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Kabinett Segitz, 1919

Martin Segitz, 1919. (Bayerische Staatsbibliothek, Porträt- und Ansichtensammlung)

von Johannes Merz

Beim "Kabinett Segitz" handelt es sich um eine Ministerliste, die am 1. März 1919, also nach dem Tod des Ministerpräsidenten Kurt Eisner (21. Februar 1919) und vor dem Antritt der Regierung Hoffmann (17. März 1919), veröffentlicht wurde. Diese "Regierung" trat nie in Aktion, wird in der Literatur jedoch häufig als handelndes Gremium vorausgesetzt.

Entstehung

Durch die Ermordung des Ministerpräsidenten Kurt Eisner (1867-1919) am 21. Februar 1919 entstand ein Machtvakuum in Bayern, weil der Landtag gesprengt und das Kabinett als Ganzes nicht mehr arbeitsfähig war. Faktisch hatte nun der "Zentralrat der Republik Bayern" bis zum 17. März die oberste politische Leitung des Landes in seinen Händen. Er berief für den 25. Februar den "Kongreß der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte" ("Rätekongress") ein, der bis zum 8. März als "Provisorischer Nationalrat" tagen sollte. Demgegenüber beharrten die Landtagsvertreter auf einer parlamentarischen Legitimation der Regierung. Nachdem am 25. Februar der Versuch einiger Minister des Eisner-Kabinetts gescheitert war, dieses selbst zu ergänzen und auf dieser Grundlage die Regierung fortzuführen, verabschiedete der Rätekongreß am 1. März eine eigene Ministerliste:

Vorgesehene Minister Parteizugehörigkeit Lebensdaten Ministerium Bemerkung
Martin Segitz MSPD 1853-1927 Präsidium, Äußeres und Inneres
Ernst Niekisch MSPD 1889-1967 Kultus
Fritz Endres MSPD 1877-1963 Justiz
Edgar Jaffé USPD 1866-1921 Finanzen wie bisher
Hans Unterleitner USPD 1890-1971 Soziale Fürsorge wie bisher
Richard Scheid USPD 1876-1962 Militärische Angelegenheiten
Heinrich von Frauendorfer parteilos 1855-1921 Verkehrsangelegenheiten wie bisher
Josef Simon USPD 1865-1949 Handel, Industrie und Gewerbe Ressort noch nicht errichtet
Theodor Dirr Bayer. Bauernbund 1857-1931 Landwirtschaft Ressort noch nicht errichtet

Wirksamkeit

Das "Kabinett Segitz" wurde von den bürgerlichen Parteien und der MSPD abgelehnt, fand deshalb keine allgemeine politische Zustimmung und tagte nie als Gremium. Drei der vom Rätekongress benannten Minister gehörten bereits dem Kabinett Eisner an (Frauendorfer, Jaffé, Unterleitner), die übrigen waren schon aus Parteidisziplin überwiegend nicht zum Regierungseintritt bereit.

Die drei Genannten führten nach dem 21. Februar ebenso wie die bisherigen Minister Johannes Hoffmann (Kultus) und Johannes Timm (Justiz, 1866-1945) sowieso ihre Ressortgeschäfte zumindest ansatzweise bis Mitte März weiter; das Innenministerium wurde nach dem Attentat auf den Minister Erhard Auer (1874-1945) von seinem obersten Beamten, dem Staatsrat Heinrich von Völk (1863-1947), geleitet.

Nur der vom Rätekongress nominierte Richard Scheid (1876-1962, 1919 USPD) übernahm tatsächlich die Regierungsgeschäfte des Ministeriums für Militärische Angelegenheiten, das durch die Flucht des bisherigen Amtsinhabers Albert Roßhaupter (MSPD, 1878-1949) verwaist war. Scheid wurde freilich bereits Ende Februar 1919 vom Zentralrat mit dieser Aufgabe betraut und war schon seit Dezember 1918 Regierungsvertreter beim Stellvertretenden Generalkommando des I. bayerischen Armeekorps in München. So kann höchstens im Falle dieses Ministeriums von einer gewissen politischen Wirkung der Ministerliste Segitz ausgegangen werden, der bereits einen Tag nach ihrer Veröffentlichung die Verhandlungen von Räte-, Partei- und Landtagsvertretern um die Bildung eines neuen Kabinetts folgten.

Literatur

  • Franz J. Bauer, Die Regierung Eisner 1918/19. Ministerratsprotokolle und Dokumente (Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien I 10), Düsseldorf 1987.

Weiterführende Recherche

Regierung des Rätekongresses

Empfohlene Zitierweise

Johannes Merz, Kabinett Segitz, 1919, publiziert am 02.10.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kabinett Segitz, 1919> (15.11.2018)