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Parsberg, Herrschaft

Wappen der Herren von Parsberg im Scheibler'schen Wappenbuch. (Bayerische Staatsbibliothek, Cod.icon. 312 c)
Rechte und Besitzungen der Parsberger im Spätmittelalter. (aus: Jehle, Parsberg, 363, Skizze 11)
Stadt und Burg Parsberg um 1950. (aus: Spitzner, Parsberger Chronik, 9)
Burg Parsberg. (Foto: Burg-Museum Parsberg)
Burg und Stadt Parsberg. Die dominante Pfarrkirche mit ihrem Turm stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert. (Foto: Burg-Museum Parsberg)
Epitaph des Hans von Parsberg (gest. 1469) in der Pfarrkirche von Parsberg. Stifter der Pfarrei Parsberg (1444) und Erbauer der ersten, heute nicht mehr vorhandenen Pfarrkirche (1459). (Foto: Pfarrei St. Andreas Parsberg).
Epitaph für Christoph von Parsberg zu Lupburg (gest. 1462) in der Lupburger Pfarrkirche. Christoph stand in Diensten verschiedener Herren: des Bischofs von Regensburg, der Stadt Regensburg, der Wittelsbacher und des Markgrafen von Ansbach. 1439 ging er als Kammermeister mit Pfalzgraf Christoph von Neumarkt (reg. 1440-1448) nach Dänemark, kehrte aber nach knapp zehn Jahren wieder zurück. Ab 1454 war er Landeshauptmann von Niederbayern. (Foto: Herwig Menner)
Farbig gefasster Grabstein Haugs II. von Parsberg (gest. 1554), der in kaiserlichen Diensten stand und in den Türkenkriegen kämpfte. (Foto: Pfarrei St. Andreas Parsberg).
Burg und Markt Parsberg auf einer Ansicht von Johann Georg Hämmerl d. J. (1770-1838) aus Kallmünz, um 1801. (Museen der Stadt Regensburg - Historisches Museum, HV 122)
Burg und Stadt Parsberg mit Umland, um 1600. Ausschnitt aus der Landesaufnahme des evangelischen Pfarrers Christoph Vogel (1554-1608) und des Zeichners Matthäus Stang (1560-1620). Angefertigt im Auftrag des Pfalzgrafen Philipp Ludwig (reg. 1569-1614). (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 3597)
Karte der Herrschaft Lupburg (Lkr. Neumarkt i. d. Oberpfalz) in der Nachbarschaft von Parsberg um 1600, angefertigt von Christoph Vogel (1554-1608) und Matthäus Stang (1560-1620). 1572 erwarb Pfalz-Neuburg die Herrschaft von den Herren von Parsberg. (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plansammlung 3597)

von Manfred Jehle

Adelsherrschaft mit der Burg Parsberg nordwestlich von Regensburg als Zentrum. Als Dienstleute der Wittelsbacher bauten die Herren von Parsberg seit dem frühen 13. Jahrhundert einen eigenen Herrschaftsbereich auf. Ihre größte Bedeutung für die Wittelsbacher erlangten sie unter Pfalzgraf Christoph (reg. 1440-1448), der die Krone Dänemarks, Schwedens und Norwegens erhielt. 1505 wurden die Herren von Parsberg Landsassen des neu gegründeten Fürstentums Pfalz-Neuburg. Bereits ab 1407 mit Regalrechten belehnt und in einer Auseinandersetzung mit Pfalz-Neuburg 1572/73 durch den Kaiser unterstützt, bemühten sie sich im frühen 18. Jahrhundert, endgültig die Reichsunmittelbarkeit durchzusetzen. Die damit verbundenen Konflikte führten in den wirtschaftlichen Ruin. Nach dem Tod des letzten männlichen Parsbergers 1730 ging die Herrschaft als Reichslehen an die Reichsgrafen von Schönborn über, die mit Pfalz-Neuburg einen Ausgleich herstellten. 1792 kaufte Kurfürst Karl Theodor von Pfalzbayern (reg. 1742-1799) die Reichsherrschaft.

