Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Donau-Zeitung

Abonnements-Einladung zur ersten Ausgabe der "Donau-Zeitung" vom 1. Juli 1847.
Ausgabe der Donau-Zeitung vom 27. Dezember 1870 mit einem zensurierten Beitrag über die Lage Bayerns am Vorabend der Reichsgründung.
Nachruf auf Joseph Bucher in der Donau-Zeitung vom 9. Dezember 1909.
Beilage "Niederbayerische Heimatglocken" (Nr. 14 vom 26. Juni 1926)
Ausgabe der Donau-Zeitung vom 10. März 1933 mit der Berichterstattung über die "Machtergreifung" in Bayern.
Ausgabe der Donau-Zeitung vom 4. Mai 1938 mit Berichten über den Besuch Adolf Hitlers in Italien.
"An unsere Leser!" Redaktioneller Kommentar zur Einstellung der Donau-Zeitung aus der letzten Ausgabe vom 30. November 1953.
Franz Seraph Pichler. (aus: Amtliches Handbuch der Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtages, München 1900, S. 203).

von Helmut W. Schaller

Die in Passau erscheinende Donau-Zeitung ging 1847 aus der Vereinigung des um 1785/1790 gegründeten "Kurriers an der Donau" mit der Zeitung "Passavia" hervor. In ihrer Jahrgangszählung führte sich die Zeitung aber auf das Jahr 1791 zurück. Bereits in ihren Anfängen katholisch geprägt, wandelte sich die "Donau-Zeitung" unter dem Redakteur und Verleger Joseph Bucher (1838-1909, Eigentümer 1856-1889) zu einem Organ der bayerischen Patriotenpartei und des politischen Katholizismus. Gleichzeitig wurde sie zur wichtigsten Tageszeitung Passaus und des östlichen Niederbayerns. 1889 ging sie an die von einflussreichen Katholiken gegründete "Passavia AG" über, welche die "Donau-Zeitung" im Zuge des Vorgehens der Nationalsozialisten gegen die konfessionelle Presse 1935 verkaufen musste. 1938 übernahm der "Gauverlag Bayerische Ostmark" die "Donau-Zeitung" und gliederte sie der in Bayreuth erscheinenden Zeitung "Bayerische Ostmark" als bis 1945 erscheinende Lokalausgabe ein. Aufgrund der amerikanischen Pressepolitik konnte die Passavia AG die "Donau-Zeitung" erst 1952 wieder herausgeben, doch konnte das traditionsreiche Blatt sich gegen die bereits etablierte Konkurrenz der "Passauer Neuen Presse" nur ein Jahr halten.

Vorgeschichte: Zeitungen in Passau bis 1847

Das Passauer Zeitungswesen entstand erst unter dem Einfluss der Aufklärung im ausgehenden 18. Jahrhundert. 1784 genehmigte Fürstbischof Joseph Franz Anton von Auersperg (1734-1795, reg. 1783-1795) das erstmals 1785 herausgekommene "Passauer Intelligenzblatt" (1786 "Passauer Wochenblatt"). Eventuell als Fortführung des Intelligenzblatts erschien spätestens 1788/89 die "Passauer Zeitung". Ab 1790/91 führte sie den Namen "Kurrier an der Donau".

Redakteur des "Kurrier an der Donau" und des 1808 nachweisbaren "Intelligenzblattes von Passau" war Franz Xaver Huber (1760-1822). Nach dessen Tod im Jahre 1822 übernahm die Redaktion der Gymnasiallehrer Peter Brunner (1785-1845). Verlegt wurden die Intelligenzblätter und der "Kurrier an der Donau" beim Passauer Buckdrucker Ambrosi. Die Zeitung war ein reines Nachrichtenblatt, das zu den Ereignissen der Zeit kaum Kommentare abgab.

1829 wurde die "Passavia" als eine kulturelle Wochenschrift von Johann Baptist Breßl (1801-1864) begründet. Dem Unternehmen blieb jedoch der Erfolg versagt. Erst 1839 konnte Breßl mit der deutlich politischeren Tageszeitung "Passavia" eine liberal-vaterländische Konkurrenz zum "Kourier an der Donau" etablieren. Die deutlich aggressivere Passavia war dabei dem alteingessenen "Kourier" technisch und inhaltlich klar überlegen.

