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Waldburg, Adelsfamilie

Kolorierte IIlustration des Wappens der Truchsesse von Waldburg. (in: Des Johann Michael Wilhelm von Prey, freisingischen Hofcammer-Directors, Sammlung zur Genealogie des bayrischen Adels, in alphabetischer Ordnung, 1740 - Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 2290 [28], fol. 172)

von Martin Zürn

Seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesenes Geschlecht mit Besitzungen an der Nahtstelle zwischen österreichischen, württembergischen und bayerischen Einflussgebieten im Allgäu und in Oberschwaben. Dem hochmittelalterlichen Ministerialenstand entstammend, gelang den verschiedenen Familienzweigen durch Dienste an mächtigen süddeutschen Fürstenhöfen und eine strategische Pfandschafts- und Heiratspolitik der Aufbau eines großflächigen, gleichzeitig jedoch fragilen Herrschaftsgebiets. Im Dreißigjährigen Krieg vom Kaiser in den Grafenstand erhoben, konnten sich die drei Hauptlinien gegen österreichische Ansprüche behaupten. Das Haus wurde in napoleonischer Zeit gefürstet. Für den Aufbau eines eigenen Staates zwischen Bayern und Württemberg boten sich jedoch keine realistischen Chancen. Stattdessen gehörten die Fürsten von Waldburg den Herrenhäusern Bayerns und Württembergs an. Die beiden heute noch existierenden Hauptlinien wahrten ein kritisch-distanziertes Verhältnis zu den Nationalsozialisten. Auf breiter wirtschaftlicher Grundlage (Land- und Forstwirtschaft, Verlagswesen, Kliniken) üben die Vertreter des Hauses auch heute politischen Einfluss innerhalb der Schwesterparteien CDU/CSU aus.

Herkunft und Genealogie

Stammtafel des Hauses Waldburg. (Gestaltung: Stefan Schnupp)
Karte der Grafschaft Sonnenberg. (Gestaltung: Stefan Schnupp, Vorlage: Vorarlbergkarte von Blasius Hueber, Wien 1783)
Karte der Besitzung des Hauses Waldburg um 1764. (Gestaltung: Stefan Schnupp)

Die Anfänge des Hauses Waldburg sind in den Quellen kaum zu greifen. Kuno von Waldburg stand 1108-1131/32 dem Kloster Weingarten bei Ravensburg als Abt vor. Er stammte wohl aus einem bedeutsamen Dienstmannengeschlecht der Welfen, die in Ravensburg einen Herrensitz mit einer Stadt besaßen. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts könnte auch die Waldburg (Waldburg, Lkr. Ravensburg) erbaut worden sein. Die Truchsesse Heinrich II. (1183-1209), Friedrich II. (1183-1210) und der Konstanzer Domherr und Mönch Albert (1190-1239) aus der Enkelgeneration hinterließen keine legitimen männlichen Nachkommen. Als Truchsess hatte man ein Hofamt inne und fungierte als Vorsteher der Hofhaltung.

Ihre Ämter und Besitzungen übernahmen die vermutlich verwandten Dienstmannen von Tanne. Truchsess Eberhard von Tanne (ca. 1170-1234) erhielt die Waldburg. Ein waldburgisches Siegel von 1222 zeigt die drei staufischen Löwen, die bald darauf ins waldburgische Wappen übernommen wurden. Sein Sohn Ulrich aus zweiter Ehe begründete die Seitenlinie Waldburg-Warthausen. Über Otto Berthold von Tanne (1235-1260), Sohn aus erster Ehe, führt die Hauptlinie über Eberhard I. (1266-1291), verheiratet mit Elisabeth aus dem mächtigen Geschlecht der Montfort, weiter über Johann I. (1291-1339) und Eberhard II. (1335-1362) bis zu Johannes II. (1362-1424). Letzterer, genannt "Hans mit den vier Frauen", legte durch seine zweite Heirat (mit Katharina, Gräfin von Cilli, gest. 1389) den Grundstock für ein beträchtliches Hausvermögen, das zahlreiche Erwerbungen und Sicherungen des vorhandenen Besitzes erlaubte. Der vierten Ehe mit Ursula von Abendsberg (gest. 30. Januar 1422) entstammten die Söhne Jakob I., genannt "der goldene Ritter" (gest. 5. Juni 1460), Eberhard I. (1424-1479) und Georg I. (gest. 10. März 1467). Diese begründeten die drei waldburgischen Hauptlinien: die jakobische (Trauchburger), eberhardische (Sonnenberger) und georgische (Wolfegger) Linie. Letztere teilte sich 1595 in die Linien Wolfegg (unter Heinrich, 1568-1637), Waldburg (unter dem bayerischen Rat und Kämmerer Gebhard, gest. 1601, Linie damit ausgestorben) und Zeil (unter Froben, 1569-1614). Die Zeiler Linie teilte sich 1674 weiter.

