Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Passau, Vesten Niederhaus und Oberhaus

Das Oberhaus um 1480 in einem Ausschnitt aus Hans Egkels (gest. 1497) "Enthauptung der Hl. Katharina" (Foto von Wolfgang Sauber lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons). In einem Brief an Giovanni Campisio vom 29. Juli 1444 beschreibt der spätere Papst Pius II. (reg. 1458-1464) mit überschwänglichen Worten die Vesten Niederhaus und Oberhaus: "[...] jenseits der Donau sind zwei Burgen des Bischofs, die eine hoch auf dem Berge gelegen, die andere an seinem Fuße am Wasser, wo sich die Donau und die Ilz, jener böhmische Fluß vereinen, der auch Perlen führt. Der Aufstieg zu dem höher gelegenen Schloß ist ziemlich mühselig, und nur von einem Punkt aus könnte es belagert werden, aber dort ist es durch derartige Mauern und Gräben befestigt, daß sie durch keine menschliche Gewalt eingenommen werden können. Auch hier gibt es prächtige Säle und Gemächter, daß man beim Beschauen meinen möchte, es gäbe außerdem nichts so Schönes und Sicheres, aber sobald man in das untere Schloß hinabgekommen ist, sieht man noch prunkvollere Räumlichkeiten, gewölbte Zimmer und mehrere Säle und königlich ausgestattete Ruhelager. Das kann man nur bewundern und nicht beschreiben. Soviel ich beurteilen kann, sind die Deutschen glänzende Mathematiker und allen anderen Völkern in der Baukunst überlegen. Ich habe doch sehr viele Schlösser in Italien und in anderen Ländern gesehen, aber die waren entweder nur für den Krieg oder nur für Lustbarkeiten erbaut. Diese hier aber hat der Bischof Leonhard mit bewundernswerter Kunst für beide Zwecke brauchbar gemacht, so daß keinem etwas zur Sicherheit oder zur Bequemlichkeit mangelt."
Passau, Gesamtansicht von Süden. Kolorierter Kupferstich von Leonhard Abent, 1576; darauf rechts im Hintergrund, die am nördlichen Donauufer und rund 100 Meter hoch über der Stadt auf dem strategisch wichtigen St. Georgsberg gelegene Veste Oberhaus. Aus: Beschreibung und Contrafactur der vornembster Staet der Welt, hg. von Georg Braun und Franz Hogenberg, 6 Bände, Köln 1572–1618. 36,1 x 49,9 cm. (Staatliche Bibliothek Passau, S/Graph. 113)
Blick auf Passau vom Klosterberg aus. Kupferstich, gezeichnet und gestochen von Gabriel Bodenehr, ca. 1710. 16,4 x 38,4 cm. (Staatliche Bibliothek Passau, S/Graph. 340)
Blick auf die Veste Oberhaus, Veste Niederhaus und die Kirche St. Salvator. (Foto von Aconcagua lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

von Egon Johannes Greipl

Die Passauer Fürstbischöfe errichteten im Laufe des 13. Jahrhunderts auf dem St. Georgsberg in Passau die Veste Oberhaus; ungefähr zur selben Zeit entstand unterhalb das sogenannte Niederhaus. Beide Anlagen waren seit dem 14. Jahrhundert durch einen Wehrgang verbunden. Neben militärischen Zwecken diente die Burg ab dem 15. Jahrhundert auch als Wohn- oder Sommersitz der Fürstbischöfe. Ausbauten erfuhr die Veste Oberhaus einerseits im 16. und 17. Jahrhundert infolge der Expansion des Osmanischen Reichs, andererseits im 17. und 18. Jahrhundert infolge der Konflikte zwischen Bayern und Österreich. Pläne Napoleons (reg. 1799-1814/1815, Kaiser ab 1804), Passau zu einer Großfestung auszubauen, wurden nicht verwirklicht. 1822 erfolgte die Umwandlung des Oberhauses zu einer Militärstrafanstalt; 1867 verlor Passau formell seinen Festungsstatus.

