Das Bistum Konstanz entstand im Laufe des 6. und 7. Jahrhunderts, eindeutige Belege gibt es seit dem 8. Jahrhundert. An Einfluss gewannen die Konstanzer Bischöfe zunächst durch ihren Zugriff auf das Kloster St. Gallen und die Abtei auf der Reichenau, beides Gründungen des ersten Viertels des 8. Jahrhunderts. Unter Bischof Salomo III. (reg. 890-919/920) begann der Ausbau des Bischofssitzes, u.a. mit der Errichtung einer Bischofspfalz und einer Kathedrale. Zu den karolingischen und salischen Königen und Kaisern ist eine Herrschernähe nachweisbar, so fungierten Konstanzer Bischöfe als Kanzler oder Hofkapläne. Im Zuge des Investiturstreits kam es zu einem Konflikt des päpstlich gesinnten Domkapitels, das die Bischofswahl beanspruchte, mit Kaiser Heinrich IV. (reg. 1056-1105 als röm.-dt. König, Kaiser seit 1084), was zu einer Doppelwahl im Jahr 1069 führte. Seit dem 13. Jahrhundert war das Verhältnis zu den Habsburgern entscheidend, das bis zur Auflösung des Bistums zwischen Kooperation und Konkurrenz schwankte. 1526 führte die Stadt Konstanz die Reformation ein, woraufhin der Bischof die Stadt verlassen musste. Nach der Rekatholisierung von Konstanz 1548 kamen 1551 das Domkapitel und große Teile der Verwaltung wieder zurück an den Bischofssitz. Der Konstanzer Bischof blieb allerdings in Meersburg, wo er ab dem 18. Jahrhundert im Neuen Schloss residierte. Ende des 16. Jahrhunderts gaben Bischöfe einige Reformanstöße nach dem Tridentinum, die sich etwa auf die Verbesserung der Klerusausbildung und der Liturgie sowie Diözesansynoden, Klosterreformen und Visitationen erstreckten. Während das 17. Jahrhundert durch die Folgen der großen Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) gekennzeichnet ist, stabilisierten sich im 18. Jahrhundert die Verhältnisse. Im Rahmen der Säkularisierung der Reichskirche kam 1802/03 das Konstanzer Hochstift an die Markgrafen von Baden, während das Bistum Konstanz 1821 kirchenrechtlich und 1827 nach der Ernennung und Weihe des ersten Freiburger Erzbischofs endgültig aufgelöst wurde.
Gründungsprozess und Frühzeit
Die Anfänge des Bischofsitzes Konstanz können mit älteren Modellen der Forschung wie einer Neugründung um 600 oder einer Verlegung von Windisch (Schweiz) nach Konstanz (Baden-Württemberg), von der die Chronistik ab der Mitte des 11. Jahrhunderts berichtet und auf die ein epigrafisches Zeugnis hinweisen könnte, nur unzureichend beschrieben werden. Vielmehr ist von einem längeren und gewiss nicht einlinigen Prozess auszugehen, der in die Neuordnung der kirchlichen Organisationsstrukturen im nordwestlichen Alpenraum im 6. und 7. Jahrhundert einzuordnen ist. In diesem Kontext wurden ältere Bischofssitze wie Martigny, Avenches, Kaiseraugst und Windisch zugunsten von Sitten, Lausanne, Basel (alle Schweiz) und Konstanz aufgegeben, wohingegen Chur (Schweiz) oder Straßburg (Frankreich) weiter bestanden. Ob die Impulse für den Aufbau von Konstanz um das Jahr 600 eher aus Windisch oder aus Chur – oder aus beiden Richtungen – kamen, muss offenbleiben. In jedem Fall entstand zu dieser Zeit noch kein mit festen Grenzen umrissenes Bistum, sondern lediglich ein Bischofssitz.
Die Anfänge datieren in eine Phase instabiler Königsherrschaft, die mit der merowingischen Reichsteilung 561 einsetzte, nach welcher der Bischofssitz Windisch nun auf der Grenze zwischen den Teilreichen Burgund und Austrien lag. Die dynastischen Konflikte führten 596 zu einer Vereinigung der Kirchenlandschaft im nordwestlichen Alpenraum unter Theuderich II. (reg. 596–613), dem wie seinen Nachfolgern Clothar II. (reg. 613–629) und dann Dagobert I. (reg. 629–639) eine Rolle bei der Neuordnung zukommen dürfte, die allerdings auch schon durch lokale Kirchenobere in den Jahrzehnten davor angebahnt worden sein könnte.
