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Wertheim, Grafen von

Wappen der Grafen von Wertheim im Scheiblerschen Wappenbuch. (Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312 c)
Die Genealogie der Grafen von Wertheim nach Joseph Aschbach. Abb. aus: Joseph Aschbach, Geschichte Geschichte der Grafen von Wertheim, erster Teil, Frankfurt a. M. 1843, nach 400. (Bayerische Staatsbibliothek, Geneal. 6 m-1/2)

von Matthias Bachmann

Grafenfamilie mit Besitzschwerpunkten im Süden des Mainvierecks und an der Taubermündung. Quellenmäßig seit Beginn des 12. Jahrhunderts belegt. Vor allem durch geschickte Anlehnung an die herrschenden Königsdynastien konnten die Grafen von Wertheim ihre Macht bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts stetig ausbauen. Die Gewinnung des Würzburger Bischofsstuhls und Expansionsbestrebungen auf Kosten von Kurmainz scheiterten jedoch zu dieser Zeit. 1407 entstanden zwei Linien: Die ältere unter Graf Johann II. (gest. 1444) mit dem Stammsitz Wertheim und die jüngere unter Graf Michael I. (gest. 1440) mit der kleineren Herrschaft Breuberg (Hessen) als Mittelpunkt. Nach dem Aussterben der älteren Linie fiel diese an die jüngere Linie unter Graf Michael II. (gest. 1531) 1497. Mit dem Tod von Graf Michael III. 1556 erlosch das Grafenhaus im Mannesstamme. Durch komplizierte Erbgänge gelangte die Masse des Besitzes schließlich an die Grafen von Löwenstein. Als bedeutendster Vertreter des Geschlechts gilt Albrecht von Wertheim (gest. 1421), der seit 1398 Bamberger Fürstbischof war.

Anfänge

Reitersiegel des Grafen Rudolf III. von Wertheim an einer Urkunde von 1324. (Staatsarchiv Wertheim)

Anfang des 12. Jahrhunderts begannen die Wertheimer an der Mündung der Tauber in den Main eine neue Herrschaft zu formieren. Die Herkunft der Wertheimer ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise stammen sie von den Reginbodonen ab, die in enger Beziehung zum Erzstift Mainz und zum Kloster Fulda standen.

Der erste Graf von Wertheim, Wolfram I. (belegt 1132-1157), ist für das Jahr 1132 nachweisbar. Die aufstrebende Dynastie errichtete um ca. 1130 auf dem linken Mainufer oberhalb der Taubermündung ihre Stammburg. Dort entstand im Schutz der Mauern eine neue Siedlung, die später Wertheim genannt wurde. Das alte Wertheim auf dem rechten Mainufer wurde zunehmend vernachlässigt. Ab 1311 wurde es zur besseren Unterscheidung Kreuzwertheim genannt. Den Kern des Wertheimer Besitzes bildeten anfangs vor allem fuldische Lehen und Klostervogteien.

Aufstieg

Begleitet wurde der Aufstieg der Grafen von Wertheim von ihrer Anlehnung an die jeweils herrschende Königsfamilie. Der erste Beleg hierfür findet sich unter den Staufern. Die Nähe zum König – auf Hoftagen und Kreuzzügen – führte zum Empfang von Reichslehen. 1183 erhielt Graf Poppo I. (belegt 1169-1212) von Friedrich Barbarossa Geleitsrechte und den einträglichen Mainzoll. Die Formulierung "von Gottes Gnaden Graf von Wertheim" auf einer Urkunde Poppos von 1183 ist ein deutlicher Beleg für enormes Selbstbewusstsein, das sich aus der Königsnähe speiste. Sein Sohn Poppo II. (reg. 1212-1237) dürfte auch zu den wichtigen Ratgebern der Staufer gehört haben, lässt er sich doch in ca. 40 Urkunden dieses Herrscherhauses als Zeuge nachweisen. Es verwundert daher auch nicht, dass das Siegel Poppos II. in Anlehung an den Reichsadler ebenfalls einen Adler zeigt. Trotz späterer Ergänzungen durch drei Rosen auf blauem Grund in der unteren Hälfte bzw. seit dem Erwerb der Herrschaft Breuberg im Odenwald durch zwei rote waagrechte Streifen in einem silbernen Feld hielten Poppos' II. Nachfolger an diesem Wappentier als Statussymbol fest.

