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Eiserne Front, 1931-1933

Die Eiserne Front demonstriert am 3. Juli 1932 vor der Gebsattelbrücke in München. Vorne in der Mitte mit geballter erhobener Faust geht die Landtagsabgeordnete Rosa Aschenbrenner (SPD). (Archiv der Münchner Arbeiterbewegung)
Saaldekoration in der Schwabinger Brauerei für die Jungwählerversammlung der Schufo XIX am 20. Juli 1932 in München. Das Bild zeigt den von italienischen Faschisten ermordeten Sozialistenführer Matteotti. (Archiv der Münchner Arbeiterbewegung)
Wihelm Hoegner spricht am 26. Juli 1932 in der Schwabinger Brauerei in München. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plakatsammlung)
Die Schutzformationen der Eisernen Front marschieren am 12. Februar 1932 an Wilhelm Hoegner und dem Münchner SPD-Chef Thomas Wimmer vorbei, die beide mit geballter Faust grüßen. (Archiv der Münchner Arbeiterbewegung)

von Günther Gerstenberg

Bündnis von SPD, Reichsbanner, Allgemeinem Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB), Arbeitersportverbänden und Allgemeinem freien Angestelltenbund (AfA-Bund), gegründet am 16. Dezember 1931 als Reaktion auf die Zusammenarbeit von NSDAP, DNVP, Reichslandbund, Alldeutschem Verband (ADV) und Stahlhelm in der Harzburger Front. Ziel des Zusammenschlusses war die Mobilisierung aller republikanischen Kräfte zur Verteidigung der Weimarer Republik. Obwohl überparteilich angelegt, blieb die Eiserne Front letztlich ein SPD-dominiertes Bündnis. Erkennungszeichen waren drei parallele Pfeile auf rotem Grund. Schlecht organisiert, konnte das Bündnis nur wenige Erfolge vorweisen und wurde nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im März 1933 verboten.

Hintergrund: der Vormarsch der Nationalsozialisten 1931

Anfang der 1930er Jahre verlagerten sich die politischen Auseinandersetzungen auf die Straße. Der paramilitärische Stahlhelm und die SA verfügten über eine straffe Organisation, Ausbildung und Waffenlager. Im Kampf um die Beherrschung des öffentlichen Raums waren die Verteidiger der Republik im Nachteil. In Bayern wurden sie zudem von staatlichen Behörden und Institutionen auf vielfältige Weise kontrolliert und behindert: Restriktive Vorschriften und Verbote schränkten die Bewegungsmöglichkeiten der Republikaner ein. Zudem siegten die Nationalsozialisten bei den Landtagswahlen in Hessen 1931; Ende November 1931 wurde der "nationalsozialistische Aktionsplan für Hessen", die so genannten Boxheimer Dokumente, bekannt, die für die Zeit nach der "Machtergreifung" Konzentrationslager und blutigen Massenterror vorsahen.

Kampf der Symbole

Mit dem vom Exilrussen Sergej Tschachotin (1883-1973) entwickelten Symbol der drei "Freiheits"-Pfeile als Gegensymbol zum Hakenkreuz entfaltete die Eiserne Front eine neue, moderne Propagandatätigkeit. Das Bündnis sollte Stärke demonstrieren und den Gegner vor Übergriffen abschrecken. Es finden sich unterschiedliche Erklärungen für die drei Pfeile: Einmal symbolisieren sie "Aktivität, Disziplin und Einigkeit im Kampf gegen den Feind", dann auch "Kampf für Wahrheit und Freiheit, Ordnung und Frieden, Brot und Recht". Die am häufigsten vertretene Diktion richtet sich gegen "Kapitalismus, Faschismus und Reaktion". Im Unterschied zum Reich verstand die bayerische Eiserne Front die KPD kaum als Gegner.

Erste Gründungen in Bayern: Nürnberg und München

Am 23. Dezember 1931 gründete sich die Eiserne Front in Nürnberg. Am 21. Januar 1932 kamen 25.000 Menschen zur ersten Kundgebung des Nürnberger Verbandes.

Am 31. Januar 1932 entstand die Münchner Eiserne Front in den Kolosseums-Bierhallen. Die Münchner Gewerkschaften stellten jetzt den Schufo-Formationen des Reichsbanners 20 eigene, je 100 Mann starke "Hammerschaften" zur Seite.

