Bayerischer Landesverein für Familienkunde e. V.

Das Vereinswappen betont mit seiner Farbgebung und den Rauten den Bayernbezug. Das von oben nach unten laufende Band verweist auf den Vereinsgegenstand: Es enthält die genealogischen Zeichen für Geburt, Eheschließung und Tod. Es spiegelt damit die genealogischen Eckdaten im Lebenslauf eines Menschen wider. (Bild: BLF)
Der Lehrer Georg von der Grün (1889-1962) gehörte zu den Gründungsmitgliedern des BLF. Er war von 1922-1924 auch dessen erster Landesvorsitzender. (Bild: BLF)
Der Verlagsbuchhändler Egon Freiherr von Berchem (1876-1946) war einer der Gründungsmitglieder des BLF und war von 1924-1942 dessen Landesvorsitzender. Mit dem Ende seines Vorsitzes 1942 hörte auch das Vereinsleben mitten im Zweiten Weltkrieg auf zu bestehen. (Bild: BLF)
Die Ausstellung des BLF von 1937 zeigt unzweideutig auch die politisch-ideologischen Einflüsse, mit denen sich auch der BLF nach 1945 auseinandersetzen musste. (Bild: BLF)
Dr. Joseph M. Hamberger (1890-1958) war von 1946 bis 1950 Landesvorsitzender des BLF. (Bild: BLF)
Otto Freiherr von Waldenfels (1889-1974) war von 1950 bis 1951 Landesvorsitzender des BLF. (Bild: BLF)
Dr. Heinz Friedrich Deininger (geb. 1900), Direktor des Stadtarchivs Augsburg, war von 1952 bis 1958 Landesvorsitzender des BLF. (Bild: BLF)

von Manfred Wegele

Der Bayerische Landesverein für Familienkunde e.V. (BLF) ist ein seit 1922 bestehender Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, "die Genealogie, die Heraldik und den Familiengedanken zu pflegen und dadurch wissenschaftliche und volksbildende Arbeit zu leisten." Der Verein unterhält mehrere Bibliotheken und ist in Bezirksgruppen untergliedert. Sogenannte regionale Forscherstammtische bilden das Forum, auf dem sich die Mitglieder regelmäßig austauschen. Seinen Mitgliedern bietet der Verein Unterstützung bei ihren genealogischen Forschungsarbeiten, etwa in Form von Workshops zum Lesen alter Schriften. Zudem setzt er eigene, auf den Forschungstätigkeiten seiner Mitglieder basierende Projekte um. In der vereinseigenen Publikationsreihe "Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde" (BBLF; sogenannte Gelbe Blätter) bietet er seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Verein hat seinen Sitz in München.

Allgemeines zum BLF

Der Bayerische Landesverein für Familienkunde (BLF) ist ein genealogischer Verein. Er wurde 1922 gegründet. Obwohl der Name auf einen bayernweiten Wirkungsbereich hindeutet, beschränkt er sich auf die vier Regierungsbezirke Niederbayern, Oberbayern, Oberpfalz und Schwaben. Die Geschäftsstelle des BLF und die vereinseigene Landesbibliothek befinden sich in München. Daneben werden in Passau, Regensburg und Augsburg weitere Bibliotheken mit regionaler Ausrichtung von den zuständigen Bezirksgruppen betreut. Den Familienforschern, ob Mitglied oder nicht, stehen diese Bibliotheken mit ihren Beständen offen. Zu finden sind nicht nur genealogisch ausgerichtete Publikationen, wie etwa solche zur Wappenkunde (Heraldik), Ortsfamilienbücher oder Adelsforschung. Sie umfassen auch Publikationen zur allgemeinen Geschichte von Land und Region sowie zahlreiche überregional und regional zugeschnittene Fachzeitschriftenserien.

Das auf dem Wappenschild befindliche Rautenmuster und in den Grundfarben Weiß und Blau gehaltene Vereinswappen betont den Bezug zu Bayern. Ein von oben nach unten laufendes Band mit den genealogischen Zeichen für Geburt, Eheschließung und Tod symbolisiert den Lebenslauf eines Menschen. Diese Eckdaten sind es auch, die bei der Erforschung der Vorfahren die wichtigste Rolle spielen.

