Freising, Dom

Blick in den Domhof und auf die Hauptfassade des Doms. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Wolf Christian von der Mülbe)
Romanisches Hauptportal zwischen Vorhalle und Langhaus. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Wolf Christian von der Mülbe)
Gemalte Scheinkuppel mit thronender Mutter Gottes von Cosmas Damian Asam. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Achim Bednorz)
Hochaltar mit Kopie des ursprünglichen Bildes von Peter Paul Rubens. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Achim Bednorz)
Johann-Nepomuk-Kapelle von Egid Quirin Asam. (Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Wolf Christian von der Mülbe)
Krypta mit sogenannter Bestiensäule. (Foto: Erzbischöfliches Ordinariat München, Hauptabteilung Kunst, Wolf Christian von der Mülbe)
Gitter zwischen den beiden Seitenschiffen, Mitte des 17. Jhs., mit restaurierter Farbfassung. (Foto: Hans Ramisch, 2015)
Innenansicht des von Cosmas Damian Asam 1724 neugestalteten Freisinger Doms. (Kupferstich von Franz Joseph Mörl, in: Freising. 1250 Geistliche Stadt. 2. Band: Beiträge zur Geschichte und Kunstgeschichte der altbayerischen Bischofsstadt, Freising 1994, 211)
Grundriss des Freisinger Doms. (in: Freising. 1250 Geistliche Stadt. 2. Band: Beiträge zur Geschichte und Kunstgeschichte der altbayerischen Bischofsstadt, Freising 1994, Umschlag)

von Hans Ramisch

Der Freisinger Dom ist Nachfolger einer Marienkirche, die der agilolfingische Herzog Theodo (ca. 680-725/28) im 7. Jahrhundert auf dem heutigen Domberg erbauen ließ. Mit der Gründung des Freisinger Bistums 739 wurde diese zur Bistumskirche. Bischof Anno (reg. 854-875) errichtete 855-875 einen größeren Dom anstelle der Marienkirche, der jedoch bei einem Brand im 12. Jahrhundert zerstört wurde. Der Neubau erfolgte unter Bischof Albert I. (reg. 1158-1184) in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Freisinger Dom wurde im Laufe der Jahrhunderte an die Baukunst-Vorstellungen der jeweiligen Zeit angeglichen und so im 15. Jahrhundert durch Jörg von Halsbach nach gotischen Vorstellungen, im 17. Jahrhundert auf Wunsch Fürstbischofs Veit Adam von Gepeckh (reg. 1618–1651) im Stil der Renaissance umgestaltet. Zur Tausendjahrfeier des Bistums Freising 1724 gestalteten die Brüder Egid Quirin (1692-1750) und Cosmas Damian Asam (1686-1739) den Innenraum des Doms nach Auftrag Bischofs Johann Eckher von Kapfing (1695/96–1727) neu. Der Dom beherbergt die Reliquien verschiedener Heiliger, u. a. die Gebeine des Missionsbischofs Korbinian (um 675–729/730). Die Überführung der Gebeine des hl. Korbinian nach Freising (765/768) machte die Bistumskirche zu einer Wallfahrtsstätte.

