Handelsgesellschaften (15. bis 17. Jahrhundert)

von Regina Dauser

Um für kapitalintensive kaufmännische Unternehmungen einen ausreichenden Kapitalgrundstock aufbringen zu können, schlossen sich seit dem späten Mittelalter Kaufleute zu Handelsgesellschaften zusammen. Im süddeutschen Raum wurden Handelsgesellschaften v. a. in den dortigen Fernhandelsmetropolen gegründet. Besonders in Nürnberg und Augsburg etablierten sich Handelsgesellschaften von internationalem Renommee, die im 15. und 16. Jahrhundert ihre Glanzzeit erlebten. Mehrere Staatsbankrotte europäischer Monarchien sowie der Dreißigjährige Krieg bedeuteten für diese Handelsgesellschaften zwar empfindliche Belastungen; trotz gewandelter Rahmenverhältnisse konnten sie im 17. Jahrhundert ihre Verhältnisse aber wieder stabilisieren. Die Zukunft gehörte im 18. Jahrhundert freilich den Unternehmungen von Einzelkaufleuten.

Zielsetzung und Organisationsformen

Definition

Seit dem späten Mittelalter wurden in Europa in wachsendem Umfang Handelsgesellschaften als Zusammenschluss von zwei oder mehr Personen begründet, um durch die Verbindung mehrerer Akteure einen gemeinsamen Kapitalgrundstock für kaufmännische Unternehmen – insbesondere im kapitalintensiven Fernhandel – sowie eine gemeinsame Handelsorganisation auszubilden. Handelsgesellschaften existierten in ihrer Teilhaberstruktur sowie im rechtlichen Verhältnis der Beteiligten untereinander in unterschiedlichen Varianten; die Grundlagen der gegenseitigen Geschäftsbeziehungen, auch die Laufzeit der Gesellschaft, waren für gewöhnlich eigens in einem Gesellschaftsvertrag geregelt. Ein Handelsrecht im heutigen Sinne mit übergreifenden Normen existierte noch nicht; Herrschaftsträger, so auch Reichsstädte, konnten hier einen entsprechenden rechtlichen Rahmen setzen (vgl. etwa Ordnungen Nürnbergs und Frankfurts am Main, die im 15./16. Jahrhundert bereits explizit auf das Gesellschaftsrecht Bezug nahmen). Die Forschung unterscheidet die Entwicklung des Nord- und Ostseeraums (vgl. die Hanse) von der des Mittelmeerraums, der die Ausbildung von Gesellschaften in Süddeutschland maßgeblich beeinflusste.

Organisationsformen

Handelsgesellschaften mit einem großen, nicht allein aus Familienverbänden rekrutierten Teilhaberkreis, der - wenngleich selten - bis zu ca. 80 Teilhaber umfassen konnte, sind von kleineren, ausgesprochenen Familiengesellschaften zu unterscheiden. Letztere suchten den Teilhaberkreis gezielt auf eine kleine Gruppe nah miteinander verwandter, meist männlicher Akteure zu beschränken. Handelsgesellschaften (Companien) konnten über mehrere Generationen hinweg bestehen, jedoch auch bereits nach der Erledigung eines gemeinsamen Projekts enden (Handelsgesellschaft als Commenda, v. a. im Seehandel). Gründe für die Auflösung einer Handelsgesellschaft – über eine gezielt kurze Vertragslaufzeit hinaus – waren vielfältig: Sie reichten von der Verlagerung von Geschäftsinteressen der Teilhaber über den Tod bedeutender Gesellschafter bis hin zu wachsenden Verlusten bzw. zum Konkurs der Handelsgesellschaft. Größere Handelsgesellschaften, die Kapitalgeber über Familienbindungen hinaus zusammenschlossen, sind bereits aus dem Italien des 14. Jahrhunderts bekannt, waren für den süddeutschen Raum jedoch nicht charakteristisch.

