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Bayerische Wasserkraftwerke AG (BAWAG)

Konrad Sterner (1879-1960), Mitglied der ersten Vorstandschaft der 1940 gegründeten BAWAG (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv).
Das Wasserkraftwerk Höllriegelskreut ist heute im Besitz der "Uniper Kraftwerke GmbH". Davor befand es sich im Besitz des E.ON Konzerns. Seit 1997 ist die BAWAG ein Teil des E.ON Konzerns. (Foto von Richard Bartz lizensiert durch CC BY-SA 2.5 via Wikimedia Commons).

von Manfred Pohl

Die Bayerische Wasserkraftwerke AG (BAWAG) wurde am 12. April 1940 gegründet und gilt als Beispiel nationalsozialistischer Interessenpolitik. Das Unternehmen, deren Gründungsgesellschafter u. a. das Land Bayern, die VIAG und RWE waren, sollte die Wasserkraft in Bayern weiter voranbringen, insbesondere mit Kraftwerksbauten am Lech zwischen Füssen (Lkr. Ostallgäu) und Augsburg. Im Zuge der Privatisierungsbestrebungen der Bayerischen Staatsregierung in den 1990er Jahren wurde die mehrheitliche Beteiligung 1994 an die Bayernwerk AG veräußert. Seit 1997 ist die Bayerische Wasserkraftwerke AG Teil der E.on.

Gründung und Anfangsjahre

Am 26. Januar 1940 kam es in Bayern zu einer neuen Form der Kooperation: Das Land Bayern, die RWE und die VIAG (Vereinigte Industrieunternehmungen AG) gründeten gemeinsam eine neue Gesellschaft: die Bayerische Wasserkraftwerke AG (BAWAG). Diese hatte den Ausbau des Lechs, der Oberen Donau und der Unteren Isar zum Zweck und besaß ein Aktienkapital von 15 Mio. RM. Zeitgleich mit der Gründung schloss das Land Bayern einen Vertrag mit der BAWAG, um den Lech auszubauen.

Ministerpräsident Ludwig Siebert (NSDAP, 1874-1942, Ministerpräsident 1933-1942) und Gauleiter Adolf Wagner (NSDAP, 1890-1944, Gauleiter des Gaus München-Oberbayern 1930-1944) hatten diesen Vertrag im bayerischen Sinne ausgehandelt und saßen mit den übrigen Vertragspartnern im Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft. Unter Sieberts Vorsitz waren im zwölfköpfigen Aufsichtsrat auch je ein Vertreter der VIAG und der RWE anwesend. Der Vorstand der BAWAG setzte sich aus Ferdinand Düll, Erwin Marquardt (VIAG; 1889-1955), Erich von Posch (RWE; 1886-1965) und Konrad Sterner (Land Bayern; 1879-1960) zusammen. Folgende Gründungsgesellschafter hielten das gesamte Aktienkapital:

  • Land Bayern
  • Vereinigte Industrie-Unternehmungen Aktiengesellschaft (VIAG), Berlin
  • Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk Aktiengesellschaft (RWE), Essen
  • Innwerk Aktiengesellschaft, München
  • Franz Langlotz (1876-1953, Vorstandsvorsitzender der Isarwerke AG), München

Franz Langlotz, Landesbaurat in München-Solln, hatte zunächst 10.000 RM vom Grundkapital übernommen, ebenso die Innwerk AG in München. Beide übertrugen kurze Zeit später ihre Aktien der VIAG und der RWE, so dass das Land Bayern, die VIAG und die RWE mit je 5 Mio. RM am Grundkapital der BAWAG beteiligt waren. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 12. April 1940.