Max Franz Eusebius von Waldburg (1641-1681) stiftete die georgische Nebenlinie Wolfegg-Wolfegg, Johannes Maria Franz Eusebius von Waldburg (1661-1724) die Linie Wolfegg-Waldsee.

Mit dem Tod Eberhards II. von Waldburg zu Zeil und Wurzach 1903 erlosch Waldburg-Zeil-Wurzach im Mannesstamm.

Von der jakobischen Linie spaltete sich im 16. Jahrhundert die preußische Nebenlinie Waldburg-Capustigal ab, die im 18. Jahrhundert erfolgreich Erbansprüche geltend machte.

Standeserhöhungen und Mediatisierung

Die lückenhafte Quellenlage lässt immerhin den Schluss zu, dass die Truchsesse von Waldburg im hohen Mittelalter nicht dem bayerisch-schwäbischen Hochadel angehörten. Die erbliche Freiherrenwürde wurde ihnen erst durch Kaiser Maximilian I. (reg. 1486-1519, Kaiser seit 1508) am 4. Juni 1502 zu Ulm verliehen. Als weiteren erblichen Titel erhielten Georg III. (genannt der "Bauernjörg") und Wilhelm d. Ä. (1469-1557) die Bezeichnung "Erbtruchsess des Heiligen Römischen Reiches" erst am 27. Juli 1526 durch Kaiser Karl V. (reg. 1519-1556, Kaiser seit 1530) unter Hinweis auf alte Dienste und die Rolle Georgs III. bei der Niederschlagung des Bauernaufstandes in Süddeutschland. Die Erhebung aller Linien in den Grafenstand 1628 erfolgte im Zuge der kaiserlich-katholischen Klientelpflege im Dreißigjährigen Krieg.

Im Jahr 1803 wurde das Haus Waldburg in den Reichsfürstenstand erhoben, jedoch bereits 1806 mediatisiert. Somit gehörten die regierenden Vertreter des Hauses der ersten Kammer der württembergischen Landstände an, wegen ihres bayerischen Besitzes und in ihrer Eigenschaft als ehemalige reichsständische Familie auch der Kammer der Reichsräte in der bayerischen Ständeversammlung.

Dienstverhältnisse und die Entwicklung des Herrschaftsgebiets im ausgehenden Mittelalter

Unter Abt Kuno wurden die Gebeine Herzog Welfs IV. von Bayern (reg. 1070-1077, 1096-1101) aus Zypern in die welfische Grablege nach Weingarten übertragen. Um diese Zeit könnte das Geschlecht bereits den Titel eines Truchsessen geführt haben. Unter den Staufern hatte das Geschlecht die Waldburg als truchsessisches Amtslehen inne. Deshalb war Truchsess Heinrich II. eng dem Stauferkönig Philipp II. von Schwaben (reg. 1198-1208) verpflichtet, sodass das traditionelle Vasallenverhältnis zu den Welfen in den Hintergrund treten musste.