Burg Parsberg

Die Burg Parsberg (Lkr. Neumarkt i. d. Opf.) an der Schwarzen Laber nordwestlich von Regensburg wird erstmals 1205 genannt. Herzog Ludwig von Bayern (reg. 1183–1231) und Bischof Konrad von Regensburg (reg. 1204-1226) einigten sich über die strittigen Teile der Hinterlassenschaft der Burggrafen von Regensburg. Zu den burggräflichen Ministerialensitzen in der Umgebung Regensburgs zählte die Burg "Bartesberch", die entsprechend dem Vertrag von 1205 im Besitz des Wittelsbachers verbleiben sollte. Die Bestätigungen dieses Vertrags 1213 und 1224 unterstreichen die Bedeutung der Burg in der Region an der Schwarzen Laber nordwestlich von Regensburg. Auf der ehemals burggräflichen Festung Parsberg setzten die Herzöge Ministerialen ein, die aus der alten burggräflichen Dienstmannschaft im bisherigen bischöflichen und burggräflichen Zentralort Beratzhausen (Lkr. Regensburg) kamen.

Die Herkunft der Parsberger

Einen Hinweis auf die Herkunft der Parsberger gibt das Familienmitglied Bischof Friedrich II. von Eichstätt (reg. 1237–1246). Er wurde noch von seinen Zeitgenossen nach Beratzhausen benannt, vom Eichstätter Domherrn Konrad von Kastl und dem bischöflichen Notar Thomas um 1300 im Pontificale Gundekarianum dann allerdings als Parsberger bezeichnet. Wahrscheinlich ist Friedrich in jungen Jahren aus Beratzhausen nach Eichstätt gekommen. Seine Angehörigen dürften als ehemalige Ministerialen der Burggrafen von Regensburg vom bayerischen Herzog nach Parsberg geholt worden sein. Am 30. November 1224 trat mit Heinrich de Bartisperi erstmals ein Parsberger auf, der zu den herzoglichen Ministerialen zählte. Die nächste Nennung eines Parsbergers erfolgte 1238. Konrad de Parsperc trat im Anschluss an Eichstätter Ministerialen als Zeuge auf, als ein Eichstätter Domherr und der Propst von Berchtesgaden einen Vertrag schlossen.

Das Wappen

Das Wappen war waagrecht geteilt und der untere Teil halbgespalten. In Konrad Grünenbergs (1442-1494) Wappenbuch aus dem Jahr 1480 (Bay. Staatsbibliothek, Cod, germ. 145 fol. 301r) ist der obere Teil rot, links schwarz, rechts silbern. Im Scheiblerschen Wappenbuch (Bay. Staatsbibliothek, Cod. icon. 312c) ist allerdings nicht das untere, sondern das obere Feld des Schildes gespalten. Das untere, ungeteilte Feld wird hier schwarz, das obere linke rot, das obere rechte Feld silbern dargestellt. Auf dem Helm findet sich gewöhnlich ein Spitzhut oder eine Pelzhaube, darauf ein Knopf mit unterschiedlichen Verzierungen.

Aufstieg der Familie in Diensten der Wittelsbacher

Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts treten die Parsberger in ununterbrochener Reihe als Dienstleute der Herzöge von Bayern und der wittelsbachischen Pfalzgrafen auf. Das älteste Eichstätter Lehenbuch, angelegt um 1300, nennt die Parsberger unter den homines ducis Bawariae. Den Höhepunkt erreichte der Dienst für die Wittelsbacher, als Pfalzgraf Christoph die Krone Dänemarks, Schwedens und Norwegens erhielt (reg. 1440-1448). Werner von Parsberg (gest. 1487) begleitete ihn nach Skandinavien; von ihm nahm eine dänische Linie der Familie ihren Ursprung. Die Regierung der Oberpfalz übertrug Pfalzgraf Christoph nach dem Tod seines Vaters Johann von Neumarkt (reg. 1410-1443) an Hans Joachim von Parsberg und Martin von Wildenstein (gest. 1466), der mit den Parsbergern verwandt war. In den Diensten der Herzöge und Pfalzgrafen, als Landrichter in Hirschberg, Burglengenfeld und Sulzbach, auch als Viztume, Schultheißen und Bürgermeister von Nürnberg, Regensburg und Neumarkt erwarben sich die Parsberger ein großes Vermögen.