Strategische Lage Passaus

Das Gebiet, auf dem die heutige Stadt Passau liegt, besaß bereits in vorgeschichtlicher Zeit große strategische Bedeutung: Die Lage an der Schwelle zwischen dem Alpen-Donauraum und dem ostmitteleuropäischen Raum führte in Verbindung mit den topographischen Voraussetzungen am Zusammenfluss von Donau, Ilz und Inn dazu, dass Menschen aller Epochen ein Interesse daran hatten, an diesem Platz, der gleichermaßen Schutz- und Kommunikationsmöglichkeiten bot, zu siedeln und auch militärisch präsent zu sein.

Vor diesem Hintergrund entstanden im Mündungsdreieck zwischen Inn und Donau und an den Flussufern in der keltischen und römischen Zeit befestigte Siedlungen. Die römischen Anlagen dürften noch oder wieder im frühen Mittelalter unter der Herrschaft der Agilolfinger, der Karolinger und dann der Passauer Bischöfe genutzt worden sein. Die genaue Lokalisierung der aus den schriftlichen Quellen zu erschließenden Herzogs- bzw. Königspfalzen und Bischofsburgen in der Stadt fällt schwer. Aus dem Jahr 888 datiert die Erstnennung des als Kloster genutzten "Niedernburg". Diese Bezeichnung deutet darauf hin, dass es eine "Obernburg" als zweite befestigte Anlage gegeben hat. Das an der Spitze der Halbinsel gelegene Schloss Ort, erstmals bezeugt im Zusammenhang mit einem bewaffneten Konflikt um 1250, wäre dann die dritte Burg auf der Halbinsel zwischen Inn und Donau.

Anfänge der Veste Oberhaus

Das Oberhaus ist somit nicht die älteste Burg in Passau, besitzt aber mit mehr als 700 Jahren die längste Tradition als militärische Anlage. Es ist unwahrscheinlich, dass die topographisch bevorzugte Lage auf dem steil zur Donau und zur Ilz abfallenden Sporn nicht schon früh ausgenutzt wurde, bot sie doch die Möglichkeit, alle drei Flussläufe, die Flussübergänge sowie die nach Böhmen führende Fernstraße zu überblicken und zu beherrschen. Über den Baubeginn der Burg Oberhaus durch Bischof Ulrich II. (reg. 1215-1221) im Jahr 1219 berichtet erstmals um 1260 Hermann von Niederaltaich (ca. 1201-1275), Abt des benachbarten gleichnamigen Benediktinerklosters. Wenn die von Hermann verwendete Ortsbezeichnung St. Georgsberg tatsächlich schon vor 1219 im Gebrauch war, könnte dies auf eine diesem Ritterheiligen geweihte Kapelle und damit indirekt auf eine schon bestehende Burg hindeuten. Dazu würde passen, dass die älteste Anlage der Veste um die Burgkapelle St. Georg herumgebaut zu sein scheint. Für einen ins 12. Jahrhundert zu datierenden Vorgängerbau kann allerdings weder ein archäologischer noch ein schriftlicher Nachweis erbracht werden.

Funktionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

Die Errichtung einer Zwing- und Fluchtburg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts passt jedenfalls, ebenso wie die gleichzeitigen aufwändigen Arbeiten an der Stadtbefestigung, in die Zeit des Aufstiegs der Bischöfe zu Reichsfürsten (1217) und des Ausbaus ihrer Landesherrschaft.