In der Zeit des Interregnum gelang den Truchsessen von Waldburg die Sicherung ihrer Machtposition. Sie orientierten sich fortan an den führenden regionalen Mächten Bayern, Habsburg und Württemberg. Eine ernste Gefahr für die Macht des Adels stellte die oft als "Revindikation" (Rückgewinnung entfremdeten Reichsguts) bezeichnete Expansionspolitik des habsburgischen Königs Rudolf von Habsburg (reg. 1273-1291) im späten 13. Jahrhundert dar. Die habsburgische Finanznot nach der Niederlage bei Morgarten (1315) zwang jedoch zu Besitzverpfändungen und Verkäufen. 1306 erwarb Truchsess Johann I. von Tanne-Waldburg die Herrschaft Trauchburg (Lkr. Oberallgäu) im Allgäu als freies Eigen. Bei der Doppelwahl der Herzöge Friedrich dem Schönen (reg. 1308-1330 als Herzog von Österreich und der Steiermark) und Ludwig dem Bayern (reg. 1314-1347, Kaiser seit 1328) und der folgenden militärischen Auseinandersetzung erwies er sich als österreichischer Parteigänger, ging aber nach dem Friedensschluss 1331 einen Dienstvertrag mit Ludwig dem Bayern ein, was ihm unter anderem das einflussreiche Amt des Landvogts in Oberschwaben bescherte. 1337 löste Johann I. die wichtige Herrschaft Zeil (Lkr. Ravensburg, Baden-Württemberg) (ohne Leutkirch) ein. Sie wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in ein Reichslehen umgewandelt und im 17. Jahrhundert zur Grafschaft erhoben. Schloss Zeil befindet sich bis heute im Besitz des Hauses. Johanns Frau Clara, Gräfin von Neifen [Neuffen?] brachte als Heiratsgut die Herrschaft Wolfegg und die ursprünglich zur Burg Tanne gehörende Stadt Wurzach (Lkr. Ravensburg, Baden-Württemberg) ein.

Sein Sohn Johann II. paktierte hingegen wieder mit Österreich. Von Herzog Leopold (reg. 1379-1386 als Herzg von Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol) erhielt er teils als Leibgeding, teils als Pfand die "Donaustädte" Mengen (Alb-Donau-Kreis), Munderkingen (Lkr. Sigmaringen), Riedlingen (Lkr. Biberingen), Saulgau (Lkr. Sigmaringen) sowie Stadt und Herrschaft Waldsee (Lkr. Ravensburg, alle Baden-Württemberg), außerdem die Vogtei Bussen an der oberen Donau sowie die unbedeutende Herrschaft Kallenberg (Streubesitz auf der westlichen Schwäbischen Alb).

Durch diese beiden Persönlichkeiten stand die Ausdehnung des rechtlich heterogenen, von anderen Herrschaftsträgern durchsetzten Gebiets des Hauses Waldburg im Wesentlichen fest, wenn man die vorübergehenden Erwerbungen des Grafen Andreas zu Sonnenberg (eberhardische Linie) in der Region Ostschweiz/Arlberg außer Acht lässt. Eberhard I. fügte 1432 mit Zustimmung des Grafen Wilhelm von Montfort-Tettnang (ca. 1390-1459) noch die Grafschaft Friedberg-Scheer als Pfandinhabung hinzu. Der Habsburger Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493) bemühte sich zwar um den Einzug der Pfänder zugunsten Österreichs, doch die Truchsesse Jakob und Eberhard vermochten dies zu verhindern, indem sie sich in die Dienste der habsburgischen Erzherzöge Albrecht und Sigismund begaben. Auf diese Weise erlangten die drei Brüder Jakob, Eberhard und Georg 1452 die Grafschaft Friedberg-Scheer (Lkr. Sigmaringen, Baden-Württemberg) als freies Eigen, 1454 die Herrschaft Dürmentingen-Bussen mit Winterstetten (beide Lkr. Biberauch, Baden-Württemberg), Ellwangen (Ostalbkreis, Baden-Württemberg) und die Vogtei über die Dörfer Tissen (Gde. Bad Saulgau, Lkr. Sigmaringen, Baden-Württemberg) und Dürmentingen als mannserbliche Inhabung. Vor allem die Abtretung der Gebiete entlang der oberen Donau durch Erzherzog Sigismund von 1454 wurde von Österreich nie definitiv anerkannt. Infolge von Untertanenprotesten nahm das Erzhaus 1687 bis 1695 diese Territorien wieder in Besitz und verpfändete anschließend die Herrschaft Kallenberg an die Freiherren von Ulm weiter.

