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[[Datei:Bayerisches Gewerbemuseum 1896.jpg|thumb|Bayerisches Gewerbemuseum. Das neobarocke Gebäude wurde von 1892 bis 1897 durch Theodor von Kramer (1852-1927) errichtet. Foto der fertiggestellten Eingangsfassade, um 1897. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00112572?page=24%2C25 Bayerische Staatsbibliothek, Slg.Lorenz 7167])]] | [[Datei:Bayerisches Gewerbemuseum 1896.jpg|thumb|Bayerisches Gewerbemuseum. Das neobarocke Gebäude wurde von 1892 bis 1897 durch Theodor von Kramer (1852-1927) errichtet. Foto der fertiggestellten Eingangsfassade, um 1897. ([https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb00112572?page=24%2C25 Bayerische Staatsbibliothek, Slg. Lorenz 7167])]] | ||
Im Anschluss an die erste Weltausstellung in London 1851 erfolgte die Gründung einer Reihe von Gewerbemuseen in Europa. Initiatoren des Bayerischen Gewerbemuseums waren zwei Industrielle, Johann Lothar von Faber (1817-1896) und Theodor von Cramer-Klett (1817-1884). Bis um 1900 hatte man eine Sammlung von Objekten unterschiedlichster Materialien ("Mustersammlung") angelegt, die die Ausbildung unterstützen, als Vorbild dienen und zur allgemeinen Geschmacksbildung betragen sollte. Mit der Einrichtung von Berufs- und Gewerbeschulen nach 1900 war eine der Gründungsaufgaben des Museums obsolet geworden. Zudem hatten sich einzelne Abteilungen der Institution, die seit 1909 als Bayerische Landesgewerbeanstalt firmierte, zu technischen Prüfanstalten im Sinne des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) gewandelt. Im Zuge der 1916 erfolgten Umwandlung in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde der museale Auftrag aufgegeben. Aus der Institution erwuchsen einzelne Prüflabors. 1987 erfolgte die Anbindung der musealen Sammlung an das Germanische Nationalmuseum. Seit 2003 ist das Gewerbemuseum im Eigentum des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und von der bestehenden Landesgewerbeanstalt getrennt. | Im Anschluss an die erste Weltausstellung in London 1851 erfolgte die Gründung einer Reihe von Gewerbemuseen in Europa. Initiatoren des Bayerischen Gewerbemuseums waren zwei Industrielle, Johann Lothar von Faber (1817-1896) und Theodor von Cramer-Klett (1817-1884). Bis um 1900 hatte man eine Sammlung von Objekten unterschiedlichster Materialien ("Mustersammlung") angelegt, die die Ausbildung unterstützen, als Vorbild dienen und zur allgemeinen Geschmacksbildung betragen sollte. Mit der Einrichtung von Berufs- und Gewerbeschulen nach 1900 war eine der Gründungsaufgaben des Museums obsolet geworden. Zudem hatten sich einzelne Abteilungen der Institution, die seit 1909 als Bayerische Landesgewerbeanstalt firmierte, zu technischen Prüfanstalten im Sinne des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) gewandelt. Im Zuge der 1916 erfolgten Umwandlung in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde der museale Auftrag aufgegeben. Aus der Institution erwuchsen einzelne Prüflabors. 1987 erfolgte die Anbindung der musealen Sammlung an das Germanische Nationalmuseum. Seit 2003 ist das Gewerbemuseum im Eigentum des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und von der bestehenden Landesgewerbeanstalt getrennt. | ||