Funktionen

Die frühesten Nachrichten über einen Kirchenbau auf dem Freisinger Domberg überliefern für das 7. Jahrhundert eine Marienkirche als Pfalzkapelle der Agilolfinger. Seit der Gründung des Bistums Freising durch Bonifatius (ca. 673-754) 739 diente diese Marienkirche als bischöfliche Kathedrale. Ein 744 erwähntes Domkloster beherbergte die dort wirkenden Priester. Die Buchwissenschaft hat ein seit Bischof Arbeo (reg. 764/65–783) für den Freisinger Dom tätiges Scriptorium ermittelt, das liturgische Handschriften und andere Texte kopierte und kommentierte. Arbeo verfasste Lebensbeschreibungen von Bischof Korbinian und dem Regensburger Bischof Emmeram (7. Jh.). Ebenfalls regte er wahrscheinlich die Abfassung des ersten althochdeutsch-lateinischen Wörterbuches ("Abrogans") an. Er gründete die Dombibliothek und eine Domschule. Auch veranlasste er die Überführung der Gebeine des Missionsbischofs Korbinian (um 675–729/730) nach Freising (765/768). Korbinian hatte schon vor der Bistumsgründung hier gewirkt und war nach seinem Tod auf eigenen Wunsch am Grab des hl. Valentin (gest. ca. 475) in der Zenoburg bei Meran beigesetzt worden. Die Anwesenheit seiner Reliquien im Freisinger Dom machte die Kirche später zu einer Wallfahrtsstätte, der zahlreiche Stiftungen zuflossen. Im 14. Jahrhundert kam mit Reliquien des hl. Burgunderkönigs Sigismund (gest. ca. 524) ein weiteres Wallfahrtsziel hinzu. Weitere Heiltümer bildeten die Reliquien des hl. Nonnosus und des hl. Freisinger Bischofs Lantpert (reg. 937–957), das Lukasbild und das Gnadenbild "Maria auf der Stiegen".

Die "Kirche der hl. Maria und des hl. Korbinian" blieb bis zur Auflösung des Bistums Freising 1803 Kathedrale, wurde danach auf Abbruch verkauft, dieser aber durch die Intervention eines Freisinger Bürgers verhindert. Trotz der Nutzung als Kirche des Priesterseminars, das 1826 auf dem Freisinger Domberg eingerichtet worden war, und ihrer überkommenen Funktion als Weiheort der Priester des Erzbistums, blieb der Dom Nebenkirche der Pfarrei St. Georg in Freising. 1983 erhob ihn die Bischofskongregation in Rom auf Antrag von Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter (reg. 1982-2007) zur Konkathedrale des Erzbistums München und Freising. 1997 erhielt er eine eigene Domkirchenstiftung.

Der Freisinger Dom war seit der Bistumsgründung zentraler Ort für die Pontifikalliturgie, das Offizium (Chorgebet) des Domkapitels und zahlreiche gestiftete Gottesdienste (Messen und Andachten) an den Altären des Baus selbst und seiner Nebenräume. Diese Funktionen gaben Gelegenheit zur Entstehung einer reichen kirchenmusikalischen Praxis.

Die Mittel für den Bau und Unterhalt kamen aus zahlreichen privaten Stiftungen, über die seit der Karolingerzeit genau Buch geführt wurde. Deren Erträgnisse, nachweisbar in den Dom-Custos-Rechnungen des 15. Jahrhunderts, haben auch die zahlreichen Um- und Teilneubauten ermöglicht. Für eine Wirtschaftsgeschichte des Domes ist reiches Quellenmaterial erhalten, das jedoch noch der genauen Auswertung bedarf.

Die Eigentumsverhältnisse am Dom waren insofern klar, als die meisten Stiftungen auf den Besitztitel des Hochaltars erfolgten und so nominell der Gottesmutter und dem hl. Korbinian oder den heiligen Patronen der Seitenaltäre zustanden. Verwaltet wurden Einnahmen und Ausgaben von einem Mitglied des Domkapitels, dem Domkustos, der vom Bischof ernannt wurde und dem Kapitel rechnungspflichtig war. Der Bischof hatte und nutzte bei Bau- und Ausstattungsfragen Vorschlagsrecht, musste sich aber mit dem Kapitel einigen. Dies führte, überliefert in den Domkapitelprotokollen, zu zahlreichen oft recht schwierigen Verhandlungen und Modifikationen.