Erwerbungen

Im Jahre 1312 erwarb Dietrich von Parsberg die Burg Leoneck (Löweneck) im unteren Tal der Naab. Zur Burg gehörten die Dörfer Penk und Etterzhausen (Gde. Nittendorf, Lkr. Regensburg). Die Parsberger verzichteten 1323 zugunsten des Klosters Pielenhofen (Lkr. Regensburg) auf die Burg Leoneck und das Dorf Penk. Dorf und Hofmark Etterzhausen hielten sie bis 1590 in ihrem Besitz. 1327 erscheint Dietrich von Parsberg im Besitz von Zoll und Geleit zu Eger, die er in diesem Jahre an den Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg (1293-1334) verkaufte.

Die wichtigste Erwerbung war die Herrschaft Lupburg (Lkr. Neumarkt i. d. Opf.) in der unmittelbaren Nachbarschaft von Parsberg. Sie gelangte vor 1392 als Pfand an die Parsberger. Das 1505 neu errichtete Fürstentum Pfalz-Neuburg bezeichnete Lupburg – ebenso wie Parsberg – als Landsassengut. 1572 erzwang Pfalz-Neuburg die Einlösung von Lupburg.

Zu den reichsten Erwerbungen gehörten die Lehen der Schenken von Reicheneck, die 1411 ohne männliche Nachkommen ausstarben. Erbe war Werner von Parsberg, der die Eichstätter Lehen der Schenken 1414, die Bamberger Lehen 1448 erhielt. Dieser Lehen wegen wurde auf der Burg Parsberg eine Lehenpropstei mit einer Schreibstube eingerichtet, in der auch Abschriften des 1331 angelegten Lehenbuchs angefertigt wurden.

Die kaiserlichen Belehnungen

Ab 1407 liegt eine lückenlose Reihe von kaiserlichen Lehenurkunden vor, die das Hochgericht, das Geleitrecht und den Wildbann als unmittelbare Reichslehen bestätigten. Ein früherer Lehenbrief Kaiser Ludwigs des Bayern (reg. 1314-1347, seit 1328 als Kaiser) aus dem Jahr 1326 für Dietrich von Parsberg ist hingegen eine Fälschung. Tatsächlich schuf schon die gefälschte Lehenurkunde kein neues Recht, sondern fasste nur zusammen, welche Rechte die Parsberger bereits seit langer Zeit unwidersprochen ausübten. Deshalb scheinen im 14. und 15. Jahrhundert auch keine Zweifel an der Echtheit dieser Fälschung entstanden zu sein. 1390 bestätigten ihnen die bayerischen Herzöge Stephan III. (reg. 1375-1413), Friedrich (reg. 1375-1393) und Johann II. (reg. 1375-1397) ihre Rechte an Halsgericht, Geleit und Wildbann. Auf dieser Grundlage stand dann der Erteilung des ersten echten kaiserlichen Lehenbriefs 1407 nichts mehr im Wege. Im Gegensatz zu den Stauffern von Ehrenfels erreichten die Parsberger jedoch nie die Erhebung in den Freiherrenstand und die Befreiung von der Landgerichtsbarkeit über Grund und Boden.

Ausbau der Herrschaftsrechte

Im engeren Herrschaftsbereich um Parsberg und Lupburg begann die Familie schon seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts, Dorfherrschaften und Patronatsrechte der Kirchen an sich zu bringen, um ihre obrigkeitlichen Befugnisse zu verdichten. 1422 erwarb Hans von Parsberg das Patronatsrecht der Pfarrei in See, zu der ursprünglich auch die beiden Herrschaftsmittelpunkte Parsberg und Lupburg gehörten.

Der Herrschaftsmittelpunkt Parsberg hatte kein förmlich verliehenes Marktrecht. Er diente jedoch mit der Pfarrkirche, Getreidekasten und Lehenpropstamt auch als Markt- und Wirtschaftszentrum.

Zur Herrschaft Parsberg gehörten das Pfarrdorf Darshofen (Lkr. Neumarkt i.d.Oberpfalz), vier Kirchdörfer, zwei weitere Dörfer, zwei Weiler, zwei Einödhöfe und vier Mühlen. Nur zusammen mit der Herrschaft Lupburg ergab sich für die Parsberger ein Herrschaftsgebiet, dessen Umfang mit den benachbarten Adelsherrschaften Ehrenfels, Hohenfels oder Laaber vergleichbar war.

