Fugger von der Lilie (15./17. Jahrhundert)

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von Stefan Birkle

Die Fugger stiegen nach ihrem Zuzug im 14. Jahrhundert innerhalb weniger Generationen zu einer der bedeutendsten und wohlhabendsten Familien Augsburgs auf und etablierten sich als führende Kaufleute und Kreditgeber ihrer Zeit. Parallel zu ihrer Handelstätigkeit, die bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts fortgeführt wurde, erlangte die Familie im Lauf des 16. Jahrhunderts den Grafentitel und begann mit dem Ankauf von Herrschaften v. a. im heutigen Regierungsbezirk Schwaben und im angrenzenden Baden-Württemberg. Mitglieder der verschiedenen Linien der Familie Fugger betätigten sich außerdem als Stifter, im Fürstendienst oder im kulturellen Bereich.

Ursprünge und Aufstieg

Ein Eintrag im Augsburger Steuerbuch von 1367 vermerkt, dass Hans Fugger (gest. ca. 1408) im Jahr 1367 in die Stadt zog ("Fucker advenit"). Basierend auf einer Annahme im "Ehrenbuch" der Fugger aus der Mitte des 16. Jahrhunderts galt lange Zeit Graben (Lkr. Augsburg) als Herkunftsort der Familie. Inzwischen verdichten sich jedoch die Hinweise, dass Hans Fugger aus einem Ort im heutigen Landkreis Günzburg stammen dürfte. Bei seiner Ankunft in Augsburg jedenfalls war Hans Fugger kein mittelloser Weber, sondern brachte bereits ein gewisses Vermögen mit, das der Familie den Einstieg in den Handel erleichterte.

Die Söhne Andreas der Reiche (ca. 1394-1458) und Jakob der Alte (ca. 1398-1469) gingen Mitte des 15. Jahrhunderts geschäftlich eigene Wege: Andreas wurde zum Stammvater der "Fugger vom Reh", die jedoch nach einem missglückten Darlehensgeschäft bereits um die Jahrhundertwende bankrottgingen. Die von Jakob Fugger dem Alten ausgehenden "Fugger von der Lilie" dagegen hatten geschäftlich mehr Erfolg. Und auch der soziale Aufstieg innerhalb der Reichsstadt Augsburg setzte sich fort über Heiratsverbindungen zu angesehenen Augsburger Familien, den Zugang zur Herrentrinkstube und 1538 schließlich die Aufnahme ins Patriziat.

Tätigkeit als Händler und Bankiers

Als Handelszeichen verwendeten die Fugger einen Dreizack, der später noch um einen Ring ergänzt wurde. Abb. aus: Das Ehrenbuch der Fugger, Handschrift 1545-1547, S. 4-5. (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 9460)

Vor dem Hintergrund der florierenden Textilproduktion des ausgehenden 14. Jahrhunderts fassten Mitglieder der Familie Fugger Fuß im Handelsgeschäft: Sie importierten Baumwolle über Venedig, die mit Leinen aus heimischer Produktion zu einem neuartigen Mischgewebe, dem Barchent, verarbeitet wurde, und nahmen anschließend den Webern die fertigen Tuche ab. Aber auch mit verschiedenen anderen Waren - laut dem "Ehrenbuch" etwa mit "Specerien, Seiden, vnd wullin gewand" - handelten die Fugger. Im 15. Jahrhundert leiteten mit Elisabeth Fugger (geb. Gfattermann, gest. ca. 1436) und Barbara Fugger (geb. Bäsinger, 1419-1497) zwei Frauen als Nachfolgerinnen ihrer verstorbenen Ehemänner für mehrere Jahre erfolgreich das Unternehmen, bevor ab dem 16. Jahrhundert die weiblichen Familienmitglieder durch entsprechende Regelungen in den "Gesellschaftsverträgen" von der Leitung der Handelsgesellschaft ausgeschlossen wurden.