Die Burg auf dem St. Georgsberg – der Name Oberhaus als Gegensatz zu Niederhaus ist erst für die Mitte des 14. Jahrhunderts überliefert – signalisierte als Landesfestung nach außen die Präsenz eines fürstbischöflichen Landesherrn; nach innen sicherte sie wirksam die ungeteilte Stadtherrschaft des Bischofs. In dieser Rolle bewährte sich die ca. 1230 fertiggestellte Burg in den Konflikten des bischöflichen Stadtherrn mit dem zur Emanzipation drängenden Stadtbürgertum in den Jahren 1298 und 1367. Wie in Bamberg, Eichstätt, Salzburg oder Würzburg konnten sich so auch die Fürstbischöfe in Passau ihre Stadtherrschaft bewahren, während die geistlichen Herren von Bischofsstädten ohne Burganlagen ihrer Stadtherrschaft im Mittelalter verlustig gingen (z. B. Augsburg, Köln, Regensburg, Straßburg, Speyer).

Die Kernburg des 13. Jahrhunderts entbehrte einer eigenen Ummauerung und entsprach in ihrer baulichen Konzeption damit dem Typ der Randhausburgen. Sie umfasste einen inneren Mauerring mit angebautem bergfriedartigem Wohnturm im Westen (Grundriss 19 m x 11 m, auf alten Ansichten dargestellt, 1725 abgebrochen, 1996 archäologisch nachgewiesen) und eine äußere Zwingermauer mit Schalentürmen. Innen lagen in der Mitte die Burgkapelle St. Georg und im Süden, mit Blick auf die Stadt, der Palas. Die Kernburg war im Westen durch einen Abschnittsgraben und eine Vorburg gesichert. Insgesamt zeigt die bischöfliche Burg einen um 1250 wehr- und bautechnisch hochmodernen Typ als relativ regelmäßig angelegte, axial ausgerichtete Burganlage.

Ab dem 15. Jahrhundert hatte die Burg als ebenso repräsentativer wie im Bedarfsfall sicherer Wohn- oder Sommersitz den Fürstbischöfen, ihrem Hofstaat, ihrer Kanzlei und ihren Gästen zu dienen; adelige Pfleger, Verwaltungsbeamte und Richter amtierten auf der Burg, Handwerker hatten ihre Werkstätten und Gefangene verbüßten ihre Strafen in der Veste Oberhaus. Je nach Lage war hier mehr oder weniger militärisches Personal stationiert, in einem eigenen Zeughaus war das Kriegsgerät untergebracht. In der Veste hielten sich im Mittelalter zu Friedenszeiten kaum mehr als 60 Personen auf. Im Verteidigungsfall, wie letztmals in der Frühen Neuzeit 1482, zählte die Besatzung etwa 300 Ritter und Knechte.

Im 16. und 17. Jahrhundert war der Südosten des Reiches militärisch weniger vom Dreißigjährigen Krieg, der Passau kaum berührte, als von der Expansion des Osmanischen Reiches geprägt. Diese zog erhebliche Verteidigungsanstrengungen nach sich. Ab dem späten 16. Jahrhundert wird man auch die innenpolitische Bedeutung des Ausbaus einer landesfürstlichen Zentralfestung nicht unterschätzen dürfen, galt die Landesfestung zu dieser Zeit geradezu als eines der konstituierenden Elemente von Souveränität und Landesherrschaft. Fürstbischof Urban von Trenbach (reg. 1561–1598) errichtete in dieser Zeit das sogenannte Generalsgebäude (1597), ferner einen mächtigen Torturm sowie um 1583 die beiden Bastionen Katz im Nordwesten und Maus im Südosten. Zu diesem militärischen Ausbau gehörte auch der Lazarettbau im äußeren Burghof.

Ausbauten im 17./18. Jahrhundert

Obgleich die Bedrohung durch das Osmanische Reich Ende des 17. Jahrhunderts zurückging, ließ das militärische Interesse am Raum Passau nicht nach, denn wiederholt befanden sich die beiden Nachbarn Bayern und Österreich zu dieser Zeit miteinander im Konflikt. In diesen Auseinandersetzungen erhielt Passau als Grenzort eine entscheidende Rolle. Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung der Artillerie in der Kriegsführung stand auf der Veste Oberhaus ein weiterer fortifikatorischer Ausbau auf dem Programm. Nimmt man die erwähnten Aktivitäten Trenbachs hinzu, fand dieser in einem Umfang statt, der die gesamte bisherige Bautätigkeit in den Schatten stellte.

