Messen (Mittelalter/Frühe Neuzeit)

von Michel Pauly

Messe- und Jahrmarktsysteme im 12. und 13. Jahrhundert. (aus: Franz Irsigler/Michel Pauly, Messen, Jahrmärkte und Stadtentwicklung in Europa, Trier 2007, 311. Karte: Franz Irsigler)
Hauptachsen des europäischen Handels im Hoch- und Spätmittelalter. (aus: Franz Irsigler/Michel Pauly, Messen, Jahrmärkte und Stadtentwicklung in Europa, Trier 2007, 313. Karte: Franz Irsigler)

Im Gebiet des heutigen Bayerns entwickelten sich im Mittelalter nur wenige Messen und Jahrmärkte von internationaler Bedeutung, so etwa in Nördlingen im 14./15. Jahrhundert. Die Könige des Frühmittelalters verliehen Jahrmarktprivilegien vor allem an geistliche Städte, ebenfalls an kleinere Orte in verkehrsgünstiger Lage. Seit dem 12. Jahrhundert erfolgte die Gründung von Jahrmärkten zunehmend durch die Landesherren, wodurch sich regionale Marktsysteme herausbildeten. Handelsmetropolen wie Nürnberg und Regensburg hatten nicht immer Interesse, Messen und Jahrmärkte zu erhalten; sie konzentrierten sich stattdessen auf den auswärtigen Aktivhandel. Die Mehrzahl der Messen und Jahrmärkte in Bayern entstand vor allem in der Frühen Neuzeit. Sie waren hauptsächlich von regionaler Bedeutung. Zunehmend setzten sich permanente Märkte durch.

Grundlagen

Die Hauptachsen mittelalterlicher Handelsströme liefen eher westlich an Bayern vorbei. In der Tat kannte Bayern in Mittelalter und Früher Neuzeit nur wenige Messen und Jahrmärkte mit internationaler Ausstrahlung bzw. Einzugsgebiet.

Das heißt nicht, dass Bayern ohne periodische Marktgelegenheiten (nundinae, forum, mercatum) ausgekommen wäre. Im bayerischen Städtebuch (1971, 1974), dessen Grenzen für diesen Eintrag beachtet werden, sind für 263 Orte ein oder mehrere Jahrmärkte nachgewiesen. Wenn auch etliche erst im 18. Jahrhundert geschaffen wurden, entspricht diese Dichte nichtsdestoweniger jener, die auch in anderen Regionen Europas wie Burgund, Champagne, Picardie, Flandern, Luxemburg, Lothringen, Mittelrhein, Schwaben, Schweiz, Oberitalien nachgewiesen ist.

Für diese periodischen Marktgelegenheiten konnte eine fünfstufige Hierarchie erstellt werden (Pauly, 1996), wobei zwischen den Stufen natürlich gleitende Übergänge bestanden:

  • Auf der untersten Stufe stehen ländliche Jahrmärkte, deren Hauptfunktion der Absatz der Agrarüberschüsse und die Versorgung mit städtischen Produkten war. Viele verdanken ihren Ursprung einem kirchlichen Fest, das mit einem grundherrlichen Abgabetermin verbunden war.
  • Auf der zweiten Stufe sind Jahrmärkte von kurzer Dauer in größeren Marktflecken oder Gründungsstädten angesiedelt, die vom Angebot und der Frequentierung her mit den ersten gleich waren.
  • Die städtischen Jahrmärkte der dritten Stufe erreichten eine Dauer von acht Tagen oder mehr, hatten einen regionalen Einzugsbereich und wurden von einzelnen Fernhändlern besucht.
  • Jahrmärkte, die in den Fernhandel eingebunden waren, aber noch von einer starken Präsenz regionaler Händler und Konsumenten geprägt waren und deren Hauptfunktion der Absatz von regionalen Produkten im Fernhandel war, bildeten die vierte Stufe.
  • Die höchste, fünfte Stufe wurde schließlich von großen Fernhandelsmessen erreicht, bei denen sowohl der Warenhandel als auch Geldgeschäfte – letztere mit steigendem Gewicht – fast nur zwischen Fernhändlern stattfanden. Sie dauerten zwischen zwei und sechs Wochen. An den grossen Messeplätzen wie Troyes und Provins in der Champagne, Frankfurt, Antwerpen oder Leipzig fanden sie zweimal im Jahr statt. Messetermine waren sehr häufig Fälligkeitstermine für Schuldenrückzahlungen im internationalen Kreditgeschäft.