Historische Entwicklung

Gründungsgeschichte und Etablierung

Am 19. Mai 1922 trafen sich eine Reihe genealogisch interessierter Herren im Jagdzimmer der Gaststätte "Zum Augustiner" in München und gründeten den "Bayerischen Landesverein für Familienkunde". Die Gründerväter waren der Lehrer Georg von der Grün (gest. 1962), der Verlagsbuchhändler Egon Freiherr von Berchem (1876-1946), der Obersekretär am Hauptstaatsarchiv in München Otto Engl und der Buchdruckereibesitzer Franz Giehrl. Als Vereinsziele formulierten sie "die Bewahrung der Kirchenbücher vor Untergang, ihre Erschließung und Verzettelung [d. h. Anlage von Zettelkatalogen], eine Bibliothek, [die] Aussprache der Forscher untereinander und Arbeitsteilung, Vorträge, eine Wanderausstellung". Vorsitzender des Vereins wurde Georg von der Grün, sein Stellvertreter Freiherr von Berchem, Schriftführer Otto Engl und Schatzmeister Franz Giehrl.

In rascher Folge wurden sogenannte Ortsgruppen ins Leben gerufen: Am 22. November 1922 die Ortsgruppe Regensburg, deren Vorläufer die Arbeitsgemeinschaft Oberpfälzer Familienforscher war. Für die Gründung der neuen Ortsgruppe setzte sich maßgeblich der fürstlich Thurn und Taxische Oberarchivrat Dr. Rudolf Freytag ein. Am 19. Oktober 1923 erfolgte die Gründung der Ortsgruppe in Würzburg durch Stadtarchivar Adalbert Scharr, am 25. Oktober 1923 die der Ortsgruppe Bamberg durch Staatsarchivar Dr. Hans Ring, am 27. September 1925 die der Ortsgruppe in Ansbach durch Oberstudienrat Dr. Hermann Schreibmüller (1874-1956), am 10. November die der Ortsgruppe in Augsburg durch Stadtarchivdirektor Hans Wiedemann und am 1. Januar 1939 die der Ortsgruppe in Berlin durch Dr. Rudolf Zwerger. Davon existieren heute (Stand: 2016) nur noch Gruppen Regensburg (Bezirksgruppe Oberpfalz) und Augsburg (Bezirksgruppe Schwaben). Zudem kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu zwei Neugründungen, den Ortsgruppen Neuburg (20.6.1959) und Passau (26.10.1991).

Parallel mit der Gründung der Ortsgruppen stiegen die Zahlen der Mitglieder und es etablierte sich eine illustre Forschungsgemeinschaft, in der nicht nur Laienforscher wirkten, sondern auch hauptberufliche Archivare und Geschichtswissenschaftler tätig waren. Erste Forschungsprojekte wurden angegangen.

NS-Zeit: Ideologisierung der Familienforschung

Eine neue Ausrichtung erfuhr die Tätigkeit des Vereins nach der NS-Machtergreifung. Schon ein Blick in das Bestandsverzeichnis aus dem Jahr 1939 der Bibliothek der Ortsgruppe Augsburg zeigt die enge Verflechtung des Ansatzes der damaligen Familienkunde mit dem nationalsozialistischen Gedankengut. Unter dem Oberbegriff "Grenzgebiete der Familienkunde" finden sich u. a. die Sachgebiete "Sozialwesen", "Bevölkerungskunde", "Sozialbiologie", "Rassenkunde" und "Kulturgeschichte". Noch deutlicher zeigt sich diese Verflechtung in solchen Buchtiteln wie "Familienkunde und Rassenpflege“, "Charakterbilder der Rassen", "Sprachpflege als Rassenpflicht", "Stammbaum und Artbild der Deutschen" oder "Rasse/Volk/Soldatentum". Folge dieser zunehmend ideologisch geprägten Familienforschung war das Forschungsprojekt zur Auswertung von Kirchenbüchern, deren Daten eine Grundlage für die Erstellung der "Ahnenpässe" (sogenannte Ariernachweise) waren. Hier vermischte sich deutlich das genealogische Interesse mit der politischen Gemengelage der NS-Diktatur.

