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Circus Krone

Aus Historisches Lexikon Bayerns

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von Sabine Hanke

Der seit 1919 in München beheimatete Circus Krone gilt als der bedeutendste deutsche Großzirkus, der als einziger seiner Art seit dem frühen 20. Jahrhundert Bestand hatte. Diese Kontinuität darf jedoch nicht ausschließlich als Erfolgsgeschichte gelesen werden. Sie verdankt sich auch einer konsequenten Anpassung an politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Vorgeschichte und Gründung

Carl Krone, 1929. (Gebr. Obpacher, Stadtarchiv München DE-1992-PL-18239)

Der Circus Krone geht auf die 1870 von Carl Krone sen. (1833-1900) und seiner Frau Friederike (geb. 1842 oder 1849, geb. Philadelphia) gegründete 'Menagerie Continental' zurück. Krone stammte aus einer Bauernfamilie in Questenburg (Grafschaft Mansfeld) und war durch die Heirat in das Schausteller- und Menageriegewerbe der Familie Philadelphia gelangt. Nach ersten, wirtschaftlich erfolglosen Versuchen mit einer Schießbude und einer 'Afrikanischen Negerschau' - einer zur damaligen Zeit verbreiteten Form rassifizierender Zurschaustellung von Menschen, die als sog. 'Völkerschauen' bekannt wurden - etablierte er mit bescheidenen Mitteln eine reisende Tiermenagerie. Die fünf Kinder des Ehepaars wuchsen in diesem Umfeld auf. Nach dem Unfalltod des ältesten Sohnes Fritz (1860-1886) bei einer Bärenvorführung beschränkte die Familie ihre Darbietungen auf Tierausstellungen. Der jüngere Sohn Carl (1870–1943) erhielt zunächst eine Schulausbildung in Berlin, kehrte 1882 in den elterlichen Betrieb zurück und trat bald selbst als Dompteur auf. Mit dem Ankauf exotischer Tiere, darunter eines Elefanten (1886) und vier Löwen (1887), entwickelte sich die Menagerie zu einem erfolgreichen Menagerie-Circus. Nach dem Tod des Vaters übernahm Carl Krone jun. 1900 das Unternehmen, tilgte bis 1902 die bestehenden Schulden und baute den Betrieb aus. Im selben Jahr heiratete er Ida Ahlers (1876–1957), Tochter einer Schaustellerfamilie mit Affentheater. Gemeinsam erweiterten sie das Programm um Pferdedressuren und Raubtiernummern. Die 'Menagerie Charles', ab 1914 'Circus Krone', trat zunächst vor allem im ländlichen Raum im ganzen Reichsgebiet auf. Am 28. Mai 1905 erfolgte in Bremen die erste Vorstellung. Nach dem erfolgreichen Gastspiel schloss sich eine fünfmonatige Tournee in Dänemark an, die von Idas Vater Benoit Ahlers (1850-1940) organisiert wurde und als erster internationaler Erfolg des Unternehmens gilt.

Programmentwicklung und Spielbetrieb

Die Fassade des Circus Charles (Inhaber: Karl Krone) auf einer Fotografie um 1912. (Foto: Verlag und Bildarchiv Sebastian Winkler)

Nach erfolgreichen Tourneen in Skandinavien im Jahr 1908 verfügte der Circus Krone ab 1909 über ein Zelt mit 52 Metern Durchmesser und einer Kapazität von etwa 6.000 Besuchern. Feste Gebäude oder ein Winterquartier existierten zu diesem Zeitpunkt noch nicht; als offizieller Geschäftssitz diente die Berliner Adresse Danziger Straße 18. Im selben Jahr fand das erste Berliner Engagement des Circus Krone statt. Trotz der Konkurrenz etablierter Häuser wie des Circus Schumann und des Circus Busch konnte sich Krone auch hier erfolgreich behaupten. In den nächsten Jahren folgten Gastspiele in verschiedenen weiteren deutschen Städten. 1912 überschritt der Jahresumsatz erstmals die Marke von einer Million Mark. Internationale Auftritte führten das Unternehmen 1913 nach Charleroi (Belgien), wo es zeitgleich mit dem Hamburger Circus Willy Hagenbeck gastierte. Nach einem dortigen Unfall des Dompteurs Karl Feldmann verzichtete Ida Krone dauerhaft auf ihre bis dahin erfolgreiche Löwendressur. 1913 beendete der Circus Krone die Saison mit Vorstellungen in Budapest; für 1914 war eine große Frankreich-Tournee vorgesehen. Als Winterquartier wurde Lille gewählt. Im Frühjahr 1914 begann die Tournee, die auch Paris einschloss, blieb jedoch angesichts der angespannten politischen Lage und wachsender antideutscher Ressentiments hinter den Erwartungen zurück.