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Zwischen 1871 und 1874 war das Museum im ersten Stock des ehemaligen Fleischhauses am Nürnberger Pegnitzufer untergebracht. Danach zog es in ein Haus in der Königstraße 3, das im Kern noch Teile des 1810 abgebrochenen Franziskanerklosters enthielt. Ein 1877 erworbenes Grundstück am Katharinenkloster ermöglichte schließlich einen repräsentativen Neubau nach Plänen des damaligen Direktors [[Person:116376414|Theodor von Kramer]]{{#set:PND=116376414}} (1852-1927), der 1897 bezugsfertig war. Auf fünf Geschossen konnte das Museum endlich seinen vielfältigen Aufgaben gerecht werden. Eine große Kuppel überspannte den Eingangsflügel. Ein Stockwerk des Vierflügelbaues war für die permanente Ausstellung der Mustersammlung bestimmt. Streng nach Materialgruppen getrennt präsentierten sich hier fast vollständig die Erwerbungen der vorangegangenen Jahre. | Zwischen 1871 und 1874 war das Museum im ersten Stock des ehemaligen Fleischhauses am Nürnberger Pegnitzufer untergebracht. Danach zog es in ein Haus in der Königstraße 3, das im Kern noch Teile des 1810 abgebrochenen Franziskanerklosters enthielt. Ein 1877 erworbenes Grundstück am Katharinenkloster ermöglichte schließlich einen repräsentativen Neubau nach Plänen des damaligen Direktors [[Person:116376414|Theodor von Kramer]]{{#set:PND=116376414}} (1852-1927), der 1897 bezugsfertig war. Auf fünf Geschossen konnte das Museum endlich seinen vielfältigen Aufgaben gerecht werden. Eine große Kuppel überspannte den Eingangsflügel. Ein Stockwerk des Vierflügelbaues war für die permanente Ausstellung der Mustersammlung bestimmt. Streng nach Materialgruppen getrennt präsentierten sich hier fast vollständig die Erwerbungen der vorangegangenen Jahre. | ||
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Datei:Bayerisches Gewerbemuseum BSB habe-002283.jpg|Das Haus in der Königinstraße 3 wurde 1874 Sitz des Bayerischen Gewerbemuseums. ([https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/fylr/L/1b6d5fd2-24bc-4712-9498-ca81dda213cf Bayerische Staatsbibliothek habe-002283]) | Datei:Bayerisches Gewerbemuseum BSB habe-002283.jpg|Das Haus in der Königinstraße 3 wurde 1874 Sitz des Bayerischen Gewerbemuseums. ([https://bildarchiv.bsb-muenchen.de/fylr/L/1b6d5fd2-24bc-4712-9498-ca81dda213cf Bayerische Staatsbibliothek habe-002283]) | ||
Datei:Landesgewerbeanstalt Nuernberg BSB 4Bavar 3112k.jpg|Feierliche Grundsteinlegung des Museumsneubaus, Foto von 1892. ([https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11479682-4 Bayerisches Staatsbibliothek, 4 Bavar. 3112 k]) | Datei:Landesgewerbeanstalt Nuernberg BSB 4Bavar 3112k.jpg|Feierliche Grundsteinlegung des Museumsneubaus, Foto von 1892. ([https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11479682-4 Bayerisches Staatsbibliothek, 4 Bavar. 3112 k]) | ||
Aktuelle Version vom 11. Mai 2026, 15:21 Uhr

Im Anschluss an die erste Weltausstellung in London 1851 erfolgte die Gründung einer Reihe von Gewerbemuseen in Europa. Initiatoren des Bayerischen Gewerbemuseums waren zwei Industrielle, Johann Lothar von Faber (1817-1896) und Theodor von Cramer-Klett (1817-1884). Bis um 1900 hatte man eine Sammlung von Objekten unterschiedlichster Materialien ("Mustersammlung") angelegt, die die Ausbildung unterstützen, als Vorbild dienen und zur allgemeinen Geschmacksbildung betragen sollte. Mit der Einrichtung von Berufs- und Gewerbeschulen nach 1900 war eine der Gründungsaufgaben des Museums obsolet geworden. Zudem hatten sich einzelne Abteilungen der Institution, die seit 1909 als Bayerische Landesgewerbeanstalt firmierte, zu technischen Prüfanstalten im Sinne des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) gewandelt. Im Zuge der 1916 erfolgten Umwandlung in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wurde der museale Auftrag aufgegeben. Aus der Institution erwuchsen einzelne Prüflabors. 1987 erfolgte die Anbindung der musealen Sammlung an das Germanische Nationalmuseum. Seit 2003 ist das Gewerbemuseum im Eigentum des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst und von der bestehenden Landesgewerbeanstalt getrennt.