Die Gründung der Donau-Zeitung 1847

Seit 1840 geriet der "Kourier an der Donau" in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste 1845 Konkurs anmelden. 1847 verkaufte die Eigentümerfamilie Ambrosi Verlag und Zeitung an den bisherigen Geschäftsführer Johann Baptist Dietenberger (1797-1869) und den Verleger der Passavia, Johann Breßl. Die Käufer vereinigten die bisher konkurrierenden Blätter zur "Donau-Zeitung. Vereinigte Blätter des Kourier an der Donau und der Passavia", die erstmals am 1. Juli 1847 erschien. Trotz des neuen Titels stellte sich die "Donau-Zeitung" in die Tradition des "Kouriers an der Donau" und begann ab 1855 eine Jahrgangszählung mit Band 65, womit sich das (falsche) Gründungsjahr 1791 ergab.

Politische Ausrichtung und Entwicklung unter der Leitung von Johann Breßl 1847-1862

Mit der Zusammenlegung des "Kourier an der Donau" und der "Passavia" erschien in Passau nunmehr eine politische Tageszeitung. Redakteur der "Donau-Zeitung" war Dr. Johann Breßl, dem auch die Druckerei gehörte (bis 1856 gemeinsam mit Johann Baptist Dietenberger). Im Revolutionsjahr 1848 beobachtete die Zensur die "Donau-Zeitung" genau, obwohl der Zeitung keinerlei revolutionäre Tendenzen nachzuweisen waren. Die Zeitung hatte eine gemäßigt liberale Haltung mit immer stärkeren weltanschaulichen Sympathien für den Katholizismus.

Die "Donau-Zeitung" erschien 1847 mit einer Auflage von rund 900 Exemplaren täglich als "Abendblatt" mit vier Seiten. Der Preis für den Bezug war vier Gulden, der Einzelpreis drei Kreuzer. Die Auflage stieg - vor allem wegen der Konkurrenz der klar liberalen "Passauer Zeitung" (ebenfalls 1847 gegründet) - bis 1859 auf knapp 1.000 Exemplare an.

Die Donau-Zeitung unter Joseph Bucher 1862-1889

1862 verkaufte Breßl aus gesundheitlichen Gründen die "Donau-Zeitung" an Joseph Bucher (1838-1909). Bucher war anfangs zwar ebenfalls liberal ausgerichtet, dennoch deutlich stärker katholisch orientiert. Um 1866, im Vorfeld der Reichsgründung, wechselte Joseph Bucher eindeutig in das katholische und damit patriotisch-partikularistische Lager in Bayern über. Die "Donau-Zeitung" rückte damit von ihren liberalen Positionen ab.

Ab 1866/67 geriet die Donau-Zeitung daher mehr und mehr in Konflikte mit der bayerischen Regierung und wurde von 1866 bis 1888 mehrfach wegen "regierungsfeindlicher Unwahrheiten und Entstellungen" beschlagnahmt. Auseinandersetzungen gab es ferner mit dem Passauer Bischof Heinrich von Hofstätter (1805-1875, reg. 1839-1875), der - im bayerischen Episkopat isoliert - einen strikt königstreuen Kurs fuhr und sich gegen das von Bucher unterstützte katholische Verbands- und Pressewesen wandte.

Als Konkurrenz zur "Donau-Zeitung" förderte Hofstätter 1871 die Gründung des "Passauer Tagblatts". Trotz dieser Konkurrenz - neben dem Tagblatt erschien in Passau noch seit 1847 die "Passauer Zeitung" - erreichte die "Donau-Zeitung" in Passau und Umgebung eine dominierende Rolle. Ihre Auflage steigerte sich von 3.000 Exemplaren 1874 auf 6.800 im Jahre 1888. Joseph Bucher wirkte mit der "Donau-Zeitung" über den engeren Bereich von Passau und Niederbayern hinaus, da seine Zeitung auch in München gelesen wurde und sich so einer zunehmenden Auflagenhöhe erfreuen konnte.

Buchers "Presse-Imperium"

Bucher beteiligte sich um 1870 aktiv am Aufbau des katholischen Pressewesens. In Zusammenarbeit mit der Köselschen Buchhandlung in Kempten gründete er 1869 das "Allgäuer Volksblatt", das aber bereits zum 31. Juli 1870 sein Erscheinen einstellen musste. Im März 1870 übernahm Bucher das 1868 gegründete "Fränkische Volksblatt" in Würzburg, das er 1875 seinem Bruder Franz Xaver Bucher (geb. 1853) verkaufte. Im Januar 1873 erwarb er dann den Münchner "Volksfreund" nach dem Tode des bisherigen Herausgebers Ernst Zander (1803-1872).

