Hanns-Seidel-Stiftung

Hanns Seidel (CSU, 1901-1961, eigentlich Franz Wendelin Seidel, Ministerpräsident 1957-1960) war von 1955 bis 1961 Parteivorsitzender der CSU. Nach ihm benannte der CSU-Landesvorstand 1965 die neu gegründete Stiftung. (Foto: Archiv für Christlich-Soziale Politik)
2011 wurde in direkter Nachbarschaft zum Sitz der Hanns-Seidel-Stiftung in der Lazarettstraße 33 in München ein neues Konferenzzentrum eröffnet. Außenansicht des Konferenzzentrums. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
1978 konnte die Hanns-Seidel-Stiftung das ehemalige Benediktinerkloster in Banz erwerben. Es folgten jahrelange Sanierungs- und Umbaumaßnahmen, bis 1983 das Tagungszentrum Kloster Banz seiner neuen Bestimmung übergeben werden konnte. Innenhof der ehemaligen Klosteranlage. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Das ehemalige Kurbad Wildbad Kreuth war von 1975 bis 2015 als Bildungszentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in Betrieb. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)

von Renate Höpfinger

Die Hanns-Seidel-Stiftung wurde 1967 als vierte parteinahe, politische Stiftung in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Sie steht der Christlich-Sozialen Union (CSU) nahe, ist von ihr aber rechtlich und tatsächlich unabhängig. Als eingetragener Verein mit Sitz in München verfolgt sie ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke. Sie trägt zur politischen Willens- und Meinungsbildung bei, ihr vielfältiges Bildungsangebot und ihre wissenschaftlichen Einrichtungen stehen jedermann offen. Sie wird wie die anderen politischen Stiftungen in Deutschland überwiegend aus staatlichen Mitteln finanziert, verfügt über ein Jahresbudget in Höhe von rund 60 Mio. Euro und beschäftigt über 290 Mitarbeiter. Sie ist in etwa 60 Ländern entwicklungspolitisch aktiv und fördert jährlich über 1.000 begabte und gesellschaftlich engagierte Studierende aus dem In- und Ausland.

Gründung

1963 begannen erste Planungen des CSU-Landesvorstands zum Aufbau einer eigenen Institution für politische Bildung. Damit folgte die CSU den anderen im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien CDU, FDP und SPD, die bereits über derartige parteinahe Einrichtungen verfügten. Schon seit Mitte der 1950er Jahre hatten diese aus eigenen Mitteln Bildungseinrichtungen geschaffen, die mehrere Zwecke verfolgten. Zum einen kamen sie dem Verfassungsauftrag an die Parteien nach, an der politischen Willensbildung des Volkes mitzuwirken (Art. 21 Grundgesetz); zum anderen wollten sie ein Podium für breite Diskussionen zu politischen Grundfragen sowie zur jeweils eigenen inhaltlichen und geistigen Ausrichtung bieten. Das Angebot richtete sich allgemein an die Staatsbürger, war aber auch zur Schulung und Fortbildung auf die jeweils eigene Partei ausgerichtet. Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 24. Juni 1958, das die steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden an Parteien für verfassungswidrig erklärte, gerieten die Parteien in finanzielle Engpässe und das Interesse stieg, ihren Auftrag zur politischen Bildung auszulagern, zumal Maßnahmen der staatsbürgerlichen Bildungsarbeit zu dem Zeitpunkt vermehrt aus Steuergeldern finanziert wurden. Als seit Anfang der 1960er Jahre zudem die Entwicklungszusammenarbeit nichtstaatlicher Einrichtungen durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gefördert wurde, organisierten und institutionalisierten sich diese ursprünglichen Bildungseinrichtungen in der heutigen Form der politischen Stiftungen. Das BMZ wollte so über die Stiftungen "nach außen die Chancen einer nichtstaatlichen, weltanschaulich verpflichteten Institution nutzen und nach innen als Informations- und Werbeträger für Entwicklungspolitik in der Bevölkerung, [...] insbesondere in die weltanschaulich verbundenen Gruppen hineinwirken." (Vieregge, 69)