Gewerbemuseen im 19. Jahrhundert
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist in der europäischen Museumslandschaft u. a. durch die Gründung von Gewerbemuseen (ca. 30 auf dem europäischen Kontinent) geprägt. Seit der ersten Weltausstellung in London 1851 richtete sich der Blick verstärkt auf das soziale und wirtschaftliche Potential der gestalteten Umwelt. In diesem Zusammenhang sollten Gewerbemuseen die Ausbildung von Handwerkern und Industriearbeitern verbessern, die Qualität der Produkte aus Handwerk und Industrie heben und so ihren Stellenwert auf den Weltmärkten sicherstellen. Im Zuge dessen sollten auch ästhetische Gesichtspunkte dieser neu gestalteten Umwelt in der breiten Bevölkerung verankert werden. Die Gründung des Bayerischen Gewerbemuseums (BGM) in Nürnberg fiel in eine Zeit, die nach der Einführung der Gewerbefreiheit 1868 stark vom Gedanken der Gewerbeförderung geprägt war. Gewerbefachschulen bzw. die später sogenannten Berufsschulen gab es noch nicht. Diese Bildungsaufgaben übernahmen die Gewerbemuseen.
Initiatoren
Als aktiver und wirkungsmächtiger Mentor zur Errichtung des Nürnberger Gewerbemuseums erwies sich Reichsrat Johann Lothar Faber (1817-1896). Geboren als Sohn eines Bleistiftmachers in Stein bei Nürnberg hatte er 1836 den damals noch kleinen Betrieb seines Vaters übernommen und ihn zu einem internationalen Unternehmen ausgebaut. Er präsentierte dieses 1851 auf der Londoner Weltausstellung. Einen Partner und Mitstreiter fand Faber in dem Kaufmann und Industriellen Theodor von Cramer-Klett (1817-1884). Cramer hatte den Maschinenbetrieb seines verstorbenen Schwiegervaters Johann Friedrich Klett (1778-1847) übernommen. Großaufträge u.a. im Zusammenhang mit dem Eisenbahnwaggonbau, aber auch dem Eisenhochbau, Brückenbau und der Dampfkesselproduktion führten dazu, dass die spätere "Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg" der Kletts in den 1860er Jahren zu einem der größten Unternehmen Bayerns aufstieg.
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Portät von Johann Lothar Faber (1817-1896), Kupferstich von Johann Leonhard Raab (1825-1899), ca. 1863. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv port-007266)
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Theodor von Cramer-Klett (1817-1884), Stich 1854. (Abb. aus Illustrirte Zeitung Nr. 598 (16.12.1854), 401)
Gründung als Verein

Um die zur Museumsgründung und dem anschließenden Betrieb notwendigen Geldmittel – Grundkapital sollten 500.000 Gulden sein – zu akquirieren, gründete man einen Verein. Es wurden Anteilsscheine (zu je 100 Gulden) ausgegeben, mit denen sich Interessierte an der Errichtung des Museums beteiligen konnten. Auch Städte und Gemeinden waren aufgerufen. Neben der Stadt Nürnberg unter dem 1. Bürgermeister Karl Otto Stromer von Reichenbach (1831-1891), die Hauptzuwendungsgeber war, trugen Faber und Cramer-Klett erhebliche Geldsummen bei.
