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Nobelpreisträger

Nobelpreismedaille von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923). (Universitätsarchiv Würzburg, Nachlass Röntgen, Nobelpreismedaille)


von Bernhard Fritscher

Durch den Chemiker Alfred Nobel (1833-1896) gestifteter und nach ihm benannter Preis, der seit 1901 für herausragende Leistungen auf den Gebieten Physik, Chemie, Medizin, Literatur und für Bemühungen um den Frieden (seit 1969 auch Wirtschaftwissenschaften) verliehen wird. Die Auswahl der Preisträger erfolgt für die Bereiche Physik und Chemie durch die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, für Chemie und Medizin durch das Karolinska Institutet in Stockholm und für Literatur durch die Schwedische Akademie. Die Friedensnobelpreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments. Die Nobelpreise sind in ihren Gebieten die weltweit höchste Auszeichnung. Rund 30 Nobelpreisträger stammen aus Bayern oder haben hier gewirkt, wobei Naturwissenschaftler dominieren. Wichtige Institutionen, an denen "bayerische" Nobelpreisträger wirkten, sind die Universitäten München und Würzburg, die Technische Universität München und die Max-Planck-Institute. Die prämierten Leistungen wurden in der Regel vor 1914 oder nach 1945 erbracht.

Nobelpreisträger in bzw. aus Bayern

Conrad Wilhelm Röntgen, Nobelpreisträger für Physik 1901. (aus: Leipziger Illustrierte Zeitung 1920, 494)

Der erste Nobelpreis für Physik, verliehen im Jahr 1901, ging nach Bayern: an Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923), der 1895 an der Universität Würzburg die berühmten, nach ihm benannten Strahlen entdeckt hatte, die heute aus der Medizin und der wissenschaftlichen Forschung nicht mehr wegzudenken sind. Seither haben diese höchste wissenschaftliche Auszeichnung wiederholt Forscher erhalten, die in Bayern geboren wurden und/oder eng mit bayerischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbunden waren - zuletzt (2005) Theodor W. Hänsch (geb. 1941), Professor für Physik an der Universität München und Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching.

"Bayerische Nobelpreisträger"

Feier zur Verleihung der Nobelpreise 1929 in Stockholm. In der ersten Reihe am Mittelgang ist Thomas Mann (1875-1955) zu erkennen, der in diesem Jahr den Literaturnobelpreis für sein Frühwerk "Buddenbrooks" erhielt. (Foto: Axel Malmström, Gemeinfrei via Wikimedia Commons)
Nobelpreisurkunde von Paul Heyse (1830-1914) von 1911. (bavarikon) (Bayerische Staatsbibliothek, Heyse-Archiv V.105)

Die Frage, wie viele Nobelpreisträger Bayern für sich in Anspruch nehmen kann, lässt sich nicht ganz eindeutig beantworten. Insgesamt sind über 30 Nobelpreise an Forscher und Persönlichkeiten vergeben worden, die entweder in Bayern geboren wurden oder aber hier entscheidende Jahre ihrer wissenschaftlichen Karriere verbracht haben.

Diese Zahl umfasst dann allerdings etwa auch den in Fürth geborenen ehemaligen amerikanischen Außenminister Henry Kissinger (geb. 1923; Friedensnobelpreis 1973) oder Arno Allen Penzias (geb. 1933), einen US-amerikanischen Physiker jüdischer Herkunft, der in München geboren wurde (Nobelpreis Physik 1978).

Nimmt man dagegen die Auszeichnungen für wesentlich in Bayern erbrachte wissenschaftliche und literarische Leistungen, so beträgt die Zahl etwa die Hälfte. Immerhin vier Preisträger allerdings sind in Bayern geboren und haben hier auch ihre maßgeblichen Forschungen durchgeführt:

Die Mehrzahl der "bayerischen Nobelpreisträger" sind aber entweder nicht hier geboren oder aber sie haben die entscheidenden Jahre ihrer wissenschaftlichen Arbeit außerhalb Bayerns verbracht. So war etwa der gebürtige Würzburger Werner Heisenberg (1901-1976; Nobelpreis Physik 1932) bereits Nobelpreisträger, als er 1958 die Leitung des Max-Planck-Instituts für Physik und Terrestrische Physik in München übernahm. Gleiches gilt für Eduard Buchner (1860-1917; Nobelpreis Chemie 1907) und Rudolf Mößbauer (1929-2011; Nobelpreis Physik 1964), beide geborene Münchner, die erst später als Professoren nach Würzburg bzw. München berufen wurden.