Mit Dagobert I. wird die erste Ausstattung des Bischofssitzes mit dem Gebiet südlich der Bischofsstadt sowie in den spätantiken Orten Oberwinterthur, Pfyn und Arbon (alle Schweiz) in Verbindung gebracht. Diese frühen Besitzungen weisen darauf hin, dass zunächst die kirchliche Betreuung des romanisierten Raums südlich von Bodensee und Rhein im Zentrum stand, sodass man im Gegensatz zur älteren Forschung für die Frühzeit nicht von einem ‘Alamannenbistum‘ sprechen sollte. Gegen eine solche Titulierung steht auch, dass es zu Beginn des 7. Jahrhunderts weder ein Herzogtum Alamannien noch Herzöge gab: Wohl erst die Sankt Galler Hagiografie der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erfand die fiktive Geschichte eines alamannischen Herzogs, der ohne den König zu beteiligen eine Synode einberufen und den Konstanzer Bischof vorgeschlagen habe.
Bis zu den ersten zeitgenössischen Belegen für Konstanzer Bischöfe in der Mitte des 8. Jahrhunderts kann kaum etwas über deren Wirken ausgesagt werden. Die überdies seltenen Missionsreisen von Mönchen, die spät einsetzenden Klostergründungen und die nur sehr langsame Annahme christlicher Vorstellungen nördlich des Rheins dürften wenig mit dem Konstanzer Bischof zu tun gehabt haben.
An Einfluss gewannen die Bischöfe erst durch ihren Zugriff auf das um 720 in Sankt Gallen (Schweiz) gegründete Kloster und auf die seit 724 bestehende Abtei auf der Reichenau (Baden-Württemberg): Sankt Gallen war bis 854 in die Konstanzer Bischofskirche gleichsam inkorporiert, und die Reichenau wurde zwischen 736 und 782 in Personalunion mit der Konstanzer Kirche verwaltet, was zeitweise die Verbindung von Bischofsamt mit den beiden Abtswürden ermöglichte.
Karolinger-, Ottonen- und Salierzeit
Unter karolingischer Herrschaft konnten sich die beiden Klöster Sankt Gallen und Reichenau langsam von der Konstanzer Bischofskirche lösen. Zugleich wandten sich Bischöfe wie Egino (amt. 782–811) und Wolfleoz (amt. 811–838/9) nun stärker den Herrschern zu und sind ab und an in deren Umfeld und auf fränkischen Synoden belegt. Im Jahr 780 besuchte mit Karl dem Großen (reg. 768-814, ab 800 Kaiser) erstmals ein König die Bischofsstadt am Bodensee. Eine besonders große Herrschernähe stellte Salomo III. (amt. 890–919/920) her, ein Bruder Bischof Waldos von Freising (amt. 883–906), dessen Verwandte Salomo I. (amt. 838/39–871) und Salomo II. (amt. 875/76–889) zuvor den Konstanzer Bischofsstuhl bestiegen hatten. Salomo III. fungierte unter anderem als Kanzler von Karl III. (reg. 876-887, Kaiser ab 881), Ludwig dem Kind (reg. 900-911) und Konrad I. (reg. 911-918) und besuchte in dieser Funktion Hoftage unter anderem in Regensburg und Forchheim. Mit dem karolingischen Einfluss dürfte zusammenhängen, dass die Diözese Konstanz ab dem 9. Jahrhundert stärker in die Mainzer Kirchenprovinz eingebunden wurde, der auch die Bistümer Augsburg, Eichstätt und Würzburg zugehörten.

