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Neue Presse

Das Logo der "Neuen Presse" von 1954. (Neue Presse Coburg)
Das Logo der "Neuen Presse" von 2001. (Neue Presse Coburg)

von Paul Hoser

Die Tageszeitung "Neue Presse" in Coburg erschien erstmals mit Genehmigung der US-Militärregierung am 25. Januar 1946. Die erste Lizenz erhielt ein ehemals aktiver Funktionär der KPD, der dort aber nach dem Krieg nicht mehr engagiert war. Erst über eineinhalb Jahre später kam ein eher konservativer zweiter Lizenzinhaber hinzu. Dieser verkaufte seine Lizenz aber schon 1949. 1964 war die Zeitung weitgehend in Besitz der SPD, doch übernahm 1988 der "Süddeutsche Verlag" 70 %. Das Verbreitungsgebiet erfasst Teile des westlichen Oberfrankens. Es besteht eine Konkurrenz zum "Coburger Tageblatt".

Gründung, Lizenzträger

Lizenz No. 15 der US-Militärregierung für Peter Maslowski (KPD, 1893–1983, Mitglied des Reichstags 1924, 1928-1930). Maslowski war damit berechtigt, als Zeitungs-Verleger aktiv zu werden. Es war die Geburtsstunde der "Neuen Presse". (Neue Presse Coburg)

Die Stadt Coburg war im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen weitgehend verschont geblieben. So war noch ein mittelgroßer, technisch gut ausgestatteter Zeitungsbetrieb vorhanden: die in der Mohrenstraße angesiedelte "Coburger Druck- und Verlagsanstalt". Die Nationalsozialisten hatten dort ihre "Nationalzeitung" hergestellt. Unter Mithilfe der Nachrichtenkontrolle der US-Militärregierung in Bayern konnte am 25. Januar 1946 die erste Nummer der "Neuen Presse" erscheinen.

Anfangs war Peter Maslowski (KPD, 1893–1983, Mitglied des Reichstags 1924, 1928-1930) alleiniger Inhaber der Lizenz. Maslowski war im Ersten Weltkrieg schwer verwundet worden. Als entschiedener Kriegsgegner stand er seit 1917 der Spartakus-Gruppe nahe und wurde nach dem Krieg Mitarbeiter verschiedener kommunistischer Tageszeitungen. Den Verhaftungen in der Nacht des Reichstagsbrandes entkam er durch vorläufiges Abtauchen und ging im August 1933 nach Polen; von dort emigrierte er nach Paris und stieß dort zur Zentrale der Exil-KPD. Er arbeitete als Redakteur der von Willi Münzenberg (1889–1940) herausgebrachten Zeitschrift "Die Zukunft". Nachdem Münzenberg mit der KPD gebrochen hatte, distanzierte sich auch Maslowski von der Partei. Er lebte dann illegal im unbesetzten Südfrankreich, war in der französischen Résistance aktiv, kehrte im Dezember 1945 nach Deutschland zurück und wurde Mitglied der SPD. Der Leiter der Presseabteilung der "Intelligence Control Divsion" der Militärregierung in Bayern, Ernst Langendorf (1907–1989), holte Maslowski in Paris ab und brachte ihn nach Coburg.

Das Konzept der US-Pressepolitik sah vor, neu zugelassenen Tageszeitungen keine einseitige politische Richtung zu geben, weshalb sie bei der Vergabe von Lizenzen darauf achteten, mindestens zwei Lizenzträger mit verschiedener politischer Einstellung zu berücksichtigen. Vom 3. bis zum 7. September 1947 tagten in Coburg die Zeitungsverleger der US-Besatzungszone. Während dieser Tagung erhielt Johannes Langer (geb. 1913) am 5. September 1947 eine zweite Lizenz überreicht. Langer hatte von 1930 bis 1936 für die "Ostdeutsche Morgenpost" im oberschlesischen Beuthen (poln. Bytom) gearbeitet, die sich selbst als "gemäßigt rechts" einstufte. Als der Verlag durch den nationalsozialistischen Gauverlag übernommen wurde, wurde Langer entlassen, weil er sich weigerte, der NSDAP beizutreten. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Als Kriegsgefangener kam er in die USA und war Redakteur und Herausgeber einer Kriegsgefangenenzeitung. Am 31. März 1946 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. Zunächst wurde er Geschäftsführer der Zeitung "Mannheimer Morgen", bis ihn die Militärregierung nach Coburg holte. Er war damals der jüngste Lizenzträger in Deutschland. Nach eigener Angabe war die "Neue Presse" überparteilich.

