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Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG

Logo der Firma Brose, 2017. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Max Brose (1884-1968) eröffnete 1908 in Berlin ein Handelsgeschäft für Automobilausrüstung. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Produktkatalog der Firma Brose 1914/15. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Gemeinsam mit Ernst Jühling (1875-1956) gründete Brose 1919 in Coburg das Metallwerk Max Brose & Co. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Stich einer Außenansicht des Metallwerks Max Brose & Co., nach 1919. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Max Brose zeigt auf der Berliner Automobilausstellung 1924 seine Produkte. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)

von Claus W. Schäfer

Die Geschichte des 1908 gegründeten Coburger Autozulieferers Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. ist eng mit der Entwicklung der deutschen und bayerischen Wirtschaft verbunden. Als Hersteller von Fahrzeugteilen und -komponenten aller Art zählte er schon vor dem Zweiten Weltkrieg zu den Großen der Branche, vor allem dank seiner "Fenster-Kurbel-Apparate". Nach dem Krieg sorgte die rasante Automobilisierung der Gesellschaft für ein rasches weiteres Wachstum des Unternehmens.

Die Gründung der "Fa. Max Brose"

Die Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG wurde am 4. März 1908 als "Firma Max Brose" in das Handelsregister Berlin-Mitte eingetragen. Die Reichshauptstadt war zu der Zeit nicht nur die am dichtesten besiedelte Metropole Europas, sondern auch der größte Automobilmarkt Deutschlands (1914 waren in Berlin rund 7.000 Automobile gemeldet). Max Brose (1884-1968) handelte mit "Automobilmaterial", das er unter anderem von der Elberfelder Firma "Carl Erbschloe" bezog, die Ende des 19. Jahrhunderts von seinem Vater, Karl Brose, mit einem Partner übernommen worden war. Nach der Übernahme konzentrierte man die Metallverarbeitung auf die Herstellung von Automobilzubehör, das unter anderem von Max Brose über dessen Firma in Berlin vertrieben wurde. Der Erste Weltkrieg setzte dem gut laufenden "Kommissionsgeschäft" ein jähes Ende.

Von Berlin nach Coburg

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Max Brose im Kraftfahrbataillon und ab 1917 in der Heeresverwaltung eingesetzt. Für diese löste er nach dem Waffenstillstand ein Kraftfahrzeugdepot im westpreußischen Elbing (heute: Woiwodschaft Ermland-Masuren, Polen) auf. Dort lernte Max Brose seinen späteren Geschäftspartner Ernst Jühling (1875-1956) kennen, der ihn ermutigte, in das produzierende Gewerbe einzusteigen. Jühling hatte beim Pharmakonzern "Boehringer Ingelheim" Karriere und vor allem Geld gemacht. Das brachte der Chemiker Jühling u. a. in das "Metallwerk Max Brose & Co." ein, das er zusammen mit Max Brose am 14. Juni 1919 in Coburg gründete; dort übernahmen sie von dem zum Verkauf stehenden Metallwerk "Haußknecht & Co." an der Ketschendorfer Straße Firmengelände, Firmengebäude und Gerätschaften; bis heute (2013) hat Brose hier seinen Hauptsitz. Von einem kleinen der insgesamt 20 metallverarbeitenden Betriebe Coburgs hat sich Brose bis heute (2013) zum zweitgrößten Arbeitgeber der oberfränkischen Stadt und zum zweitgrößten Industrieunternehmen Oberfrankens entwickelt.

"Erste Spezialfabrik für Automobil-Zubehör"

Mit der Übernahme des Metallwerkes stieg Max Brose in die Produktion ein. Hergestellt wurde Automobilzubehör, das man unter der Marke "Atlas" vertrieb. Legendär wurden die "Fenster-Kurbel-Apparate", die Mitte der 1920er Jahre ins Programm kamen. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Anzahl der Personenkraftwagen in Deutschland auf rund 350.000 Stück. Dieser Anstieg bedeutete auch eine enorme Steigerung des Absatzes der "Fenster-Kurbel-Apparate" der Firma Brose. Über eine Mio. Reichsmark wurden schließlich am Vorabend der Weltwirtschaftskrise 1929 von der "Erste[n] Spezialfabrik für Automobil-Zubehör" erzielt. Anfang der 1930er Jahre steckten dann nicht nur die Automobilhersteller in der Krise, sondern auch die Zulieferer. 1932 schrieb die "Spezialfabrik" rote Zahlen und beschäftigte in Coburg gerade noch 40 Mitarbeiter. Am Ende der Weltwirtschaftskrise hatte schließlich kaum die Hälfte der über 60 deutschen Automobilhersteller überlebt.

