlicher Linie vererbt werden und ohne Zustimmung der Agnaten nicht veräußerlich sein. Das Fideikommiss war jedoch nicht sehr wirksam, da dennoch immer wieder Güter verkauft wurden. So wurde etwa im Jahr 1751 aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten auch die Reichsherrschaft Justingen an Württemberg abgetreten.

Die Freyberg im Königreich Bayern

Maximilian Prokop Freiherr von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf. Foto eines Gemäldes. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-033536)

Nach dem Ende des Alten Reiches kamen im Zuge der Mediatisierung Eisenberg, Hopferau, Raunau und Haldenwang unter bayerische Oberhoheit; Öpfingen, Allmendingen, Wellendingen und Hürbel fielen an Württemberg. Trotzdem wurden zwischen 1810 und 1815 alle Linien der Freiherren von Freyberg in die Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen.

Nikolaus Christoph Freiherr von Freyberg zu Wellendingen besaß seit dem kinderlosen Tod des fürstbischöflich-eichstättischen Oberstjäger- und Oberstforstmeisters Freiherr Johann Anton von Freyberg zu Hopferau (1740-1806) auch dessen bayerischen Sitz. Anton Johann Freiherr von Freyberg zu Öpfingen (1767-1847) war als ehemals fürstbischöflich-eichstättischer Pfleger in Ornbau in bayerische Dienste übernommen worden und hatte im Jahr 1809 die Herrschaft Öpfingen an die Fürsten von Thurn und Taxis verkauft. Ein Zweig der Linie Eisenberg-Allmendingen saß zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in Hellsberg und vertauschte dieses 1812/13 mit den Grafen von Lösch gegen die ebenfalls bayerischen Hofmarken Jetzendorf und Hilgertshausen .

Besonders letztere Linie tat sich in der Folgezeit im bayerischen Hof- und Staatsdienst hervor. Max Prokop von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf (1789-1851), Stiefsohn des Oberststallmeisters Karl Freiherr von Kessling (1763-1843), heiratete Caroline Gräfin von Montgelas (1804-1860), eine Tochter des einflussreichen Ministers, und wurde 1825 Vorstand des Allgemeinen Reichsarchivs, 1838 Staatsrat und 1843 Präsident der Akademie der Wissenschaften in München. Sein Bruder Wilhelm (1793-1860) bekam das Amt des Vizeoberststallmeisters.

Mehrere bayerische Linien der Freyberg mussten im 19. Jahrhundert aufgrund finanzieller Probleme ihre Stammsitze aufgeben. Franz Joseph Freiherr von Freyberg zu Haldenwang (gest. 1826) verkaufte 1816 Hürbel. Thaddäus von Freyberg (gest. 1842) veräußerte 1825 Wellendingen und seine Töchter 1838 auch Hopferau. Thaddäus‘ Sohn Gustav Adolf (1804-1886), mit dem dieser Familienzweig im Mannesstamm erlosch, war Eisenbahn-Beamter in Augsburg. Dort lebte auch Joseph Friedrich von Freyberg zu Raunau (1790-1864), nachdem er 1850 sein Schloss verkauft hatte, als Kreisinspektor der Landwehr von Schwaben und Neuburg. Joseph Friedrichs Sohn Joseph August (1850-1920) wohnte mit seiner Familie in Eschach bei Füssen, das seine Frau mit in die Ehe brachte.

Linien der Freyberg seit dem 20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blühten noch die Linien zu Öpfingen, Allmendingen, Jetzendorf, Füssen und Haldenwang. Letztere nannte sich, seit Alfred von Freyberg (1852-1929) sein Wappen 1885 mit dem der Vorfahren seiner Frau hatte vereinigen lassen, „Freyberg-Schütz zu Holzhausen“.

Die ehemalige Raunauer Linie in Füssen starb mit den Kindern Joseph Augusts aus. Sohn Ferdinand (1881-1916) fiel unverheiratet im Ersten Weltkrieg und die Töchter Maria (1879-1948) und Olga (1884-1952) blieben ebenfalls ledig.

Die Linie zu Öpfingen erlosch offiziell mit Anton Johanns Enkel Heinrich von Freyberg (1872-1959), bayerischer Oberregierungsrat und Hauptmann der Landwehr a.D. Jedoch führen seit 1921 auch sein unehelicher Sohn Hans Sigmund Geißler (geb. 1903, im 2. WK vermisst und für tot erklärt) und dessen Deszendenz den Namen „Freiherr von Freyberg“.

Die Allmendinger Linie war im frühen 20. Jahrhundert als einzige weit verzweigt und beerbte schließlich die Linien Jetzendorf und Freyberg-Schütz. Karl Freiherr von Freyberg zu Jetzendorf (BVP, 1866-1940), 1919/1920 bayerischer Landwirtschaftsminister, nahm als letzter Spross seiner Linie 1929 Alfred Theres von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen (1913-2006) an Sohnes statt an. 1948 adoptierte dann der kinderlose Hans Dietrich von Freyberg-Schütz zu Holzhausen (1886-1965) Alfreds Cousins, die Brüder Ulrich (1924-2020) und Georg (1926-2017). Georg übernahm 1957 Unterknöringen und 1963 Haldenwang und saß von 1970 bis 1982 für die CSU im bayerischen Landtag. Seit der Aufhebung der bei der Adoption erfolgten Namensänderung 1984 nannte er sich „Freiherr von Freyberg-Eisenberg“.

Die letzte verbliebene Linie der Freiherren von Freyberg blüht noch im 21. Jahrhundert vielköpfig und befindet sich nach wie vor im Besitz der Schlösser Allmendingen, Haldenwang und Jetzendorf.

Archive und Forschung

Eine übergreifende Untersuchung zur Geschichte des Adelsgeschlechts fehlt bisher. Es ist zwar eine handschriftlich angelegte und in Kopie verbreitete Genealogie überliefert, die Maximilian Joseph Freiherr von Freyberg-Eisenberg zu Jetzendorf (1825-1889) 1884 auf der Grundlage der Archivrecherchen seines Vaters verfasste. Deren Angaben sind allerdings nicht überprüfbar und für das Mittelalter, nicht zuletzt hinsichtlich der behaupteten Teilung des Geschlechts in sechs Stammlinien im 12. Jahrhundert, fehlerhaft.

Archivalische Quellen zur Geschichte der Ritter von Freyberg sind entsprechend dem Aktionsraum des Geschlechts vor allem im Staatsarchiv München (Bestand Herrschaft Hohenaschau), im Staatsarchiv Augsburg (u.a. Bestand Fürststift Kempten) sowie im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (z.B. Bestand B 456: Kloster Heggbach; B 139e: Herrschaft Steußlingen) aufzusuchen. Forschungen über die Verbindungen zu den Habsburgern müssen in den österreichischen Archiven in Innsbruck und Wien ansetzen. Privatarchive befinden sich in Allmendingen, Haldenwang und Jetzendorf.

Literatur

Quellen

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Joachim Schneider/Anja Lochbrunner, Freyberg, Adelsfamilie, publiziert am 07.01.2026, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freyberg,_Adelsfamilie> (25.01.2026)