In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Wertheimer Grafen vom Hochstift Würzburg, einem treuen Parteigänger der Staufer, mit Freudenberg (Lkr. Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg) und Laudenbach (Gde. Karlstadt, Lkr. Main-Spessart) belehnt. 1275 kauften sie die Burg Prozelten (Stadtprozelten, Lkr. Miltenberg) mit ihren Pertinenzien, die allerdings als Folge einer Teilung der Grafschaft 1281 wieder verloren ging. Auch Vogteien bildeten ein Standbein der Wertheimer. So übten sie um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Vogtei über das Benediktiner-Kloster Holzkirchen (Lkr. Würzburg), das Zisterzienser-Kloster Bronnbach (Lkr. Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg) und das 1328 von Elisabeth von Wertheim gestiftete Kartäuser-Kloster Grünau (Lkr. Main-Spessart) aus.

Der systematische Ausbau der Herrschaft wurde ab Mitte des 14. Jahrhunderts betrieben; man veräußerte Streubesitz und konzentrierte so die eigene Grundherrschaft. Für den Stammsitz Wertheim erhielt man neben dem sehr einträglichen Judengeld 1306 von König Albrecht (reg. 1298-1308) das Frankfurter Stadtrecht. Wichtig für den neuerlichen Machtzugewinn war die enge Anlehnung an das Königshaus: der Luxemburger Karl IV. (reg. 1346-1378), der für seine Landbrückenpolitik Stützpunkte benötigte, fand bei Graf Eberhard (reg. 1355-1373) Gehör: Eberhard trug seine Residenzstadt und –burg Wertheim der Krone von Böhmen als Lehen auf. Dieser Schritt Eberhards ist sicherlich als Maßnahme gegen das Hochstift Würzburg zu verstehen, das ebenfalls seine Macht ausbauen wollte. Als Dank für die gewonnenen Stützpunkte wurden den Wertheimern von den Luxemburgern zahlreiche Privilegien erweitert oder neu gewährt: 1362/63: Bestätigung des Zolls zu Wertheim; Verleihung des Münzrechtes für die Stadt Wertheim; Bewilligung des Zolls zu Freudenberg und Kredenbach (Lkr. Main-Spessart); 1379: Erlaubnis, Laudenbach und Schweinberg zu Städten auszubauen (Privilegien allerdings nie genutzt).

Hausstatut von 1398

Pfenning Graf Johanns I. von Wertheim (belegt 1373-1407). (bavarikon) (Staatliche Münzsammlung München - Inventarnummer: 13-0021)

Ende des 14. Jahrhunderts sind klare Bestrebungen zu erkennen, die gewonnene Macht dauerhaft zu ordnen und zu festigen. In seinem Hausstatut von 1398 verfügte Graf Johann I. (belegt 1373-1407), dass bei seinem Tode die Grafschaft unter seinen Söhnen aufgeteilt werden sollte. In Zukunft sollten zwei Linien, deren Besitzstand genau festgelegt war, bestehen. Die anderen Söhne waren für geistliche Würden vorgesehen. So erhielt der ältere Sohn Johann II. (reg. 1407-1444) Wertheim sowie die Ämter Freudenberg, Laudenbach und Remlingen (Lkr. Würzburg), die vom Bischof zu Würzburg zu Lehen gingen, dazu diverse Pfandschaften. Der jüngere Sohn Michael I. (reg. 1407-1440) bekam die Herrschaft Breuberg, das Würzburger Lehen Schweinberg (Baden-Württemberg) sowie verschiedene Pfandschaften. Zukünftig waren Verkäufe oder Verpfändungen von Wertheimer Gütern nur mit Zustimmung der jeweils anderen Linie möglich. War diese damit einverstanden, so hatte sie ein Vorkaufsrecht. Ferner sollte bei Aussterben einer der beiden Linien deren gesamte Besitzungen an den noch blühenden Familienzweig fallen. Es wurde auch bestimmt, dass in jeder Linie nur eine Tochter heiraten durfte. Für die anderen war der Eintritt ins Kloster vorgesehen. Das Hausstatut verhinderte nicht nur unkontrollierte Teilungen der Grafschaft, sondern sicherte auch ihren territorialen Fortbestand.

