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Freikorps Oberland, 1919-1921

Werbeplakat des Freikorps Oberland. (Bundesarchiv, Plak 002-007-079/Grafiker: o. A., März 1920)
Mitglieder des Freikorps Oberland vor München. (aus: Rudolf Schricker, Rotmord über München, Berlin 1934, Tafel 82)
Titelblatt einer Propagandabroschüre von 1921. Ein Freikorps-Kämpfer in bayerischer Tracht schlägt auf einen polnischen Freischärler ein, der nach den Kohlezechen und Fabriken Oberschlesiens greift. (aus: Oberland in Oberschlesien, München 1921)
Plakat, das die Auflösung des Freikorps Oberland und die Gründung des Bundes Oberland ankündigt, ca. 1921/22. (Bundesarchiv, Plak 002-007-182/Grafiker: o. A.)
Das Oberland-Denkmal am Weinberg in Schliersee. (aus: Ludwig Müllner [Hg.], Am Schliersee. Führer durch Schliersee, Neuhaus-Fischhausen und Umgebung, München 10. Auflage 1937, S. 19).
Erich Ludendorff bei der Einweihungsfeier des Oberland-Denkmals am 30. September 1923. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv Hoffmann)
Adolf Hitler besucht das Oberland-Denkmal im Juli 1927. (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv Hoffmann)

von Bruno Thoß

Bewaffneter Freiwilligenverband mit bis zu 350 Mitgliedern, davon viele ehemalige Soldaten aus dem bayerischen Oberland, aufgestellt im April 1919 durch Major Albert von Beckh (1870-1958) in Ingolstadt und Eichstätt. Symbol war das Edelweiß. Das Freikorps hatte Verbindungen zur Thule-Gesellschaft und war an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Es wurde am 31. Oktober 1919 aufgelöst und teilweise in die vorläufige Reichswehr übernommen; der andere Teil ging als Zeitfreiwilligenbataillon 1920 in die Organisation Escherich und 1921 in den Bund Oberland über.

Das Freikorps Oberland und seine Kampfeinsätze

Zu den aktivsten gegenrevolutionären Kräften in München zählte seit Ende 1918 die von dem internationalen Abenteurer Rudolf Freiherr von Sebottendorff (1875-1945) gegründete "Thule-Gesellschaft". Sie verstand sich als deutschvölkischer Kampfbund, der neben seinen nachrichtendienstlichen und politischen Aktivitäten schon während der Rätezeit auch die Aktivierung der Freikorpsbewegung in Oberbayern voranzubringen suchte. Als die nach Bamberg ausgewichene Regierung Hoffmann Mitte April 1919 die Werbung dafür generell freigab, gelang es von Sebottendorff, Mitte April 1919 von Militärminister Ernst Schneppenhorst (1881-1945) auch eine Lizenz für den Aufbau des Freikorps Oberland zu erlangen. Unter der militärischen Führung von Major Albert Ritter von Beckh (1870-1958) wurden in den folgenden beiden Wochen erste Einheiten in Ingolstadt und Eichstätt aufgestellt, die für die mehrheitlich aus dem bayerischen Oberland stammenden Mitglieder als werbeträchtiges Symbol das Edelweiß wählten. Da es zwischen ziviler und militärischer Führung schnell zu Dissonanzen kam, verselbständigte sich das Freikorps schon kurz nach seiner Gründung von der Thule-Gesellschaft.

Am Vormarsch gegen München nahm eine Einheit von 250 Kämpfern teil. Aus dem Raum Freising stießen die "Oberländer" entlang der Isar vor und halfen, die Kräfte der Räterepublik am östlichen Ufer zusammenzudrängen und zu entwaffnen. Danach ging ein Teil des auf über 1.000 Mann angewachsenen Verbandes zusammen mit dem Freikorps Epp als Kader in der im südbayerischen Raum aufgestellten Reichswehrbrigade 21 auf. Die militärisch nicht wiederverwendeten Reste hielt die bayerische Reichswehr zunächst noch in Form einer Zeitfreiwilligenkompanie in Reserve. Im Zuge einer ersten Verringerung der Freiwilligenverbände wurde am 21. Oktober 1919 auch das Freikorps Oberland formell aufgelöst. Wesentliche Teile schlossen sich aber den Einwohnerwehren unter Führung von Forstrat Georg Escherich (1870-1941) an.

Da sie anders als die Masse der lokalen Wehren auch überregional einsetzbar waren, kamen die "Oberländer" zusammen mit ehemaligen Einheiten des Freikorps Epp nach dem Kapp-Putsch schon bei der Niederschlagung des Ruhraufstandes im Frühjahr 1920 wieder zum Einsatz. Um dem immer drängenderen Verlangen der Entente nach einer Auflösung der Wehrverbände zu entgehen, gliederten sie sich nach ihrer Rückkehr von den Ruhrkämpfen 1920 als Zeitfreiwilligenbataillon in den auf das ganze Reich ausgedehnten Dachverband der Organisation Escherich (Orgesch) ein. Hier erreichten sie durch ihren kollektiven Beitritt und ihre überregionale Einsatzbereitschaft die Übernahme als geschlossener Verband im Rahmen der Landfahnen X-XV.

Nach dem Ausbruch neuerlicher Grenzkämpfe in Oberschlesien waren sie deshalb im Frühjahr 1921 auch sofort wieder für den Kampfeinsatz verfügbar. Unter der Führung von Hauptmann Josef ("Beppo") Römer (1892-1944) zeichneten sie sich hier im Mai 1921 bei der Erstürmung des Annaberges besonders aus. Oberhalb von Schliersee (Lkr. Miesbach) wurde ihnen dafür 1923 ein Denkmal errichtet.