Mehr und mehr stiegen die Fugger im ausgehenden 15. Jahrhundert auch ins Finanzgeschäft ein. An die päpstliche Kurie in Rom überwiesen sie nun regelmäßig Abgaben aus verschiedenen Bistümern nördlich der Alpen sowie später auch Ablassgelder, gewährten Darlehen und begegnen im 16. Jahrhundert wiederholt als Pächter der "Zecca", der päpstlichen Münze in Rom. Wichtigster Empfänger von Darlehen der Fugger wurden jedoch die Habsburger.

Besitzungen und Aufstieg in den Adel

Der Aufstieg der Fugger in den Adel steht in Zusammenhang mit dem Verkauf der Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn durch Maximilian I. (reg. 1486-1519, ab 1508 Kaiser) an Jakob Fugger den Reichen (1459-1525) im Jahr 1507. Dabei waren nicht nur grundsätzliche und v. a. lehensrechtliche Fragen offen geblieben, sondern der Augsburger Bürger Jakob Fugger hatte auch nach seiner Erhebung in den Ritterstand (1511) Schwierigkeiten, vom landsässigen Adel anerkannt zu werden. Maximilian I. setzte ihn deshalb 1514 in einer offensichtlich bewusst unklar formulierten Urkunde einem Reichsgrafen und Lehensträger des Reichs gleich. Nach dem Tod Jakob Fuggers bemühten sich dessen Neffen und Nachfolger im Jahr 1526 erfolgreich um die Erneuerung des Grafentitels, der nun erblich wurde. Auch die Ehen der Familie Fugger spiegeln diese Entwicklung wieder: Während die Ehepartner zunächst noch überwiegend aus bürgerlichen und dann patrizischen Kreisen stammten, wurden in der Folgezeit Ehen mit Angehörigen adeliger Familien aus dem süddeutschen und österreichischen Raum vorherrschend.

An den Kauf von Kirchberg-Weißenhorn schlossen sich weitere Gütererwerbungen an, darunter Biberbach (1514) und Mickhausen (1528) im Landkreis Augsburg, Glött (1537) im Landkreis Dillingen a. d. Donau sowie Babenhausen (1538), Kirchheim und Boos (beide 1551) im Landkreis Unterallgäu. Auffallend bei diesen und weiteren fuggerschen Erwerbungen sind das langfristige Festhalten an den erworbenen Gütern und das Bestreben, den vorhandenen Besitz möglichst noch zu erweitern und abzurunden. Andere Familien wie die Welser oder Rehlinger zeigten eine deutlich größere Bereitschaft, ihre Güter und Herrschaften nach einigen Jahren auch wieder zu verkaufen.

Zudem trafen die Fugger verschiedene konkrete Maßnahmen, um ihre Erwerbungen fest in der Hand der Familie zu halten. So wurden die Fuggerschen Herrschaften in drei großen Güterteilungen (1548, 1575 und 1589) als Fideikommissgut zwischen den Söhnen Raymund Fuggers (1489-1535) und Anton Fugger (1493-1560) bzw. dessen Söhnen aufgeteilt. Zwei weitere Besitzteilungen folgten im frühen 17. Jahrhundert.

Parallel dazu zeigte sich bei den Fuggern eine zunehmende Tendenz, den Lebensmittelpunkt von der Stadt auf das Land und in die einzelnen Herrschaften hinein zu verlegen. Flankiert wurde diese Entwicklung durch die 1582/83 erfolgreichen Bemühungen von Nachkommen Anton Fuggers zur Erlangung der Reichs- und Kreisstandschaft. Zudem begannen Mitglieder der Familie nach 1620 damit, ihren Grafentitel auch aktiv zu führen. Als Bürger von Augsburg war ihnen das zumindest in der Stadt nicht möglich gewesen.

