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Kriegerdenkmäler

Aus Historisches Lexikon Bayerns

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von Katharina Weigand

Kriegerdenkmal am Marktplatz in Bad Brückenau. Die Säule mit Georgsfigur und Löwe vor der Postament wurde 1911 von Bildhauer Valentin Weidner (1848-1919) zur Erinnerung an die Kriege von 1866 und 1870/71 gestaltet. Nach 1945 wurden die Seitentafeln ergänzt und das Denkmal auch den Gefallenen der beiden Weltkriege gewidmet. (Fotografie von Tilman2007, lizenziert durch CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Kriegerdenkmäler stellen eine Sonderform der Denkmäler dar, weil sie nicht an die Soldaten selbst, sondern nur an den gewaltsamen Tod von Soldaten erinnern. Kriegerdenkmäler sollen außerdem meist dazu beitragen, im Nachhinein den jeweiligen Krieg zu rechtfertigen. In den 1830er Jahren wurden derartige Denkmäler in Bayern zum ersten Mal errichtet, zur Erinnerung an die bayerischen Gefallenen der Napoleonischen Kriege sowie der Befreiungskriege. Deutlich mehr Kriegerdenkmäler entstanden nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Bezüglich der Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges vollzog sich – je länger der Krieg zurücklag – ein Wandel in Intention und gewählter Form, von der Trauer hin zur Heroisierung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden viele der bestehenden Denkmäler für den Ersten Weltkrieg lediglich ergänzt, um die Namen der zwischen 1939 und 1945 Gefallenen und Vermissten. Nur im Rahmen von Neuschöpfungen oder verändertem Wiederaufbau wurde mehrheitlich der Mahnmalcharakter in den Vordergrund gestellt. In den 1980er Jahren begann eine kritische Auseinandersetzung mit den Denkmälern, die vielfach zu einer stärkeren historischen Kontextualisierung führte.

Definition

Kriegerdenkmäler stellen einen Sonderfall von Denkmälern dar: einerseits in zeitlicher Hinsicht, denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann man noch kaum damit, Kriegerdenkmäler zu errichten, abweichend von jenen Monumenten, die die Erinnerung an ein historisches Ereignis oder an eine Persönlichkeit aus der Vergangenheit wachhalten sollen. Andererseits ist ihre inhaltliche Ausrichtung eine andere: Kriegerdenkmäler erinnern weniger an die oft namentlich am Denkmal aufgelisteten Menschen, an deren Leben und ihre Leistungen. Vielmehr rücken sie den gewaltsamen Tod der Soldaten ins Gedächtnis. Außerdem vermitteln Kriegerdenkmäler zumeist die Botschaft, das erinnerungswürdige kriegsbedingte Sterben sei für eine gute und lohnenswerte Sache erfolgt. Je nachdem wann solche Monumente errichtet wurden, starben die Soldaten für ihren Herrscher, für ihr Vaterland, für ihre Heimat usw. Das rückt diese Denkmäler in eine besonders enge Verbindung mit den politischen Bedingungen ihrer Entstehungszeit. Der Tod der Soldaten wurde und wird bewusst in den politischen Dienst der jeweiligen Gegenwart genommen. Dies ist auch bei Denkmalerrichtungen Anfang des 21. Jahrhunderts zu beobachten.

Die Erinnerung an die Soldaten der Napoleonischen Kriege und der Befreiungskriege

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass erst die Abkehr von der Praxis, landfremde Söldner und Straftäter als Soldaten einzusetzen, den einfachen Soldaten denkmalwürdig werden ließ. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde nur die Erinnerung an fürstliche Heerführer oder verdiente Generäle zelebriert. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zuerst im revolutionären Frankreich sowie anschließend in jenen Staaten, die entweder gegen Napoleon (1769-1821, Kaiser der Franzosen 1804-1814/15) oder an dessen Seite Krieg führten, sollte sich dies ändern. Nun trugen die angenommenen ideellen bzw. ethischen Motive des Sterbens dieser als Soldaten dienenden Untertanen sowie die idealistische Überhöhung eines solchen Todes dazu bei, die Standesunterschiede der Gefallenen zurücktreten zu lassen. Immer mehr Herrscher erkannten die Notwendigkeit, dem "Bürger in Uniform" – bzw. dessen Hinterbliebenen – für seinen oft zum Tode führenden Einsatz zu danken, die Gefallenen postum zu ehren.

