
Die Haslang waren eine altbayerische Adelsfamilie, die vom 13. bis ins 19. Jahrhundert blühte und zu den einflussreichsten Adelsgeschlechtern Bayerns gezählt wird. Als Stammsitze dienten den Haslang die Hofmarken Haslangkreit und Hohenkammer. Ursprünglich ein Turniergeschlecht, erreichten viele Familienmitglieder ab dem 14. Jahrhundert höherrangige Positionen sowohl in der landschaftlichen als auch in der herzoglichen Verwaltung. Ende des 16. Jahrhunderts spaltete sich die Familie in zwei Linien auf. Im 17. und 18. Jahrhundert traten Vertreter der Linie zu Hohenkammer verstärkt als kurfürstliche Gesandte auf. Mit dem Tod des Sigmund Franz von Haslang (1737-1804) erlosch das Geschlecht der Haslang in männlicher Linie.
Herkunft und Abstammung
In der älteren Forschung wird der erste Stammsitz der Haslang zumeist mit einem Ort namens "Hasslangen" zwischen Schrobenhausen und Altomünster oder mit Rottenbuch an der Ammer angegeben. Mittlerweile wird eine Herkunft aus der Nähe des Seehamer Sees bei Niederhasling als wahrscheinlich angesehen. Zwar findet sich der Name Haslang laut Wiguleus Hunds (1514-1588) "Bayrisch Stammen-Buch" bereits im 10. Jahrhundert, jedoch ist anzumerken, dass Hund sich dabei auf das teilweise fiktionale Werk Turnierbuch von Georg Rüxner stützte und diese Anmerkung deshalb als falsch gilt. 1272 findet sich der erste gesicherte Nachweis eines Haslang: in einem Streit zwischen dem Bischof von Regensburg und Herzog Ludwig II. von Oberbayern (reg. 1255-1294) ist ein Conrad von Haslang als verordneter Obmann verzeichnet. Danach treten Edle von Haslang immer wieder als Zeugen oder Beteiligte bei An- und Verkäufen von Grundbesitz auf. Auch das von Hund angegebene Turnier von Regensburg 1284 und die Teilnahme des Diepold von Haslang sind gesichert.
Wappen
Das Wappen der Haslang war mit dem der Kemnat zu Tandern verwandt und blieb auch bei Standeserhöhungen unverändert. Der Schild ist im Eisenhutschnitt rot und golden gespalten, das Oberwappen ziert auf dem Helm ein hoher, rot-golden gestülpter Hut, dessen Krone mit schwarzen Straußenfedern besteckt ist. Die Decken sind wie die Farben des Schilds in rot und golden gehalten (in einer Variante von 1762 hingegen blau-silbern tingiert).
Herrschaftsmittelpunkte und Besitzungen
In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam das ritterliche Brüderpaar Haimeran und Hildprant von Haslang in den Besitz der Siedlung Gereut bzw. Kreuth im Gericht Aichach. Zwar musste die Veste im Laufe des Jahrhunderts verpfändet werden, konnte aber 1399 von Stephan von Haslang für 400 Gulden wieder ausgelöst werden. Mit der Auslösung von Kreuth fand die Familie einen festen Stammsitz, der ab dem 15. Jahrhundert aufgrund seiner Besitzer im Volksmund allmählich Haslangkreit genannt wurde. Im Jahre 1551 konnte Georg (II.) von Haslang (gest. 1565) die Hofmark Hohenkammer vom Pfaffenhofener Pfleger Christoph von Kamer erwerben. Das Schloss wurde zum zweiten Stammsitz und blieb wie Haslangkreit bis zum Aussterben der Haslang in Familienbesitz.
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Schloss Haslangkreit, Stich von Michael Wening (1645-1718), ca. 1696-1701. (Bayerische Vermessungsverwaltung, lizenziert durch CC BY-ND 4.0 via bavarikon )
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Schloss Hohenkammer, Stich von Michael Wening (1645-1718), ca. 1696-1701. (Bayerische Vermessungsverwaltung lizenziert durch CC BY-ND 4.0 via bavarikon)
Weiterer, zumindest zwischenzeitlicher, Familienbesitz konzentrierte sich ebenfalls im Aichacher Land um Haslangkreit (Affing, Großhausen, Radersdorf, Stockensau und Winden) und in Oberbayern (Brannenburg, Falkenstein, Giebing, Hilgertshausen, Pförring, Schönberg und Zangberg). Vereinzelte Besitzungen sind auch in Niederbayern (Neuhaus am Inn und Aholming), Kufstein (Veste Thierberg) und der Oberpfalz (Ried bei Kötzting) nachgewiesen.