Die CSU, die - bis dahin noch ohne eigene Bildungseinrichtung - das Angebot der Politischen Akademie Eichholz (ab 13. Oktober 1964 Konrad-Adenauer-Stiftung) mitbenutzt hatte, traf die Entscheidung zur Gründung einer eigenen politischen Stiftung mit dem Beschluss des Vorstands vom 9. April 1965. Bereits hier wurde der Name festgelegt. Die Benennung nach dem 1961 verstorbenen, in der Partei hoch geschätzten und verehrten CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Hanns Seidel (eigtl. Franz Wendelin Seidel, CSU, 1901-1961, Ministerpräsident 1957-1960) "war für unsere Stiftung Wegweisung und Programm" (Franz Josef Strauß, 1988). Als Grundsatzpolitiker hatte er sich in der Diskussion um die Schaffung einer selbständigen Akademie für politische Bildung intensiv mit den Prinzipien politischer Bildung befasst. Die offizielle Gründung der Hanns-Seidel-Stiftung erfolgte am 7. November 1966 durch 21 der CSU nahestehende Personen in München. Die Mitgliederversammlung vom 20. Januar 1967 wählte Dr. Fritz Pirkl (CSU, 1925-1993, Staatsminister für Arbeit und Soziales 1966-1984) zum ersten Vorsitzenden. Er hatte, seit 1963 vom Landesvorstand beauftragt, maßgeblich die Gründung vorbereitet und die Organisation vorangetrieben. Die Mitgliederversammlung bestimmte auch einen siebenköpfigen Vorstand und beschloss eine Satzung. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte am 11. April 1967.

Gründungsmitglieder
Name Lebensdaten Funktion Ort
Dr. Walter Althammer geb. 1928 MdB Augsburg
Dr. Wilhelm Arnold 1911-1983 Universitätsprofessor Würzburg
Alfred Berchtold 1904-1985 Rektor Hohenaschau
Dr. Hans Ehard 1887-1980 Ministerpräsident a. D. München
Ingeborg Geisendörfer (geb. Schaudig) 1907-2006 MdB München
Dr. h.c. Alfons Goppel 1905-1991 MdL, Ministerpräsident München
Willi Guthsmuths 1901-1981 Staatssekretär a. D. München
Georg Haindl 1914-1970 IHK-Präsident Augsburg
Dr. Johannes Herrmann 1918-1987 Universitätsprofessor Erlangen
Anton Jaumann 1927-1994 MdL, Staatssekretär, Rechtsanwalt München
Dr. Hermann Keßler Oberbürgermeister Nördlingen
Alois Klughammer 1913-1973 MdL München
Dr. Dr. Carl Knott 1892-1987 Vorstandsmitglied der Siemens AG München
Dr. Walter D. Künneth 1901-1997 Universitätsprofessor Erlangen
Dr. Fritz Pirkl 1925-1993 MdL, Staatsminister München
Dr. Dieter Sattler 1906-1968 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Rom (Italien)
Dr. Christian Seidel geb. 1935 Bankier München
Ilse Seidel 1905-1997 München
Paul Strenkert 1899-1989 Staatsminister a. D. Kempten
Dr. Wolfram Thiele 1922-2008 Direktor Nürnberg
Reinhold Vöth 1930-1997 Oberregierungsrat, MdL Würzburg