Am 19. Dezember 1463 schlossen die Truchsesse Eberhard I. (Sonnenbergische Linie), Georg I. (georgische Linie) und Johannes der Ältere (gest. 1504; jakobische Linie) eine Erbeinigung, die den Erbvorrang der Linien untereinander garantierte und somit den Hausbesitz insgesamt gegen Erbverluste sicherte. Eberhard besaß zu diesem Zeitpunkt die österreichischen Städtchen und Ländereien an der Donau sowie Wolfegg, Johannes der Ältere unter anderem Trauchburg. Wolfegg fiel 1511 an den "Bauernjörg" Georg III. (georgische Linie), der außerdem Waldsee, Waldburg und Zeil beherrschte. Je nach Zahl der Linien und der männlichen Erbberechtigten änderte sich die Aufteilung der Herrschaftsgebiete, was insbesondere in den Besitzungen entlang der oberen Donau im 18. Jahrhundert die finanziellen Schwierigkeiten verstärkte. Mit dem Tod des Grafen Leopold August der jakobischen Linie in der Grafschaft Scheer 1764 wurde dieser beträchtliche Komplex vom Erbenkondominat der anderen waldburgischen Linien 1786 an das Haus Thurn und Taxis verkauft, das sich damit die Grafenwürde und somit einen Sitz auf der Fürstenbank des Reichstags sicherte.

Konfessionalisierung, Territorialisierung, Untertanenpartizipation

Jacob Murers Weißenauer Chronik des Bauernkrieges von 1525. Jacob Murer, Abt des Klosters Weißenau, Bild 10: Anfängliche Ablehnung des Vertrags von Weingarten durch die Weißenauer Bauern. Eine Truppe des Schwäbischen Bundes im Anmarsch mit der Absicht, das Kloster zu besetzen. Der Abt und zwei Begleiter folgen der Truppe zu Pferd. Andere Geistliche kehren zu Fuß auf direktem Weg ins Kloster zurück. Rechts im Bild wird den Bauern der Vertrag von Weingarten vorgelesen. Die Bauern stehen bewaffnet und verweigern zunächst die Annahme des Vertrags. Faksimile im Auftrag des Weißenauer Abts Antonius Unold, 1725. (Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Signatur B 523 Bd. 58)
Jacob Murers Weißenauer Chronik des Bauernkrieges von 1525. Jacob Murer, Abt des Klosters Weißenau, Bild 3: Unruhe um Kloster Weißenburg. Im Bild zu sehen sind das Kloster Weißenau (1) unten links, Kloster Weingarten (2) oben links mit Altdorf (3), die Gemeinden Rappertsweiler (4) und Unter- und Obereschbach (8,9). Szene 1: Oben im Bild formiert sich der "Rappertsweiler Haufen". In dichter Reihe ziehen die Bauern von Altdorf nach Rappertsweiler. Szene 2: Die Weißenauer Bauern versammeln sich in Untereschach und werden von dem Bauernführer Stefan Rahl (auf Schemel) zum Anschluss an den Rappertsweiler Haufen aufgefordert. Szene 3: Die Geistlichkeit versucht vergeblich, die Bauern zu beschwichtigen, flüchtet aber dann ins Kloster. Faksimile im Auftrag des Weißenauer Abts Antonius Unold, 1725. (Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Signatur B 523 Bd. 58)