Zwischen Weltwirtschaftskrise und Kapitulation

Die Senkung der Kraftfahrzeugsteuer und der Aufbau eines kreuzungsfreien Fernstraßennetzes seit Anfang der 1930er Jahre sorgten bald schon wieder für einen Aufschwung der Automobilbranche. Mitte der 1930er Jahre stellten die Automobilproduzenten doppelt so viele Fahrzeuge wie im bisherigen Spitzenjahr 1928 her. Auch das Metallwerk Brose konnte von der dadurch angekurbelten Nachfrage profitieren und verzeichnete wieder Umsatzzuwächse. Schon 1934 beschäftigte Brose wieder mehr als 250 Mitarbeiter, die nun nicht mehr nur Lüftungen und Windschutzscheiben herstellten, sondern u. a. auch Benzinkanister.

Nach Verkündung des vorgezogenen zweiten sog. Vierjahres-Planes, der der Aufrüstung absoluten Vorrang einräumte, nahm auch das Coburger Metallwerk eine "Sonderfertigung" auf, die wenige Jahre später drei Viertel des inzwischen in die Millionen gehenden Umsatzes ausmachte. Neben den "Einheitsbehältern für Kraftstoff" wurden auch Munitionsteile zu der Fertigung gezählt, die man 1939 in einem zweiten Werk an der Coburger Uferstraße unterbrachte. Auch das nach wie vor produzierte Automobilzubehör wurde mit Beginn des Zweiten Weltkriegs zum kriegswichtigen Produktbereich. Auf die Rekrutierung der männlichen Mitarbeiter reagierte Brose mit einem verstärkten Fraueneinsatz. Weibliche Arbeitskräfte stellten bis Kriegsende 1945 rund die Hälfte der Belegschaft, die seit 1940 auch um ausländische Arbeitskräfte ergänzt wurde. Zunächst kamen französische Kriegsgefangene zum Einsatz. Die Franzosen wurden schließlich durch Kroaten ergänzt. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 kamen auch russische Kriegsgefangene nach Coburg. Die Firma Brose brachte sie in einem eigenem "Russenlager" unter. Kriegsgefangene und Zivilarbeiter sollen im Rahmen der staatlichen Vorgaben gut behandelt und zum Beispiel auf Firmenkosten mit zusätzlichen Nahrungsmitteln versorgt worden sein. Im Sommer 1944 machten die ausländischen Arbeitskräfte ein Viertel der gut 800 Mitarbeiter aus.

Neuanfang

Im April 1945 besetzten die Amerikaner Coburg und legten das Metallwerk still. Als NSDAP-Mitglieder mussten Max Brose und Ernst Jühling die Leitung der Firma abgeben. An ihre Stelle trat ein Treuhänder, und die Firma stellte mit 20 Mitarbeitern Bratpfannen, Bügeleisen und andere Gebrauchsgegenstände her. Während bei Ernst Jühling die Entnazifizierung relativ rasch abgeschlossen werden konnte und er als "Mitläufer" eingestuft wurde, zog sich das Verfahren bei Max Brose über mehrere Instanzen hin. Der Unternehmer war Mitte der 1930er Jahre zum Präsidenten der Coburger Industrie- und Handelskammer ernannt worden und in dieser Funktion in den Beirat der Wirtschaftskammer Bayern gelangt. Angesichts der "führenden Rolle" im Coburger Wirtschaftsleben stufte die dortige Spruchkammer Max Brose als "Minderbelasteten" ein, obwohl er nach Einschätzung der Kammer weder "Nutznießer" noch "Naziaktivist" war. Gegen den Spruch legte Max Brose Berufung ein. Angesichts des Widerspruchs zwischen Einschätzung und Einstufung hob die Berufungskammer den erstinstanzlichen Spruch auf und wandelte ihn in "Mitläufer" um. Eine Beurteilung, der sich auch die Hauptkammer Nürnberg anschließen konnte.