Dort verstärkte sich der Trend zur Beschränkung des Gesellschafterkreises seit Beginn des 16. Jahrhunderts, so dass um die Jahrhundertmitte Unternehmen mit einer stark begrenzten, verwandtschaftlich eng verbundenen Gesellschaftergruppe dominierten. Dieser Trend setzte sich auch im 17. Jahrhundert fort. Im 18. Jahrhundert wurden Handelsgeschäfte schließlich vorwiegend von Einzelkaufleuten betrieben. Mitspracherechte und Entscheidungsstrukturen in einer Handelsgesellschaft konnten unterschiedlich geregelt sein: Eine gleichberechtigte Leitung des Unternehmens war ebenso möglich wie eine Beauftragung einer Gesellschaftergruppe oder – seltener – einer Geschäftsleitung durch einen einzelnen "Regierer". In Handelgesellschaften mit einem größeren Teilhaberkreis war eine Gesellschafterversammlung mit klar geregeltem Abstimmungsmodus zur gemeinsamen Entscheidung über geschäftliche Aktivitäten und zur Abrechnung erforderlich.

Jedes Gesellschaftsmitglied brachte einen bestimmten Kapitalbetrag zu Gewinn und Verlust in die gemeinsamen Unternehmungen ein und arbeitete häufig in der Firma mit. Entsprechend der Höhe der Kapitaleinlage wurden Gesellschafter an der Ausschüttung von Gewinnen beteiligt, die in der Regel zumindest zum Teil reinvestiert wurden. Entsprechend mussten auch Verluste anteilig getragen werden. Zusätzlich zum Stammkapital der Gesellschafter konnten Geldmittel durch festverzinsliche Geldeinlagen, sog. Depositen, gewonnen werden. Die Einlage von Depositen, die häufig von Angestellten der Gesellschaft oder anderen Kapitalgebern stammten, war jedoch nicht mit Mitspracherechten verbunden. Bestimmungen zur Auflösung der Gesellschaft, zur Entnahme von Geldern aus der Gesellschaft durch die Teilhaber und zu Erbrechten ihrer Nachkommen waren im Gesellschaftsvertrag festgehalten. Zur Finanzierung besonders kapitalintensiver und risikoträchtiger Projekte konnten sich auch mehrere Gesellschaften vertraglich verbinden.

Bedeutende Handelsgesellschaften: Standorte und Geschäftsfelder

Handelsgesellschaften entwickelten sich seit dem ausgehenden Mittelalter im Kontext des aufsteigenden Handels, insbesondere des Fernhandels. Entsprechend wurden sie v. a. in den süddeutschen Fernhandelsmetropolen, in erster Linie in Reichsstädten, begründet. Dabei ist nicht nur an Nürnberg und Augsburg als die bekanntesten Fernhandelsstädte zu denken, sondern auch an Städte wie Bamberg, Memmingen, Nördlingen, Lindau, Konstanz oder Kempten, in denen sich Handelsgesellschaften etablierten. Herausragende Bedeutung im Transithandel, gerade auch mit dem Osten Europas, erlangten bereits im Hochmittelalter Passau und Regensburg.

Das im 13. Jahrhundert entstandene Runtingerhaus in der Regensburger Keplerstraße. Die Runtinger reüssierten in der zweiten Hälfte des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts insbesondere im typischen Regensburger Handel mit Luxuswaren (Gewürze, Seide). (Foto von Sebastian Fischer lizensiert durch CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Regensburg und Passau

In Regensburg agierten vorrangig von Familienverbänden dominierte Gesellschaften wie die der Gumprecht, Ingolstetter und Sitauer oder der bekannten Runtinger. Nach ersten Rückschlägen im 13. Jahrhundert verlor Regensburg jedoch seine Vorrangstellung im Laufe des 15. Jahrhunderts endgültig an Nürnberg. Passau nahm im 15. und 16. Jahrhundert eine führende Rolle im Handel, v. a. mit Salz, Getreide und Wein, im bayerisch-böhmisch-österreichischen Raum ein. Der Salzhandel wurde zum größeren Teil seit 1540 – und damit zeitweise dem Regensburger Salzhandel vergleichbar – in einem Beteiligungsmodell unter städtischer Regie organisiert, das einer Aktiengesellschaft ähnelte. Die Einführung des herzoglich bayerischen Monopols auf den Salzhandel (1594) beendete jedoch Passaus Hochphase als herausragende Stadt des Transithandels.