Dagegen war beispielsweise Max von Laue (1879-1960) nicht in Bayern geboren und auch nur knappe drei Jahre in München tätig; aber gerade in dieser Zeit gelang ihm die Beobachtung der Beugung von Röntgenstrahlen an Kristallen, die ihm 1914 den Nobelpreis für Physik eintrug.

Chemie, Physik, Medizin, Literatur

Unter den insgesamt sechs Kategorien, in denen der Nobelpreis vergeben wird, ist Bayern in fast allen vertreten. Allein der seit 1969 verliehene Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ging bisher nur ein einziges Mal an einen deutschen bzw. in Deutschland arbeitenden Forscher (Reinhard Selter 1994), der aber weder aus Bayern stammt noch dort wirkte.

Mit über 25 Preisträgern überwiegen dabei eindeutig die Naturwissenschaftler mit etwa gleichviel Auszeichnungen für die Physiker und Chemiker, gefolgt von den Medizinern/Physiologen.

Mit dem Schriftsteller Paul Heyse (1830-1914; Nobelpreis Literatur 1910), der über ein halbes Jahrhundert in München wirkte, kann Bayern aber zumindest einen Literaturnobelpreisträger vorweisen. Wie weit auch Thomas Mann (1875-1955) hier mit einzubeziehen ist, sei dahingestellt. Aber dessen Roman "Buddenbrooks", der ihm 1929 die Ehrung durch das Nobel-Komitee einbrachte, ist in der Münchner Zeit entstanden.

Schließlich ist Bayern auch mit dem Friedensnobelpreis verbunden, nämlich durch den schon genannten gebürtigen Fürther Henry Kissinger sowie den Historiker und Publizisten Ludwig Quidde (1858-1941; Friedensnobelpreis 1927), der 1907-1918 Abgeordneter im Bayerischen Landtag war.

Spiegel der Politik und der "Wissenschaftslandschaft"

Die Geschichte des Nobelpreises spiegelt die politische Entwicklung Bayerns bzw. Deutschlands im 20. Jahrhundert. Die Mehrzahl der Auszeichnungen wurde für Leistungen vergeben, die entweder vor 1914 oder aber nach 1945 erbracht wurden. Von den wenigen Nobelpreisen, die in der Zwischenkriegszeit an bayerische bzw. in Bayern wirkende Forscher vergeben wurden, hat letztlich nur der Chemiker Hans Fischer (1881-1945; Nobelpreis Chemie 1930) seine prämierten Forschungsergebnisse zumindest teilweise als Professor für Chemie an der Technischen Universität München erzielt.

Daneben spiegelt der Nobelpreis – insbesondere in der Zeit nach 1945 – auch die Entwicklung der bayerischen "Wissenschaftslandschaft". Insgesamt sind die drei großen bayerischen Universitäten – die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität München sowie die Julius-Maximilians-Universität Würzburg – in etwa gleichrangig vertreten. Zumindest einmal – als vorübergehende Wirkungsstätte des Chemikers Emil Hermann Fischer (1852-1919; Nobelpreis Chemie 1902) – erscheint auch die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.

Darüber hinaus zeichneten sich die bayerischen Universitäten auch immer wieder als Ausbildungsstätten späterer Nobelpreisträger aus. Max Planck (1858-1947; Nobelpreis Physik 1918) etwa oder Wolfgang Ketterle (geb. 1957; Nobelpreis Physik 2001) studierten und promovierten in München, Walther Hermann Nernst (1864-1941; Nobelpreis Chemie 1920) in Würzburg.

Auch ausländische Preisträger haben frühe Schritte ihrer Karriere in Bayern absolviert, wie etwa der niederländische Chemiker Peter Debye (1884-1966; Nobelpreis Chemie 1936), der sich in München habilitierte.

Eindeutiger Spitzenreiter bei den Institutionen, die im Zusammenhang mit den bayerischen Nobelpreisträgern genannt werden, sind aber die nach 1945 in Bayern gegründeten bzw. angesiedelten Max-Planck-Institute, wenngleich die dort tätigen Wissenschaftler in aller Regel zugleich Professoren an einer der großen bayerischen Universitäten waren bzw. sind - wie etwa der jüngste Preisträger Theodor W. Hänsch (Nobelpreis Physik 2005), Direktor am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching und Professor für Physik in München.