Als Max Brose im Herbst 1948 wieder an die Spitze seines Unternehmens trat, hatte mit der Einführung der D-Mark bereits der wirtschaftliche Neubeginn eingesetzt. Mit dem Eisernen Vorhang war Coburg zwar von der Mitte an den Rand des deutschen Wirtschaftsraums gerückt, aber dennoch profitierten Stadt wie Unternehmen von dem Aufschwung, der sich in den 1950er Jahren bundesweit einstellte. Während sich das Arbeitnehmereinkommen verdoppelte, förderte die Bundesregierung die Automobilisierung mit Steuersenkungen, dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der Einführung der sog. Kilometer-Pauschale. Als 1955 der einmillionste Volkswagen (VW-Käfer) vom Band rollte, hat das "Metallwerk Max Brose & Co." einen Umsatz von etwa zehn Mio. DM mit fast allen Automobilherstellern der Bundesrepublik erlöst. Diese wurden in erster Linie mit Fensterhebern in verschiedenster Ausführung beliefert. In den 1950er Jahren gehörten auch Schreibmaschinen zu den Umsatzträgern. Die seit 1953 produzierte "Brosette" blieb aber nur wenige Jahre im Produktportfolio. 1959 wurde der Ausflug in das Büromaschinengeschäft wieder beendet.

Ein Familienunternehmen

Mitte der 1950er Jahre stellte sich in dem Unternehmen endgültig die Nachfolgefrage. Ernst Jühling hatte zwar - wie Max Brose - zwei Töchter, aber auch noch einen 1925 geborenen Sohn, in dem er seinen natürlichen Nachfolger sah. Den erkannte Max Brose wiederum in seinem 1947 geborenen Enkel Michael Stoschek. Über die Frage der Nachfolge gingen die Meinungen der Unternehmer so weit auseinander, dass sich ihre Wege trennten. Max Brose übernahm die Anteile Ernst Jühlings und dessen Erben für gut zwei Mio. DM und führte das Unternehmen noch über ein Jahrzehnt alleine weiter. Als der Gründer im Frühjahr 1968 im Alter von 84 Jahren starb, wurden knapp 1.000 Mitarbeiter in seinem Werk beschäftigt und fast 35 Mio. DM Umsatz erzielt. Verfügte 1960 etwa ein Viertel der bundesdeutschen Haushalte über einen Personenkraftwagen, konnte sich 1970 schon jeder zweite Haushalt ein Auto leisten. Vom exponentiellen Anstieg der Anzahl zugelassener Fahrzeuge profitierten nicht nur die Hersteller, sondern auch Zulieferer wie Brose.

Als Max Brose 1968 starb, hatte der designierte Nachfolger Michael Stoschek seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Seine Tante Gisela Brose (1912-1983), die älteste Tochter Max Broses, übernahm für drei Jahre die Geschäftsführung und trat als Komplementärin in das in eine Kommanditgesellschaft umgewandelte Unternehmen ein. In der Zeit absolvierte Michael Stoschek zunächst seinen Wehrdienst und dann eine Siemens-Stammhauslehre. Anfang Oktober 1971 übergab Gisela Brose wie geplant die Führung an den inzwischen dreiundzwanzigjährigen Neffen.