Die BAWAG ist ein Beispiel nationalsozialistischer Interessenpolitik. Es zeichnete sich bereits zu Beginn des Jahres 1938 ab, dass das Reich und die Staatsregierung in München das Bayernwerk verstärkt in die Stromlieferungen an kriegswichtige Betriebe einbeziehen wollten. Wegen des Mangels an Kohle in Bayern sollte weiterhin in erster Linie die Wasserkraftbasis des Bayernwerks erweitert werden. Während der Vorstand des Bayernwerks, der im Ausbau der Unteren Isar die günstigste ausbauwürdige Wasserkraft sah, davon ausging, diesen in der gleichen Weise wie bei der Mittleren Isar durch ein Laufwasserkraftwerk durchzuführen, propagierte der Leiter der Obersten Baubehörde im Staatsministerium des Innern, Arno Fischer (NSDAP, 1898-1982), den Ausbau auf Basis der von ihm entwickelten Unterwasserbauweise nach dem "Schwede-Coburg-Fischer"-System. Sein Parteifreund und enger Vertrauter Adolf Hitlers (NSDAP, 1889-1945, Reichskanzler 1933-1945), Franz Schwede-Coburg (NSDAP, 1888-1960, bis 1934 Franz Schwede), unterstützte Fischers Auffassung. Die folgenden Monate waren von heftigen Auseinandersetzungen geprägt, da der Vorstand des Bayerwerks diese Bauweise ablehnte. Innenminister Adolf Wagner stellte sich als Parteigenosse voll hinter das Verfahren Fischers, und mithilfe der NSDAP gelang es Fischer, sein Verfahren durchzusetzen. Lech und Untere Isar sollten durch eine Aufbaugesellschaft, deren Aktienkapital ausschließlich vom Reich (VIAG) und vom Land Bayern aufgebracht werden sollte, für die öffentliche Elektrizitätsversorgung aufgebaut werden. Das Reichswirtschaftsministerium bestand auf einer Beteiligung der RWE, obwohl sich die Vorstände des Bayernwerks und der VIAG dagegen aussprachen.

Arno Fischer plante, am Lech bis Jahresbeginn 1942 20 Kraftwerkstufen fertigzustellen. Es wurde jedoch beschlossen, zunächst den Bau von fünf Stufen in Angriff zu nehmen, was dann im Sommer und Herbst 1940 geschah. Diese Werke nahmen im Jahre 1943 die Stromerzeugung auf. Bald traten die ersten Unzulänglichkeiten auf. Bis Dezember 1943 bezifferten sich die Aufwendungen für die Bauten auf rund 75 Mio. RM - das waren fast drei Mal so viel wie Arno Fischer ursprünglich veranschlagt hatte. Der Bau der Kraftwerke nach dem Schwede-Coburg-Fischer-System hatte sich also schon bald nach der Fertigstellung der ersten Kraftwerke als Fehlplanung herausgestellt. Auch die Störanfälligkeit war derart groß, dass eine Fortführung nach 1945 nicht mehr in Frage kam.

Die BAWAG konnte in der NS-Zeit nur mit zahlreichen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen betrieben werden. Bei 911 deutschen und ausländischen Arbeitern im Jahr 1944 und 249 zur Wehrmacht eingezogenen Arbeitskräften waren 113 Kriegsgefangene für die BAWAG tätig.

Nachkriegszeit: Umstrukturierung und Weiterführung

Nach Kriegsende kam es zu heftigen Diskussionen über die Neustrukturierung der bayerischen Energiewirtschaft, die unter Kontrolle der US-Militärregierung stand. Die Militärregierung war allerdings von Anfang an daran interessiert, die landesweite Stromversorgung möglichst rasch wiederherzustellen, und die bayerischen Ministerien traten dabei für eine rein bayerische Lösung ein. Der Einfluss von VIAG und RWE auf die bayerische Elektrizitätswirtschaft sollte im Sinne des Bayernwerks endgültig gestoppt werden. Außer den Beteiligungen der VIAG in Bayern sollten auch jene der RWE, insbesondere jene an der BAWAG, dem Bayernwerk überlassen werden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1946 setzte sich jedoch mehr und mehr die Einsicht durch, dass eine Verbundwirtschaft zwischen den deutschen Elektrizitätsversorgungsunternehmen deutlich sinnvoller wäre. Die Verhandlungen zwischen Bayernwerk und RWE zogen sich noch bis 1949 ohne konkrete Ergebnisse hin. Die BAWAG war unterdessen wegen der überwiegenden Beteiligung der öffentlichen Hand am Aktienkapital der Gesellschaft nach dem Gesetz Nr. 52 der Militärregierung unter Vermögenskontrolle genommen worden. Josef Leonpacher (geb. 1880) vom Vorstand des Bayernwerks wurde zum Treuhänder der Gesellschaft bestellt. Der Vorstand der BAWAG war bis zu diesem Tage ohnehin identisch mit demjenigen des Bayernwerks, denn seit 1943 führte der Vorstand des Bayernwerks die Geschäfte der BAWAG in Personalunion.