Erster Weltkrieg

Die "Indier-Truppe" des Circus Charles. Bildpostkarte vor 1914. (Münchner Stadtmuseum, Sammlung Puppentheater/Schaustellerei)

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs brach der Circus Krone die Frankreichreise ab. Er gastierte im Folgenden in Wien, (Premiere am 26. September 1914), wo er ab Herbst 1914 das Gebäude des Circus Busch am Praterstern als Winterquartier nutzte. Auftritte in Graz und Laibach (slow. Ljubljana) folgten. Trotz relativen Erfolgs erschwerten kriegsbedingte Maßnahmen den Spielbetrieb: Futtermittel und Transportkapazitäten waren knapp, Artisten aus feindlichen Staaten wurden in Österreich interniert, männliche Mitarbeiter einberufen und Lasttiere für den Kriegshilfsdienst zu Transportzwecken requiriert. Schwierigkeiten bereitete zudem die Rückführung von 25 aus Oklahoma engagierten indigenen Amerikanern, sog. Indianer. Das Programm enthielt neben Tiernummern auch ein patriotisches Manegeschaustück mit dem Titel Weltbrand, das zeitgleich inszenierten Stücken anderer Zirkusse wie Sarrasanis Europa in Flammen entsprach.

Zwischen 1915 und 1918 tourte das Unternehmen weiter durch Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich. Noch 1917 verfügte Krone über rund 200 Beschäftigte und nahezu 300 Tiere. Im Unterschied zu vielen anderen Zirkusunternehmen stellte Krone den Spielbetrieb nicht ein. Das Jahr 1918 brachte bei knapp elf Spielmonaten Einnahmen von über 1,3 Mio. Mark. Zum Kriegsende befand sich das Unternehmen in Magdeburg, wo es im Bau des Circus Blumenfeld Quartier nahm.

Krone in München

Rotunde des Zirkus Krone auf dem Münchner Marsfeld. (Postkarte, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Puppentheater/Schaustellerei)
Werbezettel für die Tierschau des Zirkus Krone um 1924. (Münchner Stadtmuseum, Sammlung Puppentheater/Schaustellerei)

1919 etablierte sich der Circus Krone mit einem festen Zirkusgebäude auf dem Marsfeld, welches Platz für 4.000 Besucher bot, dauerhaft in München. Die Stadt verfügte zu der Zeit über keinen festen Zirkusbau und hier hatte während des Krieges kein Zirkus gastiert. Angesichts der allgemeinen Geldknappheit nahm die Zirkuskasse in den Anfangsjahren teilweise auch Naturalien an, etwa Futtermittel für die Tiere.

In den frühen 1920er Jahren vollzog der Circus Krone eine programmatische Neuausrichtung, die sich am Vorbild des amerikanischen Großzirkus orientierte. Möglich wurde dieser Schritt durch die weitsichtige finanzielle Unternehmensführung: Anders als viele Konkurrenten, wie beispielsweise Sarrasani in Dresden, hatte Carl Krone erwirtschaftetes Kapital beständig reinvestiert und angelegt, sodass der Circus Krone die Inflationsjahre der frühen Weimarer Republik vergleichsweise unbeschadet überstand und in den 1920er Jahren zum kapitalstärksten deutschen Zirkusunternehmen avancierte. 1924 präsentierte das Unternehmen erstmals einen Sechs-Masten-Zirkus mit drei Manegen, zwei Bühnen und einer Rennbahn – eine Konfiguration, die das Spektakel im amerikanischen Stil verkörperte. Das Programm umfasste in jenem Jahr 72 Darbietungen; in Berlin wurden sogar 86 Nummern gezeigt. Die Kapazität des Zirkuszelts wurde auf bis zu 10.000 Zuschauer erweitert. Charakteristisch für dieses Konzept war das Massenaufgebot an Tieren - Programmen zufolge wurden 600 Tiere angepriesen - ergänzt durch Völkerschauen und eine Vielzahl artistischer Darbietungen. Der Circus Krone positionierte sich damit als einer der größten Zirkusse Europas, dessen Erscheinungsbild und Dramaturgie bewusst auf überwältigende Wirkung durch Quantität und Spektakel setzten.

