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Stein zu Diemantstein, Adelsfamilie

Wappen der Stein zu Diemantstein im Wappenbuch des Nikolaus Bertschi (gest. 1542), Augsburg 1515. Die Diemantstein führten das Wappen noch im 18. Jahrhundert. (aus: BSB Cod.icon. 308, fol. 197v)
Wappen der Diemantsteiner - schematische Darstellung. (aus: Lausser, Die Herren von Diemantstein, 1993, 104)
Siegel der Diemantsteiner von 1419 und 1455. (Fürstlich Oettingen-Wallersteinsches Archiv, Harburg)
Diemantstein. Die Kirche, die auf die Schlosskapelle zurückgeht und 1761 sowie 1876 vergrößerte wurde, steht an der Stelle des 1826 abgebrochenen Schlosses. (aus: Lausser, Die Herren von Diemantstein, 1993, 80)
Schloss Diemantstein. Bleistiftskizze von 1888 nach einem verschollenen Gemälde. (aus: Lausser, Die Herren von Diemantstein, 1994, 151)
Johann Servatius von Diemantstein (gest. 1612) als Student des protestantischen Gymnasiums in Lauingen 1586. Johann Servatius studierte anschließend im evangelischen Tübingen, trat aber 1597 in die Dienste des Würzburger Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617). (Abbildung aus dem Stammbuch des späteren Lauinger Bürgermeisters Anton Weihenmayer [1563-1633], Germanisches Nationalmuseum, Handschrift 123.725)

von Helmut Lausser

Schwäbische Niederadelsfamilie, die sich nach Diemantstein im Kesseltal (Lkr. Dillingen) benannte, einer in den 1140er Jahren entstandenen Burg. Edelfreie von Stein/Diemantstein sind bis um 1280 belegt, die dann eine Ministerialenfamilie ablöste. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden mehrere Nebenlinien, von denen die Linie Trochtelfingen am längsten Bestand hatte (1495-1644). Die Diemantsteiner führten im 16. Jahrhundert die Reformation ein und schlossen sich dem Kanton Kocher der Reichsritterschaft an. Sie waren aber gleichzeitig vielfach in pfalz-neuburgischen Diensten tätig und kehrten im Gefolge der Neuburger Wittelsbacher 1628 zum katholischen Glauben zurück. Ihre kleine Herrschaft verteidigten sie in zwei Prozessen vor dem Reichshofrat gegen die Ansprüche der Grafen bzw. Fürsten von Oettingen-Oettingen. Anfang des 18. Jahrhunderts erreichten die Diemantsteiner die Erhebung in den Grafenstand, doch starb die Familie 1730 aus.

Der Stammsitz: Diemantstein

Diemantstein (Markt Bissingen, Lkr. Dillingen), der namengebende Sitz der Diemantsteiner, liegt auf einem Jurakalksporn im oberen Tal der Kessel, einem nördlichen Nebenfluss der Donau, etwa auf halbem Wege zwischen Höchstädt an der Donau und Nördlingen. Der Name der Burg leitet sich vom Rufnamen Thiemo her, der in der Familie mehrfach vorkam. Im Schutze der Burg entstand der noch heute bestehende Ort Diemantstein, während das Schloss 1826 abgebrochen wurde. Erhalten sind die an der Stelle der Schlosskapelle entstandene Kirche sowie die Wirtschaftsgebäude.

Die Edelfreien von Stein bis zum Ende des 13. Jahrhunderts

Die ursprünglich edelfreien Herren von Diemantstein waren die Nachkommen der Edlen von Fronhofen im Kesseltal. Die von Fronhofen waren ihrerseits enge Verwandte der Edlen von Hohenburg im Kesseltal, deren Nachlass um 1275 an die Grafen von Oettingen kam. Beide Familien gehen nach Heinz Bühler (1920-1992) auf den um 1100 genannten und mit einer Tochter des Edlen Konrad von Lechsgemünd vermählten Edlen Kuno von (Burg-)Magerbein zurück, der seinerseits ein enger Verwandter des mit den Hupaldingern von Wittislingen versippten Edlen Manegolde von Donauwörth war.