Ab Salomo III. begann der personelle und materielle Ausbau des Bischofssitzes, in dessen Zentrum die Kathedrale mit den Reliquien des Bistumspatrons Pelagius, die Errichtung einer Bischofspfalz und die Förderung der Kleriker an der Bischofskirche standen. Insbesondere unter den Bischöfen Konrad I. (amt. 934–975) und Gebhard II. (amt. 979–995) wurden weitere Kirchen am Bischofssitz wie das Mauritiusstift am Münster oder das Kloster Petershausen gegründet. Der aus der Familie der Welfen stammende Konrad I. zielte darauf, unter anderem mit einer am stadtrömischen Vorbild orientierten Kirchentopografie den benachbarten Bischofssitz Augsburg zu übertreffen. Konrads Wahl auf Betreiben Ulrichs von Augsburg (amt. 923–973) ist ebenso wie die Freundschaft der beiden Bischöfe eine Erfindung des frühen 12. Jahrhunderts. Vor allem unter den Bischöfen Lambert (amt. 995–1018) und Rumold (amt. 1051–1069) fand die groß angelegte Bautätigkeit am Konstanzer Münster einen ersten Abschluss.

Zu den ottonischen Herrschern ergaben sich nur punktuelle Kontakte der Konstanzer Bischöfe, sodass einerseits keine größeren Konflikte entstanden, andererseits jedoch der Umfang an Herrscherbesuchen, Privilegierungen oder Schenkungen recht gering ausfiel: Der Fokus der Herrscher, aber auch des Adels lag auf einer materiellen Förderung der Klöster im Konstanzer Bistum, sodass bis in das 12. Jahrhundert der Besitz der Konstanzer Kirche kaum ausgebaut werden konnte und deutlich hinter vielen anderen Bistümern zurückblieb.
Mit Bischof Rudhart (amt. 1018–1022) begann die Reihe der Konstanzer Bischöfe, die zuvor als Kapläne in der königlichen Hofkapelle gewirkt und die zum Teil nicht mehr der Klerikergemeinschaft an der Bischofskirche angehört hatten: So könnte Bischof Heimo (amt. 1022–1026) möglicherweise zuvor Domherr in Bamberg gewesen sein. Bis in die 1080er Jahre hielten sich viele der Bischöfe länger am Königshof auf, ohne dass allerdings für die Konstanzer Kirche eine substantielle Vergrößerung von Rechten und Besitz erreicht werden konnte.
Investiturstreit
Ab dem 9. Jahrhundert sind die ersten, aber noch seltenen Kontakte der Konstanzer Bischöfe zum Papsttum fassbar, die sich erst im Gefolge der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts intensivierten. Die Blüte der immer stärker gregorianisch gesinnten Konstanzer Domschule ab der Mitte des 11. Jahrhunderts und die Formierung der Klerikergemeinschaft an der Bischofskirche zu einem Domkapitel, welches das Bischofswahlrecht beanspruchte und mehrheitlich päpstlich gesinnt war, führten 1069 zur ersten Doppelwahl, bei der erstmals der Papst um ein Eingreifen ersucht wurde. Zunächst setzte sich in den zahlreichen Konflikten noch König Heinrich IV. (reg. 1056-1105, Kaiser seit 1084) durch, aber mit dem Hirsauer Mönch Gebhard III. (amt. 1084–1110) saß ein engagierter Vertreter der Kirchenreform auf dem Bischofsstuhl. Gebhard propagierte auf Synoden die Reformideen, förderte Reformklöster in seiner Diözese und war als päpstlicher Legat eng mit Rom verbunden.
Ulrich I. (amt. 1111–1127) versuchte, nach dem Wormser Konkordat 1122 die Einheit im Konstanzer Bistum wiederherzustellen, aber auch Kanoniker zu fördern und insbesondere die bischöfliche Stellung zu stärken. Diesem Ziel diente ferner die vom Bischof 1123 erreichte Kanonisation seines Amtsvorgängers Konrad I. Ulrich stammte aus der Familie der Grafen von Dillingen und konnte damit Bischof Ulrich von Augsburg als seinen Vorfahren reklamieren. Er ließ von seinem Kaplan Uodalschalk von Augsburg, dem späteren Abt von St. Ulrich und Afra (amt. 1124/7– ca. 1150), eine Heiligenvita verfassen, in der die Bischöfe Konrad und Ulrich freundschaftlich miteinander verbunden wurden. Während Konrad I. später zum dritten Bistumsheiligen neben Maria und Pelagius avancierte, blieb die Verehrung des 1134 erhobenen Gebhard II. stark begrenzt. Neben den Bischof trat immer mehr das Domkapitel, das mit dem Beginn des 12. Jahrhunderts nicht nur sein Bischofswahlrecht durchsetzen, sondern sogar Bischof Ulrich II. (amt. 1127–1138) zum Rücktritt zwingen konnte. Eine führende Rolle nahm dabei der Dompropst ein, der bis in das 13. Jahrhundert stets die besten Chancen besaß, zum Bischof gewählt zu werden.
