Löwenbräu (München) (19.-21. Jahrhundert)

Metallplakat, um 1900. (Bayerisches Wirtschaftsarchiv)
Georg Brey (1784-1854) erwarb die Löwenbrauerei 1818 und machte sie bis 1849 zur größten Braustätte Münchens. (Fotoreproduktion eines Gemäldes, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 7509)
Medaillenauszeichnung der Löwenbrauerei auf der Weltausstellung in Chicago 1893. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9862)
Arbeiter beim Bierumfüllen in einem Lagerkeller der Löwenbrauerei, 1900. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9620)
Bruchsicher in Strohhülsen und Holzkisten – Verpacken von Flaschenbier für den Export in der Löwenbrauerei, 1903. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9630)
Spezialausschank der Löwenbrauerei in Strassburg, um 1910. (Bildpostkarte, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 8116)
Flaschenetikett für Löwenbräu-Bock, um 1910. (Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9887)
Foto des Festsaals des Mathäserbräus in München von 1911. Abb. aus: Georg Jakob Wolf, Ingenieur J. Heilmann und das Baugeschäft Heilmann und Littmann. Ein Rückblick auf vierzig Jahre Arbeit, München 1911, 19. (Bayerische Staatsbibliothek, 2 Bavar. 1602 z)
"Kein Erdteil ohne Münchner Löwenbräu", 1923. (Werbeannonce, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9336)
Betriebsanlagen der Löwenbrauerei, 1923. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9638)
Flaschenetikett für Löwenbräu-Export, um 1924. (Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9887)
Gäste im Löwenbräukeller, um 1925. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 7971)
Münchner Löwenbräu als Weihnachtsbescherung, um 1928. (Werbeblatt für Geschenkekistchen, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9517)

von Richard Winkler

Das Sudhaus mit Brautradition seit 1524 entwickelte sich seit 1818 unter Georg Brey (1784-1854) zum größten und modernsten Braubetrieb in München. Bis Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Aktienbrauerei (seit 1872) zu einer der profitabelsten deutschen Brauereien auf. Auch im Exportgeschäft nahm Löwenbräu um die Jahrhundertwende wie auch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland eine führende Stellung ein. Konnte sich Löwenbräu von den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs während der Weimarer Republik gut erholen, fiel es dem Sudhaus nach der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs schwer, an seine vormaligen Erfolge anzuknüpfen. Durch verschärfte Konkurrenz und Managementfehler geriet Löwenbräu seit den 1980er Jahren in eine schwere Krise. 1997 erfolgte die Übernahme durch die Münchner Spatenbrauerei, 2003 durch die belgische Interbrew.

1524 statt 1383

Die Brautradition der Münchner Löwenbrauerei reicht bis 1524 zurück. In diesem Jahr begann mit dem Braumeister Jörg Schnaitter in dem Haus mit der späteren Nummerierung "Löwengrube Nr. 17", von dem sich der Name Löwenbräu ableitet, ein in der Folge ununterbrochener Sudbetrieb. Das seit 1913 kolportierte Gründungsjahr 1383 ist unzutreffend. Über drei Jahrhunderte bewegte sich die Brauerei im Mittelfeld der Münchner Betriebe. 1817 lag der Ausstoß bei 4.600 hl. Damit rangierte sie unter den 63 in München ansässigen Brauereien an 37. Stelle.

Unter Georg und Ludwig Brey an die Spitze

1818 erwarb Georg Brey (1784-1854) für 44.500 Gulden die Braustätte. Durch eine schrittweise Verlagerung des Sudbetriebs 1827/51 aus der räumlich beengten Löwengrube in neue Produktionsanlagen an der Nymphenburger Straße, den Bau von neuartigen Eiskellern sowie den Erwerb der Braugerechtsame des Münchner Filserbräu 1843 trieb er die Expansion voran. Im Sudjahr 1849/50 setzte er sich mit einem Ausstoß von 45.000 hl an die Spitze der Münchner Brauer.