"Hitler spricht!", NSDAP-Kundgebung im Krone-Bau, wahrscheinlich April 1923, aufgenommen aus Sicht des Redners Adolf Hitlers, Fotograf: Heinrich Hoffmann. (Bundesarchiv, Bild 146-1972-001-07 lizenziert durch CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons)
Elefant "Assam" sammelt für das Winterhilfswerk, Fotografie von Wilhelm Nortz, 1938. (Stadtarchiv München, DE-1992-FS-NSF-00976)

In den Sommermonaten tourte das Unternehmen und etablierte sich europaweit, während die Münchner Spielstätte im Winter als festes Haus genutzt und in der übrigen Zeit vermietet wurde. Damit gewann der Krone-Bau früh über den Zirkusbetrieb hinaus Bedeutung als zentraler Veranstaltungsort im städtischen Kultur- und Versammlungsleben, der auch politischen Veranstaltungen einen Ort bot. Am 3. Februar 1921 fand hier die erste Großveranstaltung der noch jungen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) statt. Zeitgenössische Berichte betonen, dass die Vermietung primär aus ökonomischen Erwägungen erfolgte. Gleichwohl verweist die Wahl des Krone-Baus auf die kulturpolitische Funktion des Hauses: als größter Versammlungsort Münchens bot er auch radikalen politischen Bewegungen die Möglichkeit, Massenwirksamkeit zu entfalten.

Krone während der NS-Zeit

Porträt von Frieda Sembach-Krone (1915-1995), 1960er Jahre. (Foto: Felicitas Timpe, Stadtarchiv München DE-1992-FS-PER-S-0011-02)

1933 trat Carl Krone der NSDAP bei; sein Schwiegersohn Carl Sembach (1908-1984) folgte 1937. Das Unternehmen wurde nach 1933 vom Propaganda- und Wirtschaftsministerium gefördert. Am 14. Januar 1939 besuchte der bedeutende US-amerikanische Zirkusunternehmer John Ringling North (1903-1985) eine Vorstellung in München und äußerte sich begeistert über das Programm – ein Hinweis auf die weiterhin gepflegte internationale Ausrichtung kurz vor Kriegsbeginn.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verstärkte sich der staatliche Zugriff auch auf den Circus Krone: Sommertourneen wurden von der Reichstheaterkammer zentral koordiniert, männliche Artisten wurden zum Kriegsdienst einberufen, und die Spielsaison 1939, mit Gastspielen in Kassel und Gera, wurde vorzeitig beendet. Dennoch trat das Unternehmen weiterhin mit eigenem Profil auf, etwa unter dem Motto "Krone – das Tor zur Circuswelt" (1940). In den Kriegsjahren folgten Gastspiele in deutschen Städten, während internationale Darbietungen aus den Programmen verschwanden. Exotische Tiere, darunter ein 1941 neu eingetroffenes Nashorn, bildeten weiterhin ein zentrales Element.

In den Kriegsjahren diente das Münchner Stammhaus als kultureller Zufluchtsort. Besucher berichteten, dass hier im Unterschied zu anderen Veranstaltungsorten kaum politische Propaganda spürbar gewesen sei, auch wenn Aufführungen regelmäßig durch Fliegeralarm unterbrochen wurden. Gleichzeitig erfüllte Krone eine vom Regime erwartete Funktion: Durch Vorstellungen für Arbeiter, Fronturlauber und Verwundete trug der Zirkus zur Stabilisierung der nationalsozialistischen Kriegsordnung bei. Am 4. Juni 1943 starb Carl Krone in München. Der Zirkus spielte unter der Leitung seiner Familie weiter, lagerte Tiere und Material nach Weßling aus und feierte im Mai 1944 noch das 25-jährige Jubiläum des Münchner Baus. Dieser wurde am 17. Dezember 1944 bei einem Luftangriff zerstört. Die Geschichte des Circus Krone während der NS-Zeit ist damit von einem Spannungsverhältnis geprägt: zwischen der Selbstdarstellung als unpolitisches Vergnügungsunternehmen und der faktischen Integration in die nationalsozialistische Kultur- und Propagandapolitik, ähnlich wie andere Großzirkusse in dieser Zeit.