Michael Stoschek (geb. 1947) übernahm im Alter von 23 Jahren im Oktober 1971 die Führung des Unternehmens. Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)
Michael Stoschek (rechts) übergibt Ende 2005 nach 34 Jahren den Vorsitz der Geschäftsführung an Jürgen Otto. Es ist das bis dato erfolgreichste Geschäftsjahr der Firmengeschichte: Brose erwirtschaftet 2,2 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigt rund 8.900 Mitarbeiter an 37 Standorten in 19 Ländern. (Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. Kommanditgesellschaft, Coburg)

Michael Stoschek

Kaum hatte sich der Nachfolger einen Überblick verschafft, erste Korrekturen in Organisation und Verwaltung des Unternehmens vorgenommen, da wurde es von den Folgen jener Krise getroffen, die den Industrienationen eine ihrer Grenzen aufzeigen sollte. Infolge des Jom-Kippur-Krieges zwischen Israel einerseits und Ägypten und Syrien andererseits kam es im Herbst 1973 zum "Ölpreisschock", der ersten Ölkrise. Die Folgen waren fatal. Vier autofreie Sonntage führten den Bundesbürgern ihre Abhängigkeit von den Erdölimporten vor Augen. Die Automobilindustrie und mit ihr die Zulieferer schlitterten in eine Absatzkrise. Broses Umsatz sank 1974 um 15 %, die Belegschaft musste um ein Viertel auf rund 850 Mitarbeiter reduziert werden. Michael Stoschek reagierte mit einer Doppelstrategie: Einerseits versuchte er mit Diversifikationen – unter anderem wurden Wasserhähne hergestellt – die Kapazitäten bei Brose auszulasten. Andererseits sollten Produktinnovationen den Absatz beflügeln. Massiv ließ Stoschek an Systemen forschen, die den Komfort für den Autofahrer erhöhten. Das Ergebnis waren elektrische Fenster- und Sitzverstellungen, die dem Unternehmen den Einstieg in die Zulieferung zur automobilen Oberklasse von BMW und Daimler-Benz erleichterten. Der große wirtschaftliche Erfolg erforderte den Aus- und Umbau des Standorts Coburg Anfang der 1980er Jahre und des Werkes Hallstadt bei Bamberg am Ende des Jahrzehnts.

"Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG"

Die Entwicklung neuer Produkte modifizierte das Metallwerk Brose dergestalt, dass das Unternehmen Anfang der 1980er Jahre in "Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG" umbenannt wurde. Unter diesem Namen expandierte die Gesellschaft weiter, national wie international. Ende der 1980er Jahre wurden Werke in England und Spanien, aber auch in Gera (Thüringen) und Meerane (Sachsen) eröffnet. In den 1990er Jahren erfolgte der Schritt nach Übersee. Gleichzeitig wurden die Brose-Produkte modularisiert: Statt Fensterheber wurden ganze Türsysteme gefertigt, statt Sitzverstellungen komplette Sitze produziert. Als Michael Stoschek Anfang 2007 die Geschäfte an Jürgen Otto übergab, machte das Unternehmen mit fast 9.000 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 2,2 Mrd. Euro.

Mit Jürgen Otto übernahm erstmals ein familienfremder Manager die Leitung des Familienunternehmens. Dessen Expansion ging trotz der Zäsur weiter: Von der Continental AG wurde Ende 2007 die Elektromotoren-Sparte übernommen, die Conti mit VDO von Siemens gekauft hatte. Mit der Übernahme brachte Brose nicht nur einen seiner wichtigsten Zulieferer in seinen Besitz, sondern erschloss sich auch neue Tätigkeitsfelder. Heizungen und Lüftungen, Lenkungen und Bremssysteme gehören seit 2008 zum Brose-Portfolio. Nach einem Einbruch infolge der internationalen Finanzkrise 2008/2009 wächst das Familienunternehmen wieder und peilt die Vier-Milliarden-Euro-Umsatzgrenze an. Das Wachstum sichert Brose einen Platz unter den 50 größten Automobilzulieferern der Welt - weit abgeschlagen hinter den Branchenriesen Schaeffler, Continental oder Bosch, die zumeist an der Spitze der Rangliste stehen.

Literatur

  • Jens Korn, Brose. Vom Coburger Metallwerk zum Global Player, in: Wolfgang Jahn (Hg.), Coburg. Die Residenzler, das Coburger Land, Martin Luther in Coburg, Samba und Bratwurst, Veste Coburg und Schloss Callenberg (Edition Bayern 9), Augsburg 2013, 66-67.
  • Gregor Schöllgen, Brose, ein deutsches Familienunternehmen 1908-2008, Berlin 2008.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Claus W. Schäfer, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, publiziert am 11.06.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG> (21.08.2018)