Expansionspolitik

Stich des Grabmonument für Johann I. von Wertheim (belegt 1373-1407) in der Stiftskirche von Wertheim. Dargestellt ist Johann I. neben seinen beiden Frauen, Gräfin Margarethe mit dem Rieneckschen Wappen (rechts), eigentl. fünf rote Balken im goldenen Felde mit dem Schwan auf dem Helm, und Gräfin Uta mit dem herzoglich Teckischen Wappen (links), eigentl. schwarzgoldene Wecken mit dem Hund auf dem Helm . Abb.aus: Joseph Aschbach, Geschichte der Grafen von Wertheim, erster Teil, Frankfurt a. M. 1843, Vorsatz. (Bayerische Staatsbibliothek, Geneal. 6 m-1/2)
Grabmal des Bamberger Bischofs Albrecht von Wertheim. Abb. aus: Leonhard Dorst von Schatzberg, Grabdenkmäler. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte des Mittelalters, Görlitz 1846, Taf. 20. (Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Archit.486-1)

Der Machtzuwachs fand seinen Niederschlag in der expansiven Politik, die die Grafen von Wertheim gegenüber dem Kurfürstentum Mainz und vor allem gegenüber dem Hochstift Würzburg im 15. Jahrhundert betrieben. Seit 1401 war auch das Würzburger Erzkämmereramt in Wertheimer Händen. Bei der Wahl des Würzburger Bischofs kandidierte 1400 erstmals mit Eberhard (gest. 1423) ein Vertreter des Wertheimer Grafenhauses. Da er die gleiche Stimmzahl erhielt wie sein Konkurrent Johann von Egloffstein (reg. 1400-1411), bat das Domkapitel König Ruprecht (reg. 1400-1411) um Hilfe. Dieser entschied sich für Johann von Egloffstein, da dieser ihm Unterstützung gegen den abgesetzten König Wenzel (reg. 1378-1400) zugesagt hatte. Bei der nächsten Wahl unterlag der Wertheimer 1411 einstimmig Johann von Brunn (reg. 1410-1437).

Von diesen beiden Niederlagen im Kampf um den Würzburger Bischofsstuhl erholten sich die Wertheimer schnell. Schon 1422 erzielten sie einen wichtigen Erfolg gegen ihren mächtigen Nachbarn: Sie erreichten die volle Landesherrschaft und Unabhängigkeit vom Hochstift Würzburg, als Sigismund (reg. 1410-1437, Kaiser seit 1422) die Herrschaft Wertheim vom kaiserlichen Landgericht des Würzburger Bischofs befreite und den Grafen das ausschließliche Befestigungsrecht verlieh. Auch bekamen die Wertheimer bald eine neue Chance, den Würzburger Bischofsstuhl zu besetzen, als der Konflikt Johann von Brunns mit dem Domkapitel und der Ritterschaft zu seiner faktischen Absetzung führte. Als Stiftspfleger setzte man 1433 den Würzburger Domherrn Johann von Wertheim (gest. 1433) ein, einen Sohn des Grafen Johann II. von Wertheim. Als Johann nach nur wenigen Monaten plötzlich verschied, nahm sein Bruder Albrecht (gest. 1466), der Domherr in Bamberg war, seine Stelle ein. Als Sieger in diesem Ringen um den Würzburger Bischofsstuhl ging allerdings 1436 Johann von Brunn hervor.

Ebenso wie der Griff nach dem Hochstift scheiterte, endete auch eine Fehde um Erbangelegenheiten zwischen Graf Michael I. von Wertheim-Breuberg und Bischof Johann von Brunn ohne den erwünschten Erfolg: Würzburger Truppen eroberten und zerstörten 1437 mit Schweinberg eine Burg Michaels. Erst 1439/40 herrschte wieder Frieden zwischen den beiden Kontrahenten. Den Sprung auf einen fränkischen Bischofsstuhl schaffte allerdings Albrecht von Wertheim, ein Bruder von Graf Johann I. Dieser war von 1398 bis zu seinem Tode 1421 Fürstbischof des Hochstiftes Bamberg und trieb dort die Reform der geistlichen Verhältnisse voran.