Vorgängerbauten und Baugeschichte

Über Vorgängerbauten des bestehenden Doms können keine gesicherten Aussagen gemacht werden, da bisher mit Ausnahme des Baptisteriums im heutigen Domhof keine Grabungsbefunde vorliegen. Die zu Beginn des 8. Jahrhunderts erwähnte Marienkirche wird als im "castrum", das heißt innerhalb des Herzogshofes, gelegen bezeichnet. Dessen genaue Lage auf dem Domberg ist jedoch auch nicht bekannt. Dies gilt auch für das Domkloster und eine 825 erwähnte erste Benediktuskirche. Bekannt sind nur die Orte der Peterskapelle nördlich des Doms, bereits 757 genannt, Begräbnisort des Bischofs Erchanbert (gest. ca. 854), und der Ende des 8. Jahrhunderts errichteten Andreaskirche, die bis 1803 bestanden. Für die Zeit Bischof Annos (reg. 855-875) wird ein größerer Domneubau angenommen, der in Teilen bereits die Flächen des bestehenden Baus bedeckt haben dürfte. An ihn wurde durch Bischof Abraham (reg. 957-993) ein Westwerk angefügt, das zu Beginn des 14. Jahrhunderts durch einen neuen Vorhallenbau ersetzt wurde. Eine Krypta wird erstmals zwischen 1053 und 1078 erwähnt; der heute erhaltene Bau gehört zum Neubau des Domes, der nach einem Brand von 1159 begonnen und 1205 geweiht wurde. Er ist ein frühes und bedeutendes Beispiel des mittelalterlichen Backsteinbaus in Süddeutschland. Von ihm sind heute noch die Krypta mit ihrer bildhauerisch gestalteten Mittelsäule ("Bestiensäule") und das Gewände des Westportals zu sehen. Aus dem 15. Jahrhundert sind bauliche Veränderungen durch Rechnungen belegt: ab 1445 Unterwölbung der "Lettern", d. h. der Emporen über den Seitenschiffen, 1479–1484 Einzug eines Rippengewölbes in das Mittelschiff durch Jörg von Halsbach (gest. 1488) und Lukas Rottaler (15./16. Jh.). 1443 erhielt der Hochaltar ein Flügelretabel von Jakob Kaschauer (gest. 1463) aus Wien, 1450 die Westwand innen das Bild eines Jüngsten Gerichtes von Meister Hermann. 1474 schuf der Münchner Bildhauer Hans Haldner einen neuen Lettner, 1489 Erasmus Grasser (gest. 1518) ein Sakramentshaus und eine Beweinungsgruppe. Spätmittelalterliche Ausstattungsstücke sind meist untergegangen oder wurden verändert und fragmentiert. Das spätgotische Chorgestühl von 1484–88, Sitz des Domkapitels, blieb dagegen über die folgenden Umgestaltungen hin bis heute erhalten.

Der Dom war am Ende des Mittelalters ein baulicher Organismus mit zahlreichen Altären für unterschiedliche liturgische Funktionen im Hoch-Chor, im Langhaus, in der Krypta, auf den "Lettern" und der Westempore, in den Seitenschiffen und zahlreichen an diese angebauten Kapellen sowie in der Vorhalle. Dazu kamen noch die Altäre in den angrenzenden Räumen und unmittelbar benachbarten Kirchen, der Sakristei, der Johanneskirche, der Benediktuskirche und der Peterskirche.

Erste systematische Umgestaltung des Innenraumes zum Jubiläum von 1624

Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (reg. 1618–1651) ließ aus Anlass des traditionellen Domjubiläums 1624 den Dom barock umgestalten: Der den Chorraum abschließende Lettner wurde entfernt und an seine Stelle eine Treppe vom Langhaus zum Chor über der Krypta eingebaut, deren Abgänge in die Seitenschiffe verlegt. Die Gewölberippen wurden abgenommen und die Gewölbeflächen mit ornamentalem Stuck eingefasst. Die im Laufe der Zeit entlang der beiden Seitenschiffe angefügten Kapellen vereinigte man zu einem zweiten Seitenschiffspaar, vom ersten durch kunstvoll geschmiedete Gitter abgeschirmt. Ihre Seitenaltäre kamen an die Außenwände.