Die Konfessionalisierung des 16. Jahrhunderts schränkte die Möglichkeit der Linien des Hauses Waldburg ein, sich durch wechselnde Dienstverträge territoriale Vorteile zu erkämpfen. Verschiedene Mitglieder des Hauses finden wir nun fast ausschließlich in österreichischen oder bayerischen Diensten. Die Nachfahren der jakobischen Linie Gebhard (1547-1601, reg. als Erzbischof von Köln 1577-1583) und sein Bruder Karl (1550-1609) von Waldburg-Scheer wechselten zum lutherischen Glauben, indem 1577 Gebhard von Waldburg gegen die Konkurrenz des Ernst von Bayern (reg. 1583-1612 als Erzbischof von Köln) zum Kurfürsten von Köln gewählt wurde und im Erzstift die Religionsfreiheit einführte. Gebhard hatte hierbei große Teile des Domkapitels hinter sich. Außerdem wurde er vom reformierten kurpfälzischen Regenten Johann Kasimir (Administrator der Kurpfalz 1583-1592) unterstützt, der auf diese Weise die katholische Fraktion im Kurfürstenkollegium schwächen wollte. Daraus entstand 1583 der kurkölnische Krieg. Er führte nach relativ kurzer Zeit zur Niederlage und Vertreibung Gebhards sowie zur Wahl des Herzogs Ernst von Bayern.

Gebhard und Karl hatten überdies den Hausbesitz an der oberen Donau in ein Schuldenchaos gestürzt, weshalb 1680 die wichtigen fünf "Donaustädte" und 1695 die Herrschaft Kallenberg gegen alte Pfandsummen an Österreich zurückgegeben werden mussten. Dennoch lasteten 1777 auf Trauchburg, Kißlegg, Friedberg-Scheer und Dürmentingen-Bussen fast 644.000 Gulden Schulden, weshalb 1785/86 Karl Anselm von Thurn und Taxis die Gebiete für 2,1 Mio. Gulden kaufte. In Trauchburg fand 1727/81 ein Ausverkauf herrschaftlicher Rechte an das Kloster Isny sowie die seit ca. 1526 existierende bäuerliche Landschaft (landständische Vertretung) statt.

Eine Sanierung gelang auch deshalb nicht, weil das Erzhaus Österreich einerseits die Schuldenlast, andererseits die Untertanenproteste in den Donaubesitzungen für territoriale Zugeständnisse ausnutzte. Auch konnten die Untertanen an der Donau mit österreichischer Hilfe ab 1680 die Leibeigenschaft ablösen und Mitwirkungsrechte bei der Steuerverwaltung durchsetzen. Im stabileren Allgäuer Herrschaftsbereich blieben hingegen nach dem Bauernkrieg 1525 größere Unruhen aus. Hier war es dem "Bauernjörg" Georg III. offensichtlich gelungen, durch Verträge mit den Gemeinden für Entspannung zu sorgen.

Das Fürstliche Haus Waldburg im 19. und 20. Jahrhundert

1806 wurde das Gesamtterritorium Waldburgs zum allergrößten Teil dem Königreich Württemberg zugeschlagen. Die Linie Wolfegg-Waldsee besaß die ehemaligen Grafschaften Wolfegg (unter anderem mit Arnach und der ehemals kißleggischen Vogtei Waltershofen) und Waldsee (unter anderem mit Haisterkirch, Ober- und Unteressendorf sowie Winterstettenstadt und Eberhardzell), außerdem das Mediatgericht Reute. Die Linie Zeil-Trauchburg hatte unter anderem die ehemalige Reichsgrafschaft Zeil, die Gemeinde Aichstetten und die Ritterherrschaft Altmannshofen (Gde. Aichstetten, Lkr. Ravensburg, Baden-Württemberg) inne. Ein kleiner Teil wurde Hoheitsgebiet des Königreichs Bayern. Zeil-Wurzach hatte die grund- und standesherrlichen Rechte in Wurzach und Marstetten. Wohl kein Teilgebiet hatte mehr als 10.000 Einwohner. Die herrschaftlichen Forderungen wurden in der Oberamtsbeschreibung Waldsee als gemäßigt, "die Lehensformen als nicht drückend" charakterisiert. Dennoch kam die Umwandlung der traditionellen Grundherrschaft im Zuge der Agrarreformen nur schleppend voran.

Auf bayerischem Staatsgebiet lagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bezirksamt Kempten in der Gemeinde Weitnau etwas über 66 Hektar, in der Gemeinde Wengen knapp 270 Hektar Grundbesitz aus dem Besitz der Linie Zeil-Trauchburg. Im Bezirksamt Lindau/Maierhöfen befanden sich weitere knapp 336 Hektar.