Ein anderes militärisches Unternehmen führte ebenfalls zu keinem dauerhaften Machtzugewinn: Graf Johann III. (reg. 1454-1497), der sich auf Seiten Kurfürst Adolfs von Nassau (reg. 1461-1475) an der Mainzer Stiftsfehde von 1463 beteiligt hatte, musste nach und nach Städte (Külsheim, Dürn, Walldürn, alle Baden-Württemberg) wieder herausgeben. Graf Johann hatte diese vorher Adolfs Gegnern mit einer eindrucksvollen Streitmacht aus 530 Mann zu Pferd und 2000 zu Fuß abgenommen.

Einen letzten, aber wichtigen Erfolg konnte das durch das Aussterben der Wertheimer Hauptlinie seit 1497 wiedervereinigte Grafenhaus 1505 erzielen. In diesem Jahr schlossen die Grafschaft Wertheim und das Hochstift Würzburg einen Vertrag, der vorsah, dass Leibeigene auf fremdem Gebiet dem anderen Vertragspartner überlassen wurden. Damit war der Höhepunkt der Wertheimschen Macht erreicht, denn die Grafen konnten in diesem nun geschlossenen Territorium überall die volle Herrschaft ausüben.

Das Gebiet der Grafen von Wertheim: Rechte, Einnahmen, Herrschaftszentren und Grablegen

Die Grafschaft Wertheim - hier farblich hervorgehoben, am linken Kartenrand - in: Frederik de Wit, Circulus Franconicus in quo sunt Episcopatus Wurtzburg, Bamberg et Aichstet, Status Equitum Teutonicor, Ducatus Coburgensis, Marchionatus Cullembach, et Onspach, Comitatus Henneberg, Wertheim, Holach, Reinec, Papenheim, Erpach, Schwartzenberg, et Castel, Baronatus Sensheim et Territorium Norinbergense, ca. 1680, fol. 1r. (bavarikon) (Bayerische Staatsbibliothek, Mapp. XI, 283)

Die Grafen von Wertheim besaßen auf der wichtigen Fernhandelsstraße Nürnberg-Frankfurt das Geleit zwischen Kredenbach und der Zeller Steige. An dieser Straße befanden sich in Remlingen und Kredenbach zwei Zollstellen; eine dritte Wertheimer Zollstation lag in Wüstenzell (Lkr. Würzburg) an der Straße von Wertheim nach Würzburg. Ferner hatten die Wertheimer Grafen das Geleit auf dem Main zwischen Marktheidenfeld und Freudenberg inne; dieses Wassergeleit war besonders zur Zeit der Frankfurter Messe wichtig. Auch gewährte die Goldene Bulle den Grafen von Wertheim das Recht, den König von Böhmen und den Kurfürsten von Sachsen zur Königswahl zu geleiten. Neben dem Mainzoll zu Wertheim und Freudenberg ist als sehr wichtige Einnahmequelle das Judengeld zu nennen: Dieses machte in der ältesten erhaltenen Grafschaftsrechnung von 1551/52 53 % der Einnahmen aus.

Die Herrschaft war verwaltungsmäßig in die Ämter Wertheim, Freudenberg, Laudenbach und Schweinberg, die Centen Michelrieth und Remlingen sowie die Herrschaft Breuberg gegliedert. Abgesehen von der Cent Michelrieth fungierten die Wertheimer Verwaltungseinheiten gleichzeitig als Burgen. Die Grafschaft bestand allerdings nicht aus einem zusammenhängenden Gebiet, sondern zerfiel in fünf territoriale Blöcke.

Trotz oder gerade wegen dieser territorialen Zersplitterung wurden vom Herrscherhaus Versuche unternommen, zentrale Grablegen zu gründen. Ansätze finden sich hier bereits in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts in den bereits erwähnten Klöstern Bronnbach und Grünau. Wichtigster Begräbnisort des Grafenhauses wurde allerdings die 1384 neu gebaute Stiftskirche der Residenzstadt Wertheim. Ab 1407 wurden hier beginnend mit dem Stifter Graf Johann I. zahlreiche Familienmitglieder in teils repräsentativen Grabmalen beigesetzt.