Linien (Fugger von der Lilie)

Die Ehe von Jakob Fugger dem Reichen mit Sibylla Artzt (ca. 1480-1546) war kinderlos geblieben. Zwei seiner Brüder jedoch hatten Nachkommen: Nur kurz existierte die von Ulrich (1441-1510) abstammende Linie, die mit dem Tod des gleichnamigen Sohns Ulrich (1490-1525) und dessen Bruder Hieronymus (1499-1538) im Mannesstamm erlosch. Die von Georg (1453-1506) ausgehende Linie dagegen teilte sich bereits in der nächsten Generation in eine Raymund- und eine Anton-Linie. Diese beiden Linien verzweigten sich in der Folge weiter und blühen noch heute in den Linien Fugger-Kirchberg (abstammend von Raymund Fugger), Fugger-Babenhausen und Fugger von Glött (beide abstammend von Anton Fugger).

Wappen

Wappen der "Fugger von der Lilie". Abb. aus: Das Ehrenbuch der Fugger, Handschrift 1545-1547, S. 11. (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 9460)

Die "Fugger von der Lilie" erhielten am 9. Juni 1473 von Kaiser Friedrich III. (reg. 1440-1493) das namengebende Wappen. Es handelt sich dabei um einen gespalten Schild von Gold und Blau mit jeweils einer Lilie in verwechselten Farben in den beiden Hälften. Im Oberwappen finden sich ein silberner Helm mit einer Lilie, zwei Büffelhörnern und einer Helmdecke, die ebenfalls in Gold und Blau gehalten sind. Nach der Übernahme der Herrschaft Kirchberg-Weißenhorn und dem Aufstieg der Fugger in den Grafenstand wurde das Lilienwappen mit Wappenbestandteilen kombiniert, die für die Herrschaftsbestandteile Kirchberg und Weißenhorn stehen. Spätere Varianten dieses gräflichen Fuggerwappens weisen beispielsweise unterschiedliche Herzschilde und Oberwappen auf, an denen sich die verschiedenen Linien der Familie erkennen lassen.

Grablege

Als Angehörige der Augsburger Pfarrei St. Moritz wurden zunächst verschiedene Mitglieder der Familie Fugger auf dem dortigen Friedhof begraben. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die Fuggerkapelle bei St. Anna als Grablege für die männlichen Familienmitglieder erbaut und 1518 geweiht. Sie konnte diese Funktion aber aufgrund der Ausbreitung der Reformation in Augsburg nicht voll erfüllen. Denn auch die Kirche St. Anna wurde protestantisch, während sich die Familie Fugger gegen die Reformation stellte. Aufgrund dieser Konstellation blieb die Zukunft der Fuggerkapelle über Jahrzehnte derart unsicher, dass dort letztendlich nur fünf Familienmitglieder bestattet wurden. Beginnend mit Anton Fugger, der 1560 in Babenhausen (Lkr. Unterallgäu) seine letzte Ruhe fand, errichteten die einzelnen Linien der Familie eigene Grablegen in ihren Herrschaften.

Entwicklung der fuggerschen Handelsgesellschaft im Laufe der Zeit

Seit 1494 wurde der "Gemeine Handel" der Fugger über sog. Gesellschaftsverträge organisiert, die in der Regel auf sechs Jahre befristet waren und dann erneuert wurden. Diese Verträge regelten etwa die Einlage und Entnahme von Geldern, die Verteilung der Gewinne oder auch die Geschäftsführung, die bald nach dem Vorbild Jakob Fuggers durch einen leitenden "Schaffierer" oder "Regierer" erfolgte. Als mit ihrem Vermögen haftende Teilhaber am Handel kamen männliche Familienangehörigen infrage, die nicht Geistliche geworden waren.

