Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern


Die Reformation im Raum des heutigen Bayerns war überwiegend lutherisch geprägt. Reformierte Gemeinden, deren Bekenntnis auf Huldrych Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) zurückzuführen ist, entstanden kaum. Eine Ausnahme waren zwei reichsritterschaftliche Territorien im Allgäu, die Herrschaften Theinselberg (mit Herbishofen) und Rothenstein (mit Grönenbach), wo die Herren von Pappenheim 1559 das reformierte Bekenntnis einführten. Nur vorübergehend erfolgreich war der Versuch der pfälzischen Linie der Wittelsbacher, die 1563 das reformierte Bekenntnis angenommen hatte, dieses auch in der Kuroberpfalz durchzusetzen, da die Oberpfalz ab 1625 rekatholisiert wurde. Im Zuge der Rekatholisierung aus der Oberpfalz vertriebene reformierte Christen ließen sich in der Reichsstadt Nürnberg nieder, wo bereits reformierte Christen aus den Niederlanden lebten. Die lutherische Reichsstadt erlaubte aber keine Gemeindegründung, die daher 1650 im markgräflich ansbachischen Territorium in Stein erfolgte. Erst 1703 entstand eine reformierte Kirche in der Nürnberger Vorstadt Wöhrd, 1800 dann in Nürnberg selbst. Hugenotten, reformierte Christen aus Frankreich, fanden nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes ab 1686 Zuflucht in den Territorien der Markgrafen von Ansbach und Bayreuth. Sie gründeten 1686/87 Gemeinden in Erlangen, Bayreuth, Wilhelmsdorf (bis 1926) und Schwabach. Eine weitere reformierte Gemeinde entstand 1848 in Marienheim, einer Neusiedlung im Donaumoos. Erst 1926 folgte die Gemeinde in München. Anders als in der Pfalz, wo sich Reformierte und Lutheraner 1818 zu einer Unionskirche zusammenschlossen, blieben im rechtsrheinischen Teil des Königreichs Bayern die reformierten Gemeinden erhalten, allerdings in die lutherische Staatskirche unter Leitung des Oberkonsistoriums integriert. 1853 wurde ihnen mit einer eigenen Synode und einem Moderamen eine begrenzte Selbständigkeit zugestanden (ab 1856 verwirklicht). Die Bildung einer selbständigen Landeskirche war erst nach dem Ende von Monarchie und Staatskirche 1919 durch die endgültige Trennung von der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern möglich. Damals bestanden neun Gemeinden mit rund 3.000 Mitgliedern. Die innere Verfassung regelte die Kirchenordnung von 1920 (1956 erneuert). Die Leitung der reformierten Kirche in Bayern oblag demnach der Synode, deren Vorstand als Moderamen bezeichnet wurde. 1989 schloss sich die "Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern" mit der "Evangelisch-reformierten Kirche in Nordwestdeutschland" zur "Evangelisch-reformierten Kirche (Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland)" zusammen. Seit 1993 gehören zur evangelisch-reformierten Kirche in Bayern auch ungarische Exilgemeinden in München und Nürnberg, so dass die Kirche derzeit 13.000 Mitglieder in 14 Gemeinden umfasst, wovon sich allerdings nur zehn in Bayern befinden. Von großer Bedeutung für die reformierte Kirche in Bayern ist der 1847 eingerichtete Lehrstuhl für reformierte Theologie an der Universität Erlangen.

Literatur

  • Karl Eduard Haas, Die evangelisch-reformierte Kirche in Bayern. Ihr Wesen und ihre Geschichte, Neustadt an der Aisch 2. Auflage 1982.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Verwandte Artikel

Empfohlene Zitierweise

Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Evangelisch-reformierte Kirche in Bayern> (22.02.2018)