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Langenstadter Spruch, 14. Dezember 1260

Älteste Überlieferung des Langenstadter Spruchs in einem Vidimus von 1293. (StA Bamberg. Brandenburg-Bayreuth, Urk. 70)

von Johannes Mötsch

1260 geschlossener Vergleich, der die Auseinandersetzungen um das oberfränkische Erbe der 1248 ausgestorbenen Herzöge von Andechs-Meranien beendete. Der Bamberger Bischof erhielt seine bisher an die Andechser ausgegebenen Lehen zurück. Das Eigengut der Andechser teilten sich die Burggrafen von Nürnberg, die Grafen von Truhendingen und die Grafen von Orlamünde, die alle mit den Andechsern durch Heiratsbeziehungen verbunden waren. Aus dem Eigengut wurden ferner die Grafen von Henneberg entschädigt, die auf Seiten des Bamberger Bischofs an den Auseinandersetzungen beteiligt waren.

Auslöser: Das Aussterben der Herzöge von Andechs-Meranien 1248

Besitzungen der Andechs-Meranier beim Tode Ottos VIII. 1248 in Franken. (Gestaltung: Stefan Schnupp; Kartengrundlage: Spindler/Diepolder, Bay. Geschichtsatlas, 25; Angaben nach: Oefele: Geschichte der Grafen von Andechs, 1877, 73-79).

Mit dem Tod des Herzogs Otto II. erlosch am 19. Juni 1248 das Haus der Herzöge von Andechs-Meranien. Damit stand ein aus Besitzkomplexen in Krain und Istrien (heute Slowenien bzw. Kroatien), in Tirol, in Burgund (Franche-Comté) und in Oberfranken bestehendes Erbe zur Disposition. Nächste Anwärter waren die Schwestern des letzten Herzogs, deren Ehemänner und Söhne. Die Besitzungen in Krain und Istrien waren als Heiratsgut in Händen der Schwester Agnes (gest. ca. 1260/63) bzw. ihrer Ehemänner; die in Tirol fielen an den Grafen Albert III. von Tirol (gest. 1253), Schwiegervater des letzten Herzogs, die Pfalzgrafschaft Burgund an die Schwester Adelheid (gest. 1279) und deren Ehemann, Graf Hugo von Chalon (gest. 1266). Dies erfolgte offenbar stets friedlich, auch wenn Ansprüche von Miterben zum Teil erst nach längerer Zeit vertraglich abgefunden wurden. Der Besitz in Ober- und Niederbayern war 1248 schon so gut wie vollständig an die Wittelsbacher verloren gegangen.

Die Problemlage in Oberfranken

Zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam es lediglich um die Andechser Besitzungen und Rechte in Oberfranken. Diese gingen teilweise vom Bischof von Bamberg und vom Abt von Fulda zu Lehen. Bamberger Lehen waren:

Fuldaer Lehen waren Baunach und die in der Nähe gelegene Stiefenburg.

Aus der Sicht des Bischofs waren die Lehen mit dem Tod des letzten Herzogs heimgefallen, er wollte sie daher seinem weltlichen Territorium angliedern. Die nächsten Erben – die Schwestern Beatrix (gest. nach 1265), Witwe des Grafen von Hermann Orlamünde (gest. 1247), Margarete (gest. 1271), Ehefrau des Friedrich von Truhendingen (gest. 1274), und Elisabeth (gest. 1272), Ehefrau des Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg (gest. 1297), bzw. deren Ehemänner – versuchten dagegen, das gesamte Eigengut und einen möglichst großen Teil der Lehen in ihre Hand zu bekommen.

Die Andechser Eigengüter waren:

Verlauf der Auseinandersetzungen

Der Bamberger Bischof Heinrich I. von Bilversheim (reg. 1242-1257), der sich beim Tod des Herzogs auf seinen Besitzungen in Kärnten aufgehalten hatte, zog im Februar 1249 die erwähnten Lehen für das Hochstift ein. Auch Kronach und Rosenberg gelangten für kurze Zeit in seine Hand. Burggraf Friedrich III. von Nürnberg erhielt im März 1249 von Gegenkönig Wilhelm (1227-1256, dt. König 1247-1256) die Belehnung mit den Reichslehen des verstorbenen Herzogs. Beide Seiten bereiteten sich in der Folge auf eine bewaffnete Auseinandersetzung vor. Im September 1249 warb der Bischof Grafen Hermann I. von Henneberg (1224-1290) als Befehlshaber gegen den Burggrafen von Nürnberg, den Herrn von Truhendingen und gegen die Gräfin von Orlamünde und ihre Söhne an. An den militärischen Auseinandersetzungen der folgenden Jahre, zu deren Details die Quellen schweigen, waren wohl vor allem der Burggraf, der Herr von Truhendingen und der Graf von Henneberg im Auftrag des Bischofs beteiligt; die Gräfinwitwe von Orlamünde trat nicht in Erscheinung.