Entwicklung der Eigentumsverhältnisse

Titelblatt der Erstausgabe der "Neuen Presse" vom 25. Januar 1946. (Neue Presse Coburg)

Maslowski war von 1946 bis 1963 Chefredakteur und Gesellschafter der "Neuen Presse". Er schloss am 31. Januar 1946 einen Vertrag mit August Neumann, dem früheren Mitinhaber des 1933 gewaltsam unterdrückten sozialdemokratischen "Coburger Volksblatts" über die Gründung der "Druck- und Verlagsanstalt – Neue Presse Zeitungsverlag GmbH". Von dem Stammkapital von 20.000 RM hielt jeder der beiden die Hälfte. Die Gesellschaft war für den Druck der "Neuen Presse" zuständig.

Mit dem Ende des Lizenzzwangs 1949 änderte sich die Lage völlig. Langer verkaufte seinen Anteil an Willi Kurtz (1892–1974), der am 1. Juni auch Verlagsleiter bei der "Druck und Verlagsanstalt Neue Presse GmbH" wurde. Kurtz war zeitweise Anhänger der Nationalsozialisten und leitete zwischen 1930 und 1940 den Verlag "Coburger Tagblatt". Anschließend hatte er im besetzten Norwegen im Auftrag des Parteiverlags der NSDAP (Franz-Eher-Verlag) eine deutsche Zeitung gegründet. 1954 übernahm Dr. Herbert Allerdt seine Anteile und 1964 auch die von Maslowski. Allerdt war Treuhänder für die SPD. Diese verkaufte 1988 70 % an die Firma "Münchner Zeitungs- und Zeitschriftenhaus" des "Süddeutschen Verlags" (Verlag der "Süddeutschen Zeitung"). Die restlichen 30 % gingen auf die SPD-Zeitungsholding "Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH" über.

Schon 1970 hatte sich der Verlag der "Frankenpost" in Hof mit der Coburger "Neuen Presse" zur Anzeigen- und Tarifgemeinschaft "Oberfranken-Presse" zusammengeschlossen. So wurden die beiden Zeitungen als Werbeträger attraktiver. Die "Frankenpost" wurde seit 1986 vom "Süddeutschen Verlag" beherrscht. 1993 wurde mit der "Vereinigung der Gesellschaft der Druck- und Verlagsanstalt Neue Presse GmbH" und der "Frankenpost Verlag GmbH" ein Vertrag geschlossen, der eine stärkere Integration der "Neuen Presse" in den Konzern des "Süddeutschen Verlags" zur Folge hatte, an den auch die Erträge abzuführen waren.

Die "Neue Presse" ist Teil der "Regionalzeitungsgruppe Hof, Coburg, Suhl", deren Mehrheitsgesellschafter der "Süddeutsche Verlag" ist. Zu ihr gehören noch die "Frankenpost" in Hof, die Zeitung "Freies Wort" in Suhl (Thüringen), die "Südthüringer Zeitung" in Bad Salzungen (Thüringen) und das "Meininger Tagblatt". Die Verlagsgruppe hatte bis 2009 eine gemeinsame, in Coburg ansässige, Mantelredaktion. Danach wurden überregionale redaktionelle Inhalte aus dem Zentrum der "Südwestdeutschen Medienholding" (SWMH) in Stuttgart (Baden-Württemberg) überspielt.

Die "Neue Presse" hat Lokalausgaben für Coburg, Kronach, Lichtenfels und Haßberge.