Eine Beschäftigung mit spezieller jüdischer Genealogie war nicht existent. Auch nach 1945 finden sich dazu keine Nachweise. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts gibt es erste Dokumentationen zu jüdischen Friedhöfen und in Ortsfamilienbüchern auch Listen jüdischer Bürger.

Neuaufbau des Vereins nach 1945

Nach der Neugründung der Bezirksgruppe Oberpfalz und der Ortsgruppe München Anfang der 1950er Jahre ging es nur mühsam wieder bergauf. Nach dem Boom während der NS-Zeit (Stichwort "Ariernachweis") war Ernüchterung eingetreten, das Hobby Ahnenforschung in weiten Teilen der Gesellschaft sogar verpönt. Auch nach den Erfahrungen der NS-Diktatur gab es noch eine gewisse "Deutschtümelei"; aus einem Antrag vom 24. April 1954 zur Mitgliederversammlung geht die Forderung einiger Mitglieder hervor, wonach "die Neuausgabe der Satzungen in Deutscher Schrift und ohne Fremdwörter" gedruckt werden sollte. Der Neustart nach dem Kriegsende war bescheiden. Insgesamt bestand der Verein aus rund 400 Mitgliedern und setzte sich vornehmlich aus Bestandsmitgliedern und einigen Neumitgliedern zusammen. Mit jedem Jahrzehnt stieg die Mitgliederzahl um etwa 100 an. Die genealogisch wichtigen Forschungsarbeiten zu den Kirchenbüchern wurde als eines der ersten Projekte nach dem Kriegsende wieder aufgenommen. Aus ihnen entstanden vor allem in bayerisch Schwaben etwa 130 "Schwäbische Hochzeitsbücher". Auch wurden die ersten familienmäßigen Komplettzusammenstellungen (Geburten, Ehen, Sterbefälle) in Form sogenannter Ortssippenbücher veröffentlicht. Ab dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts werden diese unverfänglicher als "Ortsfamilienbücher" bezeichnet, um den rein genealogischen Ansatz zu unterstreichen.

Mehrmals veränderte der BLF seine Organisationsstruktur. Von 1922 bis 1942 war der Verein neben Landesleitung und Landesbeirat in Ortsgruppen organisiert. Seit seiner Neugründung in den 1950er Jahren war er bis 1960 nach Regierungsbezirken in Bezirksgruppen gegliedert. Dann kehrte man wieder zum System der Ortsgruppen zurück, bevor 1995 abermals die Gliederung nach den Bezirksgruppen Niederbayern, Oberbayern, Oberpfalz und Schwaben eingeführt wurde.

Anfang des neuen Jahrtausends gab es einen regelrechten Boom, was auf die zahlreich angestoßenen Projekte (s. u.), die Schaltung eines Internetauftritts, die Einbindung verschiedenster Forschergruppen (Forscherstammtische) und vermutlich auch die schrittweise Absenkung des Mitgliedsbeitrags zurückzuführen ist. Im Jahr 2016 zählte der Landesverein insgesamt 1.181 Mitglieder (Stand: 1.7.2016). Sie verteilten sich auf die Bezirksgruppen wie folgt: Oberbayern 481 Mitglieder; Schwaben: 380; Niederbayern: 196; Oberpfalz: 124.