Die Fürsten von Waldburg-Zeil-Trauchburg besaßen als Standesherren im 19. Jahrhundert je ein Mandat in der Ersten Kammer der Württembergischen Landstände und in der Kammer der Reichsräte des Bayerischen Landtags. Welche Rolle Waldburg im bayerischen Ständeparlament fortan spielte, ist nicht erforscht. In Württemberg kämpfte Fürst Maximilian Wunibald von Waldburg-Zeil-Trauchburg (1750-1818) gegen König Friedrich I. (1754-1816, reg. 1797-1816, als König seit 1806), indem er sich im 1816 verbotenen Verein der Standesherren engagierte und vergeblich für die Erhaltung der adeligen Patrimonialgerichtsbarkeit eintrat. Schließlich musste der württembergische Staat die standesherrlichen Rechtsverhältnisse mit Einzelverträgen (Waldburg-Zeil-Trauchburg 1826, Wolfegg-Waldsee 1831, Zeil-Wurzach 1834) regeln.

Franz Thaddäus Fürst von Waldburg-Zeil-Trauchburg (gest. 1845) diente hingegen als hoher württembergischer Beamter. Sein Sohn Constantin Maximilian von Waldburg-Zeil (1807-1862) vollzog in der Revolution eine überraschende Wende zum katholischen "ultramontanen" Standesherrn, der der Krone von Zugeständnissen an die Liberalen abriet, hin zum linken Föderalisten, der unter anderem die Trennung von Staat und Kirche forderte. Den Hintergrund bildete wohl seine zunehmende Abneigung gegen den protestantischen Zentralismus, der von Stuttgart aus das Land durchdrang. Bei seinen Verwandten fand er dafür kein Verständnis.

Über die Revolution von 1918 bis 1923 rettete das Gesamthaus Waldburg seine protokollarischen Titel und außerdem den beträchtlichen Grundbesitz. Damit verbunden war der zunehmende Ausbau von Wirtschaftsbetrieben wie Brauereien, Sägewerken und Mühlen. In heutiger Zeit prosperiert das Haus Waldburg-Zeil unter anderem auch durch Medienbeteiligungen, Kurkliniken im Allgäu, Spielbanken und einen Regionalflugpatz.

Bedeutende Persönlichkeiten

Georg III. von Waldburg-Zeil, genannt Bauernjörg (reg. 1511-1531). Stich nach einem Gemälde. Abb. aus: Franz Ludwig Baumann, Geschichte des Allgäus, Bd. 3, 1894, 26. (Bayerische Staatsbibliothek, Bavar. 4613 k-3)
Otto Truchseß von Waldburg, Bischof von Augsburg (reg. 1543-1573). Gemälde um 1606. (Studienbibliothek Dillingen XXVI-1, lizensiert durch CC BY-NC-SA 4.0)

Auch die Truchsesse von Waldburg betätigten sich in den drei klassischen adeligen Aufgabengebieten Arrondierung der Hausgüter, Fürstendienst bzw. Kriegsdienst und geistliche Ämter. Lebten gleichzeitig mehrere volljährige Mitglieder einer Linie, ist regelmäßig eine Aufgabenteilung zu beobachten. Im Mittelalter finden wir mehrere Abkömmlinge des Hauses Waldburg als Bischöfe von Augsburg beziehungsweise von Konstanz. Weiter sind unter anderen hervorzuheben:

  • Georg III. von Waldburg, genannt "Bauernjörg" (georgische Linie, 1488-1531), Heerführer und Diplomat, wurde vor allem durch die Niederschlagung des Bauernkrieges in Ober- und Mitteldeutschland 1525/26 bekannt. Sein Verhandlungsgeschick, das auf friedliche Beilegung der Streitigkeiten abzielte, aber auch seine Brutalität beim Vorgehen gegen bewaffnete Aufrührer weisen ihn als schillernden Charakter aus. 1519 vertrieb er im Auftrag des von Österreich dominierten Schwäbischen Bundes Ulrich von Württemberg (reg. als Herzog von Württemberg 1498-1519 und 1534-1550) und verwaltete ab 1525 dieses Herzogtum im Auftrag des Reiches bzw. Österreichs in Tübingen bzw. Stuttgart.
  • Otto von Waldburg (jakobische Linie, Sohn des Truchsessen Wilhelm der Ältere, 1514-1573), Kardinalbischof von Augsburg. Er vertrat eine militant katholische, antireformatorische Position und lehnte deshalb auch den Augsburger Religionsfrieden von 1555 ab. 1549 gründete er die Universität Dillingen.
  • Franz Karl Eusebius von Waldburg-Trauchburg (1701-1772), Fürstbischof von Chiemsee (Amtseinführung am 18. August 1748). Er zeichnete sich unter anderem durch eine kluge Verwaltung des überschuldeten Hausbesitzes aus. Im Bistum Chiemsee berief er noch 1748 eine Diözesansynode ein, der umfangreiche Visitationen folgten.
  • Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil (auch Ferdinand Christoph Reichserbtruchsess Graf von Waldburg Zeil, geb. 6. Februar 1719 in Salzburg, gest. 9. April 1786 ebenda) war 1773–1786 Fürstbischof von Chiemsee. Er galt als einer der bedeutendsten Kirchenpolitiker seiner Zeit.
  • Konstantin Maximilian von Waldburg-Zeil (1807-1861) entfremdete sich in der Revolutionszeit ab 1848 der königlich-württembergischen Politik. Gegen den protestantischen Stuttgarter Neo-Absolutismus setzte er den Gedanken der Volkssouveränität und verteidigte seine katholische und föderalistische Gesinnung. Gesundheitlich angeschlagen, zog sich der Fürst zunehmend in den Breisgau zurück, unterstützte aber bei einer Nachwahl zur zweiten württembergischen Kammer den "roten" Protestanten Wilhelm Zimmermann (1807-1878), heute noch als Verfasser einer Geschichte des Deutschen Bauernkrieges mit liberalem Standpunkt bekannt.
  • Maximilian Fürst von Waldburg zu Wolfegg und Waldsee (1863-1950), im Jesuitenkolleg in Feldkirch erzogen, engagierte sich auf verschiedenen Katholikentagen und nahm als Standesherr in Stuttgart ab 1897 verschiedene politische Ämter wahr, die er 1918 verlor. Gegenüber den Nationalsozialisten wahrte er größtmögliche Distanz, denn sein Verwandter Erich Maria August Wunibald Anton Joseph Reinhard von Waldburg-Zeil und Trauchburg (1899-1953) hatte 1930 die Münchner Zeitung "Der illustre Sonntag" übernommen. Umbenannt in "Der gerade Weg" opponierte die Gazette gegen die Nationalsozialisten, weshalb ihr Chefredakteur Fritz Gerlich (1883-1934) am 9. März 1933 in Münchner Gefängnisse verschleppt und am 30. Juni 1934 im Konzentrationslager Dachau ermordet wurde.

Forschungs- und Quellenlage

Die wichtigste Grundlage bietet nach wie vor Joseph Vochezer (1849-1904), der geistliche Hauschronist im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dessen umfangreiches Werk endet jedoch Mitte des 17. Jahrhunderts. Weitere wichtige Ansätze sind in der schwäbisch- und vorderösterreichischen Herrschafts- und Territorialgeschichtsschreibung enthalten, zum Beispiel bei Franz Quarthal (geb. 1943). Martin Zürn durchleuchtet die Herrschaftsgeschichte aus Sicht der betroffenen Untertanen an der oberen Donau. Neuerdings wird die Rolle des Adels zur Zeit der Mediatisierung untersucht. Hierbei stellt die Rolle Waldburgs im nachnapoleonischen Königreich Bayern ein Desiderat der Forschung dar, während die oppositionelle Rolle Waldburgs im Königreich Württemberg hinreichend untersucht ist. Das Aufgehen des Hauses Waldburg in der demokratischen bürgerlich-industriellen Gesellschaft sowie seine kritische Distanz zum Nationalsozialismus verdient über die Studie von Andreas Dornheim (geb. 1958) hinaus eine nähere Betrachtung.