Ab Ende des 16. Jahrhunderts ist eine verstärkte Zuwendung nach München zu erkennen. 1613 erwarb Alexander von Haslang (ca. 1565-1620) ein Haus in der Kreuzstraße, welches schließlich von 1659 an in Besitz der Linie Hohenkammer verblieb. 1777 wurde das Haus verkauft und durch ein anderes in der Kreuzstraße ersetzt. Im 18. Jahrhundert fiel der Grundbesitz der Maria Ernestina von Wartenberg (1709-1763) an ihren Sohn Sigmund Franz von Haslang (1740-1803). So gelangte der letzte männliche Vertreter des Geschlechts an die Hofmark Tüßling sowie verschiedene Besitzungen im Innviertel im Gericht Mauerkirchen (Aspach, Leuthen, Pirat, Roßbach, Schacha, Ursprung und Waasen). Nach dem Aussterben der Haslang fiel ein Großteil des Erbes an die Familie Preysing, mit der seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgiebige Heiratsverbindungen bestanden hatten.
Grablegen und Stiftungen
Mit Rudolph (II.) von Haslang begann die enge Beziehung seiner Familie zum Münchner Franziskanerkloster. Nach einem für die Anlage verheerenden Brand 1327 stiftete er zusammen mit seiner Frau Adelheid von Küllental noch im selben Jahr dem Kloster eine Kapelle. Fortan traten viele Haslang oder ihre Ehepartner immer wieder als Stifter von Jahrtagen auf und wurden oftmals dort zur Ruhe gebettet. Zahlreiche Gedenktafeln, Grabplatten, -tafeln und -steine zeugen von der Verbindung der Familie mit dem (seit 1392) St. Antonius von Padua (1195-1231) gewidmeten Kloster. Als weitere Grablege für das Geschlecht der Haslang diente ab dem 15. Jahrhundert die Filialkirche St. Laurentius und Stephanus zu Paar bei Haslangkreit. Nach Erwerbung der Hofmark Hohenkammer wurden viele Familienmitglieder der gleichnamigen Linie in der dortigen Pfarrkirche St. Johannes Evangelist beigesetzt, zuletzt auch in der Wallfahrtskirche Heiligenstatt (bei Tüßling). Stiftungen der Haslang sind u.a. für die Pfarrkirche Ebbs (Bezirk Kufstein), das Karmelitenkloster Abensberg, das Kloster Raitenhaslach sowie die Pfarrkirche St. Emmeram zu Waidhaus belegt.
Aufstieg und Werdegang: Weltliche und Hofämter, Landstandschaft und Standeserhöhungen
Anfang des 14. Jahrhunderts begannen die Haslang erstmals in höhere Ämter der bayerischen Verwaltung aufzusteigen, so diente Rudolph (II.) von Haslang um 1309 als Vitztum für die Herzöge von Oberbayern Rudolf I. (reg. 1294-1317) und Ludwig IV. (reg. 1294-1347, ab 1314 als röm.-dt. König, ab 1328 als Kaiser). Er stand in der Gunst seiner Landesherren, denn er wurde von ihnen mit Gütern und Lehensbesitz versehen. Nach der zweiten bayerischen Landesteilung 1349/1353 wurde der alte und neue Zoll von Wolfratshausen an Stephan von Haslang verpfändet, der auch als Pfleger dem dortigen Gericht vorstand. Aus diesem wertvollen Pfand bezogen die Haslang Abgaben aus einer wichtigen Handelsroute von Norditalien nach Mitteldeutschland. Unter Stephan wurde der Familie 1403 auch die Landstandschaft in Oberbayern verliehen, welche man schon seit 1331 für Niederbayern besaß.