Entnazifizierung und Nachkriegszeit

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand auch der Circus Krone vor einem Neuanfang. Das Stammhaus in München wurde an gleicher Stelle in verkleinerter Form mit rund 1.800 Plätzen wieder aufgebaut. Bereits am 11. November trat Krone in Garmisch-Partenkirchen auf – anlässlich des 60. Geburtstags des amerikanischen Militärgouverneurs George S. Patton (1885-1945) und ausschließlich für US-Soldaten. Die Premiere im neuen Münchner Bau folgte am 25. Dezember 1945 vor einem Publikum aus Stadtbevölkerung, Verwaltung und Besatzungsmacht.

Die ersten Nachkriegsjahre waren von politischer Kontrolle und Unsicherheit geprägt. Wegen Carl Krones NSDAP-Mitgliedschaft wurde der Zirkus 1946 unter Treuhandschaft gestellt und enteignet, die Direktion übernahm vorübergehend der Kinobesitzer Helmut R. Büttner. Programme erschienen zweisprachig, um sowohl Münchner als auch amerikanische Besucher anzusprechen, zugleich als Signal einer kulturellen Re-Internationalisierung. Frieda Sembach-Krone (1915-1995) musste zwischenzeitlich im Circus Althoff auftreten. Erst die Entnazifizierungsverfahren brachten eine allmähliche Rückkehr der Familie: Carl Krone wurde 1947 posthum als 'Mitläufer' eingestuft, seine Witwe Ida durfte den Betrieb wieder übernehmen; Carl Sembach folgte 1948 mit derselben Einstufung.

Ab 1949 reiste der Zirkus Krone erneut durch Westdeutschland. Mit 200 Mitarbeitenden und mehr als 300 Tieren entwickelte er sich rasch wieder zum größten Zirkus der Bundesrepublik. Die erste Nachkriegstournee führte in 24 Städte mit insgesamt einer Million Zuschauern. Während viele andere Großzirkusse ihre Aktivitäten noch nicht wieder aufgenommen hatten, expandierte Krone weiter. Ein wichtiges Signal für die Rückkehr auf die internationale Bühne war 1950 die Aufhebung des von Großbritannien und Belgien verhängten Auftrittsverbots für deutsche Artistinnen und Artisten – ein Erfolg, den die Familie Krone aktiv betrieben hatte. Bereits zuvor hatte der Zirkus ausländische Nummern zu sich nach München eingeladen, womit Krone bewusst eine Brücke zur internationalen Zirkuswelt schlug. Ende der 1940er- und frühen 1950er-Jahre festigte sich so nicht nur der wirtschaftliche Wiederaufstieg, sondern auch das Selbstverständnis des Unternehmens als kultureller Mittler zwischen Nachkriegsdeutschland und einer sich neu formierenden internationalen Unterhaltungswelt.

Geschichte des Zirkus in der Nachkriegszeit

Nach dem Wiederaufbau etablierte sich der Circus Krone in den 1950er Jahren erneut. Der Zirkus experimentierte mit neuen Formaten, um auf die Konkurrenz durch das aufkommende Fernsehen zu reagieren: 1955 wurde das 'Krone-Festival' eingeführt, das klassische Zirkustradition mit modernen Showelementen verband. Parallel erweiterte Krone seinen Tierbestand. Mit dem Neubau des Münchner Stammhauses 1962 – erstmals mit einer freitragenden Kuppel – erhielt der Zirkus ein repräsentatives Zentrum, das um Erweiterungsbauten ergänzt wurde. Ein Jahr später startete dort die Fernsehsendung 'Stars in der Manege', die bis 2008 als festliche Weihnachtstradition in der Bundesrepublik zu großer Bekanntheit gelangte.

Aufzeichnung der Benefizgala "Stars in der Manege" aus dem Jahr 1959 im Circus Krone-Bau, München. Die Sendung zeigt das für Krone charakteristische Programm der Nachkriegszeit: Tierdressuren — insbesondere Pferdedressuren —, ergänzt durch artistische Darbietungen. (Quelle:Youtube / Bayerischer Rundfunk)
Konzert der Beatles am 24. Juni 1966 im Circus Krone. Fotografie von Felicitas Timpe (1923–2006). (Bayerische Staatsbibliothek, Bildarchiv timp-007173)

Der Zirkus öffnete sich zunehmend auch der Film- und Fernsehbranche: Produktionen wie Tromba (1949), Salto mortale (1953) oder Die große Attraktion (1960) nutzten Krone als Schauplatz. Ein Engagement bei Krone galt in dieser Zeit als Auszeichnung, und internationale Artisten prägten sowohl die Winterprogramme im Münchner Bau als auch die Reisesaison. Gleichzeitig beschäftigte Krone Künstler aus osteuropäischen Staaten wie der DDR, Polen oder der UdSSR, wenngleich diese selten mit auf Tournee gingen.