Eine der ersten diesbezüglichen Initiativen in Deutschland ging vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840, reg. 1797-1840) aus. 1813 befahl er, in den Kirchen Tafeln anzubringen, auf denen die Namen der gefallenen Gemeindemitglieder unter folgendem Spruch aufgezeichnet wurden: "Aus diesem Kirchspiel starben für König und Vaterland". Der Regierungspräsident des Oberen Donaukreises, Ludwig zu Oettingen-Wallerstein (1791-1870), ließ sich davon anregen und schlug 1830 vor, in allen Kirchen seines Kreises ähnliche Tafeln anzubringen. Ludwig I. (1786-1868, reg. 1825-1848) begrüßte die Initiative und verfügte, dass dieser Vorschlag auch in den anderen Kreisen des bayerischen Königreichs aufzugreifen sei, soweit sie zur fraglichen Zeit bereits zu Bayern gehört hatten. Allerdings legte König Ludwig I. Wert auf Detailgenauigkeit. In den Kirchen sollten jeweils zwei Tafeln angebracht werden: eine Tafel mit den Namen der Gefallenen der Kriege, die Bayern zwischen 1805 und 1815 geführt hatte, die andere mit den Namen derer, die 1813, 1814 und 1815 freiwillig an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teilgenommen hatten. Unübersehbar stand Ludwigs I. tiefe Abneigung gegen das revolutionäre Frankreich und Kaiser Napoleon hinter dieser Anordnung. In der ehemaligen Klosterkirche Irsee ist zwar nur eine derartige Tafel zu finden, doch selbst auf ihr sind die Gefallenen der Befreiungskriege getrennt von den anderen verzeichnet.

Als erstes gesamtbayerisches und gleichzeitig kollektives Kriegerdenkmal, bei dem die einzelnen Gefallenen nicht namentlich genannt werden, kann der Obelisk am Münchner Karolinenplatz gelten. Er ist den knapp 30.000 in Russland gestorbenen Soldaten gewidmet, die an Napoleons Feldzug 1812 teilgenommen haben. Ein erster Plan für ein solches Monument auf dem Münchner Odeonsplatz ließ sich nicht realisieren. Ludwig I. griff diese Idee wieder auf und ließ schließlich 1833 einen mit Bronzeplatten verkleideten Obelisken auf dem Karolinenplatz errichten. Bezeichnend für das anti-napoleonische Geschichtsbild des zweiten bayerischen Königs ist der Spruch, der dieses Denkmal ziert, "Auch sie starben für des Vaterlands Befreiung", obwohl die bayerischen Soldaten 1812 noch auf Seiten Frankreichs gekämpft hatten.

Das schwierige Gedenken an die Gefallenen des Krieges von 1866

Der Dualismus zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft in Deutschland gipfelte im Deutschen Krieg von 1866. Vor allem rund um Bad Kissingen sowie in der Nähe von Würzburg trafen preußische und bayerische Truppen in diesem Krieg aufeinander. Hier liegen die Gräber von preußischen und bayerischen Gefallenen oft nah beieinander, an einigen Stellen wurden sie sogar gemeinsam begraben. Da sich die Gegner von 1866 vier Jahre später gemeinsam im Krieg gegen Frankreich und kurze Zeit danach geeint im Kaiserreich von 1870/71 wiederfanden, erwies sich die Gestaltung der Denkmäler für die bayerischen Gefallenen des Deutschen Krieges als problematisch. Für die Initiatoren der Denkmäler war es schwierig, gerade diesem Krieg im Nachhinein eine konsensfähige Deutung zu geben. Daher wurden die Gräber meist nur mit schlichten Gedenksteinen versehen, Heroisierung war hier schwer umsetzbar.