Die Linien zu Parsberg, Lupburg, in Lothringen und Dänemark

Spätestens seit 1392 war die Herrschaft Lupburg an Hans von Parsberg (gest. 1398) verpfändet. Nach Hans von Parsbergs Tod folgten in Lupburg Werner I. (gest. 1460) und Christoph I. (gest. 1462). Während Werners Sohn Werner II. mit dem Pfalzgrafen Christoph nach Dänemark ging, folgte Friedrich V. (gest. 1479) in der Herrschaft in Lupburg. Der letzte Angehörige der Lupburger Linie war Georg IV. (gest. 1552). Dann wurde Lupburg unter Haug II. (gest. 1554) wieder mit der Parsberger Linie vereinigt. Zu seinen Lebzeiten drängte Pfalz-Neuburg bereits auf Einlösung der Lupburger Pfandschaft. Nach Haugs Tod musste schließlich 1572 sein Sohn Ottheinrich Lupburg herausgeben.

Konrad von Parsberg (genannt 1424–1454), Sohn von Hans I. (gest. 1398), war Hofmeister der Herzogin Margarete von Lothringen (1376–1434), Tochter des Pfalzgrafen und (seit 1398) Königs Ruprecht. Sie wurde 1393 mit Herzog Karl von Lothringen verheiratet. Konrad und sein Bruder Hans kamen im Gefolge der Herzogin nach Lothringen. Konrad gehörte 1434 zu den Testamentsvollstreckern der Herzogin. Hans, der zwischen 1455 und 1464 verstarb, hatte einen Sohn mit Namen Huart, 1464 genannt wurde. Konrad hatte einen Sohn mit Namen Erard, der 1457 und 1475 genannt ist und mit Jeanne de Joinville verheiratet war. Erard gehörte 1473 zu den 84 lothringischen Adeligen, die den Vertrag zwischen Herzog René II. von Lothringen und Herzog Karl dem Kühnen von Burgund (reg. 1467-1477) bestätigten. Zu dieser Zeit besaßen die Parspergaire, wie sie in Lothringen genannt wurden, ein Sechstel der bedeutenden Herrschaft Pulligny, ein Viertel von Autrey und andere Güter. Erards Sohn André (gest. nach 1532), wird mit einem illegitimen Sohn namens Paris erwähnt; andere Nachkommen werden nicht genannt. Erards Tochter Madelaine heiratete den herzoglichen Hofbeamten Jeannot de Bidot. Aus dieser Ehe gingen anscheinend keine Nachkommen hervor. Erhalten sind Glasfenster (auch mit Portraits) in Kirchen in Pulligny und Pont-Saint-Vincent, die von Madelaine und Jeannot de Bidos gestiftet wurden. Der Anteil der Parsberger an der Herrschaft Pulligny behielt seine Bezeichnung "le sixième de Parspergaire" bis ins 18. Jahrhundert, als er in den Besitz der Fürsten von Salm gelangt war. "Um die Jahre 1882 bis 1884 und 1920 soll ein Comte de Pars (Graf von Parsberg) nach Parsberg gekommen sein, um die Burg seiner Ahnen zu besichtigen" (Alfred Spitzner).

Werner II. von Parsberg (gest. 1487) und sein Bruder Christoph I. (gest. 1462) folgten 1439 dem Pfalzgrafen Christoph III. von Pfalz-Neumarkt nach Dänemark. Der Wittelsbacher Christoph war der Sohn der Schwester von König Erich von Dänemark (reg. 1412-1439, gekrönt bereits 1397), der vom Reichsrat abgesetzt worden war. Christoph wurde 1440 zum König gewählt. Während Christoph von Parsberg 1448 wieder in die Oberpfalz heimkehrte und Statthalter in Cham, Viztum zu Straubing und 1456 Rat des Herzogs Albrecht III. (reg. 1438-1460) wurde, blieb Werner in Dänemark und wurde der Begründer der dänischen Linie. Ein Nachkomme Werners, Christoffer von Parsberg, wurde 1671 in den Grafenstand erhoben. Die dänische Linie soll im selben Jahr wie die Parsberger Linie, 1730, mit Rittmeister Johann Rantzow von Parsberg im Mannesstamm erloschen sein. Gelegentlich ist jedoch, ähnlich wie im Falle der lothringischen Linie, die Rede von überlebenden Nachkommen der dänischen Linie.