Landesherrliche Versuche, München in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (insbesondere im Transithandel) zu einem zentralen Handelsplatz zu machen, scheiterten. Auch im 16. Jahrhundert konnten sich weder im gering ausgeprägten Exportgewerbe (v. a. Tuche, Glas) noch im Massengüterhandel im Herzogtum Bayern überregional bedeutsame Fernhandelszentren etablieren; vielmehr wurde angesichts der vorteilhaften nachbarschaftlichen Lage der Austausch mit Handelsgesellschaften in Nürnberg und Augsburg, die zu europäischen Fernhandelsmetropolen aufstiegen, weiter intensiviert.

Nürnberger Handelsgesellschaften

Bedeutende Handelsgesellschaften und ihre Geschäftstätigkeit

Die zwischen Hafen und neuer Börse gelegene Handelsniederlassung der Fugger in Antwerpen (rot markiert) auf der Stadtansicht von Hieronymus Cock (c. 1510-1570). Hieronymus Cock, Antverpia, (Venedig) 1557. (Studienbibliothek Dillingen X,123#32, lizensiert durch CC BY-NC-SA 4.0)

Zweifellos ist nach dem Ende der großen Zeit Regensburgs zunächst Nürnberg als wichtigster großer Standort von Handelsgesellschaften südlich des Mains im 15. Jahrhundert zu nennen. Ab dem frühen 14. Jahrhundert etablierten sich Handelsgesellschaften (als älteste nachgewiesene die der Patrizierfamilie der Holzschuher); noch im selben Jahrhundert stieg die Reichsstadt zu einem Handelszentrum europäischer Relevanz auf. Während zunächst das Nürnberger Patriziat (neben den Holzschuher z. B. die Stromer, Paumgartner) in den Handelsgesellschaften dominierte, kamen im späten 14. bzw. im 15. Jahrhundert weitere ratsfähige Familien hinzu, etwa die Imhoff, Hirschvogel und Tucher. Tuche, Spezereien, Baumwolle und Metalle bzw. die vom Nürnberger Handwerk erzeugten Metallwaren (Schmiedeerzeugnisse, inklusive Waffen und Rüstungen) gehörten zu den wichtigsten vertriebenen Handelswaren. Im 15. Jahrhundert handelten Nürnberger Kaufleute mit Partnern in allen Wirtschaftsräumen Europas, ab dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts mit dauerhaften Niederlassungen (Faktoreien) an den europäischen Haupthandelsplätzen, allen voran Antwerpen (Niederlande) und Venedig (Italien).

Die Firmen der Imhoff, Hirschvogel und der Welser (letztere waren in Augsburg wie in Nürnberg vertreten) beteiligten sich zusammen mit Augsburger Handelsgesellschaften (Fugger, Höchstetter, Gossembrot) schließlich auch an der ersten von oberdeutschen Kaufleuten finanzierten Indienexpedition (1505/06) nach Cochin (Südindien) im Auftrag des portugiesischen Königs Manuel I. (reg. 1495-1521). Damit wurden nicht nur wichtige neue Stützpunkte des Übersee-Handels erschlossen; die Häfen Sevilla (Spanien) und Lissabon sowie Saragossa (Spanien) und Lyon (Frankreich) erhielten als Umschlagplätze gegenüber den traditionellen italienischen Importzentren Genua und Venedig gerade auch für den oberdeutschen Handel eine neue Bedeutung. Importiert wurden Gewürze, Reis, Baumwolle, Seide, Edelmetalle und Edelsteine. Neben dem besonderen Schwerpunkt des Metall- und Metallwarenhandels erlangten Nürnberger Handelsgesellschaften bereits ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis ins 17. Jahrhundert eine Monopolstellung im Handel mit Safran.

Engagement im Verlagssystem und Kreditgeschäft

Handelsprofite ermöglichten auch die Ausweitung der Geschäftstätigkeit durch Investitionen im Verlagssystem. Der Textilverlag, d. h. die Finanzierung von Rohstoffen für die Textilherstellung der Weber durch Kaufleute und der Vertrieb der gefertigten Tuche, verhalf Nürnberger Gesellschaften in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer überaus starken Stellung im Handel mit Wolltuchen und Leinwand. Letztere wurde von Webern im östlichen Mitteldeutschland und darüber hinaus gefertigt (insbesondere Sachsen, Schlesien, Böhmen).