Heiligenverehrung
Der Konstanzer Bistumspatron Pelagius ist auch Patron der Pfarreien Oberreitnau (Lindau) und Weitnau, was die Ausstrahlung der Verehrung des Heiligen bis in den heute bayerischen östlichen Rand des Bistumsgebiets belegt – allerdings in Konkurrenz zu den von St. Gallen her geprägten Patrozinien St. Gallus und St. Otmar, die in diesem Raum häufiger vertreten sind. Konrad, neben Maria und Pelagius der dritte Konstanzer Bistumspatron, wurde in Bayern insbesondere in Verbindung mit dem heiligen Bischof Ulrich von Augsburg verehrt; visuelle Zeugnisse der Konradsverehrung in Bayern sind beispielsweise das Gemälde Hans Holbeins des Älteren für das Katharinenkloster in Augsburg (1512), ein Glasfenster in der Lorenzkirche in Nürnberg (1477) oder eine Konradsstatue in der Kirche von Eresing bei Landsberg am Lech (1680er Jahre). Die Verehrung Bischof Gebhards II. blieb vor allem auf dem Raum um Lindau und Bregenz begrenzt; erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts gewann die Wallfahrt auf den Gebhardsbergs bei Bregenz an Bedeutung.
Beziehungen zu den Staufern und Habsburgern und Ausbau der Landesherrschaft
Ab Bischof Hermann I. (amt. 1138–1165) intensivierten sich die Beziehungen der Konstanzer Bischöfe zu den Herrschern wieder, weil das Bistum für die staufische Hausmacht- und Italienpolitik eine strategisch wichtige Lage besaß. So sind im 12. Jahrhundert zahlreiche Herrscherbesuche und Hoftage in Konstanz belegt, deren Höhepunkte 1153 der Vertrag von Konstanz und 1183 der Frieden von Konstanz bildeten. Auch noch im staufisch-welfischen Thronstreit, unter Kaiser Friedrich II. (reg. 1212-1250 als röm.-dt. König, Kaiser ab 1220) und selbst unter Konradin gehörten die Konstanzer Bischöfe, die als königliche Gesandte in Italien und zum Papst fungierten, zu den wichtigsten Parteigängern der Staufer. Kaiser Friedrich I. (reg. 1152-1190, ab 1155 als Kaiser) verdankte die Konstanzer Kirche ihr umfangreichstes Privileg, in dem ihr 1155 Rechte und Besitz verbrieft wurden, auf die sich die Bischöfe noch Jahrhunderte später beriefen.
Die Staufer unterstützten allerdings auch die Bildung einer Stadtkommune in der Bischofsstadt: So verbot Heinrich VI. (reg. 1190-1197) 1192 eine neue bischöfliche Steuer für die Bewohner von Konstanz, und Friedrich II. erlaubte kurz darauf die Bildung eines Stadtrats. Als der Rat 1259 von Eberhard von Waldburg (reg. 1248–1274) verboten wurde, nahmen die Konflikte von Bischof und Bürgern immer mehr zu, die im 14. Jahrhundert durch zahlreiche Prozesse und Auszüge der Bischöfe aus der Bischofsstadt weiter eskalierten. Nach der letzten großen Auseinandersetzung unter Bischof Heinrich von Brandis (reg. 1357–1383) konnte Konstanz 1372 seinen Status als ‘Quasi-Reichsstadt‘ verteidigen, doch spätestens mit dem ausgehenden 15. Jahrhundert flammten die Streitigkeiten erneut auf.