Insgesamt dürften sich in Bayern schätzungsweise 410.000 bis 420.000 Menschen der Eisernen Front zugehörig gefühlt haben; genauere Angaben sind nicht möglich. Damit war der Anteil der bayerischen Front an der Gesamtbevölkerung weitaus geringer als in Preußen, Thüringen oder Sachsen. Prominente Redner bei Versammlungen und Aufmärschen in Bayern waren Waldemar von Knoeringen (1906-1971), Wilhelm Hoegner (1887-1980), Erhard Auer (1874-1945), Thomas Wimmer (1887-1964), Hans Unterleitner (1890-1971), Max Peschel (1886-1969), Albert Roßhaupter (1878-1949) und Johannes Timm (1866-1945). Bayerischer Vorsitzender der Eisernen Front war 1932/33 der Reichstagsabgeordnete Ernst Schneppenhorst (1881-1945).

Das "Eiserne Buch"

In allen größeren bayerischen Städten lagen im Frühjahr 1932 in Gaststätten, Verkehrslokalen des Reichsbanners und in Gewerkschaftshäusern so genannte "Eiserne Bücher" auf. Die Bevölkerung wurde dazu aufgerufen, sich demonstrativ in diese Bücher einzutragen, um "ihren Freiheitswillen zu bekunden".

Reichstagswahlkampf im Juli 1932

Am 3. Juli 1932 demonstrierten 10.000 Nationalsozialisten in München. Zur Gegenkundgebung der Münchner Eisernen Front kamen etwa 7.000 bis 8.000 Menschen. Am 17. Juli 1932, zwei Wochen vor der Reichstagswahl vom 31. Juli, zogen zwischen 18.000 und 20.000 Arbeitersportler, Gewerkschafter, uniformierte Eisenbahner und Sozialdemokraten 1 1/2 Stunden durch Nürnberg.

Der "Preußenschlag" vom 20. Juli 1932

Der Staatsstreich vom 20. Juli 1932, der so genannte Preußenschlag, löste zwar auch in Bayern erregte Protestversammlungen aus, führte aber zu keinen weiteren Maßnahmen. Vergeblich wartete die Arbeiterschaft auf ein Signal zum Handeln. Die Unzufriedenheit über den strikten Legalismus des Reichsbanners und der Eisernen Front führte zu heftigen Konflikten unter den Mitgliedern.

Die Strategie 1933: "Ruhe und Disziplin"

Anfang 1933 warteten die Verteidiger der Republik wiederum vergeblich auf ein Signal, dem Marsch der Nationalsozialisten ins Zentrum der Macht etwas entgegenzusetzen. Es gab zwar wehrtechnische Strategien, Alarmpläne und Organisationsstrukturen, die den Widerstand hätten mobilisieren können, die sozialdemokratische Führung aber verzichtete auf außerparlamentarische Aktionen und Streikaufrufe. Sie rief stattdessen dazu auf, Ruhe und Disziplin zu bewahren. Der spätere Ministerpräsident Wilhelm Hoegner schildert, wie groß die Erbitterung über diesen "Verrat" bei den Mitgliedern des Reichsbanners und der Eisernen Front war (Flucht vor Hitler, 107).

Das Ende

Mit letzten großen Kundgebungen versuchte die Eiserne Front, die Stimmung im Lande umzudrehen. Der junge Waldemar von Knoeringen trat vor allem in München und im Münchner Umland mit leidenschaftlichen Appellen auf (so am 3. März 1933 in der Schwabinger Brauerei, im Löwenbräu- und Bürgerbräukeller in München). Noch am 12. Februar 1933, bereits nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, demonstrierte die Nürnberger Eiserne Front auf dem Hauptmarkt mit 60.000 Teilnehmern, am 2. März mit 30.000 Teilnehmern auf der Deutschherrenwiese gegen den Faschismus. Am 11. März 1933, kurz nach der "Machtergreifung", wurde die Eiserne Front reichsweit verboten.

Literatur

  • Günther Gerstenberg, Freiheit! Sozialdemokratischer Selbstschutz im München der zwanziger und frühen dreißiger Jahre. 1. Band: Texte. 2. Band: Bilder und Dokumente, beiliegend eine Musik-CD mit historischen Aufnahmen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und der Eisernen Front 1919-1933 aus dem Arbeitermusik-Archiv Klaus-Jürgen Hohn, Andechs 1997.
  • Helga Gotschlich, Zwischen Kampf und Kapitulation. Zur Geschichte des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Berlin 1987.
  • Wilhelm Hoegner, Flucht vor Hitler. Erinnerungen an die Kapitulation der ersten deutschen Republik 1933, München 1977.
  • Karl Rohe, Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Ein Beitrag zur Geschichte und Struktur der politischen Kampfverbände zur Zeit der Weimarer Republik, Düsseldorf 1966.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Günther Gerstenberg, Eiserne Front, 1931-1933, publiziert am 13.07.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Eiserne Front, 1931-1933> (20.09.2018)