Sein Sohn Ludwig Brey (1821-1897), der 1851 die Betriebsleitung übernahm, vergrößerte den Vorsprung weiter. Er profitierte von einer ersten Konzentrationswelle, wodurch die Zahl der Sudstätten in München bis 1863 vorübergehend auf 18 schrumpfte. In diesem Jahr erwarb er Anwesen und Braurecht des Lodererbräu. Bis 1865 steigerte er die Jahresproduktion auf 278.000 hl, wovon bereits knapp ein Zehntel an Abnehmer außerhalb Bayerns ging. Brey beschäftigte in der auf einen Wert von 3,3 Mio. Gulden geschätzten Löwenbrauerei 230 Arbeiter und kontrollierte fast ein Viertel der gesamten Münchner Bierproduktion. Der Betrieb galt als ausstoßstärkste und modernste Bierfabrik für untergäriges Lagerbier auf dem Kontinent.

Ludwig Brey entfaltete internationale Aktivitäten und beteiligte sich maßgeblich an der Gründung der Mainzer Aktienbrauerei (1861), der "Grande Brasserie Franco-Allemande" in Paris und der "Russisch-Bayerischen Bierbrauerei-Gesellschaft Bavaria" in St. Petersburg (1863).

Krise

Ab 1866 geriet das Unternehmen in eine schwere Qualitätskrise, deren Ursachen im Dunkeln liegen. Der Absatz brach zeitweilig um über zwei Fünftel ein, und die Spatenbrauerei übernahm die führende Position. 1872 verkaufte Ludwig Brey das angeschlagene Sudhaus für 2,1 Mio. Gulden an die neugegründete "Aktiengesellschaft zum Löwenbräu", die erste Aktienbrauerei Münchens und mit einem anfänglichen Grundkapital von 4,2 Mio. Mark zugleich das kapitalkräftigste Brauereiunternehmen Bayerns. Zu den Gründeraktionären zählten die jüdischen Bankhäuser Guggenheimer in München und Kohn in Nürnberg. Die krisenhafte Stagnation hielt dennoch bis Mitte der 1880er Jahre an.

Expansion

1885 setzte ein Wachstumssprung ein. Bis 1894 stieg der Jahresausstoß um das Anderthalbfache auf 528.000 hl. Die Löwenbrauerei überholte in diesem Jahr nicht nur die bislang in Bayern führende Münchner Spatenbrauerei, sondern behauptete bis 1898 ihre Stellung als nun größte Brauerei des Deutschen Reiches. Ab der Jahrhundertwende war sie – nach den beiden, durch Fusionen stark gewachsenen, Berliner Bierfabriken Schultheiss und Patzenhofer – das drittgrößte deutsche Sudhaus.

Grundlage der Expansion waren die Eröffnung des Löwenbräukellers gleich neben der Braustätte 1883, erhebliche Investitionen in den Vertrieb – namentlich die Einrichtung von Spezialausschänken und umfangreiche Darlehensvergaben an Gastronomiekunden – sowie eine durchgreifende technische Rationalisierung des Braubetriebs, darunter 1885 die Einführung der "künstlichen Kühlung" in den Gär- und Lagerkellern. Die Finanzierung gelang durch eine Verdoppelung des Aktienkapitals. Für den Erfolg zeichnete ein sehr leistungsfähiges Management unter Anton Hertrich (1851-1898, Direktor ab 1888) und Friedrich (von) Mildner (1855-1924, Generaldirektor ab 1899) verantwortlich.

Weltmarke Löwenbräu

Neben dem Regionalmarkt München – er nahm ab 1886 rund 55 % der Produktion auf – bildeten der weitere bayerische Absatzraum mit einer Quote von knapp 10 % sowie der stark gesteigerte Versand in die deutschen Bundesstaaten (25 %) und der Export ins Ausland (10 %) neue Wachstumsfelder.

In den 1880er Jahren wurde Löwenbräu zur Weltmarke. Flaschenbier (rund 5 % der Exportmenge) ging nach Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika, Fassbier in alle europäischen Nachbarstaaten sowie ab 1893 auch in die USA, wo die Marke neben Würzburger Hofbräu zu den deutschen Bestsellern zählte. Vor dem Ersten Weltkrieg kontrollierte die Löwenbrauerei ein Zehntel des deutschen Bierexports.

17 % des im Ausland konsumierten bayerischen Fassbieres und 22 % des aus Bayern ausgeführten Flaschenbieres stammten aus dem Hause Löwenbräu. Mit einem Ausfuhrvolumen von rund 85.000 hl (bei einem Gesamtausstoß von 851.000 hl) stand das küstenferne Münchner Sudhaus 1912 hinter der Bremer Brauerei Beck (100.000 hl) an zweiter Stelle der deutschen Bierexporteure.