Gesellschaftskapital der Druck- und Verlagsanstalt "Neue Presse" GmbH, Coburg
Jahr Kapital
1946 20.000 RM
1958 100.000 DM
1966 300.000 DM
1967 500.000 DM
1992 1.790.000 DM
1995 3.500.000 DM
1998 1.790.000 DM


Umsatz
Jahr Mio. DM
1954 2,1
1955 2,3
1957 2,5
1958 2,6
1966 3,1
1971 5,2
1985 24,0
1995 38,0
1998 31,5


Beschäftigte
Jahr Anzahl
1954 162
1955 159
1956 162
1957 160
1959 156
1966 169
1967 225
1971 203
1973 235
1980 270
1984 246
1995 234
1997 174
1998 168

Auflage und Verbreitungsgebiet

Eine Zeitungsleserin der "Neuen Presse". Werbefoto der Neuen Presse aus den 1950er Jahren. (Neue Presse Coburg)
Verkaufte Auflage, 4. Quartal
Jahr Auflage
1950 28.213
1960 21.925
1970 25.612
1980 28.020
1990 32.730
2000 30.672
2010 26.139
2017 20.743

Anmerkung: für 1950 Monat Februar. Zahlen ab 2014 inkl. elektronischer Ausgabe.

Die Startauflage betrug 60.000. Die weitere Auflage lag bei 45.000 bis 60.000. Schon 1950 war der Jahresdurchschnitt nur mehr bei 32.000. Die Zeitung erschien zuerst wegen der allgemeinen Papierknappheit nur zweimal, dann dreimal pro Woche. Erst ab 20. Oktober 1952 wurde die "Neue Presse" eine täglich erscheinende Zeitung.

Das Verbreitungsgebiet der "Neuen Presse" umfasste 1946 den Stadt- und Landkreis Coburg sowie die Landkreise Lichtenfels und Kronach. Eine feste eigene Geschäftsstelle der "Neuen Presse" in Coburg wurde erst 1955 eingerichtet, während in Neustadt an der Waldnaab und in Kronach schon 1948 eine bestand. In Lichtenfels wurde 1949 eine eigene Geschäftsstelle eröffnet, 1963 in Ebern (Lkr. Haßberge) und 1982 in Seßlach (Lkr. Coburg).

Konkurrenz des "Coburger Tageblatts"

Die Familie Colbatzky hatte bis 1940 das "Coburger Tageblatt" besessen. Es war dann mit der nationalsozialistischen "Nationalzeitung" zusammengelegt und 1942 auch als Titel gelöscht worden. Noch während der Zeit, als die "Neue Presse" die Monopolstellung hatte, beanspruchte die Witwe des früheren Verlegers Friedrich Colbatzky vergeblich die Verlagsräume, die der "Neuen Presse" unter dem Druck der amerikanischen Militärregierung pachtweise überlassen worden waren. Den Konflikt darüber bezeichnete ein Beitrag in der Nummer zum 50-jährigen Jubiläum der Zeitung als "Coburger Zeitungskrieg". 1949 konnte Paula Colbatzky dann aber einen Neuanfang mit der Wiedergründung des "Coburger Tageblatts" machen, das am 1. Oktober 1949 startete. Die Konkurrenz wirkte sich zum Nachteil der "Neuen Presse" aus, deren Auflage um fast 30 % sank. Bis 1951 galt noch der Zwangspachtvertrag, doch war in das Gebäude inzwischen auch das "Coburger Tageblatt" eingezogen, was zu ständigen Spannungen führte.

Eine Konkurrenzsituation besteht bis heute, wobei das "Coburger Tageblatt" inzwischen zum regionalen Komplex der "Mediengruppe Oberfranken GmbH & Co KG" mit dem "Fränkischen Tag" in Bamberg gehört. Pläne einer Zusammenlegung der "Neuen Presse" und des "Coburger Tageblatts" wurden 1993 nach einer Abmahnung des Bundeskartellamts nicht realisiert.