Über seine Nobelpreisträger hinaus, hat Bayern heute noch eine weitere enge Verbindung zu dem berühmten Wissenschaftspreis: Seit 1951 findet in Lindau jedes Jahr die inzwischen weltweit anerkannte Tagung der Nobelpreisträger statt. Immer in der letzten Juni-Woche treffen sich dort im jährlichen Wechsel Preisträger der Physik, Chemie und Medizin - seit 2004 in zweijährigem Turnus auch der Wirtschaftswissenschaften -, um mit jungen Wissenschaftlern und Studenten zu arbeiten und zu diskutieren.


Nobelpreisträger, die in Bayern geboren wurden oder längere Zeit hier gewirkt haben
Name Lebensdaten Auszeichnung Bemerkungen
Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) NP Physik 1901
Emil Hermann Fischer (1852-1919) NP Chemie 1902
Adolf von Baeyer (1835-1917) NP Chemie 1905
Eduard Buchner (1860-1917) NP Chemie 1907 geb. in München
Paul Heyse (1830-1914) NP Literatur 1910
Wilhelm Wien (1864-1928) NP Physik 1911
Max von Laue (1879-1960) NP Physik 1914
Richard Willstätter (1872-1942) NP Chemie 1915
Johannes Stark (1874-1957) NP Physik 1919, geb. auf Gut Schickenhof, Oberpfalz
Heinrich Wieland (1877-1957) NP Chemie 1927
Ludwig Quidde (1858-1941) Friedensnobelpreis 1927
Thomas Mann (1875-1955) NP Literatur 1929
Hans Fischer (1881-1945) NP Chemie 1930
Werner Heisenberg (1901-1976) NP Physik 1932 geb. in Würzburg
Hans Spemann (1869-1941) NP Medizin/Physiologie 1935
Adolf Butenandt (1903-1995) NP Chemie 1939
Rudolf Mößbauer (1929-2011) NP Physik 1961 geb. in München
Feodor Lynen (1911-1979) NP Medizin/Physiologie 1964 geb. in München
Ernst Otto Fischer (1918-2007) NP Chemie 1973 geb. in München-Solln
Karl von Frisch (1886-1982) NP Medizin/Physiologie 1973
Konrad Lorenz (1903-1989) NP Medizin/Physiologie 1973
Henry Kissinger (geb. 1923) Friedensnobelpreis 1973 geb. in Fürth
Arno Allen Penzias (geb. 1933) NP Physik 1978 geb. in München
Georges Köhler (1946-1995) NP Medizin/Physiologie 1984 geb. in München
Klaus von Klitzing (geb. 1943) NP Physik 1985
Gerd Binnig (geb. 1947) NP Physik 1986
Jack Steinberger (geb. 1921) NP Physik 1988 geb. in Bad Kissingen
Johann Deisenhofer (geb. 1943) NP Chemie 1988 geb. in Zusamaltheim
Robert Huber (geb. 1937) NP Chemie 1988 geb. in München
Hartmut Michel (geb. 1948) NP Chemie 1988
Erwin Neher (geb. 1944) NP Medizin/Physiologie 1991 geb. in Landsberg/Lech
Theodor W. Hänsch (geb. 1941) NP Physik 2005
Gerhard Ertl (geb. 1936) NP Chemie 2007 1973-1986 Lehrstuhlinhaber an der LMU München
Harald zur Hausen (geb. 1936) NP Medizin/Physiologie 2008 1969 Habilitation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Mitarbeiter am dortigen Institut für Virologie; 1972-1977 Professor am Lehrstuhl für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg

Literatur

  • F.A.Brockhaus - Lexikonredaktion (Hg.), Nobelpreise: Chronik herausragender Leistungen, Mannheim 2001.
  • Nobelstiftelsen/Nobel Foundation (Hg.), Les Prix Nobel/The Nobel Prizes: Nobel prizes, presentations, biographies and lectures, Stockholm 1901 (1904) ff.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Bernhard Fritscher, Nobelpreisträger, publiziert am 13.11.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Nobelpreisträger> (13.12.2018)