Um 1140 und 1144 tätigten die Edlen Wolftrigel, Thiemo und Konrad von Fronhofen umfangreiche Schenkungen an das Augustiner-Chorherrenstift Berchtesgaden. Ihr Verschwinden aus den Quellen erklärt sich durch die vor 1147 erfolgte Verlegung ihres Stammsitzes, der unmittelbar neben der Hohenburg lag, auf die 2 km südwestlich errichtete Burg Diemantstein. Das mit dem 1147 aufscheinenden und mit einer Tochter des Edlen Heinrich von Möttingen (erw. 1144-1147) vermählten "Chunradus de Stein" (erw. 1144-1147) anhebende Geschlecht der Edlen von Diemantstein endet mit dem 1237 bis 1280 belegten Edlen "Cunrad von deme Steine".

Heinrich von Stein

Alle späteren Herren von Diemantstein leiten sich von "Hainricus de Lapide" her, der 1279 bis 1288 vorrangig als Dienstmann der Grafen von Truhendingen belegt ist. Heinrich hatte diese Herrschaft wohl erheiratet. Seine Herkunft ist unbekannt, doch scheint er kein Edelfreier gewesen zu sein. Hainricus de Lapide hatte mindestens fünf Nachkommen: Thiemo (erw. 1300-1319), Herbrand (erw. 1300-1319), Heinrich (erw. 1330), Heinrich (gest. ca. 1336) und die mit Rudolf von Eglingen (erw. ab 1314, 1324 als gest. erw.) vermählte, spätere Stiftsfrau Elisabeth "von deme Stein" zu Reistingen (Gde. Ziertheim, Lkr. Dillingen a. d. Donau). Mutmaßlich zählte auch die 1321 bis 1326 genannte Priorin des Klosters Maria Medingen, Mathilde vom Stein, zu seinen Kindern.

Nebenlinien im 14. Jahrhundert

Die zahlreiche Nachkommenschaft Heinrichs vom Stein führte im 14. Jahrhundert zur Aufsplitterung der Herrschaft. Damit entstanden eine ganze Reihe kurzlebiger Linien der Herren vom Stein, darunter die von Burgmagerbein, die von Tuifstätt und die von Zoltingen. Diese spielten jedoch für die Hauptlinie der Herren von Diemantstein keine Rolle mehr.

Die Hauptlinie im 14. Jahrhundert

Die Hauptlinie der Stein von Diemantstein setzte Heinrich "von deme Stein" fort (gest. 1336), der mit Sophia Sorge von Alerheim (gest. 1335-1336) vermählt war. Seine Nachkommen waren Heinrich vom Diemantstein, Ritter und Vogt zu Oettingen, die mit Diepold Häl von Donaualtheim vermählte Agnes und der 1335 bis 1360 genannte und angeblich mit einer Schwarz von Schaumburg (abg. an der Brenz) verheiratete Kraft vom Diemantstein. Letzterem folgten seine Söhne Konrad (erw. 1368–1375) und Georg vom Diemantstein (erw. 1391–1419).

Entstehung der Linie Trochtelfingen

Die Nachkommen Konrads vom Diemantstein waren der mit Elisabeth von Westerstetten zu Katzenstein vermählte Dillinger Vogt Heinrich vom Diemantstein (1429–1478) sowie mutmaßlich der Neresheimer Abt Heinrich vom Diemantstein (1428–1446) und der Ellwanger Dekan Georg vom Diemantstein (1437–1483). Um 1495 kam die Familie durch die zweite Ehe des Junkers Heinrich vom Diemantstein (1470–1522) mit Anna Hack von Hoheneck in den Besitz der Herrschaft Trochtelfingen (Ostalbkreis, Baden-Württemberg). Die von dessen Söhnen Christoph, Wilhelm und Georg eröffnete Linie der Stein vom Diemantstein zu Trochtelfingen stellte Pfleger und Vögte zu Flochberg, Kirchheim, Neresheim (alle Ostalbkreis, Baden-Württemberg) und Alerheim am Ries (Lkr. Donau-Ries). Die Linie endete im Jahre 1644 mit dem Verkauf von Schloss und Herrschaft Trochtelfingen durch Georg Friedrich vom Diemantstein zu Trochtelfingen an den kaiserlichen Obristwachtmeister Heinrich Stolch.