Denkmäler für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71

Das Würzburger Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 wurde 1876 als Obelisk nahe dem Hauptfriedhof errichtet. (Gemeinfrei via Wikimedia Commons)

Da die Errichtung von Kriegerdenkmälern inzwischen eine allgemein akzeptierte Form des Gedenkens darstellte, wurden im Anschluss an den siegreich beendeten Krieg gegen Frankreich und die Reichsgründung von 1871 wesentlich mehr Denkmäler in Deutschland und eben auch in Bayern errichtet als für die Kriege zuvor. Zahlreiche Menschen konnte man auf diese Weise mit der politischen Botschaft jener Monumente, die gleichzeitig auch Siegesdenkmäler waren, konfrontieren. Weil solche Kriegerdenkmäler in den jeweiligen Städten bzw. Gemeinden initiiert wurden, ergab sich die Möglichkeit, auf ihnen die Namen aller ortsansässigen Gefallenen zu verzeichnen. Oft fügte man sogar deren Geburts- und den Sterbetag sowie den militärischen Rang hinzu. Die individuelle Namensnennung der gefallenen Soldaten wurde anschließend bei der postumen Kriegerehrung nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg gängige Praxis. Die für die Gefallenen von 1870/71 vielfach gewählte architektonische Form ist die einer steilen Pyramide oder eines Obelisken, oft aus schwarzem, poliertem Stein. Die Pyramide wurde als Zeichen der Trauer rezipiert. In Würzburg wiederum schmücken ein aus Erz gegossener Lorbeerkranz sowie Lorbeergirlanden das diesbezügliche Monument. Die Inschrift lautet: "Die Stadt Würzburg ihren für das Vaterland im deutsch-französischen Kriege 1870-71 gefallenen Söhnen zum ehrenden Gedächtnis".

Die Erinnerung an Tod und Niederlage: der Erste Weltkrieg

Mit dem Ersten Weltkrieg kamen noch einmal neue Formen und Varianten des Gedenkens an die Gefallenen hinzu: Einerseits entstanden entlang der ehemaligen Fronten Soldatenfriedhöfe mit hunderten von Einzelgräbern. Alle kriegführenden Mächte hatten sich während des Krieges darauf geeinigt, denjenigen Toten ein ewiges Ruherecht zuzuerkennen, die in Massengräbern im sogenannten Feindesland begraben waren. Die gleichfalls während des Ersten Weltkrieges eingeführten Erkennungsmarken machten darüber hinaus zum ersten Mal die Identifizierung – idealiter – aller Toten möglich. Auf diese Weise wurden namentlich gekennzeichnete Einzelgräber auf den Soldatenfriedhöfen realisierbar, wenngleich die Gräber der deutschen Gefallenen – anders als diejenigen der Siegermächte – laut Versailler Vertrag nicht mit weißen Kreuzen versehen werden durften.

Andererseits bemühten sich Gemeinden und Städte, schließlich sogar einzelne Vereine, Behörden und Betriebe, das Gedenken an die zugehörigen gefallenen Soldaten auch in ihrer Heimat wachzuhalten. Tatsächlich wurden nach 1918 sogar in den kleinsten Gemeinden Kriegerdenkmäler errichtet. Diese fanden ihren Platz häufig an öffentlichen Plätzen, auf Friedhöfen und in Kirchen. 1890 war die Befugnis zur Aufstellung von Denkmälern den Gemeinden übertragen worden. Erste Planungen für Kriegerdenkmäler in der Heimat der Gefallenen gab es bereits 1914/15, was jedoch bei den staatlichen Behörden zumeist auf Ablehnung stieß. Zu frühes Totengedenken drohte die Siegesgewissheit und den Durchhaltewillen zu beschädigen. Zuletzt ließen die militärische Niederlage und die großen Opferzahlen des Krieges eine übergeordnete Sinngebung als problematisch erscheinen.

Festzuhalten ist, dass die Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in allen zeitgenössisch denkbaren Stilrichtungen und Formensprachen vorkommen können, von der Aufstellung schlichter Findlinge bis zur Darstellung von Engeln und Schutzmantelmadonnen, von der Beifügung zeitgenössisch gekleideter bewaffneter und unbewaffneter Soldaten, über bayerische Löwen bis hin zur Errichtung kleiner Tempelanlagen. Die jeweilige Form des Denkmals vermittelt dem Betrachter Hinweise auf die unterschiedlichen Geschichtsdeutungen der Denkmalinitiatoren. Bei den ersten Denkmalinitiativen für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges herrschte Trauer und Sprachlosigkeit vor.