Die Leitung blieb lange in Familienhand: Nach dem Tod von Carl Sembach 1984 übernahm Tochter Christel (1936-2017) das Reisegeschäft, während Mutter Frieda die Winterprogramme verantwortete. Mit Frieda Sembach-Krones Tod 1995 wurde Christel alleinige Direktorin des Unternehmens, das mit seinem monumentalen Acht-Masten-Zelt und über 5.000 Plätzen zur größten reisenden Zirkusstadt Europas avancierte. Neben Tierzelten, Werkstätten und eigener Küche gehörte auch eine Schule für die mitreisenden Kinder zur Infrastruktur. Doch der Wandel in der Zirkuslandschaft hinterließ Spuren: Schon 1980 hatte Krone das klassische Orchester durch Tonbandmusik ersetzt, 1983 begann man mit dem Verkauf von Raubtieren. Zwar konnte Krone seine Zuschauerzahlen in den 1980er-Jahren nochmals steigern, doch die Anpassung an neue Unterhaltungsformen und die Diskussion um artgerechte Tierhaltung machten deutlich, dass auch ein traditionsreiches Haus wie Krone fortwährend zwischen Bewahrung und Veränderung vermitteln musste.

Bedeutung

In der Gesamtschau zeigt die Geschichte des Circus Krone, wie eng der Aufstieg und die Beständigkeit eines Großunternehmens der Manege mit den politischen, kulturellen und sozialen Dynamiken des 20. Jahrhunderts verflochten waren. Hinter der Erfolgserzählung verbirgt sich ein Geflecht aus Anpassungsleistungen, strategischen Entscheidungen und Ambivalenzen, die den Zirkus ebenso geprägt haben wie seine künstlerischen Innovationen. Die Nähe zu politischen Machtzentren, etwa durch die Mitgliedschaft Carl Krones in der NSDAP, verweist darauf, dass der Fortbestand des Unternehmens nicht ohne problematische Verflechtungen mit den jeweiligen Herrschaftssystemen zu verstehen ist. Die oft beschworene Rivalität mit Sarrasani, die sich im absurden Wettstreit um die "größte Elefantenherde Europas" manifestierte, verdeutlicht zudem, wie sehr Prestige, Spektakel und Konkurrenzdenken über tierethische oder ökonomische Erwägungen gestellt wurden. Krone repräsentierte damit nicht nur die moderne Zirkusindustrie, sondern zugleich die Schattenseiten einer Unterhaltungskultur, die auf Reklame, Tierbeständen und nationalem Prestige beruhte. Trotz dieser Ambivalenzen blieb der Circus Krone prägend für die deutsche und europäische Zirkuslandschaft. Seine Geschichte spiegelt nicht nur die Entwicklung einer populären Kunstform, sondern auch den Wandel politischer und kultureller Ordnungen, denen er sich – mal opportunistisch, mal traditionsbewusst – stets anpasste.

Literatur

  • Ernst Günther/Dietmar Winkler, Zirkusgeschichte: Ein Abriß der Geschichte des deutschen Zirkus, Berlin 1986.
  • Lorenz Hagenbeck, Den Tieren gehört mein Herz, Hamburg 1955.
  • Sylke Kirschnik, Manege frei, Stuttgart 2012.
  • Ina Kuegler, Manege frei! Die Geschichte des Circus Krone 1870 bis heute, München 2020.
  • Klaus-Dieter Kürschner, Von der Menagerie zum größten Circus Europas: Krone, Berlin 1998.
  • Jewgeni Kusnezow, Der Zirkus der Welt, Berlin 1970.
  • Gisela Winkler, Von fliegenden Menschen und tanzenden Pferden, 2 Bände, Gransee 2015.

Quellen

  • Herrmann Dembeck, Manege frei, Berlin 1937.
  • August Heinrich Kober, Rund um die Manege, Stuttgart 1928.
  • Münchner Stadtarchiv, Sammlung "Circus Krone".
  • Robert Wilschke, Im Lichte des Scheinwerfers, Berlin 1941.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Zirkus Krone, Circus Charles

Empfohlene Zitierweise

Sabine Hanke, Circus Krone, publiziert am 26.05.2026; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Circus_Krone> (19.06.2026)