Im März 1949 trafen die Staats- und Unternehmensvertreter eine Vereinbarung, auf deren Grundlage das zukünftige Verhältnis zwischen Bayernwerk, RWE, Lech-Elektrizitätswerken, BAWAG und bayerischem Staat geregelt werden sollte, bei dem die RWE ihre Beteiligung an der BAWAG behalten konnte. Die BAWAG blieb eine selbständige Gesellschaft und war für den Ausbau der Strecke von Füssen (Lkr. Ostallgäu) bis Augsburg zuständig. Auf dieser Basis erarbeiteten die Unterkommissionen beider Unternehmen Verträge, die nach ihrem Abschlussort als "Neuenahrer Verträge" in die Geschichte eingingen. Am 9. September 1950 schließlich wurden diese drei entscheidenden Verträge von beiden Vorständen unterzeichnet:

  1. der Gebietsabgrenzungsvertrag
  2. der Vertrag über die Verwertung des RWE-Anteils an der Energie der BAWAG in München (RWE überlässt der Bayernwerk AG seinen Anteil an der Energieerzeugung der BAWAG mit dem Ziel, die größte energiewirtschaftliche Ausnützung für die bayerische Landeselektrizitätsversorgung zu erreichen. Der energie- und wasserwirtschaftliche Einsatz des RWE-Anteils an der BAWAG-Energie soll durch die betriebsführenden Organe der Bayernwerk AG erfolgen)
  3. der Stromlieferungsvertrag mit der RWE

Weder den bayerischen Ministerien noch dem Vorstand und Aufsichtsrat des Bayernwerks gelang es, die Beteiligungen der VIAG zu übernehmen. Die VIAG behielt im Wesentlichen jene Beteiligungen in Bayern, die sie auch bereits vor dem Zweiten Weltkrieg innehatte. So war sie Ende Mai 1953 u. a. noch mit 33,33 % an der BAWAG, mit 99,56 % an der Innwerk AG und mit 40 % an der Bayernwerk AG beteiligt.

1946 nahm das Bayernwerk das Projekt des Ausbaus der Unteren Isar wieder auf. Die Gesamtstrecke der Unteren Isar sollte hierbei eine mittlere Leistung von 132 MW mit einer Jahresarbeit von etwa 700 Mio. kWh erbringen. Bayernwerk AG und Oberste Baubehörde hatten unterschiedliche Vorstellungen über die Bauweise. Auch gab es landwirtschaftliche Interessengemeinschaften, die auf die Entwicklung Einfluss nehmen wollten, da sie Bodenschäden und dadurch niedrigere Erträge befürchteten. Zwischen 1949 und 1951 wurden die ersten beiden Kraftwerke errichtet. Die Fertigstellung der nächsten beiden Kraftwerke verzögerte sich bis 1957/58, da Geld zum weiteren Ausbau fehlte und es Uneinigkeiten bezüglich der Bauweise und erhebliche Auseinandersetzungen mit den Bewohnern an der Unteren Isar gab. Bis 1962 war die Zahl der Wasserkraftwerke des Bayernwerks auf zwölf gestiegen, doch die installierte Leistung bei der Wasserkraft nur unwesentlich auf 345 MW gewachsen. Theodor Schmeller, seit 1. Mai 1965 Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG, erklärte 1965, es lohne sich nicht mehr, neue Wasserkraftwerke zu projektieren. Die Baukosten führten zu Erzeugungskosten, die mit denen thermischer Kraftwerke nur bedingt konkurrieren könnten. Eines der letzten großen Wasserkraftwerk-Projekte des Bayernwerks war 1959/60 beschlossen worden. Das Bayernwerk beteiligte sich darin zusammen mit der RWE am Ausbau des Kaunertal-Kraftwerks am Oberen Inn, dessen letzte Maschine 1965 in Betrieb genommen wurde.