Landesvorsitzende des BLF
Name Lebensdaten Amtszeit Beruf
Georg von der Grün 20.8.1889-13.4.1962 1922-1924 Lehrer
Egon Freiherr von Berchem 2.4.1876-2.12.1946 1924-1942 Verlagsbuchhändler
Dr. Joseph Michael Hamberger 25.5.1890-17.5.1958 1946-1950 Regierungsdirektor
Otto Freiherr von Waldenfels 1889-28.9.1974 1950-1951 Staatsarchivrat
Dr. Heinz Friedrich Deininger 1900-1972 1952-1958 Direktor des Stadtarchivs Augsburg
Constantin Dichtel gest. 29.5.1975 1958-1975 städtischer Oberbaurat
Kurt Ferchl 15.6.1909-1982 1975-1980 Oberst a. D.
Dr. Ekhard Nadler 31.5.1913-30.12.2005 1981-1982 Regierungsdirektor a. D.
Prof. Dr. Rainer Beer geb. 2.12.1931 1983-1984 Universitätsprofessor
Armin Freiherr von Oefele 10.4.1909-4.1.1991 1984-1985
Dr. Johann Geier gest. 22.9.1986 1985-1986 Archivdirektor
Dr. Ludwig Morenz 25.7.1929-9.11.2012 1987-1991 Archivdirektor
Gerhart Nebinger 22.12.1911-7.7.1997 1991-1997 Oberregierungsarchivrat a. D.
Lolo Anwander 7.5.1927-18.10.2004 1998-2002
Werner Bub 2002-2008
Manfred Wegele geb. 19.5.1950 seit 2008
Mitgliederentwicklung
Jahr Mitglieder
1922 151
1930 410
1940 662
1942 700
1950 400
1960 522
1970 590
1980 675
1990 715
2000 835
2010 958
2016 1190
Constantin Dichtel (gest. 1975) war von 1958-1975 Landesvorsitzender des BLF. (Bild: BLF)
Gerhart Nebinger (1911-1997) war von 1991 bis 1997 Landesvorsitzender des BLF. (Bild: BLF)

Arbeit des Vereins

Die Arbeit des Vereins besteht nach wie vor darin, "die Genealogie, die Heraldik und den Familiengedanken zu pflegen und dadurch wissenschaftliche und volksbildende Arbeit zu leisten." (§2 der Satzung). Um diese Ziele seiner Arbeit umzusetzen, veranstaltet er Vorträge, Arbeitsabende (Workshops und Schulungen), Ausstellungen und Exkursionen. Er organisiert Besichtigungen und Besuche von Archiven. Er gibt eine eigene Zeitschrift heraus, erschließt, bearbeitet und veröffentlicht genealogische Quellen. Er unterstützt seine Mitglieder bei ihren familiengeschichtlichen Forschungen und deren Dokumentation. Zudem unterhält er Bibliotheken und Sammlungen genealogischer und heraldischer Materialien (Karteien, Nachlässe usw.). Des Weiteren arbeitet er mit Vereinigungen und Einrichtungen zusammen, die gleiche Ziele verfolgen.

Diesen Aufgaben widmen sich die vier Bezirksgruppen und regionalen Forscherstammtische gleichermaßen, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen.

Selbstverständnis des Vereins und seiner Mitglieder

Die Satzung gibt einen groben und weit gefassten Rahmen vor. Der BLF versteht sich in erster Linie als Vereinigung Gleichgesinnter, die sich gegenseitig bei der eigenen Familienforschung unterstützen. Zu den klassischen Vereinsabenden mit Vorträgen gesellen sich zunehmend auch Workshops mit allgemeinen und individuellen Schulungsinhalten, wie z. B. Internetforschung, Lesen alter Schriften, Quellenkunde oder Umgang mit genealogischer Software, zum Programm.

Der Verein übernimmt keine Auftragsforschungen. Der Verein versucht die Rahmenbedingungen der Familienforschung stets mit eigenen finanziellen und technischen Mitteln zu verbessern. Bezeichnend hierfür ist die große Anzahl von Projekten mit dem Ziel, eigene Datenbanken aufzubauen, um diese vornehmlich für die eigenen Mitglieder bereit zu stellen. Zunehmend werden diese auch weiteren Interessenten zugänglich gemacht.

Der Unterhalt der vereinseigenen Bibliotheken mit ihren umfangreichen Standardwerken zu Genealogie und Heraldik, ihren reichhaltigen Beständen an Chroniken und Ortsfamilienbüchern sowie ihren Nachlassarchiven ist eine der Grundaufgaben. Die Bedeutung der IT-Ausstattungen und -Aufrüstungen nahm seit den 1990er Jahren jedoch stetig an Bedeutung zu, insbesondere auch das Informationsangebot über die vereinseigene Homepage. Ein eigenes BLF-Web-Team setzt die eigenen digitalen Projekte um.