Hochprofitable Bierfabrik

Die Löwenbrauerei zählte mit Abstand zu den profitabelsten deutschen Aktienbrauereien. Von 1892 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges erfreute die Kapitalgesellschaft ihre Aktionäre durchgehend über 23 Geschäftsjahre hinweg mit einer – gemessen am Nennwert der Anteilscheine – weit überdurchschnittlichen Dividende von 20 %. Schultheiss in Berlin als größte deutsche Bierfabrik schüttete in diesem Zeitraum maximal 18 %, Paulaner-Salvator in München höchstens 12 % aus.

Der von rund 1.000 Beschäftigten erwirtschaftete Jahresgewinn verdoppelte sich in diesem Zeitraum von 2 auf 4 Mio. Mark. Eine wesentliche Verstärkung auf dem Lokalmarkt München gelang 1907 mit der Fusion der Mathäserbrauerei. Dagegen scheiterte hier 1914 die Übernahme der Paulaner-Salvatorbrauerei.

Kriegswirtschaft und Fusionen

Im Ersten Weltkrieg gingen die Auslandsmärkte verloren. Rohstoffknappheit und Produktionsbeschränkungen halbierten bis 1919 den Jahresausstoß. Aufgrund der Überkapazitäten kam es unter den Münchner Brauereien zu einer Fusionswelle. 1921 fusionierte die Löwenbrauerei mit der Unionsbrauerei Schülein & Co. AG und der Bürgerbräu AG. Die angepeilte Übernahme der Kulmbacher Sandlerbrauerei kam nicht zustande.

Weltmarke ohne Weltmarkt

Durch die Fusionen erreichte der Ausstoß wieder nahezu das Vorkriegsniveau. Unter der Leitung von Hermann Schülein (1884-1970, seit 1921 im Vorstand und ab 1924 Generaldirektor), stieg er 1929 mit über 1.300 Beschäftigten auf 1 Mio. hl. Unterstützt wurde der Aufwärtstrend durch die Produktion von Weißbier (ab 1927) und den Ankauf kleinerer Landbrauereien. Jedoch scheiterte 1928 die Übernahme der Münchner Pschorrbrauerei.

Aufgrund von hohen Zöllen und Devisenbeschränkungen spielte der Export in der Zwischenkriegszeit eine untergeordnete Rolle. Nur mehr 2-4 % der Produktion gingen ins Ausland. Zum bedeutendsten Exportmarkt entwickelten sich nach dem Ende der Prohibition 1933 die USA, wo Löwenbräu zur meistverkauften deutschen Biermarke aufstieg.

In der NS-Zeit

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise halbierte sich der Jahresausstoß. Aufgrund der nationalsozialistischen Marktordnungspolitik, die Brauerei-Großbetriebe benachteiligte, stieg er bis 1939 nur langsam auf 720.000 hl an. Die Dividende stagnierte bei 8 %.

Auf politischen Druck trennten sich die jüdischen Großaktionäre (Familie Schülein, Bankhäuser Kohn und Aufhäuser) von ihrer Beteiligung an der Brauerei. Schon 1933 wurden die fünf jüdischen Mitglieder des Aufsichtsrates zum Rücktritt gezwungen. Hermann Schülein verlor seine Funktion als Generaldirektor, konnte jedoch aufgrund seiner Fachkompetenz weiterhin dem Vorstand angehören. Der zunehmende antisemitische Druck in München bewog ihn dennoch Ende 1935 zur Auswanderung nach New York. Dort trat er 1936 als Managing Director in die Liebmann Brewery ein. Er leitete die amerikanische Großbrauerei bis 1960, blieb der Löwenbrauerei aber zeitlebens eng und unterstützend verbunden.

Karl Arthur Lange (1881-1947, seit 1919 im Vorstand) übernahm nach Schüleins Emigration den Vorsitz im Leitungsgremium. Nur ein Mitglied der operativen Führungsriege gehörte ab 1937 der NSDAP an. Eine 1939 beabsichtigte Verlagerung der beengten Produktionsanlagen an den Stadtrand scheiterte am Ausbruch des Krieges. Im Luftkrieg wurde der umfangreiche Immobilienbesitz – darunter 260 Ausschankstellen, davon 213 in München – erheblich demoliert, die Brauereianlagen 1945 zu 40 % stark beschädigt.