Ähnlich wie die Augsburger Handelsgesellschaften, wenn auch in geringerem Umfang, stiegen Nürnberger Handelsgesellschaften in das Kreditgeschäft ein; die Doppelfunktion als sog. merchant-bankers war eine gesamteuropäische Erscheinung. Über Wechsel wurde bargeldloser Zahlungsverkehr, gerade auch im Kreditgeschäft, organisiert. In Nürnberg wurde als Wechselbank 1621 der Banco Publico begründet, der sich auf die Organisation des bargeldlosen Zahlungsverkehrs unter Kaufleuten konzentrierte.

Entwicklung im 17. Jahrhundert

Zwar wurden die Geschäfte der Nürnberger Handelsgesellschaften durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) schwer beeinträchtigt, doch Nürnberg konnte sich als Handelsstadt verhältnismäßig rasch erholen, wenn auch an die Glanzzeiten des 15. und 16. Jahrhunderts nicht mehr anknüpfen. Das Patriziat hatte sich bereits zuvor aus der Handelstätigkeit zurückgezogen. Als letzte traditionsreiche patrizische Handelsgesellschaft Nürnbergs (belegt seit 1440 als Tucherische Compagnia) beendete die Tuchersche Handelsgesellschaft 1648 ihre Geschäftstätigkeit. Die Tendenz, adeligem Lebensstil und Erwerbsmöglichkeiten nachzueifern bzw. den Aufstieg in den Adel gezielt zu suchen, hatten die Tucher mit zahlreichen anderen vermögenden Mitgliedern von Handelsgesellschaften gemein.

Augsburger Handelsgesellschaften

Geschäftliche Schwerpunkte

Augsburg stand als Fernhandelsmetropole zunächst im Schatten Nürnbergs, konnte dieses jedoch zu Beginn des 16. Jahrhunderts überflügeln. Wie die Nürnberger vertrieben Augsburger Handelsgesellschaften in erheblichem Umfang auch die Gewerbeproduktion der Stadt und des Umlands. Augsburger reüssierten früh im Tuchhandel. Begünstigend wirkte die europäische Pestwelle von 1348, die zu erheblichen Einbrüchen in der italienischen Tuchproduktion führte; durch die Verarbeitung von aus Venedig importierter Baumwolle wurde die Barchentproduktion (Mischgewebe aus Baumwolle und Flachs) zu einem Markenzeichen des von der Pest weitgehend verschonten Ostschwaben. Wie Nürnberg etablierte sich Augsburg also auch erfolgreich im Massengüterhandel. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ging die hohe europäische Nachfrage nach Barchent zurück. Bis dahin waren im Textilsektor gute Profite die Regel.

Durch den Verlag förderten Augsburger Handelsgesellschaften gezielt die Barchentweberei in der Reichsstadt wie im ostschwäbischen Umland. Auch ins Herzogtum Bayern reichten im 16. Jahrhundert die Verlagsverbindungen der Augsburger Fernhandelskaufleute auf dem Textilsektor (Vertrieb bayerischen Lodens). Augsburger Gesellschaften konzentrierten sich noch deutlicher als Nürnberg auf die Nord-Süd-Verbindung zwischen den niederländischen und italienischen Haupthandelszentren Europas, begünstigt durch die Lage der Reichsstadt vor den Alpenpässen. Entsprechend früh (erste Hälfte des 14. Jahrhunderts) waren Augsburger Kaufleute im Fondaco dei Tedeschi in Venedig präsent. Gehandelt wurde dort - neben Baumwolle - mit Luxusbedarf bei Nahrungsmitteln (Südfrüchte, Zucker), Tuchen (Seide, Samt), Gebrauchswaren (Glas) und Gütern aus dem Norden, neben Textilien auch Pelze, Lederwaren, Wachs oder Bernstein. Die bereits erwähnte Beteiligung von Augsburger Handelsgesellschaften an der ersten oberdeutsch finanzierten Indienexpedition war nur eines der Augsburger Projekte im Seehandel des 16. Jahrhunderts.