Den Einstieg in den "Tiroler Handel" ebneten die Darlehen an Erzherzog Sigmund den Münzreichen (reg. 1446-1490) und an den späteren Kaiser Maximilian I. Denn statt Zinsen erhielten die Fugger für diese Darlehen Silberlieferungen aus Tiroler Bergwerken. Für den "Bergsegen" hatte nämlich der Landesherr ein Vorkaufsrecht, das er zur Tilgung seiner Schulden an die Fugger abtrat. Diese konnten nun Silber zu einem günstigen Fixpreis kaufen, wodurch sich eine entsprechende Gewinnspanne ergab. Eigene Bergwerke und Schmelzhütten betrieben die Fugger in Tirol erst seit den frühen 1520er Jahren.

Ein Vertrag mit Johann Thurzo von Bethlemfalva (1437-1508) aus dem Jahr 1494 begründete den "Ungarischen Handel". Gemeinsam betrieben die bald auch verschwägerten Geschäftspartner Bergwerke in der heutigen Slowakei. Eine große Herausforderung bestand darin, Kupfer und Silber aus diesen dezentral gelegenen Bergbaugebieten auf den Markt zu bringen, wozu anfangs die Infrastruktur noch fehlte. Nach dem Ausstieg der Thurzo 1528 führten die Fugger den "Ungarischen Handel" alleine weiter.

Die Etablierung des "Spanischen Handels" hing wiederum eng mit dem weiterhin hohen Finanzbedarf der Habsburger zusammen. Zur Tilgung der Schulden aus Darlehensverträgen mit der spanischen Krone ("Asientos") erhielten die Fugger u. a. 1525 erstmals die Pacht der "Maestrazgos", also der Einkünfte der mit der Krone vereinigten Großmeisterämter der spanischen Ritterorden Calatrava, Alcántara und Santiago. Neben Zehnteinkünften in Geld- oder Naturalienform bekamen die Fugger v. a. durch das Bergwerk von Almadén Zugriff auf Zinnober und damit auf Quecksilber, das für das neuartige Amalgamierungsverfahren bei der Verarbeitung von Silbererz zentrale Bedeutung bekam. Zudem waren die Fugger an den Zentren des Überseehandels präsent. Im Gegensatz zum Venezuela-Unternehmen der Welser kam ein ähnliches Eroberungs- und Kolonisationsunternehmen der Fugger an der Westküste Südamerikas trotz entsprechender Planung nicht zur Umsetzung, weil ein Vertragsentwurf mit Karl V. (reg. 1519-1556) aus dem Jahr 1531 – möglicherweise aus Vorsicht Anton Fuggers – wohl doch wieder verworfen und damit nicht ratifiziert wurde.

Zur Abwicklung ihrer Geschäfte betrieben die Fugger ein europaweites Netz an Handelsniederlassungen, sog. Faktoreien. Geleitet wurden die Niederlassungen jeweils von einem Faktor, dem weiteres Personal unterstellt war. Ein Hauptbuchhalter bildete die Schnittstelle zur Geschäftsführung.

Aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen und anderer Interessensschwerpunkte seiner potentiellen Nachfolger beabsichtigte bereits Anton Fugger, den Handel aufzugeben. Tatsächlich kam es zunächst jedoch nur zur Einstellung des "Ungarischen Handels" im Jahr 1546. Die anderen Bereiche des Handels wurden nach schwierigen, aber schließlich erfolgreichen Umstrukturierungen noch etwa ein Jahrhundert lang fortgeführt.

Politischer Einfluss und Bedeutung

Als 1519 Karl V. zum Kaiser gewählt wurde, steuerte Jakob Fugger der Reiche mehr als die Hälfte der Wahlkosten bei, und auch in den folgenden Jahrzehnten stammte etwa ein Fünftel der Darlehen an die spanische Krone von den Fuggern. Die durch populärwissenschaftliche Arbeiten verbreitete Behauptung, die Fugger hätten sich dadurch einen Kaiser "gekauft", gilt durch neuere Forschungen als widerlegt, wie auch die negative Bewertung der Wahlfinanzierung, die sich in vielen älteren Arbeiten findet, inzwischen von einer differenzierteren Betrachtungsweise abgelöst wurde.