Aufbau der Institution
Im Zentrum des Museums stand die Mustersammlung, das heißt eine Kollektion von Exponaten, anhand derer die Besucher technische Strukturen, Materialspezifika und historische Stilcharakteristika studieren konnten. Die Preziosität des Materials spielte eine untergeordnete Rolle. Das wichtigste Forum für den Erwerb von Objekten waren die Weltausstellungen in den Jahren 1873 bis 1900. Hinzu kamen Ankäufe bei Kunsthändlern. Die Erwerbungen wurden unmittelbar in die permanente Ausstellung eingebracht.
Weiter richtete man eine Fachbibliothek, eine sogenannte Vorbildersammlung (gewissermaßen eine Bildmediathek mit mehreren tausend graphischen Blättern verschiedenster Techniken) und — als wichtigsten Teil — eine pädagogische Abteilung ein, die um Aus- und Weiterbildung aller in handwerklichen und technischen Berufen Tätigen bemüht war. Als fünftes Element traten im Lauf der Zeit technische Abteilungen in Form chemischer und technischer Labore (z.B. eine Abteilung für Gipsabgüsse und galvanoplastische Nachbildungen) hinzu.
Leitung
Um das Museum wie geplant als "Wirtschaftsförderungsanstalt" zu etablieren, wurde ein Landesausschuss aus 40 Personen gebildet, der einen Verwaltungsrat bestimmte. Diesem gehörte jeweils ein Vertreter der Staats-, Kreis- und Stadtregierung an. Der Museumsdirektor unterstand diesem Gremium, das bei allen Erwerbungs- und Personalfragen mitentschied. Innerhalb der Institution gab es verschiedene Abteilungen (Sammlungen) mit jeweiligem Leiter, sowie eine Bibliothek, ein Auskunftsbüro, ein Korrespondenzbüro und die Kassenführung. Alle Mitarbeiter waren Beamte und blieben dies auch nach Umwandlung in eine Anstalt öffentlichen Rechts 1916.
Standorte
Zwischen 1871 und 1874 war das Museum im ersten Stock des ehemaligen Fleischhauses am Nürnberger Pegnitzufer untergebracht. Danach zog es in ein Haus in der Königstraße 3, das im Kern noch Teile des 1810 abgebrochenen Franziskanerklosters enthielt. Ein 1877 erworbenes Grundstück am Katharinenkloster ermöglichte schließlich einen repräsentativen Neubau nach Plänen des damaligen Direktors Theodor von Kramer (1852-1927), der 1897 bezugsfertig war. Auf fünf Geschossen konnte das Museum endlich seinen vielfältigen Aufgaben gerecht werden. Eine große Kuppel überspannte den Eingangsflügel. Ein Stockwerk des Vierflügelbaues war für die permanente Ausstellung der Mustersammlung bestimmt. Streng nach Materialgruppen getrennt präsentierten sich hier fast vollständig die Erwerbungen der vorangegangenen Jahre.
Unterrichtswesen
Eng verbunden mit Bibliothek und Vorbildersammlung waren ein Zeichensaal und das Zeichenbüro. Angehende Schlosser, Schreiner und Maler wurden hier im Fachzeichnen ausgebildet. Die angefertigten Modelle wurden zur Weiterbildung auch an andere Schulen im Königreich abgegeben. Das Kursangebot weitete sich in den Folgejahren stetig aus. Der erste Fachkurs in Galvanik (Beschichtungsverfahren zur Herstellung metallischer Überzüge) fand 1874 statt. Die Lehrwerkstätten für Formen und Gießen beschäftigten zeitweilig einen Gießer aus Paris, um den Kursteilnehmern den "Pariser Feinguss" (Bronzeguss) näher zu bringen. Um auch weniger gut situierten Teilnehmern die Möglichkeit der Weiterbildung zu geben, wurde ein Unterstützungsfonds eingerichtet. Für die Honorierung besonderer Leistungen wurde 1875 die König Ludwig’s Preisstiftung etabliert. Mit immerhin 10.000 Gulden Preisgeld schuf sie enormen Anreiz für einen Teilnehmer.