Fritz Pirkl (CSU, 1925-1993) war von 1967 bis 1993 Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. (Foto: Josef A. Slominski, Rechte: Archiv für Christlich-Soziale Politik)
Alfred Bayer (CSU, geb. 1933) war von 1994 bis 2004 Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Hans Zehetmair (CSU, geb. 1936) war von 2004 bis 2014 Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Seit 2014 ist Ursula Männle (CSU, geb. 1944) Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
In verschiedenen Veranstaltungsformaten geht die Hanns-Seidel-Stiftung ihrem Auftrag zur politischen Bildung nach, wie hier am 29. Juli 2014 im Rahmen der Reihe "Starke Frauen Starke Worte". Das Zeitzeugengespräch mit Jutta Fleck (geb. 1946), bekannt als "Die Frau vom Checkpoint Charlie", wurde die SED-Diktatur thematisiert. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Veranstaltungen von und für die Stipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung: Seminare zur politischen Bildung, aber auch wie hier ein Folkloreabend während des alljährlichen Treffens der Auslandsstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung am 6. Dezember 2014 im Kaisersaal von Kloster Banz fördern das Miteinander und Verständnis der unterschiedlichen Kulturen. (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Am 9. Mai 2015 wurde dem Schriftsteller Reiner Kunze (geb. 1933) im Kaisersaal der Münchner Residenz der "Franz Josef Strauß-Preis" verliehen. Die Hanns-Seidel-Stiftung verleiht diesen Preis in unregelmäßigen Abständen an "Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für Frieden, Freiheit und Recht, für Demokratie und internationale Verständigung eingesetzt oder die sich besondere Verdienste in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sowie Literatur und Kunst erworben haben." V.l.n.r.: Theo Waigel (CSU, geb. 1939), Reiner Kunze, Ursula Männle (CSU, geb. 1944), Horst Seehofer (CSU, geb. 1949). (Foto: Plettenberg, Rechte: Hanns-Seidel-Stiftung)


Auftrag und Aufgaben

Die Satzung definiert Auftrag und Aufgaben und gibt das grundsätzliche Ziel vor, "im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung" die "demokratische und staatsbürgerliche Bildung des deutschen Volkes auf christlicher Grundlage" zu fördern. Durch die Vermittlung von Kompetenzen, Kenntnissen und Fähigkeiten soll ein selbstständiges, rational begründetes Urteil über politische Zusammenhänge ermöglicht werden. Ziel ist, den Sinn der Bürger für Politik, das Verständnis für politische Entscheidungsabläufe und die Bereitschaft zur politischen Betätigung zu wecken und damit Radikalisierungstendenzen und einem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenzuwirken. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für christlich-humanistische Traditionen und Werte und das Wissen um die normativen Grundlagen des Gemeinwesens gestärkt werden. Mit den außenpolitischen Kontakten werden die "internationale Gesinnung und Völkerverständigung sowie die europäische Einigung" befördert. Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit dient der Stärkung der Zivilgesellschaft, der Förderung von Bürgerbeteiligung und des Rechtsstaates, der Unterstützung von Maßnahmen zur Bildung und Managementtraining, der Sensibilisierung des Umweltbewusstseins und der Beratung von Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Verwaltung.

Das aus dem christlich-sozialen Selbstverständnis entwickelte klare Bekenntnis zur freiheitlich-pluralistischen Ordnung des demokratischen Gemeinwesens und dessen unverrückbare Einbettung in die westliche Wertegemeinschaft charakterisieren das Selbstverständnis und definieren die Zielsetzung, die sich seit der Gründung nicht wesentlich verändert haben. Geändert haben sich jedoch die Inhalte der Arbeit und die Themen der Veranstaltungen, die die jeweils aktuellen Probleme ihrer Zeit und die historischen Entwicklungen der Weltgeschichte widerspiegeln. Aufgegriffen werden die Fragestellungen, die dringend von der Politik gelöst werden müssen. Diese werden in enger Absprache mit Vorstand und Gremien der HSS von der Führung der HSS und den Fachabteilungen identifiziert und diskutiert, die Leitlinien formuliert und die Schwerpunktthemen der Arbeit festgelegt.

Verhältnis Partei - Stiftung

Das Verhältnis der Stiftungen zu ihren Parteien, ihre personellen Verflechtungen und ihr Aktionsrahmen unterlagen im Laufe der Jahrzehnte einem Wandel, der vor allem der rechtlichen Entwicklung folgte. Diese wurde maßgeblich durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Parteienfinanzierung bestimmt. Die Arbeit der Stiftungen und die Zusammenarbeit mit den Parteien wurden zuletzt durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 14. Juli 1986 neu geregelt. Die darin geforderte Distanz zu ihren Parteien und die personelle Entflechtung der Gremien ist die zentrale Grundlage für die Arbeit der Politischen Stiftungen. Die "Parteinähe" definiert sich vor allem über die gemeinsamen Werte und die gemeinsame geistige Basis. Die Unabhängigkeit wird in der Praxis gewahrt und umgesetzt, auch wenn die Existenz der politischen Stiftungen über ihre Finanzierung in gewisser Weise an die Existenz dieser Parteien gekoppelt ist. Die staatlichen Mittel werden den Stiftungen nach einem zwischen diesen nach jeder Bundestagswahl neu ausgehandelten Schlüssel zugewiesen. Die Schlüsselzuweisungen berechnen sich aus den vier letzten Wahlergebnissen. Seit 1998 geben die Stiftungen aufgrund einer Selbstverpflichtung (Gemeinsame Erklärung der Stiftungen) öffentlich Rechenschaft über die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel.