Das neue Hochaltarretabel von Bildhauer Philipp Dirr (gest. 1633), 1625 fertiggestellt, erhielt ein Altarbild "Maria als apokalyptisches Weib" von Peter Paul Rubens (1577-1640) in Antwerpen (1804 nach Schloss Schleißheim [Lkr. München], 1836 in die Alte Pinakothek in München verbracht, seit 1926 im Hochaltar eine Kopie). Die neuen Seitenaltäre wurden mit Gemälden von anderen ersten Kräften der Zeit, Peter Candid (1548-1628), Mathias Kager (1566-1634), Ulrich Loth (gest. 1662) und Joachim von Sandrart (1606-1688) ausgestattet. Sie sind fast alle bis heute an Ort und Stelle erhalten. Das Orgelgehäuse mit bemalten, beweglichen Flügelbildern auf der Westempore und die Kanzel an der südlichen Langhauswand sind weitere Werke aus dieser Ausstattungsphase.

Umgestaltung zur Tausendjahrfeier 1724

Einhundert Jahre später, zur 1000-Jahr-Feier, entsprach die Gestaltung des frühen 17. Jahrhunderts nicht mehr dem Geschmack der Zeit und des jetzt regierenden, besonders geschichtsbewussten Fürstbischofs Johann Eckher von Kapfing (reg. 1695/96–1727). Schon 1699–1701 hatte er im Dom einen neuen Steinboden verlegen, dabei die Bischofstumben entfernen und deren Decksteine als Bischofsmemorie an den Wänden der Vorhalle anbringen lassen, die Grabsteine der Domherren an den Wänden des Domkreuzgangs. 1710 hatte er östlich an die Krypta und die darüber liegende romanische Ostapsis des Doms den zweigeschossigen Zentralbau der Maximilianskapelle anfügen lassen, zur Verehrung der Glaubensboten der Frühzeit in Bayern: Korbinian, Bonifatius, Rupert (gest. nach 716) und Maximilian (3. Jh.?). Eckher wollte hier auch bestattet werden.

Für das Jubiläum von 1724 ließ Bischof Eckher den Dom unter Beratung durch den Historiker Karl Meichelbeck (1699-1734) OSB von den Gebrüdern Cosmas Damian (1686-1739) und Egid Qurin (1692-1750) Asam aus München mit einer Festdekoration versehen, deren Realisierung auch Eingriffe in die Baugestalt verlangte. So mussten die Obergadenfenster im Langhaus erweitert und über dem Chorgestühl geschlossen werden, um dem Raum mehr Licht bzw. der neuen Ausmalung mehr Akzentuierung zu geben. Es sollte kein neuer Raum entstehen, sondern der 1000 Jahre alte Dom mit einem Bildprogramm versehen werden, das sein Alter und seine Würde hervorhob. So ließ Eckher die romanische Krypta, das spätmittelalterliche Chorgestühl sowie die Retabel der Altäre, die Kanzel und die Orgel, die 100 Jahre zuvor geschaffen worden waren, in das neue Gestaltungskonzept miteinbeziehen, um Geschichte sichtbar und erfahrbar zu machen.

Die Gebrüder Asam verwandelten den Dom mit Stuck, Farbe und Malerei in einen einheitlichen, rhythmisch gegliederten Gesamtraum. Dazu verkleideten sie über hohen Marmorsockeln die Pfeiler mit geschossübergreifenden Stuckmarmorpilastern. Sie fassten die seitlichen Arkadenwände durch verkröpfte Gebälke mit marmorierten Friesen zusammen, verzierten die freien Gewölbeflächen mit Goldbrokaten und schufen plastisch differenzierte, rosa gefasste Stuckaturen. Inschriften auf den Kapitellen der Pilaster assoziieren auf Wunsch von Bischof Eckher je ein Jahrhundert der Freisinger Kirchengeschichte. Gerahmte Bildflächen an den Gewölbeunterseiten übergreifen mehrere Joche. Auf sie und die Emporenbrüstungen verteilte Cosmas Damian Asam seine Bilder.