Buchers Mitarbeiter bei seinen verschiedenen Zeitungen - auch bei der "Donau-Zeitung" - waren unter anderem August Lanz (geb. 1828) sowie die Priester Joseph Lukas (1834-1879), Alois Rittler (1839-1890), Georg Ratzinger (1844-1899) und Johann Evangelist Diendorfer (1833-1909). Bucher und seine Mitarbeiter gehörten dabei zum entschieden föderalistischen Flügel der Patriotenpartei.

Im Besitz der Aktiengesellschaft Passavia 1889-1935

Katholisch-konservative Kreise um den Passauer Domvikar und späteren einflussreichen Zentrumspolitiker Franz Seraph Pichler (1852-1927) gründeten 1888 die Aktiengesellschaft Passavia. Diese erwarb 1889 von Bucher die "Donau-Zeitung" und konnte mit dieser 1890 die konkurrierende "Niederbayerische Volkszeitung" vereinigen.

Die "Donau-Zeitung" hatte damals die höchste Auflage der Zeitungen in Passau und Niederbayern und war auch mit ihrem Inseratenteil die wichtigste Zeitung der Region. Um die Jahrhundertwende unterhielt sie an 58 verschiedenen Orten nahezu 100 Korrespondenten. Ab März 1904 erschien sie auch an Sonntagen, seit 1909 sogar täglich zwei Mal. Die Zahl der Abonnenten erreichte im Ersten Weltkrieg einen Höchststand von 15.000 in der gesamten Geschichte der Zeitung.

Politisch war die Donau-Zeitung dem politischen Katholizismus und damit dem Zentrum bzw. der Bayerischen Volkspartei verpflichtet. Ihre Gegner waren der liberale Passauer Bürgermeister Paul von Stockbauer (1826-1893, Bgm. 1867-1894), die Sozialdemokratie und der in Niederbayern sehr einflussreiche Bayerische Bauernbund. Wichtige Redakteure waren Anton Linhart (geb. 1863, 1894-1903) und der Priester Nikolaus Hackl (1882-1962, 1908-1915/1917-1921).

Nach dem Ersten Weltkrieg litt die Donau-Zeitung zunächst unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten und musste 1922 wieder zum einmaligen Erscheinen pro Tag zurückkehren. Die Zahl der Abonnenten sank auf 12.000. Nach der Währungsreform konnte die Druckerei neu ausgestattet werden; ab April 1925 erschien die Donau-Zeitung in größerem Format (Berliner Normalformat 36x48 cm). Als Beilage entstand 1924 die heimatkundliche Wochenschrift "Heimatglocken" unter der Redaktion von Max Peinkofer (1891-1963) und maßgeblicher Mitarbeit von Max Heuwieser (1878-1944). Weitere Beilagen waren "Das Zeit im Bild", "Rottal und Bayern", "Die Frau und ihre Welt" sowie "Der Goldene Steig".

Ab 1933 litt die katholisch ausgerichtete Donau-Zeitung unter den Restriktionen der Nationalsozialisten. 1935 war die Passavia AG gezwungen, die Zeitung an die Berliner Phönix Zeitungsverlags GmbH - eine Holdinggesellschaft des Eher-Verlags - zu verkaufen. Die Zahl der Abonnenten war zu diesem Zeitpunkt auf knapp 6.000 gesunken.

Die Übernahme durch den Gauverlag "Bayerische Ostmark" 1938

1938 ging die "Donau-Zeitung" in der Zeitung "Bayerische Ostmark" auf, einem Organ des in Bayreuth ansässigen "Gauverlags Bayerische Ostmark", den der erste Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Hans Schemm (1891-1935), 1933 gegründet hatte. Der Gauverlag unterhielt eine Zweigstelle in Passau; Verlagsort war daher nach wie vor Passau. Die Zeitung erschien nun mit dem Titel "Donau-Zeitung. Bayerische Ostmark" bzw. ab 1942, nach der Umbenennung des Gaus, als "Donau-Zeitung. Amtliche Tageszeitung des Gaus Bayreuth der NSDAP für Passau". Die bisherige Zählung nach Jahrgängen (1937 = 147) wurde eingestellt.