Erschwerter Wiederaufbau und Standortnachteile

Löwenbräu – Der Champagner unter den Bieren, um 1965. (Werbeannonce, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 8902)

Der Wiederaufbau der verbliebenen 215 eigenen Gaststätten (davon 160 in München) und der Produktionsanlagen beanspruchte die Finanzen der Brauerei erheblich. Eine mangelnde Eigenkapitalausstattung engte den Aktionsrahmen zusätzlich ein. Der niedrige Bierpreis in Bayern und der schärfer ausgeprägte Wettbewerb im Freistaat schwächte auf dem Inlandsmarkt die Position gegenüber den erstarkenden norddeutschen Großbrauereien. Erst 1965 überschritt der Ausstoß 1 Mio. hl. In der Rangliste der größten deutschen Sudhäuser belegte die Löwenbrauerei damit nur mehr Platz zehn.

Im außerbayerischen Inland erreichte sie den Vorkriegsabsatz 1969, auf dem Lokalmarkt München – trotz einer erheblichen Bevölkerungszunahme – erst 1978. Am stärksten wuchs das Unternehmen in Bayern außerhalb der Landeshauptstadt. Durch den Ankauf von über 20 aufgelösten Kleinbrauereien erhöhte sich die Quote in diesem Absatzbereich auf ein Drittel. Unter Karl Messner (1892-1957, seit 1929 im Vorstand und ab 1947 Vorsitzender) und Bernhard Bergdolt (1909-1993, seit 1943 im Vorstand und 1962-1976 Vorsitzender) setzte Bayerns größte Brauerei weiterhin auf die Gastronomie als bevorzugten Absatzkanal.

Großplakatwerbung für Löwenbräu in Ohio (USA), um 1970. (Fotografie, Bayerisches Wirtschaftsarchiv F2, 9159)

Boomender Export

Bei der Ausfuhr behauptete die Löwenbrauerei äußerst erfolgreich ihre Position als bayerischer Exportchampion und entfaltete eine nie zuvor erreichte Stärke. 1963 rückte Löwenbräu sogar an die Spitze der deutschen Ausfuhrbrauereien und verdoppelte bis 1970 das Exportvolumen auf 470.000 hl. Davon ging die Hälfte in die USA, wo Löwenbräu ab 1952 zur meistgetrunkenen Importbiermarke wurde.

Marktsättigung und verschärfte Konkurrenz

Der aufgrund gewandelter Konsumgewohnheiten in den 1970er Jahren einsetzende Rückgang des Bierverbrauchs traf die auf den Gastronomieabsatz fixierte Löwenbrauerei, die den Handel als zunehmend wichtigeren Absatzkanal vernachlässigt hatte, schwer. Ab 1972 wurden – verstärkt durch Managementfehler – beim Biergeschäft im Inland nur mehr rote Zahlen geschrieben. Die gleichzeitig erstarkende Konkurrenz in- wie ausländischer Exportbrauereien erschwerte bald auch die Ausfuhr.

Der infolge des Vietnamkriegs schwächelnde Dollar, die Aufwertung der D-Mark und steigende Transportkosten verursachten ab 1970 einen starken Einbruch auf dem nordamerikanischen Markt. Die dort 1977 vollzogene Umstellung auf eine Lizenzproduktion durch die US-Brauerei Miller brachte nicht den erwarteten Ertrag. Das Lizenzvolumen in den USA und weiteren Ländern erreichte 1981 2,6 Mio. hl, brach aber im folgenden Jahrzehnt um zwei Drittel ein.

Realteilung und beherrschender Großaktionär

1982 erwarb der Münchner Bankier und Investor August von Finck jun. (geb. 1930), der bereits 10 % des Löwenbräu-Stammkapitals besaß, die Anteile der drei anderen Großaktionäre (Bayerische Hypotheken und Wechsel-Bank AG, München; Bayerische Vereinsbank AG, München; Wicküler-Küpper Brauerei AG, Wuppertal). Über weitere Zukäufe an der Börse kontrollierte von Finck schließlich 90 % der Anteile. Er vollzog eine Abspaltung eines Großteils des umfangreichen Immobilienbesitzes der Brauerei, die nach der Stadt München als größter Grundeigentümer in der Landeshauptstadt galt.