Im Zuge der Erweiterung der Aufgaben in den technischen Abteilungen kurz vor und nach 1900 entstanden vielfältige Ausbildungs- und Meisterkurse. So wurde 1901 die Elektrotechnische Abteilung gegründet, da gerade die Elektrotechnik inzwischen sehr große Bedeutung gewonnen hatte. 1904 wurde beispielsweise ein Blitzableitersetzer-Lehrkurs angeboten. Im gleichen Jahr etablierte man eine Versuchsanstalt für Bierbrauerei.
Als Besonderheit innerhalb des Kursangebots dürfen die zwölf Kunstgewerblichen Meisterkurse (1901-1913) betrachtet werden, für die als Kursleiter vier herausragende Designer angeworben werden konnten: Peter Behrens (1868-1940), Richard Riemerschmid (1868-1957), Paul Haustein (1880-1944) und Friedrich Adler (1878-1942). Direktor Kramer versprach sich von dieser Maßnahme, dass unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jugendstil, stärkere Beachtung finde und der im Erscheinungsbild der handwerklichen und industriellen Erzeugnisse immer noch vorherrschende Historismus überwunden werde. Die in den vierwöchigen Kursen geschaffenen Objekte kaufte das Gewerbemuseum vielfach an und setzte so innerhalb der Mustersammlung neue aktuelle Akzente. Ein breites Echo auf die einschlägige Industrie blieb allerdings aus. Während das Metallgewerbe die Anregungen kaum rezipierte, konnten immerhin die Entwürfe Richard Riemerschmids der Möbelproduktion neue Impulse verleihen.
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Porträt Peter Behrens, 1908, Fotografie von Rudolph Dührkoop (1848-1918). (Gemeinfrei via Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mkg-e00132292)
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Ausstellung mit den in den Meisterkursen geschaffenen Arbeiten Abb. aus: Bayerisches Gewerbemuseum Nürnberg Bericht für das Jahr 1901, 43. (Bayerisches Staatsbibliothek 4 Bavar. 286 k-1896/1901)
Kaum nachhaltigen Erfolg hatte ein "Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen zu charakteristischen Holzspielsachen…", das im Sommer 1903 ausgegeben wurde. Unter den 184 Einsendungen stachen besonders die Entwürfe der Gebrüder Geigenberger aus Wasserburg am Inn hervor, die in der Gestaltung Jugendstilelemente aufwiesen. Impulse für die Holzspielzeugindustrie ergaben sich daraus jedoch kaum. Zudem war Nürnberg und seine Umgebung stärker auf die Herstellung von Metallspielzeug ausgelegt.
Ausstellungswesen
Dem BGM kam im Ausstellungswesen in Folge der Wiener Weltausstellung 1873 eine wichtige Rolle zu. Für alle Aussteller des Königreichs Bayern, die sich an einer der Weltausstellungen beteiligen wollten, übernahm das BGM als Zentralstelle die Gesamtabwicklung. Es organisierte die Transporte und überwachte den Auf- und Abbau vor Ort. Einen eigenen Beitrag zum internationalen Ausstellungswesen leistete das BGM mit der Ausrichtung der "Internationalen Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legierungen" in Nürnberg 1885. In einem eigens errichteten Bau präsentierten 557 Aussteller aus der ganzen Welt ihre Exponate. Die Mustersammlung erhielt infolge der Ausstellung u. a. herausragende japanische Metall- und Emailarbeiten. Auch für drei große bayerische Landesausstellungen 1882, 1896 und 1906 übernahm das BGM die Organisation. Für einzelne Handwerkszweige oder auch zu bestimmten Themen organisierte man immer wieder größere und kleinere Schauen, die – oft als Wanderausstellungen konzipiert – innerhalb des Königreichs gezeigt wurden.