An die Stelle der Staufer als Könige und als größter weltlicher Machtfaktor in der Diözese Konstanz traten ab der Mitte des 13. Jahrhunderts die Habsburger. Sich stetig abwechselnde Phasen von Kooperation und Konkurrenz sollten das Verhältnis zwischen den Bischöfen und den Herrschern bzw. den Landesherren bis zur Auflösung des Konstanzer Bistums prägen. Die Beschränkungen für die Konstanzer Bischöfe, die aus der Errichtung eines landesherrlichen Kirchenregiments durch die Habsburger resultierten, führten immer wieder zu Streitigkeiten. Bei reichsweiten Konflikten standen die Bischöfe jedoch zumeist auf Seiten der Habsburger, so beispielsweise im Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen (reg. 1314-1330) und dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern (reg. 1314-1347, Kaiser ab 1328). Um den habsburgischen Kandidaten für den Konstanzer Bischofsstuhl zu verhindern, belagerte Ludwig 1334 mehrere Monate lang erfolglos die bischöfliche Residenz Meersburg.
Zum Gegner der Bischöfe wurden die Habsburger allerdings beim Ausbau der Landesherrschaft: Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts erweiterten die Bischöfe ihr Territorium, doch aufgrund der starken Konkurrenz des regionalen Adels wie der Kyburger oder Toggenburger Grafen und insbesondere der Habsburger waren den Möglichkeiten der Konstanzer Bischöfe enge Grenzen gesetzt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren Zukäufe nur noch in seltenen Einzelfällen möglich, sodass der Konstanzer Besitz auf wenige Rechte vor allem im regionalen Umfeld des Bischofssitzes im Thurgau, Linzgau, Hegau und Klettgau beschränkt blieb. Der geringe Umfang der Besitzungen bildete in den folgenden Jahrhunderten die zentrale Ursache für die anwachsende Verschuldung der Konstanzer Kirche.
Bischofswahlen
Ab 1293 begann eine Reihe an zwiespältigen Bischofswahlen, die in erster Linie auf Parteiungen am Konstanzer Bischofshof zurückzuführen sind. Zugleich boten sich Möglichkeiten, für die Päpste und vor allem für die Habsburger, ihren Kandidaten zu platzieren: Bischöfe wie Heinrich von Klingenberg (reg. 1293–1306), Nikolaus von Frauenfeld (reg. 1334–1344) oder Johann Windlock (reg. 1351–1356) waren zuvor Amtsträger der Habsburger gewesen. Zumeist erhielten Konstanzer Kleriker die Bischofswürde und mit Ulrich Pfefferhard (reg. 1344–1351) auch erstmals ein bürgerlicher Kandidat, wohingegen auswärtige Anwärter wie der 1293 unterlegene Augsburger Dompropst Friedrich von Zollern (1292–1300) bis zum Ende des Mittelalters kaum Chancen besaßen. Erfolgreich war gleichwohl der Augsburger Domherr Marquard von Randegg (reg. 1398–1406), der für acht Jahre das Konstanzer Bistum regierte.
Das Domkapitel konnte in der Frühen Neuzeit sein Wahlrecht verteidigen, wobei oftmals habsburgnahe Anwärter zu Zug kamen. Der habsburgische Einfluss verhinderte beispielsweise in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts pfalz-neuburgische Aspiranten, und selbst Kaiser Karl VII. (reg. 1742-1745) konnte 1743 seinen Kandidaten und damit seine wittelsbachischen Interessen nicht durchsetzen. Der Konstanzer Bischofssitz war nur selten und für kurze Phasen von den in der Reichskirche der Frühen Neuzeit häufigen Bistumskumulationen betroffen – auch dies ein Grund, warum Bischöfe aus dem Haus Bayern in Konstanz nicht zum Zug kamen.
Großes Abendländisches Schisma
Während des ‘Großen Abendländischen Schismas‘ (1378–1417) regierten auch im Konstanzer Bistum zeitweise zwei Bischöfe. Die Mehrheit der Konstanzer Kirche folgte zunächst der habsburgischen Parteinahme für den avignonesischen Papst, doch als sich der Landesherr Mitte der 1380-Jahre auf die römische Seite stellte, setzte sich in der Konstanzer Diözese ebenfalls die römische Obödienz durch. Nach 1409 war dann kein avignonesischer Gegenbischof mehr im Amt. Die Spaltung der westlichen Kirche wurde auf dem ‘Konstanzer Konzil‘ (1414–1418) beendet, für welches Bischof Otto von Hachberg (reg. 1410–1434) als Gastgeber fungierte.