Augsburger im Montangeschäft

Ab dem späten 15. Jahrhundert etablierten sich, gerade auch in Venedig und Antwerpen, Augsburger Handelsgesellschaften als führende Kräfte im europäischen Metallhandel. In den Montanrevieren Sachsens bzw. Thüringens sowie des Königreich Ungarns (Slowakei), allen voran aber im habsburgischen Tirol, stiegen etliche Augsburger Gesellschaften (u. a. die der Höchstetter, Baumgartner, Herwart) ins kapitalintensive Montangeschäft ein, gegen lukrative Kredit- und Metallhandelsverträge mit den jeweiligen Landesherren im Besitz des Bergregals. Die Fuggersche Handelsgesellschaft mit Jakob Fugger "dem Reichen" (1459-1525) an der Spitze errang eine zeitweilige, höchst umstrittene europäische Spitzenstellung im Kupferhandel. Die Profite aus dem Montansektor befeuerten das Kreditgeschäft der Augsburger Gesellschaften mit zahlreichen europäischen Herrschern. Durch die umfangreichen Finanzgeschäfte entwickelte sich Augsburg durch die Wechseldienste seiner Handelsgesellschaften zu einem zentralen Wechselplatz, ohne jedoch wie Nürnberg eine zentralisierte (Wechsel-)Bankinstitution zu etablieren.

Jakob Fugger (nach 1389-1469), genannt der Ältere, und seine Gemahlin Barbara (1419-1497), geborene Bäsinger. Abb. aus dem Ehrenbuch der Fugger, Augsburg 1545-1547, fol. 28r. (Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 9460)
Handelswege und Niederlassungen der Fugger und Welser in Europa. (aus: Wolfgang Zorn [Hg.], Historischer Atlas von Bayerisch-Schwaben, Augsburg 1955, Karte 29; veröffentlicht mit Genehmigung der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft)

Fugger und Welser

Der frühneuzeitliche Handels- und Finanzplatz Augsburg ist im öffentlichen Bewusstsein bis heute in erster Linie mit der Erinnerung an die Fugger und Welser verknüpft, bedingt durch deren ungekannte Geschäftserfolge bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Um 1546 konnte die Fuggersche Handelsgesellschaft mit einem Gesellschaftsvermögen von ca. 5 Millionen Gulden als das größte Unternehmen des damaligen Europa gelten. Viele andere Augsburger Handelgesellschaften sind heute kaum noch präsent, prägten jedoch den Augsburger Fernhandel zeitgleich mit den Fuggern und Welsern oder betätigten sich noch nach dem Ende der Geschäftstätigkeit beider prominenter Familien erfolgreich im Handel.

Die Anfänge der Fugger und Welser waren allerdings sehr unterschiedlich, zog der Weber Hans Fugger doch erst 1367 vom Lechfeld in die Reichsstadt, als die Welser schon im Handel engagiert waren und Vertreter in den obersten Rängen der städtischen Amtsträger hatten. Die Augsburger Welser blieben deutlich stärker dem klassischen Warengroßhandel, gerade auch dem Übersee-Handel, verpflichtet.
Darstellung des Triumphzuges des Königs von Cochin. (Holzschnitt aus: Balthasar Springer, Die Merfart [...], Oppenheim 1509; Bayerische Staatsbibliothek Rar. 470)
Die sog. Venezuela-Expedition zur Erschließung der Kolonie im Auftrag des spanischen Königs in den 1540er Jahren stellte sich allerdings als finanzielles Desaster heraus. Die Brüder Andreas (1394/95-1457/58) und Jakob ("der Alte") Fugger (nach 1389-1469) gingen ab Mitte des 15. Jahrhunderts geschäftlich getrennte Wege. Die Nachfahren Jakobs, nach ihrem Wappen die Fugger "von der Lilie", kaprizierten sich insbesondere auf Montanunternehmen. Die Firma der Söhne des Andreas, der Fugger "vom Reh", wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts zahlungsunfähig. Stärker und deutlich früher als die Welser, die 1496 bis 1517 mit den Memminger Vöhlin eine Handelsgesellschaft betrieben, konzentrierten die Fugger von der Lilie die Gesellschaft auf den engen Familienkreis und eine klar hierarchische Firmenstruktur, in den Glanzzeiten der Firma verkörpert durch die "Regierer" Jakob "den Reichen" sowie Anton Fugger (1493-1560).

Die "Staatsbankrotte" sowohl der spanischen wie auch der französischen Krone Mitte des 16. Jahrhunderts bedeuteten angesichts ihrer umfänglichen Verbindlichkeiten bei Augsburger Handelsgesellschaften für etliche traditionsreiche Häuser das Ende. Anton Fugger wie auch Bartholomäus Welser (1484-1561) konnten trotz hoher Verluste ihre Konzerne vor dem Konkurs bewahren. Trotz weiterer Staatsbankrotte kam es zu keinem dauerhaften Niedergang des Handels- und Finanzplatzes Augsburg, traten doch zahlreiche neue Handelsgesellschaften hervor, die sich weniger stark an das Montan- und Kreditgeschäft banden.