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Aussenansicht des Hauptgebäudes der Bayerischen Landesausstellung von 1882. Abb. aus: Führer zur Bayrischen Landes-, Industrie-, Gewerbe- und Kunst-Ausstellung in Nürnberg, 1882, 31. (Staatsbibliothek Bamberg, MvO.L.art.o.120)
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Plakat zur "Internationalen Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legirungen" des Bayerischen Gewerbemuseums Nürnberg, 1885. (Foto von GNM-MA, lizenziert durch CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)
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Bayerische Landesausstellung von 1896. Ansicht des Ausstellungsgeländes in Nürnberg. (Bayerische Staatsbibliothek port-009745)
Hingegen musste das BGM in Folge einer 1914 in Lyon stattgefundenen Städteausstellung einen erheblichen Verlust für die Mustersammlung hinnehmen. Neben neun anderen deutschen Großstädten war Nürnberg aufgefordert, für eine Exposition in der französischen Stadt Objekte des Jugendstils zur Verfügung zu stellen. Das BGM entsandte dafür vor allem die im Rahmen der Meisterkurse entstandenen Jugendstilobjekte. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte zur Beschlagnahmung aller, nicht nur der Nürnberger Leihgaben. Trotz sofortigen Einspruchs blieb die französische Regierung unerbittlich. Die Objekte kehrten nicht wieder zurück. Der Verlust hinterließ eine Lücke im Bestand. 1975 tauchte ein herausragendes Objekt, eine Silberbowle von Friedrich Adler (1878-1942), im Kunsthandel auf. Sie stammte aus dem seinerzeitigen Leihgabenkonvolut und konnte nach längeren Verhandlungen von der Museumsleitung wieder zurückgekauft werden.
Aufgabe des Museumsgedankens
Die jährlich erscheinenden Jahresberichte des Gewerbemuseums zeigen auf, dass sich spätestens um 1900 die Aufgaben des Museums stark in Richtung einer technischen Prüfanstalt verändert hatten. Die chemischen und technischen Untersuchungen in den nunmehr zahlreichen Laboren hatten ein so großes Ausmaß angenommen, dass die Mitarbeiter diese kaum mehr bewältigen konnten. Eine Eingabe bei Prinzregent Luitpold von Bayern (1821-1912, Prinzregent 1886-1912), der Umbenennung in "Landesgewerbeanstalt Bayern" zuzustimmen, wurde im Mai 1909 bewilligt. Eine weitere Eingabe bei König Ludwig III. (1845-1921, König von Bayern 1913-1918) im Juni 1916, den Verein in eine Körperschaft des öffentlichen Rechts umzuwandeln, hatte ebenfalls Erfolg. Damit war es u.a. möglich, Zweigstellen innerhalb Bayerns zu errichten und die Nürnberger Hauptstelle erheblich zu entlasten. Auch hoheitliche Überwachungsaufgaben wurden der neuen Anstalt übertragen. Für die technischen Abteilungen wurde im Jahr 1900 ein eigenes Gebäude gegenüber dem Haupthaus errichtet.
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Buchcover des Jahresberichtes von 1901 mit der Beilage über elektrische Schnellbahnen. (Bayerische Staatsbibliothek 4 Bavar. 286 k-1896/1901)
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Von 1899 bis 1900 wurde ein Nebengebäude errichtet um die technischen Bereich des Gewerbemuseums erweitern zu können. Foto der Maschinenhalle. Abb. aus: Bayerisches Gewerbemuseum in Nürnberg. Jahresbericht 1900, 21. (Bayerische Staatsbibliothek 4 Bavar. 286 k-1896/1901)
Diese Umorientierung hatte jedoch zur Folge, dass der Museumsgedanke und die Erweiterung der Sammlung damit in den Hintergrund rückten. Um 1920 war der Großteil der Sammlung zusammengebracht. Zuwächse in den folgenden Jahrzehnten blieben marginal. Ihr Vorbildcharakter für die Produzenten bestand nicht mehr, eine Schulung am Objekt im Sinne historistischer Bildungskonzepte hatte sich erübrigt. Das Ausbildungswesen war mit der Einrichtung von Berufs- bzw. Fortbildungsschulen in staatliche Hände übergegangen, ebenso die Lehrlings- und Gesellenausbildung. Lediglich die handwerklichen Meisterkurse wurden weiterhin angeboten.