Eidgenossen

Bereits im 14. Jahrhundert wurden die Konstanzer Bischöfe in die Konflikte der Habsburger mit den Eidgenossen hineingezogen, nicht zuletzt weil viele der eidgenössischen Orte innerhalb der Konstanzer Diözese lagen. Die großen militärischen Auseinandersetzungen wie der Appenzellerkrieg, der Alte Zürichkrieg oder der Schwabenkrieg verlangten eine Positionierung der Konstanzer Bischöfe, so stand Albrecht Blarer (reg. 1407–1410) auf Seiten der Habsburger gegen die Appenzeller, wohingegen sich Heinrich von Hewen (reg. 1436–1462) als letztlich erfolgloser Friedensstifter zu profilieren versuchte.
In wechselnden Koalitionen wollte die Konstanzer Kirche ihren Einfluss bewahren, auch als zeitweise Kaisertum und Landesherrschaft in Vorderösterreich in der Hand verschiedener Linien des Hauses Habsburg waren: So setzte sich im Konstanzer Bistumsstreit (1474–1480) der vom Domkapitel, dem Kaiser und den Eidgenossen favorisierte Otto von Sonnenberg (reg. 1480–1491) gegen den Anwärter des habsburgischen Landesherrn durch. Mit der Niederlage des Schwäbischen Bundes im Schwabenkrieg erreichte die eidgenössische Expansion ihren Höhepunkt: Der linksrheinische Diözesanteil und der dortige Hochstiftsbesitz lagen von nun an im Herrschaftsgebiet der Eidgenossen.
Kirchenreform, Reformation, Rekatholisierung, Katholische Reform
Schon seit dem 14. Jahrhundert hatten die Konstanzer Bischöfe beispielsweise auf Diözesansynoden versucht, die Klerusdisziplin zu verbessern: Im Zentrum standen die größere Kontrolle der Kleriker und eine stärkere Besteuerung, wohingegen die geistlichen Reformen bis in das frühe 16. Jahrhundert zaghaft blieben. Bereits im Vorfeld der Reformation nahmen insbesondere unter Thomas Berlower (reg. 1491–1496) und Hugo von Hohenlandenberg (reg. 1496–1532) die Konflikte um die bischöflichen Befugnisse in der Stadt Konstanz zu. Dort diskutierte man bereits 1518/19 über reformatorische Thesen und führte zügig die Reformation ein, worauf der Bischof 1526 die Stadt in Richtung Meersburg verließ. Weil sich auch die eidgenössischen Städte, einige Reichsstädte und der Herzog von Württemberg auf die Seite der Reformation gestellt hatten, verloren die Bischöfe ihren Einfluss auf einen großen Teil ihrer Diözese.
Die Bischöfe konnten sich allerdings der Unterstützung von Kaiser und vorderösterreichischem Landesherr sicher sein, und nach der Rekatholisierung der Stadt Konstanz 1548, die nun zu einer österreichischen Landstadt wurde, kamen 1551 das Domkapitel und große Teile der Verwaltung wieder zurück an den Bischofssitz. Der Bischof hingegen blieb in Meersburg, wo er ab dem 18. Jahrhundert im Neuen Schloss residierte. Die Einrichtung einer ständigen päpstlichen Nuntiatur in Luzern im späten 16. Jahrhundert begrenzte allerdings den Einfluss des Bischofs im eidgenössischen Teil seines Bistums deutlich.
Ideen der tridentinischen Reform setzten sich nur langsam in der Diözese Konstanz durch. Insbesondere die beiden Bischöfe Markus Sittich von Hohenems (reg. 1561–1589) und Andreas von Österreich (reg. 1589–1600), die sich als Kardinäle zumeist in Rom aufhielten, gaben einige Reformanstöße. So sollte durch eine Verbesserung der Klerusausbildung und der Liturgie sowie durch Diözesansynoden, Klosterreformen und Visitationen die katholische Reform auch im Konstanzer Bistum verankert werden. Der verbesserten Ausbildung diente das 1606 neben der Bischofskirche gegründete Jesuitenkolleg, wohingegen erst 1735 in Meersburg ein Priesterseminar eröffnet werden konnte. Die wichtigsten Studienorte für Konstanzer Kleriker bildeten Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) und Dillingen.