Meichelbeck berichtet, dass die Gebrüder Asam in der wegen ihres ehrwürdigen Alters mit den gotischen Rippengewölben belassenen Vorhalle auf drei Stuckdraperien drei heilsgeschichtliche Ereignisse aus dem Leben von Abraham, Isaak und Jakob als allegorische Entsprechungen zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist bzw. zu Glaube, Hoffnung und Liebe als Vorbereitung auf das trinitarische Bildprogramm der Raumachse gemalt hatten, das im Deckenbild über dem Hochaltar in der Anbetung des Lammes durch die Ältesten (Offb 5,6 ff.) seinen Höhepunkt findet. Die heute fehlende Taube des Heiligen Geistes war in der Mitte eines zwischen Deckenbild und Hochaltar vermittelnden Stuckvorhangs dargestellt, der im 19. Jahrhundert entfernt wurde.

Über dem Bischofssitz und dem Chorgestühl, den liturgischen Orten von Pontifikalliturgie und Chorgebet, thront in einem von unten gesehenen, gemalten, überkuppelten Säulentempel, Symbol der 1000 Jahre alten "ecclesia frisingensis", die Kirchen-Patronin Maria mit dem segnenden Kind auf den Armen, umgeben von den als Stuckfiguren gemalten vier Evangelisten in den Kuppel-Zwickeln, Symbolen der "ecclesia catholica et apostolica".

Das östliche Gewölbebild im Langhaus in den beiden Jochen über der großen Chorstiege, auf der damals der Altar "Unser Frauen auf der Stiegen" stand, zeigt das Dankopfer Freisings aus Anlass der 1000-Jahr-Feier vor dem Zeichen des dreifaltigen Gottes, zu dem die Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe hinstreben, auf die in den unter Joachim von Sighart (1824-1867) zerstörten Vorhallenbildern hingewiesen worden war.

Das fünf Joche umfassende Bild über dem Kirchenschiff feiert den hl. Korbinian und seine Tugenden, die über die Laster triumphieren.

Das westliche Deckenbild ragt in den Raum über der Orgelempore hinein und ist der Hirtentugend des hl. Korbinian gewidmet.

In den Stichkappen begleiten in blaugrauen und hämatitfarbenen Tönen gemalte Grisaille-Allegorien die Hauptbilder.

Auf den Emporenbrüstungen wird in 20 Bildern die Geschichte des hl. Korbinian erzählt.

Die Deckenbilder der Seitenschiffe und der Lettern beziehen sich auf die Patrozinien der dort aufgestellten Altäre (hl. drei Könige und Sigismund).

1737/38 gestalteten die Gebrüder Asam noch die Kapellen an den östlichen Enden der inneren Seitenschiffe. Nur die an der Südseite gelegene Kapelle überdauerte die von Joachim von Sighart geforderten und ab 1869 durchgeführten stilpuristischen Eingriffe, denen auch der stuckierte Vorhang über dem Hochaltar, dessen Auszugsengel, die Asamsche Weißfassung des Chorgestühldorsales sowie die Stuckaturen der äußeren Seitenschiffe und der Vorhalle samt deren Bildern zum Opfer fielen.

Der Innenraum wurde 1919-1921 restauriert. Die dabei verursachten Veränderungen am Raumbild der Gebrüder Asam wurden ab 1993 untersucht und 2004–2006 so weit wie möglich beseitigt.

Das Äußere des im Zweiten Weltkrieg vor Zerstörungen verschonten Freisinger Doms erhielt bei einer stark in den Bestand eingreifenden Umbaumaßnahme 1960–1970 sein heutiges Aussehen.

Ort der Memorialkultur

Mit den Gräbern des hl. Korbinian und der meisten der 60 Bischöfe von Freising sowie zahlreicher Domherren ist der Dom der zentrale Memorialort des Bistums Freising und auch seines Rechtsnachfolgers, des Erzbistums München und Freising.