Die Zentralschriftleitung der parteiamtlichen Zeitungsgruppe der "Bayerischen Ostmark" saß in der Gauhauptstadt Bayreuth. Da es sich dabei um das amtliche Organ der NSDAP handelte, gehörten seit Anfang 1938 auch alle Amtsblätter der Bezirksämter Passau, Vilshofen, Wegscheid, Pfarrkirchen, Wolfstein (Freyung) zu dieser Zeitungsgruppe. Hauptschriftleiter in Passau war Dr. Lothar Heberer, während die Zentralschriftleitung der gesamten Tageszeitungen der "Bayerischen Ostmark" (seit 1942 des "Gaues Bayreuth") Freiherrn von Esebeck in Bayreuth unterstanden. Die zentrale Verlagsleitung der gauamtlichen Tageszeitungen lag in den Händen von Georg Schemm, dem Bruder von Hans Schemm. Die Gesamtauflage der gauamtlichen Tageszeitungen betrug im Juli 1938 über 170.210, die Ausgabe Passau der "Bayerischen Ostmark" hatte in diesem Jahr eine Auflage von 9.660 Exemplaren. Unterhaltungsbeilage war seit 1938 der "Ostmärkische Sonntag".

Als amtliche Tageszeitung des Gaues Bayreuth für Passau wurde auch aus dem Standesamt Passau berichtet. Aus der "Dreiflüssestadt" kamen auch regelmäßig Kurzberichte und parteiamtliche Nachrichten. Weitere Kurzberichte kamen aus den Kreisgebieten Passau-Land, Freyung-Wolfstein. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges finden sich jedoch keine Nachrichten mehr über die Region Passau. Die letzte Nummer der "Donau-Zeitung" ist für den 29. April 1945 nachweisbar.

Versuch des Neubeginns 1952-53

Nach Kriegsende 1945 bemühte sich die Passavia AG unter ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Generalvikar Franz S. Riemer (1884-1965) und des Vorstands Karl Maier (1907-1969) vergeblich, um eine Lizenz der amerikanischen Militärregierung. Diese privilegierte 1946 vielmehr die von Hans Kapfinger (1902-1985) begründete "Passauer Neue Presse".

Erst nach dem Ende des Lizenzzwangs für die Presse wurde am 1. Dezember 1952 die "Donau-Zeitung" mit ihrem 148. Jahrgang (anknüpfend an 1937) nochmals fortgesetzt. Verantwortliche Redakteure waren Dr. Ludwig und Johannes Meier. Die "Donau-Zeitung" besaß nun eine Gemeinschaftsredaktion in Regensburg und Passau mit eigenen Vertretungen in München und Bonn. Politisch war sie an der damaligen Innen- und Außenpolitik der CDU und CSU orientiert.

Die Zeitung erschien in der Woche sechs Mal. Der Einzelpreis für die "Donau-Zeitung" betrug damals 20 Pfennige. Berichtet wurde traditionsgemäß "aus der Dreiflüssestadt", hier vor allem Lokales. Beilagen der Zeitung unterrichteten über den Bauernhof, Landwirtschaft und Garten. Weitere Beilagen waren "Heimatglocken" und "Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart".

Gegen die mittlerweile erfolgreich etablierte "Passauer Neue Presse" konnte sich die "Donau-Zeitung" jedoch nicht behaupten. Am 30. November 1953 musste sie wegen mangelnder Auflagenhöhe im 149. Jahrgang ihr Erscheinen einstellen.

Dokumente

Literatur

  • Thomas Heller, Untersuchungen zur Passauer Pressegeschichte. Das Passauer Zeitungswesen von 1785-1890 (Neue Veröffentlichungen des Instituts für Ostbairische Heimatforschung 44), Passau 1986.
  • Martin Hille, Joseph Bucher. Verleger, Pressemagnat, Parteiorganisator, in: Egon Boshof (Hg.), Ostbairische Lebensbilder. Band III (Neue Veröffentlichungen des Instituts für Ostbairische Heimatforschung der Universität Passau 54/III), Passau 2007, 123-140.
  • Josef Oswald, Zur Geschichte des Passauer Zeitungswesens, in: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde XIII (1971), 144-160.
  • Helmut W. Schaller, Der Gauverlag Bayerische Ostmark/Bayreuth: Bücher, Zeitschriften und Zeitungen 1933-1945, in: Archiv für Geschichte von Oberfranken 83 (2003), 423-456.

Weiterführende Recherche

Empfohlene Zitierweise

Helmut W. Schaller, Donau-Zeitung, publiziert am 31.03.2008; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Donau-Zeitung> (25.09.2018)