Organisation

Noch 1967 berief der Vorstand einen hauptamtlichen Geschäftsführer, beschloss einen Stellenplan für die ersten beiden Bereiche Bildungswerk und Akademie und bestellte deren Leiter. Das Bildungswerk erhielt den Auftrag, staatsbürgerliches Wissen zu vermitteln; die Akademie für Politik und Zeitgeschehen wurde als Forum für Wissenschaftsförderung und wissenschaftliche Politikberatung geschaffen, als "Denkfabrik" zur Erarbeitung politischer Konzepte und Strategien. Ihren Verwaltungssitz erhielt die HSS bereits in der Münchner Lazarettstraße, wo die Räume und Gebäude sukzessive erweitert wurden. Die Bildungsarbeit wurde bayernweit durchgeführt. Mit der Errichtung des Instituts für Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit als drittem Bereich begann zum 1. November 1973 die verstärkte Auslandsarbeit der HSS, 1977 die entwicklungspolitische Arbeit. 1977 wurde die Aufteilung der nach Fraktionsstärke zugewiesenen Mittel zwischen CDU und CSU in Folge des Kreuther Trennungsbeschlusses und der Neuverhandlungen der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU neu geregelt; die HSS konnte die Gleichstellung der finanziellen Förderung mit den anderen politischen Stiftungen erreichen. Mit Hinweis auf die Fraktionsgemeinschaft im Bundestag waren bis dahin die entwicklungspolitischen Fördermittel des Bundes für beide Stiftungen an die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) gegangen. Die ungleiche interne Aufteilung hatte zu jahrelangen Konflikten geführt, die erst 1977 gelöst werden konnten.

Mit dem Anstieg der Förderungsmittel gingen eine erhebliche Ausweitung der Aufgaben und eine Neustrukturierung der Stiftung einher. 1979 wurde der Aufbau eines Archivs und einer Bibliothek beschlossen. Die rapide wachsende Auslandsarbeit wurde 1979 in die Bereiche "politische Zusammenarbeit" und "Entwicklungshilfe" getrennt. Ein Jahr später begann die Journalistische Nachwuchsförderung; 1981 folgte die Förderung ausländischer Stipendiaten. Die Unterstützung junger, hochqualifizierter Wissenschaftler aus Ländern der Dritten Welt und der mittel- und osteuropäischen Länder begann mit 24 Stipendiaten aus China. 2015 befanden sich 84 Stipendiaten aus 37 Ländern in diesem Förderprogramm. Im Inland startete die HSS 1982 für 25 bayerische Studenten mit eigenen Stipendiatenprogrammen, die inzwischen jährlich insgesamt 1.084 (Stand 2015) überdurchschnittlich qualifizierte Studenten, Promovenden und junge Wissenschaftler mit besonderem politischen Interesse und gesellschaftlichem Engagement fördern. Die drei an verschiedenen Stellen angesiedelten Bereiche fasste man 1988 in einer eigenen Abteilung "Förderungswerk" zusammen.

Die inhaltliche und ihr folgend die organisatorische Gliederung der HSS wurde danach nicht mehr grundlegend verändert. Die Mitgliederzahl des Vereins ist auf maximal 40 Personen beschränkt. Er setzt sich aus Politikern und Vertretern der nahestehenden Partei sowie aus Personen des öffentlichen Lebens, Vertretern von Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur, der Kirchen und der Wirtschaft zusammen. Die Mitglieder wählen einen Vorstand mit einer/m Vorsitzenden an der Spitze. Die Vorschläge für die Besetzung des Vorsitzes unterbreitet in der Regel der Parteivorsitzende. Die Funktionen in den Gremien (z. B. Vorsitzender, Geschäftsführer, Schatzmeister) dürfen nicht mit Personen besetzt werden, die die gleichen Funktionen in der Partei ausüben.