Am 14. September 2006 besuchte Papst Benedikt XVI. (reg. 2005-2013) den Freisinger Dom. Unter seinem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger wurde er dort 1951 zum Priester geweiht, von 1952–1957 wirkte er während seiner Lehrtätigkeit an der Philosophisch-theologischen Hochschule Freising als Priester und hatte von 1977–1981 als Erzbischof von München und Freising Priesterweihen gespendet sowie das Korbiniansfest.

Quellen

Quellen bewahren vor allem das Hauptstaatsarchiv München und das Archiv des Erzbistums München und Freising auf; dazu kommen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München und der Dombibliothek Freising. Sie bilden die Grundlage für die schon im 18. Jahrhundert begonnene vielfältige Forschungsarbeit zur Geschichte des Freisinger Doms.

Literatur

  • Sebastian Anneser/Friedrich Fahr/Sylvia Hahn u .a. (Hg.), Asam in Freising, Regensburg 2007.
  • Hermann Bauer/Frank Büttner/Bernhard Rupprecht (Hg.), Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 6. Band: Landkreis Freising, bearb. von Brigitte Volk-Knüttel/Anna Bauer-Wild/Jutta Tezmen-Siegel, München 1998.
  • Sigmund Benker, Das Heilige Grab und die Beweinungsgruppe im Freisinger Dom, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 42 (2012), 10–24.
  • Sigmund Benker, Das Hochaltarbild des Freisinger Domes in den Jahren 1804 bis 1889, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 42 (2012), 232–238.
  • Sigmund Benker, Der Dom im ersten Jahrtausend, in: Joseph A. Fischer (Hg.), Der Freisinger Dom. Beiträge zu seiner Geschichte, Freising 1967, 1–43.
  • Sigmund Benker/Alois Elsen/Michael Höck, Der Mariendom zu Freising (Kleine Kunstführer 200), Regensburg 2008.
  • Sigmund Benker, Philipp Dirr und die Entstehung des Barock in Baiern (Beiträge zur altbayerischen Kirchengeschichte 20/3), München 1958.
  • Bernhard Bischoff, Die südostdeutschen Schreibschulen in der Karolingerzeit. 1. Teil: Die bayerischen Diözesen, Wiesbaden 2. Auflage 1960, 59ff.
  • Hermann-Joseph Busley, Die Geschichte des Freisinger Domkapitels von den Anfängen bis zur Wende des 14./15. Jahrhunderts, München 1956.
  • Roman Deutinger/Romedio Schmitz-Esser, Wie Freising zu Barbarossa kam. Zum Figurenprogramm am Westportal des Freisinger Doms, in: Knut Görich (Hg.) Barbarossabilder, Regensburg 2014, 238 –259.
  • Friedrich Fahr/Hans Ramisch/Peter B. Steiner (Hg.), Freising. 1250 Jahre Geistliche Stadt. Ausstellung im Diözesanmuseum in Freising, München 1989.
  • Friedrich Fahr/Hans Ramisch/Peter B. Steiner (Hg.), Freising. 1250 Jahre Geistliche Stadt . 2. Band: Beiträge zur Geschichte und Kunstgeschichte der altbayerischen Bischofsstadt, München 1994.
  • Hubert Glaser/Franz Brunhölzl/Sigmund Benker (Hg.), Vita Corbiniani. Bischof Arbeo von Freising und die Lebensgeschichte des hl. Korbinian, München 1983.
  • Roland Götz, Das Freisinger Domkapitel in der letzten Epoche der Reichskirche (1648-1802/03), Sankt Ottilien 2003.
  • Roland Götz, Die Grabdenkmäler im Freisinger Dom und die Grabsteinbücher von Fürstbischof Eckher bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in: Hubert Glaser (Hg.), Das Grabsteinbuch des Ignaz Alois Frey. Beiband zum 37. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising, Regensburg 2002, 59–73.
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  • Walter Haas, Der romanische Bau des Domes in Freising, in: Jahrbuch der Bayerischen Denkmalpflege 29 (1972-74), hier 1975, 18–34.
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  • Richard Hoffmann, Die gegenwärtige Altarausstattung des Freisinger Domes, München 1924.
  • Benno Hubensteiner, Die geistliche Stadt. Welt und Leben des Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck, Füstbischof von Freising, München 1954.
  • Norbert Jocher, Aspekte der jüngsten Restaurierung des Freisinger Doms, in: Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst in München 25 (2010), 104–113.
  • Josef Maß, Das Bistum Freising in der späten Karolingerzeit (Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte 2), München 1969.
  • Alois Mitterwieser, Der Dom zu Freising und sein Zubehör zu Ausgang des Mittelalters, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 11 (1918), 1-98.
  • Berndt Oesterhelt, Der Chorraum des Freisinger Domes im Mittelalter, München 1966.
  • Hans Ramisch, Der Freisinger Dom, in: ders./Peter Pfister (Hg.). Marienwallfahrten im Erzbistum München und Freising, Regensburg 2. Auflage 1990, 33-42.
  • Hans Ramisch, Ein monumentales Kruzifix von Jakob Kaschauer in der Pfarrkirche St. Georg in Freising, in: Jahrbuch des Vereins für Christliche Kunst in München 22 (2004), 142-154.
  • Hans Ramisch, Korbinian von Freising, in: Lexikon der Christlichen Ikonographie. 8. Band, Freiburg im Breisgau 1974, 337–339.
  • Hans Ramisch. Meister Sigmund Haring, Maler und Bürger in Freising, nachgewiesen 1451–1491. Archivalische Nachrichten und darin bezeugte Werke, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 42 (2012), 61–92.
  • Joseph Schlecht, Die Altäre des Freisinger Doms, München 1903.
  • Rainer Schmid, Die Restaurierung des Freisinger Doms, in: Das Münster 62 (2009), 368–383.
  • Leo Weber, Die Erneuerung des Domes zu Freising 1621-1630 mit Untersuchungen der Goldenen-Schnitt-Konstruktion Hans Krumppers und zum Hochaltarbild des Peter Paul Rubens, München 1985.
  • Matthias Weniger, Der Freisinger Hochaltar des Jakob Kaschauer – Geschichte, Kontext und Nachwirkung, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Freising 42 (2012), 26–59.