Der Zweite Weltkrieg
Anfang 1942 wurde das Museum aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die meisten Objekte wurden in die Felsenkeller der Nürnberger Burg verbracht. Der Zerstörung der Kuppel über dem Eingang des Gebäudes im März 1944 folgten weitere Beschädigungen im Januar 1945. Erst 1957 waren das Gebäude und die Innenbauten soweit wiederhergestellt, dass das Museum wieder geöffnet werden konnte.
Die Ära Curt Heigl
Eine völlig neue Ausrichtung erfuhr das Museum der Bayerischen Landesgewerbeanstalt durch Curt Heigl (1923-2014), der 1957 zum Museumsleiter ernannt wurde. Die von ihm konzipierten Ausstellungen (Dauer 4-8 Wochen) lehnten sich eng an die Arbeit der Labore an oder ergaben sich aus Wirtschaftskontakten der Landesgewerbeanstalt. Eine der ersten Schauen war die Ausstellung "Gute Form aus Großbritannien", die im Herbst 1960 parallel zu den in Nürnberg veranstalteten "Britischen Wochen" lief und eine Auswahl englischer Industrieerzeugnisse zeigte. Sehr oft trafen die Ausstellungen den Puls der Zeit und wurden erfolgreich auch in anderen deutschen Städten gezeigt.
Angliederung an das Germanische Nationalmuseum
Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des BGM 1969 richtete Heigls Nachfolgerin, Elisabeth Bornfleth (geb. 1928), wieder eine kleine Dauerausstellung im Hauptgeschoss ein. Bornfleths Tätigkeit lag vor allem in der computergestützten Erfassung und fotografischen Dokumentation der erhaltenen Objekte. Die Dauerausstellung konnte nur noch wenige Jahre – bis Juni 1988 - gezeigt werden. Die inzwischen zur Landesgewerbeanstalt Bayern gewandelte Institution hatte sich einen neuen Standort im Süden Nürnbergs geschaffen (Grundsteinlegung 1986, Eröffnung 1995) und war bestrebt, die neobarocke sanierungsbedürftige Gebäudeanlage zu verkaufen. Damit ergab sich die Frage nach der Zukunft der Museumsbestände. Die Überlegung, sie zu veräußern, wurde nicht weiterverfolgt, weil der finanzielle Erlös zu niedrig gewesen wäre. 1987 wurde das Museum an das Germanische Nationalmuseum angeschlossen. Als Dauerausstellungsraum wurde ihm der sogenannte Rittersaal (bis 2023) zugewiesen. Die nicht ausgestellten Objekte wurden in Depots überführt. Die im GNM vorhandenen restauratorischen Einrichtungen kamen den Museumsgegenständen zugute. 1992 erwarb die Nürnberger Versicherung das Gebäude am Gewerbemuseumsplatz und richtete dort eine Versicherungsakademie ein.
Übernahme der Sammlung durch den Freistaat Bayern
Finanzielle Engpässe und Umstrukturierungen in den späten 1990er Jahren führten dazu, dass sich die LGA, die immer noch Eigentümerin der Sammlung war, 2002 endgültig von dieser trennen wollte und sie daher dem Freistaat Bayern zum Kauf anbot. Mit Wirkung zum 6. Februar 2003 erwarb das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst die Sammlung einschließlich der Bibliothek und Vorbildersammlung, der Glasdia- und der Plakatsammlung. Unmittelbar verknüpft mit dem Kauf war die Überlassung der Bestände als Dauerleihgabe an das Germanische Nationalmuseum.
| Name | Leitung | Lebensdaten |
|---|---|---|
| Karl Stegmann | 1869-1887 | 1832-1895 |
| Theodor von Kramer | 1887-1919 | 1852-1927 |
| Georg Ritter | 1919/1924-1957 | |
| Curt Heigl | 1957-1972 | 1923-2014 |
| Elisabeth Bornfleth | 1972-1989 | geb. 1928 |
Literatur
- Bayerisches Gewerbemuseum in Nürnberg (Hg.), Die internationale Ausstellung von Arbeiten aus edlen Metallen und Legirungen in Nürnberg 1885. Offizieller Katalog, Nürnberg 1885.