Während etliche Jahrmärkte spontan durch saisonale Begegnungen der Fernhändler etwa in den Wikorten an der Nord- und Ostseeküste entstanden sind, haben andere sich aus einem dichteren Netz von Jahrmärkten durch oft landesherrlich verordnete Ausschaltung von konkurrierenden Marktorten zu Fernhandelsmessen entwickelt.

Frühmittelalter

Während das Römerreich offenbar ohne periodische Marktgelegenheiten ausgekommen ist, dürften die ältesten Marktorte in Bayern und Franken die im Diedenhofener Kapitular von 805 genannten Grenzorte Forchheim, Hallstadt (Lkr. Bamberg), Premberg (Lkr. Schwandorf), Regensburg und Lorch (heute Stadt Enns, Österreich) sein, wo Händler aus dem Karolingerreich Slawen und Awaren treffen durften. In Regensburg entwickelte sich daraufhin zwar ein Kaufmannsviertel, das im 10. Jahrhundert schon gut belegt ist und dessen Marktrecht 1030 in Donauwörth in der Privilegienbestätigung Konrads II. (reg. 1020-1039, Kaiser seit 1027) als Vorbild genannt wurde, doch eine Messestadt wurde es nicht. 908 erhielten der Bischof von Eichstätt, 918 jener von Würzburg Markt-, Münz- und Zollrecht für ihre jeweilige Residenzstadt. 999 verlieh Otto III. (reg. 983-1002, Kaiser seit 996) auch dem Bischof von Passau das Markt- und Münzrecht. Zur selben Zeit dürfte auch schon Bischof Ulrich (reg. 923-973) Markt- und Münzrecht in Augsburg ausgeübt haben.

Im 9.-10. Jahrhundert wurde das dreifache Privileg von Markt, Zoll und Münze besonders im ostfränkisch-deutschen Bereich, wo der Bestand an spontan entstandenen Märkten noch dünner war, vor allem an geistliche Grundherren verliehen. Marktzoll und Schlagschatz stellte für diese bedeutende Einnahmen dar. Dauer und Periodizität der Märkte werden in den Urkunden vor der Jahrtausendwende selten präzisiert, erstmals 996, als Otto III. dem Bischof von Freising die Errichtung eines täglichen Marktes mit Regensburger Münze gewährte. Der Versuch, den Regalcharakter des Marktrechts durchzusetzen, hatte nicht zuletzt den Zweck, die Vervielfältigung von Münzstätten im Reich einzuschränken, da die Marktherren die ausschließliche Verwendung der Ortswährung verlangten.

In Bayern erhielten 1030 neben Donauwörth (Samstagsmarkt und dreitägiger Jahrmarkt am 1. Mai), Würzburg (täglicher Markt und achttägiger Jahrmarkt ab 17. August), 1034 Amberg an der Straße nach Böhmen und 1051 das an der Donau gelegene Metten (Lkr. Deggendorf) vom König einen Jahrmarkt, während 1062 Heinrich IV. (reg. 1056-1105, Kaiser seit 1084) den von seinem Vater nach Nürnberg verlegten Markt von Fürth wieder dorthin zurückgab. Die Beispiele Amberg und Metten zeigen, dass privilegierte Jahrmärkte keineswegs in größeren Ortschaften stattfinden mussten. Mit Ausnahme von Donauwörth entwickelte sich aber keiner dieser Jahrmärkte zu einer überregionalen Messe. Die ottonischen Markturkunden stellen zudem Sicherheitsgarantien für die Kaufleute bei der An- und Abreise sowie während der Marktdauer heraus und unterstreichen insofern schon früh die Wichtigkeit der politischen Rahmenbedingungen für den wirtschaftlichen Erfolg von Messen und Jahrmärkten.

Hochmittelalter

In den Messeprivilegien Friedrichs I. (reg. 1152-1190, seit 1155 Kaiser) für Aachen (1166) und Duisburg (1173) wird erstmals erkennbar, dass die Herrscher sich bei der Formulierung von den Kaufleuten beraten ließen, etwa was die Terminwahl oder die Sicherheitsgarantien anbelangte. Dies sollte gewährleisten, dass die Marktgründung für beide Seiten, die Händler und die Herrscher, von Erfolg gekrönt war. Von einem regen Handel durften die Herrscher nicht nur eine gesteigerte Wirtschaftsentwicklung und somit vermehrte Einnahmen erwarten, sondern auch einen deutlichen Prestigegewinn.

