Hinweis: Durch die Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren

Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Erster Sitz des LAELKB (1931-1955) in der Tuchergartenstr. 7 in Nürnberg. (Lagerort und Signatur: LAELKB, Bildersammlung Orte [Nürnberg, Landeskirchliches Archiv] O 6)
Sitz des LAELKB (1955-2013) in der Veilhofstr. 28 in Nürnberg. (LAELKB, Marion Tonke)
Sitz des LAELKB (1955-2013) in der Veilhofstr. 28 in Nürnberg (Foto: Werner Jürgensen M.iur.utr., LAELKB)
Sitz des LAELKB seit 2013 in der Veilhofstr. 8 in Nürnberg. (LAELKB, Marion Tonke)

von Andrea Schwarz

Das Landeskirchliche Archiv dokumentiert evangelisch-kirchliches Wirken im Territorium des heutigen Freistaats Bayern in Vergangenheit und Gegenwart. Es ist Ausdruck der Verantwortung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) für ihr kulturelles Erbe und steht für das Bewusstsein der rechtlichen Bedeutung des kirchlichen Archivguts und seines wissenschaftlichen, geschichtlichen und künstlerischen Wertes (vgl. Präambel des "Archivgesetzes für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern" - ArchG).

Aufgaben

Die Aufgaben des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB) definiert das Archivgesetz (ArchG), in Kraft seit dem 1. Mai 2000. Der § 3 nennt als Aufgaben: das Archivgut

  • a) zu sichten, zu erfassen, zu bewerten und aufzunehmen,
  • b) auf Dauer zu verwahren, zu sichern, instand zu setzen und zu erhalten,
  • c) zu erschließen, nutzbar zu machen, für die Benutzung bereitzustellen und auszuwerten.

Zuständigkeit

Das LAELKB ist zuständig für die Archivierung des archivreifen und archivwürdigen Schriftguts der Institutionen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) (z. B. der kirchenleitenden Organe Landessynode, Landessynodalausschuss, Landeskirchenrat und Landesbischof, der Regionalbischöfe in den Kirchenkreisen, der Dekanate sowie Kirchengemeinden, wobei letztere als Körperschaften des öffentlichen Rechts ihre Unterlagen auch selber archivieren können). Es verwahrt außerdem Schriftgut von kirchlichen Vereinen und Nachlässe von Geistlichen. Von großer Bedeutung ist auch das Material von kirchlichen Vorgängerinstitutionen aus Territorien, die früher auf dem Boden des heutigen Freistaats Bayern existierten.

Das Landeskirchliche Archiv hat die Fachaufsicht über alle kirchlichen Archive und Bibliotheken der ELKB und übt beratende Funktionen aus.

Die räumliche Zuständigkeit des neuen Archivs umfasst den gesamten Sprengel der ELKB, der identisch ist mit dem Territorium des Freistaats Bayern. Im Gegensatz zu den katholischen Diözesen mit ihren seit dem Mittelalter gewachsenen Gebieten erkennt man am Zuständigkeitsbereich der ELKB die junge Kirche des frühen 19. Jahrhunderts.

Benutzung

Archivierte Unterlagen, die seit mehr als zehn Jahren abgeschlossen sind, stehen grundsätzlich jedermann zur Benutzung offen. Für personenbezogenes Schriftgut gelten Sonderregelungen. Es besteht ein Nutzungsanspruch, wenn ein kirchliches, amtliches, wissenschaftliches, rechtliches, heimat- oder familiengeschichtliches Interesse glaubhaft gemacht wird.

Für Dienstleistungen des LAELKB werden Gebühren und Auslagen erhoben. Forschungen zu wissenschaftlichen, heimatkundlichen, seelsorgerischen oder unterrichtlichen Zwecken sind gebührenfrei.

Die Mehrzahl der persönlichen Benutzer sind Familienforscher (Genealogen); sie stellen auch einen Großteil der schriftlichen Anfragen.

Details der Rechtsvorschriften zur Nutzung von kirchlichem Archiv-und Bibliotheksgut benennen die "Verordnung über die Benutzung kirchlichen Archivgutes und die Erhebung von Gebühren und Auslagen durch kirchliche Archive" vom 17. Februar 2004 sowie die "Benutzungsordnung der Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs der ELKB (LAELKB)", in Kraft seit dem 1. September 2005.