- Peter Budig, LGA. 150 Jahre 1869-2019. Landesgewerbeanstalt Bayern, Nürnberg 2019.
- Friedrich Carstanjen: Kunstgewerbliche Meisterkurse in Nürnberg, in: Dekorative Kunst 9 (1902), 227-232.
- Jacob Falke, Das Bayerische Gewerbemuseum und die Nürnberger Industrie, in: Kunst und Gewerbe. Wochenschrift zur Förderung deutscher Kunst-Industrie 8 (1874), 289-292 u. 297-300.
- Silvia Glaser, Die Behrens-Meisterkurse am Bayerischen Gewerbemuseum in Nürnberg, in: Petra Krutisch (Hg.): Peter Behrens – Das Nürnberger Intermezzo, Nürnberg 2017, 112-135.
- Silvia Glaser, 150 Jahre Bayerisches Gewerbemuseum. Katalog zur Ausstellung, Nürnberg 2019.
- Curt Heigl, Gute Form aus Großbritannien, Nürnberg 1960.
- Jahresberichte des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg, Nürnberg 1869-1913. (Digital verfügbar: 1875-1900)
- Ulrich Jahr, Das Bayerische Gewerbemuseum in Nürnberg von den Anfängen bis 1897, München 1978.
- Landesgewerbeanstalt Bayern (Hg.), Das Gewerbemuseum der LGA im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg 1989.
- Julia Lehner, Die Nürnberger Akademie – Tradition und Innovation, Nürnberg 2000.
- Christina Pallin-Lange, Industrieschauen in Nürnberg. Die drei Bayerischen Landes-, Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellungen in Nürnberg 1882-1906. Teil I., in: LGA Rundschau 2/2000, 41-45.
- Claus Pese, Jugendstil aus Nürnberg. Kunst Handwerk Industriekultur, Stuttgart 2007.
- Franz Sonnenberger/Helmut Schwarz (Hg.), Leute vom Fach. Nürnberger Handwerk im Industriezeitalter, Nürnberg 1988.
- Franz Sonnenberger, Johann Caspar Beeg (1809-1867). Lebenslinien eines Technologen, Nürnberg 1989.
- Daniela Stadler, Die Beteiligung Nürnbergs an den Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, in: Festschrift für Werner K. Blessing. Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 66 (2006), 331-362.
- Karl Stegmann, Bericht über die Thätigkeit des Bayerischen Gewerbemuseums zu Nürnberg im Jahre 1872 erstattet in der Generalversammlung am 13. Januar 1873, Nürnberg 1873
- Jürgen Unruh, Die Galvanoplastische Anstalt am Gewerbemuseum zu Nürnberg, in: LGA Rundschau 1, 1999, 11-15.
Weiterführende Recherche
- Schlagwortsuche im Online-Katalog des Bibliotheksverbundes Bayern
- Stichwortsuche in bavarikon
- Suche in der Bayerischen Bibliographie
Externe Links
- Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: Abteilung Gewerbemuseum und Design
- Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: Sonderausstellung 150 Jahre Bayerisches Gewerbemuseum
- LAG: Geschichte
Verwandte Artikel
- Handwerk (19./20. Jahrhundert)
- Industrialisierung
- Industrie- und Handelskammern (IHK)
- Museum der Arbeit (München)
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Empfohlene Zitierweise
Silvia Glaser, Bayerisches Gewerbemuseum, publiziert am 11.05.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerisches_Gewerbemuseum> (11.05.2026)