Durch das Splitting verlor das Sudhaus Vermögenswerte von mindestens 450 Mio. DM. Dies bedeutete einen tiefen Einschnitt, da die Löwenbräu AG auf die Quersubventionierung des defizitären Biergeschäfts durch Lizenzgebühren sowie Pacht- und Mieterträge aus dem Immobilienbesitz angewiesen war. Die Realteilung entzog dem Sudhaus die erforderlichen finanziellen Mittel, um durch Beteiligungserwerb zu wachsen und die dringende Verlagerung der beengten Produktionsanlagen an die Münchner Peripherie zu bewerkstelligen.

Da sich auch keine Perspektive eröffnete, die Marktposition durch die Fusion mit einem Wettbewerber oder die Kooperation mit einem potenten Partner zu stärken, kam das Unternehmen im Biergeschäft nicht aus den roten Zahlen heraus. 1989 belegte die Löwenbräu AG im Ranking der ausstoßstärksten deutschen Brauereien nur mehr Platz 17, in Bayern Platz vier.

Krise und Verlust der Eigenständigkeit

Von 1990 bis 1997 sank der Jahresausstoß von 1,42 auf 1 Mio. hl. Beschleunigt durch riskante Auslandsengagements, eine gescheiterte Expansionsoffensive im Inland und einen ebenso kostspieligen wie verfehlten neuen Markenauftritt (unter anderem Wechsel von der traditionellen Hausfarbe Bayerisch-Blau zu Türkis im Corporate Design) häufte das Unternehmen in dieser Zeit Bilanzverluste von über 100 Mio. DM an. Nach 15 Jahren unter der Ägide des Großaktionärs August von Finck jun., die begleitet waren von Willkür und Chaos in der Führungsspitze – 11 Vorstände waren seit 1982 entlassen worden bzw. verprellt durch Entscheidungen des Aufsichtsrates, der ständig am Management vorbeiregierte, frustriert von Bord gegangen –, stand die Löwenbräu AG mit ihren noch 620 Beschäftigten am Abgrund.

1997 erfolgte die Übernahme des Sudhauses durch die benachbarte Spatenbrauerei. 2003 wurden beide vom belgischen Brauriesen Interbrew geschluckt. Heute ist Löwenbräu eine lokale Marke unter 350 Bierlabels im Portfolio von Anheuser Busch Inbev, dem größten Bierkonzern der Welt, der ein Drittel des globalen Biermarktes kontrolliert.

Von der Löwenbrauerei übernommene Brauereien

Jahr Brauerei Ort hl
1843 Filserbräu München
1863 Lodererbräu München
1889 St. Bennobrauerei München
1889 Johannisbrauerei München 2.500
1894 Gabelsbergerbrauerei München 28.600
1898 Max-Emanuel-Brauerei München 4.000
1907 Aktienbrauerei zum Bayerischen Löwen, vorm. A. Mathäser München 25.000
1907 Bergbräu (Anteil) München 24.000
1917 Brauerei zum Rössl Schongau 4.500
1917 Pernlohnerbräu Rosenheim 35.000
1917 Brauerei Tafelmeier Ingolstadt 4.000
1918 Brauerei Pasing (Anteil) Pasing 8.600
1918 Brauerei Tafelmeier Neustadt a.d.Donau 1.500
1919 Sterneckerbräu (Anteil) München 19.000
1919 Gernerbräu München 32.000
1921 Unionsbrauerei Schülein & Cie. AG München 174.000
1921 Bürgerliches Brauhaus AG München 120.000
1927 Brauerei Hofmann (Weinmiller) Aichach 6.000
1928 Tölzer Aktienbrauerei Bad Tölz 20.000
1929 Gräflich Toerringsche Brauerei Inning Inning am Ammersee 17.000
1931 Brauerei Herzog & Dietrich Eichstätt 4.500
1935 Lenzbräu (Anteil) Gilching 2.500
1939 Wagnerbräu (Anteil) München 35.000
1960 Gesellschaftsbrauerei Augsburg Augsburg 11.000
1967 Brauerei Röckelein Bamberg 5.010
1968 Brauerei Krauss Eggolsheim 1.100
1968 Brauerei Baierl Eichendorf (Ndb.) 4.375
1968 Brauerei Maier Grafentraubach 3.650
1968 Brauerei Albrecht A. Haselbach München 1.000
1968 Schlossbrauerei Hexenagger Hexenagger 4.300
1969 Schlossbrauerei Röthenbach Röthenbach (Gde. Kohlberg, Opf.) 5.200
1969 Gutsbrauerei Großmehring Großmehring 1.850
1970 Bärenbräu Münchberg 11.000
1970 Greinbräu Wasserburg a.Inn 28.000
1970 Brauerei Bergler Floß (Opf.) 3.100
1971 Brauerei Hösl Rothenstadt (Opf.) 3.600
1971 Brauerei Baumgartner Neunburg vorm Wald 600
1971 Brauerei S. Karg Heimenkirch 12.500
1972 Brauhaus Garmisch Garmisch-Partenkirchen 30.000
1972 Gutsbrauerei Martin Grainer Tann (Ndb.) 7.630
1974 Schlossbrauerei Igling Igling 10.150
1979 Setz-Bräu Moosburg 41.000
1980 Fürst Fugger-Babenhausen-Brauerei Augsburg 71.000
1981 Traubenbräu Georg Ringler Krumbach 15.000
1989 Schlossbrauerei Hohenaschau Hohenaschau 45.000