Gründung

Nach dem Ende der königlich bayerischen evangelischen Staatskirche und der Neustrukturierung einer weitgehend vom Staat unabhängigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern durch die Verfassung von 1921 stellte sich die Frage der Tradierung des Schriftguts der vergangenen Epochen (wichtige Persönlichkeiten dieser Zeit: Präsident der verfassunggebenden Generalsynode Wilhelm Freiherr von Pechmann [1859-1948], Kirchenpräsident Friedrich Veit [1841-1948]). Auch der 1924 gegründete Verein für bayerische Kirchengeschichte setzte sich von Anfang an für die Gründung eines "Landeskirchenarchivs" ein (erster Vorsitzender war der Dekan von Roth, Karl Schornbaum [1875-1953]). 1925 wurde durch den Landeskirchenrat eine Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum eingerichtet, die ihren Ort im Predigerseminar in Nürnberg fand. Der damalige Leiter des Predigerseminars und spätere Landesbischof Hans Meiser (1881-1956) sowie Karl Schornbaum waren bedeutende Förderer des Vorhabens, ebenso Kirchenvizepräsident Karl Gebhard (1864-1941), der Hauptschöpfer der Kirchenverfassung von 1921. Die Landessynode der ELKB beschloss schließlich am 29. August 1930 in Ansbach die Errichtung eines Landeskirchlichen Archivs mit Dienstsitz in Nürnberg, mitten in altem evangelischem Gebiet.

Das Archivmaterial wurde aus den Gebäuden der früheren kirchlichen (Zentral-)Behörden in Ansbach, Bayreuth, München, aus Nürnberg und den Dekanatssitzen geholt. Die Sammelstelle wurde dem neuen Archiv ebenfalls einverleibt.

Am 1. Juni 1931 begann das Archivpersonal seine Tätigkeit in einer adaptierten Villa in der Tuchergartenstr. 7 im Nürnberger Stadtteil Gärten hinter der Veste.

Die Unterlagen des LAELKB überstanden den Zweiten Weltkrieg größtenteils unbeschädigt, da man sie rechtzeitig aufs Land ausgelagert hatte. Lediglich ca. 750 Bände der Fenitzer-Dilherr'schen Bibliothek (zur Hälfte Material des 19. und 20. Jahrhunderts) gingen in den unmittelbaren Nachkriegswirren verloren (bei einem Gesamtbestand dieser Bibliothek von gut 11.000 Bänden).

Erster Neubau

Aufgrund der Platznot nach dem Zweiten Weltkrieg veranlasste die ELKB die Errichtung eines Neubaus auf dem Areal des Predigerseminars in der Veilhofstr. 28 im Stadtteil Wöhrd (Architekt: Wilhelm Schlegtendal [1906-1994]; Bauzeit: 1953-1955). Das neue Haus umfasste einen viergeschossigen Magazintrakt, einen Verwaltungstrakt mit kleinem Leseraum, einigen Büros, einer Restaurierungs- und einer Fotowerkstatt sowie die Wohnung des Dienststellenleiters im ersten Stock und die des Hausmeisters im Souterrain. In diesem Gebäude befand sich das LAELKB bis zum Sommer 2013.

Bestände

Das Landeskirchliche Archiv verfügte im April 2014 über 12,8 laufende Kilometer Archivgut und ist damit das zweitgrößte Kirchenarchiv Deutschlands (nach dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers).

Eine Auswahl wichtiger Bestände: Markgräfliches Konsistorium Ansbach (ca. 1400 Archivalien, 15. Jh.-1806), Markgräflichbayreuthische Superintendenturen Baiersdorf, Bayreuth, Hof, Kulmbach, Münchberg, Neustadt/Aisch, Wunsiedel, Ämter der Reichsstadt Nürnberg (ca. 3.000 Akten und Amtsbücher, 15. Jh.-1806), Königlich bayerisches Oberkonsistorium (ca. 7.000 Akten, ca. 1810-1920), Königlich bayerisches Konsistorium Ansbach (ca. 6.000 Archivalieneinheiten), Königlich bayerisches Konsistorium Bayreuth (ca. 7.000 Archivalieneinheiten), Konsistorium des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha, Landeskirchenrat (ca. 7.000 Akten), Landesbischof, Landessynode, Landessynodalausschuss, Pfarrarchive (über 500) mit historischen Kirchenbüchern (ca. 15.000), Diakoniewerk Bayern (ca. 6.500 Akten) und andere Anstalten, Stiftungen, Vereine und Einrichtungen, Nachlässe von Theologen, Kirchenjuristen, Kirchenmusikern (über 300, z. B. Landesbischöfe Hans Meiser und Hermann Dietzfelbinger [1908-1984], Oberkonsistorialpräsident Hermann von Bezzel, Oberkirchenrat Heinrich Riedel [1903-1989], Familie Stählin), Druckschriftensammlung, Sammlung "Kirchenkampf", Plakate, Karten, Pläne, Filme, Videobänder, Schallplatten, Tonkassetten etc. (vgl. die Beständeübersicht auf der Homepage des LAELKB: archiv-elkb.de).