Ab dem 14. Jahrhundert amtierten die Haslang des Öfteren als Pfleger und Landrichter in verschiedenen Regionen, so etwa zu Aichach, Arnsberg, Brannenburg, Kraiburg, Moosburg an der Isar, Neustadt an der Donau, Rain, Reichenhall und Vilsheim. Insbesondere die Pfleger- und Landrichterstellen Abensberg (ab 1552 in Personalunion mit dem Gericht Altmannstein), Pfaffenhofen und Kling wurden zeitweilig zu einer Erbpflege der Familie.
1593 wurde Rudolph (IV.) von Haslang (ca. 1525-1593) von Kaiser Rudolf II. (1552-1612) von Prag aus in den erblichen Reichsfreiherrnstand erhoben. 1637 wurde Georg Rudolph von Haslang zu Haslangkreit (1619-ca. 1684) von Kaiser Ferdinand III. zum Reichsgrafen ernannt, eine steuerfreie Anfertigung des Grafendiploms wurde vom Mainzer Erzbischof angekündigt, letztlich wohl aber nicht offiziell vorgenommen. Die genauen Umstände verloren sich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und die Haslang selbst scheinen die Titelerhöhung ebenfalls nicht verwendet zu haben. Im 18. Jahrhundert sollte sie dann doch erfolgen, als Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern (1727-1777) als Reichsvikar 1745 die Erhebung des Joseph Xaver von Haslang (1700-1783) in den erblichen Reichsgrafenstand vornahm. Bereits 1618 war der Familie das erbliche Hofamt als Erbobersthofmeister in Ober- und Niederbayern übertragen worden. Ab 1729 war stets mindestens ein Haslang als Komtur des im gleichen Jahr gegründeten bayerischen Hausritterordens vom Heiligen Georg ausgezeichnet.
Linienbildung
Nach dem Tod Rudolphs (IV.) von Haslang 1593 spaltete sich die Familie in zwei Linien auf, die von seinen beiden Söhnen Alexander und Heinrich (III.) von Haslang (1568-1606) begründet wurden. Mit Alexander begann die Linie Haslang zu Haslangkreit (und Großhausen), nachdem er von seinem Vater diese Hofmark geerbt hatte. Die Mitglieder dieses Familienzweigs taten sich in erster Linie durch ihren Militärdienst im Dreißigjährigen Krieg hervor. Da sie aber nur geringe Einnahmen aus dem Staatsdienst vorzuweisen hatten und einige Besitzungen durch den Krieg zerstört wurden, häuften die Haslang zu Haslangkreit im Laufe des 17. Jahrhunderts immer mehr Schulden an. Der Großteil des Grundbesitzes musste daher verkauft oder vergantet werden, bis am Ende nur mehr die geschlossene Hofmark Haslangkreit und Großhausen in ihrem Besitz verblieb. Der letzte Vertreter war der kinderlose Johann Niclas von Haslang (gest. 1704), seit 1676 Pfleger von Abensberg, wo er 1686 den Grundstein für den barocken Neubau des dortigen Karmelitenklosters legte.
Heinrich (III.) von Haslang begründete die nach seinem väterlichen Erbe benannte Linie zu Hohenkammer. Diese konnte aufgrund der Tätigkeit vieler Familienmitglieder im Staatsdienst und der erworbenen Gunst des bayerischen Landesherrn dem finanziellen Schicksal der Linie zu Haslangkreit entgehen. Heinrich selbst fungierte als Hofratspräsident und besoldeter Kämmerer, während sein Sohn Georg Christoph von Haslang (1602-1684) eine noch bedeutendere Karriere in bayerischen Diensten erreichte. Dessen Gehalt aus verschiedenen Posten und großzügige Kredite des Kurfürsten erlaubten ihm den durch feindliche Truppenzüge zerstörten Besitz (darunter Schloss Hohenkammer) wiederaufzubauen. Im Versuch diesen Grundbesitz seiner Linie zusammenzuhalten, setzte Georg Christoph in seinem Testament von 1681 einen seiner fünf noch lebenden Söhne, Johann Rudolph von Haslang (1649-1686), per Fideikommiss zum Universalerben ein. Als Absicherung verfügte er zudem für den absehbaren Fall einer männlichen Kinderlosigkeit seines Universalerben, dass das Fideikommiss auf seinen einzigen Enkel, Ferdinand Johann Joseph von Haslang (1667-1703), übergehen sollte.