Seit dem 12. Jahrhundert beanspruchten die erstarkenden Landesherren das Recht, Märkte zu gründen und nach dem Vorbild der Champagne-Messen mit der Ausübung von Geleitsrechten, Gerichtshoheit und Marktzwang zu fördern. Als Beispiel ist die Verlegung des Marktes Föhring (Lkr. München) nach München durch Heinrich den Löwen (reg. 1142-1180 als Herzog von Sachsen, seit 1156 zusätzlich als Herzog von Bayern) um die Jahrhundertmitte zu nennen. Auch diese landesherrlichen Märkte erreichten selten Messecharakter. Die Territorialfürsten sorgten in ganz Europa dafür, dass die Termine der bedeutendsten Jahrmärkte in ihrem jeweiligen Herrschaftsbereich aufeinander abgestimmt wurden, so dass regionale Marktsysteme entstanden, deren Märkte von den Händlern nacheinander aufgesucht werden konnten.

Für die heutigen Regierungsbezirke Mittelfranken und Schwaben lässt sich diese Entwicklung im oberen Donauraum nachzeichnen, wo König Philipp (reg. 1198-1208) 1199 den Eichstätter Markt zu einem 14-tägigen Jahrmarkt aufwertete und Friedrich II. (reg. 1212-1250, Kaiser seit 1220) 1219 die Nördlinger Messe (erstmals) und die Donauwörther Messe erwähnte, als er den Nürnbergern auf beiden erlaubte, Nürnberger Währung zu benutzen; den Jahrmarkt in Donauwörth förderte er 1220 außerdem durch Befreiung vom Zoll auf der Donaubrücke. Eichstätt erhielt 1360 vom dortigen Bischof mit Zustimmung Karls IV. (reg. 1346-1378, Kaiser seit 1355) einen (weiteren?) zweiwöchigen Jahrmarkt. Der Eichstätter Jahrmarkt fand acht Tage vor und acht Tage nach St. Willibald (7. Juli) statt, die Nördlinger Messe begann am Samstag nach Pfingsten, die Donauwörther Jahrmärkte jeweils am 2. Mai- und am 2. Oktoberwochenende: Die drei Frühjahrs- bzw. Sommertermine konnten also durchaus von denselben Händlern besucht werden.

Angesichts der Vorteile, die sie dort genossen, dürften die Regensburger und Nürnberger als aktivste Kaufleute treibende Kräfte auf den Märkten in Donauwörth und Nördlingen gewesen sein. Franz Irsigler (geb. 1941), der eine ganze Reihe ähnlicher regionaler Jahrmarktsysteme in Europa identifiziert hat, betont, dass alle in von der Natur begünstigten und hochproduktiven Landschaften (Textil- und Metallgewerbe) sowie an der Kreuzung von wichtigen Fernhandelsrouten oder/und Wasserwegen lagen und über eine gut ausgebaute Marktinfrastruktur verfügten. Nördlingen lag z. B. am Schnittpunkt von Handelsstraßen, die sowohl zum Bodensee und in die Schweiz als auch ins Elsass und nach Frankreich sowie nach Franken und Bayern führten, während Donauwörth an der Donau lag und seit 1220 über eine Steinbrücke für die wichtige Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Italien verfügte.

