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Verein für bayerische Kirchengeschichte e.V.

von Helmut Baier

1925 gegründeter evangelischer Verein zur Erforschung der Kirchengeschichte Bayerns. Der Verein ist eng an das Landeskirchliche Archiv in Nürnberg angebunden und gibt eine Schriftenreihe und eine Zeitschrift heraus. Sinn und Zweck des (evangelischen) Vereins für bayerische Kirchengeschichte ist die Erforschung der bayerischen Kirchengeschichte im Zusammenhang der allgemeinen Kirchengeschichte. Dazu gibt er die "Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte" und die "Arbeiten zur Kirchengeschichte Bayerns" heraus. Er trägt Mitverantwortung für die deutsche Territorialkirchengeschichte. Die gesamte Arbeit geschieht im ökumenischen Geiste.

Zur Vorgeschichte

Titelblatt der Zeitschrift "Blätter für bayerische Kirchengeschichte". Abb. aus: Blätter für bayerische Kirchengeschichte 1 (1887/88). (Bayerische Staatsbibliothek Bavar. 418 am-1/2)

Aufgrund des nach dem Lutherjahr 1883 wiedererwachten historischen Interesses unter den Geistlichen warben der Erlanger Kirchenhistoriker Theodor von Kolde (1850-1913) und der zeitweilig ebenfalls in Erlangen lehrende Albert Hauck (1845-1918) für ein Publikationsorgan für bayerische Kirchengeschichte. Auf dem Nürnberger Missionsfest 1887 wurden die "Blätter für bayerische Kirchengeschichte" aus der Taufe gehoben, die nur drei Jahre Bestand hatten. Ab 1895 gab Kolde, der als Begründer der universitären bayerischen Kirchengeschichte gilt, die "Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte" heraus. Wissenschaftlich ausgerichtet, wollte er bei den Geistlichen und den Gemeinden die Liebe zur eigenen Geschichte wecken. Unter seinen Nachfolgern, den Kirchenhistorikern Hermann Jordan (1878-1923) und Christian Bürckstümmer (1874-1924) erschienen die Beiträge bis 1925.

Gründung 1924

Schon anlässlich des Reformationsjubiläums 1917 regte der spätere Erlanger Kirchenhistoriker Karl Schornbaum (1875-1953) die Gründung eines Vereins an, der im Sommer 1924 ins Leben gerufen wurde. Seine erste Tagung hielt er 1925 in Rothenburg ob der Tauber ab; die alljährliche Tagungstradition wird bis heute beibehalten.

Zeitliche parallel entstanden auf evanglischer Seite regionale kirchengeschichtliche Vereine in Württemberg (1920), der Pfalz (1925), Baden (1928) und Thüringen (1929). Vergleichbare katholische Gründungen waren die Diözesangeschichtsvereine von München-Freising (1924), Regensburg (1925) und Würzburg (1932).

Arbeitsfelder

Titelblatt der ersten Ausgabe der Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte. Abb. aus: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 1 (1926). (Bayerische Staatsbibliothek Bavar. 4733 o-1)

Seit 1925 erscheinen in unregelmäßigen Abständen die "Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns" (83 Bände bis 2004). Seit Band 84/2008 wurde der Name der Reihe geändert in "Arbeiten zur Kirchengeschichte Bayerns" (AKGB). Dazu trat ab 1. April 1926 die "Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte" (74 Jahrgänge bis 2005, erzwungen unterbrochen von 1943-1948).

1925 konnten auf Veranlassung des Vereins im Zusammenwirken mit dem späteren Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) eine Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum und 1930 das Landeskirchliche Archiv in Nürnberg ihre Tätigkeit aufnehmen. In der Geschichte des Vereins war mehrfach der Leiter des Landeskirchlichen Archivs gleichzeitig auch der gewählte Vorsitzende des Vereins.

Konsolidierung, Entfaltung, Aufgaben

Schornbaum, dessen quellenfundierte wissenschaftliche Geschichtsschreibung zur Reformationszeit und dem Pietismus bemerkenswert ist, folgte 1953 Matthias Simon (1893-1972) nach. Simon war der bislang bedeutendste evangelische Territorialkirchenhistoriker Bayerns, zu dessen beachtenswerten Werken die bayerische Kirchengeschichte, Pfarrerbücher, der Band Evangelische Kirche des Historischen Atlas von Bayern und die dreibändige Ausgabe der Kirchenordnungen aus dem bayerischen Raum gehören.

Zitierte Werke von Matthias Simon

  • Evangelische Kirchengeschichte Bayerns, Nürnberg 2. Auflage 1952.
  • Die evangelische Kirche (Historischer Atlas von Bayern. Kirchliche Organisation), München 1960.
  • Ansbachisches Pfarrerbuch. Die evangelisch-lutherische Geistlichkeit des Fürstentums Brandenburg-Ansbach 1528 - 1806 (Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns 28), Nürnberg 1957.
  • Die evangelischen Kirchenordnungen des XVI. Jahrhunderts. Band 11-13, Tübingen 1961-1966.

Wegen des in den letzten Jahrzehnten ständig gewachsenen Defizits von Geschichtsbewusstsein innerhalb der Kirche bemüht sich der Verein um eine Neubewertung von Kontinuität und um Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen für die bayerische Kirchengeschichte. So entstand als Mehrverfasserwerk ein "Handbuch der Geschichte der Evangelischen Kirche in Bayern" (Sankt Ottilien, 2000-2002). 1992 führte der Verein die erste gesamtdeutsche territorialkirchengeschichtliche Tagung in Schweinfurt durch.

Die Vorsitzenden des Vereins
Vereinsvorsitzende Lebensdaten Amtszeit
Dr. D. Karl Schornbaum 1875-1953 1924-1953
Lic. theol. Matthias Simon 1893-1972 1953-1965
Pfarrer Georg Kuhr 1907-1989 1966-1971
Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Kantzenbach 1932-2013 1972-1978
Dr. Helmut Baier geb. 1939 1978-2004
Pfarrer Prof. D. Dr. Rudolf Keller geb. 1948 seit 2005

Literatur

  • Werner K. Blessing, Friedrich Wilhelm Kantzenbach, in: ZBKG 83, 2014, 1-9
  • Helmut Baier, Das Historische Gewissen der Kirche. 75 Jahre Verein für bayerische Kirchengeschichte. (Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns 74), Neustadt an der Aisch 1999.
  • Helmut Baier, Verein für bayerische Kirchengeschichte, in: Dietrich Blaufuss/Thomas Scharf-Wrede (Hg.), Territorial-Kirchengeschichte. Handbuch für Landeskirchen- und Diözesangeschichte (Veröffentlichungen der Arbeitsgemeinschaft der Archive und Bibliotheken in der evangelischen Kirche 26), Neustadt an der Aisch 2005, 17-32.
  • Wolfgang Huber, Karl Schornbaum, in: ZBKG 83, 2014, 10-43
  • Wolfgang Huber, Matthias Simon, in: ZBKG 83, 2014, 44-66

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Helmut Baier, Verein für bayerische Kirchengeschichte e.V., publiziert am 11.05.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Verein_für_bayerische_Kirchengeschichte_e.V.> (26.06.2019)