Die Diemantsteiner im 15. Jahrhundert

Die Diemantsteiner Hauptlinie war wie die Trochtelfinger im Besitz umfangreicher Lehengüter der Grafen von Oettingen am südlichen Rand des Rieses. Sie wurde von Georg vom Stein zu Diemantstein und seiner Gemahlin Anna von Sontheim fortgesetzt. Zu deren leiblichen Nachkommen zählen der Ellwanger Vogt Lorenz vom Stein, die mit Georg von Scheppach zu Amerdingen vermählte Angela vom Stein und der mit Margaretha von Schaumberg verheiratete Hofmeister des Grafen Ludwig XI. von Oettingen, Franz vom Stein (1415–1443).

Auf Franz von Steins Sohn Nikolaus (gest. 1513), der mit Justina von Steinheim vermählt war, gehen alle nach 1490 bekannten Herren vom Stein zu Diemantstein zurück. Nikolaus' Bruder war Hans vom Stein, Pfleger zu Rettenberg im Allgäu, dessen Verhandlungsgeschick im Juni 1475 eine blutige Auseinandersetzung zwischen den sich bei Wildpoldsried bewaffnet gegenüberstehenden Truppen der Stadt und des Fürstabts von Kempten verhinderte. Nikolaus vom Stein hatte mehrere Söhne, darunter den mit Anna von Rehlingen zu Haldenberg (gest. 1525) vermählten Hans (gest. 1525) sowie die mit Hans von Schönbühl zu Sinning vermählte Tochter Margaretha.

Eintritt in die Reichsritterschaft, Reformation und Gegenreformation

Hans vom Stein folgten der mit Margaretha von Wöllwart zu Böbingen vermählte Christoph Leonhard (gest. 1577) und der mit Barbara von Croaria (gest. 1565) verheiratete Johann Sebastian vom Stein zu Diemantstein (gest. ca. 1580/85). Beide Brüder zählten bereits 1542 zu den Mitgliedern des Kantons Kocher der Reichsritterschaft. Sie bekleideten nacheinander das Amt des pfalz-neuburgischen Landvogts zu Höchstädt, ebenso wie der mit Katharina von Seiboldsdorf vermählte Sohn Christoph Leonhards, Hieronymus vom Stein (gest. 1625). Letzterer hatte neben zwei früh verstorbenen Töchtern die Söhne Johann Heinrich (gest. 1652), vermählt mit Anna Maria von Weichs, Johann Wilhelm (gest. nach 1661), vermählt mit einer Tochter des Abraham Katzbeck zu Oberhausen, und Johann Servatius (ca. 1570-1612), vermählt mit Maria Amalia Fuchs von Dornheim (gest. ca. 1628). Während sich die Nachkommen Johann Wilhelms fortan nach Oberhausen (Stadt Weißenhorn, Lkr. Neu-Ulm) benannten, setzte Johann Heinrich - zeitweise pfalz-neuburgischer Verwalter des aufgehobenen Klosters Obermedlingen - die Linie der Stein zu Diemantstein fort.

Spätestens nach der Rekatholisierung von Pfalz-Neuburg 1614, wenn nicht schon früher, kehrte auch Johann Heinrich mit seinen Untertanen zum katholischen Glauben zurück. Von den vier Söhnen Johann Heinrichs vom und zum Diemantstein stand Johann Konrad als Oberst-Silberkämmerer und Kapitän der Leibgarde im Dienste des Kurfürsten von Köln; Christoph Leonhard (gest. ca. 1668) war 1634 bis 1638 kaiserlicher Interimsverwalter des Herzogtums Württemberg, später stand er als Kammerrat und Jägermeister im Dienste von Pfalz-Neuburg. Franz vom Stein zu Diemantstein (1668 als gest. erw.) war fürstbischöflich-bambergischer Rat, Pfleger und Landrichter. Franz' Sohn Johann Christoph (1654–1720) betätigte sich als pfalz-neuburgischer Pfleger zu Regenstauf. Er wurde 1709 in den Freiherrenstand erhoben, hatte aber keine männlichen Nachkommen. Der mit Magdalena von Ratschin vermählte Johann Stephan vom und zum Diemantstein (gest. 1669), der vierte Sohn Johann Heinrichs, stand als Offizier in kaiserlichen Kriegsdiensten, bevor er sich der Verwaltung seiner angestammten Herrschaft zuwandte.