Messestandorte im Spätmittelalter

Messe Nördlingen

Wie in anderen regionalen Jahrmarktsystemen kam es auch im mittelfränkisch-schwäbischen zu einer Konzentration des Marktgeschehens auf eine Stadt. Dabei handelte es sich um Nördlingen, dessen Pfingstmarkt sich im 14.-15. Jahrhundert zu einer Fernhandelsmesse von überregionaler Bedeutung – auch wenn der engere Einzugsbereich zwischen Schwarzwald, Böhmerwald, Nordschweiz und Maingebiet lag – für den Absatz der oberdeutschen Tuch- und Wollproduktion, inklusive Leinen und Barchent, entwickelte; gleichzeitig boten Nürnberger Händler dort Waid, Pelze, Wachs, Eisen und Silber aus dem Osten an. Ein Privileg König Wenzels (reg. 1376-1400) bestätigt 1398 die Existenz eines eigenen Messegerichts sowie freies Geleit für die Messebesucher. In Nördlingen waren auch die notwendigen Kaufhäuser und Verkaufsstände vorhanden. Die Jahrmärkte von Donauwörth und Eichstätt verschwanden zwar nicht, dienten hingegen nur mehr dem regionalen, agrarischen Austausch. Der 1522 in die Wege geleitete Versuch, den Erfolg der Nördlinger Pfingstmesse durch die Schaffung einer Wintermesse um Allerheiligen zu verdoppeln, schlug fehl: sie ging schon 1541 wieder unter. Inwieweit auch der Jahrmarkt, den Ludwig der Bayer (reg. 1314-1347, Kaiser seit 1328) 1323 Ingolstadt für die zwei Wochen nach Pfingsten gewährt hatte, in dieses regionale Messesystem passte, bedarf weiterer Untersuchungen.

Messe Ulm

Als Ulm 1429 von König Sigismund (reg. 1411-1437, Kaiser seit 1433) ein Messeprivileg erbat, bemühten sich die Stadtverantwortlichen um eine zweiwöchige Dauer, die acht Tage vor Christi Himmelfahrt beginnen und acht Tage danach enden sollte. Damit sollte der Termin zwischen die Frankfurter Fastenmesse, die Genfer und die Linzer Ostermessen, die Zurzacher Pfingstmesse und den Johannismarkt in Strassburg passen. Auch Jahrmärkte der näheren Umgebung wurden von diesem Termin nicht gefährdet. Doch er war wohl zu nahe an der Nördlinger Pfingstmesse, so dass die Ulmer Messe auf vier Wochen nach Pfingsten verschoben wurde. Trotzdem war der Ulmer Messe kein echter Erfolg beschieden und in der Frühen Neuzeit ist sie nur noch als achttägiger Veitsmarkt für Kramwaren belegt. Wie der Ulmer Nikolausmarkt wuchs der Veitsmarkt im späten 17. Jahrhundert wieder zumindest zu regionaler Bedeutung vor allem für Baumwoll- und Seidenhandel empor, auf dem auch die Nürnberger und Augsburger Händler aktiv waren.

Der Neuöttinger Stadtplatz auf einer Fotografie um 1900/1910. (Fotograf unbekannt, Stadtarchiv Neuötting)

Messen in Neuötting

Kaiser Ludwig der Bayer verlieh 1347 der unweit der Salzach-Mündung gelegenen Stadt Neuötting am Inn (Lkr. Altötting), der er schon 1321 ein ausführliches Stadtrecht gewährt und 1340 das Stapelrecht für Reichenhaller und Halleiner Salz neu eingerichtet hatte, zwei vierzehntägige Jahrmärkte: Der erste sollte die zwei Wochen vor Pfingsten stattfinden, der zweite acht Tage vor und acht Tage nach St. Andreas (30. November). Der Erfolg dieser Messegründung, deren Handelsvergünstigungen jenen der ebenfalls von Kaiser Ludwig privilegierten Messen von Frankfurt und Friedberg (Lkr. Aichach-Friedberg) nicht nachstanden, dürfte gewiss gewesen sein, lag Neuötting doch im Fernhandelsnetz zwischen den Messen von Bozen und denen von Linz. Die bis heute erhaltenen Lauben zeugen von der urbanen Ausstattung für das jährliche Marktgeschehen.


Nürnberg

Messeprivilegien waren aber keine Garantie für wirtschaftlichen Erfolg. Das hat Volker Henn (geb. 1942) u. a. an den Beispielen Augsburg, Nürnberg und Ulm nachgewiesen. Ludwig der Bayer gewährte der Reichsstadt Nürnberg 1319 zwar das Recht, einen fünften Jahrmarkt abzuhalten, der 14 Tage nach Ostern beginnen und vier Wochen lang dauern sollte, doch keiner der fünf Jahrmärkte erreichte Messecharakter. Auch als 1423 König Sigismund der Stadt das Recht verlieh, zum selben Termin, fortan im Anschluss an die öffentliche Ausstellung der Reichskleinodien, einen Jahrmarkt abzuhalten, der auf zwei Wochen begrenzt war, da der erste Versuch offensichtlich gescheitert war, wurde dieses Privileg bis 1431 nicht umgesetzt. Sigismund verlängerte daraufhin die Messedauer auf 24 Tage und forderte die Stadt auf, Geleit- und Gerichtsschutz für die Besucher sicherzustellen und die Kaufleute von Geleitabgaben und neuen Zöllen zu befreien, doch die Umsetzung erfolgte immer noch eher zögerlich. Frankfurt und Nördlingen legten Beschwerde ein, weil der Messetermin ihre eigenen Messegeschäfte (Fasten- bzw. Pfingstmesse) angeblich zu behindern drohte. Ausschlaggebend war aber wohl eher, dass die Nürnberger selbst angesichts ihrer systematisch abgeschlossenen Zollverträge mit anderen Handelsstädten den gesamten oberdeutschen Raum an sich binden konnten und ihre Stadt zum permanenten Markt gemacht hatten, so dass sie kein Interesse an einer Fernhandelsmesse hatten, die fremde Besucher begünstigt hätte.