Mehrere Schlichtungsversuche des Würzburger Bischofs Hermann I. von Lobdeburg (reg. 1225-1254) waren offenbar vergeblich. Aus dem Jahr 1253 datieren erste Anzeichen von Uneinigkeit zwischen den Erben. Im September 1254 versuchten die bayerischen Herzöge, die vom Würzburger Bischof begonnene Schlichtung fortzuführen. Der Burggraf von Nürnberg und der Herr von Truhendingen setzten nunmehr darauf, das Verfahren zu verschleppen. Zu Kämpfen kam es bis zum Tod des Bamberger Bischofs Heinrich I. von Bilversheim am 17. September 1257 nicht mehr. Dabei dürfte auch die 1254 einsetzende Hungersnot eine Rolle gespielt haben. Da sich das Domkapitel nicht einig war, ob man den Kampf fortsetzen oder sich um eine friedliche Beilegung bemühen sollte, kam es im Herbst 1257 zu einer Doppelwahl für den Bamberger Bischofsstuhl. Von den beiden Kandidaten setzte sich schließlich Berthold von Leiningen (reg. 1257-1285) durch, der die Erwerbspolitik seines Vorgängers aktiv unterstützt hatte. In der Folge gab es jedoch lediglich mit den jungen Grafen von Orlamünde militärische Auseinandersetzungen.

Inhalt und Bedeutung des Langenstadter Spruchs

Die Aufteilung des fränkischen Erbes der Andechs-Meranier (nach 1248). (Gestaltung: Stefan Schnupp; Kartengrundlage: Spindler/Diepolder, Bay. Geschichtsatlas, 25)

Die Streitigkeiten beendete dann ein am 14. Dezember 1260 in Langenstadt (Lkr. Kulmbach) von Schiedsrichtern gefällter Spruch. Alle bambergischen Lehen wurden dem Bischof, das gesamte Eigen den Erben zugesprochen. Allerdings wollten die Grafen von Orlamünde versuchen, ihren Anteil gegenüber dem Burggrafen von Nürnberg und dem Herrn von Truhendingen noch zu vergrößern. Um diese Auseinandersetzung zu schlichten, sah der Schiedsspruch einen weiteren Tag vor dem Bischof vor, dem so ein erheblicher Einfluss eingeräumt wurde. Ob die Anteile der Erben tatsächlich noch einmal verändert worden sind, lässt sich mangels Quellen nicht feststellen.

Fest steht lediglich das aus den Urkunden der folgenden Jahrzehnte ermittelte Ergebnis:

Weder die Truhendingen noch die Orlamünde konnten aber ihre Anteile dauerhaft halten. Ein weiterer Gewinner war Graf Hermann I. von Henneberg, dem der erfolgreiche militärische Oberbefehl unter anderem Burg und Stadt Coburg, Neustadt und die Burg Schaumberg, vormals sämtlich Eigen des letzten Herzogs, einbrachte. Für das Hochstift Bamberg war der Langenstadter Spruch ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Territoriums, das spätere Bischöfe durch Ankäufe von weiteren Teilen der Meranischen Erbschaft vergrößern konnten.

Überlieferung

Die Originalurkunde von 1260 ist nicht erhalten. Überliefert ist der Langenstadter Spruch durch ein Vidimus von 1293, das aus dem Archiv der Burggrafen von Nürnberg bzw. des Markgraftums Bayreuth ins Staatsarchiv Bamberg gelangte (StA Bamberg, Brandenburg-Bayreuth Urk. 70). Gedruckt wurde die Urkunde 1783 durch den bayreuthischen Archivar Philipp Ernst Spieß (1734-1794).

Dokumente

Literatur

  • Lothar Henning/Ursula Vorwerk (Hg.), Die Andechs-Meranier in Franken. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter [Ausstellung in Bamberg vom 19.6. bis 30.9.1998], Mainz 1998, besonders 349 f. und Abb. der Urkunde (Vidimus von 1293) auf 135.
  • Johannes Mötsch, Das Ende der Andechs-Meranier. Streit ums Erbe, in: Lothar Henning/Ursula Vorwerk (Hg.), Die Andechs-Meranier in Franken. Europäisches Fürstentum im Hochmittelalter [Ausstellung in Bamberg vom 19.6. bis 30.9.1998], Mainz 1998, 129-141.
  • Thomas Pöhlmann, Zur mittelalterlichen Territorialstruktur des Amtes Bayreuth, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 76 (1996), 85-97.
  • Richard Winkler, Weismain und die Andechs-Meranier, in: Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg 136 (2000), 33-46.

Quellen

Weiterführende Recherche

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Langenstädter Vergleich

Empfohlene Zitierweise

Johannes Mötsch, Langenstadter Spruch, 14. Dezember 1260, publiziert am 26.05.2009; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Langenstadter_Spruch,_14._Dezember_1260> (11.12.2018)