Je mehr aber die Erinnerung an die Schrecken des Krieges verblasste und die nationalistische Emotionalisierung im Gefolge des Versailler Friedensvertrages zunahm, umso stärker traten Pathos und Heroisierung bei den neu errichteten Kriegerdenkmälern in den Vordergrund. Die Soldaten wurden oft geradezu sakralisiert und ausnahmslos zu "Helden" stilisiert. Ihren Tod stellte man immer häufiger als ein freiwilliges, vor allem zur Nachahmung aufforderndes Opfer dar. Da Veteranen- und Kriegervereine bei der Initiierung und Gestaltung dieser Denkmäler eine führende Rolle spielten, wurde darüber hinaus das Lob der Kriegskameradschaft zu einem Thema der nach 1918 errichteten Monumente. Weil diese Kriegerdenkmäler gleichzeitig als Identifikationsangebot an die Überlebenden und Nachgeborenen interpretiert werden sollten, finden sich sehr oft Denkmäler mit Statuen des Typs "trotziger Krieger" sowie mit dem Motto "Und Ihr habt doch gesiegt", das später auch für Denkmäler für die Toten des Hitler-Putsches Verwendung fand. Viele dieser Denkmäler eigneten sich anschließend für ihre Instrumentalisierung im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda. Auch zwischen 1933 und 1945 wurden Kriegerdenkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges errichtet, so etwa in Form eines Aussichtsturms im unterfränkischen Marktheidenfeld.

Ein Beispiel für groß dimensionierte Kriegerdenkmäler für die Gefallenen von 1914 bis 1918 ist etwa das Denkmal in Irsee, das ohne jeglichen figürlichen Schmuck auskommt. Lediglich ein Eisernes Kreuz wurde in einen der großen Steine eingemeißelt. Das Denkmal in Würzburg zeigt dagegen inmitten einer Art von Ehrenhain eine regelrecht dramatische Szene, indem überdimensional große steinerne Soldaten einen auf einer Bahre liegenden Kameraden wegtragen.

Und in München, vor dem damaligen Armeemuseum, wurde zwischen 1924 und 1928 ein Kriegerdenkmal fertiggestellt, das wie ein übergroßer Sarkophag bzw. wie eine große Gruft gestaltet ist. Im Innern dieser Gruft wurde nach einigen Umplanungen zuletzt die liegende Figur eines schlafend anmutenden, toten jungen Soldaten in zeitgenössischer Uniform enthüllt. Die Inschriften dieses Denkmals lauten "Unseren Gefallenen", "Sie werden auferstehen", "Bayerns Heer seinen Toten" sowie "Erbaut vom Obmannsbezirk München-Stadt des Bayr. Kriegerbundes. Den 13.000 gefallenen Heldensöhnen der Stadt München 1914-1918". Die Namen jener 13.000 Gefallenen sind an Steinwänden, die das Denkmal umgeben, zu lesen.

Kriegerdenkmäler oder Mahnmäler: die Erinnerung an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges

Für die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges kam es nur selten zur Aufstellung neuer Monumente. Zumeist wurden die Namen derer, die aus dem Krieg nicht zurückgekehrt waren, auf den Denkmälern für den Ersten Weltkrieg hinzugefügt, wie z.B.in Irsee oder in Würzburg. Wenn es nach dem Zweiten Weltkrieg zu Neuschöpfungen kam (etwa in Erding), dann waren dies nicht mehr Kriegerdenkmäler im bisherigen Stil, sie transportierten vor allem andere Aussagen. Heroisierung der Gefallenen, trotziges Aufbegehren gegen die militärische Niederlage oder der Appell zur Nachahmung der Soldaten wurden nach 1945 nicht mehr thematisiert. Nun überwiegt die Trauer über den Tod unzähliger Soldaten und Zivilisten. Darüber hinaus sind auch die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in besonderer Weise in das Gedanken mit einbezogen. Für alle diese Denkmäler passt die Bezeichnung "Kriegerdenkmal" nicht mehr, für sie erscheint vielmehr der allgemeinere Begriff "Mahnmal" angemessen – Mahnmale, die gegen den Krieg gerichtet sind.