Quellen

  • Archiv des Erzbistums München und Freising, Domkapitel Freising.
  • Archiv des Erzbistums München und Freising, Heckenstaller-Sammlung.
  • Archiv des Erzbistums München und Freising, Realia.
  • Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. I (Ältere Bestände vor 1800), 2. (An Bayern gefallene geistliche Territorien und Institutionen): Urkunden und Hochstiftsliteralien des Hochstifts und des Domkapitels Freising
  • Die Inschriften der Stadt Freising, gesammelt und bearbeitet von Ingo Seufert auf der Grundlage von Vorarbeiten von Sabine Ryue unter redaktioneller Mitarbeit von Ramona Epp und Christine Steininger. Mit Beiträgen von Sigmund Benker, Franz-Albrecht Bornschlegel und Ramona Epp (Die Deutschen Inschriften 69, Münchener Reihe 12), Wiesbaden 2010.
  • Hans Ramisch (Hg.), Die Freisinger Dom-Custos-Rechnungen von 1447–1500 (Studien zur altbayerischen Kirchengeschichte 10/1/2) München 1998.
  • Josef Schlecht, Monumentale Inschriften im Freisinger Dome. 6 Bände, München 1900–1916.

Weiterführende Recherche

Externe Links

Empfohlene Zitierweise

Hans Ramisch, Freising, Dom, publiziert am 30.09.2015; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Freising,_Dom> (17.02.2018)