Dem Verlangen der Alliierten nach einer allgemeinen Entwaffnung des oberschlesischen Selbstschutzes konnte sich schließlich auch das Freikorps Oberland nicht entziehen; es wurde im Juni 1921 im Zuge des allgemeinen Orgesch-Verbots aufgelöst. Der vollständigen Entwaffnung entzog sich der Verband freilich im Herbst 1921 durch seine Neuformierung als "Bund Oberland" unter ziviler Führung.

Der Bund Oberland: Partikularisten, Putschisten und Kommunisten

Nach der formellen Auflösung der Wehrverbände suchten Reichswehr und Staatsregierung das nach wie vor breite Lager nur scheinbar ziviler Nachfolgeorganisationen über eine neue Dachorganisation, den "Bund Bayern und Reich", einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Die Bereitschaft seines zivilen Leiters Friedrich Knauf (geb. 1873), auch den Bund Oberland darin zu integrieren, führte jedoch im Sommer 1922 zu schweren inneren Zerwürfnissen. Der Verbandsvorsitzende gründete daraufhin am 23. September 1922 mit den Beitrittswilligen einen eigenständigen "Bund Treu Oberland", der sich später in "Blücherbund" umbenannte. Die Mehrheit des Bundes Oberland triftete dagegen seit Herbst 1922 zunehmend in das an Adolf Hitler (1889-1945) und Erich Ludendorff (1865-1937) orientierte radikale Lager ab. Der chronische Geldmangel machte den Blücherbund zugänglich für finanzielle Zuwendungen aus französischen Geheimdienstquellen, hinter denen die Absicht einer partikularistischen Verselbständigung Bayerns vom Reich steckte. Die Aufdeckung dieser Aktivitäten beim sog. Fuchs-Machhaus-Prozess im Frühjahr 1923 diskreditierte den dezidiert weiß-blauen Flügel des Bundes Oberland dauerhaft. Seine aktionsbereiten Teile schlossen sich daher unter Führung des Veterinärs Friedrich Weber (1892-1955) mit der nationalsozialistischen SA und dem Verband "Reichsflagge" im Januar 1923 in der "Arbeitsgemeinschaft vaterländischer Kampfverbände" zusammen. In diesem Rahmen beteiligten sich die Oberländer an den Aktionen des Jahres 1923, die nach dem Vorbild von Benito Mussolinis (1883-1945) "Marsch auf Rom" aus dem Herbst 1922 auch im Deutschen Reich auf einen rechtsradikalen Umsturz von der Provinz aus zielten. Ihr Scheitern beim Hitlerputsch vom 8./9. November 1923 brachte schließlich den Oberlandführer Weber mit auf die Anklagebank des Hitler-Ludendorff-Prozesses. Der neuerlichen Auflösung suchte sein Verband über verschiedene getarnte Auffangorganisationen zu entgehen.

Nach Aufhebung des Verbändeverbots in Bayern Anfang 1925 kam es zwar am 13. März 1925 noch einmal zur Wiederbegründung des Bundes Oberland. Ständige interne Führungsquerelen und die zeitweilige Stabilisierung der Weimarer Republik ließen den Wehrverband jedoch Zug um Zug in die Bedeutungslosigkeit absinken oder Teile seiner Mitglieder zu konkurrierenden Verbänden abschwenken. Eine Gruppe um den populären Führer des Oberschlesieneinsatzes, Beppo Römer, näherte sich über den linken Widerstandskreis um Ernst Niekisch (1889-1967) seit 1929/30 sogar an die Kommunisten an. Römer selbst sollte dafür nach 1933 mit mehrjähriger KZ-Haft in Dachau bezahlen und schließlich nach dem 20. Juli 1944 der Hinrichtungswelle von Regimegegnern verfallen.

Literatur

  • Oswald Bindrich/Susanne Römer, Beppo Römer. Ein Leben zwischen Revolution und Nation, Berlin 1991.
  • George Eliasberg, Der Ruhrkrieg von 1920, Bonn 1974.
  • Hans Fenske, Konservativismus und Rechtsradikalismus in Bayern nach 1918, Bad Homburg/Berlin/Zürich 1969.
  • Dieter Fricke (Hg.), Die bürgerlichen Parteien in Deutschland. Handbuch der Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderer bürgerlicher Interessenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945. 2. Band, Leipzig 1970, 65-68.
  • Ingo Korzetz, Die Freikorps in der Weimarer Republik: Freikorpskämpfer oder Landsknechthaufen? Aufstellung, Einsatz und Wesen der bayerischen Freikorps 1918-1920, Marburg 2009.
  • Hans Jürgen Kuron, Freikorps und Bund Oberland, Phil. Diss. Erlangen 1960.
  • Bruno Thoß, Der Ludendorff-Kreis 1919-1923. München als Zentrum der mitteleuropäischen Gegenrevolution zwischen Revolution und Hitler-Putsch, München 1978.

Quellen

  • Rudolf von Sebottendorff, Bevor Hitler kam. Urkundliches aus der Frühzeit der nationalsozialistischen Bewegung, München 1933.

Weiterführende Recherche

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Empfohlene Zitierweise

Bruno Thoß, Freikorps Oberland, 1919-1921, publiziert am 10.09.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freikorps Oberland, 1919-1921> (13.11.2018)