Charakteristisch für diese neuen Inhalte dürfte diejenige Inschrift sein, die am Münchner Siegestor nach 1945 angebracht wurde. Errichtet von König Ludwig I. hatte er das Siegestor Mitte des 19. Jahrhunderts "Dem bayerischen Heere" gewidmet. Nach seiner teilweisen Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges gab es Stimmen, die dafür plädierten, es nicht wieder aufzubauen. Der Münchner Stadtrat entschied sich dann jedoch für eine wirkungsvolle Umwidmung mit Hilfe einer neuen Inschrift: "Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend". Den Friedensappell, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, greift auch die 2018 im Traunsteiner Stadtpark neu errichtete Gedenkstätte auf.

Kritik an den Kriegerdenkmälern (seit den 1980er Jahren)

Gedenktafel der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die im Lichthof des Hauptgebäudes 1959 aufgehängte Tafel wurde nachträglich um einer Erläuterungstafel ergänzt, um sie als Zeitdokument zur Diskussion zustellen. (Foto: Stefan Schnupp)

Denkmäler und ihre Inschriften sind Zeugnisse der während der Errichtungszeit herrschenden politischen Verhältnisse und des damaligen Zeitgeistes. Angesichts veränderter politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen werden ihre Aussagen von späteren Generationen häufig hinterfragt. Hierbei hat auch die Forschung bezüglich der während des Zweiten Weltkrieges von der Wehrmacht verübten Verbrechen eine Rolle gespielt. Außerdem wird mitunter überlegt, den bisherigen Erinnerungsauftrag der Kriegerdenkmäler zu verändern oder sie womöglich gänzlich zu entfernen. Kontrovers wurde beispielsweise über die 1959 im Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) enthüllte Erinnerungstafel für die Gefallenen der Universität geurteilt. Wohl mit Blick auf den Umstand, dass man weder die Geschichte selbst noch die Werturteile vergangener Zeiten ungeschehen machen kann, hat sich die LMU entschieden, besagte Erinnerungstafel am angestammten Platz zu belassen, aber mit einer zum Nachdenken anregenden Erläuterung auszustatten.

Das Nebeneinander der Deutungen verschiedenster Kriegshandlungen und ihrer Folgen lässt sich auf beeindruckende Weise in Furth im Wald beobachten, wo inmitten einer kleinen Parkanlage ein ganzes Denkmalensemble zu sehen ist. Am auffälligsten ist – aufgrund seiner Größe – eine Art Ehrengrab mit einer kleinen Tempelhalle und einem Altar aus dem Jahr 1932 für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Nach 1945 hat man an diesem Denkmal die Inschrift verändert, so dass nun auch an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnert wird. Bereits 1930 hatte man das Kriegerdenkmal für die Gefallenen von 1870/71 aus der Stadtmitte gleichfalls in diese Parkanlage versetzt. 1992 wurde auf dem Gelände ein Gedenkstein für jene Soldaten des Spanischen Erbfolgekrieges enthüllt, die am 13. August 1703 am Rand von Furth, beim sog. Antlesbrunn, ihr Leben gelassen hatten. 1969 fügte man ein Denkmal für die Heimatvertriebenen hinzu, 2004 einen weiteren Gedenkstein für die Further Marinekameradschaft. Auf diese Weise ist eine Kriegerdenkmallandschaft entstanden, die auf erstaunliche Weise die Verwicklung der Stadt Furth und seiner Bewohner in die Kriegshandlungen mehrerer Jahrhunderte dokumentiert und zum Nachdenken anregt.

Resümee

Auf den ersten Blick dem Gedenken an die Gefallenen kriegerischer Ereignisse gewidmet, wurden Kriegerdenkmäler vielfach errichtet, um im Nachhinein eine politisch motivierte Deutung der jeweiligen Kriege auf den Sockel zu heben. Daher ist es bei diesen Denkmälern ganz besonders wichtig, sich mit ihren Entstehungsbedingungen auseinanderzusetzen.