Die schwache Seite der Veste Oberhaus war schon immer im Westen gelegen. Nicht zuletzt deshalb entstand hier zwischen 1674 und 1722 ein modernes Kronwerk mit gewaltigen Grabenanlagen, Bastionen und einem inzwischen abgetragenen Ravelin. Hinter dem Generalsgebäude erhob sich nun zur Leitung des Artilleriefeuers ein Beobachtungsturm. Das Kronwerk bestand aus dem Neuen Werk, dem Mitteren Werk und der nach den Fürstbischöfen und Bauherrn Johann Philipp von Lamberg (reg. 1689-1712) und Raymund Ferdinand von Rabatta (reg. 1713-1722) benannten Philippsbastion im Norden, ergänzt durch die Raimundsbastei, die auch als Rabattawerk bezeichnet wurde.

Übergang zu Bayern und Plan einer Großfestung Passau

1803 kamen Hochstift Passau und Veste Oberhaus an Bayern, das seit 1805 in Allianz mit Frankreich stand. Sie blieb, jetzt gegen Österreich, weiterhin in Funktion und spielte 1809 als zentraler Punkt des napoleonischen Projektes einer Großfestung Passau noch einmal eine Rolle.

Nach Ausbruch des 5. Koalitionskrieges 1809, in dem es Napoleon (reg. 1799-1814/1815, seit 1804 Kaiser) schnell gelang, die österreichische Armee aus Bayern zu vertreiben, verfügte er mit Tagesbefehl vom 1. Mai 1809, Passau zum Hauptdepot seiner Armee sowie zum Mittelpunkt seiner Kriegsvorräte, Reserve-Magazine und Spitäler zu machen; die Passauer Garnison sollte eine Stärke von mindestens 10.000 Mann haben. 18 Forts und Redouten sollten errichtet, die Veste Oberhaus den Erfordernissen des modernen Krieges angepasst werden. Eine gigantische Artillerie von 178 Geschützen war vorgesehen; auf der Donau sollten sechs Kriegsschiffe Dienst tun. Der Plan der Großfestung Passau aus der Zeit um 1810 zeigt, dass es insbesondere auch darum ging, die Schwächen des Platzes auszugleichen und Stellungen auf den beherrschenden Höhen rings um die ganze Stadt anzulegen. Tausende von Soldaten und Zwangsarbeitern schufen nun, zunächst in Holz-Erde-Bauweise eine gewaltige Anlage. Die einzelnen Werke wurden nach bedeutenden Schlachten und Persönlichkeiten benannt: Ostwärts des Oberhauses erhob sich das "Fort Eugène", benannt nach Napoleons Stiefsohn Eugène Beauharnais (1781-1824). Auf dem Mariahilfberg stand das Kronwerk "Napoleon", auf dem Spitzberg entsprechend das "Fort Max Joseph". Die Redouten "Thann", "Wagram", "Eggmühl" und "Abensberg" erinnerten an die Orte kürzlich gewonnener Gefechte und Schlachten. Zu einer tatsächlichen Umsetzung dieser Pläne kam es allerdings nicht. Nachdem Napoleon von der europäischen Bühne verschwunden, Passau endgültig bayerisch war und sich die Beziehungen zwischen Österreich und Bayern verbessert hatten, schwand die militärische Bedeutung Passaus rapide. Die Werke der Großfestung verfielen oder wurden, keine fünf Jahre nach Baubeginn, eingeebnet, das Holz verwertet.

