Bayernwerk AG

Hochspannungsleitungen des Bayernwerks 1924 und 1950. (aus: Siegfried Kurzmann/Adolf Roth [Hg.], 30 Jahre Bayernwerk AG. Bayerische Landeselektrizitätsversorgung 1921-1951, München 1951, S. 82)
Das Bayernwerk und die größeren bayerischen Überlandwerke in den 1950er Jahren. Im Gegensatz zu anderen großen deutschen Elektrizitätsversorgern erreichte das Bayernwerk nicht den Endverbraucher, sondern kooperierte mit regionalen Versorgern. Eine Sonderrolle nahm Mittelfranken mit dem Großkraftwerk Franken ein. Erst schrittweise gelang es dem Bayernwerk, nicht nur seine eigenen Energiequellen zu vergrößern, sondern auch die regionalen Energieversorger zu übernehmen. (aus: 30 Jahre Bayernwerk, S. 18)
Fliegeraufnahme des Walchenseekraftwerks. (aus: Das Bayernwerk und seine Kraftquellen, München 1930, S. 23)
Bayernwerk-Dampfkraftwerk Schwandorf. Das 1930 in Betrieb genommene Werk wurde aus der Braunkohlengrube Wackersdorf versorgt. (aus: Das Bayernwerk und seine Kraftquellen, S. 34)
Oskar von Miller. (Bayerische Staatsbibliothek, Fotoarchiv Hoffmann).

von Manfred Pohl

1921 gegründetes Energieversorgungsunternehmen, das nach Plänen von Oskar von Miller (1855-1934) ganz Bayern mit Elektrizität versorgen sollte. De facto erhielt das Bayernwerk in seinen Anfangsjahren den Strom vom ebenfalls 1921 begründeten Walchenseekraftwerk und der Mittleren Isar AG und stand in Konkurrenz zu zahlreichen weiteren Energieversorgern, die es erst schrittweise übernehmen konnte. Hatte das Bayernwerk anfangs vor allem auf die Wasserkraft gesetzt, gewannen ab den 1950er Jahren zunächst fossile Energieträger, ab den 1970er Jahren dann die Atomenergie an Bedeutung. 1994 privatisierte der Freistaat Bayern das Bayernwerk, das von der VIAG übernommen wurde und mit dieser 2000 in E.ON aufging.

Gründung 1921

Die Entstehung des Bayernwerkes geht auf eine Idee Oskar von Millers (1855-1934) zurück, ein großes Wasserkraftwerk am Walchensee zu errichten, das ganz Bayern (außer der Pfalz) flächendeckend mit Strom versorgen sollte. Doch es dauerte noch zehn Jahre, bis nach hartnäckigen Verhandlungen am 18. März 1921 die Abgeordneten des Bayerischen Landtages der Gründung des Bayernwerks als Aktiengesellschaft zustimmten und am 5. April 1921 die Gründung erfolgen konnte. Der bayerische Staat war mit fast 100 % Inhaber des Aktienkapitals. Die Energiequellen waren die am 5. Januar 1921 errichtete Walchenseewerk AG und die am gleichen Tag gegründete Mittlere Isar AG.

Neben dem Bayernwerk versorgten die Großkraftwerk Franken AG, die Isar-Amperwerke, die Innwerk AG, die Rhein-Main-Donau AG und viele kleinere Kraftwerke, die alle irgendwann im Bayernwerk aufgingen, den Freistaat mit Strom.

Erheblicher Einfluss der Nationalsozialisten

Nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Großkraftwerk Franken AG und der Rhein-Main Donau AG, ständigen Auseinandersetzungen über Demarkationsverträge mit diesen, der RWE und der VIAG lehnte sich das Bayernwerk 1939 unter dem Einfluss der Nationalsozialisten an die reichseigene VIAG an. Der staatliche Einfluss, das heißt der der Nationalsozialisten, auf die Geschäftspolitik beider Unternehmen war erheblich. Zahlreiche Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder gehörten der NSDAP an und versuchten, die Mitarbeiter in das nationalsozialistische System zu integrieren.

Ausbau der Wasserkraft nach 1945, Wechsel zur Atomenergie

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Neuordnung der Elektrizitätswirtschaft (Entflechtung) wurden neue Projekte wie z. B. der Bau des Dampfkraftwerkes Aschaffenburg, die Rißbachüberleitung und der Ausbau des Leitungsnetzes in Angriff genommen. Gleichzeitig zeichnete sich seit Mitte der fünfziger Jahre eine Entwicklung ab, die weg von der Wasserkraft und hin zu den fossilen Brennstoffen ging. Öl und Gas waren mit 31 %, Kohle mit 43 %, Wasserkraft mit 20 % noch 1926 die Hauptstromlieferer. Doch seit Beginn der 1970er Jahre wurde verstärkt auf Kernenergie gesetzt. Ab 1980 wurde sie der wichtigste Energieträger des Bayernwerks.

Beteiligungen und Fusionen seit den 1980er Jahren, Aufgehen in VIAG und E.ON

Mit der Übernahme der 1855 gegründeten Contigas AG, der Großkraftwerk Franken AG in den Jahren 1978/79 ordnete das Bayernwerk 1982/83 seine regionalen Beteiligungen in Franken neu. Mit der Privatisierung der VIAG und des Bayernwerks begann Mitte der 1980er Jahre ein neues Kapitel der Unternehmensgeschichte, die damit endete, dass die VIAG 1994 das Bayernwerk übernahm. Im Jahr 2000 fusionierte VIAG dann mit VEBA zum Energieversorgungsunternehmen E.ON.

Literatur

  • Manfred Pohl, Das Bayernwerk 1921 bis 1996, München 1996.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Manfred Pohl, Bayernwerk AG, publiziert am 12.06.2007; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayernwerk AG> (20.11.2017)