Geographische und familiäre Vernetzung

In der Mitte des 15. Jahrhunderts erreichten die Lehenhöfe der beiden Wertheimer Linien unter Graf Johann III. bzw. Graf Wilhelm von Wertheim-Breuberg (gest. 1482) für eine Grafenfamilie dieser Zeit sowohl eine ansehnliche territoriale Erstreckung (Lehensvergabe in insgesamt 156 Orten mit deutlichen Schwerpunkten im Odenwald, Taubergrund, im südlichen Mainviereck und im westlichen Maindreieck) als auch eine stattliche Zahl an Vasallenfamilien (mindestens 92 Familien). Die Masse der Lehensnehmer (75 Familien) stammte aus dem Niederadel der Region und rekrutierte sich auch aus den angesehenen Geschlechtern.

Den Grafen von Wertheim gelang es ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, Angehörige in die Domkapitel der Region und darüber hinaus zu bringen. So finden sich im 15. Jahrhundert Wertheimer Domherren in Würzburg, Bamberg, Eichstätt, Mainz, Straßburg und Köln.

Auch Heiratsbündnisse bezeugen die machtvolle Stellung des Hauses Wertheim. So finden sich im 15. Jahrhundert als Heiratspartner der Wertheimer Angehörige der Grafenhäuser aus Mainfranken selbst sowie aus den benachbarten Gegenden (z. B. Grafen von Rieneck, Teck, Schwarzburg, Oettingen, Henneberg, Isenburg, Hanau, Eberstein). Die Wertheimer waren offensichtlich in der Lage, standesgemäße Ehen für ihre Nachkommen zu arrangieren.

Epitaph von Graf Michael III. von Wertheim (gestorben 1556, danach Aussterben des Grafenhauses im Mannesstamm) in der Kirche von Sandbach (Foto von Haselburg-müller lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Das weitere Schicksal der Grafschaft bis zum Aussterben im Mannesstamm 1556 und Übergang an die Grafen von Löwenstein

Trotz dieser Stellung und durchdachten Familienpolitik erlosch das Wertheimer Grafenhaus Mitte des 16. Jahrhunderts. 1497 starb die Wertheimer Hauptlinie mit dem Tod von Graf Johann III. aus. So wurde aufgrund des Hausstatus' von 1398 die Grafschaft unter Michael II. (reg. 1482-1521, erneut 1530- 1531), der bis dahin die Herrschaft Breuberg regiert hatte, wiedervereinigt. Michaels Sohn, Graf Georg II. (Mitregent 1509-1521, danach bis 1530 Alleinherrschaft), der 1521 auf dem Reichstag zu Worms Martin Luther (1483-1546) und dessen Lehre kennengelernt hatte, führte in den folgenden Jahren die Reformation in seinem Herrschaftsbereich ein. Den Bauernkrieg von 1525 konnte er durch geschicktes Taktieren ohne größere Schäden überstehen. Als Georg II. 1530 jung starb, musste sein fast achtzigjähriger Vater, Michael II., nochmals die Regierung übernehmen, denn Georgs einziger Sohn, Michael, war erst ein Jahr alt. Graf Michael II. verstarb allerdings schon ein Jahr später. Daher übernahm seine Mutter, unterstützt durch zwei Verwandte, die Vormundschaftsregierung. 1551 wurde Michael III. für volljährig erklärt. Er regierte mit Hilfe seiner Mutter bis zu seinem frühen Tod im März 1556 im Alter von nur 26 Jahren. Mit ihm starb das Grafenhaus Wertheim im Mannesstamm aus. Der Schwiegervater Michaels III., Graf Ludwig von Stollberg, führte bis zu seinem Tod 1574 die Regierung der Grafschaft. Die um die Würzburger Lehen verminderte Grafschaft Wertheim gelangte dann endgültig in die Hände des verwandten Hauses Löwenstein. Dieses nannte sich von da an Grafen von Löwenstein-Wertheim. Die wertheimischen Lehen von Würzburg gingen bald (1607) an das Hochstift verloren. In der Folge bildeten sich 1611 unter den Söhnen von Graf Ludwig III. (gest. 1611) zwei Linien: Die ältere evangelische Linie Löwenstein-Wertheim-Virneburg und die jüngere Linie Löwenstein-Wertheim-Rochefort, die 1711 in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Beide Linien wurden 1806 mediatisiert. Die linksmainischen Gebiete fielen an Baden; die übrigen gingen zuerst an das Fürstentum Aschaffenburg, 1810 an das Großherzogtum Frankfurt und 1814 schließlich an das Königreich Bayern.