Doch auch das Übersee-Engagement barg große Risiken durch den Untergang oder die Kaperung ganzer Flotten. Die allgemein für die Oberdeutschen – zugunsten der Engländer und Niederländer – zurückgehenden Margen im Fernhandel sowie die hohen organisatorischen und finanziellen Belastungen im Großhandel trugen ganz wesentlich dazu bei, dass die traditionsreiche Welsersche Handelsgesellschaft 1614 in Konkurs ging. Wachsende Verluste im Montansektor, hohe Außenstände bei den Habsburgern sowie eine Umorientierung der Gesellschafter auf alternative Lebensentwürfe, die auch bei den Welsern zu beobachten ist und sich bei den Fuggern (seit 1530 erbliche Reichsgrafen) besonders intensiv auf adelige Vorbilder ausrichtete, führten schließlich auch für die Fuggersche Handelsgesellschaft Mitte des 17. Jahrhunderts zur Einstellung der Geschäfte.

Christoph Hörmann (1514-1586), Faktor der Fuggerschen Handelsgesellschaft in Madrid, auf einer Medaille aus dem Jahre 1576. (Staatliche Münzsammlung, Medaille auf Christoph Hörmann, Balduin Drentwett, 1576, 40 mm)

Arbeits- und Kommunikationsstrukturen

Firmenhierarchien und Faktoreisystem

Je weniger Gesellschafter selbst in einer Handelsgesellschaft aktiv mitarbeiteten, desto größere Bedeutung erlangte die Professionalisierung der wachsenden Mitarbeiterzahl (Schreiber, Kassierer, Buchhalter, Niederlassungsleiter). Es bildete sich eine differenzierte Arbeitsverteilung und betriebliche Hierarchie heraus. Eine besondere Rolle kam in Fernhandelsgesellschaften neben den Hauptbuchhaltern den Leitern der Faktoreien, den sog. Faktoren, zu; diese hatten als Vertreter der Geschäftsleitung vor Ort – bei aller Weisungsabhängigkeit – angesichts der häufig enormen räumlichen Distanzen nicht selten recht selbstständig Geschäftsentscheidungen zu treffen. Regelmäßige Rechenschaftsberichte und Abrechnungen sollten die Kontrolle auf Distanz ermöglichen; in Krisenfällen wurden Visitationen der Faktoreien durchgeführt. An manchen Geschäftsstandorten wurden sog. Agenten beauftragt, die im Auftrag fallweise Geschäfte vor Ort tätigten.

Das Faktoreisystem bildete sich seit dem 14. Jahrhundert heraus, Zeichen für die zusehends engere Verbindung der europäischen Handelszentren und die wachsenden Anforderungen an eine verstetigte geschäftliche Kommunikation. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist es auch für süddeutsche Gesellschaften deutlich fassbar. Das Faktoreien- bzw. Agentennetz konnte beträchtliche Ausmaße erlangen. Für die Fugger beispielsweise ist Ende der 1520er Jahre von mehr als 70 Standorten in Europa auszugehen; die Zahl bzw. die Standorte änderten sich entsprechend der geschäftlichen Schwerpunkte bzw. der Geschäftskontakte.

Ausbildung der Handelsdiener und Handelskommunikation

Die Mitarbeiter ("Handelsdiener") der Handelsgesellschaften wurden sowohl am Stammsitz des Unternehmens als auch in den Faktoreien im kaufmännischen Rechnen sowie (doppelter) Buchführung ausgebildet, unter Erlernung der Sprachen der Handelsplätze und ihrer Handelsbräuche. Wer zum Faktor oder gar Hauptbuchhalter aufstieg, konnte in großen Gesellschaften für damalige Verhältnisse mit einem 'Spitzengehalt' rechnen.