Ein Hauptgeschäftsführer leitet die Geschäfte der HSS, die derzeit (Stand: 2016) in den Bereich "Zentrale Aufgaben" und in die vier Fachabteilungen "Akademie für Politik und Zeitgeschehen", "Institut für Politische Bildung", "Institut für Begabtenförderung" und "Institut für Internationale Zusammenarbeit" gegliedert ist.

Die (Haupt-)Geschäftsführer
Name Lebensdaten Amtszeit Bemerkung
Alois Klughammer 1913-1973 10.7.1967-26.7.1973
Siegfried Lengl 1932-2012 3.12.1973-22.10.1982
Wolfgang Maurus geb. 1943 22.10.1982-22.11.1984
Dr. Otto Wiesheu geb. 1944 1.12.1984-30.10.1990
Dr. Rainer Gepperth geb. 1943 1.11.1990-31.3.1991 kommissarisch
Manfred Baumgärtel geb. 1938 1.4.1991-29.2.2004
Dr. Peter Witterauf geb. 1953 seit 1.3.2004

Standorte

Der Sitz der Verwaltung ist seit 1967 in der Lazarettstraße in München. Dort wurde 2001 ein Konferenzzentrum errichtet. Schon 1975 war in Wildbad Kreuth (Lkr. Miesbach) ein eigenes Bildungszentrum eingerichtet worden. In dem von Herzog Max in Bayern (geb. 1937 als Max Prinz von Bayern) angemieteten Gebäude führte die HSS bis zum Auslaufen des Mietvertrages am 31. März 2016 einen intensiven Seminarbetrieb durch. 1978 erwarb die HSS zudem das ehemalige Benediktinerkloster Banz (Lkr. Lichtenfels) und baute es zu einer Begegnungs- und Bildungsstätte für den nordbayerischen Raum um. In Berlin ist die HSS mit einem Hauptstadtbüro vertreten. Von 1980 bis 2000 bestand in Bonn eine Verbindungsstelle der HSS zur Pflege der Kontakte zur Bundesregierung und den Bundesministerien sowie der Beziehungen zu Brüssel und Straßburg. Nach der Wiedervereinigung und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin wurde die Verbindungsstelle Bonn im Jahr 2000 geschlossen.

Die Hanns-Seidel-Stiftung unterhält Verbindungsstellen in Brüssel (seit 1982), Washington (seit 1989), Moskau (seit 1991) und Athen (seit 2012) zur Pflege der auswärtigen und internationalen Beziehungen (bilateral wie multilateral) und Vertiefung der Kontakte mit Regierungen, Parlamenten, Parteien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) dieser Staaten, die relevanten Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ausüben. Die weltweite Entwicklungszusammenarbeit wird von ca. 50 Projektbüros (Stand: 2015) mit etwa 100 Projekten in rund 60 Projektländern durchgeführt. Sie verteilen sich auf die Regionen Nordafrika, Naher/Mittlerer Osten, Südasien, Afrika südlich der Sahara, Lateinamerika, Südostasien, China/Mongolei, Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Die Projektarbeit wird in der Regel mit Partnerorganisationen vor Ort durchgeführt.

Wettbewerbe und Preise

Die Hanns-Seidel-Stiftung veranstaltet regelmäßig Wettbewerbe und verleiht Preise zur Ehrung von Persönlichkeiten und Kulturförderung. Besonderer Wert wird dabei auf die Nachwuchsförderung gelegt. Regelmäßig vergeben werden in diesem Zusammenhang der Förderpreis für junge Songpoeten im Rahmen des Musikfestivals "Songs an einem Sommerabend" (ab 2017 unter dem Namen "Lieder auf Banz"), "Die Raute" für Schülerzeitungen und der Förderpreis für Politische Publizistik. Zudem verleiht die Stiftung in unregelmäßigen Abständen den Franz-Josef-Strauß-Preis an "Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für Frieden, Freiheit und Recht, für Demokratie und internationale Verständigung eingesetzt oder die sich besondere Verdienste in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie sowie Literatur und Kunst erworben haben."