Für weitere Studien sind insbesondere die Bestände des Hauptstaatsarchivs Stuttgart, des Tiroler Landesarchivs in Innsbruck sowie des Staatsarchivs Sigmaringen nutzbar. Die privaten adeligen Hausarchive der Fürsten von Waldburg-Zeil auf Schloss Zeil sowie der Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg können eingeschränkt herangezogen werden.

Stammtafeln des Hauses Waldburg

Literatur

  • Walter Anspacher, Otto Truchseß von Waldburg (1514-1573), in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte 39 (2005), 59-74.
  • Rudolf Beck, "...als unschuldiges Staatsopfer hingeschlachtet..." Die Mediatisierung des Hauses Waldburg, in: Elmar Kuhn/Mark Hengerer (Hg.), Adel im Wandel. Oberschwaben von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. 1. Band, Ostfildern 2006, 265-286.
  • Andreas Dornheim, Adel in der bürgerlich-industriellen Gesellschaft. Eine sozialwissenschaftlich-historische Fallstudie über die Familie Waldburg-Zeil (Europäische Hochschulschriften 31), Frankfurt am Main u. a. 1993.
  • Walter-Siegfried Kircher, Ein fürstlicher Revolutionär aus dem Allgäu. Fürst Constantin von Waldburg-Zeil. 1807-1862, Kempten 1980.
  • Robert Kretzschmar, Zurück zur österreichischen Freiheit!: Die renitenten Untertanen der Reichserbtruchsessen von Waldburg und ihre Liebe zum Doppeladler, in: Irmgard Christa Becker (Bearb.)/Württembergisches Landesmuseum Stuttgart (Hg.), Vorderösterreich. "Nur die Schwanzfeder des Kaiseradlers?", Ulm 1999, 197-209.
  • Volker Press, Georg III. Truchseß von Waldburg - Der Bauernjörg, in: Ders., Adel im Alten Reich. Gesammelte Vorträge und Aufsätze (Frühneuzeitforschungen 4), hg. von Franz Brendle/Anton Schindling, Tübingen 1998, 189-204.
  • Franz Quarthal, Landstände und landständisches Steuerwesen in Schwäbisch-Österreich (Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 16), Stuttgart 1980.
  • Rudolf Rauh, Die Senioratslehen und das Reichserbtruchsessenamt des Hauses Waldburg, in: Ulm und Oberschwaben 35 (1958), 113-138.
  • Martin Zürn, "Ir aigen libertet". Waldburg, Habsburg und der bäuerliche Widerstand an der oberen Donau 1590-1790 (Oberschwaben. Geschichte und Kultur 2), Tübingen 1998.
  • Martin Zürn, "Vom Untergange retten, was man noch kann ...". Das Fürstliche Haus Waldburg zwischen 1806 und 1848, in: Hans Ulrich Rudolf (Hg.), Alte Klöster, neue Herren. Die Säkularisation im Deutschen Südwesten 1803. 2. Band, 2. Teil, Ostfildern 2003, 929-942.

Quellen

  • Rudolf Rauh (Bearb.), Inventar des Archivs Trauchburg im fürstlich von Waldburg-Zeil'schen Gesamtarchiv in Schloss Zeil vor 1806 (1850) (Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 13), Karlsruhe 1968.
  • Rudolf Rauh, Systematische Übersicht über die Bestände des Fürstlich von Waldburg-Zeil'schen Gesamtarchivs in Schloß Zeil vor 1806 (1850), Archiv Kißlegg und Archiv Ratzenried (Württembergische Archivinventare 24 ), Stuttgart 1953.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Waldburg-Zeil, Reichserbtruchsesse von Waldburg, Haus Waldburg

Empfohlene Zitierweise

Martin Zürn, Waldburg, Adelsfamilie, publiziert am 03.02.2015; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Waldburg,_Adelsfamilie> (21.09.2018)