Regensburg

Ebenso wollte Regensburg im späten Mittelalter offensichtlich keinen großen, freien Jahrmarkt, da seine Kaufleute selbst wie die Nürnberger im Aktivhandel tätig waren. Regensburger Kaufleute sind seit dem späten 12. Jahrhundert als treibende Kräfte in Enns an der Donau nachgewiesen, wo ihr Hansagraf auch den Kaufmannsgruppen aus Köln, Aachen und Ulm auf der vierwöchigen Frühjahrsmesse vorstand, die auch von maasländischen und flandrischen Händlern besucht wurde und den südosteuropäischen Handel kontrollierte. Die Regensburger, ab 1166 auch die Amberger, hatten besondere Vorrechte auf dem Passauer Jahrmarkt und ab 1227 auf dem Würzburger Herbstmarkt.

Auch das Marktprivileg Ludwig des Bayerns für München (1315) sah nur einen permanenten, also täglichen Markt vor, wie er für Grossstädte typisch war.

Ausblick: Frühe Neuzeit

Dem permanenten Markt einerseits und Jahrmärkten von regionaler Bedeutung andererseits gehörte die Zukunft. Von letzteren wurden etliche sogar erst im 17. und 18. Jahrhundert gegründet. In der Frühen Neuzeit konzentrierte sich der Messehandel, der zunehmend ein Kredit- und Wechselgeschäft war, auf wenige europäische Handelszentren, die miteinander in Verbindung standen. Im heutigen Bayern konnten nur Nürnberg und Augsburg, die aber beide ohne Messen auskamen, sich in dieses europäische Handelsnetz der Frühen Neuzeit integrieren. Die bayerischen und fränkischen Kaufleute konzentrierten sich auf den Aktivhandel. Sie bevorzugten es, die Frankfurter Messen als bedeutendsten Absatzmarkt für ganz Oberdeutschland zu besuchen, ohne Linz (schon 903/905 in der Raffelstettener Zollordnung erwähnt, im 15. Jahrhundert Nachfolger von Enns) in Oberösterreich und Bozen in Südtirol zu unterschätzen. Nürnberg orientierte sich indessen im 16. Jahrhundert zunehmend nach Leipzig.

Während die Messeforschung seit den Jubiläumsfeierlichkeiten für 750 Jahre Frankfurter Messen (1990) und 500 Jahre Leipziger Messen (1995) unter dem Impuls der Internationalen Kommission für Städtegeschichte einen regelrechten Aufschwung erlebt hat, bleibt das bayerische Messewesen in der Frühen Neuzeit, abgesehen von Nördlingen und Ulm, weitgehend unerforscht. Dies könnte durchaus darauf zurückzuführen sein, dass es vom 16. Jahrhundert an kaum bayerische Jahrmärkte mit überregionalem Messecharakter gab.

Literatur

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Quellen

  • Thomas Vogtherr, Leipzig und Nürnberg: Quellen zur Handels- und Messegeschichte in sächsischen Archiven, in: Die Archive in Bayern und Sachsen im Dienst von Wissenschaft und Öffentlichkeit. 3. Bayerisch Sächsisches Archivarstreffen, 27.-29. Januar 1995 in Nürnberg, hg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 1995, 23-29.

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Empfohlene Zitierweise

Michel Pauly, Messen (Mittelalter/Frühe Neuzeit), publiziert am 30.11.2016, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Messen_(Mittelalter/Frühe_Neuzeit)> (24.09.2017)