Von 1984 bis 2012 wurde der Volksmusikpreis im Rahmen des "Tages der Volksmusik" in Wildbad Kreuth und Kloster Banz vergeben. Die Vergabe wurde 2012 eingestellt, als die enge Verbindung des Stifterehepaares zum Nationalsozialismus nachgewiesen wurde.

Preisträger des Franz-Josef-Strauß-Preises
Jahr Name Lebensdaten Funktion
1996 Henry Kissinger geb. 1923 1973-1977 Außenminister der USA
1998 José Mariá Aznar geb. 1953 1996-2004 Ministerpräsident von Spanien
1999 George Bush sen. geb. 1924 1989-1993 Präsident der USA
2001 Viktor Orban geb. 1963 1998-2002 sowie seit 2010 Ministerpräsident von Ungarn
2003 Roman Herzog 1934-2017 1994-1999 Bundespräsident
2005 Helmut Kohl 1930-2017 1982-1998 Bundeskanzler
2008 Jean-Claude Juncker geb. 1954 seit 2014 Präsident der Europäischen Kommission
2011 Michail Gorbatschow geb. 1931 1985-1991 Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, 1990-1991 Staatspräsident der Sowjetunion
2015 Reiner Kunze geb. 1933 Schriftsteller

Publikationen

Der Bildungsauftrag der Stiftung wird parallel zu den vielfältigen Tagungs- und Seminarformaten auch durch zahlreiche Publikationen erfüllt, begleitet und weitergeführt. Publikationsreihen, Monografien, Themenhefte und die seit 1954 erscheinende, seit 1972 von der HSS herausgegebene Zweimonatszeitschrift "Politische Studien" greifen gesellschaftspolitische Entwicklungen und aktuelle Themen auf und lassen sie von Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kunst unter verschiedenen Aspekten und Blickwinkeln erörtern. Sie wenden sich an ein breites Publikum und werden in der Regel kostenlos abgegeben.

Vorsitzende
Name Lebensdaten Vorsitzender Partei
Fritz Pirkl 1925-1993 1967-1993 CSU
Alfred Bayer     geb. 1933 1994-2004 CSU
Hans Zehetmair geb. 1936 2004-2014 CSU
Ursula Männle  geb. 1944 seit 2014 CSU


Literatur

  • Monika Faßbender, "… auf der Grundlage des Liberalismus tätig". Die Geschichte der Friedrich-Naumann-Stiftung, Baden-Baden 2009.
  • Burkhard Haneke, Ideen, Impulse, Initiativen. 25 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung. 1967-1992 im Dienste von Demokratie, Frieden und Entwicklung, München 1992.
  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.), 25 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz, München 2008.
  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.), Im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung - 40 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung, München 2007.
  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.), 30 Jahre Hanns-Seidel-Stiftung in Wildbad Kreuth. Eine Dokumentation.,München 2005.
  • Henning von Vieregge, Parteistiftungen. Zur Rolle der Konrad-Adenauer-, Friedrich-Ebert-, Friedrich-Naumann- und Hanns-Seidel-Stiftung im politischen System der Bundesrepublik Deutschland (Schriftenreihe zum Stiftungswesen 11), Baden-Baden 1977.
  • Ulrich Heisterkamp, Think Tanks der Parteien? Eine vergleichende Analyse der deutschen politischen Stiftungen, Wiesbaden 2014.

Quellen

  • Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.), Jahresbericht, 2014.

Weiterführende Recherche

Externe Links

HSS, Hans-Seidel-Stiftung, Hanns-Seidl-Stiftung, Hans-Seidl-Stiftung

Empfohlene Zitierweise

Renate Höpfinger, Hanns-Seidel-Stiftung, publiziert am 24.10.2016; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hanns-Seidel-Stiftung> (24.09.2017)