Auseinandersetzungen mit der Grafschaft Oettingen

Obwohl die Diemantstein im Kanton Kocher der Reichsritterschaft immatrikuliert waren, beanspruchten die Grafen (ab 1674 Fürsten) von Oettingen-Oettingen über die Hochgerichtsbarkeit auch die Landeshoheit über Diemantstein. Zusammen mit der Grafschaft Oettingen-Oettingen war auch in Diemantstein im 16. Jahrhundert die Reformation eingeführt worden. Die Rückkehr der Diemantstein zum katholischen Glauben 1628 verschärfte den Gegensatz zu Oettingen-Oettingen nochmals, zumal Diemantstein nach wie vor zur protestantischen Pfarrei Unterringingen gehörte.

1679 wurde die seit 1661 vollständig von oettingischem Gebiet umgebene Herrschaft Diemantstein vom Reichshofrat in Wien in ihrem Status als Reichsritterherrschaft bestätigt und unter den Schutz der Herzöge von Pfalz-Neuburg gestellt. Auch die Ausübung der katholischen Religion bestätigte der Reichshofrat. In der Folgezeit bauten die Diemantstein eine eigenständige Seelsorge auf, bis 1711 schließlich Diemantstein zur selbständigen Pfarrei wurde, deren Patronat den Stein zu Diemantstein zustand. Einen nochmaligen Prozess mit Oettingen-Oettingen wegen Jurisdiktions- und Religionsfragen entschied der Reichshofrat 1729 erneut zugunsten der Stein zu Diemantstein.

Erhebung in den Grafenstand, Aussterben 1730

Johann Stephan vom und zum Diemantstein hatte vier Töchter und den vermutlich 1706 (andere Angaben: 1708, 1712) in den Grafenstand erhobenen Sohn Adam (gest. 1730). Dieser bekleidete die pfalz-neuburgischen Ämter eines Hauptmanns, Ministers, Oberstkämmerers und Oberstfalkenmeisters. Dazu war er Verordneter der Neuburger Landschaft, kaiserlicher General der Kavallerie und Direktor der Reichsritterschaft am Kocher. Adam Stein von Diemantstein blieb kinderlos. Mit seinem Tod erlosch die Familie 1730.

Die Allodialgüter der Herrschaft, die im Wesentlichen aus Diemantstein und Streubesitz in benachbarten Orten bestanden, wurden 1758 von den Nachkommen von Adams Schwestern nach blutigen Erbauseinandersetzungen an das Reichsstift Sankt Ulrich und Afra verkauft. Das Stift veräußerte die Herrschaft Diemantstein 1777 schließlich an den Fürsten Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein, an dessen Oberamt Hochhaus 1731 schon die oettingischen Lehengüter der Diemantsteiner gefallen waren.

Literatur

  • Horst Gaiser, Das evangelische Ruhebettlein. Begräbnisse Katzbeck und v. Diemantstein in Holzschwang, in: Geschichte im Landkreis Neu-Ulm 5 (1999), 47–54.
  • Friedrich Lau, Die Regierungskollegien zu Düsseldorf und der Hofstaat zur Zeit Johann Wilhelms (1676-1716) II, in: Düsseldorfer Jahrbuch 40 (1938), 257-288. (zu Adam von Stein zu Diemantstein 264-265)
  • Gernot Ludwig, Zur Geschichte der Fürstlichen Schule, des "Gymnasium illustre" in Lauingen. 14. Teil, in: Jahresbericht des Albertus-Gyymnasiums Lauingen/Donau 1976/77, o. S. (zu Johann Servatius von Diemantstein)
  • Heinrich Zirkel, Johann Stephan von Diemantstein, in: Der Daniel 3/4 (1967), 21-22.

Quellen

  • Das Archiv der Diemantstein gelangte 1777 an die Fürsten von Oettingen. Es wird heute im Fürstlich Oettingen-Wallersteinschen Archiv auf der Harburg verwahrt.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Demantstein, Diamantstein

Empfohlene Zitierweise

Helmut Lausser, Stein zu Diemantstein, Adelsfamilie, publiziert am 19.10.2009; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Stein zu Diemantstein,_Adelsfamilie> (17.07.2019)