Verlagsgebäude und Druckerei

Linotype Bleisetzmaschine in der Druckerei der "Neuen Presse". Ende des 19. Jahrhunderts gelang es, das mühsame manuelle Setzen der Bleilettern zu mechanisieren. Die hier gezeigte Bleisetzmaschine vom Typ Linotype geht auf den aus Hachtel bei Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) in die USA emigrierten Ottmar Mergentheimer (1854-1899) zurück. (Neue Presse Coburg)
Die erste Zeitungs-Rotations-Druckmaschine der "Neuen Presse". (Neue Presse Coburg)

Ende 1953 wurde dem Verlag der "Neuen Presse" der Miet- und Pachtvertrag für die Räume und Maschinen in der Mohrenstraße in Coburg gekündigt. Nach einer längeren Übergangszeit konnte der Verlag zum Jahreswechsel 1965/66 die angemieteten Räume in der Uferstraße verlassen und ein eigenes Verlagshaus mit Druckereibetrieb in der Friedrich-Rückert-Straße beziehen. 1979 kam das Ende des Bleisatzes zugunsten moderner Computertechnik. Seit November 1995 wird die "Neue Presse" zusammen mit dem "Freien Wort" in dem 1993 eröffneten modernen Druckzentrum des "Süddeutschen Verlags" in Suhl gedruckt.

Programmatik und Politik

In der ersten Nummer vom 25. Januar 1946 stellten Redaktion und Verlag die von ihnen verfolgte Programmatik unter der Überschrift vor: "Wir sind nicht Organ einer Partei, aber wir ergreifen Partei – und wie!" (Neue Presse, 25.1.1946). Die öde Gleichförmigkeit der uniformierten Zeitung sei vorbei. Doch seien zwölf Jahre Presselüge und Presseterror nicht spurlos vorbeigegangen. Die erste Verpflichtung bestehe darin, "das Vertrauen zu einer anständigen und ehrlichen Presse wieder zu erobern." Die zweite Verpflichtung sollte die Überparteilichkeit sein. Jede der lizenzierten Parteien sollte in der Zeitung zu Wort kommen. Doch wollte sie, was sie als dritte Verpflichtung ansah, durchaus konkret Stellung beziehen. Sie wollte sich gegen alles Gestrige richten und allen Anfängen widerstehen. Dolchstoßlegenden, Rassenhochmut, Militarismus und Imperialismus sollte ebenso wie Profitjägern der Kampf angesagt werden. Maslowskis Kommentare waren scharf und rechneten schonungslos mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ab. So reagierte er etwa heftig auf einen Gastkommentar von Oberbürgermeister Dr. Walter Langer (FDP, 1892–1977, Oberbürgermeister von Coburg 1948-1970) im Frühjahr 1949, in dem dieser den ehemaligen NSDAP-Politiker Franz Schwede (NSDAP, 1888–1960, Oberbürgermeister von Coburg 1931-1934, Gauleiter von Pommern 1934-1945) rechtfertigte. Langer war Anwalt in vielen Entnazifizierungsverfahren und stellte die Überparteilichkeit Maslowskis infrage. Nicht bei allen Lesern kam Maslowskis Kurs gut an. Das Distanzverhältnis zwischen ihm und Langer war aber nicht von Dauer, auch wenn Maslowski nach wie vor sozialistische Vorstellungen vertrat. Er kritisierte z. B., dass der Großgrundbesitz nicht zerschlagen und verteilt worden war. Auch den im Kalten Krieg üblichen bedingungslosen Antikommunismus wollte er nicht übernehmen.

Zur späteren politischen Linie der "Neuen Presse" fehlen Untersuchungen. Bei der Berichterstattung steht das Lokale im Vordergrund.

Literatur

  • 40 Jahre Neue Presse, NP-Jubiläums-Beilage vom 24.01.1986.
  • 50 Jahre Neue Presse, Beilage vom 25.01.1996.
  • 65 Jahre Neue Presse Beilage vom 25.01.2011.
  • Hans Kapfinger, Die neue bayerische Presse, München 1948.
  • Kurt Koszyk, Publizistik und Medien, in: Max Spindler/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der bayerischen Geschichte. Band IV/2, München 2. Auflage 2007, 495-535.
  • Patricia Schmidt-Fischbach, Die Neue Presse, in: Hans Wagner/Ursula E. Koch/Patricia Schmidt-Fischbach (Hg.), Enzyklopädie der bayerischen Tagespresse, München 1990, 365-377.
  • Alfred Sauerteig, Coburger Zeitungsgeschichte, Coburg 1949.

Quellen

Auflagenzahlen sämtlich nach:

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Paul Hoser, Neue Presse, publiziert am 13.11.2019; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Neue_Presse> (10.12.2019)





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