Verhältnis zu den Habsburgern in der Frühen Neuzeit
Von 1542 bis 1803 fungierten im Schwäbischen Reichskreis der Bischof von Konstanz und der Herzog von Württemberg als die beiden kreisausschreibenden Fürsten, und der Konstanzer Bischof profilierte sich dort als Anführer der habsburgisch-katholischen Partei. Wie die anderen süddeutschen Hochstifte war auch Konstanz Mitglied in der von Herzog Maximilian I. von Bayern (reg. 1597-1651, ab 1623 als Kurfürst) gegründeten Katholischen Liga (1609–1635), ohne dass aber der bayerische Einfluss mit der ansonsten dominierenden habsburgischen Orientierung von Konstanz in Konkurrenz trat. Auch bei den europäischen Konflikten des 17. und 18. Jahrhunderts standen die Bischöfe auf Seiten Habsburgs, so zum Beispiel im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) gegen Frankreich und Bayern. Seit 1629 regelte ein Konkordat das Verhältnis der Konstanzer Bischöfe zu Habsburg, das aber Konflikte nicht gänzlich verhindern konnte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahmen die Auseinandersetzungen zu und fanden ihren Höhepunkt im Konstanzer Widerstand gegen die Reformen Josephs II. (reg. 1765-1790 als Kaiser), auch weil der Konstanzer Hof den Gedanken der Aufklärung weitgehend fernstand. Erst mit Bischof Karl Theodor von Dalberg (reg. 1800–1817) und dem Bistumsverweser Ignaz Heinrich von Wessenberg (gest. 1860) standen gegenüber der Aufklärungstheologie aufgeschlossene Kleriker an der Spitze des Konstanzer Bistums.
Bistum und Hochstift
Die schwierige Finanzlage bildete in der Frühen Neuzeit eine ständige Herausforderung für die Konstanzer Bischöfe. Durch die Reformation fielen die diözesanen Einnahmen aus den reformierten Gebieten in der Eidgenossenschaft und aus Württemberg weg, außerdem sahen sich die Bischöfe nach und nach zur Veräußerung von Rechten und Besitz in der Eidgenossenschaft gezwungen. Linderung versprach hingegen die Inkorporation des Augustinerchorherrenstifts Öhningen 1534 und des Benediktinerklosters Reichenau 1540, die ein größeres Konstanzer Territorium am Untersee entstehen ließen.
Während das 17. Jahrhundert durch die Folgen der großen Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) im Bodenseeraum gekennzeichnet ist, stabilisierten sich im 18. Jahrhundert die Verhältnisse und ein gewisser Aufschwung ist beispielsweise unter Johann Franz Schenk von Stauffenberg (reg. 1704–1740) zu erkennen, der ab 1714 auch als Koadjutor des Augsburger Bischofs und ab 1737 als Augsburger Bischof amtierte.
Säkularisation
Im Rahmen der Säkularisierung der Reichskirche kam 1802/03 das Konstanzer Hochstift an die Markgrafen von Baden. Ab 1814 begann die schrittweise Auflösung der Diözese, so wurden dem Konstanzer Bischof beispielsweise im Rahmen des bayerischen Konkordats 1817 die Pfarreien im bayerischen Gebiet entzogen, die der Diözese Augsburg zugewiesen wurden. Mit der Gründung der Erzdiözese Freiburg durch die päpstliche Zirkumskriptionsbulle ‘Provida sollersque‘ vom 16. August 1821 wurde das Bistum Konstanz kirchenrechtlich aufgelöst, doch erst nach der Ernennung und Weihe des ersten Freiburger Erzbischofs proklamierte Wessenberg am 21. Oktober 1827 das Ende der Diözese Konstanz.
Literatur
- Sabine Arend, Die Konstanzer Bischöfe von 1384 bis 1434 (Germania Sacra, Dritte Folge 20), Berlin/Boston 2022.
- Ludger Beckmann, Konstanzer Bischöfe vom 13. zum 14. Jahrhundert, Diss. Freiburg 1995.