Quellen- und Forschungslage

Eine neue Gresamtdarstellung der Geschichte der Grafen von Wertheim bietet das Werk von Hermann Ehmer (geb. 1943) aus dem Jahre 1989. Seitdem erschienen zudem vor allem von Ehmer zahlreiche einschlägige Aufsätze, die seine umfangreichen Forschungen zu diesem Geschlecht dokumentieren.

Auf dem Gebiet der publizierten Quellen ist jedoch, solange keine moderne Quellenedition vorliegt, Joseph Aschbachs (1801-1882) Urkundenbuch aus dem Jahre 1843 nach wie vor unverzichtbar. Für weitere Forschungsarbeiten sind vor allem die Bestände des Staatsarchivs Wertheim im Kloster Bronnbach zu nennen, das die Akten und Urkunden des Wertheimisch-Löwensteinischen Archivs beherbergt.

Literatur

  • Matthias Bachmann, Lehenhöfe von Grafen und Herren im ausgehenden Mittelalter. Das Beispiel Rieneck, Wertheim und Castell, Köln u. a. 2000.
  • Hermann Ehmer, Die Grafen von Wertheim und ihre Memoria, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 73 (2014), 39-58.
  • Hermann Ehmer, Geschichte der Grafschaft Wertheim, Wertheim 1989.
  • Hermann Ehmer, Graf Asmus von Wertheim (1453?-1509). Ein Lebensbild, in: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften 5 (1992), 151-184.
  • Hermann Ehmer, Graf Michael III. von Wertheim. 1529-1556, in: Hans M. Balz/Paul Trupp (Hg.), Sandbach, Wald-Amorbach (Kirchen im Breuberger Land 2), Höchst 1992.
  • Wolfgang Hartmann, Vom Main zur Burg Trifels - vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom. Auf hochmittelalterlichen Spuren des fränkischen Adelsgeschlechts der Reginbodonen (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V. 52), Aschaffenburg 2004.
  • Norbert Hofmann, Grafen von Wertheim im Deutschen Orden, in: Wertheimer Jahrbuch 1994 (1995), 33-82.
  • Hans Körner, Grafen und Edelherren als territorienbildende Kräfte. Die Grafen von Wertheim, in: Peter Kolb/Ernst-Günter Krenig (Hg.), Unterfränkische Geschichte. 2. Band: Vom hohen Mittelalter bis zum Beginn des konfessionellen Zeitalters, Würzburg 1992, 110-116.
  • Wolfgang Martin, "Hohenlohische Kriege" im Breuberger Land. Schadenslisten für die Grafen von Wertheim aus der Zeit um 1437-1442, in: Wertheimer Jahrbuch 1999 (2000), 37-65.
  • Peter Rückert, Adelige Herrschaft und Repräsentation im hohen Mittelalter. Literatur und Architektur im Umfeld der Grafen von Wertheim und der Herren von Gamberg, in: Hans-Peter Baum (Hg.), Wirtschaft - Gesellschaft - Mentalitäten im Mittelalter. Festschrift zum 75. Geburtstag von Rolf Sprandel (Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte 107), Stuttgart 2006, 288-306.
  • Wilhelm Störmer, Karl IV. und die Grafen von Wertheim, in: Hans Patze (Hg.), Kaiser Karl IV. 1316-1378, Göttingen 1978, 547-561.
  • Wilhelm Störmer, Staufische Reichslandpolitik und hochadelige Herrschaftsbildung im Mainviereck, in: Herwig Ebner (Hg.), Festschrift Friedrich Hausmann, Graz 1977, 505-529.
  • Alfred Wendehorst, Im Ringen zwischen Kaiser und Papst, in: Peter Kolb/Ernst-Günter Krenig (Hg.), Unterfränkische Geschichte, 1. Band: Von der germanischen Landnahme bis zum hohen Mittelalter, Würzburg 2. Auflage 1990, 295-332.

Quellen

  • Alfred Friese, Der Lehenhof der Grafen von Wertheim im späten Mittelalter (Mainfränkische Hefte 21), Würzburg 1955.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Matthias Bachmann, Wertheim, Grafen von, publiziert am 09.12.2015; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wertheim,_Grafen_von> (11.12.2018)