1548 handelte Anton Fugger mit dem siegreichen Kaiser günstige Bedingungen für seine Heimatstadt Augsburg aus, die sich im Schmalkaldischen Krieg auf die Seite der späteren Verlierer geschlagen hatte. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts finden sich vereinzelt fuggersche Familienmitglieder als Bürgermeister oder Stadtpfleger in einflussreichen städtischen Ämtern. Auch auf Reichsebene, etwa als Präsidenten bzw. Vizepräsidenten des Reichskammergerichts und des Reichshofrats, und im Fürstendienst traten immer wieder Fugger in Erscheinung. Für den Herzog bzw. Kurfürsten von Bayern waren etwa Johann Jakob Fugger (1516-1575) als Präsident der Hofkammer und Ott Heinrich Fugger (1592-1644) mit verschiedenen Ämtern am Hof und als Pfleger von Landsberg am Lech tätig.

Religiöse und kulturelle Betätigung

Eine kirchliche Laufbahn hatten bereits Markus Fugger (1448-1478) und dessen gleichnamiger Neffe Markus Fugger (1488-1511) eingeschlagen, die aber beide jung in Rom gestorben waren. In der Reformation positionierten sich die Fugger früh und eindeutig gegen Martin Luther (1483-1546), der seinerseits den Beruf des Kaufmanns im Allgemeinen und Jakob Fugger den Reichen im Speziellen kritisierte. Auch die späteren Generationen der Fugger blieben mit wenigen Ausnahmen der katholischen Kirche treu, was sich unter anderem in der Förderung der Jesuiten äußerte. Zahlreiche Familienmitglieder wurden Nonnen, Stiftsdamen, Domherren oder Pröbste. Sigmund Friedrich Fugger (reg. 1598-1600) und Jakob Fugger (reg. 1604-1626) wurden Bischöfe von Regensburg bzw. Konstanz (Baden-Württemberg).

Deutliche und bis heute sichtbare Spuren hinterließen die Fugger als Bauherren sowohl in Augsburg als auch in den verschiedenen Besitzungen, die teilweise zu Herrschaftssitzen mit repräsentativen Schlössern ausgebaut wurden. In zahlreichen Kirchen und Kapellen waren die Fugger als Patronatsherren ebenfalls an baulichen Veränderungen beteiligt. Zudem betätigten sich Familienmitglieder als Sammler und Förderer von Kunst, Literatur und Musik.

Des Weiteren sind die Fugger für ihre Stiftungstätigkeit bekannt. Durch die beiden Stiftungsbriefe von 1521 und 1548 und weitere Zustiftungen entstanden im 16. Jahrhundert neun große Fuggersche Stiftungen. Diese verfügten schon früh über eine eigenständige Finanzverwaltung mit einer klaren Trennlinie zum Firmen- und Privatvermögen. Gleichwohl waren und sind Vertreter der verschiedenen Linien der Fugger zunächst als "verwalter und executores", wie es im Wortlaut des Stiftungsbriefs von 1521 heißt, und später in der Form des Familienseniorats eng mit den Stiftungen verbunden.

Bedeutende Vertreter

Titelblatt des Buches "Von der Gestüterey" von Markus Fugger verfasst und 1584 in Frankfurt gedruckt. (Bayerische Staatsbibliothek, Res/2 Oecon. 48)

Die ältere Fuggerforschung konzentrierte sich hauptsächlich auf den Aufbau und die Leitung der Fuggerschen Handelsfirma unter Jakob Fugger dem Reichen und Anton Fugger. Zunehmend rückten aber auch Familienmitglieder der folgenden Generationen in den Fokus, die in anderen Bereichen wirkten.

Marx Fugger (1529-1597) etwa, der älteste Sohn Anton Fuggers, war nicht nur mit der Fortführung der Handelsfirma betraut, sondern verfasste mit "Von der Gestüterey" ein Standardwerk zur Pferdezucht.