Bedeutende Angehörige der Parsberger Familie

Aus den Reihen der Parsberger kamen mehrere Bischöfe und bedeutende Prälaten der Domkapitel in Eichstätt und Regensburg. Bischof Friedrich von Eichstätt (1237–1246) begegnet bereits zu der Zeit, als die ehemals burggräflichen Ministerialen in Beratzhausen nach Parsberg wechselten. In Regensburg wurde der im Laufe seiner Amtstätigkeit oft umstrittene Friedrich IV. von Parsberg (gest. 1450), einer der Söhne von Hans I., 1437 zum Bischof gewählt. Besonders die Reformen des kirchlichen Lebens und die Stärkung der geistlichen und weltlichen Autorität der Bischöfe machte er zu seinem Anliegen. Das brachte ihn in Gegensatz zum Domkapitel und zur Regensburger Bürgerschaft.

Ein weiterer bedeutender Parsberger Vertreter in der kirchlichen Hierarchie, zugleich mit engen Verbindungen zur herzoglichen Verwaltung in Oberbayern, war Konrad II. (gest. nach 1316), Sohn von Konrad von Parsberg (gest. nach 1275). 1292 bis 1316 war er Domdekan in Regensburg. In dieser Funktion diente er zugleich als Kaplan der oberbayerischen Herzöge. Schon seit 1283 hatte er Herzog Ludwig II. (reg. 1253-1294) von Oberbayern außerdem als Notar gedient; unter dessen Söhnen Rudolf (reg. 1294-1317) und Ludwig IV. (dem Bayern) war er zwischen 1295 und 1310 als Protonotar der höchste Amtsträger in der herzoglichen Kanzlei. Begonnen hatte seine geistliche Karriere in Eichstätt, wo er seit 1285 ebenfalls als Domherr belegt ist. Aus Eichstätt brachte er seine Verehrung für den Eichstätter Bistumsheiligen Willibald (gest. 787/788) mit, dem er die neue, 1308 dotierte Kapelle der Domdechantei in Regensburg weihte. Die 1936 abgerissene Willibaldkapelle grenzte an die Domdechantei und an den Regensburger Hof der bayerischen Herzöge. Vom Herzogshof gab es wohl einen direkten Zugang in die Kapelle.

Seit dem Spätmittelalter finden sich Parsberger in den Ämtern der Schultheißen in Neumarkt (Heinrich II. 1270, Christoph I. 1436) und in Nürnberg (Werner I. 1442, Wolf I. 1493, Haug II. 1548). Häufig erscheinen sie in den Diensten der Wittelsbacher, und zwar sowohl in den Herzogtümern Ober- und Niederbayern als auch in der Pfalzgrafschaft. Besonders häufig versahen sie die einflussreichen Ämter der Landrichter in Burglengenfeld. Als Hauptleute und Viztume traten sie in den höchsten Ämtern der Herzogtümer auf. Zu ihnen gehörte Hans II. (gest. 1469), seit 1429 Hauptmann zu Landshut. Er war damit der ranghöchste Amtsträger in diesem wittelsbachischen Teilfürstentum. Als 1439 Pfalzgraf Christoph zum König von Dänemark gewählt worden war, übertrug er Hans von Parsberg die Statthalterschaft seiner oberpfälzischen Lande. Mit seinem Bruder Friedrich, Bischof von Regensburg, gründete er 1444 die Pfarrei Parsberg, die bis dahin eine Filialkirche der Pfarrei See (Gde. Lupburg, Lkr. Neumarkt i.d.OPf.) gewesen war.