Projekte

Der BLF initiierte zahlreiche Projekte, wie z. B. schwäbische Hochzeitsbücher (seit den 1950er Jahren, digital seit 2006), Digitalisierung von Todesanzeigen, Auswandererkartei (ca. 30.000 Personen), "Bayernregister" (seit 2009), Ahnendatenbank (Sammlung von Ahnendaten) oder die niederbayerische Datenbank (geschlossen für Mitglieder), um nur einige zu nennen. In jüngster Zeit haben sich zwei "Mitmachprojekte" zu sehr populären Selbstläufern entwickelt (Friedhofsprojekt und Sterbebildprojekt). Rückblickend wird deutlich, dass die damaligen Projekte mit den heutigen technischen Möglichkeiten anders angepackt worden wären. Einige ausgewählte Projekte verdeutlichen die Arbeit des Vereins:

Schwäbische Hochzeitsbücher

In der Bibliothek der Bezirksgruppe Schwaben des BLF in Augsburg findet sich ein Bestand "Schwäbische Hochzeitsbücher". Er geht zurück auf Verkartungen von Trauungsmatrikeln verschiedener schwäbischer Gemeinden, die ab den 1950er Jahren von Mitgliedern des Vereins durchgeführt wurden, aber teilweise auch von anderen Stellen stammen. Diese Verkartungen wurden meist schon in der Entstehungszeit als "Hochzeitsbücher" ediert. In jüngster Zeit haben nun Vereinsmitglieder damit begonnen, diese Bücher und teilweise auch die noch unedierten Karteikarten mit dem PC digital zu erfassen, um sie über moderne Darstellungsmittel einem größeren Kreis von Interessenten zugänglich zu machen. Weitere "neue" Hochzeitsbücher werden erstellt.

Auswandererkartei

In dieser Kartei wurden seit 1971 mit Hilfe der Bayerischen Intelligenzblätter bzw. der Bayerischen Regierungsblätter des 19. Jahrhunderts erfassbare Auswanderer aus Bayern verzeichnet. Die Kartei wurde mittlerweile digital erfasst.

Friedhofsprojekt

Das Ziel des Mitmachprojektes "Friedhofsprojekt" ist die Dokumentation der Friedhöfe im Vereinsgebiet. Immer mehr Gräber werden aufgelöst, die Liegezeiten werden immer kürzer. Mit den alten Gräbern verschwindet auch ein Stück Kulturgut. Ist ein Grab erst einmal aufgelöst, geraten auch die Personen, die dort liegen, in Vergessenheit. Mit den Fotos wird ein Stück Friedhofskultur festgehalten. Man stellt fest, kein Friedhof gleicht einem anderen. Es gibt Friedhöfe mit strengen Regeln, z. B. nur weiße Steine, fast ausschließlich Einzelgräber, oder alle Verstorbenen werden der Reihe nach bestattet, also 1990, 1991 usw. Auch Friedhöfe unterliegen einer Mode und sind regional unterschiedlich gestaltet, nicht nur der Grabstein, auch die Grabgestaltung. Zunehmend werden Urnengräber bereitgestellt, sei es als Erdgrab, Grabstelen oder in einer Grabwand.

Der zweite Aspekt für Familienforscher sind die Daten auf den Grabsteinen. Da diese Inschriften veröffentlicht sind, fallen sie nicht unter Datenschutz und können verwendet werden. Bilder und Daten werden in der Bibliothek der BLF-Bezirksgruppe Schwaben archiviert.

Jeder ist eingeladen, "seinen" Friedhof zu fotografieren. Übersichtsaufnahmen von Grabreihen, des gesamten Friedhofes und der Kirche oder Friedhofskapelle gehören ebenso dazu wie das Kriegerdenkmal, Gedenksteine (z. B. nach Unfällen) sowie die Epitaphien und alten Grabplatten in der Kirche, an der Friedhofsmauer oder an der Außenseite der Kirche.