Sein Bruder Hans Fugger (1531-1598) wurde bereits von der älteren Forschung als Kunstliebhaber charakterisiert, der sich mit dem Bau und der reichen Ausstattung von Schloss Kirchheim (Lkr. Unterallgäu) verdient machte. Seine umfangreiche und in mehreren Kopierbüchern erhaltene Korrespondenz bildet eine reichhaltige Quelle für verschiedene Forschungen.

Johann Jakob Fugger (in der Forschungsliteratur meist Hans Jakob Fugger) aus der Raymund-Linie, wurde 1548 Bürgermeister von Augsburg. Zusammen mit Marx Fugger stand auch er für einige Jahre an der Spitze der Handelsfirma, wechselte nach einem persönlichen Bankrott 1564 jedoch in bayerische Dienste, wo er schließlich Präsident der Hofkammer wurde. Auf seine Initiative hin entstanden sowohl das "Ehrenbuch“ der Fugger als auch der "Ehrenspiegel des Hauses Österreich". Seine umfangreiche Bibliothek, die er 1571 an Herzog Albrecht V. von Bayern (reg. 1550-1579) verkaufte, bildete den Grundstock für die heutige Bayerische Staatsbibliothek.

Ott Heinrich Fugger (1592-1644) war zwar Handels- und Grundherr, ist aber v. a. für seine Militärkarriere im Dreißigjährigen Krieg bekannt. In spanischen, bayerischen und kaiserlichen Diensten stieg er vom Obristen zum Generalfeldzeugmeister auf und führte den Oberbefehl über die Artillerie sowie im Jahr 1634 interimsweise über die gesamte Armee der katholischen Liga. Anschließend war er für ein Jahr kaiserlicher Statthalter und Kommandant von Augsburg sowie bis zu seinem Tod Kommandant der Augsburger Stadtgarde.

Quellenlage

Zentrale Quellen zur Geschichte der Fugger werden im Fürstlich und Gräflich Fuggerschen Familien- und Stiftungsarchiv in Dillingen a. d. Donau aufbewahrt. Neben den verschiedenen Urkunden- und Rechnungsbeständen bieten dabei auch umfangreiche Aktenbestände Einblick in die verschiedenen Tätigkeitsfelder der Fugger. Dazu zählen beispielsweise die verschiedenen Bestände des Handelsarchivs sowie die (in unterschiedlicher Dichte überlieferten) Akten zu den verschiedenen Fuggerschen Herrschaften. Zu einzelnen Mitgliedern der Familie existieren zudem Bestände mit "Familiensachen", die bespielsweise verschiedene Korrespondenz, Informationen zu Heiraten, zur Ausbildung der Kinder oder zu Nachlassangelegenheiten enthalten.