Die zwei Familienzweige existierten bis 1704, als die Linie zu Haslangkreit im Mannesstamm erlosch und deren verbliebene Besitztümer aufgrund eines kurz zuvor geschlossenen Erbvergleichs zwischen Johann Niclas und Ferdinand Johann Joseph an die Linie zu Hohenkammer fielen. Die beiden letzten männlichen Mitglieder der Familie, Joseph Xaver und sein Sohn Sigmund Franz, dienten als ständige Gesandte Bayerns am britischen Königshof. Mit dem Tod des unverheirateten und kinderlosen Sigmund Franz 1804 starben schließlich auch die Haslang von Hohenkammer im Mannesstamm aus.
Bedeutende Vertreter
Alexander Freiherr von Haslang zu Haslangkreit (ca. 1565-1620)

Alexander von Haslang war der Sohn von Rudolph (IV.) von Haslang und Agnes, geb. von Wildenstein. Er entschied sich schon früh für eine militärische Karriere und zog im Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) mit dem spanischen Heer gegen die Niederländer. Seine militärischen Auszeichnungen im Spanisch-Niederländischen Krieg ließen Herzog Maximilian I. von Bayern (reg. 1597-1651, ab 1623 als Kurfürst) auf Alexander aufmerksam werden, der ihn schließlich zu einem seiner wichtigsten Militärführer machte. So war Alexander an allen kriegerischen Unternehmungen Maximilians in führender Position beteiligt. 1607 führte er, zum Oberst befördert, auf Befehl Maximilians die Exekution der Reichsacht gegen die Stadt Donauwörth aus. Auch die Auseinandersetzung Bayerns mit dem Erzbistum Salzburg 1611 konnte Alexander erfolgreich beenden: Gemeinsam mit Johann T´Serclaes von Tilly (1559-1632) zwangen seine Truppen Salzburg zur Aufgabe, einem seiner Kommandeure gelang die letztlich entscheidende Gefangennahme des flüchtigen Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau (1559-1617). Während des Aufbaus der Katholischen Liga wurde er mit weiteren Aufgaben betraut, so war er von Maximilian 1616 zum Direktor des Landesdefensionswesens berufen worden. Als Maximilian 1620 mit dem Kaiser gegen Böhmen zog, war Alexander ein großes Kontingent der bayerischen Truppen als Vorhut zugeteilt. Anfang Oktober wurde er noch in der Nähe des bayerischen Lagers von ungarischen Reitern gefangen genommen. Maximilians Versuch, ihn beim "Winterkönig" Friedrich V. (reg. 1610-1623 als Kurfürst von der Pfalz, 1619/20 König von Böhmen) auszulösen, scheiterte. Alexander, starb am 3. November im feindlichen Lager bei Rakonitz. Ihm zu Ehren wurde eines der drei im 19. Jahrhundert erbauten Vorwerke der Festung Ingolstadt benannt (heute Fort Haslang Park).
Georg Christoph Freiherr von Haslang zu Hohenkammer (1602-1684)

Georg Christoph von Haslang war der Sohn von Heinrich (III.) von Haslang und Barbara, geb. von Closen. Von seinem Vater erhielt er Hohenkammer als Erbe, während die Hofmark Giebing von ihm und seinem Bruder Franz (bis zu dessen Tod 1630) gleichermaßen genutzt wurde. 1621 wurde er als Truchsess und Hofrat am Hofe eingeführt. Ab 1632 nahm er als Offizier einer Reiterkompanie am Dreißigjährigen Krieg teil und war in seiner kurzen Zeit beim Militär an der Belagerung von Nürnberg beteiligt. 1635 wurde er von Herzog Maximilian zum Kämmerer ernannt, erhielt die Pflege Pfaffenhofen (1639-1662) und 1643 den Posten als Hofmarschall. Wie sein Vater Heinrich führte Georg Christoph immer wieder kleinere gesandtschaftliche Missionen für den Herzog aus, so etwa beim Reichstag in Regensburg 1641/42. Zum Geheimen Rat ernannt, wurde er 1645 von Maximilian als Primargesandter (Verhandlungsführer) der bayerischen Delegation zu den Westfälischen Friedensverhandlungen entsandt. Er wurde jedoch noch vor Unterzeichnung der Friedensverträge im Juni 1648 aus Münster abberufen, um die Autorität Maximilians in der zurückweichenden kaiserlich-bayerischen Armee durchzusetzen. Ein letztes Mal als kurfürstlicher Gesandter tritt er 1653 bei der Königswahl von Ferdinand IV. (1633-1654) in Augsburg auf. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er zudem zum Oberstkämmerer und Direktor des Geheimen Rats ernannt, und erhielt die Pflege Friedberg (1662-1679). Mit seinem Testament von 1681, das die Gründung eines Fideikommisses verfügte, legte er die Grundlage für einen letztlich die Güter beider Familienzweige umfassenden Erbvergleich.