Bedeutungsverlust und Entmilitarisierung der Veste Oberhaus

Von 1822 bis 1918 diente das Oberhaus als Militärstrafanstalt, wo gewöhnliche Soldaten ihre Haft verbüßten. Auch Opfer der politischen Strafjustiz verbrachten hier ihre Festungshaft, so der Würzburger Bürgermeister Michael Wilhelm Joseph Behr (1775-1851) von 1835 bis zu seiner Rehabilitierung 1847. Zur Beschäftigung der Sträflinge hatte das Militär sogar eine Seidenraupenzucht eingerichtet.

Die militärische Anlage hatte im Laufe ihres Bestehens eine beständige, z. T. grundlegende Fortentwicklung erfahren. Diese war bestimmt gewesen von der politischen Gesamtlage, den beteiligten Interessen und den jeweiligen militärischen Erfordernissen. Nach 700 Jahren kam dann folgerichtig das Ende, nämlich die militärische Entbehrlichkeit der Festung. Den förmlichen Festungsstatus verlor Passau 1867; 1931 verließ der letzte Soldat die Veste.

1932 erwarb die Stadt Passau die gesamte Anlage und betrieb ihre Konversion zum Museum, auch zur NS-Kultstätte, zur Jugendherberge, zum Schauplatz von Ausstellungen, zum Erholungsgelände und zur Touristenattraktion.

Veste Niederhaus

Das so genannte Niederhaus liegt ca. 100 m ostwärts und unterhalb des Oberhauses auf dem letzten Ausläufer des Felsensporns zwischen Ilz und Donau und ist fortifikatorisch ein Teil der Gesamtfestung. Die Quellenlage zur frühen Baugeschichte bleibt dürftig. Wahrscheinlich ist die Anlage schon um 1250 unter Fürstbischof Otto von Lonsdorf (reg. 1254-1265) entstanden; erst seit dem 14. Jahrhundert ist sie mit dem Oberhaus durch einen doppelten Wehrgang verbunden. Während des Aufstands von 1367/68 gelang den Passauer Bürgern die Besetzung der zu diesem Zeitpunkt erstmals schriftlich erwähnten Veste Niederhaus. 1435 zerstörte eine Pulverexplosion die Obergeschosse. Fürstbischof Leonhard von Laiming (reg. 1424-1451) schuf einen Wiederaufbau, dessen Ausstattungspracht Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. (reg. 1458-1464), 1444 überschwänglich rühmte. Wie das Oberhaus hatte sich auch das Niederhaus von der Burg zur Residenz entwickelt. Allerdings büßte es diese Bedeutung bald ein, indem es Verwendung als Gefängnis fand und gegen 1770 - typisch für die Zeit der auch im fürstbischöflichen Passau wirksamen Aufklärung - "Strafarbeitsanstalt für arbeitsscheue Arme beiderlei Geschlechts" wurde. Mit der ganzen Stadt Passau geriet im Jahre 1805 auch das Niederhaus unter bayerische Herrschaft und sollte nach 1809 als Magazin im Rahmen des großen napoleonischen Festungsprojekts dienen. In diesem Zusammenhang verlor der im Stadtbild seit 500 Jahren dominante mittelalterliche große Bergfried vier seiner neun Stockwerke, um die Wirkungsmöglichkeiten der Artillerie des Oberhauses auf und über die Donau zu verbessern. Nach Ende der napoleonischen Ära schwanden militärisches Interesse und Bedeutung der Anlage völlig.

Aufnahme des sogenannten Rittersaals im Niederhaus von 1929; Ferdinand Wagner hatte die Räumlichkeiten des Niederhauses Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus ausgestattet. Wesentliche Teile der Ausstattung Wagners sind heute noch erhalten. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv, port-015361)