- Andreas Bihrer, Der Konstanzer Bischofshof im 14. Jahrhundert. Herrschaftliche, soziale und kommunikative Aspekte (Residenzenforschung 18), Ostfildern 2005.
- Andreas Bihrer/Wolfgang Zimmermann/Ulrike Laule, Konstanz. Domstift, in: Jürgen Dendorfer/Wolfgang Zimmermann (Hg.), Badisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und religiöse Gemeinschaften in Baden und Hohenzollern. Von den Anfängen bis zur Säkularisation, Zweiter Band: H–R, Regensburg 2025, 254–276.
- Dominik Burkard, Bistum Konstanz (ecclesia Constantiensis, Kirchenprovinz Mainz), in: Erwin Gatz (Hg.), Die Bistümer des Heiligen Römischen Reiches von ihren Anfängen bis zur Säkularisation, Freiburg 2003, 294–314.
- Brigitte Degler-Spengler (Hg.), Das Bistum Konstanz, das Erzbistum Mainz, das Bistum St. Gallen (Helvetia Sacra 1,2), Basel/Frankfurt am Main 1993.
- Elmar L. Kuhn u.a. (Hg.), Die Bischöfe von Konstanz, 2 Bände, Friedrichshafen 1988.
- Ulrike Laule (Hg.), Das Konstanzer Münster Unserer Lieben Frau. 1000 Jahre Kathedrale – 200 Jahre Pfarrkirche, Regensburg 2013.
- Konstantin Maier, Das Domkapitel von Konstanz und seine Wahlkapitulationen. Ein Beitrag zur Geschichte von Hochstift und Diözese in der Neuzeit (Beiträge zur Geschichte der Reichskirche in der Neuzeit 11), Stuttgart 1990.
- Helmut Maurer/Franz Xaver Bischof, Konstanz (Diözese), in: Historisches Lexikon der Schweiz, Version von 2001 (Artikel aus der HLS-Druckversion, bearbeitet am 13.04.2016).
- Helmut Maurer, Die Konstanzer Bischöfe vom Ende des 6. Jahrhunderts bis 1206 (Germania Sacra, Neue Folge 42,1), Berlin/New York 2003.
- Bernd Ottnad, Die Archive der Bischöfe von Konstanz, in: Freiburger Diözesan-Archiv 94 (1974), 270–516.
- Detlev Zimpel, Die Bischöfe von Konstanz im 13. Jahrhundert (1206-1274) (Freiburger Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte 1), Frankfurt am Main u.a. 1990.
Quellen
- Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Constanz von Bubulcus bis Thomas Berlower 517–1496, hrsg. von der Badischen Historischen Commission, 5 Bände, Innsbruck 1895–1951:
- 1. Band: 517–1293, bearb. von Paul Ladewig und Theodor Müller, Innsbruck 1895.
- 2. Band: 1293–1383, bearb. von Alexander Cartellieri mit Nachträgen und Registern von Karl Rieder, Innsbruck 1905.
- 3. Band: 1384–1436, bearb. von Karl Rieder, Innsbruck 1912.
- 4. Band: 1436–1474, bearb. von Karl Rieder, Innsbruck 1941.
- 5. Band: 1474–1480, bearb. von Karl Rieder, Innsbruck 1951.
- Nachlese zu den Konstanzer Bischofsregesten, hg. von Manfred Krebs, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 98 (1950), 181–283.
- Repertorium schweizergeschichtlicher Quellen im Generallandesarchiv Karlsruhe, Abt. 1: Konstanz – Reichenau, 1. Band: Urkunden mit Selektenbestand, hg. von Franziska Geiges-Heindl, Karl Mommsen und Martin Salzmann, 2. Band: Bücher, hg. von Martin Salzmann, 3. Band: Akten, Nachträge, hg. von Josef Brülisauer, Franziska Geiges-Heindl, Peter Hoppe und Martin Salzmann, 4. Band: Gesamtregister, hg. von Franziska Geiges-Heindl und Martin Salzmann, Zürich 1981–1990.
Weiterführende Recherche
Verwandte Artikel
Empfohlene Zitierweise
Andreas Bihrer, Konstanz, Bistum: Geschichte, publiziert am 01.07.2026, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Konstanz,_Bistum:_Geschichte> (3.07.2026)