Forschungsstand

Einer der ersten Forscher, der sich mit Kriegerdenkmälern auseinandergesetzt hat, war Reinhart Koselleck (1923-2006). Ihm ist es zu verdanken, dass seitdem diverse Veröffentlichungen zu dieser Sonderform des Denkmals publiziert wurden. Aus der Feder von Meinhold Lurz (geb. 1946) erschien in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre ein sechsbändiges Werk über deutsche Kriegerdenkmäler, das – chronologisch geordnet – versuchte, die jeweiligen Spezifika dieser Erinnerungszeiten in Verbindung mit den Kriegen, für die sie errichtet wurden, herauszuarbeiten. Seit den 1990er Jahren dominieren kleinere Studien, meist in Form von Aufsätzen, über die Entstehungsbedingungen und die Verwirklichung einzelner Denkmalinitiativen. 2023 erschien ein Überblicksband von Norbert Göttler (geb. 1959) und Elisabeth Tworek (geb. 1955) über die oberbayerischen Kriegerdenkmäler.

Literatur

  • Gerhard Armanski, "... und wenn wir sterben müssen". Die politische Ästhetik von Kriegerdenkmälern, Hamburg 1988.
  • Norbert Göttler/Elisabeth Tworek, Kriegerdenkmäler in Oberbayern. Von der Heldenverehrung zum Friedensmahnmal, Regensburg 2023.
  • Manfred Hettling/Jörg Echternkamp (Hg.), Bedingt erinnerungsbereit. Soldatengedenken in der Bundesrepublik, Göttingen 2008.
  • Manfred Hettling/Jörg Echternkamp (Hg.), Gefallenengedenken im globalen Vergleich. Nationale Tradition, politische Legitimation und Individualisierung der Erinnerung, München 2013.
  • Gerhard Hetzer, Der Tod der Krieger - Gefallenen-Ehrenmale des 19. Jahrhunderts in Bayern, in: Gerhard Hetzer/Michael Stephan (Hg.), Entdeckungsreise Vergangenheit. Die Anfänge der Denkmalpflege in Bayern. (Ausstellungskataloge der Staatlichen Archive Bayerns 50), München 2008, 65-81.
  • Jörg Koch, Von Helden und Opfern. Kulturgeschichte des deutschen Kriegergedenkens, Darmstadt 2013.
  • Reinhart Koselleck, Kriegerdenkmale als Identitätsstiftungen der Überlebenden, in: Odo Marquard/Karlheinz Stierle (Hg.), Identität, München 1979, 255-276.
  • Reinhart Koselleck/Michael Jeismann (Hg.), Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994.
  • Meinhold Lurz, Kriegerdenkmäler in Deutschland, 6 Bde., Heidelberg 1985-1987.
  • Bernd Nicolai/Kristine Pollack, Kriegerdenkmale – Denkmale für den Krieg, in: Skulptur und Macht. Figurative Plastik im Deutschland der 30er und 40er Jahre, Berlin 1983, 61–93.
  • Winfried Nerdinger (Hg.), Bauen im Nationalsozialismus. Bayern 1933-1945, München 1993.
  • Kurt Pätzold, Kriegerdenkmale in Deutschland. Eine kritische Untersuchung, Berlin 2012.
  • Wolfgang Schmidt, Denkmäler für die bayerischen Gefallenen des Rußlandfeldzugs von 1812, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 49 (1986), 303-326.
  • Thomas Weidner, Das Siegestor und seine Fragmente, München 1996.
  • Katharina Weigand, Kriegerdenkmäler, in: Katharina Weigand/Hans-Michael Körner, Denkmäler in Bayern (Hefte zur Bayerischen Geschichte und Kultur 19), Augsburg 1997, 25-28.
  • Katharina Weigand, Kriegerdenkmäler. Öffentliches Totengedenken zwischen Memoria-Stiftung und Politik, in: Markwart Herzog (Hg.), Totengedenken und Trauerkultur. Geschichte und Zukunft des Umgangs mit Verstorbenen, Stuttgart 2001, 201-218.
  • Katharina Weigand, Politische und religiöse Sinngebung des Gefallenengedenkens. Die Gedenktafeln und das Kriegerdenkmal in Markt Irsee, in: Markwart Herzog (Hg.), Totengedenken und Trauerkultur. Geschichte und Zukunft des Umgangs mit Verstorbenen, Stuttgart 2001, 219-235.
  • Katharina Weigand, Kriegerdenkmäler in Bayern. Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, in: Historische Mitteilungen 28 (2016), 114-134.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Katharina Weigand, Kriegerdenkmäler, publiziert am 16.04.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Kriegerdenkmäler> (17.04.2026)