Joseph Xaver Graf von Haslang (1700-1783)


Joseph (Franz) Xaver von Haslang wurde am 20. Oktober 1700 als Sohn von Ferdinand Johann Joseph von Haslang (1667-1703) und Amalia Eleonora, geb. von Welz (1668-1719) in München geboren. Nachdem sein Vater mit dem letzten Vertreter der Linie Haslangkreit einen Erbvergleich für den gesamten Besitz der Familie erreicht hatte, wurde Joseph Xaver nach dessen Tod noch im Kindesalter Alleinerbe der Familiengüter. Seine Vormundschaft übernahm ab 1707 der zweite Ehemann seiner Mutter, Johann Max III. von Preysing (1655-1739).
Nach seiner Einführung bei Hofe als Kämmerer 1719 trat er zunächst als Oberststallmeister in den Dienst des Bischofs von Regensburg und Freising, Herzog Johann Theodor von Bayern (1703-1763). Für diesen führte er erste kleinere Gesandtschaften aus, bevor ihn dessen Bruder, Kurfürst Karl Albrecht (reg. 1726-1745, ab 1742 als Kaiser), im Jahre 1741 als bayerischen Gesandten nach London schickte. Dort ersuchte er vergeblich um das Wohlwollen Großbritanniens gegenüber seinem 1742 zum Kaiser gekrönten Landesherrn. Nach dessen Tod und Bayerns Ausscheiden aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg bemühte er sich um eine Annäherung Bayerns an Großbritannien. 1750 handelte er dafür den zweiten Subsidienvertrag mit den Seemächten aus und konnte somit erfolgreich seinen Posten gegen Auflösungsbestrebungen in München verteidigen. 1746 hatte er mit kurfürstlicher Zustimmung die portugiesische Gesandtschaftskapelle in der Warwick Street übernommen, die über einen Hinterausgang mit der Gesandtschaftsresidenz Haslangs am Golden Square verbunden war. Die Kapelle diente im London zur Zeit der anti-katholischen Penal Laws als Anlaufstelle für die städtischen Katholiken, insbesondere aus der Aristokratie, und wurde als solche während der Gordon Riots von 1780 teilweise zerstört. Später wurde sie im klassizistischen Stil wieder aufgebaut und als Royal Bavarian Chapel bekannt. Am 28. Mai 1783 starb Joseph Xaver in seinem Haus in London.
In seiner Abwesenheit kümmerten sich zunächst seine Schwester Maria Bennonia, verh. Gräfin von Hörwarth (1702-1750), und anschließend sein Stiefbruder, der einflussreiche Konferenzminister Johann Max IV. von Preysing (1689-1764), um die gutsherrschaftlichen und familiären Angelegenheiten in Bayern. Joseph Xaver von Haslang schloss zweimal die Ehe, 1725 mit Maria Theresia Gräfin von Martinitz (gest. 1726) und 1731 mit Maria Ernestina Gräfin von Wartenberg, verwitw. Gräfin von Kuenburg (1709-1763). Aus der zweiten Ehe entsprangen zwei Töchter (Johanna Baptista [1732-1819] und Maria Bennonia [1739-1812]) und der Sohn Sigmund Franz.