Einer der bedeutendsten Parsberger in herzoglichen und kaiserlichen Diensten war Haug II. (gest. 1554). Die Nachwelt hat ihm in literarischen Dokumenten sogar den ersten Rang zugeteilt: Heinz Schauwecker (1894-1977) brachte zur Milleniumsfeier 1950 das Schauspiel "Haug von Parsberg" auf die Bühne. Pfarrer Josef Fischer, der 1882 ein Theaterfestspiel unter dem Titel "Ritter Hans von Parsberg" niederschrieb, hat damit ebenfalls Haug – und weniger dem Titelhelden Hans – ein Denkmal gesetzt: Denn Ritter Hans II. (gest. 1469) lieh zwar dem Stück seinen Namen, "die geschichtlichen Darstellungen entsprachen aber nicht den Tatsachen, sondern sind zum größten Teil Ritter Haug zuzuschreiben" (Alfred Spitzner). Haug verteidigte 1529 das Kärntner- und das Stubentor in Wien gegen die Türken. Nach seiner Rückkehr aus Wien trat er in neuburgische Dienste. 1530 bis 1542 war er Landrichter in Sulzbach, dann bis 1547 Landrichter in Burglengenfeld. 1548 trat er in Nürnberger Dienste und wurde Schultheiß der Reichsstadt. 1536 und erneut 1552/53 kämpfte er im kaiserlichen Heer gegen Frankreich. Im Zweiten Markgrafenkrieg kommandierte er 1553 als Obrist die Nürnberger Truppen gegen den Markgrafen Albrecht Alkibiades (reg. 1527-1554 als Markgraf von Brandenburg-Kulmbach). Als Albrecht Alkibiades Schweinfurt besetzte, war Haug von Parsberg an der Belagerung der Stadt beteiligt. Hier kam es zu einer Meuterei seiner Söldner. Er wurde schwer verletzt und starb am 5. Mai 1554.

Nach dem Tode von Haug II. eskalierten die Auseinandersetzungen mit Pfalz-Neuburg um die Reichsunmittelbarkeit oder Landsässigkeit der Herrschaft Parsberg, so dass die Mitglieder der Familie bald nicht mehr in herzoglichen Diensten erscheinen. Zuletzt stand Hans Joachim von Parsberg 1565–1579 dem bayerischen Landgericht Riedenburg vor. Dann finden sich keine Parsberger mehr in den Verzeichnissen der herzoglichen Verwaltungsbeamten.

Die Herrschaft zwischen Landsässigkeit und Reichsfreiheit

Im 1505 gegründeten Fürstentum Pfalz-Neuburg waren die Parsberger für verschiedene Hofmarken Landsassen des Fürstentums. Ob sie auch wegen der Reichsherrschaft Parsberg als Landsassen dienten, blieb dabei offen. Noch im Jahre 1570 bezeichnete Herzog Philipp Ludwig (reg. 1569-1614) die Parsberger als ein zuverlässiges Geschlecht, das von alters her Landsassendienste geleistet habe.

Ottheinrich von Parsberg, der denselben Namen wie der erste Fürst der Jungen Pfalz trug, weigerte sich jedoch 1572, auf dem Landtag in Neuburg zu erscheinen, als er ausdrücklich wegen der Herrschaft Parsberg geladen wurde. Daraufhin ließ Pfalzgraf Philipp Ludwig die Herrschaft Parsberg durch seinen Landrichter in Burglengenfeld besetzen. Ottheinrich beklagte sich bei Kaiser Maximilian II. (reg. 1564-1576), der 1573 in einem Schreiben an Philipp Ludwig das Vorgehen des Landrichters verurteilte. Parsberg sei, so der Kaiser, kein Landsassengut; die Parsberger seien immer nur ihrer anderen Hofmarken wegen auf Landtagen erschienen. Wegen ihrer Stammherrschaft seien sie seit über hundert Jahren "alß freye vom Adel" und "in possessione libertatis" angesehen worden.

Der konfessionelle Hintergrund der Konflikte

Nachdem Pfalzgraf Ottheinrich (reg. 1505-1559, seit 1556 als Kurfürst von der Pfalz) 1542 zum Luthertum übergetreten war, musste sich Parsberg noch nicht nachdrücklich mit der Frage der Konfession auseinandersetzen. Der 1546 ausgebrochene Schmalkaldische Krieg, die Besetzung des Fürstentums durch kaiserliche Truppen und die Flucht des Pfalzgrafen Ottheinrich setzte auch der Reformation vorerst ein Ende. Zu dieser Zeit wurde Parsbergs Reichsunmittelbarkeit noch nicht so sehr von Neuburg als vielmehr vom benachbarten Velburg(Lkr. Neumarkt i.d.OPf.) bestritten. Velburg war 1507 dem bayerischen Feldhauptmann Jörg Wiesbeck (gest. 1518) zur Belohnung seiner Kriegsdienste im Landshuter Erbfolgekrieg übergeben worden. Ihm folgte sein Sohn Hans Adam (gest. 1560). Die Wiesbecken beanspruchten das Hochgericht auch über die Herrschaft Parsberg.