Literatur

  • Richard Bauer/Eva Graf, Zu Gast im alten München. Hotels, Wirtschaften und Cafés der königlichen Haupt- und Residenzstadt, München 1998.
  • Wolfgang Behringer, Löwenbräu. Von den Anfängen des Münchner Brauwesens bis zur Gegenwart, München 1991.
  • Hermann Dihm, Die Entwicklung der Aktienbrauerei zum Löwenbräu in München, Diss. masch. Würzburg 1921.
  • Hermann Dihm, Geschichte der Aktienbrauerei zum Löwenbräu in München 1383-1921. Im Auftrag der Brauerei anläßlich ihres 50jährigen Bestehens als Aktien-Gesellschaft, München 1922.
  • Ursula Eymold (Hg.), Bier. Macht. München. 500 Jahre Münchner Reinheitsgebot in Bayern, München 2016.
  • Lilian Harlander, "Von den Münchner Bieren kommt hauptsächlich nur Löwenbräu in Frage". Die Familie Schülein im Münchner Braugewerbe, in: Lilian Harlander/Bernhard Purin (Hg.), Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten, München 2016, 139-190.
  • Evelin Heckhorn/Hartmut Wiehr, München und sein Bier. Vom Brauhandwerk zur Bierindustrie, München 1989.
  • Wilhelm Hermann, Die Schüleins - Aufstieg, Vertreibung und Flucht, München 2000.
  • Friederike Kaiser (Bearb.), "Berge von unten, Kirchen von außen, Wirtshäuser von innen". Wirtshäuser in München um 1900 (Begleitbuch zur Ausstellung in der Pasinger Fabrik), München 1997.
  • Anne Munding, "Was würdest Du tun, wenn Dir Dein Vaterland Unrecht tut?" Hermann Schüleins Widerstand gegen die NS-Raubpolitik, in: Lilian Harlander/Bernhard Purin (Hg.), Bier ist der Wein dieses Landes. Jüdische Braugeschichten, München 2016, 191–205.
  • Christian Schäder, Münchner Brauindustrie 1871-1945. Die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung eines Industriezweiges, Marburg 1999.
  • Peter Urbanek, Aktienbrauerei zum Löwenbräu. Zur Geschichte der Ersten Aktienbrauerei Münchens 1872 bis 1887, in: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte und Bibliographie des Brauwesens, 1999/2000, 95–121.
  • Richard Winkler, Ein Bier wie Bayern. Geschichte der Münchner Löwenbrauerei 1818–2003 (Veröffentlichungen des Bayerischen Wirtschaftsarchivs 4), Neustadt an der Aisch 2016.

Quellen

  • Bayerisches Wirtschaftsarchiv, F 2 und F 130.

Weiterführende Recherche


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Empfohlene Zitierweise

Richard Winkler, Löwenbräu (München), publiziert am 17.08.2017; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Löwenbräu_(München)> (22.11.2017)