Quellenlage
Es existiert kein Familienarchiv der Haslang. Wesentliche Quellenbestände sind vor allem im Staatsarchiv München und im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu finden. So werden im Staatsarchiv München wichtige Aufzeichnungen (Urkunden, Testamente und Dispositionen, Schuldobligationen, Vergleiche, Supplikationen, Vormundschaften, Kommissionsprotokolle, Stammbaum, Inventare) zu den Besitzungen der Haslang und ihrem Werdegang bis zum 18. Jahrhundert in den Beständen Hofmark Haslangkreit, Hofmark Hohenkammer, Hohenaschauer Archiv und Törring-Jettenbach aufbewahrt. Das Hauptstaatsarchiv verfügt vor allem über Archivalien einzelner Familienmitglieder während ihrer Zeit im bayerischen Staatsdienst. Hervorzuheben sind hierbei die Bestände Personenselekt Haslang Cart., Kasten schwarz und Gesandtschaft London. Die Hofanlagsbücher der Hofmarken der Haslang finden sich in der Hofanlagsbuchhaltung der kurfürstlichen Hofkammer.
Literatur
- Gertrud Diepolder, Das Landgericht Aichach (Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 2), München 1950.
- Pankraz Fried, Die Landgerichte Dachau und Kranzberg (Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 11/12), München 1958.
- Gabriele Greindl, Die Ämterverteilung in der bayerischen Landschaft von 1508 bis 1593, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 51 (1988), 101-196.
- Gerhard Immler, Kurfürst Maximilian I. und der Westfälische Friedenskongreß. Die bayerische auswärtige Politik von 1644 bis zum Ulmer Frieden (Schriftenreihe der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte 20), Münster 1992.
- Margit Ksoll, Die wirtschaftlichen Verhältnisse des bayerischen Adels 1600-1679. Dargestellt an den Familien Törring-Jettenbach, Törring zum Stain sowie Haslang zu Haslangkreit und Haslang zu Hohenkammer (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 83), München 1986.
- Emma Mages, Abensberg (Historischer Atlas von Bayern. Teil Altbayern, Heft 67), München 2015.
- Helmut Rischert, Das Schloss Haslangkreit und die Herren, Freiherren und Grafen von Haslang, in: Altbayern in Schwaben (2017), 23-83.
- Rudolph Roßgotterer, Adelsgeschlechter in Tüßling: Die Grafen von Haslang, in: Oettinger Land 32 (2012), 28-54.
- Rudolph Roßgotterer, Der Tüßlinger Schlossherr Graf Haslang, ein bayerischer Diplomat und Reformer der Aufklärung und beginnenden industriellen Revolution. Ein Beitrag zu seinem 200. Todestag, in: Oettinger Land 24 (2004), 58-87.
- Rudolph Roßgotterer, Die zerstörten ehemaligen Grabdenkmäler Toerring und Haslang in der Wallfahrtskirche Heiligenstatt, Markt Tüßling, in: Oettinger Land 23 (2003), 100-116.
Quellen
Ungedruckte Quellen
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
- Gesandtschaft London
- Heroldenamt Bände 11, 16 und 18
- Kasten schwarz
- Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Akten
- Personenselekt Haslang Cart. 125-126
Staatsarchiv München
- Hofmark Haslangkreit
- Hohenaschauer Archiv
- Hofmark Hohenkammer
- Toerring-Jettenbach (insbesondere Q1-Q7)
Gedruckte Quellen
- Wiguleus Hund, Bayrisch Stammen-Buch, 2: Von den Fürsten, Graven, Herren, auch andern alten adelichen bayrischen Geschlechten so die Thurnier besuchet und under dieselben gerechnet worden noch der Zeit im Leben (...), Ingolstadt 1586, 121-126 (Bayerische Staatsbibliothek, Hbh/2 Ce 20-1/2).
- Johann Michael Wilhelm von Prey, Sammlung zur Genealogie des bayrischen Adels, in alphabetischer Ordnung, Bd. 13, Freising 1740, f. 279-323 (Bayerische Staatsbiblithek, Cgm 2290, 13).
Weiterführende Recherche
Empfohlene Zitierweise
Benedikt Wallner, Haslang, Freiherren von, publiziert am 09.03.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Haslang,_Adelsfamilie> (9.03.2026)