Im ausgehenden 19. Jahrhundert weckte auch die Veste Niederhaus mit ihrer Lage auf schroffen Felsen über dem Wasser das Interesse von Burgenromantikern und Künstlern. Der Historienmaler Ferdinand Wagner (1847-1927) kaufte dem Militär-Ärar im Jahr 1890 das Niederhaus ab, stattete die Räume üppig im Sinne des Historismus aus, richtete Wohnung und Atelier ein und machte das Niederhaus zum Schauplatz seiner stadtbekannten Mittelalter–Feste. Empört über den Bau der unmittelbar neben dem Niederhaus die Donau querende Hängebrücke, die er aus Gründen des Stadtbildes ebenso scharf wie vergeblich bekämpft hatte, verkaufte Wagner 1907 das Niederhaus an den Kunstmaler Eduard Stroblberger (geb. ca. 1864). Es wechselte fünf Jahre später in den Besitz der Familie Brunner. Nach beinahe hundert Jahren und einer gründlichen Instandsetzung (2004/07) verkaufte die Familie Brunner die Burg an die oberbayerische Unternehmerfamilie Rosenberger. In den Jahren bis 2012 entstanden in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege dreizehn exklusive Wohnungen.

Das Schicksal der Veste Niederhaus reicht über die bloße Konversion einer militärischen Anlage hinaus. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie einst öffentliche, mit einer erheblichen Bedeutung für die Geschichte, die Kulturgeschichte und das Bild einer Stadt aufgeladene Bauwerke im Rahmen von Privatisierungsprozessen zunehmend nicht-öffentlich werden.

Literatur

  • Egon Boshof u. a. (Hg.), Geschichte der Stadt Passau, Regensburg 2. Auflage 2003.
  • Werner Endres/Herbert W. Wurster (Hg.), Ritterburg und Fürstenschloß. Begleitband zur Ausstellung von Stadt und Diözese Passau im Oberhausmuseum Passau 1998, 2 Bände, Regensburg 1998.
  • Egon Johannes Greipl (Hg.), Stadt Passau, bearbeitet von Irmhild Heckmann u. a. (Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler in Bayern II/25, hg. vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in Verbindung mit der Stadt Passau und der Universität Passau), Regensburg 2014.
  • Heinz Kellermann, Die Erstürmung der Festung Oberhaus am 25. Oktober 1805 (Kurze Beiträge zur Passauer Stadtgeschichte 23), Passau 2005.
  • Hermann Kerscher, Zur Befestigung des französischen Hauptdepotplatzes Passau im 5. Koalitionskrieg (1809), in: Das archäologische Jahr in Bayern 2011, 176-178.
  • Karl Müller, Die Befestigung Passau und Oberhaus. Geschichtliche Studie, in: Das Bayernland 19 (1908), 1-7.
  • Jörg-Peter Niemaier, Wiederentdeckt: der Bergfried auf der Veste Oberhaus zu Passau, in: Das Archäologische Jahr in Bayern (1997), 171-174.
  • Volker Press, Bischöfe, Bischofsstädte und Bischofsresidenzen, in: ders. (Hg.), Südwestdeutsche Bischofsresidenzen außerhalb der Kathedralstädte (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg B/116), Stuttgart 1992, 9-26.
  • Gottfried Schäffer, Die Burg-Festung Oberhaus ob Passau (Kleine Kunstführer 596), München 4. Auflage 1983.
  • Herbert Wilhelm Wurster, Das Bistum Passau und seine Geschichte, 3 Bände, Straßburg 1994-2002.
  • Herbert Wurster, Unruhen und Aufstände im Hochstift Passau während der Frühen Neuzeit, in: Egon Boshof/Max Brunner/Elisabeth Vavra (Hg.), Grenzenlos. Geschichte der Menschen am Inn. Katalog zur ersten Bayerisch-Oberösterreichischen Landesausstellung 2004. Asbach - Passau - Reichersberg - Schärding, Regensburg 2004, 176-181.

Quellen

  • Max Mell/Ursula Abel (Bearb.), Enea Silvio Piccolomini, Briefe, Dichtungen, München 1966.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Egon Johannes Greipl, Passau, Vesten Niederhaus und Oberhaus, publiziert am 16.02.2016; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Passau,_Vesten_Niederhaus_und_Oberhaus> (24.04.2019)