In seiner Bibliothek, einer der größten Kirchenbibliotheken Deutschlands, lagern 4,1 laufende Kilometer Bücher, ca. 150.000 Bände, die teils aus historischen Depotbibliotheken bestehen (Fenitzer-Dilherr'sche Bibliothek (s.o.), Nürnberger Spitalbibliothek, Pfannenstiel'sche Bibliothek aus Weiden), teils aus einer wissenschaftlichen Amts- und Spezialbibliothek mit den Schwerpunkten Bayerische Kirchengeschichte, Landesgeschichte und Kirchenrecht. Bemerkenswert ist auch die Sammlung deutschsprachiger Originalgesangbücher (ca. 2.700, 17.-20. Jh.).

Aktueller Neubau

Von September 2011 bis September 2013 ließ die ELKB in der Nähe des bisherigen Gebäudes durch gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner aus Hamburg einen Neubau errichten. Das neue Haus bietet Magazinplatz für 34 laufende Kilometer Archiv- und Bibliotheksgut. Es umfasst neben Verwaltungsräumen einen Lesesaal und eine Freihandbibliothek sowie einen großen Saal.

Der Verein für bayerische Kirchengeschichte, der dem LAELKB seit seiner Gründung eng verbunden ist, hat sein Geschäftszimmer im Neubau; die Archivleiterin ist Mitglied des Gesamtvorstands.

Archivleitung
Lebensdaten Amtszeit
Pfarrer Prof. D. Dr. phil. Karl Schornbaum 1875-1953 1931-1947
Pfarrer D. Matthias Simon 1893-1972 1947-1963
Dr. phil. Karlheinrich Dumrath 1911-1983 1963-1975
Dr. phil. Helmut Baier geb. 1939 1975-2004
Dr. phil. Andrea Schwarz seit 2004
Akademisches Personal
Lebensdaten Amtszeit
Dr. phil. Heinrich Gürsching 1896-1955 1931-1952
Theol. Helene Burger 1907-1989 1933-1973
Pfarrer Johannes Georg Kuhr 1907-1989 1962-1974
Dr. phil. Christoph Freiherr von Brandenstein 1976-2002
Werner Jürgensen M. iur. utr. seit 1978
Dr. phil. Jürgen König seit 2002
Dr. phil. Daniel Schönwald M.A. seit 2013

Literatur

  • Helmut Baier, Die Bibliotheken des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, in: Bibliotheks-Forum Bayern 12 (1984), 153-160.
  • Renate Jürgensen (Bearb.), Bibliothek des Landeskirchlichen Archivs, in: Eberhard Dünninger (Hg.), Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland 12: Bayern I-R, Hildesheim/Zürich/New York 1996, 167-182.
  • Werner Jürgensen, Gelehrtenbibliotheken im Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern in Nürnberg, in: Johannes Merz (Hg.), Kirchliche Buchbestände als Quelle der Kulturgeschichte, Würzburg 2010, 95-108.
  • Hans Otte (Hg., unter Mitarbeit von Beate Magen), Handbuch des kirchlichen Archivwesens. 1. Band: Die zentralen Archive in der evangelischen Kirche, Neustadt an der Aisch 4. Auflage 1997, 11-68.
  • Andrea Schwarz, Die Entstehung des Landeskirchlichen Archivs der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und seine Entwicklung, in: Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 76 (2007), 22-36.

Quellen

  • Amtsblatt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 2000, 185-189. (Druck des Archivgesetzes)
  • Amtsblatt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 2004, 75-80. (Druck der Archivbenutzungs- und Gebührenordnung)
  • Amtsblatt für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 2005, 225-226. (Druck der Benutzungsordnung der Bibliothek des LAELKB)

Weiterführende Recherche

Externe Links

Sammelstelle für landeskirchliches Schrifttum, Landeskirchliches Archiv

Empfohlene Zitierweise

Andrea Schwarz, Landeskirchliches Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, publiziert am 01.09.2014; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Landeskirchliches_Archiv_der_Evangelisch-Lutherischen_Kirche_in_Bayern> (13.11.2018)