Privatisierung

Der bayerische Staat gab 1994 seine mehrheitliche Beteiligung an den Bayernwerken ab. Das Bayernwerk wurde Teil der VIAG und übernahm die Anteile der VIAG an der Innwerk AG, Töging (100 %), der Thyssengas GmbH, Duisburg (50 %), der ILSE Bayernwerk Anlagen GmbH, München (50 %), der Bayerische Wasserkraftwerke AG, München (33,33 %) und der Berliner Kraft- und Licht AG, Berlin (10 %). Außerdem gelang es dem Vorstand der Bayernwerk AG, im gleichen Jahr auch die Rhein-Main-Donau AG (RMD) mehrheitlich zu übernehmen. Damit wurde die Bayernwerk AG zum größten Wasserkrafterzeuger Deutschlands. Die Wasseraktivitäten wurden 1995 in der Bayernwerk Wasserkraft AG (BWK) mit Sitz in Landshut zusammengefasst.

Die Bayerische Wasserkraft AG betrieb am Lech 21 Stufenkraftwerke mit einer Engpassleistung von 249 MW. Verträge mit den Großabnehmern Bayernwerk und RWE sicherten die regelmäßige Zahlung einer angemessenen Dividende. Die Ertragslage bei den Wasserkraftgesellschaften war naturgemäß relativ stabil.

Das Bayernwerk war neben RWE und PreussenElektra (nach dem Zweiten Weltkrieg eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der VEBA) der drittgrößte deutsche Stromerzeuger mit fast 1.400 Mitarbeitern. Die Bayernwerk AG als Tochter der bayerischen VIAG fusionierte 2000 mit der VEBA zur E.on AG. Zum 1. Juli 2013 benannte sich die E.on Bayern AG mit Sitz in Regensburg in Bayernwerk AG um. Die Bayerische Wasserkraftwerke AG wiederum ist seit 1997 Teil der E.on Wasserkraft GmbH (Sitz: Landshut) und heute (2013) Bestandteil der Sparte Wasserkraft der E.on Kraftwerke GmbH (Sitz: Hannover, Niedersachsen).

Literatur

  • Bayerische Wasserkraftwerke Aktiengesellschaft (Hg.), 40 Jahre Natur und Energie in Harmonie 1940-1980, München 1980.
  • Bayerische Wasserkraftwerke Aktiengesellschaft (Hg.), 50 Jahre Natur und Energie in Harmonie 1940-1990, München 1990.
  • Bayerische Wasserkraftwerke Aktiengesellschaft (Hg.), Das Wasserkraftwerk am Lech bei Kinsau. Eine Dokumentation erstellt von Peter Paul Schmitt, München 1990.
  • Bayerische Wasserkraftwerke Aktiengesellschaft (Hg.), Der Lech und der Lechausbau, München 1988.
  • Walter Binder/Martin Popp/Martin Schmid, In Schwung mit "weißer Kohle". Mit Wasserkraft werden in Bayern jährlich 13.000 Gigawattstunden erzeugt, in: Rosemarie Zacher/Karin Dütsch (Hg.), Bayerns kostbares Nass. Bamberg 2008, 97-103.
  • Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Bericht über den Wasserkraftausbau in Bayern (Wasserwirtschaft in Bayern 20), München 1988.
  • Rupert Zettl, Lechauf, lechab. Wissenswertes, Liebenswertes, Augsburg 2001.

Quellen

  • Berichte über die Geschäftsjahre (1940-1996).

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Manfred Pohl, Bayerische Wasserkraftwerke AG (BAWAG), publiziert am 28.10.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Bayerische Wasserkraftwerke AG (BAWAG)> (21.08.2018)