1552 kehrte Pfalzgraf Ottheinrich in sein Fürstentum zurück und trieb die Reformation energisch voran. Parsberg war davon aber vorerst nicht betroffen. 1538 bis 1561 wirkte ununterbrochen der Pfarrer Leonhard Metschel. Als evangelischen Pfarrer nennt das "Neuburger Pfarrerbuch" erstmals 1576 Wolfgang Störzer, der bis 1611 amtierte. Die Parsberger Herrschaft duldete ihn, nahm selbst aber an dessen Gottesdiensten nicht teil, sondern ließ sich weiterhin von einem katholischen Schlossgeistlichen betreuen. Nach Pfarrer Störzers Tod 1611 wirkte nur noch wenige Jahre der Pfarrer Andreas Faber, der nach der Rekatholisierung des Fürstentums Pfalz-Neuburg seit 1614 Parsberg wieder verließ.

In den folgenden Jahrzehnten beteiligten sich die Parsberger an den Landsteuern; ansonsten vermieden beide Seiten meist Konflikte und regelten Fragen der Gerichtsbarkeit und des Geleits pragmatisch. Die Frage der reichsrechtlichen Stellung der Herrschaft Parsberg wurde umgangen. Die kaiserlichen Belehnungen bestätigten die Reichsunmittelbarkeit der Herrschaft Parsberg, die es freilich nie wie das benachbarte Ehrenfels zur Reichs- und Kreisstandschaft brachte.

Wirtschaftlicher Niedergang

1708 kam es zu einem Konflikt, als im Herzogtum Pfalz-Neuburg das Brauen von Weißbier zum fürstlichen Monopol erklärt und allen Nichtprivilegierten verboten wurde. Johann Wolf von Parsberg weigerte sich, das Verbot einzuhalten, und wies zugleich alle Landsassenpflichten zurück. Der Parsberger klagte vor dem Reichshofrat in Wien, von dem nun - wohl auch unter dem Eindruck des Spanischen Erbfolgekrieges (1701–1714) - eindeutige Signale zugunsten der Parsberger ausgingen. 1712 wurde Johann Wolf von Parsberg auf seine Steuerverweigerung hin verhaftet und lange Zeit inhaftiert, die Herrschaft von pfalz-neuburgischen Truppen besetzt. Ein Urteil des Reichshofrates fasste 1714 alle Güter und Rechte zusammen, die den Parsbergern unrechtmäßig entzogen worden und unverzüglich zu restituieren seien. Dazu gehörten Gerichtsrechte, Dorfherrschaften, Patronatsrechte, Kirchweihschutz sowie Wildbann an verschiedenen Orten.

Für die Herren von Parsberg führten die jetzt permanenten Konflikte in die wirtschaftliche Katastrophe. 1720 berichtete Johann Wolf von Parsberg dem Kaiser, die finanziellen Möglichkeiten der Familie seien durch die jahrzehntelangen Prozesse restlos erschöpft.

Der Übergang an das Haus Schönborn

Als Johann Wolf 1730 kinderlos starb, gelangte die Herrschaft als Reichslehen an die Reichsgrafen von Schönborn, denen die Anwartschaft schon 1708 übertragen worden war. Um späteren Konflikten aus dem Wege zu gehen, schlossen Reichsgraf Friedrich Karl von Schönborn (1674-1746), zu dieser Zeit Reichsvizekanzler und späterer Bischof von Bamberg, Lothar Franz von Schönborn (1655-1729), Erzbischof und Kurfürst zu Mainz (reg. 1695-1729, seit 1693 auch Bischof von Bamberg), und die ganze Familie Schönborn mit Kurfürst Karl Philipp (reg. 1716-1742) schon 1723 – also noch zu Lebzeiten des letzten Parsbergers – einen Vergleich. Die Schönborn erklärten sich bereit, die Herrschaft Parsberg vom Herzogtum Pfalz-Neuburg zu Lehen zu nehmen und jährlich einen festen Betrag für Steuer und Umgeld zu entrichten. Dafür wurde ihnen die Herrschaft samt allen Regalien und Territorialhoheit zugesichert.