Ein ausgeklügeltes Kommunikationssystem auf der Basis von eigens engagierten Boten, städtischen Botenanstalten (vgl. Mitte des 14. Jahrhunderts die regelmäßigen Verbindungen von Nürnberg und Augsburg nach Venedig) sowie der "Reichspost", die Ende des 15. Jahrhunderts auf Initiative Maximilians I. (reg. 1486-1519, seit 1508 Kaiser) und organisiert von den Taxis' die Niederlande und Tirol (mit Verlängerung nach Italien) verband, ermöglichte den regelmäßigen Informationsaustausch zwischen Niederlassungen und Zentrale. Über den geschäftlichen Informationsaustausch im engeren Sinn hinaus wurde quasi als Nebenprodukt auch ein steter Fluss von (politischen) Nachrichteninformationen aufrechterhalten; Handelsstädte bzw. Handelshäuser wurden somit gleichzeitig zu Nachrichtenzentren. Zu den bekanntesten Beispielen zählt hier zweifellos die große Nachrichtensammlung ("Fuggerzeitungen", 1568-1605) der Brüder Octavian Secundus (1549-1600) und Philipp Eduard Fugger (1546-1618).

Die Veränderung von Wirtschaftsräumen ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und ihre Folgen

Die ältere Forschung malte das Bild der süddeutschen Handelsgesellschaften spätestens nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges in düsteren Farben. Mittlerweile ist gut belegt, dass sowohl nach den Staatsbankrotten ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wie auch nach den schweren Belastungen durch den Dreißigjährigen Krieg der Handel in den etablierten Zentren wieder erstaunlich gut stabilisiert werden konnte, wenn auch unter veränderten Bedingungen und weniger 'glanzvoll' als in den Hoch-Zeiten des 15. und 16. Jahrhunderts. Ohne Zweifel veränderte die seit dem späten 16. Jahrhundert immer stärker werdende Stellung des Nordwestens Europas im Überseehandel, an dem neben den Niederlanden und England gerade auch Hamburg in immer größerem Umfang partizipierte, die Arbeitsbedingungen der süddeutschen Handelsgesellschaften grundlegend.

Augsburg hatte durch den Dreißigjährigen Krieg, der Gewerbe und Fernhandel massiv schädigte, noch dramatischere Verluste hinzunehmen als Nürnberg, erholte sich jedoch ähnlich wie die fränkische Handelsmetropole bemerkenswert schnell. Aus den vorwiegend protestantisch geprägten Kaufmannsnetzwerken der Stadt, ganz wesentlich auch durch das Engagement von Zuwanderern (z. B. aus Nürnberg, Frankfurt am Main, Lindau, aber auch Italien), rekrutierten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts neue Handelsgesellschaften; diese betätigten sich etwa im Italienhandel, im Silber- oder Galanteriewarenexport, gegen Ende des 17. Jahrhunderts auch wieder in der Verbindung mit Bankgeschäften. Wie in Nürnberg folgten die Augsburger Gesellschaften dem allgemeinen Trend zur stärkeren Reduzierung des Gesellschafterkreises. Der Handel in Unterzentren wie Memmingen und Lindau konnte sich angesichts einer reduzierten Bedeutung der Textilbranche durch ein verstärktes Engagement im Getreide- und Salzhandel stabilisieren (Salzgesellschaft in Memmingen und Lindau seit 1667).

Ebenso wie die Augsburger Gesellschaften konnten sich auch die Nürnberger den veränderten Rahmenbedingungen ihrer Aktivitäten anpassen. Der Handel von Kleineisenwaren und Spezereiartikeln trat nun stärker in den Vordergrund. Auch hier etablierten sich verstärkt Zuwanderer als Handeltreibende, z. B. aus den Niederlanden oder wie in Augsburg nicht selten aus Italien. Ebenso wie in Augsburg ging jedoch die Zeit der Handelsgesellschaften traditionellen Zuschnitts immer deutlicher ihrem Ende entgegen.

Literatur

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Quellen

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  • Elmar Lutz, Die rechtliche Struktur süddeutscher Handelsgesellschaften in der Zeit der Fugger. Urkunden (Studien zur Fuggergeschichte 25/2), Tübingen 1976.
  • Ekkehard Westermann/Markus A. Denzel, Das Kaufmannsnotizbuch des Matthäus Schwarz aus Augsburg von 1548 (Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Beihefte 215), Stuttgart 2011.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Regina Dauser, Handelsgesellschaften (15. bis 17. Jahrhundert), publiziert am 11.07.2017; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Handelsgesellschaften_(15._bis_17. Jahrhundert)> (20.09.2017)