Literatur

  • Johannes Burkhardt (Hg.), Die Fugger und das Reich. Eine neue Forschungsperspektive zum 500jährigen Jubiläum der ersten Fuggerherrschaft Kirchberg-Weißenhorn (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft 32; Studien zur Fuggergeschichte 41), Augsburg 2008.
  • Johannes Burkhardt/Franz Karg (Hg.), Die Welt des Hans Fugger (1531–1598) (Materialien zur Geschichte der Fugger 1), Augsburg 2007.
  • Johannes Burkhardt, Zwölf Fuggervorträge. Mit einer Auswahl von Buchpräsentationen (Fugger-digital 3), Augsburg 2014.
  • Die Fugger im Bild: Selbstdarstellung einer Familiendynastie der Renaissance. Begleitbuch zur Schatzkammerausstellung anlässlich der Erwerbung des Ehrenbuchs der Fugger (Cgm 9460) und der Fuggerorum et Fuggerarum ... imagines (Cod.icon. 380) (Patrimonia 346; Ausstellungskataloge 82), Luzern 2010.
  • Stephanie Haberer, Ott Heinrich Fugger (1592-1644). Biographische Analyse typologoscher Handlungsfelder in der Epoche des Dreißigjährigen Krieges (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft 29Studien zur Fuggergeschichte 38), Augsburg 2004.
  • Mark Häberlein, Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367-1650), Stuttgart 2006.
  • Franz Karg, Die Fugger im 16. und 17. Jahrhundert, in: Renate Eikelmann (Hg.), "lautenschlagen lernen und ieben": Die Fugger und die Musik. Anton Fugger zum 500. Geburtstag. Ausstellung in den historischen "Badstuben" im Fuggerhaus, Maximilianstraße 36, Augsburg, 10. Juni bis 8. August 1993, Augsburg 1993, 99-110.
  • Norbert Lieb, Die Fugger und die Kunst im Zeitalter der Hohen Renaissance (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft 4; Studien zur Fuggergeschichte 14), München 1958.
  • Norbert Lieb, Die Fugger und die Kunst im Zeitalter der Spätgotik und der frühen Renaissance. Mit einem Exkurs: Die Bildhauer der Fugger-Kapelle bei St. Anna zu Augsburg. Stilkritische Bemerkungen zu Sebastian Loscher und Hans Daucher, von Karl Feuchtmayr (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft 1; Studien zur Fuggergeschichte 10), München 1952.
  • Robert Mandrou, Die Fugger als Grundbesitzer in Schwaben, 1560-1618: eine Fallstudie sozioökonomischen Verhaltens am Ende des 16. Jahrhunderts (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 136; Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 26; Studien zur Fuggergeschichte 35), Göttingen 1997.
  • Gerhart Nebinger/Albrecht Rieber, Genealogie des Hauses Fugger von der Lilie: Stammtafeln (Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 17; Studien zur Fuggergeschichte 26), Tübingen 1978.
  • Götz Freiherr von Pölnitz, Anton Fugger. 3 Bde. in 5 Teilbde., Bd. III/2 fortgeführt von Hermann Kellenbenz (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft Reihe 4 6, 8, 11, 13, 20; Studien zur Fuggergeschichte 13, 17, 20, 22, 29) Tübingen 1958-1986.
  • Götz Freiherr von Pölnitz, Die Fugger, Frankfurt am Main 1960.
  • Götz Freiherr von Pölnitz, Jakob Fugger. Kaiser, Kirche und Kapital in der oberdeutschen Renaissance. 2 Bde., Tübingen 1949-1951.
  • Martha Schad: Die Frauen des Hauses Fugger von der Lilie (15.-17. Jahrhundert): Augsburg – Ortenburg – Trient (Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 22; Studien zur Fuggergeschichte 31), Tübingen 1989.
  • Dietmar Schiersner (Hg.), Familiensache Kirche? Die Fugger und die Konfessionalisierung (Materialien zur Geschichte der Fugger 8), Augsburg 2016.
  • Carolin Spranger, Der Metall- und Versorgungshandel der Fugger in Schwaz in Tirol 1560-1575 zwischen Krisen und Konflikten (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft 31; Studien zur Fuggergeschichte 40), Augsburg 2006.

Quellen

  • Georg Simnacher/Maria Gräfin Preysing, Die Fuggertestamente des 16. Jahrhunderts. Bd. 2: Edition der Testamente (Schwäbische Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte 25; Studien zur Fuggergeschichte 34), Weißenhorn 1992.
  • Christl Karnehm/Maria Gräfin Preysing (Bearb.), Die Korrespondenz Hans Fuggers von 1566 bis 1594: Regesten der Kopierbücher aus dem Fuggerarchiv. 2 Bände in 3 Teilbänden (Quellen zur neueren Geschichte Bayerns: III Privatkorrespondenzen 1, 2/1, 2/2) München 2003.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Stefan Birkle, Fugger von der Lilie (15./17. Jahrhundert), publiziert am 30.8.2021; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Fugger_von_der_Lilie_(15./17._Jahrhundert)> (18.09.2021)




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