Anerkennung als Reichsherrschaft und Übergang an Pfalzbayern

In einem weiteren Vertrag wurde Parsberg schließlich 1736/37 von Pfalz-Neuburg ausdrücklich als Reichsherrschaft anerkannt. Die Reichsherrschaft blieb bis 1792 im Besitz der Schönbornschen Familie. Kurfürst Karl Theodor von Pfalzbayern (reg. 1742-1799) kaufte sie in jenem Jahr für 400.000 Gulden. Parsberg wurde in den folgenden Jahren nicht als landesfürstliches Amt, sondern als Kabinettsgut verwaltet, das der Kabinettsgüteradministration in München unterstellt war. Erst 1799 wurde Parsberg zum Sitz eines Pfalz-Neuburger Landrichteramtes und damit Bestandteil der bayerischen Behördenorganisation.

Quellen

Vom Archiv der Herrschaft Parsberg sind Urkunden und Akten erhalten. Als eigener Bestand sind im Staatsarchiv Amberg die Lehenbücher, Lehenprotokolle und Lehenakten unter der Bezeichnung "Lehenpropstamt Parsberg" zusammengefasst. Im Schloss Parsberg hatte es ein Lehenamt gegeben, das die bedeutenden Reicheneckischen Lehen verwaltete.

Literatur

  • Michael Cramer-Fürtig, Landesherr und Landstände im Fürstentum Pfalz-Neuburg. Staatsbildung und Ständeorganisation in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, München 1995.
  • Helmut Flachenecker, Friedrich von Parsberg (+ 1246). 1237-1246 Bischof von Eichstätt, in: Erwin Gatz (Hg.), Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. Ein biographisches Lexikon. 1. Band, Berlin 2001, 159f.
  • Wilhelm Fricke, Die Itinerarien des Konrad von Parsberg, des Reinhard von Bemelberg und ihrer Mitreisenden über eine Pilgerreise nach Jerusalem im Jahre 1494. Zugleich ein Beitrag zur Erforschung von Fremdenfurcht und Fremdenfeindschaft im Spätmittelalter, Bochum 2000.
  • Jean Gallet, Hauts et puissants seigneurs sous les ducs de Lorraine et de Bar : (XVe–XVIIIe siècles), Nancy 2016, 84 f.
  • Martin Hoernes, Domdekan Konrad von Parsberg als Stifter der Willibaldskapelle in der Regensburger Domdechantei, in: Martin Angerer/Heinrich Wanderwitz (Hg.), Regensburg im Mittelalter. Beiträge zur Stadtgeschichte bis zum Beginn der Neuzeit, Regensburg 1995.
  • Friedrich H. Hoffmann u. a. (Bearb.), Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg. 4. Band: Bezirksamt Parsberg, München 1906.
  • Manfred Jehle, Die Reichsunmittelbarkeit der Herrschaft Parsberg, Parsberg 2009.
  • Manfred Jehle, Parsberg, in: Hans-Michael Körner/Alois Schmid (Hg.), Handbuch der historischen Stätten. 7. Band, 1. Teil: Altbayern und Schwaben, Stuttgart 4. Auflage 2006, 624f.
  • August Kerling, Beschreibung des Bezirksamtes Parsberg. Erläuterung zur Karte des Bezirksamtes Parsberg, bearbeitet für Schulen und den allgemeinen Gebrauch, Regensburg 1890.
  • Xaver Luderböck/Karl Menner, Die Parsberger zu Lupburg. Linie Christoph (I), in: Burgblick 2 (2003), 21-129.
  • Eckard Lullies, Das Lehnbuch der Schenken von Reicheneck von 1331, Nürnberg 2005.
  • Eugène Martin, Pulligny, in: Mémoires de la soci´té d'archéologie Lorraine et du musée historique Lorrain XLIII (3e série, XXIe vol.) (1893), 5 80, bes. 17, 22–38.
  • August Pokolm, Parsberg. Bayerischer Uradel in Dänemark, Parsberg 1989.
  • Alois Schmid, Parsberg im Herzogtum der frühen Wittelsbacher, Parsberg 2006.
  • Alfred Spitzner, Parsberger Chronik, Neumarkt 1950.

Weiterführende Recherche

Externe Links

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Empfohlene Zitierweise

Manfred Jehle, Parsberg, Herrschaft, publiziert am 27.05.2013; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Parsberg, Herrschaft> (13.11.2018)