Sterbebildprojekt

Neue technische Möglichkeiten führten zum sogenannten Sterbebildprojekt. Durch die Anschaffung mehrerer komfortabler Einzugsscanner für Fotos und Dokumente in den Bezirksgruppen des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde wurde auf Vereinsabenden damit begonnen, systematisch Sterbebildersammlungen einzuscannen. Einen gewissen Grundstock bildete dabei die bereits vorhandene Sammlung in der BLF-Landesbibliothek mit rund 50.000 Sterbebildern, sowie eine der größten Privatsammlungen Bayerns mit ca. 190.000 Bildern.

Da viele leidenschaftliche Sammler bereits selbst begonnen haben, ihre Sammlungen digital zu erfassen, bietet das Projekt die Möglichkeit, dies bayernweit mit einem einheitlichen Standard voranzubringen, mit dem Ziel, die Informationen in einer Datenbank zu sammeln und aufzubereiten. Dieses Projekt umfasst inzwischen über 500.000 Bilder.

Wegen der Wahrung von Persönlichkeitsrechten und Urheberrechtsfragen können dabei nur die Scans der älterer Sterbebilder veröffentlicht werden – dies allerdings nur im Mitgliederbereich - alle werden aber bei den BLF-Bibliotheken archiviert und sind somit auch individuell zugänglich.

Publikationen

Der BLF gibt seit 1923 eine eigene Publikationsreihe heraus, die "Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde" (BBLF; "Gelbe Blätter"). Ihre Erscheinung musste 1942 aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingestellt werden. Nach Kriegsende erschienen 1950 bis 1957 ähnliche Hefte unter dem Namen "Der Familienforscher in Bayern, Franken und Schwaben", die vom früheren Schriftleiter der BBLF, Adolf Roht, in Eigenregie herausgegeben wurden. Erst 1958 starteten die BBLF wieder, beginnend mit dem 21. Jahrgang.

Es erscheinen unter der Herausgeberschaft des BLF weitere Publikationen: von 1925 bis 1982 in unregelmäßigen Abständen die "Schriften des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde", von 1923 bis 1990 die Reihe "Bayerische Geschlechtertafeln", seit 1986 ein "Informationsblatt", DAGV-Forscherkontakte sowie diverse Sonderdrucke, CDs und DVDs.

Sonstige Veranstaltungen

Neben den diversen Fortbildungsangeboten und Vereinsabenden organisiert der BLF noch weitere Veranstaltungen. So richtete der BLF seit Kriegsende bereits sechs Mal den Deutschen Genealogentag aus (1955, 1961, 1974, 1982, 1997, 2012). Daneben wurden weitere eigene überregionale Forschertreffen unter Leitung des BLF in den letzten Jahren etabliert, etwa das jährlich stattfindende "Nordschwäbisch-mittelfränkische Forschertreffen" oder das sogenannte Regionaltreffen Süd, auf dem Vertreter der genealogischen Vereine aus Bayern, Baden-Württemberg und Österreich zu einem intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch zusammenkommen, um gemeinsame Aufgaben und Projekte abzusprechen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Archiven ist ein großes Ziel. So wurden schon mehrfach gemeinsame "Tage der Familienforscher" mit den staatlichen Archiven ausgerichtet.

Geschäftsstellen des BLF in München
Jahr Adresse Bemerkung
1923-1942 Herzogspitalstr. 1/I Geschäftsstelle und Schriftleitung
1951 Leonrodstr. 57/EG
1952-1953 Eintrachtstr. 5/II
1958-1979 Winzerstr. 68 Stadtarchiv München
1979-2007 Ludwigstr. 14/I Bayerisches Hauptstaatsarchiv
2007-2008 Hochstr. 8 Sudetendeutsches Haus
seit 2008 Metzstr. 14b

Literatur

  • Manfred Wegele, Familienforschung im Wandel der Zeit - skizziert an der 90-jährigen Vereinsgeschichte des BLF, in: BBLF, 75. Jg., 2012, Band XX, 2-9.

Quellen

Weiterführende Recherche


Externe Links


Empfohlene Zitierweise

Manfred Wegele, Bayerischer Landesverein für Familienkunde e. V., publiziert am 14.12.2016, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerischer_Landesverein_für_Familienkunde_e._V.> (21.04.2018)